Es wird alles gut – wirklich?

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Sonntag, 18. März 2012 15:13:00

Der S&P-Index erreichte letzte Woche mit über 1400 eine wichtige Marke, denn dies bedeutete ein neues 4-Jahres-Hoch, was den Aufwärtstrend seit Anfang 2009 bestätigte. Dabei ist der amerikanische Aktienmarkt mit einem Plus von 12% seit Jahresbeginn noch einer der relativen Underperformer der Weltbörsen. Wesentlich besser schnitten in diesem Jahr der Nikkei-Index mit +19%, der DAX mit +21% oder gar die Moskauer Börse mit +25% ab.

Alle Weltbösen werden aber durch die Signale der Wall Street beflügelt oder bestraft. Daher schaut die ganze Welt immer wieder auf die neuen Konjunkturdaten aus den USA, die zuletzt Anlass zu Optimismus gaben. Der Immobilienmarkt und der Arbeitsmarkt scheinen sich in den USA allmählich zu entspannen, zumindest gibt es jetzt fast jeden Monat etwas bessere Daten. Dies ist auch wichtig für Obama, der gerade damit im Sommer bei seinem Präsidentschaftswahlkampf punkten will.

Ein Problem bleibt die übermäßige Verschuldung sowohl im privaten Sektor als auch auf Staatsebene. Dies wird im Übrigen ein Generationsproblem, denn mit den USA kann man wohl kaum so verfahren wie jetzt mit Griechenland. Griechenland erhält nun in Tranchen die 130 Mrd € vom der Troika. Im Sommer muss dann der ESM funktionsfähig sein, denn dann wird der nächste Problemfall Portugal auf den ESM zukommen.

Im Frühjahr/Sommer rechne ich mit steigenden Anleihenrenditen und damit fallenden Kursen auch bei Bundesanleihen. Der Bund-Future fiel schon unter 137, was ein erstes Verkaufssignal auslöste. Dennoch ist genug Liquidität vorhanden, was im Moment auch der Treibstoff für die Weltbörsen ist. Wenn diese Liquidität wieder entzogen wird, wird es zu fallenden Kursen kommen. In Deutschland gab es sowohl beim IFO-Geschäfts-Klima-Index als auch beim ZEW-Indikator ermutigende Zahlen, die Hoffnung auf die Fortsetzung der beeindruckenden Frühjahrsrallye machen. Die Aktien sind jetzt weltweit insbesondere in Relation zum viel zu hohen Anleihen-KGV – Achtung hier deutet sich die nächste unberechtigte Blase an! -, immer noch sehr niedrig bewertet. Zudem kommen jetzt die Dividendenausschüttungen, die relativ hoch ausfallen werden, was wiederum den Aktienmarkt unterstützt.

Auch die Konjunktur-Prognosen, die ohnehin immer alle falsch sind, werden jetzt allmählich von vielen Instituten nach oben korrigiert. So erwarten einige Volkswirte jetzt schon wieder ein Wachstum von 1,7% für Deutschland, während de Bundesbank noch bei ihrer Prognose von 0,7% verharrt. Falls das Wachstum in Deutschland tatsächlich 1,7% in diesem Jahr betragen sollte, wäre dies auch positiv für alle zentralosteuropäischen Börsen, da diese Länder im Handel sehr von Deutschland als „Konjunkturlokomotive“ für Osteuropa abhängen. Für Russland wäre wichtig, dass China tatsächlich mit mindestens 7,5% wächst und weiter Rohstoffe nachfragt, denn dann würde die Rohstoffpreise weiter hoch bleiben. Andernfalls kann es auch schnell wieder zu Enttäuschungen kommen.

Im Falle eines Iran-Krieges im Sommer wären alle Prognosen Makulatur, denn dies wäre ein „black swan“ für alle Volkswirtschaften der Welt. Hoffen wir alle, das Israel weiter besonnen (re)agiert und nicht einen Alleingang macht. Auch die Syrien-Problematik, die eng mit Iran zusammenhängt, bleibt ungelöst.

Zuletzt wurden griechische Anleihen von Fitsch zum ersten Mal seit langer Zeit wieder hochgestuft; dennoch ist es fraglich, ob Griechenland in absehbarer Zeit wieder „kaptalmarktfähig“ wird. Diese jetzt durchgeführte Zwangsumschuldung bei den Banken und Privatanlegern ist faktisch eine Teilenteignung von Anleihenbesitzern und so etwas wird nicht so schnell vergessen. Damit ist nun auch endgültig der Mythos gebrochen, dass Staatsanleihen keine Risikopapiere wie Aktien sind. Staatsanleihen können entwertet werden, ebenso wie Aktien und sogar zum Totalverlust führen. Übrigens auch deutsche und amerikanischen Bundesanleihen, nur ist dieses in den Köpfen der meisten „Risiko-Manager“ und erst recht nicht der Politiker bisher angekommen. Es wird so getan als ob jetzt wieder alles in bester Ordnung wäre. Dem ist aber nicht so.

Die Tatsache, dass Staatsanleihen Risikopapiere sind und zwar sogar größere als von großen Standardwertwerten (Aktien), müsste dann aber auch fatale Folgen für die Bilanzierung von Staatsanleihen haben, hat sie aber noch nicht, weil man Banken und Versicherungen schonen will. Ebenso müsste dies fatale Folgen für die erforderlichen Eigenkapitalausstattungen von Banken haben, hat sie aber nicht, weil man Banken bei der erforderlichen Rekapitalisierung nicht zu viel zumuten will. Auch müsste dies Auswirkungen auf den CDS-Markt haben. Ein ungeordnete Insolvenz von Griechenland hätte angeblichen Folgeschäden in Höhe von 1 Billion € gehabt. Mit dieser beeindruckenden Zahl haben nun auch die meisten Anleihengläubiger dem für sie nachteiligen Griechenland-Deal zugestimmt, der faktisch einer Teil-Enteignung gleich kommt. Dadurch wurden wiederum auch die Weltbörsen bei Laune gehalten.

Es ist aber fraglich, ob Griechenland in Zukunft die dann fälligen, jetzt wesentlich geringeren Zins- und Tilgungszahlungen leisten kann, wenn die Wirtschaft durch den Sparkurs durch die Auflagen der Troika so radikal fortsetzten muss. Das gleiche Problem wird im Sommer aber auch in Portugal haben und damit die Weltbörsen beschäftigen, die immer noch Staatsanleihen-Renditen von über 15% haben, was ein Warnsignal ist. Bei italienischen und spanischen Anleihen kann temporär Entwarnung gegeben werden, aber auch nur temporär, was auch die jüngste Weltbörsen-Hausse begünstigte.

Es war für die Weltbörsen sehr von Vorteil, dass die EZB die Liquiditätsschleusen in den letzten 6 Monaten fast noch mehr öffnete als die FED. Dadurch wurden Staatsbankrotte und Bankenpleiten vermieden. Ich frage mich aber, wie die EZB und die FED alle die zweifelhaften Forderungen im Wert von zusammen über 4 Billionen USD (!) wieder los werden wird und wie sie ohne Folgen den Märkten auch die Liquidität wieder entziehen wird, um eine Inflation zu vermeiden. Für mich sind nun die FED und die EZB, die eigentlich Währungshüter sein sollen, zu den größten „bad banks“ der Welt mutiert. Und an den Aktienmärkten tut man so als ob nichts passiert sei.

Durch die QE1 und QE2 der FED und EZB sind die Finanzmärkte temporär gerettet worden. Ein QE3 ist nach Aussagen von Beranke in diesem Jahr nicht notwendig, da die US-Wirtschaft wieder stabil wächst. Damit ist das Angst machende Rezessionsgespenst, das im August/September 2011 noch überall herumgeisterte, zumindest in den USA verflogen, was den S&P-Index auf ein neues 4 Jahres-Hoch brachte. Es wurde erfolgreich Zeit gewonnen, mehr aber auch nicht. Es ist gut, dass die Volkswirtschaften jetzt wieder wachsen. Auch das hilft. Aber wie wird in Zukunft das nach wie vor ausufernde Schuldenproblem in den USA auf Staatsebene und auch im Privatsektor gehandhabt? Da sollet auch Obama bei seinem Wahlkampf im Sommer berücksichtigen.

Die nächste Stufe ist jetzt die Rekapitalisierung der Banken bis zum Sommer, die spannend sein wird. Ein Lackmustest ist dabei die Commerzbank, die die erforderliche Eigenkapitalquote bis zum Sommer ohne Staatshilfe schaffen will. Wenn sie es schafft, werden weltweit die Banktitel in die Höhe springen, allen voran die Commerzbank selbst, deren Kurs sich seit dem Tief schon fast verdoppelt hat.

Nach dem letzten US-Stresstests bestanden 19 amerikanische Banken den Test, 4 fielen aber durch, darunter auch die Citibank. Das mag auf den ersten Blick positiv aussehen, ist es aber nicht. Denn alleine die Insolvenz der Citibank hätte fatale Folgen für das internationale Banken- und Finanzsystem, das immer noch sehr fragil ist. Die Insolvenz der Citibank hätte die gleichen fatalen Folgen wie damals die Insolvenz von Lehman Brothers.

Diese vordergründig gute Meldung über den US-Stresstest brachte Banktitel aber wieder nach oben, allen voran die Bank of America. Die Sberbank konnte seit dem Tief im Oktober 2011 schon um 75% ansteigen. Die Sberbank ist nach Apple seit 2001 die am besten performende Aktie der Welt. Der russische Akteimarkt wird von westlichen Investoren trotz seiner Größe immer noch sehr stiefmütterlich behandelt, was ein Fehler ist. Die Moskauer Börse ist auch in diesem Jahr wieder einer der Outperformer unter den Weltbörsen mit einem Plus von 25%. Damit konnte Russland sogar den DAX und erst recht den S&P-Index schlagen.

Am Freitag, den 16. März 2012, tendierten die meisten Aktienmärkte ohne neue Impulse seitwärts. Im Grundsatz sieht die Marktechnik für Aktienmärkte weiterhin positiv aus. So stieg der DAX um 0,18% auf 7138 Indexpunkte. Er hat jetzt Platz bis etwa 7500 Indexpunkte, wo sich die alten Hochs aus dem Vorjahr befinden. Der S&P-Index verharrte auf dem neuen 4-Jahreshoch des Vortages von 1403 indexpunkten, was auch ein gutes Zeichen ist. Der RTS-Index korrigierte leicht auf 1746 Indexpunkte, konnte damit aber immer noch die beiden vorgenannten Indices klar outperformen. Der Goldpreis enttäuscht weiter mit einem Stand von 1659 USD/Unze und der Silberpreis mit einem Stand von 32,6 USD/Unze, was aber immer noch ein knappes Plus seit Jahresbeginn bedeutet. Schwach war erwartungsgemäß auch der Bund-Future, der um weitere 0,58% auf 135, nachgab. Hier ist jetzt Platz bis 134.

Der WTI-Ölpreis stieg am Freitag um 1,73% auf 107,73 USD/Barrel, wobei das Hoch Anfang März schon bei 110 USD/Barrel lag. Das Gerücht, dass England und die USA ihre Öl-Reserven freigeben, wurde am Folgetag gleich wieder revidiert, was zu dem Ölpreisanstieg führte. Eine Öl-Knappheit gibt es trotz der ungelösten Iran-Problematik aber nicht. Der hohe Ölpreis positiv ist in jedem Fall positiv für den russischen Aktienmarkt aufgrund er hohen windfall profits.

Fazit: Die Moskauer Börse stieg seit Jahresbeginn schon um 25% und konnte damit sogar den DAX klar outperformen. Dabei waren aber nicht nur Öl/Gasaktien, sondern auch Banken, Konsum- und Telekomaktien nachgefragt. Mit einem Kursgewinn-Verhältnis von 5-6 bleibt der russische Aktienmärkt einer der am niedrigsten bewerteten Aktienmärkte der Welt und hat noch Potential. Sind Sie schon dabei? Wie sagte Putins Widersacher und Ex-Präsident „Gorbi“ so schön sinngemäß: „Wer zu spät kommt, den bestraft die Börse“!

Sie sollten nach dem steilen Kursanstieg jetzt besonders die Markttechnik beachten, die ich Ihnen recht ausführlich im neuen EAST STOCK TRENDS beschreibe. Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen.

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 5. März in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de), im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF, www.anleger-fernsehen.de) und im Börsenradio-Networks (www.brn-ag.de) über die Auswirken der Präsidentschaftswahlen auf die Moskauer Börse befragt werden. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

Seminar-Hinweis: Das nächste Ostbörsen-Seminar „Go East!“(mit einem Russland-Special) wird am 22. Mai um 17.00 Uhr in Frankfurt/M im Hotel Monopol stattfinden. Info und Anmeldung unter www.eaststock.de oder direkt bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88. 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883, e-mail: info@eaststock.de

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