Es lebe die deutsch-russische Wirtschaft (und Freundschaft)!

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Samstag, 18. Mai 2013 11:55:00

Am 14. Mai 2013 fand der Unternehmerkongress der deutsch-russischen Modernisierungspartnerschaft in Berlin im Hotel de Rome statt. Es stellten sich dort auch viele russische Regionen/Städten vor wie Republik Samara, Tula, Kaluga, Nischnij Nowgorod, Rostow und Kaliningrad, die zum Teil auch ohne Rohstoffe einen Exportüberschuss aufweisen und als sehr investitionsfreundliche Standorte mit guter Infrastruktur bekannt sind.

Die meisten Sprecher kamen auch aus Russland, so dass die Informationen auch sehr authentisch und wenig gefiltert waren. Die Statements von deutscher Seite zu politischen Situation in Russland, aber auch zur Korruption waren überwiegend kritisch. Putin macht den Eindruck auf deutsche Investoren, dass der Reformwille und Schwung aus der ersten Amtsperiode ab dem Jahr 2000 nun mehr einem Machtkalkül gewichen ist

Die von ihm unterschriebenen Gesetze gegen die Meinungs-, Presse- und Demonstrationsfreiheit, die Verurteilung von Pussy Riot zu 2 Jahren Strafgefangenenlagen, der Prozess gegen den Oppositionellen Alexei Nawalny, das Vorgehen gegen Zivilgesellschaften und Nicht-Regierungsorganisation wie gegen deutsche Stiftungen, die wie Agenten behandelt werden, aber auch das recht eigenwillige Anti-Adoptionsgesetz (gegen die USA) verstärkten den Eindruck, dass ich Russland politisch in die falsche Richtung entwickelt. Die politische Rochade Putin/Medwedew kam auch beim russischen Volk nicht gut an und war der Auslöser der anhaltenden Anti-Putin-Demonstrationen. Westliche Investoren fragen sich besorgt: wovor hat Putin Angst, dass er solche Gesetze unterschreit und befürwortet. Allerdings gibt es nach wie vor keine einheitliche Opposition mit einem klarem Konzept, sondern nur ein Ansammlung von Personen, die gegen die Politik Putins demonstrieren ohne Alternativen vorzuschlagen. Auch die Protestwelle scheint an Dynamik zu verlieren.

Alle diese poltischen Strömungen beeinflussen aber auch das Anlegerverhalten negativ, sowohl von Auslandsdirektinvestitionen als auch von Portfolio-Investitionen. Gestartet werden soll nun auch eine „KMU-Offensive“ wobei vor allen der russische Mittelstand erst herausgebildet werden muss, was ein langfristiger Prozess ist. Der russische Konsum bleibt neben den Rohstoffen eine wichtige Stütze der russischen Wirtschaft.

Sportliche Großereignisse werfen ihre Schatten voraus. Diskutiert wurden auf dem Unternehmerkongress in Berlin aber auch die Investitionsmöglichkeiten im Rahmen der olympischen Winterspiele in Sochi in 2014 und vor allem der Fußballweltmeisterschaft in 2018 in 11 Städten, was dem ganzen Land einen dringend erforderlichen „Modernisierungs-Schub“ vor allem bei Infrastrukturinvestitionen geben wird. Franz Beckenbauer soll künftig im Auftrag der Russischen Gasgesellschaft RGS, einer Tochter von Gazprom, für sportliche Großereignisse in Russland werben, besonders für die Fußball-WM 2018. Die WM findet in 11 Städten und 12 Stadien statt. Die Städte sind zum Teil 3100 km voneinander entfernt. Es sollen 7700 km neue Straßen und 2000 km neue Schienen gebaut werden. Neue Trainingsplätze sollen 260 Mio. USD kosten. Die neuen Stadien sollen 2,9 Mrd € kosten und die neuen Hotelinfrastruktur 2,1 Mrd. €. Schon in diesem Jahr finden die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau statt, so dass die Sportwelt demnächst mehrfach auf Moskau blicken wird.

Bei dem Bau den neuen Sportstätten sind Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit wichtige Aspekte. So steht jetzt schon fest, die die Sportstätten in Sotschi viel teurer werden als geplant. Es ist fraglich, ob Russland mit den geplanten 34 Mrd. USD auskommen wird. Der demnächst schon beginnende olympische Staffellauf wird mit 60.000 km der längste der Welt eines Veranstalterlandes werden. Dies verwundert nicht, denn Russland ist flächenmässig das größte Land der Welt.

Bei der Hannover-Messe war Russland das Partnerland und mit 160 Ausstellern vertreten, was neuer Rekord ist. Im Außenhandel wurde im letzten Jahr mit erstmals über 80 Mrd € auch eine neue Rekordmarke erreicht, wovon auch viele deutsche Unternehmen profitieren. Von großer Bedeutung für Russland ist der G-20 Russland im September in Moskau, wo Russland auch für die Finanzwelt neue Impulse setzen kann. Russland sollte sich aber auch selbst an die Regeln halten, die die WTO vorsieht und sich dem internationalem Wettbewerb stellen, auch wenn dies am Anfang schwer fällt. Jedwede protektionistische Maßnahmen sind ein Rückschlag für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen.

Die Zahl der in Russland aktiven deutschen Unternehmen vermindert sich aber im 1. Quartal 2013 von 6300 auf 6100, was auch politische Gründe hat. Von russischer Seite sind etwa 1000 russische Unternehmen in Deutschland aktiv, wobei Städte in Ostdeutschland die bevorzugten Standorte sind. So erhielt die Stadt Wismar einen Leuchtturm als Preis für besonders russlandfreundliches Verhalten.

Deutsche Unternehmen wie Knauf und Bosch machten erstmals über 1 Mrd. € Umsatz in Russland und wachsen weiter mit zweistelligen Prozentzahlen. Deutsche Groß-Unternehmen wie Siemens, EON und BASF-Wintershall sind schon lange in Russland erfolgreich aktiv; auch sie sollen sowas wie „Leuchtturmprojekte“ produzieren, die anderen Unternehmen als Vorbild dienen. Von diesen gibt es bisher aber noch zu wenige. Es gibt aber viele Beispiele einer erfolgreichen deutsch-russischen Zusammenarbeit und diese werden in den Medien oft zu wenig bzw. gar nicht erwähnt.

Die Automobilindustrie weist hohe Wachstumsraten auf. Russland soll in einigen Jahren zum größten Automobilmarkt Europas avancieren mit mehr als 3 Mio. verkauften Autos im Jahr. VW produziert schon direkt „vor Ort“ in Kaluga mit großem Erfolg, aber auch Daimler Benz will jetzt zusammen mit dem russischen Automobilproduzenten GAZ den Mercedes Sprinter in Russland produzieren. Aber auch BMW und Audi weisen trotz Abwrackprämie steigende Verkaufszahlen in Russland auf. Der russische Automobilmarkt ist weitestgehend in ausländischer Hand. Es besteht aber auch die Gefahr des Aufbaus von Überkapazitäten.

Es wäre sehr zu begrüßen, wenn sich die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen, die weit besser verlaufen als die politischen Beziehungen, nicht nur verfestigen, sondern auch ausbauen lassen, denn das könnte dieses Jahr sogar zur Stabilisierung Europas beitragen. Ich schlage sogar vor, dass Russland der EU beitreten soll. Zumindest eine Freihandelszone von München bis nach Wladiwostok sollte bald errichtet und Visafreiheit herbeigeführt werden. Der Rubel sollte mit dem Euro mergen, denn Russland ist kaum verschuldet und hat die Rohstoffe, die Europa braucht. Deutschland hat wiederum das technische Know-How, was Russland bei der dringend erforderlichen Modernsierung helfen könnte. Auf die Weise könnte Russland auch zur Stabilisierung Europas beitragen und sich damit auch selbst stabilisieren, denn ohne europäische Rohstoffimporte ist Russland nur die Hälfte wert. Vielleicht ist das sogar der letzte Rettungsanker – für Russland und für Europa, die beide voneinander abhängig sind. Ein bessere Symbiose und ein besseres wirtschaftliches Kooperationspotential sind kaum vorstellbar. Zumindest ist das eine Riesenchance für die russische und deutsche Wirtschaft, die nicht vertan werden sollte. Hier sind wiederum die diplomatisch geschulten und strategisch denkenden Politiker gefragt, die weit über den Tellerrand gucken können.

Die Deutschen bzw. die Bürokraten in Brüssel sollten nicht immer mit gehobenem Zeigefinger die Lehrmeister der Demokratie spielen wollen und die Russen sollten sich aber deutsche/europäische Ratschläge anhören und zur Verbesserung des Investitionsklimas beidseitig beitragen. Nationalisten und Populisten sind hier fehl am Platze. Russland muss dringend das Investitionsklima im eigenen Land verbessern und die Korruption unterbinden, sonst koppelt es sich von der Welt von alleine ab und fällt zurück, was nicht nötig wäre. Im ersten Quartal 2013 war das BSP-Wachstum mit nur 1,1% weit unter den Möglichkeiten. Für dieses Jahr wird in Russland nun nur noch ein BSP-Wachstum von 2,4% erwartet nach noch 3,4% im Vorjahr. Die Wirtschaftsdynamik lässt also deutlich erkennbar nach. In Russland müssen mehr Innovationen gefordert und gefördert werden, was aber auch möglich ist.

Auch die M&A-Aktivitäten können noch mehr auf deutschen Boden zunehmen, was für beide Parteien förderlich wäre. Es gibt leider noch immer zu weniger IPOs von russischen Unternehmen an der Frankfurter Börse und es gibt noch zu wenige Überkreuzbeteiligungen auch von mittelständischen Betrieben. Der Mittelstand ist in Russland noch zu wenig ausgeprägt. Die russischen Oligarchen wären hier aufgefordert, selbst mehr russische mittelständische Betriebe zu investieren und sich an Überkreuzbeteiligungen zu beteiligen. Sie parken aber das Geld lieber in Steueroasen, wobei sie jetzt auch gelernt haben, dass solche Steueroasen wie Zypern nicht mehr sicher sind.

Es ist sicherlich zu einseitig, wenn die Russen alleine die EU für den Verlust von russischen Fluchtgeldern in Zypern verantwortlich machen, denn die Ursache liegt in erster Linie in dem falschen Anlegerverhalten der zypriotischen Großbanken, die sich mit griechischen Anleihen im Volumen von 6 Mrd. € verzockt haben und damit die mögliche Insolvenz selbst verschuldet haben. Es besteht kein Rechtsanspruch, dass solche „Zockerbanken“ immer und auf Dauer von europäischen Steuerzahlern gerettet werden sollen.

Das Doppelbesteuerungsabkommen Russland mit Zypern führte dazu, dass viele russische Oligarchen den Firmensitz ihrer Gesellschaft oder ihrer Tochtergesellschaften nach Zypern zu verlegen, um Steuern zu sparen und auch das Geld außerhalb von russischem Einflussbereich zu schaffen, was kein besonderes Vertrauen gegenüber der russischen Regierung bedeutet. Dieses Geld fehlt auch dem russischen Haushalt. Sicherlich sind nicht alle Russen, die in Zypern Ihr Geld angelegt haben. Gauner, aber die russische Regierung sollte sich kritisch hinterfragen, ob das Ansammeln von russischen Fluchtkapital in offshore-Steueroasen nicht mehr unterbunden hätte werden könne.

Hier sollte die russische Regierung einen ähnlichen „Deal“ mit den Steueroasen machen, wie es jetzt die britische Regierung vorhat, nämlich einen Datenaustausch zu ermöglichen. Dann würde das Kapital vor Vornherein mehr in Russland bleiben und für Modernisierungszwecke zur Verfügung stehen. Im letzten Jahr verringerte sich immerhin der Kapitalabfluss von 80 auf 54 Mrd. USD. Die Auslandsdirektinvestitionen betrugen im letzten Jahr 50 Mrd USD. Sie sollen nach dem Primier Medwedew bis 2018 auf 70 Mrd. USD ansteigen.

Über 500 Mrd. USD von russischem Fluchtkapital befindet sich auf Auslandskonnten, das dringend zur Modernsierung Russland gebraucht wird. Zum Teil wurde es schon wieder über Zypern und Luxembourg nach Russland zurückgeführt, auch über die Niederlande und Großbritannien bzw. British Virgin Islands, die alle zu den größten „Auslands-Investoren“ in Russland sind. Es ist klar, dass dies überwiegend russisches Fluchtkapital ist, das wieder zurückfließt.

In diesem Jahr blieb die Moskauer Börse wegen politischer Gründe, aber auch wegen Zypern und gefallener Rohstoffpreise, weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Der RTS-Index ist mit 1408 Indexpunkten immer noch leicht im Minus während der Dow Jones Industrial Index, der Nikkei-Index und auch der DAX von einem Hoch zum nächsten eilte. Auch die geplante zweite große Privatisierungsrunde und die geplanten IPOs kommen in Russland ins Stocken, was nicht nötig wäre. Dennoch ist der russische Aktienmarkt mit einem durchschnittlichen KGV von 5 und einer Dividendenrendite von 3-4% unterbewertet.

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