Danke, Christian Wulff – es geht um alles!

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Samstag, 27. August 2011 12:39:00

Die Rede vom Bundespräsidenten Christan Wulff vor wirtschaftswissenschaftlichen Nobelpreisträgern fand zu recht vergangene Woche viel Beachtung. In ungewohnter Schärfe kritisierte er den Aufkauf der EZB von griechischen, italienischen und spanischen Anleihen, die politisch und rechtlich bedenklich seien. Da muss ich ihm Recht geben. Ich habe immer betont, dass wir uns schon durch die ungewöhnlichen Aktionen der Notenbanken nach wie vor auch 2 Jahre nach dem Lehman-Schock und trotz angeblichem Aufschwung XXL im Ausnahmenzustand befinden. Es kann und darf sich nicht sein, dass die EZB nun in der Not den gleichen Fehler wie die FED begeht und in einer Nebenabteilung zu einer Art „bad bank“ von europäischen Staatsanleihen in Not mutiert.

Um es ganz klar zu sagen: „bad bank“ heißt, dass der Steuerzahler später am Ende in der Not retten muss (durch Steuererhöhungen), ohne etwas dafür zu können oder dazu beigetragen zu haben. Vor allem versteht der Normalbürger nicht mehr, was sich die Europa-Bürokraten nun alles ausdenken, um den Anschein zu erwecken, dass sie die Dinge im Griff haben. Nein, sie haben es leider nicht, nur darf das keiner merken. Man kann dies dann auch „schleichende Enteignung auf Zeit“ nennen, wobei jetzt nur auf Zeit gespielt wird. Quo vadis, schöne Marktwirtschaft??? Es wird Zeit, dass sich nicht nur das Bundesverfassungsgericht mit dieser komplexen Thematik befasst. Ich befürchte aber auch, dass auch die nicht richtig durchblicken. Es ist aber auch Zeit, dass dieses Verschuldungsthema and Landes- und EU-Ebene auch in Universitäten, Schulen und auf der Straße ausgiebig diskutiert wird und nicht nur von zum Teil inkompetenten Politkeren oder gar EU-Bürokraten „von oben“ entschieden wird. Wie gesagt: es steht jetzt alles auf dem Spiel!

Ich bin sehr dafür, dass Politiker und Amtsträger in hohen Funktionen Tacheles reden und keinen Blatt vor dem Mund nehmen. Die CDU-Spitze versucht gerade möglichst viele Abgeordnete in der Fraktion auf „EU- und EWU-Kurs“, also auf Euro-Kurs, zu bringen, wobei viele Politiker die Komplexität der Sachverhalte gar nicht verstehen. Es gibt dabei auch schon „Geheimvorschläge“, dass Deutschland aus der EU austreten soll, da die deutschen Bürger später finanziell überfordert werden. Es versteht sich von selbst, dass ein so wichtiges Papier wie der Vorschlag für einen Europäischen Stabilitäts-Mechanismus (kurz) ESM im Bundestag diskutiert und nicht in Geheimschulbladen des Finanzministeriums als „alternativlose“ Notfalllösung präsentiert wird.

Ich fordere zudem alle Politiker auf, eine offene Diskussion mit der Bevölkerung zu führen, denn es steht jetzt sehr viel auf dem Spiel oder mit den Worten von Helmut Kohl auszudrücken, kann in kurzer Zeit alles das aufs Spiel gesetzt werden, was in über 20 jähriger Aufbauarbeit für Europa (und Deutschland) geleistet wurde. Europa droht wegen der Verschuldungszwänge und Rezessionsgefahren in Südeuropa auseinanderzubrechen und damit der Euro als künstliches Korsett auch, während Nord-Europa recht stabil ist. Soll es deswegen einen Nord-Euro und ein Süd-Euro geben. Letztendlich wird es in Zukunft keinen Königsweg geben, sondern immer nur das bessere Übel, an das wir uns gewöhnen müssen.

Ich forder auch alle maßgeblich beteiligen Politiker auf, sich dabei für jeden verständlich auszudrücken. Eine Unart der deutschen Europa-Bürokraten ist es zunächst Wortungetüme zu entwickeln, die schon aufgrund der Wortzusammensetzung und Wortlänge kaum ein Normalbürger versteht. Den Normalbürgern wird es aber früher oder später betreffen, denn er muss ob er will oder nicht sich den Schuldenzwängen, die Politiker zu verantworten haben, anpassen müssen. Eine weitere Unart ist es, die Wortungetüme in Kürzel zusammenzufassen, die dann hernach erst recht keiner versteht, die aber in aller Munde sind bzw. sein sollen. Dient das etwa der Aufklärung der Bevölkerung, die ein Recht hat, aufgeklärt zu werden?

Nun soll also ein sogenannter Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) nach dem Juni 2013, wo der Europa-Rettungssschirm ausläuft, die bisherige Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (kurz EFSF, wie bitte?) und den Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (ESFM) ersetzen. Auch über die Ausweitung des Rettungsschirms im Volumen von 700 Mrd € wird immer wieder diskutiert ohne dadurch die Situation zu verbessern, dass die Börsen hypernervös auf alle bad news jetzt reagieren werden. Es wäre besser gewesen, wenn die Politiker nicht zugelassen hätten, dass die damaligen Stabilitätskriterien á la Maastricht, an die sich heute keine mehr halten will, nicht nachhaltig beachtet, sondern immer wieder gebrochen wurden.

Dazu zählte auch Deutschland selbst, wobei die Deutschen Einheit sicherlich ein Opfer war, die eine zusätzliche Verschuldung vorübergehend (?) gerechtfertigt hat. Nun ist Europa aber ganz klar eine Transferunion geworden so wie Westdeutschland für Ostdeutschland auch eine Transferunion war und ist. Die EU war aber durch die Strukturhilfen und Kreditvergaben zu Niedrigstzinsen schon immer eine Transferunion. Politiker sollten dies schon beim Namen nennen, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Man hätte nur früher einen „Solidaritäts-Euro“ einführen müssen, um strukturschwachen Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit zu helfen, auf die Beine zu kommen. Kredite mit zeitlich genau terminierten Rückzahlungszwang sind da der falsche Weg gewesen, da diese Forderungen jetzt in den Büchern von Banken stehen und im Fall von Staatsbankrotten nun einen Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems durch Bankenpleiten bewirken können

Aber vielleicht ist es noch nicht zu spät. Wer an Europa glaubt, sollte auch einen „Soli-Euro“ in den Topf werfen, allen voran die Politiker und Manager, die maßgeblich zur EU beigetragen haben. Wenn jede arbeitende Person 1000 € in den EU-Soli-Topf zahlen würde, kämen schon über 25 Mrd. € im Jahr zusammen. Dies angespart über 20 Jahre anstelle der unsinnige Kredite wären schon 500 Mrd USD, also so fast viel wie jetzt der EU-Rettungsschirm in etwa ausmacht. Das wäre machbar gewesen und ist immer noch machbar. Selbstverständlich muss dann aber auch einen EU-Mittelverwendungskontrolle eingeführt werden, es dürfen also keinen Blankoschecks an alle verteilt werden. Wer bedürftig ist muss einen Antrag stellen und diesen gut begründen. Zudem sollte man jetzt eine Stiftung zur „Rettung Europas“ gründen. Die Summe der Stiftungsgelder und die Summe der Vermögen der Family Offices in Lichtenstein und der Schweiz sind unglaublich hoch. Wenn diese Gelder zum Teil einige „Soli-Euros“ zahlen würden, kämen schon einige Milliarden zusammen. Kredite sollten in Zukunft nur noch an die EU-Länder gegeben werden, die wie Deutschland eine Schuldenbremse in der Verfassung eingeführte haben und die diese verfassungsgemäße Schuldenrückführung effizient überwachen und einhalten. Es müssen jetzt vor allem – ganz schnell und unbürokratisch - solidarische EU-Beiträge geleifert werden, damit die viel zu hohe Jugendarbeitslosigkeit vor allen und südeuropäischen Peripherie Europas vermindert wird, sonst bricht Europa nicht nur an der Peripherie, sondern ganz auseinander. Hinzu muss ein EU-Anti-Inflationsprogram zu Bekämpfung der Inflation von sozial wichtigen Lebensmitteln unverzüglich aufgestellt und umgesetzt werden und sei es durch Preisdiktate bei sozial wichtigen Lebensmitteln.

Eine Preisexplosion über Finanz-Spekulationsblasen muss bei sozial wichtigen Rohstoffen und Lebensmitteln unbedingt vermieden werden, was wiederum auch ein dringend zu lösendes Thema der G20 ist. Hier muss auch Großbritannien und Amerika auf Linie gebracht werden, bevor wir nur noch brennende Städte wie zuletzt in London und Berlin haben. Ursache und Wirkung müssen beim Namen genannt werden, was auch möglich ist. Das Finanz-Kapital darf nicht Demokratien zerstören. Es muss umgekehrt sein: das Volk muss das Finanzkapital steuern. In einer parlamentarischen Demokratie sind das dann die Volksvertreter, die eigentlich das voll vertreten sollen. Aber tun die das auch kompetent und mit Weitblick?

Ich fordere zudem (schon lange) zudem eine Volksabstimmung in jedem EWU-Land über die Einführung und Kontrolle der Schuldengrenzen, über die EU-Subventionsabkommen und auch über den „Soli-Euro“. Wir brauchen eine breite Diskussion in den Medien und auch bei den Stammtischen, um das Verschuldungsthema mit allen Konsequenzen transparent zu machen. Dann brauchen wir noch kompetente Politiker, denen wir vertrauen können und die vom Fach sind. Wo sind sie, bitte? Politiker, bitte aufwachen, es ist fünf vor zwölf!!

Die von Deutschland eingeführte Schuldenbremse mit Verfassungsrang, die Anfang 2009 auf dem Höhepunkt der Lehman-Krise von der Föderalismuskommission beschlossen und dann im Sommer 2009 auch vom Parlament und Bundesrat verabschiedet wurde, wird erst ab 2016 eingeführt. Demnach darf die strukturelle, also nicht konjunkturbedingte Neuverschuldung in Form der Nettokreditaufnahmen nur noch maximal 0,35% beim Bund betragen. Länder dürfen gar keine Nettokreditaufnahmen tätigen. Aber auch hier gibt es Ausnahmenregelungen wie bei großen Rezessionen und Naturkatastrophen. Dies ist zwar im Grundsatz der richtige Weg, Es wird aber nicht viel nützen, wenn diese Schuldenbremse nicht bei allen EWU-Ländern eingeführt ist. Die neuen Regelungen mit Verfassungsrang haben seit 2011 Empfehlungscharakter und müssen ab 2016 zwingend umgesetzt werden. Ich hoffe, dass es dann nicht schon zu spät ist. auch hier vermisse ich aber die Sanktionsmechanismus. Keiner weiß, was passiert, wenn die Vorgaben nicht eingehalten werden. Ebenso sind die Verschuldungsgrenzen in den USA ein Witz, wenn sie durch Kongressbeschluss immer wieder nach oben adjustiert werden können, was auch immer wieder Gefahr der Zahlungsunfähigkeit heraufbeschwört, falls die Grenzen nicht angehoben werden.

Seit der Finanzkrise in 2008 ist außer einem Basel III nicht viel zu passiert. Die G20 haben im durch Mega-Konjunkturprogramme künstlich herbeigeführte Aufschwung viel Zeit verloren und die Bundesregierung auch. Wo sind die von mir so oft geforderte Sanktionsmechanismen bei zu hoher Verschuldung? Es ist das Gegenteil passiert. Der Aufkauf von Ramschanleihender EZB ist ganz klar ein Gesetzesbruch, der nicht hinnehmbar ist. Der Weg geht nur über einem konsistenten Sparprogramm in Kombination mit einem Investitionsprogramm, also ein Spagat, der nur schwer möglich ist. Leider fehlen beide Programmteile bei vielen Ländern außer bloßen Absichtserklärungen in ferner Zukunft. Auch Frankreich und Italien sind chronische Sündenböcke, die an den Pranger gehören. Die herabstufen der Rating-Agenturen sind gerechtfertigt.

Nicht die Rating-Agenturen machen dann Länder kaputt, sondern die Politiker, die zuvor mit erforderlichem Druck auf die Rückführung von Schulden gedrängt haben. Wer immer mehr Schulden aufbaut, versündigt sich an der Nachfolgegenration. Politiker, dies sich nicht daran halten, sollten man das Gehalt kürzen. Wenn sich kein Land damit beschäftigt wie man Schulden abbauen kann, anstelle die Neuverschuldung abzubauen, läuft etwas falsch im System der prolongierten Blankoschecks. Damit ist keinem geholfen, erst recht nicht der Börse, die nun den Politkern den ersten Denkzettel verpasst hat.

Viele Vorschläge wurden schon gemacht und neue werden zur Rettung des Euros auf den Tisch kommen. Die CDU/CSU/FDP-Fraktion ist sich nicht einig. Viele Politiker müssen sich erst jetzt mühsam in die Thematik einarbeiten, die wegweisend für Europa und damit auch für Deutschland sein soll. Viele Politiker sind aber dazu schon aufgrund der Zeitnot und Ausbildung gar nicht in der Lage, über die komplexen Sachverhalte abzustimmen. Sie müssen sich Rat von außen holen, um überhaupt mitreden zu können. Viele Politiker kommen jetzt aus dem Urlaub zurück und hören aus ihrem Wahlkreis nur die besorgten Stimmen der Bevölkerung, die zunimmt.

Damit gerät jetzt auch Angela Merkel erheblich unter Druck, erst die Partei und dann die Fraktion auf Linie zu bringen. Wenn aber die Fraktion nicht auf Linie gebracht werden kann, wird die Börse darüber mit den Füßen abstimmen, also sie wird wieder einbrechen und erneut in Panik verfallen. Die Börse ist immer ein Spiegel von Wirtschaft und Politik, die dabei in die Gestaltbarkeit der Zukunft schaut. Wenn Politiker den Eindruck vermitteln, dass sie nicht mehr Herr der Situation sind und keine praktikablen Lösungsvorschläge vorbringen können, die Hoffnung machen, werden sie nicht nur nicht mehr gewählt, sondern die Börse wird vorher die Stimme abgeben. Genau das ist jetzt gerade der Fall.

Was können wir Bürger tun, um Europa zu retten, aber auch Deutschland dabei nicht zu als chronischer Zahlmeister für Europa zu überfordern? Es ist ganz klar: Kredite und Finanzen schaffen Fakten, den sich ein jeder nolens volens stellen muss. Wulff hat zwar eine berechtigte Kritik zur EZB geäußert, er hat aber keine Lösungsvorschläge oder Alternativen gebracht, was sicherlich auch nicht seine Aufgabe ist. Seine Aufgabe ist es aber, Stimmen der Bevölkerung herauszuhören und als Sprachrohr voller Besorgnis zu äußern, was weniger eine Kritik an Angela Merkel ist, sondern dem Umstand der Sachzwänge geschuldet ist. Es war als Ministerpräsident selbst für den Niedersächsischen Haushalt verantwortlich. Es ist kein Geheimnis, dass vielen Kommunen und Städten das Geld fehlt und dass sie hoffnungslos überschuldet sind. Brauchen wir also Steuererhöhungen, um die Finanzen zu sanieren oder brauchen wir geringere Steuern, um den Wachstumszwängen gerecht zu werden? Das Schlimme ist: beide Ansätze sind im Grundsatz richtig, beide Ansätze führen aber auch ins Verderben.

So wird bald keine Zeit mehr da sein, um auf Zeit zu spielen. Was die Notenbanken und viele Politiker jetzt machen, ist doch nur auf Zeit zu spielen, was unverantwortlich gegenüber der Nachfolgegeneration, die ohne eigenes dazutun dann den Schuldenberg erbt. So ist es aber schon seit einigen Generationen gewesen. Das sich anhäufende Vermögen wird immer ungleicher verteilt. Zwischenzeitlich steigt zwar auf dem Papier der Wohlstand aller, aber es steigen auch die Schulden. Was sollen wir jetzt machen? Sollten wir uns alle auf einen Schuldenschnitt vorbereiten? Welche Banken müssen dann gerettet werden und welche fallen dann runter? Wenn Staaten Pleite gehen, werden auch Banken Pleite gehen und zwar nicht nur die Banken „vor Ort“. Dies versuchen die Börsen gerade neben den Rezessionsängsten einzupreisen.

Es ist doch ganz klar, dass die Schuldenprobleme umso dominanter und größer werden, wenn wir in eine neue globale Rezession bekommen sollten. Den Unternehmen geht es zwar gut, aber dem Staat immer schlechter. Putin ist Verfechter für einen starken und stabilen Staat. Ich bin das weniger, aber wenn der Ordnungsrahmen für Stabilität in einer Marktwirtschaft nicht mehr funktioniert und so einiges aus dem Ruder läuft, muss nicht nur der Bundespräsident Tacheles reden, sondern es müssen von fachkundigen Politikern Lösungsansätze vorgelegt werden, die klar machen, wie man zum einen aus der Schuldenfalle herauskommt und zum anderen Wachstum generiert. Ein Blick in Baltikum mag dabei hilfreich sein, dass sowas geht, aber da gibt es sicherlich auch „Mentalitätsunterschiede“ zwischen den Ländern zu beachten.

Ich habe schon mehrfach versucht zu formulieren: es geht nur durch mehr Anstrengung (auch ohne von wem auch immer geschaffenen Anreize), mehr Leistungswillen, mehr Ehrgeiz, mehr Vorwärtssterben, aber auch mehr Solidarität für Notbedürftige, mehr Kontrolle über Parasiten, also Vermögensverzicht und ganz bewusste Unterstützung – und sei es in einer von allen mitgetragenen Transferunion, von den früher oder später alle profitieren können. Wenn aber das Verschuldungsproblem, das wie ein Krebsgeschwür –oft unmerklich – wächst, nur nach oben zu den „Europa-Bürokraten“ verschoben wird und der Bürger nicht mehr versteht, was „da oben“ gespielt oder durch Wortungetüme verunstaltet wird, dann kann ich gut verstehen, dass keiner diese Europa-Politik mehr will und alles im Chaos endet. So wird dann auch kein Eurobond zu erhofften Erfolg führen können, der jetzt rechtlich gar nicht möglich ist.

Am Freitag lauschte die ganze Welt den Worten vom FED-Chef Ben Bernanke bei dem Treffen der Notenbank-Chefs in Jackson Hole, der zwar immer wieder beruhigende Worte findet, aber auch nicht klar sagt, dass sich die FED seit 2008 (und auch schon früher) im Ausnahmezustand befindet. Die Ankündigung des QE2 führte genau vor einem Jahr zu einem zu einem Aufschwung an den Börsen, aber nicht zu dem erhoffen Aufschwung in den USA. Es wurden zu wenige neue Arbeitsplätze geschaffen und der Konsum kam auch nicht voran. Auch konnte sich nicht der Immobilienmarkt erholen. Ben Bernanke sieht im Moment noch keine Wachstumsgefahren für das 3Q11 und er will daher keine weiteren Stützungsmaßnahmen vorerst machen. „Jesus“ Bernanke wird das QE3 aber im Koffer behalten und im September aus dem Koffer holen, wenn die Zahlen im September auf eine Rezession hindeuten sollten.

Die Stimmung der US-Verbraucher hat sich im August 2011 gegenüber dem Vormonat nach der Untersuchung der Universität Michigan deutlich eingetrübt. So sank der Gesamtindex auf revidiert 55,7 Punkte (vorläufig: 54,9 Punkte), nachdem im Vormonat noch ein Stand von 63,7 Punkten ausgewiesen worden war. Volkswirte waren zuvor von einem Wert von 55,8 Punkten ausgegangen. Der private Verbrauch macht etwa zwei Drittel der US-Wirtschafts-Leistung aus. Auch dies deutet auf eine Konjunkturverlangsamung hin.

Der DAX machte in der letzten Woche einen Verlust von 8%, weil der IFO-Geschäftsklima-Index und auch der der ZEW-Indikator wieder sehr schwach ausfielen und die Angst der Anleger immer noch sehr groß ist. Der Dow Jones fiel intraday am 26. August sogar unter die 10.950 Marke und der DAX unter 5500 Indexpunkte, wobei der Dow Jones nach der Bernanke-Rede über 300 Dow-Punkte aufholte und bei über 11.284 Indexpunkten mit einem Plus von 1,21% schloss. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass bei einem Indexstand von 110000 das Plunge Protection Team in den USA aktiv wird und „gegensteuert“, wie am Freitag. Alles stürzte sich in Bundesanleihen (Bund-Future stieg auf über 135,3!). Der Dow fiel auch lange nicht so stark wie der DAX, auf dem via London immer wieder durch Short-Seller geprügelt wird..

Die Bund-Rendite fiel auf das Rekord-Tief von 1,94%. Gold und der Schweizer Franken blieben in der letzten Woche aber nicht mehr der „sichere Hafen“. Gold verlor um 10% an Wert und der Schweizer Franken auch. Auch der angebliche „sicherere Hafen“ Bundesanaleihen wird im Jahresverlauf noch unter Druck kommen, trotz Null-Zinspolitik der FED.

Dass es in den USA – nicht aber unbedingt in Europa - eine Niedrigzinspolitik geben wird in den nächsten 2 Jahren, hat die Börse noch nicht sonderlich beruhigt, da dann nur in den Japan-Modus gewechselt wird. Auch Japan muss aber irgendwann mal an das Schuldenproblem ran und dort Lösungsansätze vorlegen. 200% Staatsverschuldung zum BSP sind eindeutig zu viel. Too much is too much, auch in den USA und in vielen Industrieländern der Welt! Japan bildet jetzt in 5 Jahren schon die sechste Regierung, was nicht gerade für Vertrauen in die Politik spricht. Jetzt muss eine neue Regierung ab September versuchen, die hohen Schulden in den Griff zu bekommen.

Am Wochenende droht in New York ein Wirbelsturm, der ebenso wie das Erdbeben zuvor als Frühindikator Symbolkraft hat. Angela Merkel ist nach Forbes die machtvollste Frau der Welt, aber ihre Macht und Führungsqualität schwindet. Vielleicht wird sie in 2013 auch nicht wieder gewählt und dann ist sie ganz machtlos. Es wird ab 2012/13 viele Politikerwechsel und dramatische Veränderungen von Bedeutung geben; darauf sollten wir uns schon jetzt einstellen, auch an der Börse. “Jesus“ Bernanke hat wohl nicht mehr die Macht, die Märkte zu „drehen“ wie im September vergangen Jahres, oder doch? Gegen ein QE3 sind zu viele andere Notenbanker im FED-Team; er wird dafür keine Mehrheit bekommen, nur im äußersten Notfall. Aber auch ein QE3 wäre nur ein weiterer Sündenfall, dem hoffentlich die EZB nicht folgen wird.

Ob nun ein QE3 später folgen wird, was die Börsen temporär nach oben bringen würde, bleibt abzuwarten Am Donnerstag waren die Börsen sehr schwach, weil es die Meldung gab, dass Waren Buffet bei der Bank of America großvolumig mit 5 Mrd USD eingestiegen ist. Für diesen Betrag hätte er schon die Aktienmehrheit bei der zweitgrößten deutschen Bank, der Commerzbank AG, bekommen können, die immer noch unter 2 € steht und schon 65% (!) ausgehend vom Hoch gefallen ist. Es wird in den nächsten Monaten eine rege M&A-Aktivität zu registrieren sein, denn die Kassen der Unternehmen sind prall gefüllt und die Aktien sind so billig wie schon lang nicht mehr. Der Kurs der Bank of America sprang zwar in die Höhe, es verhärtete sich aber auch Gerücht, dass sich die BoA in Liquiditätsschwierigkeiten befindet, was dem DAX sofort einbrechen ließ. Also das gleiche Spiel wie bei der Société General, was den DAX gleich um 200 Punkte nach unten und den Short-Sellern intraday viel Geld brachte. Das zeigt nur, wie hypernervös und verunsichert jetzt die institutionellen Anleger immer noch sind. Ich fordere auch hier auf, einen EU-Untersuchungsausschuss zum Aufdecken von Marktmanipulationen einzurichten (siehe vorletzte Kolumne).

Die letzte Woche hatte es wieder in sich: Dienstag gab es schlechte Immobiliendaten in den USA. Auch US-Arbeitsmarkdaten waren enttäuschend, und auch Verbraucherdaten sind nicht berauschend. Das BSP-Wachstum wurde für das 2Q11 auf 1% anstelle von 1,3% vermindert.

In den letzten drei Wochen gingen im August 3 Billionen USD an Börsenkapitalsierung verloren, was schon an den Lehman-Crash in 2008 erinnert. Auch dies ist ein klares Ausrufungszeichen an die Politiker, den Ernst der Lage zu erkennen und jetzt besonnen mit Augenmaß zu handeln, anstelle endlos zu debattieren bzw. ohne Lösung von Krisensitzung zu Krisensitzung zu eilen. Die Lage ist (noch) wesentlich besser als die Börsen jetzt zum Ausdruck bringen. Aber am 29. August ist Neumond und dann könnte es mit der Börse wieder aufwärts gehen.

Die Frage ist aber: Was hat jetzt noch in Zukunft „Value“? Gold fiel in der letzten Woche zwischenzeitlich auch über 10% von 1900 auf unter 1800 USD/Unze, was an den Silber-Crash im Mai erinnerte. Dies ist aber auch nur eine Korrektur von überzogen Spekulationen, dass die Währungsreform kurz bevorsteht. Daran glaube ich nicht. Je unentschlossener aber die Politiker sind, desto mehr wird Gold weiter steigen. Der Silberpreis ist nach dem Silber-Crash auch wieder von 35 auf über 40 USD/Unze gestiegen. Wie es bei Gold/Silber, den Welt- und Ostbörsen weitergeht, können Sie im Börsenbrief EAST STOCK TRENDS (Probe-Abo für 3 Ausgaben für nur 15 weiche Euro, siehe www.eaststock.de) nachlesen. Dort wird Ihnen auch dargelegt, wie sie sich jetzt verhalten sollen und bei welchen „Schnäppchenkursen“ Sie gestaffelt kaufen sollten.

Wenn Sie sich aktuell informieren wollen, wie Sie sich jetzt verhalten sollen, dann hören Sie jetzt mal in die Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) rein.

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