Decoupling or not?

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Samstag, 31. Juli 2010 15:03:00

Die Berichtssaison lieferte bisher überwiegend positive Überraschungen. Nachdem schon in den USA fast 80 % aller Quartalsergebnisse besser als die Konsensschätzungen ausfielen, konnten nun auch die meisten deutschen Großkonzerne überzeugen. Wichtig sind aber nicht nur die Quartalsergebnisse, sondern auch der Ausblick bis Jahresende. Hier tat sich in der letzten Woche wiederum der Chemiekonzern Merck positiv hervor. Die Folge war ein Kursprung um 5%. Aber auch BASF zeigte die Ertragsstärke mit einem Mrd-Gewinn.

Daimler trotz geradezu vor Ertragskraft und auch vor Zuversicht. Daimler erwartet bis Jahresende einen Gewinn von 6 Mrd €. Aber auch VW macht große Fortschritte, Toyota als weltgrößten Automobilkonzern den Rang abzulaufen. Über 2 Mrd. Nettogewinn begeisterte auch die Anleger und Analysten. ExxonMobil schaffte sogar einen Quartalsgewinn von 7,5 Mrd. USD bei Umsätzen von 92 Mrd. USD, während BP einen Rekordverlust von 17 Mrd. USD wegen der Ölkatastrophe am Golf von Mexiko hinnehmen musste. Dagegen gibt es bei Stahlkonzernen eher Moll-Töne.

In den USA verlangsamte sich das BSP Wachstum im 2. Quartal von 3,7 auf 2,4%, was Zweifel aufkommen lässt, wie nachhaltig das Wachstum im zweiten Halbjahr sein wird. Während der IWF die meisten BSP-Prognosen nach oben korrigiert, ist sich der FED-Chef Bernnake unsicher über die Zukunft der USA. Auf der anderen Seite boomen die Märkte vor allem in Asien, wovon wiederum auch die deutsche Exportwirtschaft am meisten profitierte. Die großen Hoffnungen der Weltwirtschaft beruhen auf den großen Emerging Markets, was schon einen Paradigmawechsel andeutet. Auch für Brasilien wird jetzt wieder ein dynamisches Wachstum von 7% ebenso wie in Indien von 9% erwartet. Es gibt aber auch Befürchtungen, dass sich das Wachstum in China von bisher über 10% im zweiten Halbjahr merklich verlangsamen könnte, worunter wiederum auch die global aktiven Stahlkonzerne wie MittalAccelor leiden würden, die schon einen wenig verheißungsvollen Ausblick gaben.

Es stellt sich auch die Frage, ob der permanente Blick auf die Wall Street als Leitbörse noch gerechtfertigt ist. Wenn die Wall Street hustet bekommt, auch Europa ein Erkältung. Es ist aber offensichtlich, dass die deutsche Wirtschaft besser läuft als die amerikanische, wobei das Wachstum überwiegend auf den robusten Export beruht. An den guten Exportergebnissen ist wiederum Asien als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft ausschlaggebend, während die Binnenkonjunktur auch in Deutschland eher stagniert. Die Länder in Zentralosteuropa sind wiederum vom Wachstum in Europa abhängig. In Europa gibt es ein Wachstum von etwa 2%, in Deutschland von 1,5 bis 2%. In Südeuropa und auch in Südosteuropa gibt es aber noch eine Rezession. Durch Südeuropa schneidet der EuroStoxx auch wesentlich schlechter ab als der DAX und der DAX wiederum besser als der Dow Jones Industrial Index. Das sind schon gewisse Wegweisungen - auch für die Zukunft.

Einige Indices wie die von der Türkei, Indien und Indonesien entwickeln sich wiederum wesentlich dynamischer nach oben und erreichten zum Teil schon neue Allzeit-Hochs. Auch in Russland gibt es schon eine Reihe von Aktien, die neue Allzeit-Hoch erreicht haben. Sie werden regelmäßig im Börsenbrief EAST STOCK TRENDS analysiert und kommentiert. Der russische Softwareentwickler IBS Group konnte den Kurs sogar bereits von 1 auf 14 ausgehend vom Tief in 2008 vervierzehnfachen (!). Der IBS-Kurs stieg seit Juni um über 30%. In Russland soll nun sogar mit amerikanischer Hilfe ein neues Silicon Valley 100 km vor den Toren Moskau entstehen. Die Tore Moskaus verschwinden indessen in einer weißen Rauch-Wolke wegen einiger Torfbrände vor den Toren Moskaus. Die Russen leiden immer noch unter einer außergewöhnlichen Hitzewelle von 38 Grad, was den Alkoholkonsum eher fördert. Gut für Bierbrauer in Russland!

Die am besten performenden Börsen der Welt kommen mit einem Plus von jeweils über 30% aber aus dem Baltikum (Estland) und der Ukraine, wobei die Märkte zuletzt dort auch seitwärst tendieren. Per Saldo bewegen sich die großen Kapitalmärkte aber in diesem Jahr volatil seitwärts, was ich auch schon letztes Jahr angekündigt habe.

In den letzten 2 Wochen gab es aber an fast allen Weltbörsen eine kleine Sommerrallye, die sowohl den DAX als auch den Dow Jones Industrial Index an die Jahreshöchstkurse heranführte. Dies birgt nun die Hoffnung, dass die globalen Aktienmärte in den nächsten Wochen nach oben ausbrechen und damit neue Jahreshöchstkurse markieren können. So bestehen beim Dow Jones gute Chance für eine Aufwärtsbewegung, wenn der Dow Jones über 10.600 oder der S&P-Index über 1120 Indexpunkte ausbrechen sollten. Bei DAX sind 6250 und hernach 6340 Indexpunkte die entscheidenden Marken, die überwunden werden müssen, dann wäre der Weg Richtung 7000 Indexpunkten frei. Bisher scheiterten die jeweiligen Indices aber in der letzten Woche trotz guter Unternehmensergebnisse an den entscheidenden Chartmarken und legten wieder den Rückwärtsgang ein.

Auch der russische Aktienmarkt konnte sich in den letzten 2 Wochen kräftig erholen. Der RTS gab allerdings am Freitag um 1,59% nach und schloss bei 1459 Indexpunkten, wobei sich der Ölpreis bei 78 USD/Barrel stabilisieren konnte. Der Goldpreis stabilisierte sich bei 1181 USD/Unze; er damit hat aber den mittelfristigen Aufwärtstrend verlassen und könnte bei unter1150 USD/Unze weiter noch unten korrigieren, insbesondere, wenn der Dollar weiter schwächer werden sollte. Der Euro machte den von mir im EAST STOCK TRENDS und beim Ostbörsen-Seminar im Mai angekündigten Short-Squeeze von 1,19 auf 1,30 EUR/USD den damals keiner für möglich hielt.

Ich bleibe dabei: Je schwächer der Dollar, desto stärker die Aktien- und Rohstoffmärkte – und umgekehrt. So konnte sich Kupfer auch schon wieder von 6500 auf 7200 USD/Tonne deutlich erholen. Wenn sich Kupfer erholt, steigen auch wieder die Kurse in China, die bis Juni enttäuschten und das Schlusslicht der Weltbörsen trotz boomender Konjunktur bildete. Jetzt konnten sich aber auch wieder chinesische Aktien deutlich erholen, wobei einige chinesische Solarwerte wie Yingli und Suntech Power trotz starkem Wachstums zuletzt enttäuschten, während deutsche und amerikanische Solarwerte durch gute Daten Rückenwind bekommen. Dennoch wird es im nächsten Jahr einen Wachstumsboom bei chinesischen Solarwerten geben, die wesentlich preiswerter produzieren können.

Der DAX schloss mit 6147 Indexpunkten ebenso wie der Dow Jones mit 10.465 Indexpunkten auf dem Niveau des Vortages. Es bleibt abzuwarten, ob beide Indices die Kraft in der nächsten Woche haben, nach der langen Seitwärtsbewegung nach oben auszubrechen. Der DAX sieht von der Markttechnik weiterhin besser aus, da in den letzten Monaten jeweils steigende Tiefstkurse zu verzeichnen waren, während der Dow Jones und auch der S&P-Index im Juni noch eine neuen Jahrestiefstkurs markierten. Dies sind schon die ersten zaghaften Zeichen für eine Abkopplungstendenz.

Auch die US-Rating-Agenturen werden weiterhin die Aktienmärkte beeinflussen. Zuletzt drohte Moodys Ungarn mit einer Herabstufung des „Baa1“, wenn die Haushaltskonsolidierung nicht vorankommt. Die Einführung einer Bankensteuer wird vom IWF wegen einer möglichen Kreditklemme nicht befürwortet, weswegen die Verhandlungen mit dem IWF abgebrochen wurden. Ich habe in NTV/Telebörse am 27. Juli zu dem „Sommertheater“ und den Chancen der Budapester Börse Stellung genommen, was sie sich unter www.eaststock.de anschauen können. Zuweilen beeinflussen auch solche Rating-Meldungen die Aktienkurse an der Wall Street und dann auch an den Weltbörsen durch die bekannten Dominoeffekte. Das Refinanzierungsproblem von zu hoch verschuldeten bzw. liquiditätsarmen Banken wird uns auch nach dem Stresstest weiterhin beschäftigen wie auch das Refinanzierungsproblem von überschuldeten Staaten. Immerhin müssen Banken im nächsten Jahr 30 Billionen € refinanzieren, was nur zu relativ hohen Zinsen im Moment gelingt.

Auch ist noch nicht ganz klar, wie teuer nun Basel III für die Banken wird, obwohl JPMorgan eine Entwarnung für amerikanische Banken gegeben hat. Den guten Bankenbilanzen und auch dem positiv ausgefallen Stresstest traue ich noch nicht ganz, obwohl das Vertrauen in den Finanzsektor sehr wichtig für die weitere Zukunft an den Weltbörsen und die Risikobereitschaft der Anleger ist. Hierin liegen auch die Gefahren für die nächste Hiobsbotschaft trotz der guten Unternehmensergebnisse der jüngsten Vergangenheit. Insofern könnte es auch bei einer Schaukelbörse je nach den nächsten Konjunkturdaten und der nächsten „Ratingnews“ vorerst bleiben. Falls aber keine „bad news“ aus dem Finanzsektor bzw. an der Verschuldungsfront von den Rating-Agenturen kommen - Achtung: Kalifornien will schon wieder Schuldscheine als Zahlmittel für Staatsbedienstete herausgeben und ist ebenso wie viele Kommunen und den USA fast Pleite -, könnte der Chartausbruch nach oben in den nächsten Wochen gelingen.

Die Weltbörsen werden sich auch in Zukunft nicht den Entwicklungen an der Wall Street entziehen können, da das amerikanische Risiko-Kapital über London auch die Europabörsen bestimmt. Relativ unabhängige Entwicklungen von der Wall Street wird es aber weiterhin dort geben, wo nicht das Mainstream-Kapital hinfließt wie nach in Afrika und einigen GUS-Republiken. Die Moskauer Börse könnte sich nur dann von der Wall Street abkoppeln, wenn der Ölpreis die Chartmarke von 80 USD/Barrel nachhaltig überschreitet. Dafür sorgen könnte wiederum die USA mit der Hurrikan-Saison oder mit Säbelgerassel mit Iran oder Nordkorea, denn die USA stehen mit dem Rücken zur Wand.

Ich frage mich schon zwar lange, ob der permanente Blick auf die Wall Street gerechtfertigt ist. Vergessen Sie aber in jedem Fall nicht, den Blick auf die Börsen in Osteuropa zu richten. Verpassen Sie daher die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS (EST) unter www.eaststock.de.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 149% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 249% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Bespiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East!“ wird im Herbst in Frankfurt/M stattfinden (siehe www.eaststock.de). Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

TV-Hinweis: Andreas Männicke wurde am 27. Juli 2010 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) anlässlich des Abbruchs der IWF-Verhandlungen über die Aussichten der Budapester Börse befragt. Sie können sich das Interview unter www.eaststock.de bei der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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