Furioser Jahresauftakt lässt hoffen

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Samstag, 03. Januar 2009 16:33:00

„Happy new year!“ Die Weltbörsen starteten unisono zu Jahresbeginn am 2. Januar mit einer Kursrallye gen Norden nach dem Motto: „Das Horrorjahr 2008 haben wir hinter und gelassen, fangen wir mit Mut und Zuversicht mit dem neuen Jahr an!“. Der Dow Jones Index schoss um 2,94% bzw. 258 Indexpunkte auf 9034 Indexpunkte und der DAX sogar um 3,39% bzw. 162 Indexpunkte auf 4973 Indexpunkte in die Höhe. Der Nikkei-Index startete immerhin mit einem Plus von 1,28% (+112 Indexpunkten) auf 8859 Indexpunkte.

Die ersten 7 Tage an der Wall Street sind oft maßgeblich für das ganze Jahr. Im letzten Jahr waren die ersten Handelstage an der Wall Street von starken Kurseinbrüchen geprägt. Jetzt kommt es darauf an, dass in der nächsten Woche Anschlussorder erfolgen.

Von der Markttechnik sieht es recht gut aus: der DAX ist aus der Trading-Range 4600 bis 4850 nach oben ausgebrochen, was nun Raum bis 5200 lässt. Der Dow Jones Industrial Index befindet sich nur knapp oberhalb der Trading-Range 8400 bis 9000 Indexpunkten. Erst wenn die 9000-er Marke nachhaltig (also mit über 100 Indexpunkten 2 Tage lang) überwunden wird, werden auch die anderen Weltbörsen der Wall Street folgen. Am Montag rechne ich zunächst mit einer Seitwärtsbewegung oder leicht fallenden Kursen durch Gewinnmitnahmen. Entscheidend dürften also die Tage Dienstag bis Donnerstag (6.-8. Jnauar) werden – vielleicht sogar für das ganze Jahr. Fallen aber die Indices wieder in die alte Trading-Range zurück, wäre das enttäuschend. Dann ist aber auch mit einer volatilen Seitwärtsbewegung in diesem Jahr zu rechnen. Fallen die Kurse in der nächsten Wochen unter die Trading-Range, also der DAX unter 4600 oder der Dow Jones unter 8400 Indexpunkte, wird es ein weiteres Bärjahr mit neuen Tieftskursen und „Tsnunami-Wellen“ geben. Viele Konkurse bei Großunternehmen könnte der Auslöser einer weiteren Tsunami-Welle sein, wobei besonders auf den Wackelkandidaten General Motors zu achten ist. So – oder so ähnlich – ist die jedenfalls die Auslegung der ersten 7 Tage an der Wall Street. Aber sicherlich gibt es auch Ausnahmen von dieser 7-Tages-Regel. Es lohnt sich also für Sie, jetzt besonders aufmerksam zu sein.

An der Moskauer Börse wird zwar aufgrund der ausgedehnten Weihnachtsferien – die orthodoxen Weihnachten finden in Russaldn erst am 7. Januar statt – nicht gehandelt; dafür stiegen aber die an der Londoner Börse gehandelten russischen ADR/GDR bei einigen Blue Chips im zweistelligen Prozentbereich. Damit wurde der Kurseinbruch am 29. Dezember –ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich im ADR/GDR-Markt auch wieder wettgemacht. Dies zeigt aber auch wie volatil die russischen Aktien immer noch sind. Kursschwanken von über 10% an einem Tag, bei einzelnen Aktien (wie gestern bei der Sberbank) sogar über 20% sind keine Seltenheit. So stiegen am 2. Januar die Kurse der Sberbank intraday um 22% auf 122 € und vom dem Gasgiganten Gazprom um 13,43% auf 11,4 €, obwohl Gazprom der Ukraine am 1. Januar wie zuvor angekündigt den Gashahn wegen rückständiger Schulden in Höhe von 2,4 Mrd. USD abgedreht hat.

Die Verhandlungen von Gazprom mit der Ukraine waren zu Sylvester gescheitert. Das Problem ist, dass die Ukraine zwar zahlungswillig ist, aber aufgrund der Finanzkrise kein Geld hat, die Schulden für Gaslieferungen zu begleichen. Die ukrainische Gasgesellschaft Naftogas ist selbst kurz vor der Pleite, weil die ukrainischen Großkunden vor allem aus dem Stahl/Kohlesektor ihre Gasrechnungen nicht mehr bezahlen können. Der IWF hat Ukraine mit 16,5 Mrd. USD vor dem Default knapp gerettet und die Ukraine will nicht IWF-Gelder zur Begleichung der Russland-Schulden verwenden. Auch Weißrussland bekam jüngst einen Kredit in Höhe von 2,5 Mrd. USD. Weißrussland muss mit 128 USD/1000 Kubikmeter aber wesentlich weniger für die Gaslieferungen zahlen als die Ukraine mit 180 USD/1000 Kubikmeter Gas, was der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko für ungerecht hält. Die Ukraine könnte ihrerseits nun die Transitgebühren für Gazprom anheben. Schon jetzt verdient die Ukraine etwa 1,5 Mrd. USD an Transitgebühren. Russland beklagt sich immer wieder, dass Gas von der Ukraine gestohlen wird, was für den Transit nach West-Europa vorgesehen ist.

Die Ukraine bezieht drei Viertel der Erdgaslieferungen in Höhe von 76 Mrd. Kubikmeter von Russland. Der Ex-Primier Julia Timochenko plädiert schon lange dafür, sich von Russland unabhängiger zu machen und das Gas von anderen Energielieferanten wie Tadschikistan zu beziehen und auch die Eigenförderung zu fördern. Eine sehr zwielichtige, dubiose Rolle spielt seit Jahren die Gashandelsgesellschaft RusUkrEnergo, eine Tochter von Gazprom mit Sitz in Moskau, als – nicht notwendiger - Zwischenhändler für die Gaslieferungen von Russland in die Ukraine. Daher bestreitet Naftogas Schulden gegenüber Gazpom zu haben, da Naftogas das Gas von RusUkrenergo bezieht. Hier wurden in den letzten Jahren schon Milliarden US-Dollar abgezweigt. Eigentlich ist dies schon lange ein Fall für den Untersuchungsausschuss und zwar sowohl für das ukrainische Parlament als auch für das russische Parlament. Aber keiner kümmert sich so recht darum. Es ist wahrhaft „dirty business“ mit mafiaähnlichen Strukturen, was RusUkrEnergo schon seit Jahren betreibt. Aber die Ukraine ist wohl zu sehr mit sich selbst beschäftigt als sich mit den Gasgeschäften von RusUkrEnergo zu befassen. Dabei ist doch die Öl/Gasexpertin Julia Tymochenko, die schon seit einigen Monaten einen ungewöhnlichen Schmusekurs mit Russland fährt, voll im Thema!? Damit drohen jetzt ähnliche Szenarien wie beim Jahresübergang 2005/6 als Gazprom der Ukraine schon einmal die Gaslieferung über Nacht einstellte. Damals kam es über 3 Tage auch zu Lieferengpässen nach Europa (Deutschland). Das soll dieses Mal aber vermieden werden, falls nicht die Ukraine Transitgas für eigene Zwecke verwendet, was Diebstahl wäre.

Der Ukraine drohen ohnedies in diesem Jahr deutlich höhere Gaspreise, die aber noch nicht festgelegt wurden. Gazprom will von der Ukraine nun 250 USD pro 1000 Kubikmeter Gas nach zuvor 180 USD bekommen, was aber die akuten Zahlungsprobleme der Ukraine nur noch verschärfen würde. Nach Westeuropa sollen aber die Gaspreise sinken, da auch die Ölpreise von 150 auf unter 40 USD/Barrel gefallen sind. Für Westeuropa betrogen die Gaspreise zuletzt 460 bis 525 USD. Die Gaspreise dürften in diesem Jahr auf unter 400 USD angepasst werden. Weißrussland muss im Moment nur 128 USD bezahlen. Auch hier muss Weißrussland mit einem starken Anstieg der Gaspreise in Zukunft rechnen, wobei hier Gazprom eine guten Deal bezüglich der Gastransitleitungen ausgehandelt hat. Gazprom besitzt dort 50%. Dies will aber die Ukraine um jeden Preis verhindern. Die Ukraine will Eigentümer der Gastransitleitungen bleiben. Daher will Gazprom auch die Nordische Pipeline zur Umgehung Ukraine zusammen mit EON/BASF neu bauen. Hier gibt es aber große Widerstände der Umweltbehörden aus Schweden und Finnland, die den Baubeginn verzögern. Auch Polen und die baltischen Länder sind gegen die Nordische Pipeline, da sie sich dann von Gas angeschnitten fühlen.

Für die GUS-Länder werden die Gaspreise in jedem Fall nach oben angepasst, was gut für die Gazpromaktionäre ist. Putin hat schon angedroht, dass die Zeit der niedrigen Gaspreise aufgrund der stark gestiegen Erschließungskosten nun vorbei sei, wobei er vornehmlich wohl die GUS-Republiken dabei im Auge hat. Trotz der Finanzkrise hat Gazprom das Budget für dieses Jahr auf ein neues Rekordniveau erhöht. Der Gazpromchef Alexej Miller geht davon aus, dass Gazprom auch in diesem Jahr über 30 Mrd. USD netto erwirtschaften kann. Gazprom sei daher an de Börse deutlich unterbewertet.

Auf der anderen Seite ist bei einem Ölpreis von deutlich unter 50 USD/Barrel nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Russland mit einer Rezession zu rechnen. Die meisten Analysten gehen aber noch von einem Wachstum von 2-3% bei BSP nach 6,5% im Vorjahr in Russland aus. Der WTI Ölpreis stieg am 2. Januar deutlich um 22% bzw. 8 USD auf 46 USD und der Brent-Ölpreis um 19% bzw. 7,8 USD auf 47,2 USD/Barrel während der OPEC-Ölpreis als Durchschnittspreis von 13 Ölsorten nur leicht über 40 USD/Barrel zulegen konnte. Damit schien aber die von der OPEC Ende letzten Jahres beschlossene radikale Fördermengenverminderung ab dem 1. Januar um 2,4 Mio. Barrel/Tag auch schon erste Wirkungen zu zeigen.

Der Ölpreis ist für Russland sowohl für den Haushalt als auch für das BSP-Wachstum nach wie vor von großer Bedeutung. Bei einem Ölpreis von unter 50 USD/Barrel wird der russische Haushalt defizitär und die Handelsbilanz wohlmöglich auch, was wieder den Rubel weiter schwächen würde. Der russische Finanzminister Alexej Kudrim erwartet für dieses Jahr mit einem Etatdefizit in Höhe von 2,5 Billionen Rubel (=63 Mrd €). Dies wird jedenfalls das schwierigsten Jahr der letzten 10 Jahre für Russland werden. Der Rubel gab alleine im Dezember um fast 20% nach. In diesem Jahr wird bei einem anhaltend schwachen Ölpreis von einem weitren Währungsverlust um 20% zum USD gewarnt. Russlandanleger sollte daher in den nächsten Tagen und Wochen sehr sorgsam auf den Ölpreis achten.

Ausblick 2009: Dieses Jahr wird das Jahr der Bewährung der Konjunkturprogramme werden; es ist das Jahr der größten Herausforderungen in der Nachkriegszeit. Alle Konjunkturdaten, die auf eine Stabilisierung der großen Volkswirtschaften, vor allem der USA, hindeuten, werden von der Börse mit starken Kursausschlägen nach oben honoriert werden. Auf der anderen Seite sollte der Anleger auch die geopolitischen Gefahren (Nahost Konflikt = Gefahr von Terrorgefahren), Pakistan/Indien (mit Atombomben im Boot), Iran etc aus den Augen verlieren. Israel sollte die kriegsähnliche Bombardierung von Zivilisten in Gaza-Stadt mit schon über 300 Toten schnellstens beenden, da sonst sich die Terrorgefahren weltweit erhöhen. Wir sollten nichts so schnell vergessen, was vor kurzem in Bombay passiert ist. Ein schwarzer Schwan wäre es , wenn so etwas demnächst wieder in London oder New York passiert. Auch Obama sollte mit solchen „schwarzen Schwänen“ also negative Überraschungen, mit denen kaum einer rechnet, die aber von Bedeutung sind, ins Kalkül ziehen. Zudem muss er die schwierige Iran-Frage klären, wobei Iran angeblich die Hamas mit Waffen unterstützt.

Auch die Wirtschaftsdaten werden im 1. Quartal 2009 vor allem in den USA noch negativ ausfallen, Auch wird es in diesem Jahr einige „schwarze Schwäne“ geben. Es wird also nach Angela Merkel das „Jahr der schlechten Nachrichten“ werden. Ich würde es begrüßen, wenn wir uns alle gerade jetzt von dem Obama-Effekt anstecken und der Auffassung sind, dass die Krise von uns bewältigt werden kann. Mehr Solidarität in der Bevölkerung und ein Zusammenrücken wäre schon ein Fortschritt.

Von den Mega-Konjunkturprogrammen sollten vor allem Bauwerte profitieren (wie Hochtief, Bilfinger und Berger, aber auch Strabag SE). Wer Mut hat, kauft sich aber schon jetzt ein Portfolio von russischen Unternehmensanleihen mit Renditen im deutlich zweistelligen Prozentbereich. Welche Anleihen aussichtsreich sind, können Sie in der nächsten Ausgabe des monatlich erschienenden Newsletters EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) nachlesen. Die Slowakei hat am 1. Januar den Euro eingeführt und damit dem Euro nach 10 Jahre Bestehen die Krone augesetzt. . Auch hier locken hohe Kursgewinne; allerdings ist der Handel an der Mini-Börse Bratislava noch sehr illiquide. Den Euro drohen aber große Probleme in 2009 und den Folgejahren durch die großen wirtschaftlichen Unterschiede im Euroraum. Deutschland bleibt Zahlmeister Nummer 1.

Es wird aber auch dieses Jahr ein Eldorado für Trader werden. Gönnen Sie dem Staat 25%, Ihrer Gewinne. Er braucht das Geld für die Konjunkturprogramme! Ich nehme an, dass Sie in der Einkommensteuer über 25% liegen und daher von der neuen Abgeltungssteuer als Trader profitieren, denn Sie brauchen jetzt nicht mehr auf Steuertermine achten oder gar aus steuerlichen Überlegungen Aktien (zu lange) halten. Dies wurde in 2008 vielen Anlegern zum Verhängnis. Eine „Buy and Hold–Strategie“ führte in 2008 zum Fiasko mit Wertverlusten von über 50% - bei Ihnen auch? Achten Sie jetzt mehr denn je auf die Markttechnik. Auch die Makler würden es begrüßen, wenn Sie jetzt wieder etwas aktiver an der Börse werden! Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

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