Emerging Markets in Sommer-Hausselaune – wie lange noch?

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Sonntag, 02. August 2009 11:11:00

Die Emerging Markets konnten seit März eine beeindruckende Rallye hinlegen: seit März stieg der MSCI Emerging Market Index um 70%. Dabei war die Kursentwicklung unter den Emerging Markets selbst sehr unterschiedlich. Während einige Emerging Markts noch auf der Stelle stehen (wie Nigeria, Bulgarien u.a.) und kaum westliches Kapital abbekommen, floss in andere Emerging schon wieder viel westliches Kapital seit März. Die am meisten beachteten Emerging Markets sind die „BRIC“-Länder, die im Durchschnitt seit Jahresbeginn um über 50% zulegen konnten. Die Anleger und Vermögensverwalter, die die Emerging Marktes in diesem Jahr untergewichtet oder gar nicht beachtet hatten, haben einen Anlagefehler gemacht und die Reboundchancen nicht erkannt. Nach wie vor tun sich viele Vermögensverwalter immer noch schwer, Emerging Markets gezielt in ihr Portfolio aufzunehmen. Die im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) vorgeschlagenen Aktien haben auch bereits ein Performance von über 70% in diesem Jahr erzielt.

Sicherlich ist die Volatilität bei Emerging Markets wesentlich höher, weswegen ich auch nach wie vor zu einem Trading-Ansatz neige. Ein Trading-Ansatz funktioniert aber nur mit liquiden Märkten und liquiden Blue Chips oder Emerging Markets ETFs. Bei den, wie ich es nenne, Exotenbörsen und bei den Mid- und Small Cap ist aufgrund der Marktenge und Liquiditätsprobleme oft nur eine „Buy and Hold-Strategie“ machbar, was in Krisenzeiten wenig hilfreich ist, da der Exit dann nur mit hohen Kursabschlägen möglich ist. Aufgrund des Kursanstiegs sind einige Emerging Markets keineswegs mehr preiswert. So ist das durchschnittliche KGV vor allem der asiatischen Börsen mit 18 wahrlich nicht mehr billig. Preiswerte Aktien findet man eher bei Small- und Mid Caps. So liegt das Kurs/Buch-Wertverhältnis bei vielen Exotenbörsen nur unter 1.

Auch nach dieser Kennziffer sind die Blue Chips relativ teurer, aber dennoch im Moment aufgrund der Liquiditätspräferenz mehr nachgefragt. So haben die Blue-Chips in den Emerging-Markets ein durchschnittliches Kurs-Buchwertverhältnis von 1,8, während das Kurs-Buch-Wertverhältnis bei dem Small- und Mid cap bei 1,2 liegt. In Haussephasen stiegen in der Regel die Small- und Mid caps wesentlich steiler und stärker an als die Blue Chips. So ist der MSCI Emerging Marktes Index im ersten Halbjahr um 36% gestiegen und der MSCI Small Caps Index um 54%. Einige Fonds wie der JP Morgen Emerging Markets Small Caps Index konnten mit einem Zuwachs von 75% wiederum klar den MSCI Emerging Marktes Index outperformen.

Auch ist das MIDWIG-Indexzertifikat für Small und Mid caps aus Polen ist seit März um 88% von 25 auf 47 € und seit Jahresbeginn um 38% gestiegen während der Blue Chips-Index WIG20 mit den 20 marktschwersten Blue Chips nur ein Plus von 14,5% erreichen konnte. In Bärmärkten verlieren Small- und Mid caps aber überproportional an Wert. Der BUX-Index konnte um über 35% zulegen, wobei die ungarischen Pharmawerte Egis und Richter Gedeon sich im Kurs seit März fast verdoppelten. Am besten schnitten aber trotz der scharfen Juni-Korrektur russischen Aktien mit einem Kursplus von über 50% ab.

Das chinesische Wachstum ist mit 7% zwar nach wie mit das höchste auf der Welt, dennoch gibt es schon jetzt deutliche Anzeichen einer Blasenbildung an der Börse. So sind die letzten Börsengänge oft nicht 10-fach, sondern 100-fach überzeichnet. Too much is too much! Es ist bezeichnend, dass die beiden größten Banken der Welt jetzt nicht mehr aus den USA, sondern aus China kommen. Der Kurs der China Construction Bank verdoppelt sich in diesem Jahr seit März fast von 0,37 auf 0,57 €, womit die Marktkapitalisierung auf 129 Mrd. €. Die Deutsche Bank AG ist dagegen nur „Peanuts“ mit einer Market Cap von 28 Mrd. €, obwohl sich der Kurs der Deutsche Bank AG immerhin seit März von 15 auf 50 € mehr als verdreifachte. Die Chinanachfrage löste auch eine Rallye bei einigen Industriemetallen wie bei Kupfer (auf über 560 USD/Tonne) und Nickel (auf über 16.000 USDD/Tonne) aus, wobei mehr dabei strategische Reserven angehäuft als Industriemetalle verbraucht wurden.

Die chinesische Zentralbank ist über die überschäumende Liquidität, die an die Börse und Immobilienmärkte strömt besorgt. Auf der anderen Seite unterstützt die Notenbank auch, dass die Wirtschaft weiter dynamisch wächst, was auch ein politisches Ziel ist. Das Konjunkturprogramm ist mit einem Volumen von 416 Mrd. € nach den USA das zweitgrößte der Welt. China ist auch für viele Konjunkturexperten der Hoffnungsträger der Welt. Etwaige einschränkende Maßnahmen der Zentralbank könnten einen Crash in China und auch einigen anderen Börsen in Asien und der Welt auslösen. Das KGV ist mit 35 schon wieder genauso hoch wie Januar 2008.

Der Shanghai Composite-Index ist in diesem Jahr schon um 79% gestiegen, womit die Börse jetzt die zweitgrößte der Welkt ist – noch vor Japan. Auch hier zeichnet sich ein Paradigmawechsel ab (China vor Japan, die beide schon lange um die Vormachtstellung in Asien kämpfen). Von der Kennziffer BSP pro Person her liegt China aber noch weit zurück und ist sprichwörtlich ein Emerging Market, der noch viel aufzuholen hat. Damit hat China gleich nach Peru die zweitbeste Performance aller Weltbörsen. Am Freitag war die Börse ein China schon schwach, weil es angeblich höher Eigenkapitalforderungen bei Banken geben soll. Zudem sind die Geldmarktzinsen für Banken schon leicht gestiegen. Goldman Sachs hält ein Wachstum von 15 % in 2010 für China für möglich, aber auch Goldman Sachs kann sich mal irren. Ein Wachstum von 10% ist aber durchaus realistisch. Dennoch muss China aufpassen, dass keine künstliche, kreditfinanzierte „Bubble“-Ökonomie in China entsteht. Der Bumerang trifft dann auch die Weltwirtschaft.

Gespannt sein, darf man auch, wie sich China in Zukunft bei dem Dollar und den amerikanischen Anleihen verhalten wird und was China mit den 2 Billionen USD an Währungsreserven in Zukunft machen wird. Bisher besitzt China schon amerikanischen Anleihen im Volumen von 800 Mrd. USD. Damit kann China an einer zu starken Abwertung des Dollar nicht gelegen sein. Zuletzt schwächte sich der Dollar auf 1,4255 ab. Über 1,43 dürfte der Dollar deutlich schwächer werden.

In der Bankenszene erregen weiterhin die hohen Boni für Aufregung; so sollen amerikanische Großbanken im letzten Jahr 33 Mrd. USD an Boni ausgezahlt haben, obwohl sie über 170 Mrd. USD an Staatshilfen erhalten haben und sonst wohlmöglich Pleite gegangen wären. In den USA mussten in diesem Jahr schon 69 Banken Insolvenzantrag stellen und die Pleitewelle ist in den USA noch nicht beendet. Auch Obama stellt ernüchternd fest, dass im Grunde an der Wall Street alles beim Alten geblieben ist. Das spekulative Kapital ist wieder weltweit unterwegs und die nächsten Madoffs sind nur noch ein Frage der Zeit.

Angeblich wurde jetzt auch der Ölpreis durch Finanzspekulanten manipuliert, was von der britischen Finanzaufsicht jetzt untersucht wird. Zuletzt wurde der Ölpreis durch den Ölhändler PVM mit einem Volumen von 16 Mio. USD auf einen Preis von 73 USD/Barrel getrieben, was den Ölpreis um 2,5 USD in einer Stunde ansteigen ließ. Durch die illegalen Geschäfte entstand ein Verlust von 10 Mio. USD für den Händler. Der Ölpreis stieg zuletzt schon wieder auf 69 USD/Barrel und man darf gespannt sein, welcher Öl-Händler diesmal dahinter steckt. Auch der Goldpreis könnte manipuliert sein. Der Goldpreis stieg am Freitag auf 953 USD/Unze, obwohl der Dollar (noch) relativ stabil blieb. Ich rechne mit höheren Goldpreisnotierungen, aber nicht mit einem Überschreiten der magischen 1000-er Marke.

Ein Politikum ist auch das Rating von Staatsanleihen, vor allem von amerikanischen Anleihen. Viele Staatsanleihen verdienen nicht mehr das „AAA“ und auch nicht das „AA“. Die Banken müssen je nach Anleihenrating unterschiedliche Eigenkapitalbeträge hinterlegen. Je höher das Rating, desto geringer da das erforderliche Eigenkapital. Eine Herbstufung von Staatsanleihen führt also auch zu eine erheblichen Rekapitalisierungsbedarf bei den Banken. Die Rekapitalisierung der Banken bleibt also ein hochbrisantes Thema. Dieses Thema der möglichen Rating-Herabstufung wird uns sicherlich noch in den nächsten Wochen beschäftigen ebenso wie den Abschreibungsbedarf bei Banken infolge erhöhter Kreditausfälle. In den USA gingen letzte Wochen 5 weitere Banken Pleite, womit sich die Zahl der Bankpleiten auf 69 erhöht. Im letzten Jahr gingen in den USA nur 25 Banken Pleite. Die guten Zahlen bei den US-Großbanken sollten also nicht überbewertet werden. Ich rechne weiter mit steigenden Arbeitslosenzahlen.

Was uns auch in den nächsten Wochen in Deutschland beschäftigen wird ist neben dem Beginn des Wahlkampfes auch die Schweingrippe. Die Zahl der Schweingrippefälle soll in Europa im Herbst von 24.000 auf 1 Million ansteigen. In Nordrhein-Westfalen wird schon überlegt, die Schulferien zu verlängern. Bisher ist die Schweinegrippe noch kein Börsenthema, was sich in August aber ändern könnte. Dabei betragen die Impfkosten in Deutschland etwa 700 Mio. € . An GlaxoSmithKline wurden schon 410 Mio. € überwiesen. Pharmawerte, die den Impfstoff gegen die Schweingrippe herstellen, sind die Profiteure der Schweingrippe. Unabhängig davon verdienen Pharmawerte wie GlaxoSmithKline, Novartis und Roche weiterhin Beachtung. Ich erwarte also noch so einiges Sommertheater und einen „heißen Herbst“.

Zuletzt waren in Europa die Zahlen von Telekomgesellschaften und auch von Mastercard recht erfreulich. Deswegen stieg der DAX am Donnertag auf ein neues Jahreshoch von über 5300 Indexpunkten, schwächte sich am Freitag nur leicht um 0,53% auf 5332 Indexpunkte ab. Der S&P-Index stagnierte am Freitag bei 987 Indexpunkte und der Dow Jones bei 9171 Indexpunkten auf Vortragsniveau. Bei einem S&P von nachhaltig über 1000 Indexpunkten wird das Gesamt-Szenario sehr bullish. Auch der RTS-Index kämpft gerade mit der 1000-er Marke. Am Freitag stieg der RTS-Index um 1,61% auf 1017 Indexpunkte. Der Nikkei-Index überwand wieder die magische 10.000er Marke. Die Markttechnik sieht auch dort weiterhin positiv aus.

Der Juli war für die USA der beste Börsenmonat seit 20 Jahren. Der Juli ist aber statistisch der zweitbeste Börsenmonat im Jahr. Im letzten Jahr war die Welt im Juli auch noch in Ordnung. Der August dürfte wesentlich volatiler werden. Im August könnte sich auch entscheiden, ob das neue Jahreshoch beim DAX und S&P ein Bullenfalle oder der Beginn einer nachhaltigen Trendwende ist. Die 200-Tgaeslinie ist immer noch fallend. Erst bei einem S&P von unter 875 wird es an den Weltbörsen sehr bearish. Noch dürfen die Emerging-Markets- und Ostbörsen aber auf eine Fortsetzung der fulminanten Sommerrallye hoffen, fragt sich nur wie lange noch.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

Radio+TV-Hinweis: Der Autor wurde am 1. und 3. Juli 2009 von der Deutsche Welle im Radio über die Aussichten von Kasachstan und Russland befragt. Sie können sich das Interview und den Onlinebeitrag unter www.eaststock.de (dort unter de Rubrik Interviews) per link nach www.dw-world.de runterladen (auf Russisch). Der Autor wurde zudem am 6. Juli anlässlich des Besuchs von Obama in Russland in N24 über die Aussichten des russischen Aktienmarktes befragt. Wer das Interview verpasst haben sollte, kann sich das Interview auch unter www.n24.de im Archiv anschauen, wenn man „EAST STOCK TRENDS bei der Suchfunktion eingibt. Ein aktuelles Interview über den russischen Aktienmarkt mit dem Autor finden Sie bei www.k2kapital.com (in Russisch).

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