Die Börse zwischen Vision, Fata Morgana, Halluzination und harten Realitäten

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Samstag, 20. Juni 2009 20:29:00

Die Börse ist im Moment in dem Spannungsfeld zwischen Visionen, Hoffnungen, Fata Morganas (=Wunschvorstellungen), Halluzinationen (erdachten Realitäten) und „harten“ Realitäten (=Fakten). Ich bin sehr für visionäres Management auch für Politkern mit glaubhaften Visionen und Obama ist hier sicherlich der richtige Mann zur richtigen Zeiten am richtigen Platz. Nur könnte sich Visionen als Fata Morgana (= unerfüllbare Wunschvorstellung) herausstellen und Hoffnungen könnten zu Halluzinationen oder Seifenblasen werden. Letztendlich entscheiden an der Börse nach einer gewissen Zeitverzögerung immer die „harten Wirtschafts-Realitäten“. An der Börse werden aber zu 80% nur Zukunftserwartungen über wirtschaftliche Prozesse gehandelt und dies war auch einer der Gründe, warum die Börse sich in den letzten 3 Monaten trotz schlechter Konjunkturdaten wieder nach oben bewegen konnte.

Einige Stimmungsindikatoren wie der ZEW-Indikator, aber auch andere Frühindikatoren sowie der Baltic Dry–Index für Frachtraten drehten nach oben; zudem steigen einige Rohstoffpreise wie Kupfer, Nickel und Öl stark an. Dies machte Hoffnung, dass wir im 2. Halbjahr eine (nachhaltige?) Konjunkturerholung bekommen werden. Ich habe absichtlich bei „nachhaltig“ ein Fragezeichen gemacht, denn auf die Nachhaltigkeit wird es in 2009/10 ankommen. Ein bloßes Stohfeuer kann sich kein Land aufgrund de Mega-Verschuldung mehr leisten. Wird die Konjunkturerholung „nachhaltig“ sein oder ist sie nur das Ergebnis von einigen Bestandteilen von staatlichen Konjunkturprogrammen wie die Abwrackprämie, die übrigens jetzt in etwas modifizierter Form auch in den USA eingeführt wird. Falls die Konjunkturerholung nicht nachhaltig sein sollte, wird das dem Steuerzahler mittelfristig viel Geld kosten.

In den nächsten Monaten startet in Deutschland der Wahlkampf; da wird jede Partei sich ins beste Licht rücken wollen und mehr von Fata Morganas und Halluzinationen reden als von den möglichen„harten Realitäten“. Im nächsten Jahr werden im Bundeshaushalt 90 Mrd. € fehlen und in den Folgejahren über 300 Mrd. €. Da ist eine gewaltige Summe, wobei dabei sogar von Wachstum beim BSP in dem nächsten Jahr ausgegangen wird, was noch sehr fraglich ist. Wenn die Staatskassen vollends leer sind, werden die Studenten noch mehr auf die Strassen gehen.

Das wichtigste in einem kapitalistischen System ist, dass die Unternehmen weltweit wieder nachhaltig mehr Gewinne erzielen, sonst bricht das System aufgrund der zunehmenden Verschuldung in Kombination mit der Kreditklemme in sich zusammen. Nach wie vor sind die systemischen Risiken vorhanden, auch wenn jetzt durch eine Reihe von Buchhaltungstricks oberflächlich eine verbesserte Ertragslage „auf dem Papier“ herbeigeführt wird. Eine dürfte klar sein: eine Gesundung dieses kränkelnden Systems kann nur über eine Gesundung der Banken kommen.

Obama hat in der vergangen Woche es gewagt eine heilige Kuh anzufassen und das sind die „freien Marktkräfte“, die nun einen staatlichen Rahmen, sprich eine neue kontrollierbare Finanzarchitektur, bekommen sollen. Es ist aber fraglich, ob sich die spekulativen Übertreibungen durch die neue Finanzarchitektur a la Obama beseitigen lassen. Nach den Vorstellungen von Obama und Geithner sollen die FED noch mehr Macht bekommen, um die Vorgänger in der Finanzwirtschaft transparenter zu machen. Es soll jetzt transparente Verkehrsregeln für die internationalen geben, die die FED überwachen soll. Insbesondere die Kreditderivate solle transparent werden, was bisher immer noch nicht geschehen ist. Aber die Vorschläge von Obama und Geithner müssen nun noch vom Kongress abgesegnet werden und dort wird es bei den Republikanern Widerstand geben. Ein neues Finanzmarktgesetz ist frühestens Ende des Jahres zu erwarten.

Mein Forderung wäre diesbezüglich sogar noch weitergehender als die von Obama: es müsste eine globale Evidenzzentrale für Derivate geschaffen werden und es müsste effiziente, in der Praxis umsetzbare Frühwarnsysteme geben, wenn die Finanzderivate als wertlos abgeschrieben werden müssen. Zudem müssen die Aufsichtsgremien in Hinblick auf Frühwarnsystem besser geschult werden. Durch pure Spekulation, Gier und Größenwahn dürfen nicht ganze Volkswirtschaften mehr ruiniert werden können wie es jetzt der Fall zu sein scheint.

Große Hedgefonds sollen in den USA demnächst registriert und kontrolliert werden. Es gibt aber einige Zweifel, ob die FED in der Lage ist, Übertreibungen von Märkten wirksam zu kontrollieren. Es gibt nicht wenige die behaupten dass es gerade die FED es ist, die durch die Geldmengausweitung der eigentlich Verursacher für die weltweiten Bubbles bei den Rohstoff, Immobilien und Aktienmärkten war. Hier soll also der Bock zum Gärtner gemacht werden. Wenn nun die FED Fehler macht, wer kontrolliert die FED eigentlich effizient und gibt ihr einen Rahmen vor. Und sprengt die Notenbank nicht schon jetzt ihren Rahmen, wenn sie US-Staatspapiere in der Not großvolumig aufkauft. Ist dies nicht schon erkennbar der nächste große Fehler, der in einigen Jahren zu einer Hyper-Inflation führen kann. Die FED ist dann auch die einzige Institution, die das Geld wieder abpumpen kann.

So sehr mehr Transparenz und auch effiziente Kontrolle im Finanzsektor wünschenswert ist, desto hinderlich kann auch eine allzu bürokratische Überregulierung werden. Vor allem kommt es sehr auf die Qualität und Kompetenz der Kontrolleure an, ob Fehlentwicklungen rechtzeitig erkannt werden. Hier muss es „Waffengleichheit“ geben, die bisher nicht hergestellt ist. Die Aufsichtsräte bei den Landesbanken haben alle versagt und auch die Rating-Agenturen in den USA haben versagt, obwohl es sich um hochrangige, erfahrene und auch durchaus qualifizierte Personen handelt, zum Teil jedenfalls. Wir standen im Oktober kurt vor dem Mega-Gau im Finanzsektor, nämlich, dass alle Banken weltweit Pleite hätten gehen können. Dies wurde durch die massiven Staatseingriffe jetzt vermieden, was dem Steuerzahler aber auch viel Geld kosten wird. Wenn es dann noch einen Bankenrun gegeben hätte, wären wir nicht weit von einer Depression wie im Jahr 1929 entfernt. Insofern können wir Börsianer schon froh sein, dass der Mega-Gau bisher künstlich vermieden wurde, denn im worst case stehen alle Sparguthaben auf dem globalen Verlustkonto.

Die Bürger dieses Landes und auch selbst in den USA merken immer noch nicht, was sich hinter den Kulissen jetzt alles abspielt. Wenn man in Hamburg, Frankfurt/M oder auch in Paris durch die Einkaufstrassen geht, dann sieht man noch nichts von einer Krise. Anders ist es schon in den USA, wo Restaurants deutlich leerer werden und es neuerdings Zeltdörfer von hochverschuldeten Ex-Immobilienbesitzen gibt. Das Konsumverhalten hat sich in den USA schon geändert, denn die Sparquote ist von 0 auf 5% angestiegen- so hoch, wie noch nie in der Nachkriegszeit. Dennoch sind die Konsumindikatoren immer noch recht robust und deuten nicht auf eine Depression hin. Dies hängt mit drei Faktoren zusammen: zum einen ist die Kaufkraft enorm durch die fallenden Energiepreise gestiegen. In Deutschland wird der Kaufkraftzugewinn auf 30 Mrd. € geschätzt. Dies ist wie ein Sonderkonjunkturprogramm für den Bürger; zum zweiten haben sich Steuererleichterungen positiv bemerkbar gemacht. In Deutschland ist zudem das soziale System recht ausgeprägt. Dies führ auch dazu, dass der Konsum durch Transferzahlungen (auch durch Kurzarbeitergeld etc) zunächst recht robust bleibt. Dabei verschwinden jetzt dennoch die Unternehmen vom Markt, die zuvor Managementfehler rund sich zudem zu hoch verschuldet gemacht haben (wie Arcandor). Dass es besser geht, zeigt das auch in der Krise sehr erfolgreiche Versandhandelsunternehmen Otto, das jetzt sogar Übernahmen plant. Ob Quelle jedoch überleben kann, ist fraglich.

Die nächsten Wochen und Monate dürften noch einige weitere Krisengewinner und Krisenverlierer zu Tage bringen. Porsche ist ein gutes Beispiel dafür, wo wohl die Gier und Größenwahn überwogen hat, VW durch gewagte Finanztransaktionen über Optionen zu übernehmen anstelle das eigene operative Geschäft zu stabilisieren. Nun muss ein Investmentfonds auf Katar mit einer Beteiligung von 25% die Finanzschieflagen im Volumen von 9 Mrd. € ausgleichen, was zwar Sinn macht und hilft, die Finanzkrise ohne Insolvenz zu überstehen. Aber alleine die Tatsache, dass es soweit gekommen ist, ist ein Beleg für fehlende Kontrolle und übermäßige Gier im Unternehmen. Die Risikofrüherkennungssysteme sind zwar „auf dem Papier“ auch hier vorhanden, werden aber aufgrund fehlender Waffengleichheit nicht ausgenutzt. Wer hat schon im Aufsichtsrat verstanden bzw. gewusst, wie viele fremdfinanzierte VW-Optionen zu welchen Bedingungen in den Büchern waren. Hier krankt es eindeutig am System und wenn sich hier nichts Gravierendes ändert, kippt das System. Erste Ansätze zu Verbesserungen wurden in den USA gemacht. In Europa schaffen wir es wohl nicht, eine einheitliche Finanzaufsicht hinzubekommen. Und wenn wir sie haben, ist auch noch die Frage, wer das überhaupt effizient ausüben kann. Das dürfen dann sicher keine Politiker oder Staatssekretäre sein, die schon alle bei den deutschen Landesbanken versagt haben.

Auch die Wirtschaftsprüfer müssen bei dem Bereich „Risikofrüherkennungssysteme“ jetzt genauer hinschauen: sicherlich sind auch sie von den Informationen des Vorstands abhängig, aber sie haben die Pflicht, hier besonders bei dem Punkt „finanzielle Risiken“ mehr zu hinterfragen. Die Aufsichtsräte haben die Pflicht, die dem Hauptversammlungen hiezu explizit bei erkennbaren Fehlentwicklungen Stellung zu nehmen. Hier kommen wir dann aber sehr schnell zu der Frage, was Betriebsgeheimnisse sind was der Gesellschaft unnötig schadet und welche Informationen müssen den internen Kontrollorganen und bei systemischen Risiken auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, damit die Kontrolle auch effizient ausgeübt wird. Es kann gut sein, dass die gut gemeinten Verbesserungen bei der Risikofrüherkennung in der Praxis sich als Fata Morgana herausstellen.

Die Banken müssen auch ihre Verantwortung wieder gerecht werden und nicht nur an der Eigenkapitalrendite, das Neugschäft und die Expansion (um jeden Preis) denken, sondern an die Risikokontrolle, den Erhalt von Arbeitslätzen und vor allem die Kreditversorgung des Mittelstandes zum Wohle der Allgemeinheit. Auch wenn Staatsorganisationen sicherlich nicht am Markt so effizient operieren wie Privatunternehmen, sollte die Kreditversorgung der Wirtschaft ein hoheitliches Gut sein, das auch staatlich reguliert wird. Banken sollten nicht zu Hedgefonds werden so wie es in der Vergangenheit der Fall war, weil das Investmentbanking, eine Innovation der USA, zu übermächtig und für die Eigenkapitalrendite zu bedeutsame wurde (inklusive aller darauf basierenden Erfolgssysteme). Die Aufsichtsräte müssen einen anderen Maßstab für die Vergütung von Vorständen machen. Wenn dies die Aufsichtsräte nicht können. Weil sie sich dem Vorstand zu sehr verbunden fühlen, müssen Aktionärsvertreter dafür sorgen (können), dass dies umgesetzt wird. Wenn dies Aktionärsvertreter nicht machen können oder wollen, muss der Staat zumindest den Rahmen dafür vorgeben, innerhalb der sich Aufsichtsräte und vorstände bewegen dürfen. damit es nicht wieder zu diesen gravierenden volkswirtschaftlichen Fehlallokationen kommt wie in der Vergangenheit. Die Kreditklemme ist jedenfalls noch nicht beseitigt, Die Unternehmensfinanzierung ist immer noch extrem teuer. Das System befindet sich also immer noch im Krankenhaus, wen es auch die Intensivstation verlassen hat. Die Kuh ist also bei aller Obama-Euphorie noch nicht vom Eis.

Immerhin wollen jetzt 10 US-Banken 68 Mrd. USD wieder dem Staat zurückgeben, damit sie sich aus den Fesseln des Staates befreien können und auch wieder höher Boni vereinnahmen können. Sicherlich sind dies mit Goldman Sachs und JPMorgen & Co die Banken, die Kreditkrise gut überwunden haben. Werden sie aber den Auftrag der Kreditversorgung nachkommen können oder weiterhin mehr „Investmentbanken“ als Banken sein? Die Weltbörsen werden die Rückgabe der Staatskredite sicherlich mit einiger Erleichterung aufnehmen und mit steigenden Kursen honorieren, dies könnte aber schon die nächste Fata Morgana werden.

Nachdem ich in der letzten Kolumnen schon einige wesentlich Früh und Spätindikatoren beleuchtet habe und dabei auch die oft falsche Einschätzung der Marktteilnehmer zum Ausdruck gebracht habe, lassen Sie uns nun auf einige harte Fakten schauen und frage, ob und wann sich diese verbessern.

In den USA ist die Kapazitätsauslastung mit 63,3% immer noch die niedrigste in der Nachkriegszeit. Die Industrieproduktion ist im 1. Quartal 2009 im zweistelligen Breichen eingebrochen und das BSP um 6%. Können neue Investitionen in erneuerbare Energien und in Umweltschutz hier schnell für einen Ausgleich sorgen? Wie werden sehen, ob das eine Fata Morgana oder berichtigte Hoffnung (nicht nur) von Obama ist, denn die Arbeitslosenquote droht schon im Sommer die 10%-marke zu überschreiten, obwohl sich die US-Arbeitsmarkdaten in der letzten Woche etwas verbessert hatten. . Immerhin hat sich der US-Häusermarkt erstmals seit langen wieder stabilisiert und es gab auch einige Stabilisierungstendenzen am Arbeitsmarkt. Dies muss aber weiter beobachtet werden, zudem kommt die Stabilisierung beim US-Häusermarkt auf sehr niedrigen und am Arbeitsmarkt auf sehr hohem Niveau zustande. Da ist zumindest noch kein Trendwende, sondern eben nur eine Stabilisierung erkennbar. In Asien ziehen übrigens die Immobilienmärkte schon wieder an und in Deutschland ist der Immobilienmarkt ohnehin sehr stabil, weil es zuvor auch keinen Bubble wie in USA, Großbritannien oder Spanien gab.

In Osteuropa verbesserten sich im Mai einige Konjunkturindikatoren wie Kapazitätsauslastung und Industrieproduktion, die ebenso wie in den USA in den Monate Januar bis April im zweistelligen Prozentbereich einbrachen und auf eine tiefe Rezession hindeutete. Wir werden sehen, was die Sommermonate ergeben, aber hier glaube ich mehr an fortgesetzten Erholungstendenzen auf niedrigem Nivea, was die Börse wohlwollend mit steigenden Kursen honorieren könnte. Auch die Währungen haben sich merklich stabilisiert, obwohl die BRIC-Länder die Abwendung vom Dollar forcieren und eine eigene BRIC-interne Handelswährung schaffe wollen. Deswegen findet jetzt auch ein Treffen in Ekaterinburg (Russland) statt. Es wird demnächst wohl einige Vorschläge zu Währungsreformen geben, um nicht von Dollarschwankungsrisiko so abhängig zu sein. Vor allem kommt der chinesische Yuan als neuer Weltreservenwährung immer mehr in die Diskussion. Im Moment ist der Yuan als Handelswährung noch nicht akzeptiert. Diese Diskussionen gehören also in die Rubik Visionen, aber keinesfalls langfristig in die Rubrik Fata Morgana.

Eine weitere harte Realität sind die leere Staatskassen und die zunehmende Verschuldung in den USA. Sie beträgt jetzt schon 375% des BIP unter Einbeziehung von Pensionszusagen und Verpflichtungen der Gesundheitswesen, die oft fälschlicherweise aus der staatlichen Verschuldungsquote herausgerechnet werden. Wenn man in den USA Gebietskörperschaften und Gemeinden einbezieht, ist die Staatsverschuldung schon 100% des BIP und damit fast auf dem Niveau von Italien oder Belgien. In Deutschland nähern wir uns der 70%-Marke bei der Staatsverschuldungsquote, was auch viel zu hoch ist, In einer vernünftigen Bilanz müssen aber auch zukünftige Verpflichtungen bilanziert werden. Die Verschuldung der USA beträgt jetzt schon 53 Billionen USD, die über den Anleihenmarkt finanziert werden. Das Volumen des US-Anleihenmarktes beträgt auch schon über 50 Billionen USD und weltweit über 100 Billionen USD. Gekauft haben dies in erster Linie Pensionskassen, Versicherrungen sowie Notenbanken. Nun kommt aber eine neue Lawine von Staatsanleihen auf den Markt. Wenn diese nicht von Anleihenkäufern absorbiert werden steigen die Zinsen. Dies würde dann wieder dramatisch die Zahllast des Staates erhöhen. Die Zinslast macht jetzt schob über 25% des Staatshaushalt bei einigen Ländern aus. Wenn nun die Zinsen steigen sollten, könnten die Staaten schnell an der Rand der Pleite kommen. Vor allem ist dann wenig Geld für soziale zwecke, Gesundheit und Bildung vorhanden (am Militäretat widre eigenartigerweise auch in den USA nicht gekürzt – die Rüstungslobby lasst weltweit grüßen!) Auch diese latenten Gefahren müssen gesehen werden.

Im Auge müssen wir auch weiterhin einige gefährdete Länder wie Litauen, Lettland, Ukraine und Türkei sehen, wo wohl wieder einmal der IWF aushelfen muss. Dies ist wiederum notwendig, um einen Dominoeffekt zu vermeiden. Die USA kann aber nur die FED bzw. die Geldruckmaschinen im Moment helfen. Die USA kritisieren Europa, dass die Konjunkturprogramme zu zögerlich seien; Europa mahnt umgekehrt die USA (FED) an, die Ausgabenwut einzuschränken. Und jeder hat aus seiner Sicht der Dinge recht.

Ich kann es nur immer wieder betonen: die Kardinalfrage für das kapitalistische System wird sein, ob die Pferde in 2010/11 saufen werden, sprich ob die Konjunktur wieder anspringt. Die Ausweitung der Verschuldung ist eine Versündigung an die Nachfolgegeneration, denn irgendeiner muss zum Schluss die Zeche bezahlen. Letztendlich müssen Sie als Steuerzahler die Zeche bezahlen und Ihre Kinder und Enkelkinder noch mehr. Wie wird es also weiter gehen mit der Börse als Spiegel von Visionen, Hoffnungen, (Wunsch) Fata Morgana und harten Realitäten. Letztendlich entscheiden an de Börse immer die harten wirtschaftlichen Realitäten, wenn auch oft nur mit einer gewissen Zeitverzögerung, da die Börse zunächst an Visionen und Fata Morganas glaubt. Nächste Woche könnte die FED schon ein wichtiges Signal mit Langfristwirkung geben, nämlich, das die Zinsen im 4. Quartal wieder ansteigen könnten. Die US-Staatsanleihen haben sich schon 2 auf über 4% mehr als verdoppelt.

Die Börsen waren am Freitag sehr stabil, was auch das Auslaufen von Optionsterminen nicht verhindern konnte. Der DAX schloss am Freitag auf Vortagsniveau bei 4839 Indexpunkten und der S&P auch nur leicht über Vortagsniveau bei 921 Index-Punkten. Der RTS-Index stieg wieder über die magische 1000-Marke auf 1011 Indexpunkten (+1,37%). Damit konnten sich die Kurse nach der von mir erwarteten Korrektur wieder stabilisieren. Bisher handelt es sich um ganze normale Korrektur nach einer fulminanten Frühjahrsrallye. Gefährlich und damit sehr bearish wird es erst, wenn der S&P unter 880 Indexpunkte bzw. der DAX unter 4600 (bzw. bei einem ersten Warnsignal unter 4800 Indexpunkte schließen sollte. Bei einem S&P von unter 880 sollten Sie auch an den Ostbörsen mehr in Liquidität gehen.

Russlandanleger sollten den RTS weiter im Auge haben. Über 1000 ist die die Welt wieder in Ordnung; bei unter 950 wird es sehr bearish und Sie sollten dann mehr in Liquidität gehen. Dabei sollten Russlandanleger auch den Ölpreis beachten, der zuletzt zur Outperformance führte. Ein Ölpreis von über 70 USD/Barrel (am Freitag bei 71 USD/Barrel) hilft Russland sehr, aus der Krise schneller herauszukommen. Hier sind übrigens die Demonstrationen im Iran nicht unbeutend, den Iran ist bedeutsamer Player im Öl- und vor allem Gasmarkt. Nimmt man Saudi-Arabien, Irak, Kuwait und Iran zusammen, dann sind das gut die Hälfte der weltweiten Öl/Gasproduktion und mehr als die Hälfte der Öl/Gasreserven. Letzte Woche wurden einige Pipelines in Nigeria in Brand gesetzt. Wie man sieht ist der Kampf um das schwarze Gold voll entbrannt. Die USA haben übrigens trotz Mega-Verschuldung auch unter Obama den Verteidigungsetat erhöht, um auch bei dem Kampf um das schwarze Gold weiter mitspielen zu können. Im Irak ist alles im Sinne der USA aufgeteilt, soll nun der IRAN mittelbar durch Revolutionen attackiert werden? Gold schloss am Freitag bei 933 USD/Unze fast unverändert zur Vorwoche und auch fast unverändert wie vor 1 Jahr, also seitwärts, da sich der Dollar auch bei 1,39 EUR(USD fast unverändert zur Vorwoche einpendelte. Bei einem Wiedererstaken des Dollars (im Falle von steigenden US-Zinsen bzw. Zinsandeutungen der FED) dürfte Gold und andere Rohstoffe wieder ein wenig fallen und damit den Bullenmarkt seit März verlassen.

Die Börse werden am Mittwoch aber nicht auf die Iran-Demonstration (und deren Hintergründe) schauen, sondern war die FED am Mittwoch machen wird. Die Richtung für die Börse könnte in der nächsten Woche maßgeblich Ben Bernanke mit seinem Äußerungen zu den Zinsaussichten geben. Ich glaube nicht, dass der US-Zinssatz verändert wird. Wenn Ben Bernanke Anzeichen einer konjunkturellen Verbesserung in Aussicht stellt ohne die Zinsen anzuheben, werde die Börsen wieder steigen (und umgekehrt). Ich glaube eher an einen positiven Impuls am Mittwoch für die Wall Street und daher an leicht steigende Kurse innerhalb einer intakten „Bärmarktrallye“. Die Weltbörsen stehen also in den nächsten Woche im Bann der FED, aber vielleicht war es auch das, was Obama in der letzten Woche bewirken wollte, nämlich wieder mehr Vertrauen für das Finanzsystem zu schaffen, um die Krise zu meistern. Die harten Realitäten werden zeigen, ob das Visionen oder eine Fata Morgana, also Halluzination, wird.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

TV-Hinweis: Der Autor wird am Dienstag, den 23. Juni 2009 um 13.15 Uhr in NTV/Telebörse über die Aussichten an der Warschauer Börse und die neuen Chancen in Polen befragt werden. Die Warschauer Börse ist der zweigrößte Finanzplatz in Osteuropa und verdient mehr Beachtung. Sie können sich das TV-Interview unter www.teleboerse.de/geldanalgcheck nach der Sendung herunterladen

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