Dubai Pleite - na und?

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Samstag, 28. November 2009 15:15:00

Der Dubai World Fonds, die größte staatliche Investment-Holding der Vereinigten Arabischen Emirate aus Dubai, sorgte mit dem technische Default einer Anleihe am 26. November für helle Aufregung rund um den Globus. Dubai World hat um Zahlungsaufschub für die Rückzahlung einer Anleihe, konkret des Nakheel Bonds im Volumen von 3,52 Mrd. USD, gebeten, der am 14. Dezember fällig wird. Insgesamt hat Dubai World Schulden in Höhe von 59 Mrd. USD, die aber nicht alle Default sind.

Dabei teilte Dubai World noch im Oktober mit, dass die Um- und Restrukturierung schon fast abgeschlossen sei. Es sollten 800 Mio € an Betriebskosten eingespart werden und die Zahl der Mitarbeiter sollte um 15% auf 70.000 gekürzt werden. Der technische Default kam also überraschend. Die Kurse purzelten beim DAX über 3%, Nikkei über 3% und beim Hangseng und RTS sogar um fast 5%, während die Wall Street am 26. November den „Thanksgiving day“ (Erntedankfest) feierte und am Folgetag, am sogenannten „schwarzen Freitag“ mir einem Minus von 1,8% sehr besonnen reagierte.

Am Mittwoch, als der technische Default an der Wall Street schon bekannt war, wurde die Nachricht aus Dubai als „Non Event“ aufgefasst. Immerhin sprangen schon wieder die CDS, also die Risikoprämien für Anleihenversicherungen, der fünfjährigen Dubai World-Anleihen von 350 auf 540 in die Höhe, was wieder an den Oktober letzten Jahres erinnerte. Ein Staatsbankrot des Emirats Dubai hätte sicherlich erhebliche Folgwirkungen auch psychologischer Natur. Dubai hatte sein rasantes Wachstum seit 2004 überwiegend au Pump finanziert. Aber ebenso hängen immer noch einige Länder wie Ukraine und Lettland am Tropf des IWF. Nur hängt Dubai mit seinen 80 Mrd. USD Schulden (noch) nicht am Tropf des IWF, sondern am Tropf von Abu Dhabi. Auch die Zentralbank der Arabischen Emirate hat Anfang des Jahres eine 10 Mrd. Anleihe von einem 20 Mrd. USD-Bond der Arabischen Emirate aufgekauft, also in etwa das gleiche Spiel gemacht, was im Moment die FED macht, die schon 300 Mrd. USD aufgekauft hat. Einen Staatsbankrott wird es also so schnell nicht geben, es wird nur mehr Geld gedruckt. Die Notenbank bleibt also „lender of last resort“. Durch den stark gestiegenen Ölpreis haben die Vereinigten Arabischen Emirate wieder Haushaltsbilanzüberschüsse.

Das große Problem ist der mögliche Vertrauensverlust in der gesamten Golf-Region, also auch für Katar, Abhu Dhabi und Saudi-Arabien. Ich empfehle aber eine differenzierte Betrachtung, die die Staaten in einer unterschiedlichen Ausgangslage sind. Dubai hat sich offensichtlich mit gewagten und waghalsigen Immobilienprojekten übernommen, was aber nicht für die gesamte Golf-Region zutrifft, die zudem durch den höheren Ölpreis jetzt auch wieder höhere Einnahmen hat und sich gegenseitig helfen können nach dem Motto: „Scheichs aller Länder vereinigt Euch“!

Dafür schossen aber schon die Kurse vom T-Bonds-Future und auch beim Bund-Future auffällig in die Höhe. Die Rendite einer 10-jährigen Bundesanleihe fiel um 0,06% auf 3,18%. Der Bund-Future erreichte mit 124 einen neues Jahreshoch und befreite sich damit aus der Seitwärtsbewegung der letzten 3 Monate. Es gab also wieder die Flucht in den Anleihen und am 26. Dezember auch die Flucht in den Dollar, was den Euro von 1,51 auf 1,49 fielen ließ. Mit dem steigenden Dollar gaben aber auch Rohstoffpreise am 26. November kräftig nach. Der Rubel verlor am 26. November 2% an Wert in Relation zum Dollar, stieg aber seit den letzen 3 Monaten um 10% und seit März sogar um 20% zum Dollar.

Ich halte die Kursverläufe an den Aktienbörsen für übertrieben, da ich zunächst nicht an einen Dominoeffekt glaube. Der 26. November setzte aber ein Ausrufungszeichen für Kursverläufe, die wir in Zukunft aus ganz andern Gründen zu erwarten haben, nämlich dass kräftige Korrekturen nach der Jahrhundert-Hausse seit März 2009 möglich sind. Es macht auch deutlich, dass wir jederzeit aus jeder Ecke der Welt noch mit Defaults rechnen müssen. Je überraschender und größer diese Defaults sind desto kräftiger werden auch die zukünftigen Kursauschläge sein. Der Dubai World-Fonds hat Schulden von 60 Mrd. USD. Insgesamt sind die Arabischen Emirrate mit 80 Mrd. USD verschuldet. Damit wurden Prestigeprojekte wie u.a. die „Palme“ gebaut. Investiert haben in das „Manhattan der Arabischen Emirate“ vor allem Anleger aus Iran, Pakistan und Russland, aber auch deutsche Anleger wurden von Hochglanzbroschüren und zweistelligen Renditen angelockt. Da ist viel Schwarzgeld und Hot Money in unnötige Prestigeobjekte finanziert worden. Die Korruption „or Ort“ sorgte für ein Übriges. Babylon lässt grüßen! Hochmut kommt vor dem Fall und Größenwahn ebenfalls; es war schon in 2007/8 deutlich, dass hier Überkapazitäten im Immobiliensektor aufgebaut wurden. Zudem zeigte der Dubai-Default wieder einmal auf, das einmal mit zu wenige Eigenkapital zu großer Räder gedreht wurden und Gier die Vernunft besiegte - auch bei Anlegern!

Die Dubai-Tower dürften ein Milliardengrab für deutsche Anleger werden. Ich rechne dort mit Preiseinbrüchen im Immobiliensektor von über 50%, wobei der Boden wohl erst nächstes Jahr erreicht wird. Darunter leiden auch solche Objekte wie die Palme, die überwiegend kreditfinanziert erstellt wurden. Ich nehme zwar an, dass dem Dubai World-Fonds wie erbeten Zahlungsaufschub bis Ende Mai gewährt wird; damit ist die Kuh aber noch nicht vom Eis. Dennoch sind die möglichen Zahlungsausfälle auch für westliche Banken nicht so groß, weil hinter den Krediten auch Werte stecken. Man kann allerdings nur hoffen, dass die Arabische Emirate nicht ihre Beteiligungen an deutsche Unternehmen im nächsten Jahr zwangsweise versilbern müssen. Dubai hält 22% an der Londoner Börse und will selbst zu einem weltbedeutenden Finanzzentrum avancieren. Die Emirate Katar, Abu Dhabi und Kuwait halten direkte oder indirekte Beteiligungen an deutschen Industrieunternehmen wie erst jüngst an Porsche. Porsche verlor daher am 26. November fast 10% an Wert. Margin-Calls und Zwangsexekutionen von beliehenen Assets können schnell wieder zu einem Ausverkauf führen wie die superreichen Oligarchen Russlands im letzen Jahr zeigten, wo in Windeseile in den Monaten August bis November 2008 über 300 Mrd. an Wertverlust entstanden. Auch dort führte eine auf Pump finanzierte Glitzer- und Glamourwelt ins Verderben und nun zu einem Umdenkungsprozess.

Ich erwarte aber eher zunächst einen neuen Dubai-Bonds, den Abu Dhabi oder die Notenbank aufkaufen könnte. Zudem gibt es durchaus profitable Unternehmen in den Emiraten wie die Fluglinie, der Flughafen und auch der Hafen. Hier kommen zunächst dann Debt to Equity-Swaps seitens Abu Dhabi für Dubai in Betracht und nicht der Notverkauf von deutschen Beteiligungen. Rekapitalisierung vor allem der Banken und Umstrukturierung von Anleihen bleiben in Zeiten der Kreditklemme ein brisantes Thema, das uns wohl auch im nächsten Jahr begleiten wird. Vielleicht werden wir och noch mal über Ackermanns Vorschlag eines Feuerwehrnotfonds für Banken nachdenken müssen. Was wir wohl in jedem Fall demnächst brauchen, ist ein Rettungsfonds für Schiffsbeteiligungen und notleidende Emissionshäuser, was auch ein Milliardengrab für Anleger werden könnte. Hier erwarte ich die nächsten Insolvenzen.

Die Staatsbank Lloyds wird jetzt eine Rekord-Kapitalerhöhung von 13,5 Mrd. Pfund durchführen. Da sollte es Dubai doch gelingen, 3,5 Mrd. USD aufzubringen bzw umzustrukturieren. Tant de bruit pour une omelette, sagt der Franzose, bei dem Staatsschulden und Haushaltsbilanzdefizite wohl keine Rolle spielen. Sarkozy spielt im Moment gerne den „Retter der Welt“. Putin war jetzt in Paris, damit Renault die Schulden von Avtovaz umstrukturiert. In Geheimabsprachen wurde dabei sicherlich auch über den Iran gefachsimpelt, was aber auch ökonomische Deals beinhaltet.

Gestern stürmten die Amerikaner die Läden, um sich Schnäppchenpreise mit einem Discount von über 50% zu ergattern, weil die Lager geräumt werden sollen und sich die USA jetzt auf das Weihnachtsgeschäft vorbereite, der wiederum ein guter Indikator für den Konsum und damit für die Wall Street insgesamt werden könnte. Da die Sparquote in den USA schon wieder auf 2% gesunken ist, dürfte das Weihnachtsgeschäft gar nicht so schlecht verlaufen. Der Ansturm gestern war gewaltig, aber mit solchen Preisen kann der Einzelhandel nichts verdienen.

Diese Konsum-Zahlen wie auch die nächsten Arbeitslosenzahlen werden die Anleger dann wieder mehr interessieren als der Zahlungsaufschub des Dubai World Fonds. Wenn die Arbeitslosenquote nachhaltig weit über 10% steigt, könnte die Wall Street weit stärker nachgeben als am Freitag nach dem Non Event „Dubai“. Dubai hat vom Volumen eine geringere Bedeutung als der Staat Kalifornien, der faktisch auch Pleite ist. dennoch sollte man nicht die dahinter liegende Grundproblematik der Mega-Verschuldung von Länder und Kommunen verniedlichen. Im Gegenteil: ich befürchte, dass wir in den nächsten Jahren öfters Hilferufe von Regierungen bekommen werden als uns lieb ist. Dubai World ist also kein „Non Event“, sondern ein Ausrufungszeichen, dass es immer noch eine Kreditklemme gibt.

Die Finanzwelt ist aus den Fugen geraten und hat sich von der Realwirtschaft abgehoben. Wie gut, dass durch „Helikopter-Ben“ & Co keiner so schnell merkt. Die Probleme werden mit Liquidität ersoffen. Dann stellt sich aber die bange Frage, wann aus einer Deflation eine Inflation wird. Mit diesen Themen werden wir uns die nächsten Jahre nolens volens beschäftigen müssen. Ebenso werden Fragen der Folgeschäden der Klimaveränderungen immer dringlicher, aber die Kassen dafür immer kleiner. Die Allianz schätzt die Folgekosten von Überflutungen von Küstenstädten bis 2050 auf 16 Billionen US-Dollar. Die Politiker sollten agieren und nicht reagieren, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Hier sind insbesondere die USA und China gefragt eine Kehrtwendung und einen Umdenkungsprozess einzuleiten bevor es zu spät ist. Die Glitzerstadt Las Vegas verbraucht mehr Strom als Peru, Herr Obama, bis die Lichter ganz ausgehen.

Ein weiteres Loch ohne Boden ist der Gesundheitssektor, der aus den Fugen gerät, insbesondere dann, wenn kein Geld zum Verteilen mehr vorhanden ist. Hinzukommt die demographische Entwicklung, die insbesondere in Japan, China, Russland und Deutschland nicht sehr förderlich ist. Besser haben es hier Länder wie Türkei, Brasilien und ganz Afrika, auf die Sie langfristig auch als Investor setzen sollten. China sorgt durch den Aufbau von kreditfinanzierte Überkapazitäten und der Überschwemmung der Weltmärkte mit Billigprodukten möglicherweise für den nächsten „Bubble“, auf den Sie vorbereitet sein sollten.

Die meisten Anleger, Politiker und Manager denken aber nur kurzfristig, was auch die Ursache vieler Fehlentwicklungen ist. Und hier wiederum ist im Moment Dubai im Mittelpunkt des Medieninteressen und der Medienrealität. Schaut hin, wo es wirklich brennt, liebe Anleger!

Der DAX konnte sich am Freitag schon wieder um 1,27% auf 5685 Indexpunkte erholen. Der DAX wird am Montag aber wohl schwächer eröffnen, da der Dow Jones am Freitag um 1,48% auf 10.309 Indexpunkte und der marktbreitere S&P-Index um 1,72% auf 1091 Punkte fiel. Gold konnte sich nach starken Preisrückgang am Donnerstag wieder auf 1176 USD/Unze erholen und Öl auf 76 USD/Barrel (WTI). Der Dollar schwächte sich wieder auf 1,50 EUR/USD ab. Der Bund-Future stieg wieder auf 123,65, was nahe den neun Jahreshoch von 124 ist. Der Bund-Future bewegt sich in den 3 letzten Monaten volatil seitwärts zwischen 120 und 123 und ist nun leicht nach oben über 123 ausgebrochen. Bearish wird es erst bei unter 119 beim Bund-Future. Es gibt also weiterhin die Flucht in die Anleihen. Zudem konnten bisher die 100 Mrd. USD-Staatsanleihe problemlos platziert werden. Der größte Rentefonds der Welt PIMCO &Co kaufen (noch) alles auf, was auf den Markt kommt. Für den Rest sorgt die FED. Im nächsten Jahr wird es aber große Kursenttäuschungen bei Anleihen geben. Im nächsten Jahr erwarte ich eine Zinserhöhung der EZB noch vor der FED, was den Renten- du Aktienmarkt in eine Talfahrt führen wird. Ich erwarte im Dezember weiterhin hohe Volatilität, insbesondere falls die Haussetrends seit März verlassen werden sollten. Dies befürchte ich aber erst im Januar/Februar nächsten Jahres. Falls aber die unteren Trendlinien des Haussetrends seit März nicht durchbrochen werden, kann sich noch eine Mini-Jahresendrallye anschließen.

Die kritische Grenze beim DAX ist 5500 und die Reißleine bei 5350. In diesem Fall sollten Sie auch Aktien an den Ostbörsen glatt stellen. Beim RTS empfehle ich bei Kursen von unter 1300 Positionsglattstellungen. Immerhin verdoppelten sich die Kurse schon seit Jahresbeginn und seit März konnten Sie sich sogar fast verdreifachen. Haben Sie Mut und legen auch im nächsten Jahr wieder in Russland an. Informieren können Sie sich über den monatlich erscheinenden Newsletter EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de). Beide Musterdepots liegen mit weit über 100% im Plus. Der DAX hat aber im Gegensatz zum Dow Jones und S&P keine neuen Höchstkurse erreicht. Beachten Sie in den nächsten Wochen genau den Dollar: wenn der Dollar wieder stärker wird, werden Aktien- du Rohstoffmärkte fallen – und umgekehrt!

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

TV-Hinweis: Andreas Männicke (ESI GmbH) und Dr. Martin Hrdina (DEKA) wurden am 12.11.09 im Börsentalk von Dr. Bernhard Jünemann im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF) über die neuen Chancen in Osteuropa befragt. Sie können sich das TV-Interview jetzt unter www.anleger-fernsehen.de bei video on demand oder auch im TV-Archiv bei www.eaststock.de runterladen.

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