Die Aktienkurse werden wieder „politischer“ - und damit unberechenbarer!

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Sonntag, 22. April 2012 20:11:00

Während bis Ende März noch die überwiegend positiven wirtschaftlichen Daten von Unternehmen im Vordergrund standen, kommen nun wieder mehr politische Ereignisse als dominierende Faktoren, die die Kurse beeinflussen, in Betracht. Am 6. Mai wird sich in einer Stichwahl entscheiden, wer der neue Präsident in Frankreich sein wird. Nach den Umfragen führt der Gegenkandidat Francois Hollande vor Nicloas Sarkozy, trotz der Wahlhilfe von Angela Merkel.

Am 22. April stellten sich 10 Kandidaten zur Wahl, von den nun nur noch Sarkozy und Hollande bei einer relativ hohen Wahlbeteiligung übrig bleiben. Entscheidend wird es wohl werden, wer die Wähler von der nationalistischen Le Pen am 6. Mai für sich gewinnen kann.

Wenn Hollande vor Sarkozy die Wahl am 6. Mai bei der Stichwahl gewinnen sollte, dürfte sich einiges in Europa und auch in den deutsch-französischen Beziehungen ändern, denn Hollande präferiert vor dem Fiskalpakt einen Wachstumspakt. Damit will er aber die „Eierlegende Milchkuhsau“, die es bekanntlich nicht gibt. Er will nicht so stringent sparen wie „Merkozy“, sondern mehr auf Wachstumsimpulse setzen. Es wäre schön, wenn beides machbar wäre, also zu sparen und zu wachsen. Das würde nur gehen, wenn sich alle mehr anstrengen und wenn es neue Gedanken-Modelle in der Ökonomie gäbe. Jedes zu hohe Haushaltsbilanzdefizit könnte aber zu einer Herabstufung der Anleihen durch die Rating-Agenturen führen, die schon jetzt Frankreich auf der Watch-list haben. Hollande will auch einen Spitzensteuersatz von 75% bei den Einkommensmillionären einführen.

Hier stehen sich in Frankreich auch zwei volkswirtschaftliche Gedanken-Modelle gegenüber, die aber auch in den USA beim Wahlkampf Obama gegen Romney eine Rolle spielen wird. Es sind die Fragen, wie viel Staat einer Volkswirrschaft und ihren Wachstum sowie dem Wohlstand gut tut, wie viel Soziallasten eine Marktwirtschaft dauerhaft aushält und wie die Diskrepanz zwischen Vermögenden und Almosenempfänger/Arbeitslosen vermindert werden kann. Dabei wird dogmatisch bei beidem Modellen quantitatives Wachstum postuliert, was ich für einen Fehler halte. Neben Frankreich gerät jetzt auch mehr und mehr Spanien in den Fokus von Spekulanten, die nicht daran glauben, dass Spanien die Sparziele erreichen kann. Auch hier geht es darum, dass sich eine Volkswirtschaft nicht tot sparen sollte. Die Wachstumsimpulse sollten aber von den mutigen Unternehmern ausgehen und nicht vom Staat.

Was wir in Zukunft brauchen sind methodisch neue und auch radikale Gedanken-Modelle in der Volkswirtschaft und Ökonomie. Die nächste Rezession wird garantiert kommen und dann brauchen wir auch globale Krisen- und Zeitmanager von Format, ebenso wie Politiker von Format, die Charisma und Vorbildfunktionen auch für die Jugend haben. Daran mangelt es aber leider.

Durch außergewöhnliche Maßnahmen in der Geld- und Fiskalpolitik wurde zunächst nur erfolgreich auf Zeit gespielt. Die wahren Probleme wurden aber nicht radikal genug angegangen. Aber die Zeitbomben ticken weiter und sie werden uns schneller wieder einholen als uns lieb ist. Der Kapitalismus der alten Machart wird immer wieder neue Blasen durch die mainpulierte Niedrigzinspolitik auslösen, die irgendwann zerplatzen und dann entsteht ein neuer Trümmerhaufen. Ich betone immer wieder, dass die Refinanzierung von Banken und Staaten ein zunehmend sich verschärfendes Problem für die Kapitalmärkte darstellt. In den letzten Monaten übernahmen die Notenbanken die Funktion eines Kapitalmarktes und nicht eines Geldmarktes, indem Schrott-Anleihen aufgekauft wurden, die sonst keiner mehr haben wollte.

Der IWF wurde jetzt beim letzten G20-Gipfel um über 400 Mrd. USD aufgestockt, der EFSF zuvor auch auf 700 Mrd €. Damit haben die Feuerwehren mehr Wasser zur Verfügung; aber möglichweise werden in 2012-14 auch die Brände größer. Es wird alles schwieriger zu managen, wenn es eine globale Rezession geben sollte, die dieses Jahr noch ausbleiben wird. Den meisten Unternehmen geht es so gut wie noch nie und se melden neue Rekordergebnisse. Nur in Südeuropa brennt es nach wie vor lichterloh.

Spanien scheint jetzt in der Tat in eine Rezession zu gleiten. Die beiden letzten beiden Quartale brachten schon ein Minus-Wachstum. Die letzte Anleihenplatzierung im Volumen von 2,5 Mrd € gelang zwar reibungslos, für 10-jährige Anleihen mussten aber 5,7% an Zinsen bezahlt werden. Zuvor stieg die Rendite sogar zwischenzeitlich auf über 6% und die CDS-Prämien stiegen auf ein neues Rekordniveau, was ein erstes Warnsignal ist. Die Hauptprobleme liegen aber nicht bei der Staatsverschuldung, sondern bei den zu hoch verschulden Banken und Unternehmen. Die Zahlungsrückstände werden bei einigen spanischen Unternehmen immer größer. Die Arbeitslosenquote bleibt mit über 20% viel zu hoch; bei Jugendlichen beträgt sie sogar über 50%, so dass die Jugendlichen aus Spanien fliehen, weil sie dort selbst bei guter Qualifikation keine Arbeit mehr finden. Dies ist in vielen südeuropäischen länden jetzt das Hauptproblem und nicht akzeptabel, denn dies schadet der Demokratie. Weitere Streiks lähmen die Wirtschaft und in Deutschland bekommen die Piraten Zulauf, die aber auch für diese globalen Probleme keine Antwort haben.

Aufgrund der zu großen wirtschaftlichen Unterschiede und dem zu starken Nord-Südgefälle glaubt George Soros, dass die eigentliche Euro-Krise nicht beendet ist, sondern noch vor uns steht. Er hält ein Auseinanderbrechen des Euros für unausweichlich, wenn zu strak gespart wird und wenn sich Deutschland nicht noch solidarischer zeigt. Der US-Hedgefondsmanager Paulson spekuliert schon wieder auf höhere Renditen bei spanischen Anleihen und auf eine Erhöhung der CDS-Prämien für spanisch und südeuropäischen Anleihen. Südeuropa bleibt die Haupt-Problem-Region der Welt und darauf schaut auch die Wall Street.

Noch sind die Börsen aber noch nicht wieder im Krisen-Modus. Aufgrund guter Unternehmensergebnisse in den USA konnten der DAX am Freitag um 1,18% auf 6750 Indexpunkte und der Dow Jones um 0,5% auf 13.033 Indexpunkte zulegen. Der russische RTS-Index überwand wieder die 1600-er Marke. Der WTI-Ölpreis konnte leicht um 1% auf 103 USD/Barrel bei der Marek WTI zugewinnen. Gold und Silber waren wenig gefragt und tendierten seitwärts. Dagegen notiert der Bund-Future nahe dem Allzeit-Hoch bei 140,6 und bleibt vorerst der „sichere Hafen, was sich im Jahresverlauf aber noch ändern wird. Der Euro stieg zum Dollar wieder auf über 1,32 EUR/USD. Wie wichtig dies ist, können Sie im nächsten EAST STOCK TRENDS im Rahmen der Intermarket-Korrelations-Analyse genau nachlesen. Der russische Aktienmarkt bleibt auch nach der gesunden Korrektur einer der Top-Performer der Weltbörsen.

Sie sollten nach dem steilen Kursanstieg bis Mitte März und der jetzt laufenden Kurserholung gerade jetzt besonders die Markttechnik beachten, die ich Ihnen recht ausführlich im neuen EAST STOCK TRENDS beschreibe. Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen.

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 28/29. März von dem russischen Portal Modern russia.com (www.mordernrussia.com ) über sowie am 5. März 2012 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de), im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF, www.anleger-fernsehen.de) und im Börsenradio-Networks (www.brn-ag.de) über die Auswirken der Präsidentschaftswahlen auf die Moskauer Börse befragt werden. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

Seminar-Hinweis: Das nächste Ostbörsen-Seminar „Go East!“(mit einem Russland-Special) wird am 22. Mai um 17.00 Uhr in Frankfurt/M im Hotel Monopol stattfinden. Info und Anmeldung unter www.eaststock.de oder direkt bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88. 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883, e-mail: info@eaststock.de

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