Crash in Moskau: Margin Call!

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Freitag, 19. September 2008 13:29:00

Moskau vom Top-Performer zum Top-Loser
An der Moskauer Börse wurde der Handel ausgesetzt, nachdem es in den Tagen zuvor zu dramatischen Kursverlusten bei den russischen Blue Chips gab. Nachdem schon zuvor die Kurse an der Moskauer Börse durch den Georgien-Krieg und auch dem fallenden Ölpreis sowie der Putin-Attacke gegen den Stahlkonzern Mechel unter der Druck kamen, brachen am 18. September auch die bis dahin stabile Aktie von Rostelecom um 35% ein. Normalerweise sind auch solche Kursverluste bei einem Titel kein Problem für die Börse und auch kein Grund, den Handel auszusetzen. Der letzte Stand des RTS-Index war vor Handelsaussetzung am 17. September 1058-Indexpunkte, was ein Minus von 53,8% seit Jahresbeginn bedeutet. Im Mai 2008 zählte die Moskauer Börse mit einem neuen Allzeithoch und einem Plus von 5% seit Jahresbeginn noch zu den Top-Performern unter den Weltbörsen, jetzt aber nach dem Crash aber zu den Schlusslichtern.

Zweitgrößte russische Investmentbank KIT Finance in Schwierigkeiten
Der Kurseinbruch von der T-Aktie Rostelecom war insofern aber von weitreichender Bedeutung, weil die zweitgrößte Investmentbank und 30. größte Bank Russlands KIT Finance große Aktienpakete von Rostelecom im Eigenbesitz als Sicherheit benutze, um Kredite zu bekommen. Nachdem Rostelecom nun um am 17. September um 35% fiel und damit die Sicherheit nicht mehr vorhanden war, gab es einen „Margin Call“ der Gläubiger, dass heißt, KIT Finance musste die Kredite zurückzahlen, da die Sicherheit nicht mehr vorhanden war. KIT Finance kam dadurch in ernsthafte Liquiditätsschwierigkeiten Dann wurden auch andere Aktienpakte fast unlimitiert auf dem Markt geschmissen, um eine Insolvenz zu verhindern. KIT Finance war einer der am schnellsten wachsenden Banken in Russland. Mich erinnert das ein wenig an die Inkombank, die 1996/97 auch die am schnellsten wachsende Privatbank war und hinter während der Rubelkrise Pleite ging. KIT Finance wurde aber schon von Gazprom übernommen. Auch andere russischen Broker und Banken verkauften Aktien, um sich Liquidität zu beschaffen, was den Kursdruck erhöhte. Zudem kam es schon zuvor zu einer Kapitalflucht von über 20 Mrd. USD durch einige russischen Oligarchen, die sich in Russland nicht mehr sicher fühlten. Dies schwächte auch den Rubel, so dass die russiche Notenbank 6 Mrd. USD für Stützungskäufe aufwenden musste. Die ist aber kein Problem für die Notenbank, da sie über 580 Mrd. USD Währungsreserven hat.

Bankenkrise auch in Russland möglich
Auch jetzt kann es eine Bankenkrise in Russland geben, da sich die russischen Banken mit über 100 Mrd. USD im Ausland Geld geliehen haben und nun enorme Probleme bei der Anschlussfinanzierung haben - wie alle Banken auf der Welt im Moment Probleme mit der Refinanzierung haben. Immerhin hat die EZB im Konzern mit andren Notenbanken jetzt 180 Mrd. Euro in den Markt gepumpt, um eine Pleitewelle im europäischen Bankenmarkt zu vermeiden. Vor allem britischen Hypothekenbanken sind jetzt unter Druck Wie Greenspan richtig sagte, handelt es sich um eine „Jahrhundert-Solvenz-Krise“, die nun in Europa und auch in Russland angekommen ist.

Notenbank und Staat greifen ein
Wie nicht anders zu erwarten war, wird die russische Notenbank nun erst einmal, 500 Mrd. Rubel in den Markt pumpen, davon wurden 350 Mrd. RUB (14 Mrd. USD) schon am Donnerstag vergeben, um einen Dominoeffekt im russische Bankensektor zu verhindern. Zudem sollen die Mindestreservensätze um 4% vermindert werden, damit die Banken größere Liquiditätsspielräume haben. Zuvor wurden die Mindestreservensätze aber zweimal hintereinander erhöht, um die Inflation von über 15% einzudämmen. Diese Maßnahmen sind aber nicht ganz ungefährlich, da dadurch auch die Inflation wieder von neuem angeheizt werden könnte.

Rohstoffpreise steigen wieder
Die Rohstoffpreise zogen am 17/18. September wieder kräftig an, wie Gold von 770 auf 870 USD/Unze und Öl von 92 auf 97 USD/Barrel. Die russische Regierung beschloss aber auch die Exportabgaben im Ölsektor von 485,8 USD/Tonne auf 373 USD/Tonne herabzusetzen was besonders die russische Öl/Gasindustrie unterstütz. Durch die Öl/Gasindustrie kommt aber auch mittel ab Liquidität wieder in den Bankensektor. Daher war das eine kluge Entscheidung. Weitere Maßnahmen der Regierung bleiben abzuwarten. Ich kann mir zwar vorstellen, dass einige russische Banken und Broker insolvent werden, dennoch handelt es sich hier eher um eine „gesunde“ Bereinigungskrise, da es immer noch über 1000 Banken in Russland gibt, wobei die meisten russischen Banken nach Basel II wegen zu geringen Eigenkapitals ohnehin keine Existenzberechtigung und Überlebenschance hätten.

Die halbstaatliche Sberbank und VTB Bank sowie die Gazprombank werden aber gestärkt aus der Krise herauskommen, obwohl der Wertberichtigungsbedarf aufgrund von Abschreibungen im Wertpapipierhandel im zweiten Halbjahr 2008 recht groß sein sollten Ich rechne hier also mit schlechten Zahlen, aber nicht mit einer Pleite.

Panikverkäufe bei Standardwerten
Auch führten die Panikverkäufe jetzt zu sehr günstigen Bewertungen bei den russische Blue Chips (KGV3-4), die nun ein hohes Erholungspotential habe, sobald sich die Situation im Finanzmarkt entschärft. Da der amerikanische und britische Bankenmarkt lichterloh brennt, scheint jetzt der amerikanische Staat alle schlechten Kredite der US-Banken aufkaufen und in einen Staatsfonds zu bringen. Eine ähnliche Lösung gab es schon einmal bei einer Bankenkrise in Schweden du auch Japan hatte 1990 eine ganze Reihe von Banken bzw. deren Schulden übernommen. Dieses Gerücht brachte den Dow Jones Index am 18. September um über 400 Punkte nach oben, nachdem der Dow Jones Index er zuvor um 400 Punkte bzw. 4% einbrach. Damit werden schlechte Kredite quasi „verstaatlich“ und nicht die Banken selbst. Nur werden dadurch auch die US-Staatsschulden immer größer. Das Sentiment gegenüber Russland ist auch deswegen denkbar schlecht, weil die Berichterstattung in den westlichen Medien zum Teil sehr einseitig negativ ist.

Die neue „USSR“ – Marktwirtschaft adé!
Wenn zum Beispiel die größte Versicherung in Russland unter den „Schutz“ des Staates kommen würde, wären die Medien sofort wieder mit Schlagworten wie Russland auf dem Weg totalitären Staatskapitalismus“ oder der „Kreml schluckt die Privatwirtschaft“ präsent. Wenn aber die amerikanische Notenbank die größte amerikanische Versicherung AIG zu 80% schluckt und ihr zudem noch einen Kredit in Höhe von 85 Mrd. USD gibt, dann ist dann eine notwendige Maßnahme, um die Börsen und Finanzmärkte zu beruhigen. Ebenso kamen zuvor Fannie Mae du Freddie Mac mit einem Anleihenvolumen von 5 Billionen USD unter die Fittiche des Staates. Ich kann da nur sagen: „Welcome USSR (=United States Socialistic Republic)“! Ich gehe zudem davon, das das russische Finanzsystem die gegenwärtigen und zukünftigen Stresstests wesentlich besser und schneller überwinden wird als die USA, da sich der russische Staat durch die hohen Öleinnahmen fast total entschuldet hat, während die US-Verschuldunge gerade von 9,6 auf 14,5 Billion erhöht hat, da die Schulden von Fannie Mae und Freddie Mac nun in den Büchern des US-Staates sind. Und nun sollen noch die Schulden des US-Bankenmarktes hinzukommen. Wenn sich da mal nicht die USA überhebt. Russland hat nicht einmal 40 Mrd. USD Staatsschulden, wobei sich die Hauptschuldenlast jetzt aber auf Staatsbetriebe und Staatsbanken übertragen wurden. Russland braucht aber auch in den nächsten 10 Jahren 1 Billion US-Dollar an Kapital, um die Wirtschaft zu modernisieren und die geplanten Mega.-Infrastrukturinvestitionen vorzunehmen.

Schon dramatische Kapitalflucht nach Georgien-Krieg in Russland
In den USA sind zudem einige weitere Großbanken wie Washington Mutal (größte US-Sparkasse) auf der Kippe. Die Investmentbank Morgan Stanley soll angeblich von einem chinesischen Staatsfonds frisches Kapital bekommen, das trotz einem Quartalsgewinn von über 1 Mrd. USD angeblich dringend benötigt wird. Ich erwarte also ein weiteres Bankensterben in den USA und in Russland, nur dass für Russland das Bankensterben verkraftbar wäre und sogar zu besseren Strukturen herbeiführen wird. Zudem hat die russische Notenbank weit über 500 Mrd. USD, die nun gezielt eingesetzt werden kann. Zudem hat der Staat erhebliche Haushaltsbilanzüberschüsse und auch die Mittel von dem Stabilisierungsfonds im Volumen von 150 Mrd. USD, die jetzt auf zwei Staatsfonds vereilt wurden. Amerika dürfte aber mit den staatlichen Stützungsaktionen bald die Puste ausgehen, wenn sich die Finanzschieflagen weiter in dem Tempo wie zuvor summieren. Russland muss aber das verloren gegangene Vertrauen im Finanzmarkt wieder gewinnen damit die Börsenkurse wieder steigen können. Es wurde schon eine Reihe von Aktienrückkaufprogrammen angekündigt, die die Kurse stützen werden. Der Abzug von über 20 Mrd. USD in wenigen Tagen war heftig; jetzt stellt sich die Frage, wann und ob das Kapital zurückkehrt. Bei einem KGV von 6 ist der russische Akteinmarkt jetzt jedenfalls der preiswerteste Aktienmarkt der Welt.

Kapitalabzug auch an den Börsen in Südosteuropa
Unter dem Abzug von Kapital litten auch die kleinen Börsen in Südosteuropa, wobei die Märkte wesentlich kleiner und illiquider sind als in Russland mit einer Börsenkapitalisierung von 0,631 Mrd. USDD (im Hoch bei 1,4 Billionen USD!). So hat alleine Gazprom mit einer Börsenkapitalisierung von 150 Mrd. USD (im Hoch über 300 Mrd. USD) eine mindestens dreifach so große Börsenkapitalisierung wie alle Balkan-Börsen in Südosteuropa zusammen. In den Jahren 2006 du 2007 stiegen die Akteinkurse noch durch den erheblichen Kapitalzufluss, was die Börsekurse auch aufgebläht hatten. So war an den Börsen von Ljubljana und auch Belgrad Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) von über 25 keine Seltenheit. Die Bösre Ljubljana stieg den dem Beitritt in die Währungsunion im letzten Jahr um 71%. Slowenien war das erste osteuropäische Land, das den Euro schon in 2007 eingeführt hat. Die hochmoderne Börse Ljubljana – eine reiner Computerhandel ohne Parketthandel – ist eine Art Vorzeigebörse für alle Börsen Ex-Jugoslawiens geworden. Die Umsätze sind auch an der Bösre Ljubljana am höchsten mit 5-15 Mio. Euro am Tag.

Börse Zagreb +300% bis Ende 2007
Aber auch die Börse Zagreb aus Kroatien profitiert von dem hohen Wirtschaftwachstum und dem Nimbus als nächstes EU-Beitrittsland. Über die Hälfte der EU-Kapitel wurden in Kroatien schon „abgearbeitet“. Der EU-Beitritt soll in den Jahren 2010-12 erfolgen. In den letzten 3 Jahren stiegen die Kurse an der Börse Zagreb sogar um über 300% bis Ende 2007, womit die Börse Zagreb einer der Top-Performer unter den Weltbesen war. Die Börse Belgrad aus Serbien rückt erst jetzt allmählich in den Fokus von westlichen Portfolio-Investoren und Fondsmanagern, nachdem sich die EU-Ausrichtung mit Tadic an der Spitze durchgesetzt hat. Durch den Bürgerkrieg und dem Kosovo-Konflikt ist Serbien noch am weitesten zurück. So beträgt das BIP pro Kopf in Serbien nur etwa 3000 € während Slowenien schon auf ein BIP/Kopf von über 16.000 € kommt.

Börse Belgrad mit Nachholpotential
Die Umsätze an der Börse Belgrad sind mit 1 Mio. Euro am Tag noch recht dünn. Die dort vorherrschenden Banken meldeten aber sehr gute Halbjahreszahlen. Die größte serbische Bank AIK Bank meldete sogar ein Gewinnwachstum von 90% im 1. Halbjahr 2008. Insofern lohnt nach dem Kurseinbruch in 2008 um über 40% nun auch ein Blick auf diese noch relativ jungfräulichen Börsen aus Südosteuropa. Noch kleiner und illiquider sind die Börsen aus Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Mazedonien. Die Kursverluste an den Balkan-Börsen betrugen in diesem Jahr über 40% im Durchschnitt, bieten jetzt aber wieder recht attraktive Einstiegniveaus, zumal die die Wachstum- und auch die EU-Konvergenzstory für Kroatien und auch die andern Länder Ex-Jugoslawiens noch voll intakt ist.

Vehikel für Südosteuropa (Balkan-Region)
Da noch keine Aktie aus diesen Ländern an deutschen Börsen notieren, empfehle ich den Einstieg entweder über Südosteuropa- oder Balkan-Fonds oder über Indexzertifikate wie den SETX-Index mit Slowenien, Kroatien, Serbien und Rumänien im Boot. Wer einzelne Länder bevorzugt hat die Möglichkeit über endlos-Indexzertifikate der ABN AMRO Bank (demnächst RBS), der Erste Bank und der RCB den Einstieg zu wagen. Hohe Volatilität ist aufgrund der Marktenge aber auch in Zukunft zu erwarten.

Vehikel für Südosteuropa (Ex-Jugoslawien) WKN Kurs in €
Fonds
Hypo South Eastern Opportunities Fonds
(Slowenien, Kroatien, Bosnien. Serbien)
A0JDQW 104
Danske Trans Balkan (Rumänien, Bulgarien) A0LBUS 7,2
Länder Indexzertifikate (ABN AMRO Bank)
Slowenien Blue Chips (Slowenien) AA0DMM 132
CROBEX (Kroatien) AA0F67 7,43
Südosteuropa Indexzertifikate
ETX (Slowenien, Kroatien, Rumänien, Serbien) ABN4S9 14,35
S-Box Balkan (Griechenland, Bulgarien,
Krotaien, Rumänien, Slowenien)
DB3BLK 5,3
Ostbasket Next Generation (Kroatien/Serbien) RCB7S5 7,68

Erst informieren, dann investieren
Wer sich über die neuen Investmentchancen in Russland und in Südsosturopa näher informieren möchte, kann dies bei dem nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance! Am 12. November in Franfurt/M. Referent ist neben Andreas Männicke der Ostbörsenexperte Stefan Laxhuber, der bei geplanten neuen Osteuropafonds seine Investmentschwerpunkte in Südosteuropa und in den GUS-Republiken hat, was sicherlich eine interessante Mischung für das „smart money“ ist. Anmeldung und Infos bei der ESI East Stock Informationsdienste GmbH, Jüthornstr. 88, 22,043 Hamburg, Tel: 040/6570883, E-Mail info@eaststock.de. Aktuelle Markteinschätzungen bekommt der Anleger unter der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.)

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