Finanzkrise in Osteuropa betrifft uns alle

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Sonntag, 22. März 2009 21:12:00

Es war eine ereignisreiche Woche: Die EU beschloss bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel, notleidenden Ländern in Osteuropa in einem Volumen von 50 Mrd. € zur Seite zu stehen. Auch soll der IWF-Reservenfonds verdoppelt werden. Zunächst sollen Verhandlungen mit Rumäniena ufgenommen werden, um das Land mit 7 Mrd. € aus der Finanzklemme zu helfen. Damit dürfte es vorerst einen Staatsbankrott in Osteuropa nicht so schnell geben. Das Wort Solidarität soll in der EU groß geschrieben werden. Dafür wollen sogar Österreich, Liechtenstein und die Schweiz in begründeten Fällen jetzt auf das Bankgeheimnis verzichten.

Gleichzeitig wurde im deutschen Parlament der Weg für Enteignungen im Bankensektor geebnet. Die FED überraschte die Märkte mit einen Liquiditätsspritze im Volumen von 1 Billion USD, was ich als letzte Verzweifelungstat einstufe. Es fragt sich, ob diese Ausufern von Geldpumpen nicht früher oder später nach der Deflation in eine Hyper-Inflation mündet und wie das Geld, das in Umlauf gebracht wird, später wieder abgeschöpft werden soll. Die Wall Street reagierte zunächst hoffnungsvoll mit Kurssteigerungen, an Freitag aber eher zögerlich und „nachdenklich“. Der Dow Jones fiel am 20. März um 1,65% auf 7278 Indexpunkte und der S&P 500-Index um 1,98% auf 768 Indexpunkte. Dies verwundert nicht, den in der letzten Woche gab es historische Beschlüsse von großer Tragweite, von denen die Nachwelt noch lange reden Welt. Die nächsten historischen Beschlüsse, die die Finanzwelt verändern werden, werdeen nun beim G20-Gipeltrefen im April erwartet.

Finanz- und Wirtschaftskrise in Osteuropa

Die globale Finanzkrise ist eindeutig auch in Osteuropa angekommen. Alle osteuropäische Länder müssen in diesem Jahr entweder erhebliche Wachstumsrückgänge hinnehmen oder geraten in eine Rezession. Dennoch sollte man Osteuropa sehr differenziert betrachten, denn jedes Land ist von der Krise unterschiedlich betroffen. Während für einige Länder (wie Russland, Kasachstan und Ukraine) vor allem der Verfall der Rohstoffpreise zu einem Einbruch der Konjunktur gebracht haben, sind die mittel- und auch südosteuropäischen Länder sehr von dem Gedeihen der Wirtschaftsbeziehungen nach Europa abhängig. Da aber auch das „Alte Europa“ in eine Rezession gleitet, leiden darunter auch die südost- und mittelosteuropäischen Länder. Dennoch bleibt die Konvergenzstory für die meisten Länder intakt, d.h. der Aufholprozess des in vielen osteuropäischen Ländern immer noch geringen Lebensstandards wird durch die globale Krise zwar verlangsamt bzw. unterbrochen; er wird sich langfristig aber wieder fortsetzen, so dass nach Überwindung der Krise auch wieder mit weit überdurchschnittlichen Wachstumsraten zu rechnen ist. Vor der Krise wuchsen die osteuropäischen Länder im Durchschnitt doppelt so stark wie westeuropäische Länder.

Ist „Osteuropa“ zu hoch verschuldet?

In den letzten Wochen gab es in verschiedenen Medien Darstellungen, dass „Osteuropa“ zu hoch verschuldet ist und diese Überschuldung auch zum Problem für den Euro und die Stabilität in Europa werden könnte. Auch diese pauschale These muss relativiert und differenziert betrachtet werden. So ist es zwar richtig, das die osteuropäischen Länder insgesamt 1,7 Billionen USD vom Ausland geliehen und in diesem Jahr 450 Mrd. Dollar (353 Mrd. €) an kurzfristigen Fremdwährungsverbindlichkeiten zurückzahlen bzw. refinanzieren muss, davon fallen aber 50% auf den Bankensektor und der Bankensektor ist wird mehrheitlich von westlichen Banken wie Uncredit und österreichischen Banken bzw. deren Töchter beherrscht. Insofern finden sich die Kredite nach und in Osteuropa auch in den konsolidierten Bilanzen westlicher Großbanken wieder. Zudem sollte man dabei berücksichtigen dass der „Roll over“ (= das Weiterrollen) von Krediten/Ausleihungen bei einigen westlichen EU-Ländern genauso groß oder sogar größer ist, wie in ganz Osteuropa (Belgien 375 Mrd. USD, Irland 477 Mrd. USD, Niederlande 550 Mrd. USD). Entscheidend ist außerdem die Nettoverschuldung.

Zum Beispiel beträgt die Bruttoauslandsverschuldung von Ungarn 209 Mrd. USD (=127% des BSP), die Nettoverschuldung aber weniger als die Hälfte, was nur 55% des BIP ausmachen. Wenn man dann noch Kredite unter den Unternehmen abzieht, beträgt die Verschuldung nur 45% des BSP. Die Netto-netto-Zahlen sind aber kaum für jedes Land verfügbar und sie werden auch immer erst nachträglich nach 3 Monate für die letzten Quartale von den nationalen Statistikbüros geliefert. So wurden am 18. März die neuen Verschuldungszahlen der Ukraine für das 4Q08 gemeldet. Demnach fiel die Brutto-Auslandsverschuldung von 105 auf 103 Mrd. USD; dabei erhöhten sich aber die reinen Staatsschulden von 14,1 auf 14,6 Mrd. USD, während die Bankauslandsschulden von 42 auf 39 Mrd. USD abnahmen. Die Unternehmensauslandsschulden nahmen sogar von 44 auf 40 Mrd. USD ab. Die kurzfristige Brutto-Auslandsverschuldung vermindert sich um 8 Mrd. USD von 34 auf 26 Mrd. USD. Das bedeutet, dass das Roll-Over (das Weiterollen) von Krediten abnimmt und mehr zurückgezahlt wird.

Die Erste Bank schätzt, dass in diesem Jahr etwa 65 % aller auslaufenden Kredite weitergerollt werden können, der IWF geht von 85% aus. Die Währungsreserven reichen mit etwas über 12 Mrd. USD aber nicht aus, um im worts case die kurzfristigen Auslandverbindlichkeiten decken zu können. Die Währungsreserven werden sich in diesem Jahr voraussichtlich von 22 auf etwa 11 Mrd. USD halbieren. Daher ist die Gefahr eines Staatsbankrotts immer noch nicht gebannt, wenn nicht der IWF oder Europa weitere Gelder zur Verfügung stellt. Ebenso sind die Währungsreserven in Lettland mit 3 Mrd. USD viel zu gering in Relation zu den Bruttoschulden in Höhe von 32 Mrd. USD

Den Ostblock gibt es nicht mehr!

Im Januar 2007 betrug die Nettoverschuldung von Osteuropa 207 Mrd. USD, was in Relation zu südeuropäischen Ländern überschaubar ist. Im Übrigen ist schon der Begriff „Osteuropa“ irreführend bzw. zu pauschalierend. Bekanntlich gibt es den „Ostblock“ nicht mehr und was sich aus dem Ostblock ergeben hat, sind über 30 verschiedene Länder mit höchst unterschiedlichen Entwicklungen und auch unterschiedlichen Verschuldunggraden. So fällt ein Großteil der Schulden von „Osteuropa“ auf Russland, wo der Staat aber im Moment die geringste Verschuldungsprobleme hat. Hier haben sich die Verschuldungsprobleme ausschließlich auf die Unternehmen/Banken mit in der Summe fast 500 Mrd. USD verlagert, während der Staat selbst fast schuldenfrei ist. Ich plädiere also mit Nachdruck für eine sehr differenzierte Fall zu Fall bzw. Land zu Land-Betrachtung und im Land wieder die Differenzierung von Brutto- und Netto-Schulden sowie die Relation zum BIP und zu den Währungsreserven.

Die Verschuldungszahlen beim „Roll over“ in „Osteuropa“ sind von Land zu Land sehr unterschiedlich So hatte Polen bis zum 3.Quartaal 2009 kurzfristige Auslandsverbindlichkeiten in Höhe von 62 Mrd. USD, was „nur“ 11% des BIP sind, während Belgien 1,2 Billionen USD an kurzfristigen Auslandsverbindlichkeiten weiterrollen muss, was 227% des BIP sind Italien hat mit 944 Mio. USD fast doppelt soviel kurzfristige Auslandsverbindlichkeiten wie ganz Osteuropa, was 37% des BIP ausmacht, also mehr als dreimal soviel wie in Polen. In der Ukraine müssen 26 Mrd. USD kurzfristig weitergerollt werden, was 13% des BIP sind usw.

Die ganze Welt muss sich entschulden, allen voran die USA!

Im Moment befindet sich die ganze Welt in einem Entschuldungsprozess, neudeutsch „Deleveraging-Prozess“, der auch noch fortgesetzt werden muss. Dieser ist auch für „Osteuropa“ schmerzhaft, da dann auch die Finanzmittel zur Wachstumsfinanzierung fehlen. Viele Länder, aber auch Unternehmen, haben akute Probleme mit der Refinanzierung bzw. der Anschlussfinanzierung von auslaufenden Krediten und Anleihen. Die Flucht in die Staatsanleihen kann daher auch der falsche Weg sein. Im Klartext: wenn die China und Japan in Zukunft nicht mehr im Umfang von Billionen Dollar neuen US-Staatspapieren kaufen, hat auch die USA ein Problem, der im worst case bis zum Staatsbankrott führen kann. Dass nun schon die FED 300 Mrd. USD Staatsanleihen aufkaufen will (muss), sehe ich eher als Alarmzeichen, obwohl die Börsen positiv reagierten. 1 Billion USD ist die größte und gewagteste Liquiditätsspritze der FED, womit „Helikopter-Ben“ seinem Spitznamen alle Ehre macht. In den USA könnte die Notenbank zwar weiterhin US-Staatpapiere aufkaufen, was die Geldmenge und später auch die Inflationsgefahr enorm erhöhen wird. Für einige Finanzierungsvarianten wie Kreditderivate, aber auch für Genusscheine gibt es schon gar keinen Märkte mehr. Folge ist, dass die Banken die Werte in den Büchern bis auf Null abschreiben müssen. Das geschieht gerade weltweit. Der Abschreibungsbedarf bei „osteuropäischen“ Banken ist, was Subprime-Kredite, strukturierte Produkte und Kreditderivate angeht,. zwar gering; dafür erhöhen sich die Kreditrisiken bei Privatkrediten und Unternehmenskredite. Aber auch hier ist die Summe überschaubar.

Auslandsdirektinvestitionen nehmen ab

In diesem Jahr werden sich die Auslandsdirektinvestitionen nach „Osteuropa“ erheblich vermindern. Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten wie Bulgarien, Rumänien und die baltischen Länder sind bei sich vermindernden Auslandsdirektinvestitionen sehr verwundbar, zumal dann, wenn die Währungsreserven nicht ausreichen, um die kurzfristigen Nettoverbindlichkeiten für Banken und den Staat zu zahlen. Der Nettokapitalzufluss in die CEE 6 Kernländer (Polen, Ungran, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Türkei) wird nach den Schätzungen des IIF (Institute of International Finance) um 60 Mrd. USD vermindern. Zudem wird die Interbanken-Finanzierung von der Mutter zur Tochterbank von 90 auf 22 Mrd. USD in „Osteuropa“ heruntergeschraubt, was wiederum zu Liquiditätsengpässen bei den „osteuropäischen“ Banken führt. Die Auslandsdirektinvestitionen, die in den Jahren 2003-2007 zu fast 100% die Leistungsbilanzdefizite deckte, werden sich halbieren und nur noch zu 55% die Leistungsbilanzdefizite decken können. Unter normalen Umständen kommt dann auch Druck auf die Währung auf, wie es bei vielen „osteuropäischen“ Währungen auch schon der Fall war; nur werden die Währungen in Bulgarien und in den baltischen Ländern durch Koppelung an den Euro künstlich stabil gehalten.

Damit es zu keiner weiteren, zu starken Kapitalflucht aus den Ländern ins Ausland kommt, könnte in Zukunft verstärkt Kapitalmarktrestriktionen eingeführt werden, was wiederum ausländische Investoren, vor allem Portfolioinvestoren, abschrecken wird, in diese Länder zu investieren. Noch sind die Probleme in „Osteuropa“ aber überschaubar und sie betreffen eben auch nicht alle Länder gleichermaßen.

Schulden in „Osteuropa sind keine „Peanuts“, aber überschaubar

Die amerikanische Versicherung AIG erhält Staatsmittel im Volumen von über 180 Mrd. USD; das Haushaltbilanzdefizit wird in den USA dies Jahr 1,8 Billionen USD betragen.. Schon wenn man diese Größenordnungen vergleicht, relativiert sich die auf den ersten Blick erschreckend hohe Zahl für die kurzfristigen Verbindlichkeiten in „Osteuropa“. Bei der Insolvenz von Lehman Brothers müssen über 600 Mrd. USD abgewickelt werden. Dies ist mehr als die jetzt fälligen 450 Mrd. USD, wobei noch nicht klar ist, was davon uneinbringlich ist und abgeschrieben werden muss und was auch mit Hilfe des IWF oder in Zukunft eines Sonderfonds refinanziert werden kann. Dabei soll die Situation in „Osteuropa“ in keinem Fall „verniedlicht“ werden. Die Gefahr von Massenprotesten in „Osteuropa“ auf der Strasse ist durchaus gegeben. Dennoch ist eine allzu pauschalierte „Panikmache“ jetzt wenig förderlich.

In Relation zum BIP sind die osteuropäischen Länder nicht zu hoch verschuldet mit Ausnahme von Ungarn, Lettlands und der Ukraine. Bei den meisten Ländern beträgt die Netto-Auslandsverschuldung zum BIP weniger als 60%, so dass sei in diesem Punkt die Maastricht-Kriterien erfüllen. Auch waren bisher mit Ausnahme von Ungarn bei den meisten osteuropäischen Ländern nicht die Haushaltsbilanzdefizite aus dem Ufern gelaufen, ganz anders als jetzt bei vielen westlichen Industrienationen durch die Mega-Konjunkturprogramme. Die Eurozone außer „Osteuropa“ ist mit 70% zum BSP weit höher verschuldet. Einige südeuropäische Länder wie Portugal, Spanien und Griechenland haben sogar größere Verschuldungsprobleme als „osteuropäische“ Länder. So beträgt die Auslandsverschuldung Portugals 200% des BIP.

Sicherlich gibt es auch in „Osteuropa“ große Probleme: In Relation zu den Währungsreserven sind Ukraine und Lettland zu hoch verschuldet, während andere Länder noch ausreichend Währungsreserven haben (wie Polen mit 44 Mrd. € Währungsreserven bei Brutto-Auslandschulden in Höhe von 190 Mrd. €). Maßgeblich sind zudem die Netto-Auslandschulden, bei denen die Verschuldungs-Kennziffern dann noch besser sind. Zudem gibt es Länder, wo die private Verschuldung der Bevölkerung in Relation zum BSP recht hoch ist und andere Länder, wo sie immer noch sehr niedrig ist. In den letzten Monaten wurden in verschiedenen Medien diese Differenzierungen kaum vorgenommen, sondern allzu pauschaliert dargstellt, dass „Osteuropa“ zu stark verschuldet sei und darunter nun Westeuropa und auch der Euro leide. Auch könne deswegen der Euro auseinanderbrechen. Vergessen wird bei dieser Argumentation auch, dass gerade West-Europa (auch Deutschland) durch den Aufschwung in Osteuropa eine Sonderkonjunktur bekam. So wäre wahrscheinlich Deutschland in den Jahren 2003-2008 schon viel früher in eine Rezession geschlittert, wenn es noch ein so dynamisches Wachstum in Osteuropa in diesem Jahr gegeben hatte und der Außenhandel mit „Osteuropa“ stark anstieg was auch Arbeitsplätze schaffte.

Die osteuropäischen Banken haben zwar kein Subprime-Problem, aber sie haben Problem im normalen Kreditgeschäft und auch mit der Refinanzierung ihrer Anleihen. Österreichische Banken haben allein 230 Mrd. € (mit Bank Austria 300 Mrd. €) nach „Osteuropa“ ausgeliehen und sich damit besonders stark in Osteuropa engagiert, was nun zu einem erhöhten Abschreibungsbedarf führt. Schwedische Banken haben Kredite im Volumen von 60 Mrd. € alleine in den baltischen Raume gegeben. Vor allem Lettland verschuldete sich zu hoch. In Lettland gab es zuvor auch ähnlich wie in den USA eine Immobilienblase, da die neureichen Russen die Preise im Immobiliensektor hochtrieben. Die Immobilenblase ist jetzt geplatzt, worunter vor allem auch schwedischen Banken leiden. Zudem haben sich in Ungarn und Polen im Hypothekensektor in Schweizer Franken verschuldet. Durch den Einbruch der lokalen Währung wird jetzt die Tilgung und Zinslast wesentlich höher. Insofern ist hier auch mit vermehrte Privatinsolvenzen zu rechnen. Aber ähnliche Probleme gibt es jetzt überall auf der Welt. In den USA ist die Verschuldungsproblematik im Privatsektou auch hier wesentlich gravierender und dramatischer(siehe American Express u.a). Dennoch könnte die Kreditausfallquote auch in Osteuropa bis auf 20% ansteigen, was zu hoch ist,

Der kurzfristige Verschuldungsgrad beträgt in einigen Ländern „Osteuropas“ nur 10% des BIP (wie Russland und Türkei) und in anderen Ländern 20%, was unter normalen Umständen nicht zu hoch ist. Nur haben wir im Moment seit der Pleite von Lehman Brohters keine normalen Zustände im Kreditsektor mehr. Wer hätte früher schon gedacht, dass es so gut wie keinen (liquiden) Pfandbriefmarkt mehr gibt, da auch Pfandbriefe (so gut wie) unverkäuflich sind. Wenn die Hypo Real Estate AG in die Insolvenz gibt, haben auch viele Versicherungen die in Pfandbriefen investiert ein Problem. Der Staat hat schon Stützungsgelder und Garantien in Höhe von 100 Mrd. € beschlossen. Ich vermute, dass die Kreditausfallquote in „Osteuropa“ nicht so hoch ausfallen wird. Auf diese Weise wird aus einem unscheinbaren Problem ein großes Problem für eine ganze Branche und sogar für die Volkswirtschaften. So könnte auch der Staatsbankrot der Ukraine ein bedeutungsvoller Dominostein sein, wobei die Insolvenz von Hypo Real Estate AG schwerwiegendere Folgen hätte. Ich gehe, davon aus, dass die HRE-Aktionäre enteignet werden, was auch ein einmaliger Vorgang in der Nachkriegszeit ist. Dagegen werden die Ukraine und weitere osteuropäischen Länder durch die neuen EU-Gelder wohl erst einmal gerettet werden können, wenn vernünftige Haushaltsentwürfe vorgelegt werden.

Die Versicherungsprämien für Kreditausfälle, die sogenannten Credit Default Swaps (kurz CDS) schnellten in den letzten Monat in die Höhe. Sie sind ein gutes Zeichen wie hoch der Markt die Gefahr eines Totalausfalls einstuft. Die CDS für Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit lagen für Österreich mit 264 Basispunkten genauso hoch wie bei Griechenland und sogar höher als bei Italien mit 192 Basispunkten. Bei einigen osteuropäischen Ländern lag sie schon bei über 1000 Basispunkten. Bei Ländern wie Ungarn, Ukraine und Lettland konnte ein Staatsbankrot nur durch IWF-Kredite vermieden werden; dennoch gibt es insbesondere für die Ukraine weiterhin die Gefahr eines Staatsbankrotts und damit einem Default bei den Staatsanleihen. Viele ukrainische Banken können ihre kurzfristigen Schulden nicht refinanzieren und der Staat selbst hat auch Probleme mit der Zahlungsfähigkeit. Jede Bezahlung der Gaslieferungen wird zum finanziellen Wagnis. Von den 16,5 Mrd. USD sind bisher erst 4,8 Mrd. USD vom IWF ausgezahlt worden Der Finanzminister ist schon zurückgetreten und diese wichtige Position ist nun vakant. Zudem bekämpfen sich der Präsident Juschtschenko und der Primier Tymochenko gegenseitig, was in der Finanznot wenig förderlich ist. Die Ukraine wird ebenso wie Lettland dieses Jahr in eine tiefe Rezession kommen. In beiden Ländern sind Proteste auch von der Bevölkerung zu erwarten. Die Kriminalität ist schon stark gestiegen.

Welche Länder aus „Osteuropa“ als besonders problematisch einzustufen sind, kann man zum Teil auch von jeweiligen Anleihen-Rating ablesen. Wie die folgende Tabelle zeigt, bis es schon hier große Unterschiede im Rating. Die meisten Anleihen wurden in den letzten Monaten herabgestuft, in Rumänien sogar auf „Junk Bonds-Niveau (BB ist nicht mehr „Investmentgrade).

IWF-Gelder haben bisher aber erst Ungarn, Ukraine und Lettland erhalten, wo auch die Verschuldungsprobleme und Zahlungsnöte am größten sind. Wenn man von diesen drei Problem-Ländern einmal absieht,, sind die Verschuldungsprobleme in Osteuropa lösbar, wobei auch für diese drei Problemländer eine Lösung möglich ist.

Zu hohe Leistungsbilanzdefizite führen zu Abwertungsgefahren der Währung

Viel zu hohe Leistungsbilanzdefizite und auch eine zunehmende Verschuldung bei der Bevölkerung weisen auch die Länder Rumänien und Bulgarien sowie die baltischen Länder auf. Nur konnten sich die Ungleichgewichte nicht überall auch im Währungskurs niederschlagen, da die Währungen von Bulgarien und den baltischen Ländern künstlich durch Koppelung an den Euro stabil gehalten werden. Starke Abwertungen gab es hingegen für die rumänische, russische, ungarische, tschechische und vor allem polnische Währung, wobei sich die Währung in den letzten Wochen stabilisiert hat. Am meisten wurde die ukrainische Währung abgewertet, wobei der Abwertungsdruck noch nicht vorüber ist. Die Auslandsdirektinvestitionen, die zuvor zu starken Ostwährungen geführt haben, nehmen jetzt spürbar ab. In den Vormonaten kamen neben hohen Kursverlusten an der Börse auch zu hohen Währungsverlusten in Höhe von 30-50% hinzu. Nach dieser Abwertungssprirale von einigen Osteuropa-Währungen,, die schon an das Szenario von 1998 erinnerte, könnte nun aber auch Gegenbewegungen wieder kommen. So stieg die tschechische Krone schon wieder leicht an. Durch Abwertung erhöht sich die Wettbewerbsfähigkeit für die Exportwirtschaft. Die Exportwirtschaft ist aber auch von der Nachfrage in Westeuropa abhängig. Durch die Rezession in Deutschland (mit geschätzten -5% des BSP in 2009) und anderen europäischen Ländern leidet auch die Exportwirtschaft Osteuropas.

Ich rechne daher in vielen Bereichen zwar mit Umsatzrückgängen und Zahlungsproblemen, aber dennoch sollte nicht alle Länder über einen Kamm gekehrt werden. Relativ stabil sind die Länder Slowenien, Tschechien und Polen und hier dürfte es auch wieder Erholungschancen geben.

Erholungschancen an den Osteuropa-Börsen

Die zentralosteuropäischen Börsen verloren im letzten Jahr etwa 50% und in diesem Jahr 20% an Wert. Die Aktienbewertungen sind mit einem KGV von 6 und Kurs/Buchwertverhältnis von weit unter 1 im Moment sehr günstig. Mein Szenario ist zunächst eine volatile Seitwärtsbewegung, aber auch einige Zwischenhaussen bzw. Bärmarktrallyes, die der Anleger im Trading-Bereich ausnutzen kann. So könnte jetzt durch die schon seit 2 Wochen in Gang gesetzte Frühjahrsrallye bis April fortgesetzt werden. Die Moskauer Börse stieg schon von einem Minus von 20% auf ein Plus von 9%, womit die Moskauer Börse schon wieder zu den am besten performenden Börse der Welt. Der Ölpreis konnte sich wieder auf über 50 USD/Barrel erholen, was vor allem den Kurs der ÖL/Gaswerte stabilisierte.

Aussichtsreiche Osteuropa-Zertifikate

Wer nicht an einen nochmaligen Kurseinbruch von über 30% in diesem Jahr glaubt, kann jetzt bei Zertifikaten auf Indices außergewöhnlich hohe Bonusrenditen von über 40% p.a. erzielen. So gibt es Bonus-Zertfikate auf den CECE-Index und neuerdings auch Plus-Bonus-Zertifkate auf den CECE (Osteuropa), RDX (Russland) und PTX-Index (Polen) mit Bonusrendite von über 8% von der RCB, Erste und RBS. Bei den Plus Bonus-Zertifikaten ist der Kurs am Ende der Laufzeit und nicht zwischenzeitlich entscheidend, was die Chancen erhöht dass die Barriere nicht tangiert und damit der Bonus ausgezahlt wird. Auch gibt es schon ETFs auf den russischen Markt und auf Zentralosteuropa, der aufgrund der geringen Transaktionskosten gut zum Traden geeignet ist. Zudem gibt es hier anders als bei den Zertifikaten bei ETFs kein Emittentenrisiko, da es sich wie bei einem Fonds um Sondervermögen handelt. Der RDX-Index liegt schon über 20% und der RTS-Index 3% im Plus. Gute Erholungschancen hat auch Rumänien, an denen Anleger über ein Zertifikat auf den ROTX-Index partizipieren können. Der ROTX-Index stieg am 19. März schon um 11%, befindet sich Jahresbeginn aber noch kräftig im Minus. Die Erholung an den meisten mittel- und osteuropäischen Börsen setzte Anfang März ein. Sie wird aber nur von kurzer Dauer sein, wenn die Wall Street wieder einknickt.

Defensive und spekulative Aktien mischen

Zudem haben einige Unternehmen wie T-Aktien und Versorger außergewöhnlich hohe Dividendenrenditen von über 12%. Eine Alternative oder gute Ergänzung sind jetzt auch Unternehmensanleihen von Unternehmen aus Osteuropa mit einem transparenten Geschäftsmodell und hohen Cash flow. Auch hier lassen sich Renditen von über 10%, in Russland sogar von über 15% und in Kasachstan von über 30% im Durchschnitt erzielen. Geschenkt wird aber auch hier nichts: es gilt auch hier der Grundsatz: je höher die Renditen, desto höher die (Default)Risiken. Wer noch höhere Chancen sucht, kann auch einige Standardwerte aus Osteuropa kaufen. Falls der Kupferpreis weiter steigen sollte (zuletzt von 3400 auf 3800 USD/Tonne), gehört auch der Kupfer und Silberproduzent KGHM aus Polen auf die Watch-list. Auch Medienaktien wie Central European Media haben nach dem Kurssturz gute Erholungschancen ebenso wie der Versorger CEZ, der in der Türkei und in Rumänien expandieren will.

Exotenbörsen auf die Watch-list nehmen

Auf die Watch-list gehören aber auch einige Endlos-Zertifikate von kleinen, aber feinen Exotenbörsen wie die Börse Ljubljana in Slowenien. Die Börse Bukarest (Rumänien) ist da schon etwas spekulativer, hat aber noch mehr Erholungspotential Wer sich keine Einzelauswahl zutraut, kann als Fonds den Griffin Eastern Europe Fund wählen, der seit Auflegung im Jahr 1998 trotz des Kurseinbruchs im letzten und auch in diesem Jahr ein durchschnittliche Rendite von 17% erzielt hat. Bis Ende 2007 betrug die Durchschnittsrendite sogar weit über 30%. Im letzten Jahr halbierten sich aber die Kurse wie überall in Osteuropa. So außergewöhnlich hohe Renditen sind jetzt zwar nicht mehr zu erwarten Das Fondamanagement hat aber gezeigt, dass es sein Handwerkszeug auch in Krisenzeiten versteht. Der Fonds ist im Moment auch sehr defensiv ausgerichtet und hat eine Cash-Quote von 20%, Die Länderschwerpunkte sind Russland (40%), Türkei, Tschechien und Polen.

Erst informieren, dann investieren

Vor einem Investment sollte sich der Anleger eingehend über die Chancen und Risiken informieren. Die ist möglich über den monatlich erscheinenden kostenpflichtigen Börsenbrief EAST STOCK TRENDS von Andreas Männicke (Info und Bestellung bei der ESI East Stock Informationsdienste GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883, Fax: 040/6570884, E-Mail: info@eaststock.de, wen www.eaststock.de), der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min), dem kostenlosen wöchentlichen Newsletter von Andreas Männicke (www.andreas-maennicke.de) und den zweimal im Jahr stattfindende ESI-Ostbörsen-Seminaren..

Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten“ findet am 27. Mai 2009 um 17.30 Uhr in Frankfurt/M statt (Infos du Anmeldung unter www.eaststock.de oder Tel. 040/6570883

TV-Hinweis: Andreas Männicke wurde am 20. März um 21.30 Uhr live zum Thema Finanzkrise ein Osteuropa befragt. Seine Anlagevorschläge und weitere Hintergrundinformationen können Sie nachlesen unter www.3SAT.de/Boerse . Informieren Sie sich darüber, denn das Thema „Finanzkrise in Osteuropa“ betrifft uns alle!

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