Der dritte Weg als Alternative: mehr Vertrauen, Kooperation und mehr Wirtschaftsethik!

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Samstag, 15. September 2012 14:52:00

Während die Börsen die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bejubeln, den ESM unter gewissen Auflagen - wie die Begrenzung der Haftung - als vereinbar mit dem Grundgesetz zu bewerten, fragen sich die Skeptiker, wohin das alles führen wird und ob das, was jetzt „alternativlos“ dargestellt wird, wirklich alternativlos ist. Das von Bernanke erwartungsgemäß angekündigte QE3 brachte die Weltbörsen auf neue Jahres-Höchststände. Die letzten QE1 und QE2 brachten zwar die Börsen nach oben, aber Amerika kein nachhaltiges Wachstum und auch keine geringere Arbeitslosigkeit. Dafür wuchsen das Geldmengenwachstum immer weiter und auch die Bilanzsumme der FED. Die FED und die EZB sind damit schon lange die größten „bad banks“ der Welt mit dem höchsten Anteil an Schrottanleihen.

Die FED will monatlich nun für 40 Mrd. USD notleidende Immobilen-Schrottanleihen aufkaufen und den Zins bis 2015 nahe bei null lassen. Die Frage ist aber, ob dadurch auch Wirtschaftswachstum und nachhaltige Wohlstandsmehrung einhergeht. Damit verbunden sind auch gesellschaftliche Fragestellungen, die immer virulenter werden und offensichtlicher zu Tage treten wie das Auseinanderklaffen von arm und reich, die Beseitigung von zu hoher Arbeitslosigkeit (vor allem in Südeuropa), aber auch das Problem, dass das Kapital (zu) beherrschend ist und dass sogar in Ländern mit hohen Wohlstand die Altersarmut droht. Die Phänomene sind in vielen Ländern der westlichen Welt zu beobachten, ganz unabhängig vom demographischen Wandel, der uns in Zukunft sehr viel mehr abverlangen wird.

Was da als „alternativlos“ dargestellt wird, ist auch ein Fehler des Systems. Es mangelt an der Fehleranalyse und dem kreativen Erdenken von anderen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodellen als die Platituden des Kapitalismus und des Kommunismus. Der Kommunismus war nirgendwo erfolgreich und wegweisend, aber auch der Kapitalismus muss sich neu erfinden, um nicht schon bald in einem Scherbenhaufen zu landen oder sich selbst zu zerstören, womit Marx dann doch recht hätte. Wir brauchen eine neue gesellschaftliche Diskussion auf vielen Ebenen, vor allem aber an der Basis und vielleicht auch ein neue Gruppe, die diese Diskussion vorabringt. Wollen Sie dabei sein?

Der Kapitalismus ist geprägt durch rein materielle Werte. Es müssen immaterielle Werte hinzukommen und das Materielle muss auf das bescheidenere Maß zurückgeführt werden, sonst zerbricht die Gesellschaft. In Zukunft müssen sich alle (noch) mehr anstrengen als in der Vergangenheit, da die Belastungen immer größer werden. Die Burn out-rate dürfte daher in diesem kapitalistischem System des Konkurrenzdenkens steigen. Wir müssen übergehenn in ein Modell der Kooperation, Solidarität und der Hilfe zur Selbsthilfe. Aber dazu später mehr. Die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel hat sich diesmal bei ihrem Symposium am 19.-21. September ein sehr gutes Leitthema gewählt und zwar wertorientiertes Management und wertorientierte Wirtschaft in unserer heutigen Zeit. Welche Werte werden in einer Wirtschaft und in einem Unternehmen geprägt und (vor)gelebt?

Das Thema einer wertorientierten Wirtschaft ist aktueller denn je. An der EBS gibt es auch ein Forschungsschwerpunkt Wirtschaftsethik bei Prof. Richard Raatzsch, der über „Moral, Macht und Wirtschaft“ philosophiert und am 17. September darüber auch einen Vortrag in Oestrich-Winkel hält. Wo gibt es eigentlich noch den ehrlichen und ehrbaren hanseatischen Kaufmann, der keine Verträge braucht, sondern wo Geschäfte per Handschlag gelten und eingehalten werden, weil man sich vertraut. Wo gibt es die Geschäftsleute und Banker, auf die man sich verlassen kann und deren Worte zählen. Das Gegenteil ist vielfach der Fall und dies führt zu Enttäuschung und Misstrauen. Kaum eine Bank traut der anderen mehr und es gibt immer noch zu viele Scharlatane und Betrüger à la Madoff, die immer noch unerkannt herumlaufen, ganz zu schweigen von den Internetgaunern, die jeden Gutgläubigen das Geld aus der Tasche ziehen nur mit dem Ziel, sich selbst zu bereichern.

Manager müssen die Zukunft gestalten für ihr Unternehmen und nicht (nur) für sich selbst. Politiker müssen eine ganze Gesellschaft gestalten. Nur von welchen Werten lassen sie sich dabei leiten? Dabei spielt die Boni-Diskussion im Geschäftsleben nicht nur bei Banken sicherlich auch eine Rolle. Jeder Manager hat aber auch ein gesellschaftliche Aufgabe und eine Umweltaufgabe, was viele Manager sträflich missachten. Und er hat eine Verantwortung für die Mitarbeiter und die Zufriedenheit des Kunden. Zu kurzfristige Renditeziele nur zum Wohle der Großaktionäre können schädlich sein, auch für die Gesellschaft. Nachhaltige Werte sind gefragt, die Bestand haben sowie Kontinuität und Verlässlichkeit auch in unsicheren Zeiten.

Wir leben jetzt in der vernetzten „Facebook-Generation“, was neue Chancen der Kommunikation auch weltweit ermöglicht. Gut vernetzt sein ist heute fast wichtiger als ein kurzfristiger materieller Erfolg im Geschäftsleben. Ebenso wie de Globalisierung Chancen und Risiken in sich birgt, so ist es auch beim Internet. Das wichtigste ist Vertrauen aufzubauen und durch konkludentes Handeln zu bestätigen. Daran fehlt es aber vielfach . in Politik und Wirtschaft.

Die gegenwärtigen Attacken gegen US-Botschaften in Nordafrika aufgrund eines satirischen Films gegen Moslems im Internet zeigen aber auch die Gefahren auf. Die (Über)Reaktionen zeigen aber auch, dass amerikanische Werte, so wie sie vorgelebt werden, im Ausland oft nicht auf Gegenliebe stoßen oder missverstanden werden. Respekt, Toleranz und Ehrlichkeit sind Tugenden, die in einer global vernetzten Welt immer wichtiger werden. Der Grundstein dafür beginnt im Kindergarten und in den Schulen. Auch hier gibt es vieles zu verbessern insbesondere in Regionen mit hohem Migrationsanteil.

Das Internet kann auch missbraucht werden, sogar zu Gewalt aufrufen. Auch deutsche Bundesligaspieler mussten schon darunter leiden – nicht nur von 1. FC Köln. Auch dies ist unakzeptable Verrohung der Sitten, die insbesondere im anonymen Internet um sich greift. Auch hier mangelt es an Aufklärung und Kontrolle.

Die Vorverurteilung und der Rufmord sind in einer vernetzten Welt gefährlich. Auch hier brauchen wir Instanzen, die Grenzen setzen und wir brauchen Kontrolleinheiten, die das Überschreiten der Grenzen überwachen. Bettina Wulf versucht sich gerade gegen den Rufmord „Rotlichtmilieu“ im Internet gegen Google zu wehren und man darf gespannt sein, wie so ein Prozess ausgehen wird. In der Anonymität werden Gedanken ausgesprochen und Beleidigungen gemacht, die sonst nicht möglich wären. In der Anonymität des Internets wird aber auch fast unerkannt Terror gesät und gepredigt. Auch dies ist eine neue Gefahr, nicht nur wen deutsche und amerikanische Botschaften brennen.

Wir brauchen aber nicht die passiven User, sondern den aktivem, die die Zukunft positiv mitgestalten wollen. Dies sollte nicht das Privileg der Politiker sein, sondern jeder Einzelne ist jetzt aufgerufen, seinen Beitrag zu leisten, bevor es zu spät ist. Es ist dabei fünf vor zwölf. So ist es erschreckend, wie gleichgültig die Bevölkerung mit den jetzt so brisanten Themen wie „Schuldenbremse, ESM und globale Verschuldung“ umgeht, teils aus Unkenntnis, teils, weil es auch Politiker nicht hinreichend transparent machen (oder es selbst nicht verstehen).

Wir brauchen daher auch Ihren Diskussionsbeitrag und ihre aktive Anteilnahme. Wir alle sehen es jeden Tag in den Medien: es läuft etwas gewaltig schief in diesem kapitalistischem System. Mein Eindruck ist, es muss sich in den nächsten Jahren etwas gewaltig ändern und oft geschieht dies nur durch einen Schock und sei es nur ein „Finanzschock“, also gewaltigen Vermögensverlusten in kurzer Zeit. Das kapitalistische System hat viel Wohlstand hervorgebracht, aber auch viel Leid. Wir sollten es jetzt korrigieren und nach Alternativen suchen, und diese auch umsetzten. Dazu bedarf es zunächst der Fehleranalayse, was alles zuvor falsch gelaufen ist und dann des mutigen Entschlusses, es radikal zu ändern, sonst kommen wir von einem Krisengipfel zum nächsten ohne das sich etwas Grundlegendes ändert. Auch die letzten G20 Treffen waren diesbezüglich bisher enttäuschend und hier wurden Zukunftschancen verpasst.

Der ESM ist eine Fortschreibung des gegenwärtigen Systems. Dabei wird aber nur bestenfalls Zeit gewonnen. Es gab und gibt zwei Grundfehler im System. Die verantwortlichen Politiker und verantwortlichen Manager/Banker werden nicht zur Verantwortung gezogen, also Haftungs- und Kompetenzfragen. Die Manager/Banker bekommen bestenfalls eine Abfindung oder die Politiker werden abgewählt, aber sie werden nicht bestraft. Viele Politiker aber haben sich an der nächsten Generation versündigt. Die Summen sind jetzt so groß geworden, dass alles ausweglos und ein ESM „alternativlos“ erscheint.

Die Haftsumme des ESM ist jetzt für Deutschland (zunächst) auf 190 Mrd € beschränkt, wobei die gesamte Haftsumme für Europa 700 Mrd USD beträgt, die im Notfall auch abgerufen werden muss. Davon werden von deutscher Seite 22 Mrd € demnächst direkt eingezahlt und der Rest sind Garantien und Bürgschaften. Wenn der Bundestag aber eine höhere Haftsumme genehmigt, kann die Haftsumme auch größer werden. Damit sitzt jetzt jeder Steuerzahler mit im Boot der Südeuropa-Rettung ohne es zu wissen oder zu merken. Er wird es erst merken, wenn die Mittel im ESM nicht ausreichen werden. Dies kann im Falle einer globalen Rezession sehr schnell der Fall werden. Solange globales Wachstum noch vorhanden ist, bricht das System noch nicht.

Um konkret zu werden: die Rettung von Griechenland ist teuer, kann aber gelingen; die Rettung von Spanien und Italien ist unter dem ESM nicht möglich, falls es eine Rezession in ganz Europa geben sollte und alle Anleihen keinen Käufer mehr finden sollten, oder nur zu wesentlich höheren Zinssätzen. Wenn dann noch Frankreich als Problemland hinzukommt, wird der ESM ohnehin gesprengt. Wer macht eigentlich einmal einen Stresstest im Falle einen globalen, nachhaltigen Rezession. Was passiert dann mit den 100 Billionen USD Anleihen auf der Welt?? Wollen die EZB und die FED das dann auch alles aufkaufen?

Wer kontrolliert eigentlich jetzt die FED und EZB und wer weiß, ob diese Gelddruckmaschinen tatsächlich für gesellschaftliches Wohl im Nachhinein sorgen? In einigen Jahr oder vielleicht schon nächstes Jahr werden wir diesbezüglich mehr wissen. Die Politiker im Bundestag sind jetzt eindeutig überfordert, dieses „Zukunftskonzept“ kompetent beurteilen zu können. Sie verstehen ja selbst kaum, was mit dem ESM alles verbunden sein kann.

Ein weiteres Beispiel aus Europa: Man darf gespannt sein, welchen Weg die französische Wirtschaft mit den starken Steuerhöhungen gehen wird. Auch Frankreich kann sich nur durch starkes Wachstum retten. Es ist klar, dass wenn Spanien, Italien und Frankreich Probleme bekommen, ihre Anleihen zu refinanzieren, auch Deutschland als Haupt-Zahlmeister mit im Boot sitzt und am Ende überfordert sein kann. Dies sind die Ängste vieler Bürger und auch auf darauf muss die Politik eine Antwort geben, ganz ehrlich, wie ein hanseatischer Kaufmann. Tut sie das aber? Mir erscheint eher der Spruch richtig: „ ..denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Die Hauptfehler bei der Einführung des Euro war, dass nicht auch gleichzeitig Sanktionsmechanismen bei dauerhafter Verfehlung der Stabilitätskriterien eingeführt wurden, kurzum: es fehlte an mangelnder Kontrolle neben kontinuierlichem Fehlverhalten der jeweiligen Regierungen. Das gleiche trifft aber auch für die Aufsichtsräte von Banken zu, die nun zunehmend in Misskredit geraten, weil Risiken falsch eingeschätzt oder gar nicht beachtet wurden. Auch waren von Anfang an die Ungleichgewichte in Europa zu groß, so dass nicht alle ins Euro-Korsett passten.

Fangen wir bei den Politikern an und hier insbesondere den Finanzpolitikern. Es ist unbegreiflich, dass es ungesühnt bleibt, dass Politiker auch grundlos immer wieder zu hoch verschulden, was eine Versündigung für die zukünftige Generation ist. Die Schuldenbremse, die jetzt bei allen EU-Ländern eingeführt werden soll, ist auch nur halbherzig, denn sie verringert nicht den Schuldenberg. Bestenfalls wird die Neuverschuldung verringert. Auch ist es für mich unerklärlich, wie Schäuble jetzt trotz der guten Wirtschaftslage eine Neuverschuldung von 18 Mrd. € einplant. So was darf nicht passieren. Ein Haushalt muss ausgeglichen sein. Punkt.

Falls dies durch eine wesentlich schlechtere Wirtschaft als eingeplant durch Steuermindereinnahmen im Nachhinein nicht möglich ist, ist dies eine andere Frage. Ein ausgeglichener Haushalt müsste Verfassungsrang haben und nur in klar geregelten Ausnahmefällen dürfte ein Politiker bzw. eine Regierung davon abweichen. Wenn aber etwas nicht durch Einnahmen nicht gedeckt werden kann, müssen die Ausgaben gesenkt werden, sonst lebt man dauerhaft auf Pump. Obama plant sogar eine Neuverschuldung von 1 Billon USD ein, obwohl die USA wachsen. Das ist ein noch größeres Unding. China steuert gerade auf eine überwiegend kreditfanzierte Immobilienblase mit mehr als 60 Mio. leer stehenden Wohnung zu. Die Gefahr ist, dass bei Immobilien fast immer zu hoch „geleveraged“, also zu viel mit Fremdkapital und zu wenig mit Eigenkapital gearbeitet wird. Dieser „Hebel“ wird hernach zum „Herzinfarktrisiko“, wenn das Geld fehlt und wenn man sich übernommen hat. Auch dies ist eine Gefahr, die uns in der vernetzten Welt irgendwann sehr ernsthaft beschäftigen wird, noch aber nicht, weil die FED und EZB erfolgreich auf Zeit spielen. Auch Banken hebeln oft zu stark. Auch ein Eigenkapitalpolster von 10% kann oft nicht ausreichen, wenn die Risiken zu hoch sind. Die geplante Bankenunion und die europäische Aufsicht unter der EZB soll hier jetzt Besserung bringen. Warten wir es ab. Banken und Staat sitzen in einem Boot, denn systemische Banken müssen durch den Staat notgedrungen gerettet oder verstaatlicht werden.

Bedenken Sie bitte, dass die großen Schieflagen des ganzen Systems auch erst durch die Immobilienblase in den USA und hernach dem Lehmann-Schock aufgedeckt wurde. Seitdem eilen nun Politiker von Krisensitzungen zu Krisensitzung und verletzen alte Verträge. Das gesprochene Wort der Vergangenheit gilt nicht mehr. Das Neue wird dann als „alternativlos“ dargestellt, weil der Karren schon zu tief im Dreck steckt. (musste es aber dazu kommen?).

Wie sollten alle Finanzpolitiker und Bundeskanzler/Präsidenten dafür verantwortlich machen, denn jeder einzelne hat sich zuvor für dies Fehlkalkulation zu Lasten der zukünftigen Generation schuldig gemacht. Finanzpolitiker sind in gewissem Maß auch „Spekulanten“, denn sie hoffen, dass die Einnahmen kommen, die sie eingeplant haben. Sie wissen es aber nicht. Sie tun nur so als ob sie es besser wüssten (als die Opposition). Auch Finanzpolitiker machten damit den gleichen Unfug, den Banker machen, nämlich zu „leveragen“, also sich zu hoch zu verschulden, und dabei die Risiken falsch einzustufen. Damit lebten und leben zu viele über ihre Verhältnisse auf Pump, auch ganze Länder (nicht nur Griechenland, sondern auch die USA). Das kann dauerhaft nicht gutgehen!

Viele Bankmanager haben sich daran schuldig gemacht und sie sollten alle benannt und bestraft werden. Das kapitalistische System hat durch den Leistungs- und Konkurrenzgedanken solche allzu menschlichen Verhaltensweisen nach Gier, Übertreibung und Fehleinschätzung der Risiken sogar gefördert. „Gier frisst Hirn!“ sagt man. So war es auch und so ist es immer noch, trotz dem Lehman-Schock. Viel verändert hat sich bisher nicht. Es wird nur auf Zeit gespielt. Einige Banken sind nach wie vor so groß und machtvoll, dass sie ganze Volkswirtschaften zerstören können und zwar übernacht wie der Fall Lehman Brothers zeigte. Sowas kann jederzeit wieder passieren, da wir daraus nicht klug geworden sind. Banken sollten auch Staatsanleihen jetzt als Risikokapital betrachten, wo Totalausfälle möglich sind. Daher muss das Eigenkapital weit mehr als 10% wie bisher verlangt betragen, da sonst der Hebel zu groß wird. Basel III führt in die richtige Richtung, reicht aber im Stressfall nicht aus.

Die Deutsche Bank AG rudert jetzt zum ersten Mal unter der neuen Führung zurück. Anstelle von 25% Eigenkapitalrendite werden jetzt nur noch 12% angestrebt. Boni sollen erst nach 5 Jahren ausgezahlt werden. Auch bei der Deutschen Bank AG wird man jetzt also bescheidener. Das risikoreiche Investmentbanking soll zurückgefahren und das normale Kreditgeschäft gestärkt werden. Für allzu hohe Risiken mit schon schlagend werden Risiken soll einen interne Bad Bank gegründet werden, wo diese Risikogeschäfte transparent und abgearbeitet werden. Also „back to the roots“, und das ist gut so. Auch die Deutsche Bank AG vollzieht nach dem Abgang von Ackermann einen Wandlungsprozess, aber es ist die Frage, ob dies ausreicht.

Eine Alternative als Denkansatz (von mir) wäre eine Art genossenschaftlicher Weg mit genossenschaftlichen Prinzipien wie Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung, wobei den Schrecken von dem Begriff „Genosse“ verlieren sollte. Bei den Genossenschaften steht die Förderung der Mitglieder im Vordergrund und nicht die Zahlung einer Rendite. Die Genossenschaften haben Werte wie „gemeinsam sind wir stark“ und „Hilfe zur Selbsthilfe“ geprägt. Die Gründer der Bewegung Hermann Schulze Delitzsch (für den gewerblichen Bereich) und Friedrich Wilhelm Raiffeisen (für den Agrarbereich) haben als „Pioniere“ vor 150 Jahren einen neuen Weg aufgezeigt, die viele auch als den „dritten Weg“ bezeichnen. Wir brauchen jetzt wieder solche Pioniere und Vordenker der Neuzeit, aber auch Querdenker!

Die genossenschaftlichen Prinzipien als Leitbilder der Wirtschaft sind heute moderner denn je. Der Gedanke der Kooperation steht dabei im Vordergrund, aber auch dass der Einzelne eigenverantwortlich und in Freiheit seine (nicht nur Geschäfts)Ideen verwirklichen kann. Genossenschaften sind basisdemokratisch organisiert. Genossenschaften prägen aber auch Werte, die zukunftsweisend sind wie Hilfe zur Selbsthilfe, Eigenverantwortung, Solidarität. Ergänzend müssen zum neuen gesellschaftlichen Bild wie Hoffnung, Glaube, Verlässlichkeit, Disziplin und Vertrauen kommen. Dies fehlt in der Wirtschaft. Kann man das ändern? Yes, we can!

So schließen sich Mitglieder zu einer Genossenschaft zusammen, damit sie gemeinsam über Leistungsbeziehungen mit der Genossenschaft gefördert werden. Möglich ist dies durch die Zeichnung eines Genossenschaftsanteils, der die Genossenschaft in die Lage versetzt, für die Mitglieder Skaleneffekte zu erzielen, also günstigere Einkauf- oder Verkaufspreise im Markt heraus zu handeln. Jedes Mitglied hat dabei nur eine Stimme, womit das Kapital nicht dominieren kann. Das Mitglied haftet auch mit seinem Geschäftsanteil in Notlagen (Nachschussplicht). Die Mitglieder wählen basisdemokratisch Vorstand und Aufsichtsrat. Bei den großen Kapitalgesellschaften sind es die Großaktionäre, die das Sagen haben. Dies macht schon einen großen Unterschied aus.

Die Genossenschaftsbanken hierzulande haben sich in der Krise bewährt. Durch das dezentrale Prinzip der regionalen Primärgenossenschaften blieb die Kundenähe gewahrt, wobei auch der Genossenschaftsverbund auch das große internationale Bankgeschäft im Verbund ermöglicht. Auch verirrten sich die Genossenschaftsbanken nicht in abwegige internationale Risikogeschäfte.“ Schuster bleib bei Deinen Leisten“, war die Devise und das war auch gut so. Der Kunde soll bei Genossenschaftsbanken König sein und individuell beraten werden. Das ganzheitliche Beratungs- und Betreuungskonzept ist auf den nachhaltigen unternehmerischen Erfolg der Mitglieder und Kunden ausgerichtet. Nachhaltigkeit und Vertrauen sind wichtig für jede Bankverbindung, insbesondere aber bei Genossenschaftsbanken Sicherlich gab und gibt s auch bei den Genossenschaftsbanken einige Schieflagen. Aber sie bleiben die Ausnahme.

Vor allem haben die Genossenschaften schon lange rechtzeitig einen „Feuerwehrfonds“ bzw. „Solidaritätsfonds“ gegründet, wo alle Banken einzahlen müssen, um im Notfall das schwächste Glied in der Kette zu stützen.. Auch hier sind die Genossenschaftsbanken schon seit Anbeginn vorbildlich, denn nun diskutieren auch die Geschäftsbanken über so einen „europäischen Feuerwehrfonds“, der aber in Anbetracht der jetzt aufgelaufenen Haftsummen viele zu spät kommt und damit in der jetzigen Krise keine Lösung sein kann. Alleine die Deutsche Bank hat eine Bilanzsumme von 2 Billionen €; davon über 90% fremdfinanziert.Wer soll oder kann schon so einen Kolos im Notfall auffangen. Dafür würde selbst der ESM nicht ausreichen. Im Grundsatz ist aber auch der ESM so ein „Feuerwehrfonds“, denn die Mittel dienen meistens nur der Bankenrettung, zuletzt den spanischen Banken.

Auf der anderen Seite sind auch Genossenschaften Wirtschaftseinheiten, die im Wettbewerb bestehen müssen. Die Grundidee ist aber, die Mitglieder über Leistungsbeziehungen zu fördern und sich nicht selbst zu bereichern. Es sind aber Unternehmen, wo die Mitglieder (Kunden) im Mittelpunkt stehen (sollten). Auch Fairness und Gerechtigkeit im Geschäftsleben sind für einige Genossenschaften (vor)gelebte Wirklichkeit. Bei der Konferenz am 28./29 September „Co-operatives build a better world“ .in Nikosia stellen Genossenschaften im Rahmen des internationalen Jahres der Genossenschaften ihre Leibilder vor, die auch für anderen Unternehmensformen Vorbildcharakter haben können.

20 Mio. genossenschaftlich organisierte Mitglieder in Deutschland, 17 Mio. Mitglieder bei Genossenschaftsbanken, in Europa 140 Mio. Mitglieder und weltweit 800 Mio. Mitglieder folgen der genossenschaftlichen Idee. Nicht der Profit ist die Leitmaxime, sondern das Wohl der Mitglieder. Mitglieder sollen ohne fremde Hilfe ihre eigenen (Geschäfts)Ideen verwirklichen. Es gibt dabei Partnerunternehmen im Verbund, die dies subsidiär unterstützen.

Regionale Verwurzlung, ganz nah dran sein an den Menschen, Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen, global denken und lokal handeln, aber auch umgekehrt lokal denken und global handeln, ohne staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, zuhören, was die Menschen (Mitglieder) brauchen als Partner, alles das sind die genossenschaftlichen Tugenden, die besser sein mögen als jedem Börsentrend hinterher zu hecheln. Denken Sie mal darüber nach und schreiben sie mir Ihre Ideen für eine „bessere Welt“. Es sollte ein Wettstreit der besten Ideen für eine bessere Welt geben, bevor es zu spät ist. Der Anfang ist hiermit gemacht. Ich hoffe auf eine angeregte Diskussion auch der passiven User. Wir müssen jetzt jedenfalls alle gemeinsam an einem neuem Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell arbeiten, das die Welt verbessert. Das Jahr 2013 wird ein „Wendejahr“ von hoher gesellschafts- und finanzpolitischer politischer Brisanz werden, so oder so!

In den USA tobt jetzt der Wahlkampf zwischen Obama und Romney wobei hier schon zwei Welten aufeinander treffen. Romnye will Amerika wie eine Aktiengesellschaft führen, was sicher mehr Dynamik verspricht. Obama will die soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt des Wahlkampfes stellen. Da beide zunächst glaubhaft machen, dass sie es schaffen werden, die ambitionierten Ziele zu erreichen, steigen jetzt auch die Aktienkurse an der Wall Street, in diesem Fall auch mit Hilfe der FED als gutgläubiger „Sponsor“. Beide wollen mehr Arbeitsplätze schaffen du die Verschuldung durch Wachstum abbauen. Beide haben zwar unterschiedliche Ansätze, aber beide sind in der Verschuldungsfalle und in der Wachstumsdoktrin gefangen.

Das QE3 von Bernanke, das auch nur eine Verlängerung des bestehenden Systems und ein Spiel auf Zeit ist, lässt die Börsen jubeln. Wohin das alles aber führen wird, weiß keiner. Bernanke meint, dass dies alles geschehen kann ohne in Zukunft inflationäre Impulse zu setzen. Hoffentlich irrt er dabei nicht. Gold und Silber stiegen schon wieder als Angstwährung kräftig an. Bernanke will solange ein QE3 aufrecht erhalten, bis er eine Wirkung auf dem Arbeitsmarkt sieht. Sicherlich kann man das auch als Wahlkampfunterstützung für Obama interpretieren. Romney is not amused!

Die letzte Woche war für alle Aktionäre ein Segen: erst kam der „Draghi-Call“, dann entschied das Bundesverfassungsgericht für die Vereinbarkeit des ESM mit dem Grundgesetz – wie immer unter Auflagen - , dann kam Apple mit dem IPhone5, was übrigens sehr wichtig für das amerikanische BSP ist, und schließlich tat auch „Helikopter Ben“ allen Aktionären einen Gefallen und leitete das QE3 ein. Dies feuerte auch die Hausselaune an den Börsen an es wurden neue Jahreshöchstkurse erreicht: der DAX stieg am Freitag um 1,39% auf 7412 Indexpunkte, der Dow Jones um 0,39% auf 13.593 indexpunkte und der russische RTS-Index explodierte sogar um 6,88% auf 1667 Indexpunkte. Dabei stieg der Brentölpreis auch auf das neue Hoch von 117,8 USD/Barrel, um dann leicht auf 116,8 USD zu konsolidieren. Ich rechne in den nächsten Wochen mehr mit Konsolidierungen durch Gewinnmitnahmen.

Der September hat damit seinen Schrecken bei den Anlegern als statistisch schlechtester Börsenmonat im Jahr offensichtlich verloren. Der russische Aktienmarkt ist dabei noch günstig bewertet und hat noch weiteres Erholungspotential. Nachdem in der letzten Wochen die Notenbanken das Sagen hatten und der Euro in der Woche der Notenbanken von 1,26 auf 1,31 EUR/USD sprunghaft anstieg, werden nun wieder die harten Wirtschaftsfakten vor allem in den USA, China und Europa zählen, was auch zur Ernüchterung führen kann.

Sie sollten nach der Sommerrallye im Juli/August/Anfang September gerade jetzt besonders die Markttechnik beachten, die ich Ihnen recht ausführlich im neuen EAST STOCK TRENDS (EST) beschreibe. Achtung: jetzt beginnt die Zeit der „Schnäppchenjäger“! Der sehr treffsichere ESI-Seminar-Indikator steht immer noch auf „Buy“! Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen.

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

Seminar-Hinweis: Das nächste Ostbörsen-Seminar „Go east – In der Krise liegt die Chance!“ wird am 13. November 2012 gleich nach dem Eigenkapital-Forum um 17.00 Uhr in Frankfurt/M stattfinden (Seminarbeitrag 100 €, mit Frühbucherrabatt 80 €). Melden Sie sich jetzt an oder informieren Sie sich bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel.: 04076570883, Fax; 0040/6570884, Email: info@aststock.de.

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