Ende der Rezession: Die Spielcasinos sind wieder geöffnet!

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Samstag, 15. August 2009 14:06:00

In der vergangen Woche machten einige Konjunkturzahlen Hoffnung für die Zukunft, was kurzfristig sogar zu neuen Jahreshöchstständen an der Wall Street (Dow Jones über 9300 Indexpunkte), an der Börse Tokio (Nikkei-Index über 10.500 Indexpunkte) und an der Frankurter Börse (DAX über 5400 Indexpunkte) führte, wobei der Freitag schon wieder sehr ernüchternd war. In der Eurozone fiel zwar das BSP um 0,1% im 2. Quartal zum Vorquartal um 0,1% (4,6% zum Vorjahr); Deutschland hat aber im 2. Quartal 2009 ein Wirtschaftswachstum beim BSP von 0,3% erzielt. Deutschland scheint damit als erster unter den großen Industrienationen aus der Krise herauszukommen. Polen hatte schon im 1. Quartal ein Wachstum von 0,8% vorzuweisen. Nun schaffte aber auch Tschechien ein Plus von 0,3% zum Vorquartal (-4,9% zum Vorjahr). Der Chefvolkswirt der Allianz hält nun ein Plus von 3%beim BIP im nächsten Jahr in Deutschland für möglich. Ist damit also die Rezession beendet?

In Deutschland schob vor allem der robuste Konsum die Konjunktur an. Die Industrieproduktion stieg schon seit Mai und auch die Auftragseingänge nahmen seit Mai wieder deutlich zu. Das Auftrags- und Produktionsniveau ist aber immer noch extrem unter dem Niveau des Vorjahres (20% darunter). Im Mai ging der Auftragseingang für den Maschinenbau um 48% zurück. Der IFO-Geschäftsklima-Index erreichte im Juli ein neues Jahreshoch- ebenso wie der DAX als bester Konjunkturindikator. Der Earlybird-Indikator der Commerzbank steigt viermal in Folge. Auch der Export stieg im Juli zum Vormonat um 7% so hoch wie schon lange nicht mehr. Damit scheint die Talfahrt ein Ende zu haben Von einem neuen Konjunkturaufschwung zu reden, ist es aber noch zu früh, denn keiner weiß, wie nachhaltig die Ergebnisverbesserungen sind.

Die Börse ist ein Antizipationsmechanismus, also ein Abbild von wirtschaftlichen Zukunftserwartungen. Zuweilen ist aber die Börse auch ein Tollhaus, wenn die Liquidität überschäumt und - oft recht einseitig von den Medien unterstützt oder sogar angetrieben - die Spekulationswellen dominant sind. Der DAX stieg schon im Vorfeld der Bekanntgabe der positiven Konjunkturdaten im 2. Quartal rasant an und verzeichnete Anfang August bei über 5400 Indexpunkten sogar einen neuen Jahreshöchstkurs, um nun am Freitag auf 5300 Indexpunkten aufgrund schwacher US-Konjunkturdaten zu konsolidieren.

Das Börsenvertrauen der Anleger kehrt allmählich wieder zurück. Erstmals gab es nach einer Umfrage von JP Morgan im August weniger Börsen-Skeptiker als Börsen-Optimisten. Demzufolge stieg der „JP Morgan Asset Management Investor Confidence Index“ deutlich an. Von Börseneuphorie kann aber keine Rede sein. Der Index ist immer noch niedriger als im Herbst 2005 als der DAX auf einem ähnlichem Niveau war. Dennoch nimmt die Investitions- und auch Risikobereitschaft der Anleger wieder allmählich zu.

Noch besser schnitten aber die „BRIC“-Börsen ab, die sogar ein Plus von über 50% seit Jahresbeginn verzeichneten. Fast alles Geld, was im letzten Jahr abgezogen wurde, wurde in diesem Jahr wieder in „BRIC“Länder (re)=investiert. In der Summe waren dies immerhin etwa 50 Mrd. USD, die in die „BRIC“-Länder gepumpt wurden. Die Moskauer Börse hat mit einem Plus von über 60% seit Jahresbeginn und einer Kursverdoppelung seit März immer noch einem Spitzenplatz bei den Weltbörsen inne. Nun soll die Sberbank zusammen mit Magna Opel übernehmen. Auch das spekulative Muster-Depot des EAST STOCK TRENDS konnte seit März eine Performance von 119% und das konservative Musterdepot von immerhin 83% erzielen. Selbst mit Aktien aus Ungarn, die am Tropf des IWF hängen, konnte man seinem Depot mit ungarischen Paprika die richtige Würze verleihen und ein Performance von über 40% seit Jahresbeginn über 80% seit März erzielen. Insofern haben sich Investments in Osteuropa auch selektiv schon ausgezahlt.

In China gibt es sogar schon wieder spekulative Überhitzungserscheinungen. Jedes IPO ist mehrfach überzeichnet und bringt starke Kursgewinne so als ob es gar keine Krise mehr geben würde. Verantwortlich dafür ist die überschäumende Liquidität. China ist das erste Land der Welt, das 2 Billionen USD an Währungsreserven vor sich her schiebt und nicht so recht weiß, was sie mit dem vielen Geld machen soll. Die bevorzugte Anlage waren bisher USA-Staatsanleihen. Jetzt befürchten die Chinesen aber zu hohe Währungsverluste. Der Kursaufschwung ist auch an der Börse Shanghai noch intakt, obwohl das KGV mit 35 auf erste Überhitzungserscheinungen hindeutet.

Freilich hatten nur wenige den Mut, im März schon wieder in Aktien zu investieren. Den Aufschwung an den globalen Kapitalmärkten haben wir aber in erster Linie den guten Vorgaben an der Wall Street zu verdanken, die im 2. Quartal ebenfalls eine bemerkenswerte Rallye hinlegte. Zudem leistet das „Plunge Protection Team“ immer wieder ganze Arbeit: immer dann, wenn die Wall Street droht abzustürzen und damit die globalen Märkte in den Abgrund zu ziehen, kam eine „V-förmige Trendwende zustande. Zuletzt war dies im März dieses Jahres.

Das Konjunkturbild in den USA ist bisher noch keineswegs so, dass diese Analyse für einen nachhaltige Hausse sein könnte. Vieles ist noch auf keynsianischem Sand gebaut. So lagen die Gewinne – vor allem bei Banken – im 2. Quartal weit über den Erwartungen, bei den meisten Unternehmen nahmen aber die Umsätze wieder ab bzw. befinden sich auf sehr niedrigem Niveau. In den USA gab es im 1. Halbjahr mit 14.000 Insolvenzen jetzt schon doppelt so viele Insolvenzen wie im Vorjahr, darunter auch solche Schwergewichte wie General Motors. In den USA musste schon die 77. Bank Insolvenz anmelden - im letzten Jahr waren es nur 25. Die CIT-Bank mit fast systemischen Risiken hängt weiter am seidenen Faden und muss nun der FED einen neun Sanierungsplan vorlegen.

Zudem sind die Statistiken in den USA oft so angelegt, dass sie ein (zu) optimistisches Bild geben und oft nachkorrigiert werden. So waren die 247.000 Arbeitslosen nicht das Ergebnis von Arbeitslosenanträgen, sondern wie immer eine Schätzung basierend auf Geburtenzahlen und Sterberaten. So oder so sind für mich 247.000 zusätzliche Arbeitslose keine Zahl, die die Börse bejubeln sollte oder die auf eine Trendwende in der Konjunktur hindeuten. Typisch für die US-Statistiken sind, dass die offizielle Arbeitslosenquote von 9,5 auf 9,4% fiel, obwohl es bekanntlich mehr Arbeitlose gab. Ich habe schon oft genug die wenig aussagekräftigen US-Statistiken kritisiert. So sind die Zahlen der Langzeit-Arbeitslosen in den USA im Juli auf ein Allzeit-Rekordniveau gestiegen, was dem US-Staat viel Geld kostet. So sind die Gelder für Arbeitslose in den ersten 9 Monaten schon von 29 auf 77 Mrd. USD gestiegen und sie werden und bis Jahresende auf 140 Mrd. USD steigen. Damit steigen die Sozial-Kosten von 0,2 auf 1% des BIP (in Deutschland sogar auf 2,4% des BIP). Auch wenn das 3Q09 Wachstum in den USA generieren sollte, ist nicht damit gesagt, dass sich der Arbeitsmarkt bessert. Durch Entlassung entstanden in den USA schon 6 Mio. Arbeitslose. Jetzt damit zu werben, dass 4 Mio. neue Arbeitsstellen in den nächsten Jahren entstehen, halt ich für sehr gewagt, um nicht zu sagen utopisch, Herr Obama und Herr Steinmeier!

Auch bei der Inflationsrate und BSP wird getrickst. Die Bankbilanzen stimmen aufgrund der Abschreibungserleichterungen ohnehin nicht. Dennoch könnte auch die USA in diesem Quartal wieder Wachstum generieren und sich damit als sehr widerstandsfähig erweisen. Dies ist aber des Ergebnis von einer dramatischen Zunahme der Verschuldung und der Geldexpansion der Notenbanken, die nun wieder das Geld abschöpfen müssen. Dies wird eine der zentralen Zukunftsfragen sein, wie dies gelingen soll ohne die Konjunktur zu beeinträchtigen. Eine Experten gehen schon wieder davon aus, dass die USA den Zinssatz auf 7% wegen steigender Inflation erhöhen muss. Dann können aber viele Staaten aufgrund er zu hohen Zinslast Pleite gehen. Im Moment haben die Banken weltweit eine Überschussliquidität im Volumen von 700 Mrd. USD, die aber nicht an die Kreditkunden weitergebenen wird. Die Notenbanken müssen diese Überschussliquidität wieder abpumpen, was auch durch höher Mindestreservensätze möglich ist.

In Deutschland werden jetzt die ersten Bad Bank Modell bei der HRE und einigen Landesbanken in die Tat umgesetzt. Dabei geht es um Mrd.-Beträge, die ausgelagert werden - mit ungewissen Ausgang, auch für den Steuerzahler. In Deutschland beginnt jetzt nach den Sommerferien der Wahlkampf, wo sicherlich von allen Parteien einige Wahlgeschenke wie Steuererleichterungen kontrovers diskutiert werden. Im Grund gibt es aber nur etwas zu verteilen, wenn die Wirtschaft wieder wächst.

Ich glaube daran, dass die Konjunkturdaten im 3. Quartal noch besser ausfallen werden als im 2. Quartal, so dass die Medien dann von eine konjunkturellen Trendwende reden werden. Es gibt zudem sektorale Unterschiede: in Hamburg ging der Container-Umschlag im 1. Halbjahr um ein Drittel zurück. Die Krise im Hamburger Hafen ist also noch voll intakt; auch ging der Baltic Dry-Index (für Frachtraten) schon wieder um 17% zurück. Viele Werften gehen jetzt Pleite. Auch muss ThyssenKrupp Blohm&Voss verkaufen.

Wie nachhaltig die wirtschaftlichen Besserungen sind, kann aber keiner heute zuverlässig beurteilen, da es sich um einige einmalige Konjunkturexperimente mit immer noch ungewissen Ausgang handelt. Es steht dabei viel auf dem Spiel. Die Frage der Dosierung der geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen ist immer noch die wichtigste Frage. Ein Gift kann durch Gegengift neutralisiert werden. Wenn aber zu viel Gift genommen wird, ist der Patient tot. Der Patient „Volkswirtschaft“ ist jetzt von der Intensivstation auf das Krankenbett gekommen, bekommet aber, falls notwendig, weiter Infusionen, die zur Gesundung notwendig sind. Einige Volkswirtschaften befinden sich schon in der ReHa-Klinik, andere befinden sich am Tropf des IWF.

Es sind aber weitere Spezialisten notwendig, die in Zukunft die Nebenwirkungen der eingeleiten Maßnahmen mit der richtigen Dosierung bekämpfen, falls man sie überhaupt bekämpfen kann. Das ist zum einen die in diesem Jahr durch die Begebung von Staatsanleihen um 5,5 Billionen USD angestiegene Staatsverschuldung. Hinzukommen dann noch etwa 2 Billionen an Unternehmensanleihen auf den Markt. Insbesondere die Banken müssen wieder rekapitalisiert werden. Die Frage ist, wer das alles kaufen wird. In jedem Fall kann eine derartige Verschuldungswelle nicht auf Dauer durchgehalten werden.

Die zweite Frage ist, ob durch die Zunahme der Mega-Verschuldung nicht nur Strohfeuer ausgelöst werden. Es ist also die Frage der Nachhaltigkeit der geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen, sprich der Nullzinspolitik in Kombination mit der Mega-Verschuldung. Jede Konjunkturschwäche, die nach diesen massiven Maßnahmen kommt wird sich wesentlich stärker auswirken als zuvor. Es ist wie nach einer schweren Grippe, wobei eine weitere Grippe tödlich verlaufen kann, wenn die Abwehrkräfte des Immunsysteme geschwächt sind. Der nächste Virus – und es muss nicht unbedingt der Schweinegrippe-Virus sein- kann auch für ganze Volkswirtschaften tödlich verlaufen. Diese Gefahr muss sich jeder Anleger jetzt bewusst sein. Das heißt die nächste Rezession ist mit den gleichen Mitteln nicht mehr zu bekämpfen weil dann die Kassen leer sind und Zinsen nicht weiter als auf Null gesenkt werden können. „Saufen also die Pferde“ und werden sie dann auch wieder gesund? Falls Sie nicht saufen sollten, bleibt der Patient auf der Dauer-Intensivstation bzw. wird dort wieder dahin zurückbefördert.

Was werden wohl die Notenbanken machen, wenn die Konjunktur kurzfristig wieder anspringt und die Inflation steigt? Alle rechnen dann mit steigenden Zinsen. Können bei steigenden Zinsen auch die Börsen wieder steigen? In einem gewissen Zeitraum sicherlich, aber auch hier ist die Dosierung wieder wichtig. Sind die Medikamente nicht genau abgestimmt, kann es sehr schnell zum Kollaps kommen. Ich persönlich rechne mit steigenden Zinsen trotz geringer Inflationsraten in den nächsten Monaten.

Die Bank of England hat ein Rückkaufprogramm von Staatsanleihen in Höhe von 125 bis 175 Mrd. Pfund angekündigt. Dies sind immerhin 10,3% des britischen BIPs, das als Geld auf den Markt kommt. Hierdurch kann durchaus künstliche Spekulationswellen und damit eine Inflation von Vermögensgütern ausgelöst werden. Das Defizit dürfte in Großbritannien dieses Jahr 225 Mrd. Pfund betragen, wobei ein Großteil zur Rettung der Banken (ähnlich wie in den USA) aufgewendet wird. Dabei wird wiederum ein Großteil künstlich durch Anwerfen der Notenpresse durch die Notenbanken finanziert. Ähnliche Experimente, die in der Nachkriegszeit beispiellos sind, macht die FED in den USA. Dies bedeutet aber auch, dass die Anleinen über den Markt gar nicht platzierbar gewesen wären. Ich halte das für ein sehr gewagtes Experiment mit wiederum ungewissem Ausgang. Ist dies jetzt etwa schon der Beginn einer kommenden Hyper-Inflation, wovon der Börsenguru Marc Faber ausgeht. In jedem Fall wird den Spekulanten neues, frisches Geld zugespielt. Die Spielcasinos sind wieder geöffnet!

In Italien hat der Jackpot in Höhe von 131 Mio. € schon dem Staat Mehreinnahmen von über 800 Mio. € in die leere Staatskasse gespült. Warum macht Herr Steinbrück nicht auch so eine „Volksverdummungsaktion“ und gibt einen Jackpot im Höhe von über 100 Mio. € heraus. Die Mehreinnahmen würden 1 Mrd. € betragen. Am besten man lässt den Jackpot dann immer weiter laufen und lässt ich auf dem Papier immer größer werden. Damit könnte dann ein Teil seines Defizits in Höhe von 100 Mrd. € refinanzieren. Ein Los kostet in Italien nur 1 €. Mit 1 € reich werden, das ist eine Masche, die Massen (und deutsche Touristen) anzieht.

Ein Feld der Spekulanten sind auch Rohstoffe. So verdoppelte sich der Ölpreis von 35 auf über 70 USD; der Kupferpreis von 3000 auf über 6000 USD/Tonne und der Nickelpreis von 10.000 auf 20.000 USD. Kupfer ist normalerweise ein guter Frühindikator für die Entwicklung der Industrie, nicht aber in diesem Fall, denn diesmal wurden von chinesischer Seite vor allem strategische Rohstoffreserven aufgefüllt. Die Halbfertigprodukte mit Kupferanteil stiegen nur um 1,2% in China und nahmen weltweit ab.

Ein weiteres Feld für Spekulanten sind die Devisenmärkte. Auch hier sind die Dosierung von Auf- und Abwertungen überlebenswichtig für ganze Volkswirtschaften. Normalerweise müsste der Dollar und auch das britische Pfund bei der gegenwärtigen Notenbankpolitik (= Aufkauf von Staatsanleihen in noch nie dagewesen Volumen = Anstellen der Notenpresse) die jeweiligen Währungen erheblich schwächen, woran natürlich die ausländischen Groß-Anleger kein Interesse haben, die in der Währung über Assets long sind. So besitzt China 800 Mrd. USD an amerikanischen Staatsanleihen und kann daher an einem zu schwachen Dollar kein Interesse haben. Bei 2 Billionen USD an Währungsreserven kann China selbst über Notenbankinterventionen den Dollar bestimmen bzw. manipulieren.

So gibt es schon jetzt eine ganze Reihe von manipulierten Märkten, wozu durch die Existenz des „Plunge Potection Team“ auch die Wall Street, der Goldmarkt und einige Rohstoffmärkte zählen, die nicht durch die freien Marktkräfte, sondern durch künstliche Eingriffe oder Spekulationswellen beherrscht werden.

Einen gewissen Anhaltspunkt bei den komplexen Vorgängen an den Börsen ist und bleibt die Marktechnik in Kombination der Liquidität und der Risikobereitschaft der Anleger, worauf man sich freilich auch nicht immer verlassen kann. Ich bewerte die Markttechnik immer noch positiv; Liquidität ist nach wie vor mehr als noch genug vorhanden, so dass die Kurse weiter steigen können, solange keine neuen Hiobsbotschaften oder unkalkulierbare Ereignisse (wie Terroranschläge Kriege, Naturkatastrophen etc) kommen. Die institutionellen Großanleger sind in Aktien immer noch unterinvestiert und in Anleihen überinvestiert. Investments in Anleihen werden aber immer unattraktiver bei den geringen Zinssätzen. Da ich in den nächsten Wochen überwiegend eine Fortsetzung bzw. Bestätigung für die Möglichkeit einer Trendwende und Beendigung der Rezession erwarte, ist der Nährboden für weiter steigende Kurse für die nächsten Wochen vorhanden. Im Herbst könnte es dann aber wieder eng werden.

Die Markttechnik ist zunächst aber positiv zu bewerten, da zuletzt im August bei einigen Börsen neue Jahreshöchstkurse erzielt wurde, weil die Zinsen weiterhin sehr niedrig sind, weil sich die 200-Tagesline abflacht oder sogar (wie in China) schon zu steigen beginnt. Dennoch mahne ich zur Vorsicht und rate weiterhin zu einer Trading-Strategie. In den Jahren 1929 bis 1932 gab es zwischenzeitlich auch einen Anstieg der Weltbörsen um 50%. Die Haussen nach den Bärmärkten/Crashs wurden fast immer über eine Niedrigzins-Politik nach vorheriger Hochzinspolitik ausgelöst. Dieses Instrument fällt bei Null Prozent-Zinsen jetzt weg. Auch ist der Staat bei der gegenwärtigen Verschuldungssituation fast handlungsunfähig. Die nächste Rezession würde ein „Schach-Matt“ für die Weltwirtschaft bedeuten. Was wirklich kommen muss, sind nachhaltig steigende Unternehmensgewinne und ein echter, nachhaltiger globaler Konjunkturaufschwung, sonst landen wir alle in der der Schuldenfalle. Die besten Ansätze dafür gibt es bisher nur in Asien.

Auch die neuen Zahlen aus den USA sind noch sehr gemischt: Das Verbrauchervertrauen ist abgerutscht, der Arbeitsmarkt ist weiter schwach; die Industrieproduktion nur leicht gestiegen. Dieses Wochenende ist schon die 77. Bank in den USA Pleite gegangen, was dem Einlagensicherungsfonds weitere 2,8 Mrd. USD kostete; weiteren 100 Banken steht die Pleite noch bevor. Geschützt werden von der FED und der Regierung nur systemisch relevante Großbanken, wobei jetzt die Citibank wohl große Probleme bekommen wird. Aber der Aktienmarkt lebt wieder: Es gab letzten Woche 3 Börsengänge mit einem Volumen von 1,2 Mrd. USD in den USA, die gut platziert werden konnten. In der nächsten Woche stehen 4 weitere Börsengänge in den USA, was ein positives Zeichen ist. In China ist jeder Börsengang im Moment mehrfach überzeichnet und führt zu Kursgewinnen.

Am Freitag gab der DAX um 1,7% auf 5300 Indexpunkte nach. Der S&P-Index verlor aber nur 0,85% und schloss noch über der magischen 1000-er Marke bei 1004 Indexpunkten. Beim DAX wird es unter 5200 Indexpunkten bearish (dann short gehen) und bei über 5450 bullish (dann long gehen). Bei S&P-Index ist alles über 1050 Indexpunkte bullish unter 950 Indexpunkte bearish zu bewerten und dementsprechend zu handeln.

In der letzten halben Handelsstunde stieg der S&P aber stark von 997 auf 1004 Indexpunkte. Bei einem S&P von unter 950 Indexpunkten sollten Sie unter Trading-Gesichtspunkten auch an den Ostbörsen in Liquidität gehen. Behalten Sie in jedem Fall eine sehr flexible Anlagestrategie bei und ziehen die Stopp-loss-Marken weiter nach oben. Auch beim RTS muss 950 halten. Bei über 1050 Indexpunkten sieht die Markttechnik auch beim RTS aber weiterhin seht positiv aus, so dass dann Positionen aufgestockt werden können. Beim DAX entsteht bei über 5500 Indexpunkten ein Kaufsignal, so dass dann wohl schnell die 6000-er Marke angesteuert wird.

Denken Sie dabei aber nicht zu langfristig, sondern nur bis Herbst, denn ich erwarte einen heißen Herbst wegen einiger Gefahrenmomente (wie Iran/Israel-Kriegsbedrohung, Hurrikan-Saison, Konsumabschwächung USA, Erhöhung von Kreditausfällen, Downgrade beim Rating, Zinserhöhungen bei Anleihe, Auslaufen der Konjunkturprogrammen, Abwrackprämie läuft aus: Stunde der Wahrheit für die deutsche Automobilindustrie, Wahlkampf in Deutschland= Terrorgefahren, Schweinegrippe etc.). Im Herbst wird es sich auch erst entscheiden, ob wir es fundamental mit einer Trendwende oder nur einem Strohfeuer zu tun haben. Kurzfristig kann die Sommerrallye aber weitergehen. Ich rechne daher mit einer freundlichen Eröffnung beim DAX am Montag in der nächsten Woche aber mit einer volatilern Seitwärtsbewegung. In Kalifornien brennt es schon wieder lichterloh, was viel Symbolkraft hat…!

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

Radio+TV-Hinweis: Der Autor wurde am 1. und 3. Juli 2009 von der Deutsche Welle im Radio über die Aussichten von Kasachstan und Russland befragt. Sie können sich das Interview und den Onlinebeitrag unter www.eaststock.de (dort unter de Rubrik Interviews) per link nach www.dw-world.de runterladen (auf Russisch). Der Autor wurde zudem am 6. Juli anlässlich des Besuchs von Obama in Russland in N24 über die Aussichten des russischen Aktienmarktes befragt. Wer das Interview verpasst haben sollte, kann sich das Interview auch unter www.n24.de im Archiv anschauen, wenn man „EAST STOCK TRENDS bei der Suchfunktion eingibt. Ein aktuelles Interview über den russischen Aktienmarkt mit dem Autor finden Sie bei www.k2kapital.com (in Russisch).

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