Der IWF schlägt Alarm - und die Börse auch!

Drucken Speichern

Sonntag, 04. September 2011 00:01:00

Der IWF stellt fest, dass die europäischen Banken mit 200 Mrd € unterkapitalisiert sind, wenn es in Südosteuropa zu Staatsbankroten kommen sollte. Auch der Weltbank-Chef Zoellick sieht neue Gefahren für die Euro-Zone im Herbst voraus, womit er recht haben sollte Dies steht im Widerspruch zu dem letzten europäischen Bankenstresstest, bei dem nur 8 Bänken durchfielen.

Freilich wurden dort noch nicht die Pleiten von Ländern im EWU-Raum simuliert. Ich fordere schon lange, dass dies die EU jetzt endlich in einem neuen Stresstest machen sollte. Die neuen Zahlen aus Griechenland mit weit höheren Defiziten als geplant zeigen deutlich, dass Griechenland sich so „tot spart“ und so nicht zu retten ist. Es bedarf dringend flankierender Investitionen und es bedarf endlich einem Cut bei den Anleihen. Selbst griechische Anleihen, die noch unter den Rettungsschirm bringen eine Rendite von 25%. Der Cut müsst also mindestens 20-30% betragen.

Es besteht nach wie vor die Gefahr eines Flächenbrands, wenn auch Portugal, Italien und Spanien in Gefahr kommen, ihre auslaufenden Staatsanleihen nicht mehr zu vernünftigen Zinskonditionen refinanzieren zu können. Präsident Berlusconi rudert schon wieder zurück und nimmt die Reichensteuer und auch die starken Sparpläne bei den Kommunen zurück. Wie er 45 Mrd € sparen will, weiß er wohl selber nicht. EZB-Bank Trichet äußert sich besorgt wegen des zu laschen und wenig konsequenten Vorgehens der italienischen Regierung. Auch in Italien gibt es kaum Wachstum und zu wenige wirtschaftliche Impulse. Im Fall von Italien wären die EZB und auch der EU-Rettungssschirm überfordert, effektiv helfen zu können. Die Schulden Italiens sind mit 1,9 Billionen € einfach zu groß. Es ist aber dringend geboten, dass alle südosteuropäischen Länder wieder die Maastricht-Kriterien beachten und bei Nicht-Beachtung ihr Stimmrecht im europäischen Parlament verlieren. Warum hat man diesen Sanktionsmechanismus nicht schon längst eingeführt?

Ob der nun am 23. September im Bundestag zu beschließende erweiterte Rettungssschirm in Form des Europäischen Stabilitätsgesetzes (ESM) Europa weiter bringt ist fraglich. Zum einen nütz es wenig, wenn dies nur Deutschland beschließt, zum anderen müssen auch hier die Sanktionsmechanismen transparenter und einfacher durchführbar gemacht werden. Es nützt zudem wenig, wenn Finnland und die Slowakei dagegen stimmen. Was die EU und auch die Parlament von EWU-Ländern beschließen müssen, ist zudem einen ein obligatorischer Banken-Rettungsfonds und zum anderen höhere Eigenkapitalquoten bei Banken. Warum geschieht das nicht? Einer zu befürchtende Kreditklemme könnte die EZB durch hinreichend Liquidität entgegenwirken. Aber schon jetzt wird viel zu viel Bankenliquidität bei der EZB geparkt und nicht in Form von Krediten an di Wirtschaft weitergegeben.

Wenn die Deutsche Bank AG angeblich mit einer Kernkapitalquote von 2% auskommt, dann wird dort viel zu hoch mit fremdem Geld gehebelt. Banken sind da nicht anders als Derivate mit hoher Hebelwirkung und folglich hohen Risiken. Zudem haben Banken immer noch riskante Derivate in ihren Büchern und wissen nicht so recht wie sie sie rausbekommen. Sie sollten eine „bad bank“ für Derivate als Tochter gründen und dort aber auch alles transparent machen, was einbringlich ist und was nur auf dem Papier steht. Bisher sehen die Bankbilanzen nur durch Bilanzierungstricks relativ gut aus, das wahre Bild dürfte viel schlechter sein. Daher gerieten Banktitel vergangene Woche auch wieder unter Druck. Zudem erwies sich Griechenland mit den neuen Zahlen einmal wieder als Fass ohne Boden. Die IWF-Auflagen wurden nicht erfüllt und es ist fraglich, ob die nächsten IWF und EU-Kredite ausgezahlt werden.

Die Banken sollten wissen, dass auch Staatsanleihen jetzt nicht mehr sicher sind und daher von sich aus entweder weniger hoch rentierliche, aber zweifelhafte Staatsanleihen kaufen oder freiwillig das Eigenkapital auf über 10% erhöhen. Basel III ist im Falle von Staatspleiten zu wenig. Zumindest von den systemischen Banken muss eine höhere Eigenkapitalbasis gefordert oder noch besser obligatorisch auferlegt werden. Die europäischen Banken sollten gleich damit anfangen, freiwillig ihr Eigenkapital auf mindestens 10% zu erhöhen und auch bei zweifelhaften Staatsanleihen entsprechende Abschreibungen vornehmen, so wie dies in der Schweiz schon zur Pflicht gehört. Ich rechne spätesten im nächsten Jahr mit dringend erforderliche Mega-Kapitalerhöhungen und Fusionen.

In Griechenland kam es schon zu Zwangsfusionen von Großbanken, was den griechischen Aktienmarkt zwischenzeitlich sogar um über 20% steigen ließ, nachdem er zuvor im freien Fall war. An den Weltbörsen dominieren aber immer noch Rezessionsängste, die von den USA auf Europa herüber schwappen könnten. Obama hat die BSP-Wachstumsprognose von 2,7 auf 1,7% drastisch gesenkt und die Arbeitsmarktdaten waren am Freitag auch schwach.

Dagegen konnte der deutsche Finanzminister Schäuble mit erhobener Brust ein Defizit des Bundeshaushalts von nur 0,6% des BSP im ersten Halbjahr vermelden. Bis Jahresende wird nur ein Defizit von 1,5% erwartet. Daran sollte sich die USA und Großbritannien einmal ein Beispiel nehmen. Das Sparen und Wachstum kein Widerspruch sein muss, zeigt auch Estland mit ein Defizit von nur 1,5% und ein Wachstum von 3%. Es geht also, nur wohl nicht in den USA du Großbritannien, erst recht nicht in Griechenland, die schon lange durch zu viel Pump alle weit über ihre Verhältnisse leben.

Die Weltbörsen reagierten ab der Mitte letzte Wochen wieder sehr negativ auf die schwachen US-Konjunkturdaten und -prognosen. Es konnten kaum neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wobei ein Zuwachs von 68.000 Stellen für August erwartet worden war. Der Stellenzuwachs im Vormonat war zudem mit 85.000 geringer ausgefallen als zunächst gemeldet (117.000). Auch der Immobiliensektor ist in den USA noch schwach, ganz im Gegensatz zu Deutschland. Auf die Stimmung drückten auch pessimistische Aussagen der US-Regierung. Die Regierung erwartet für dieses Jahr eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und ein geringeres Wirtschaftswachstum als zunächst vorhergesagt. Experten rechnen nun damit, dass die US-Notenbank weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur ergreifen wird.

Banken litten unter einem Bericht der „New York Times“, wonach die US-Regierung ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank AG wegen unlauterer Hypothekengeschäfte auf Schadenersatz in Höhe von 200 Mrd. USD verklagen will. Die falsche Darstellung der Risiken ging 2007/8 zu Lasten der beiden US-Hypothekenbaken Fannee Mae und Freddie Mac. Kurz vor Ertönen der Schlussglocke reichte die Aufsichtsbehörde FHFA tatsächlich entsprechende Klagen ein.

Die Börsen reagierten am Freitag auf diese Aneinanderreihung von „bad news“ wieder mit Panikverkäufen, nachdem der Donnerstag schon sehr schwach war. Damit wurde auch die leichte Kurserholung der letzten 10 Tage wieder zunichte gemacht. Der DAX brach um 3,36% auf 5538 Indexpunkte und der Dow Jones um 2,2% auf 11.240 Indexpunkte ein. Alle Welt flüchtete sich wieder in den Bund-Future, der mit 136,89 ein neues Allzeit-Hoch erreichte, und in Gold, das am Freitag 3,03% auf 1882 Indexpunkte stieg. Auch Silber konnte deutlich um 3,76% auf 43 USD/Unze zulegen, was ich aber auch erwartet und vorausgesagt hatte. Der WTI-Ölpreis fiel um 2,66% auf 86 USB/Barrel. Hier könnte der Ölpreis weiter fallen, wenn demnächst auch Libyen-Öl wieder auf den Markt kommt. Aufgrund des schwachen Ölpreises fiel auch der RTS-Index um 2,74% auf 1657 Indexpunkte. Auch die nächste Woche dürfte mit schwachen Kursen starten.

Dabei bleiben die Kursverluste beim DAX und auch beim RTS viel höher als in den USA. Der Dow Jones verlor durch das Plunge Protection Team im August nur 4% an Wert, dafür gab es beim DAX-Future enorme Umsätze auf der Short-Seite und ein Kursverlust von 19%. Ich fordere nach wie vor, dies von EU-Seite zu untersuchen und Ross du Reiter zu nennen. Angeblich soll die unglaubliche Summe von über 100 Mrd. USD in DAX-Future und andere Derivate geflossen sein und einige wenige sind dadurch sehr viel reicher geworden. Die Banker und Politiker sollten unabhängig davon die Warnungen des IWF und der Börse ernst nehmen, sonst kommen wir alle tatsächlich in erhebliche Schieflagen, die nicht mehr zu korrigieren sind.

Am 11. September werden wir an das schreckliche Ereignis vor 10 Jahren in New York erinnert, das angeblich die Welt veränderte (leider nicht) . Der CIA hat mit Gaddafi bei der "Terrorbekämpfung" offensichtlich gut kooperiert. Man fragt sich auch, warum die NATO nur in Libyen und nicht in Syrien aktiv wird, wo gleiches Unrecht passiert und oppositionelle Menschen täglich sterben. Auch dies schafft nicht Vertrauen ebenso wie der unsinnige Irak-Krieg zuvor. Wenn jetzt noch ein Terroranschlag von großer Tragweite käme, wären die Börsen wohl der Verzweiflung nahe.

Zudem sollte es auch in Europa so etwas wie ein Plunge Protection Team geben, also eine Finanzgemeinde , die kräftig gegensteuert und den Short-Zockern das Leben schwer macht, wenn es erforderlich ist. Es ist aber umgekehrt: die Angelsachsen machen im Moment eine grausam schlechte Politik, erst recht eine schlechte Sozialpolitik, aber sie beherrschen über Future-Kontrakte und „echten“ Verkäufen den europäischen Markt und auch den DAX via London. Das muss geändert werden, denn die Märkte sind eindeutig manipuliert. Dabei wird auch die Uneinigkeit der EU-Finanzpolitiker brutal ausgenutzt, die mehr oder weniger alle nur ihr eigenes Süppchen kochen, wobei die Suppe schon lange versalzen ist. Ich wage zu bezweifeln, dass es jemals einen EU-Finanzminister oder gar einen Eurobonds geben wird. Die PIGS-Länder würden ohnehin allen gegen einen Eurobonds stimmen, wenn sie dabei die Finanzsouveränität verlieren würden.

Ich glaube nicht so schnell, dass Europa in der Krise mit einer Stimme spricht und dass es genug Solidarität gibt. Das Gegenteil ist eher der Fall. Es ist eine Illusion, hier die EU mit den USA zu vergleichen. Schon das ESM ist der Versuch, die EU-Länder finanzpolitisch zu entmachten, was wohl nicht gelingen wird. Wie solle aber die EWU jetzt aus der Schuldenkrise herauskommen?

Belgien hat es immerhin einmal geschafft, die Verschuldung zum BSP von 138 auf 80% zu senken. Dies müssen jetzt dringend alle zu hoch verschuldeten Länder „irgendwie“ schaffen, sonst wird es immer wieder neue Euro-Krisen geben, die sich von Jahr zu Jahr verschlimmern anstelle zu verbessern. Ein ESM nützt auch relativ wenig, wenn nicht alle EU-Länder von sich aus eine Schuldenbremse einbauen und klare Sanktionsmechanismen beachten.

Über den Fortbestand des Euros und der Euro-Rettungsmaßnahmen sollte es nach Auffassung vom FDP-Politiker Schäffler eine Volksabstimmung geben. Die ist zwar im Grundsatz richtig, allerdings muss das Volk dann wesentlich besser informiert und aufgeklärt werden als es bisher der Fall ist. Die meisten Menschen verstehen nicht mehr, was da „oben“ passiert. Noch schlimmer wäre dann die Entfremdung, wenn alles von einem EU-Finanzminister entschieden wird. Frank Schaeffler und Frau Sylvia Canel von der FDP werden am 23. September im Bundestag gegen den erweiterten EU-Rettungssschirm ESM stimmen. Auch der sehr einflussreiche Wolfgang Bosbach, der Vorsitzenden des Innenausschusses, will dagegen stimmen, weil der EU-Rettungsschirm die Probleme nicht löse, sondern eher fördere, wie die neuen Zahlen aus Griechenland belegen.

Nach dem alten EU-Rettungsschirm hat Deutschland einen Bürgschaftsanteil von 123 Mrd. €. Nach dem jetzt bestehende Rettungssschirm dürfen die EU-Länder maximal 60 Mrd. € als gemeinschaftliche Kredite in einer Zweckgemeinschaft aufnehmen und an das notleiden Land geben. Bisher sind „nur“ die Länder Griechenland, Irland und Portugal unter dem EU-Rettungsschirm, obwohl dies wenig zur Beruhigung der Finanzmärkte beigetragen hat. Die nächsten Herabstufungen der Rating-Agenturen und damit weitere Kursverluste an der Börse sind nur noch eine Frage der Zeit.

Der EU-Rettungssschirm sollte im Juni 2013 ursprünglich auslaufen und nicht zu einer Dauereinrichtung werden, was jetzt aber doch geplant ist. Zudem wird der deutsche Bürgschaftsanteil auf 190 Mrd. € bei eine Gesamtbürgschaftssumme von 700 Mrd. € erhöht. Es ist auch noch nicht ganz klar, ob der Bundestag auch in Zukunft über EU-Kredite entscheidet oder dies an einen EU-Verwaltungsrat abgibt.

Es ist in der Tat eine Farce. Da gibt es seit Jahren schon EWU-Maastricht-Kriterien und keiner hält sich daran. Da überschreitet die EZB ihre Befugnisse und kauft italienische und spanische Anleihen auf. Wie wird sie den Schrott wohl wieder loss werden? Auch die EZB muss wohl demnächst eine Mega-Kapitalerhöhung machen. Wir befinden uns nach wie vor im Ausnahmenzustand. Es werden ständig Vereinbarungen und Gesetze gebrochen sowie Abmachungen und Aussagen von Politikern nicht eingehalten. Soll das etwa Vertrauen (an der Börse) in den Euro und die Europa-Politik schaffen?

Trotz der erneuten Panikverkäufen letzte Woche, glaube ich an einem kräftigen Rebound noch in diesem Jahr, der wahrscheinlich aber erst nach Bekanntgabe des QE3 der FED erfolgen wird. Ich rate daher im Trading-Bereich weiter zu gestaffelten Abstauberlimits, wobei sie liquide Vehikel und Aktien bevorzugen sollten Welche dies sind, können Sie im neuen EAST STOCK TRENDS nachlesen, der schon nächste Woche erscheint. Bestellen Sie jetzt ein Probe-Abo des ESR (3 Ausgaben per e-mail nur für 15 €, siehe www.eaststock.de ).

Wenn Sie sich aktuell informieren wollen, wie Sie sich jetzt verhalten sollen, dann hören Sie jetzt mal in die Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) rein.

Anzeige
 

Newsletter

Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden und von Andreas' Männicke Wissen profitieren! weiter

Termine

Archiv

28.05.17 G7 und Trump: Einer gegen alle, alle gegen einen!
08.05.17 Vive la France, aber nach der Wahl ist vor der Wahl
02.05.17 100 Tage Trump - und nun?
23.04.17 Schwarzer Montag? - Ein Leben zwischen Bomben und Zeitbomben -
09.04.17 Trump schockt Russland – kommt es zur Konfrontation in Syrien?

Weitere Artikel im Archiv

Hotline

Tel.: 0900 - 1-86 14 001
(€1,86/Min aus dem Netz der DT AG, Anrufe aus dem Mobilfunknetz können abweichen)