Droht ein kalter Krieg und droht Russland die Isolation (wie Iran)?

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Samstag, 16. August 2008 15:18:00

+++Georgien-Krieg fordert auch an der Börse Opfer+++Weichenstellung steht bevor+++auch Weltbörsen am Scheideweg++markante Trendwechsel in Sicht+++Rohstoffkurse brechen ein+++

Der russischen Präsident Medwedew hatte sich sicherlich einen anderen Start als neuer russischer Präsident erhofft. Der Georgien-Krieg hat bereits eine sehr schroffe Reaktion des US-Präsidenten Bush ausgelöst, die einen neuen „Kalten-Krieg“ zwischen den USA und Russland befürchten lassen. Bush mahnte an, dass sich Russland „isolieren“ werde, wenn Russland die Militäraktionen in Georgien fortsetzen oder gar einen Okkupationskrieg führen wird. Angela Merkel fand beim dem Staatsbesuch in Sotchi ebenfalls klare Worte – ganz im Sinne des US-Präsidenten. Der französische Präsident Sarkozy versucht zu schlichten und einen Friedensplan durchzusetzen. Nicht nur in Medwedews, sondern auch in Bushs Händen liegt es jetzt, ob sich das Investmentklima – auch an der Moskauer Börse - in Russland zunehmend verschlechtert oder sich wieder normalisiert. Falls es sich wieder normalisiert und ein Waffenstillstand eingehalten wird, bestehen aufgrund der Unterbewertung große Reboundchancen an der Moskauer Börse.

Hinzukommen die „Fälle“ Mechel und TNK-BP, die in den letzten beiden Wochen unabhängig vom Georgien-Krieg die Moskauer Börse zum Einstürzen brachte. Der RTS-Index verlor seit Jahresbeginn 24% an wert - weit mehr als der Dow Jones Industrial Index mit „nur“ minus 12%! Im Fall von Mechel scheint es nun eine Entspannung zu geben; die Kohlepreise sollen bei Mechel im Inland nach dem Vorschlag der russischen Anti-Monopol-Behörde um 30% im Inland vermindert werden. Wenn dies auch zu Einbussen im Umsatz führen wird, wäre dies für die Moskauer Börse eine akzeptable Lösung. Wie der TNK-BP-Chef Dudley die Probleme mit den russischen Behörden und Oligarchen lösen wird, bleibt anzuwarten.

Von besonderer Bedeutung für die russische Wirtschaft ist auch die Entwicklung der Rohstoffpreise, wo auch in der letzten Woche markante Trendwechsel und Kurseinbrüche zu verzeichnen waren. So setzt der Ölpreis die Talfahrt auf 114 USD/Barrel fort und Gold brach sogar auf unter 800 USD/Unze ein, was viele Rohstoff-Bullen überrascht hat, zumal die Verbraucherpreise in den USA mit 5,6% so hoch wie schon lange nicht mehr war. Allerdings sorgte die Dollarstärke für einen Trendwechsel bei den Rohstoffen. Der Dollar kann nach dem Chartasubruch bei 1,54 EUR/USD jetzt sogar Richtung 1,45 EUR/USD tendieren, was den Goldpreis weiter unter Druck bringen könnte. Bei 850 USD/Unze unterschritt der Goldpreis eine wichtige Unterstützungslinie, so dass der Kurseinbruch auch aus charttechnischer Sicht verständlich ist. Noch größer war der Kursverlust beim Silberpreis. Aber auch andere Metallpreise gaben in der vergangenen Woche erneut kräftig nach. Ganz offensichtlich wechseln Hedgefonds hier blitzschnell die Position, wenn sich Trendwechsel andeuten. Es ist allerdings noch zu früh von einem generellen, langfristen Trendwechsel im Rohstoffsektor zu sprechen. Ganz offensichtlich wird jetzt aber auch das Thema „Rezession“ gespielt, nachdem die BSP-Zahlen in vielen europäischen Ländern (sogar in Deutschland) im 2. Quartal 2008 im Minus landeten. Ich rechne auch in Japan mit einer Rezession.

Durch den starken Einbruch beim Ölpreis konnten sich Automobilaktien und Luftfahrtgesellschaften zunächst wieder deutlich im Kurs erholen. Dabei ist die Liquiditätssituation der großen US-Autoproduzenten immer noch sehr angespannt, ebenso wie bei vielen Großbanken, was auch durch die hohen Spreads bei Unternehmensanleihen zum Ausdruck kommt. General Motors bemüht sich gerade um einen 35 Mrd. USD-Kredit beim Staat, vordergründig um Hybridautos herstellen zu können, in Wahrheit aber, um eine Insolvenz zu vermeiden. Es wird einige Zeit dauern, bis die US-Autohersteller ihre Produkte auf Benzinsparende Autos umgestellt haben. Wenn zwischenzeitlich die Banken „dicht“ machen, kann es schnell zum Mega-Gau im Automobilsektor kommen ebenso wie im Bankensektor, wo die Citibank und auch UBS um das Überleben kämpfen. Bei Lehman Brothers ist George Soros aber schon eingestiegen, so dass sich hier keinen Konkurs erwarte.

Der Georgien/Russland-Konflikt könnte sich sehr schnell in einen USA-Russland-Konflikt verwandeln, wenn sich die Fronten verhärten sollten. Die USA haben in der letzten Woche mit Polen eine Einigung über das Raketenabwehrsystem auf polnischem Boden erzielt, was ein weiter „Dolchstoß“ in den russischen Rücken bedeutet. Schon zuvor kam es mit einer Einigung mit Tschechien, worauf wie aus dem Nichts auf einmal Öl- und Gaslieferungen aus Russland ausblieben. Russland kann seine Muskeln gegenüber Westeuropa spielen, was energiepolitisch zu einer Katastrophe in Europa führen könnte, denn Europa ist von Russland im Energiesektor abhängig. Russland wird weiterhin versuchen, Stärke zu beweisen, sowohl militärisch als auch durch Druck über die „Energieschiene“. Dass dies nicht ganz ungefährlich ist, müsste auch US-Präsident Bush und Bundeskanzlerin Merkel wissen. Der Georgien-Konflikt könnte sich also sehr schnell zu einem „Kalten Krieg“ und damit einer Verhärtung der Fronten verdichten, was weder für die Moskauer Börse noch für die Weltbörsen zur Stimmungsbesserung beitragen würde.

Die gegenwärtige und zukünftige Situation in Georgien ist daher auch die die Weltbörsen von großer Bedeutung was anscheinend die meisten Börsianer im Moment ignorieren. Im Moment versuchen Merkel und Rice den Konflikt zu entschärften aber sie könnten schon mit der falschen Wortwahl einen nachhaltigen Konfrontationskurs mit Russland einleiten, was sicherlich jetzt die falschen Signale wären. Denn dann wäre es nicht mehr weit, bis Bush Russland auf die Ebene der „Schurkenstatten „ herabwürdigt, was sich Russland nicht gefallen lassen würde. Apropos. Bush sollte sich ohnehin mit seiner Wortwahl im Zaum halten bzw. besser beraten lassen, denn es wird in den nächsten Monaten auch die Rethorik gegenüber dem Iran verschärfen und möglicherweise schon jetzt militärische Aktionen als „ultima ratio“ dort planen. Bush spricht von der Gefahr einer Isolation Russlands und vergisst dabei, dass China zwar nicht einen Schmusekurs mit Russland fährt, aber China im Zweifel mit Russland eine Linie fährt, wenn es um die Iranfrage und auch die Georgienfrage gehen wird. Ich möchte es ganz klar formulieren: wenn Russland Georgien militärischen einnehmen und besetzen würde wie die USA den Irak, besteht die Gefahr eines dritten Weltkriegs zumindest dann, wenn dann US-Truppen Georgien „zur Hilfe“ eilen. Dann würden „US-Friedenstruppe“ und „Russland-Friedenstrupen“ aufeinandertreffen, was ein Fiasko für die Weltbörsen und den Weltfrieden gleichermaßen wären. Medwedew hat angekündigt, dass er sich mit dem angekündigten Truppenabzug Zeit lassen werde, was für uns bedeutet, dass wir die Situation im Kaukasus weiterhin mit Argusaugen beobachten müssen.

Die USA befinden sich im Moment wirtschaftlich in einer Schwäche-Position, ebenso wie Großbritannien, die die USA immer militärisch 100-prozentig unterstützten; China und auch in Russland befinden sich seit einigen Jahren in einer Stärke-Position, was auch die Erhöhung der Währungsreserven anzeigen (China über 1 Billion USD, Russland über 500 Mrd. USD). Wirtschaftlich angeschlagen Nationen neigen eher zur Kriegsführung, um von den wahren Problemen im Inland abzulenken. Auch dies sollte der Anleger im Hinterkopf haben, zumal jetzt US-Wahlen bevorstehen.. Es gibt Gerüchte und Verschwörungstheorien, die besagen, dass der georgischen Präsident Michal Saakaschwili ein verlängerter Arm (und damit „Sprachrohr“) der US-Geheimdienste sei, die damals im Jahr 2003 auch den Sturz in der Rosen-Revolution des damaligen georgischen Schewardnadse eingeleitet haben sollen. Saakaschwili ist jetzt zumindest auffällig oft in CNN, um gegen Russland Stimmung zu machen. Die USA verlangen den vollständigen Truppenabzug der Russen aus der „Kernregion“, was aber nicht so schnell passieren wird. Russland versteht sich dort als legitimierte „Friedenstruppe“ (welch sarkastischen Wortungetüm!) und wird sich bestenfalls auf die Positionen zurückziehen, wo sie auch schon vorher waren. Es kann also jederzeit zu neuen Feuergefechten – und seien es nur Scharmützel in vereinzelten Dörfern - kommen. Umgekehrt kann Russland von den USA mit Fug und Recht den vollständigen Truppenabzug der Amerikaner aus dem Irak verlangen, wo sch immer noch US-„Friedenstruppen“ ohne völkerrechtliche Legitimation aufhalten.

Man stelle sich vor: Wenn Georgien jetzt schon in der NATO wäre und dort UN-Truppen als Friedenstruppe hinbeordert wird oder. noch schlimmer amerikanische und britische Kriegschiffe als Hauptbestandteile der UN-Friedenstruppe auf Konfrontationskurs mit russischen Kriegschiffen gehen würde, hätten wir ein ähnliche Situation wie 1987 als russische und amerikanische Kriegsschiffe bedrohlich näherten, was übrigens zusammen mit steigenden Zinsen und steigenden US-Haushaltsbilanzdefiziten in einem Börsen-Crash im Oktober endete. Das US-Haushaltsbilanzdefizit erhöhte sich übrigens im Juli von 26 auf 100 Mrd. USD, was bisher kaum zu Notiz genommen wird. Einen weiteren Kriegsschauplatz kann sich die USA finanziell kaum erlauben, aber darauf wird Bush wohl keine Rücksicht nehmen. Säbelgerassel und Medien-Polemik reichen dann aus, um die Anleger zu Panikverkäufen zu veranlassen. Deswegen warnte Putin schon mit Nachdruck, dass die NATO nicht den Fehler machen sollte, Georgien in die NATO aufzunehmen, was der Wunsch von Saakaschwili nach wie vor ist. Ich bezeichne das Ganze als einen (möglicherweise ganz bewusst initiierten) „Tanz auf dem Vulkan“, der jederzeit ausbrechen kann. Alle beteiligten Politiker sollten jetzt genau wissen, was sie zu tun und zu sagen haben, sonst kann aus einem vordergründig unbedeutenden (Stellvertreter-) Krieg schnell eine Apokalypse werden. Das Beste, was auch den Aktienmärkten und beteiligten Ländern passieren kann, wäre n der Tat ein geordneter beidseitiger Truppenrückzug auch aus allen georgischen Dörfern und die Einhaltung des schriftlich abgeschlossenen Waffenstillstands. Umgekehrt droht eine auch für die Weltbörsen gefährliche Eskalation. Am Montag will Medwedew mit dem Truppenabzug aus der Kernregion beginnen. Hoffen wir, dass der französische „Friedensplan“ (6 Stufenplan) auch eingehalten wird. Stabilität in der Region ist so schnell jedenfalls nicht zu erwarten.

Aus marktechnischer Sicht bestehen immer noch Chancen, dass sich kurzfristig die kleine Sommerrallye seit dem 14. Juli noch ein wenig fortsetzt, nämlich dann, wenn der Dow Jones über 11.800, der S&P über 1300 und der DAX über 6600 Indexpunkte schließen sollte. Umgekehrt wird die Situation an den Welt- und Ostbörsen sofort weder bearish, wenn der Dow Jones unter 11400, de S&P unter 1260 und der DAX unter 6300 Indexpunkte fällt. Am 16. August war Mondfinsternis und Vollmond, wo es an der Börse jetzt zu einer Beschleunigung des Trends oder zu Trendwechseln kommen kann. Bei einer Bärmarktrallye sind dann kurzfristig beide Richtungen möglich. Es wird in jedem Fall volatil bleiben. Die nächste Woche könnte auch aus markttechnischer Sicht wegweisend werden. Welche Richtung die Börse nimmt und wie Sie dann verhalten sollen, können Sie der täglich aktualisierten „Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

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