Der Euro ist ein Teuro oder auch: „Wie wäscht man einen Bär ohne ihn nass zu machen“?

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Sonntag, 12. Juni 2011 19:50:00

Die Gretchenfrage für EU-Politiker heißt: „Wie wäscht man einen Bär ohne ihn nass zu machen?“ Wenn Griechenland ein Unternehmen wäre, dann würden sich jetzt viele Politiker der Insolvenzverschleppung schuldig machen. Es darf die Frage erlaubt sein, ob sich dies die Politiker, die jetzt im deutschen Bundestag für die erneute Griechenland-Hilfe abstimmten, sich dessen auch bewusst sind. Da es sich bei der Bewältigung der „PIGS-“Krise um eine europäische Lösung handeln soll, wird der Ruf nach einem EU-Finanzministerium immer lauter, das auch Banken wünschen.

Notwendig sei jetzt auch ein Marshall-Plan für die „PIGS“ – nur wer kann so etwas und wer soll das bezahlen? Ein EU-Finanzministerium wäre aber der Weg in ein planwirtschaftliches Europa. Griechenland hat schon jetzt auch durch eigenes Verschulden die Selbstständigkeit verloren und wird nun durch EU- und IWF-Auflagen gemaßregelt. Who´s next?

Politiker haben es auch zu verantworten, dass jetzt viele Länder der Welt praktisch überschuldet sind und die Nachfolgegeneration darunter leiden muss. Dies ist sicherlich ein Manko der Demokratie, dass es hier offensichtlich keine effizienten Kontrollmöglichkeiten gibt, eine übermäßige Staatsverschuldung zu verhindern. Wer geht schon auf die Straße, wenn die Staatsschulden zu stark ansteigen: keiner“ Wer geht aber auf die Straße, wenn gespart werden muss: fast jeder, wenn es einen persönlich betrifft. Auch das ist westliche Demokratie! Politiker neigen, insbesondere in Koalitionen, zu nicht finanzierbaren „Wahlgeschenken“ und zu gefährlichen Kompromisslösungen, die letztendlich aber nur auf dem Prinzip Hoffnung basieren und auf Zeit spielen. So kommt die traurige Wahrheit oft zu spät ans Licht.

Auch in den USA wird nun die notwendige Erhöhung der Schuldengrenze auf über 14,3 Billionen USD zu einem „Politikum“. Wenn die Opposition, sprich die Republikaner, hier nicht mitmacht, kommt es faktisch auch in den USA zur Haushaltssperre. Die Kreditwürdigkeit der USA ist schon lange angekratzt und für die Weltbörsen weit gefährlicher als die „G-Krise“ (als Kürzel für Griechenland-Krise). Falls sich hier die Politiker nicht einigen, werden hier demnächst heilige Kühe gemolken. Sprich: die Ratingagenturen werden dann auch die US-Anleihen weiter herunterstufen, was schon längst fällig ist. Zudem läuft am 30. Juni das QE2 aus, das im September letzten Jahres die Weltbörsen künstlich gerettet hatte.

In den letzten sieben Monaten kaufte die FED 85% der Nettoausgaben für US-Staatsanleihen auf. Ich muss immer wieder betonen, dass die Finanzlage in den USA weit gefährlicher ist als die übersehbare und beherrschbare „G-Krise“. Die USA haben immer noch ein Rekord-Haushalsbilanzdefizit in Höhe von 11% des BSP. Die US-Arbeitsmarktdaten und die übrigen US-Konjunkturdaten deuten eher auf eine Abschwächung der US-Konjunktur hin. Falls es kein (verkapptes) QE3 gibt, werden aber auch wieder die Kurse an den Weltbörsen einbrechen.

Griechenland ist faktisch schon jetzt Konkurs, das es von Privatbanken nicht mehr hinreichend Kredite bekommt. Nun soll der deutsche Steuerzahler mit ins Boot genommen werden. Der deutsche Bundesfinanzminister Schäuble verteidigt die Hilfe mit dem Erhalt des Euros. Der Euro ist aber ohnehin ein politisch gewollte Kunst-Konstruktion und keine wirtschaftlich vernünftige Währungsunion, da die Unterschiede von Vornherein zu groß waren.

So war es unverantwortlich, Griechenland zu so niedrigen so lange Zeit Kredite zu gewähren, die nicht im Einklang mit der Wettbewerbsfähig der Produkte standen. Nun befindet sich Griechenland in einem Teufelskreis. Denn die vom IWF und der EU geforderten Sparmaßnahmen verschlechtern eher die Einnahmesituation, da sich die Rezession in Griechenland verschärft. Zudem wird die Wirtschaft durch permanente Streiks und Proteste auf den Straßen lahm gelegt. Die nun anlaufende Privatisierung wird wieder als „Ausverkauf“ an das Ausland aufgefasst werden und für noch mehr Missstimmung und Protesten auf der Straße im Lande sorgen. Um die Opposition mit ins Boot zu nehmen, soll nun die Mehrwertsteuer sogar um 3% gesenkt werden. Die Griechen haben es aber noch immer nicht geschafft, die Steuerflüchtlinge zu identifizieren. Angeblich sollen sich über 200 Mrd € von Griechen auf Schweizer Konten befinden.

Griechenland will nun nach dem 110 Mrd € Paket ein weiter Hilfe von 65 Mrd. € erhalten. Es ist ganz klar, dass das auf eine Umschuldung hinauslaufen wird, bei dem auch Banken und andere Privatgläubiger bei den erforderlichen Abschreibungen mit ins Boot kommen müssen. Es werden also auch Privatgläubiger in Zukunft bluten müssen. Es fragt sich, ob eine faktische Insolvenz und ein erforderlicher Cut bei den Anleihen auch bei dem gerade laufenden europäischen Bankenstresstest hinreichend eingearbeitet und berücksichtigt worden ist.

Deutsche Banken haben immer noch in Griechenland ausstehende Kredit im Volumen von 23 Mrd €- davon am meisten die bankrotte Hypo Real Estate bzw. deren „bad bank“, während französische Banken den G-Anleihenbestand von 27 auf 15 Mrd. € verminderten. Die restlichen europäischen Banken haben ihren griechischen Anleihebestand auch von 26 auf 10 Mrd reduziert. Die europäische Zentralbank soll hingegen 45 bis 60 Mrd € an Griechenlandkredite halten bei einem Eigenkaital von 11 Mrd €. Geht Griechenland pleite, dann geht auch die EZB Pleite, es sei denn sie macht eine Mega-Kapitalerhöhung. Wenn es aber zu einer Kapitalerhöhung der EZB kommt, dann müsste wiederum Deutschland den größten Teil dafür aufbringen. Deutschland bleibt also – so oder so- der Zahlmeister und es wird noch sehr teuer werden. Der Euro ist also für Deutschland ein Teuro. Sie sehen jetzt, wie ernst die Lage ist.

Solange aber Griechenland künstlich im Euro bleibt, wird die griechische Wirtschaft nicht gesunden können. Weißrussland hat die Währung vor kurzem um 56% abgewertet. So etwas hätte Griechenland auch machen müssen, kann es aber nicht, weil Griechenland im Euro-Korsett steckt. Der nächste Wackelkandidat wird Portugal sein. Dort gibt es zwar jetzt eine neue Regierung; die steht aber vor dem gleichen Problem wie die alte: Wie wäscht man einen Bär ohne ihn nass zu machen? Zudem läuft in den USA das QE2 aus, womit auch Fragen der Kreditwürdigkeit der USA im Sommer wieder laut werden. Alles dies ist ein sehr explosives Gemisch, was nun auch zu Kurseinbußen an den Aktienmärkten führte.

Zu beachten ist auch, ob es in China einen Immobilien-Bubble gibt und wie sich dieser gegebenenfalls auflösen wird. Denn auch in China könnte es dann Schieflagen bei einigen Banken geben. Die Geldmenge steigt in China mit 12% schon weniger stark als das nominelle Wachstum mit 15%. Wenn das BSP in China nur um 7% real steigt, wird dies schon wie eine Rezession aufgefasst. In China könnte es aber zu einer noch härteren Landung kommen, wenn die amerikanische und auch die europäische Konjunktur stark nachgeben. Denn China baucht diese Exportmärket. Dies ist auch der Grund, warum China fortwährend Griechenland- und Portugal-Anleihen aufkauft. Die Beherrschung der steigenden Inflation ist ein weiteres Problem in China. Aufgrund von Inflationsängsten und steigenden Zinsen floß schon erhebliches Kapital aus den Emerging Markets und auch aus China ab.

Der DAX gab am Freitag um 1,25% auf 7069 Indexpunkte und der Dow Jones Industrial Index um 1,42% auf 11.951 indexpunkte nach. Wenn der DAX unter 700 Indexpunkte fallen sollte, wird es sehr bearish. Auch der RTS-Index gab um 0,77% auf 1926 Indexpunkte. Auch der Euro schwächte sich zum Dollar auf 1,4343 ab und der Bund-Future stieg als „sicherer Hafen“ auf 125,9. Aufgrund des starken Dollars gab auch Gold um 0,8% auf 1531 und Silber sogar um 2,9% auf 36,3 USD/Unze nach. Wie immer fielen damit fast alle Asset-Klassen mit Ausnahme die Anleihenkurse in Deutschland. Auch der Schweizer Franken wird weiterhin als „sicherer Hafen“ gesehen und blieb stabil bei 1,21 EUF/CHF fast auf dem historischen Hoch.

Da ich in den nächsten Wochen aufgrund der Überschuldung vieler Länder noch so einiges „Sommertheater“ erwarte, rate ich mehr dazu in Liquidität oder beim Unterschreiten wichtiger Chartmarken auch Short zu gehen. Welche Chartmarken dies genau sind, können Sie auch im neuen EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de, 3 Ausgaben für nur 15 Euro) nachlesen. Ein weiterer „sicherer Hafen“ ist im Moment Südosteuropa (Serbien über 30% im Plus). Lesen Sie auch darüber mehr im neuen EAST STOCK TRENDS 06/11.

Über 200 Mrd € werden in Europa als „uneinbringliche Kredite“ klassifiziert, wobei diese Kredite meistens mit Sachwerten besichert wurden. Des ein Freud, des anderen Leid. Eine deutsche Investmentgesellschaft spezialisiert sich auf das Aufkaufen und Verwerten von sogenannten unbesicherten „Non Performing Loans“, indem es notleidende bzw. gekündigte Kredite von Banken und Versicherungen aufkauft und dann mit den Gläubigern zu einer akzeptablen Lösung kommt. Auf diese Weise werden Schuldner ihre Schulden los und Gläubiger bekommen wenigstens einen Teil der Gelder wieder. Wer in einen solchen geschlossenen Fonds investiert, soll eine jährliche Ausschüttung von über 10% bekommen, wobei das Geld allerdings 3 Jahre festgelegt ist. Das Kapital wird dann in 3 Jahren vollständig zurückgezahlt und es gibt keine Nachschusspflichten. Bis 30. Juni entfällt der danach fällige Ausgabeaufschlag von 5% für diesen attraktiven, innovativen Sachwert-Fonds. Wer diese neue Anlageform interessiert, melde sich bitte umgehend bei der ESI GmbH (E-Mail: info@eaststock.de, Tel: 040/6570883).

TV-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 19. Mai 2011 um 15.30 Uhr in NTV/Telebörse über die Aussichten der Moskauer Börse und den Ölpreis befragt. Sie können das Interview jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen. Das nächste TV-Interview ist am 27. Mai 2011 im DAF über Gazprom.

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