G 20-Kooperation statt Konfrontation: made in „global village“!

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Sonntag, 14. November 2010 00:19:00

„Kooperation oder Konfrontation?“ war die auch für die Weltbörsen nicht ganz unbedeutende Frage beim G 20-Gipfel in Korea. Als positive „Kooperationsergebnisse“ kann die G 20 vermelden, das einige Emerging Market-Länder wie China, Indien, Korea jetzt beim IWF mit im Boot sind und damit auch Mitverantwortung tragen. Der Einfluss der USA wird damit also geringer. Der IWF soll offensichtlich immer mehr die Lenkungsfunktion im „global village“ im Falle von Fehlentwicklungen, also auch bei überbordenden Handelsungleichgewichten und Währungsfragen übernehmen. Ich vermute, der IWF wird früher oder später damit überfordert sein, aber warten wir es ab.

Auch soll nun für alle G 20 Länder Basel III eingeführt werden und das bedeutet, dass die für Risikogeschäfte relevanten Eigenkapitaldecke bei Banken von 4 auf 6% aufgestockt wird, was Sinn macht, aber das Kreditvergabepotential einschränkt. Auch hier bin ich im Zweifel, ob das ausreicht, drohende Finanzkrisen in Zukunft zu verhindern. Sicherlich ist ein größeres Eigenkapitalpolster notwendig, aber damit ist der Leverage für Banken immer noch (zu) hoch. Auf der anderen Seite muss auch in Zukunft mehr Risikokapital bereit gestellt werden, um die Innovationsfähigkeit eines Landes zu fördern. Hier sollten Venture Capital und Private Equity Fonds in Zukunft mehr steuerlich gefördert werden, denn bei der Bereitstellung von Risikokapital handelt es sich um eine unternehmerischen Akt, der mehr Mitverantwortung auch bei den Kapitalgebern – so auch bei den Banken - erfordert. Nun haben die Banken mit ihren eigenen „Schummel-Produkten“ und der Rendite-Gier ein Eigentor geschossen: anstelle von Geschäftsausweitung kamen viele Banken der Welt durch das Counter Part Risknach der Lehman Brothers–Pleite 2008 in Bedrängnis.

Bisher gingen in diesem Jahr in den USA 146 Banken pleite, was zu einem Minus beim Einlagensicherungsfonds von „nur“ 15 Mrd. USD führte. Bisher waren aber – anders als 2008 - keine systemisch relevanten Banken dabei. Der FIDC selbst spricht aber von 800 Problembanken mit einem möglichen Forderungsausfall von 800 Mrd. USD in Zukunft. Problematisch sind weiterhin die Hypothekenbanken in die USA, aber auch die Anleihenversicherer wie Ambac, die kurz vor der Pleite stehen.

Viele überlebenswichtige Fragen sind beim G 20 Gipfel meine Erachtens nicht befriedigend gelöst oder gar nicht angesprochen worden wie der „harmonisierte“ Schuldenabbau, die Entwicklung von effizienten Frühwarnindikatoren im Finanzsystem, der immer noch notwendige Deleveraging- und Kapitalisierungsprozess, das Erkennen und Vermeiden von global untragbaren Risikogeschäften, das Ausdünnen von Steueroasen, das Vermeiden von Schneeballsystemen. Die Großbanken haben 2008 beim Risk Management – und nicht nur dort - eindeutig versagt.

Stresstests gehören eigentlich zur normalen Übung bei jeder Großbank. Aber es wird leider nicht immer der „worst case“ getestet, sondern Rahmenbedingungen, wo alles noch managebar ist. Es fehlen also die „black swans“ im Stresstest. Es fehlt auch eine globale Transparenz-Zentrale von Risikogeschäften und „ungedeckten Wechseln“. Der IWF soll in Zukunft mehr globale Überwachungsfunktionen bekommen. Der IWF wird damit in Zukunft wohl auch überfordert sein, aber immerhin hat man dann nur einen Schuldigen später, nämlich den IWF, der alles hätte viel früher erkennen müsse. Nun, wenn die FED nun selbst der Initiator eines neuen (alten) Schneeballsystems ist, wird man seitens der USA alles vermeiden, um dies konkret anzusprechen.

Aber selbst die „Sparweltmeister“ Deutschland und Japan schaffen es nicht, Schulden zurückzuzahlen. 4,6 Billionen € an Sparkapital stehen in Deutschland 1,7 Billionen an Staatsschulden gegenüber, wobei mit Zukunftsverpflichtungen der Staatsschulden über 6 Billionen € betragen. Deutschland ist also immer noch relativ reich. Ich verstehe nicht, wie bei einem so starken Aufschwung XXL wie jetzt wieder 46 Mrd € an Neuschulden in 2011 notwendig sind. Sicherlich: bei jedem Sparprogramm werden die Gewerkschaften und auch die Betroffenen selbst auf die Straße gehen und protestieren. Es bedarf also keiner Glaskugel, um vorherzusagen, dass die Straßenproteste in 2011/12 größer und auch gewaltsamer ausgetragen werden. Eines ist aber klar: Die Zeche muss irgendeiner irgendwann zahlen nach dem Motto den letzten beißen die Hunde. Die USA werden auch im nächsten Jahr wieder über 1 Billion USD an Neuschulden produzieren.

Und nun kommt der entscheidende Punkt: wenn das „Weiterrollen“ (Roll over) von neuen Staatsanleihen nicht mehr funktioniert, bricht das System von heute auf morgen in sich zusammen und zwar durch die globale Vernetzung auch global. Dabei kann ein Schwelbrand leicht einen Flächenbrand auslösen. Das wissen natürlich (hoffentlich) auch die Finanzminister der G 20 – und deren Berater - ganz genau, aber was tun sie dagegen? In jedem Fall soll der IWF die neue globale Feuerwehr spielen und die Emerging Markets sind diesmal mit als Feuerwehrmänner mit dabei.

Zunächst soll nun wieder Irland geholfen werden. Irland hat aufgrund der Bankenpleiten ein Rekord-Haushaltsbilanzdefizit von 32%, das aber bis 2014 durch Etatkürzungen und Steuererhöhungen auf 3% reduziert werden soll. Die Anleihenrenditen bringen dort 8,7% (und mehr), was gegenüber deutschen Bundesanleihen mit 2% wie ein attraktiver „Renditetiger“ aussieht. Nur ist Irland ohne Hilfe der EU faktisch pleite, ebenso wie Griechenland. Als nächster Pleitekandidat wird Portugal im nächsten Jahr die Finanzmärkte beunruhigen; aber auch Großbritannien könnte aufgrund des Sparprogramms in eine Rezession kommen. So richtig gefährlich wird es aber erst, wenn die Staatsanleihen von großen Industrienationen nicht mehr gekauft werden oder wenn das Rating wackelt. So hat China zuletzt zu Recht anklingen lassen, dass das AAA-Rating von amerikanischen Anleihen schon lange nicht mehr gerechtfertigt ist. Zum Glück wurde daraus kein Affront, der die globalen Finanzmärkte beunruhigt. Die fortlaufenden Zinserhöhungen in China werden bisher mit einiger Gelassenheit von den Weltbörsen aufgenommen.

Falls aber US-Staatsanleihen nicht hinreichend platzierbar sind, muss die FED weiter Gelddrucken und Staatsanaleihen aufkaufen. Jetzt sind es jedem Monat 75 Mrd. USD. In Zukunft könnte es sogar mehr werden. Jede Versteigerung von US-Staatsanleihen könnte in 2011/12 ein spannendes und weltbedeutendes Thema werden – auch für die Welt- und Ostbörsen. Es ist auch anzunehmen, dass die „PIGS“ auch in 2011 auf „Wiedervorlage“ bei den G 20 Finanzministern und vor allem den nächsten EU-Gipfel sein wird. Auch der Euro bleibt in Gefahr, wenn die „PIGS“ nicht aus der Rezession herauskommen. Es bleibt also ein Tanz auf dem Vulkan.

Ich befürchte, dass es in Zukunft bei der Neuplatzierung von Staatsanleihen nicht nur in der EU, sondern global ein „Collective Action Clauses“ geben wird, so dass die Anleihenzeichner wissen, dass die Anleihendauer, also die Laufzeit, verlängert und/oder die Anleihen niedriger verzinst werden, was nichts anders sein wird als ein kollektiver Forderungsverzicht. Ich bin mir sicher, dass im Hintergrund schon jetzt an einem neuen Rettungsschirm gearbeitet wird, wo die Banken mehr mit ins Boot kommen werden.

Was jetzt passiert ist leider nicht ein „heilsamer Schnitt“, sondern die Fortsetzung oder Erhaltung eines fragwürdigen und äußerst fragilen Systems, das systemimmanent Ungleichgewichte und Instabilitäten sowie unheilvolle Finanzblasen produziert. Es ist gut, das die Weltwirtschaft jetzt nach dem Schreckensjahr wieder wächst, in einigen Teilen der Welt sogar dynamisch - vor allem in den Emerging Markets. Dadurch werden aber jetzt nur viele Finanzprobleme verdeckt und zeitlich nur nach hinten verschoben. Die meisten global aufgestellten Unternehmen verdienen jetzt wieder prächtig, was die Börsen mit neuen Jahreshöchstkursen honorieren. Dabei half sogar der noch nicht ganz ausgebrochene Währungskrieg, denn ein schwacher Dollar fördert die Steigerung der Aktien- und Rohstoffmärkte, woran die USA ein elementares Interesse haben.

Die im Vorfeld des G 20-Gipfels bekannten Spannungen zwischen USA du China und auch USA/Deutschland bezüglich der Handelsungleichgewichte wurden zwar auch beim G20 Gipfel angesprochen, aber sie eskalierten nicht. Man einigte sich auf eine „verbale Harmonisierung“. Obama ist der Auffassung, dass die Exporte beschränkt werden müssen, was aber nicht durchsetzbar war. Die USA werden sich aber dauerhafte Billigimporte aus China nicht gefallen lassen und wahrscheinlich doch früher oder später mit höheren Importzöllen reagieren. In jedem Fall nehmen der Einfluss der USA ab und der von Deutschland und China zu.

Es ist schon jetzt so, dass über 50% der US-Produkte im Haushalt und auch bei der Kleidung aus China stammen. „Made in USA“ hat also Seltenheitswert. Made in Germany dominiert im Maschinenbau.“Made im global village“ wird die Zukunft. Aber auch bei den großen Dow Jones-Konzernen und den DAX-Unternehmen befinden sich die Produktionsstätten vielfach im Ausland, weil dort die Lohnkosten wesentlich geringer sind. Obama hat zwar Recht, dass die exportstarken Nationen auch ihre Binnenwirtschaft stärken sollen, um ihr Wachstum nicht nur über den Export und damit, wie er meint, zu Lasten der USA zu generieren. Was China angeht, so gibt es auch dort eine sehr starke Binnenkonjunktur. Für die Weltbörsen und Weltkonjunktur wird aber weiterhin von Bedeutungen sein, dass auch China und Indien weiter so dynamisch wachsen.

Dass bei Konsumartikeln bei vielen Produkten „made in China“ drauf steht, ist sicherlich für Obama ärgerlich nach dem Motto „China exportiert und die USA konsumiert“ und verschuldet sich dabei aber auch über maßen. Ich bin dennoch für die USA für das nächste Jahr recht zuversichtlich, dass ein „Double Dip“ vermieden werden kann und sich die Produktivität und Profitabilität weiter erhöht. Die mittelfristigen Folgewirkungen und Nebenwirkungen der jüngsten FED-Endscheidung zugunsten des „Q2“ sind aber noch nicht absehbar. Es könnte sich Inflationspotential aufbauen, was für die Weltbörsen kurz- und mittelfristig - nicht aber langfristig! - von Vorteil wäre. Statt Asset-Deflation gibt es dann Asset-Inflation. Genau dies bezweckt Bernanke aber auch, denn nichts wäre jetzt schlimmer für die USA als eine Asset-Deflation. Die tragenden Säulen für den US-Konsum sind die Werthaltigkeit von Immobilien und Aktien, da darauf die Altersversorgung aufgebaut ist. Brechen Immobilienpreise und Aktienkurse ein, wird auch mit einer gewissen Zeitverzögerung der Konsum einbrechen.

Noch profitieren aber fast alle Aktien- und Rohstoffmärkte von dem Gelddrucken der FED im Volumen von 600 Mrd USD. Ich nehme an, dass der G 20-Gipfel in Korea von Anlegern als Non Event an den Börsen wahrgenommen wird. So stabilisierte sich der DAX am Freitag noch mit einem Plus von 0,17% bei 6734 Indexpunkten, wobei der Dow Jones Industrial Index am Freitag leicht um 0,8% auf 11.192 Indexpunkte nachgab. Der Goldpreis gab am Freitag deutlich um 2,9% auf 1368 USD/Unze und der wesentlich volatilere Silberpreis um 5,36% auf 25,96 USD/Unze nach, was nach den neuen Jahreshöchstkursen aber nicht verwundert und auch nicht beunruhigt. Ich erwarte hier weiterhin hohe „Vola“ nächste Woche. Nickel brach um 6,24 auf 22.400 USD/Tonne und der Zuckerpreis sogar um fast 10% auf 26,3 USc ein. Der Euro fiel zum Dollar auf 1,3661 EUR/USD. Die Korrektur war nach der Rallye seit Anfang September überfällig und dürfte sich fortsetzen, wenn der Euro zum Dollar auf unter 1,36 EUR/USD geht. In diesem Fall sollten Sie auch an den Welt- und Ostbörsen im Trading-Bereich mehr in Liquidität oder short gehen.

Der RTS-Index stabilisierte sich – wie schon in der Vorwoche - bei knapp über 1600 Indexpunkten, was ein Kursplus von etwas über 10% seit Jahresbeginn bedeutet. Dabei stiegen einige Aktien wie X 5 Retail Group und Novatek sogar auf ein neues Allzeit-Hoch. Wesentlich stärker war der Kursanstieg in Polen, vor allem bei Small und Mid Caps, was Anleger über das MIDWIG-Zertifikat abdecken können. Es gibt selektiv auch fortan Outperformance-Chancen an den Ostbörsen. So stiegen Aktien aus dem Baltikum in Estland schon über 60%.

Bestellen Sie daher jetzt ein Probe-Abo für den monatlich erscheinenden Ostbörsenbrief EAST STOCK TRENDS (EST, siehe www.eaststock.de) und/oder melden Sie sich jetzt für das nächste Emerging Market-Seminar am 24. November 2010 um 16.00 in Frankfurt/M gleich nach dem Eigenkapitalforum an (Infos und Programm unter www.eaststock.de, dort unter Seminare). Sowohl im EST als auch beim Seminar wird auch immer auf das „big picture“ eingegangen, also auf die Hintergründe der gegenwärtigen Gold/Silberhausse und das Pro und Contra an den Weltbörsen, was immer auch Rückwirkungen auf die aufstrebenden Ostbörsen hat.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 190% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 290% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 1000% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Bespiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit. Auch russische Gold/Silberaktien wie Polimetall haben noch Potential.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste Emerging Market-Seminar wird am 24. November 2010 um 16.00 Uhr gleich nach dem Eigenkapital Forum in Frankfurt/M stattfinden (siehe www.eaststock.de). Dort wird sich auch der neue Russlandfonds von Danske Capital vorstellen. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

Interview-Hinweise: Am 25. November wird Andreas Männicke von Dr. Bernd Jünemann im Deutschen Anleger-Fernsehen (DAF, www.anleger-fernsehen.de) über die Chancen in Osteuropa befragt. Andreas Männicke wurde am 6. September 2010 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) über die Investmentchancen im Baltikum befragt. Die Börse OMX Tallin zählt mit einem Plus von 53% seit Jahresbeginn zu den Top-Performern der Weltbörsen. Sie können sich das Interview jetzt unter www.eaststock.de runterladen ebenso wie das letzte Interview von Andreas Männicke in der FAZ vom 26. August 2010 über Osteuropa.

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