Deutschland als Zahlmeister: Es ist fünf vor 12!

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Samstag, 29. Mai 2010 13:59:00

Die hohe Volatilität der letzten Wochen ist Ausdruck der Marktverfassung der Marktteilnehmer, wo die Nerven zum Teil blank liegen. Der 15 minütige 1 Billionen USD-Crash an der Wall Street am 6. Mai und der strake Kurseinbruch von Aktien in der Vorwoche um 20-30% als Folge der Griechenland-Krise („G-Krise)“ machten deutlich wie nervös die Anleger im Moment sind. Viele institutionelle Anleger sind daher vorsichtshalber mehr in Cash gegangen oder flüchteten in Gold oder den Bund-Future.

Die Vorwoche vom 17. bis 21. Mai erinnerte schon wieder an die Zeiten nach dem Lehmann-Schock. Dabei wurden besonders die Kurse von den Aktien herunter geprügelt, wo zuvor für Anleger hohe Gewinne aufgelaufen sind wie in Russland und in der Ukraine. Die „G-Krise“ und deren Folgewirkungen (=Euro drohte auseinanderzubrechen) verstärkte den Verkaufsdruck, der wahrscheinlich, wenn auch nicht so stark, aber auch durch normale Gewinnmitnahmen zustande gekommen wäre. So brach der Kurs von Gildemeister um 44% und der von Aixtron grundlos um 34% ein. In der Ukraine gab es an zwei Tagen ein „Limit-Down“ mit Kursverlusten um 10% an einem Tag. Die Aktienkurse brachen an der Börse Kiew auch um 20-30% in einer Woche ein, was nicht verwundert, da sie zuvor auch um 80% in diesem und über 300% seit März 2009 gestiegen waren. Ebenso waren Dow Jones und DAX zuvor um über 60% gestiegen, so dass Korrekturen ohnehin durch Gewinnmitnahmen einzukalkulieren waren.

In der vergangenen Woche kam es nun zu einer deutlichen Kurserholung an dem meisten Weltbörsen, was aber auch auf die Markttechnik (Pull back) zurückzuführen ist. Nach der Verkaufspanik kam nun letzte Woche vereinzelt sogar wieder Kaufpanik in der Ukraine auf, wo die Kurse besonders stark anstiegen. Es gab weltweit letzte Woche eine markante Kurserholung. So stieg der brasilianische Bovespa Index um 6,7%, der mexikanische IPC Index um 5,6%. In Asien gab es nur moderate Kursanstiege mit einem Plus von 1,5% beim Hang Seng Index und einem Plus von 1,4% bei koreanischem KOPSI-Index – trotz Nordkorea-Konflikt. In Osteuropa konnte der RTS-Index um 5,1%, der ungarische HTX-Index um 5,5%, der polnische PTX-Index um 6,5% und der kasachische KASE-Index um 4,8% zulegen, wobei der ukrainische PFTS-Index mit einem Plus von 10,1% der Top-Performer war. Der russische RTS-Index war im Mai in der Spitze um 15% im Minus, nachdem er Ende April noch 19% im Plus war, was die hohe „Vola“ aufzeigt. Zuletzt stieg der RTS-Index wieder auf 1359 Indexpunkte, was immer noch ein Minus von 6% seit Jahresbeginn bedeutet.

Trotz dieser Aufholjagd sind viele Indices noch im Minus seit Jahresbeginn. Der DAX konnte sich am Freitag auf 5916 Indexpunkte erholen; der Dow Jones Index gab aber am Freitag schon wieder um 1,19% auf 10.136 Indexpunkte nach, so dass ich zu Wochenbeginn wieder mit stark nachgebenden Notierungen in Asien und auch in Europa rechne. Die Talfahrt ist also noch nicht beendet.

Letzte Woche handelte es sich nur um kleine Bärmarktrallye, denn die Kurse sind in den USA noch unter der 200-Tageslinie, die allmählich kippt. Gefährlich wird es, wenn die Tiefstkurse aus dem Mai unterschritten werden, denn dann sind weiter Kurseinbrüche zu erwarten. Wichtig ist das beim Dow Jones nicht 9750 Indexpunkte nachhaltig unterschritten wird. Die 200-Tageslinie verläuft bei 10.250. Erst über 10.250 wird es bullish. Solange 10.250 nicht überschritten wird, sollte der Anleger mehr in Cash bleiben (bzw. gehen) und dann im Sommer mit gestaffelten Abstauberlimits kaufen. Beim DAX befinden wir uns durch die Rallye der letzten Woche wieder über der 200-Tageslinie, die bei 5760 verläuft und noch ansteigt. Hier darf der DAX nicht unter 5625 fallen, da es sonst sehr bearish wird und Kurse von 5500 angetestet werden.

Die hektischen Kursauschläge haben auch einen fundamentalen Hintergrund: nachdem das erste Halbjahr sowohl von den Konjunktur-, als auch den Unternehmensdaten sehr erfreulich verlaufen wird, stellt sich nun die bange Frage wie, das zweite Halbjahr ausfallen wird. Hier werden wieder die Daten der beiden Welt-Konjunkturlokomotiven USA und China den Rest der Welt mit nach oben oder unten ziehen. Dementsprechend werden auch die Rohstoffpreise sehr volatil sich verhalten, da die meisten Rohstoffe, durch Finanzspekulationen via ETFs und Zertifikate geprägt werden. Nickelpreise stiegen in den letzten 3 Jahren um 432%, wobei hier Nickeltermingeschäfte die treibende Kraft waren. Nickel ist ein sehr enger, und daher auch gut manipulierbarer Markt. Im Jahr wird nur 1,5 Mio. Tonnen Nickel verbraucht (aus Stahl und Nickel wird Edelstahl), aber an der Londoner Börse wird oft das 40-fache gehandelt. Hier muss in der Tat der Finanzspekulation Einhalt geboten werde, sonst gibt es irreparable Schäden im Finanzsystem mit negativen Folgen für die Realwirtschaft. Das geht in die Richtung des Verbost von ungedeckten Leerverkäufen, das ich befürworte, während ich die Finanzmarkttransaktionsteuer ablehne.

Auch bei Rohstoffen sind Kurse durch Finanzspekulation mit hohen Hebeln eine reine Kapitalflussrechnung. Es kann gut sein, dass die Läger in China und den USA bereits voll sind, so dass es keine große Zusatznachfrage mehr geben wird und Rohstoffpreise tendenziell in der zweiten Hälfte 2010 fallen. Auf der anderen Seite fällt die Produktion bei vielen Rohstoffen bzw. sie wird immer kostenintensiver wie bei Öl. Sonst bräuchte BP auch nicht off-shore so hohe Risiken eingehen und nun die amerikanische Küste verseuchen, was eine ökologische Katastrophe ist. Zuletzt betrugen die Kurseinbrüche bei Nickel, Palladium, Kupfer und Öl über 20%, was schon ein erstes Warnziechen ist. Da Russland sehr von Rohstoffpreisen abhängig ist, gilt es dies in den nächsten Wochen genau zu beobachten.

In den Sommermonaten geht es aber um viel mehr, nämlich um die Beherrschung von systemischen Finanzrisiken. Es geht dabei nicht nur um die Rettung des Euros, der durch die schwache Südflanke zur Weichwährung wurde. Hier ist wieder Deutschland der große Zahlmeister, der mit Krediten und Transferzahlungen die Schwachzonen retten soll. Ich bin gespannt, ob dieser Kraftakt auch in Zukunft gelingt, denn es brennt an der Südflanke überall, nicht nur in Griechenland. Spanische, portugiesische und französische Banken könnten bei fortdauernder Anleihenschwäche gewaltig wackeln.

So haben französische Banken über 700 Mrd € in „PIGS“-Anleihen investiert. Wenn diese nun erheblich an Wert verlieren, besteht ein enormer zusätzlicher Kapitalbedarf zur Stärkung des Eigenkapitals, da sonst die Überschuldung oder auch Insolvenz droht (wie bei Lehmann Brothers). So dürfen italienische Banken ihre „PIGS“-Anleihen demnächst zum Anschaffungskurs bilanzieren. Was früher wegen Bilanzmanipulation strafrechtlich verfolgt wurde, soll jetzt erlaubt sein. Folge: es stimmt keine Bankbilanz mehr, da die Leichen im Keller versteckt werden dürfen! Genau zu beobachten gilt auch der Sparkurs der Briten, womit die Glaubwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit Großbritanniens auf dem Spiel steht.

Es ist fünf vor 12, was die Frage der Refinanzierung der Anleihen und damit des Zeitpunkt des Staatsbankrots und der Währungsreform angeht. Ich muss es immer wieder betonen: Jedes Land kann Pleite gehen, auch die USA, wenn der „Roll over“ (also das Weiterollen) von auslaufende Anleihen durch die Neuplatzierung von Anleihen zu niedrigen Zinssätzen nicht mehr gelingt. Die Zeitbombe tickt schon lange, nur weiß keiner wie lang die Zündschnur ist. Die Anleihenschwemme und das Gelddrucken der Notenbanken können nicht unendlich weitergehen; irgendwann muss ein Schnitt gemacht werden und dann werden viele Vermögenswerte verloren gehen. Deswegen ist Krügerrand auch ausverkauft. Ich rechne noch nicht in diesem Jahr mit einer Währungsreform, aber in den nächsten Jahren darf es keine schwere Rezession und schon gar nicht einen (Iran)Krieg mehr geben, da die globalen, miteinander vernetzten Finanzsysteme dann notgedrungen kollabieren werden Es geht also um systemische Risiken. Nach der System-Krise ist vor der System-Krise und davor haben auch die USA Angst! Beim nächsten G 20 treffen darf es nicht nur um Finanzmarktregulation und Verbote von Spekulationsgeschäften gehen, sondern auch wie man die zarte Pflanze „Konjunkturaufschwung“ am Leben erhält.

Deutschland kann auch nicht unendlich durch Transferzahlungen die Süd-Flanke (inklusive Frankreich und Italien) stützen. Ich muss noch einmal betonen, dass der französische Francs und die italienischen Lira immer Weichwährungen zur DM waren. Nun ist auch der Euro eine Weichwährung durch die Südflanke geworden. Der Euro hält sich nur deshalb relativ gut, weil auch die USA, Japan und Großbritannien strukturelle Verschuldungsprobleme haben. Einige befürchten eine Auflösung des Euros. Es ist im Grunde nur politischer Wille, dass der Euro noch Bestand hat. Es wird höchste Zeit, dass Strukturhilfen in Mrd € Umfang nur dann den EU-Ländern gegeben werden, wenn mindestens die Maastricht-Kriterien erfüllt werden. Das hätte man schon von Vornherein in den EU-Vertag aufnehmen müssen.

Schon das 750 Mrd. Rettungsprogamm ist sehr fraglich und kann Deutschland (und dem Euro) das Genick brechen, wenn nicht die Haushalte nicht konsolidiert werden und wieder Vertrauen in den Euro kommt. Früher war der Francs immer eine Weichwährung, der zur DM abgewertet wurde. Auch das Pfund wurde ständig zur DM (und jetzt dem Euro) abgewertet und wird wohl auch jetzt zum € abwerten müssen, obwohl die „PIGSI“ (inklusive Italien) ähnliche Probleme haben wie Großbritannien auf der Verschuldungsseite. Starke Währungen sind jetzt der Rubel und der Yuan – aus gutem Grund.

Ich werde diese brisante Verschuldungs-Thematik auch im nächsten EAST STOCK TRENDS mit Zahlen belegen. Sie ist auch bedeutsam für Ihre nächsten Aktien-Positionierungen. Nach den Kurseinbrüchen, die noch weitergehen können. wird es insbesondere in Osteuropa wieder Outperformance-Chancen für geübte Trader ergeben. Viele osteuropäische Länder haben eine relativ geringe Staatsverschuldung in Relation zum BSP. Daher darf Estland auch am 1. Januar nächsten Jahres in den Euro aufgenommen werden.

Verpassen Sie daher die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS (EST) unter www.eaststock.de. Die beiden Osteuropa-Muster-Basket des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 171% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 284% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 700% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen, die auch bei den letzten Ostbörsen-Seminaren im Mai vorgestellt wurden.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

TV-Hinweise: In einem TV-Interview wurde Andreas Männicke am 21. Mai im DAF (www.anleger-fernsehen.de) im Dr. Jünemann-Talk über die Auswirkungen der „G-Krise“ auf osteuropäische Aktien befragt. Sie können das zusammen mit Frau Marianna Gurmann (MM Warburg Invest) geführte Interview auch am Montag unter www.anleger-fernsehen.de oder www.eaststock.de abrufen.

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