Christmas Special: Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann?

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Freitag, 16. Dezember 2011 17:09:00

Am 24. Dezember, bei einigen protestantischen Ländern auch am 25. Dezember oder wie in den Niederlanden schon am 6. Dezember werden Millionen von Kindern mit von Menschen ausgedachten und dann brav tradierten Symbolfiguren getäuscht, dass es einen Weihnachtsmann gibt, der Geschenke bringt, wenn man gut ist und der die Rute mitbringt, wenn man schlecht ist. Coca Cola benutzte die Idee des Weihnachtsmanns, den es schon vorher in Geschichtenbüchern gab, erstmals 1931 für eine eigene Werbekampagne und machte ihn dann mit einem von Rentieren gezogenen Schlitten populär.

Man soll den Kindern die Wahrheit sagen, aber auch wenn es sich um die Weihnachtsmann handelt? Ich selbst zähle mich zu den (keinesfalls gedankenlosen) „Übeltätern“, die den Kindern eine heile Welt vorspielen wollen, denn das Ergebnis des „Erziehungsprozesses“ waren natürlich immer die Geschenke und einige Jahre lang auch die Illusion sein, dass es zu Weihnachten nur Gutmenschen gibt. Natürlich freut man sich selbst am allermeisten, wenn man dann die leuchtenden und glücklichen Kinderaugen sieht und wenn die Geschenke vom (unechten) Weihnachtsmann dann ganz aufgeregt ausgepackt werden. Nicht anderes aber machen im Moment die Politiker, die auch was vom Weihnachtsmann erzählen und sich in eine heile Scheinwirklichkeit begeben.

Wenn die Kinder dann aber in die Schule gehen und nach der ersten, zweiten und zuweilen sogar erste dritten Klasse erste Zweifel beim Kindern aufkommen, fragt man sich als Erwachsener selbst, wie lange man diese „Notlüge“ aufrecht erhalten soll, um einerseits die Illusion einer „heilen Welt“ aufrecht zu erhalten, anderseits aber das Kind nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen und in die raue Wirklichkeit einzuführen.

Amerikanische Präsidenten wie George Bush haben lange genug die amerikanische Bevölkerung angelogen, indem er in Gutmenschen und Bösewichte (nach welchen Kriterien?) - nicht erst nach dem 11. September - unterschieden hat und offensichtlich selbst kraft Amtes die moralische Instanz war, um dieses unterscheiden zu können. So zogen die Amerikaner in den Krieg gegen den Irak, den die Soldaten erst jetzt in diesem Jahr verlassen dürfen ohne zu wissen, was eigentlich ihre Mission war. Jetzt erscheint der neue Film „Mission impossible, Teil 4“, was den Kern trifft. Die amerikanische Soldaten müssen an den Weihnachtsmann geglaubt haben, sonst wären sie wohl nicht in die Krieg gegen angebliche Massenvernichtungswaffen gezogen, die es gar nicht gab, um ihr eigenes Leben für ihr geliebtes (?) Vaterland auf das Spiel zu setzen. 120.000 amerikanische Soldaten starben im Irak, wofür? Amerikanische Soldaten mussten jahrelang mit einer „Notlüge“ des Präsidenten kämpfen und es wurde jahrelang der Schein gewahrt, dass dies eine vernünftige Mission sei.

Wenn die USA den Irak aber Ende dieses Jahres verlassen, entsteht ein Vakuum, das nun über iranische Geheimdienste infiltriert wird. Die USA werden damit ein Vakuum hinterlassen, das nun Schiiten und Sunniten mit Bombenterror gewaltsam für sich beanspruchen werden. Die Sunniten stellen die Mehrheit bei islamisch geführten Ländern her mit Ausnahmen im Iran und Irak. Schiiten sind weltweit mit nur 15% in der Minderheit. Im Bahrain und zuvor auch im Irak war es so, dass eine sunnitische Minderheit über eine schiitische Mehrheit regierte. Im Bahrein sind 70% der Bevölkerung Schiiten. Der Irak gehörte früher zum Osmanischen Reich und die Türken waren Sunniten. Sie setzten in Bagdad sunnitische Gouverneure ein. Als die Engländer die Macht im Irak übernahmen, förderten sie auch die Sunniten und bekämpften die Schiiten. Dieser Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten wird jetzt weitergehen und er kann in einen Bürgerkrieg münden, wenn die amerikanischen Soldaten den Irak verlassen Es geht dabei um das alte historische Problem, wer die Führung im Islam übernehmen soll. Bei den Sunniten spielt der Staat eine größere Rolle. Auch die Muslime im Balkan sind meistens Sunniten.

Der Iran ist der einzige schiitische Staat. Der Iran hat unter dem amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad Großmachtgelüste im arabischen Raum, was auch nicht ganz ungefährlich ist. Was aber machen wir, wenn der Iran tatsächlich die Atombombe hat? Wer an Frieden und westliche Demokratien im arabischen Raum glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Eher besteht die Gefahr einer mittelbaren Kolonialisierung durch die Hintertür durch die USA und Großbritannien, wie das in der Historie schon oft genug der Fall war. Natürlich geht es dabei vorrangig um Einfluss in Ölregionen. Die Geschichte scheint sich zu weiderholen.

In Afghanistan sollen die deutschen Truppen bis 2014 abgezogen werden. Bis 2014 dürfen auch die deutschen Soldaten noch an den Weihnachtsmann glauben und denken, dass ihre Mission (welche eigentlich genau?) hernach erfüllt ist. Wenn die deutschen und amerikanischen Soldaten Afghanistan verlassen, entsteht ein neues Machtvakuum, das dann nicht mehr kontrollierbar sein wird. In Pakistan, also wo sich sowohl Talliban als auch El Kaida versammeln, schießt die NATO zuweilen auch mal daneben, was dann Pakistan veranlasst, nicht an der Afghanistan-Konferenz teilzunehmen. Bitte merken: es ist leichter, auf einen Baum herauf zu klettern als ihn wieder zu verlassen. Sprich: der Truppenabzug wird nicht einfach werden und eine Lücke hinterlassen.

In Libyen wurde Gaddafi von der NATO erfolgreich in die Flucht geschlagen; in Syrien, wo ähnliches Gemetzel jetzt täglich passiert und schon über 5000 Menschen den „Freiheitstod“ streben mussten, ziert man sich noch zuzuschlagen, weil Syrien mit dem Iran im Bunde ist und weil – sarkastisch betrachtet – Syrien kaum Öl oder Gas hat. Russland ist mit Syrien und auch dem Iran auch kommerziell verbunden und ist daher gegen einen Militärschlag. Russland und die USA basteln jetzt immerhin an einer gemeinsamen „Lösung“ und man darf gespannt sein, wie diese aussehen wird, wenn Sanktionen nichts mehr bringen.

Aber auch die – angebliche oder tatsächliche Aufbereitung einer Atomanlage – als legitimes Angriffsziel (?) im Iran wird den amerikanischen Gutmesnchen Schwierigkeiten bereiten, zuzuschlagen, und die Welt vor einer atomaren Katastrophe zu bewahren. In jedem Fall wird das Säbelgerassel mit Syrien und dem Iran im nächsten Jahr – auch für die Weltbörsen – spürbar lauter werden. Die Soldaten, die dann wieder in den Krieg ziehen, müssen dann auch wieder an den Weihnachtsmann glauben…

Auch der geplante NATO-Raketenabwehrschirm auf türkischen, polnischen und/oder rumänischen Boden gegen die iranischen Bösewichte ist aus russischer Sicht ein Affront, da dann – angeblich - russische Atomsprengköpfe ausspioniert werden. Der russische NATO-Botschafter betrachtet nun wieder diese Anlagen als legitimes Angriffsziel, da dieses Waffensystem illegal seine und das atomare Gleichgewicht (??) stören. Die logische (?) Folge ist ein neuen „kalter Krieg“ zwischen Russland und der USA, der uns allen im nächsten Jahr zur Unzeit ins Haus stehen könnte und der ziemlich unsinnig ist. Die Russen planen jetzt Kurzstreckenraketen mit Atomsprengköpfen in Kaliningrad zu stationieren, wenn der NATO-Raketenabwehrschirm tatsächlich nächstes Jahr umgesetzt wird. Zuweilen fragt man sich wirklich, was in Politikerköpfen so alles vorgeht und an welchen Weihnachtsmann die eigentlich glauben.

Russland wird jetzt der WTO beitreten, was hoffentlich auch für mehr Öffnung und Transparenz sorgen wird. Aber Russland wird dennoch versuchen, die eigenen (Macht-) Interessen durchzusetzen, wie das jeder Politiker in jedem Land machen würde. Russland und den USA geht es um knallharte Machinteressen. Ein konstruktiver Dialog ist aber jedem Säbelgerassel vorzuziehen, sonst kann es in der Weltgemeinschaft schnell sehr frostig und ungemütlich werden. Immerhin will Russland die EU aus wohlverstandenen Eigeninteresse 20 Mrd. USD in den EU-Topf zahlen, was Brüssel gerne hört. Medwedew spielt damit auch gerne den Weihnachtsmann und bringt zur Weihnachtszeit überraschende Geschenke.

In Russland selbst werden zunehmend Wutbürger zu Mutbürgern und gehen massenhaft auf die Straße, um gegen Putin und gegen die Wahlmanipulationen zu demonstrieren. Dort ist das Weihnachtsfest zwar erst am 6. Januar, aber die Russen wollen sich auch nicht mehr für dumm verkaufen und trauen der russischen Rochade Medwedew/Putin nicht mehr so wie zuvor. In Russland wird am 4. März 2012 ein neuer Präsident gewählt und es besteht wohl kein Zweifel, dass dieser dann Putin heißen wird. Die nächste Amtszeit wird für ihn aber nicht einfach werden, da sich die Zeiten ändern und das Umfeld rauer wird. Es wird die Zeit kommen, wo Russland allmählich erwachsen wird und nicht mehr an den von Medien geschaffenen Weihnachtsmann glaubt.

Wenn es dann klar wird, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, gibt es zunächst Verwirrung und vielleicht auch eine Enttäuschung. Aber das gleiche erleben wir im Moment weltweit. Es gibt weltweit Vertrauenskrisen und Glaubwürdigkeitsdefizite, weil es Menschen gibt, die schon mit einer Notlüge aufgewachsen sind und weil es unmenschlich ist zu glauben, dass man päpstlicher als der Papst selbst sein kann. Also ist an allem Elend letztendlich doch der Weihnachtsmann schuld.

Da gibt es einen Bundespräsidenten Christian Wulf (Christian kommt von christlich..!?), der nun mit einer alten Geschichte eines privaten Kredites über 500.000 € konfrontiert wird, was er hätte sagen und nicht verschweigen müssen. Nun ist er ebenso in erklärungsnot, wie ein Erwachsener, der seinem Kind irgendwann erklären muss, dass es den Weihnachtsmann in Wirklichkeit gar nicht gibt. Notlügen helfen da wenig, denn an Bundespräsidenten werden andere Maßstäbe gesetzt als an den Normalbürger, denn er muss auch in der Moral und Ethik ein Vorbild für alle sein. Wenn nicht er, wer dann – außer dem Weihnachtsmann? Dabei muss er täglich den Weihnachtsmann spielen, also den Gutmenschen und er muss Vorbild auch als moralische Instanz sein. Nach dem Motto: Wie sollen wir kleine Bürger uns richtig verhalten und uns an Regeln des Anstandes halten, wenn es schon nicht der Bundespräsident macht?

Auch die FDP befindet sich in einer Vertrauen- und- Glaubwürdigkeitskrise, da keiner so genau weiß, wofür die Partei jetzt mit einer Stimme kämpft. Rösler konnte sich zwar knapp beim FDP-Mitgliederentscheid mit nur 54% der Stimmen mit dem EFSF durchsetzen, aber die Partei bleibt zumindest in dieser Sachfrage gespalten. Man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass sie sich spalten will und keine liberale Kraft mehr ist. Was ein Komma so alles ausmachen kann: Aus 18% wurden nun 1,8%! Wer sollen den nun in der FDP den Weihnachtmann spielen, an den alle glauben, bis der nächste Skandal das schöne Bild einer heilen Welt zunichtemacht? Es ist wäre zwar wünschenswert, dass es noch Verfechter einer liberalen Marktwirtschaft gibt, aber es sieht so aus, dass die Piraten die FDP 2013 aus den Bundestag jagen werden. Die FDP als liberale kraft schwindet zur Bedeutungslosigkeit, weil jetzt eine solidarische Marktwirtschaft und nicht eine liberale Marktwirtschaft der alten Mach(t)art brauchen. Uns fehlen auch glaub- du vertrauenswürdige Politiker mit Charisma und mit einem breiten Kreuz, nicht nur in der FDP.

Beste Negativ-Beispiele: Karl-Theodor zu „Gutenberg-Plag“ ist in diesem Jahr der Oberweihnachtsmann, der am besten bei der Doktorarbeit (und auch sonst) abgeschrieben hat, was hernach aber nach dem Aufdecken des „copy and pace“ zu einer Glaubwürdigkeits- und Vertrauenskrise führte, nur nicht bei ihm selbst. Dominique Strauss-Kahn sorgte auch nicht für Vertrauen beim IWF und allen Bürgern als er sich sexuell nicht unter Kontrolle hatte. Auch das sorgt für Vertrauen- und Glaubwürdigkeitsdefizite, denn ursprünglich wollte er auch als neuer Präsident Frankreichs kandidieren. Das blieb Frankreich nun erspart. Berlusconi war der Prototyp der Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise bei Politikern schlechthin mit seinem Bunga Bunga-Politik-Stil.

Kein Wunder, dass da die Jugend immer unpolitischer wird und der Politik-Frust zunimmt, wovon wiederum einer nichtsagenden Piratenpartei ohne Programm profitiert, was immer noch besser ist, als ein Abdriften in nationalistisches Gedankengut. Die Diskussion um Rechtsextremismus wird dennoch zunehmen. Die Nichtwähler werden wohl demnächst die Mehrheit stellen, was auch nicht für eine starke Demokratie zeugt. In Griechenland hätte die Demokratie fast zum Bruch des Euros geführt, was nur knapp verhindert wurde. Auch die Demokratie steckt vielerorts in einer Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise.

Der gesamte Energiesektor befindet sich in einer Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise, nicht erst seit dem Super-Gau in Japan. Japan und China bauen weiter Atomkraftwerke und sorgen damit nicht gerade für Vertrauen. In Deutschland gehen Solarunternehmen pleite und keiner weiß in Deutschland, ob die Energiewende ohne gewaltigen Aufpreis möglich sein wird. Auch die Klimawandelverfechter wissen jetzt nicht so recht weiter, da Kanada nicht mitmacht. An China und die USA kann man ohnehin nicht mehr glauben, dass es hier zu einer Kehrtwende kommt. Wachstum geht vor allem, was auch so ein Weihnachtsmärchen ist.

Die Marktwirtschaft selbst befindet sich in einer Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise, kurz in einer handfesten Systemkrise. EZB-Chef Draghi und IWF-Chef Lagarde warnen beide vor einer schweren Rezession oder sogar einer Depression in den nächsten beiden Jahren. Machen wir uns also auf einiges gefasst. Es kommt schon jetzt zu einer Vertrauenskrise, weil die Werte wie Risiko, Haftung und Eigenverantwortung nicht beachtet wurden bzw. nicht im Gleichklang waren. Für mich hat der Kommunismus ausgesorgt, aber der Kapitalismus scheint sich jetzt auch selbst zerstören zu wollen. Die marktwirtschaftlichen Kräfte scheinen nichtn mehr so recht zu funktionieren, weil es zu viele falsche Weihnachtsmänner (=Politiker) gibt, die viel versprechen, aber nichts halten. Die Reichen werden immer reicher und die Armen relativ immer ärmer. Was wir jetzt brauchen, ist nicht nur eine soziale Marktwirtschaft, die demnächst keiner mehr bezahlen kann, sondern auch eine solidarische Marktwirtschaft – auch in der EU, aber dann sind wir schon wieder beim Weihnachtsmann, den es in Wirklichkeit nicht gibt, sondern nur als Symbolfigur. Hier muss man schon Visionen, Leitideen, Träumen, Märchen und harten Realitäten unterscheiden.

Auch dass die Verschuldung durch immer neue Schulden zurückbezahlt werden kann, ist ein Weihnachtsmärchen, dessen Wahrheitsgehalt im nächsten Jahr auf dem Prüfstand steht. Natürlich kann man ein Kind in der ersten Klasse erzählen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Man kann die Illusion aber noch 1-2 Jahre hinausschieben. Das ändert nichts daran, dass die bittere Wahrheit irgendwann für das ahnungslose Kind ans Licht kommt. Genau das geschieht im Moment mit dem EFSF und dem ESM, an denen einige FDP-Politiker nicht glauben. Einige Politiker wollen aber Zeit gewinnen, nur wird die harte Realität später nur dann noch enttäuschender für alle Bürger.

Einige Politiker verkünden jetzt das Weihnachtsmärchen, dass durch ein Sparprogramm alles wieder ins Lot kommt. Wieso hat Schäuble dann schon wieder ein hohes Haushaltsbilanzdefizit nach einem angeblichen Aufschwung XXL eingeplant, wenn alle doch einen ausgeglichenen Haushalt wollen? Das ist ein Widerspruch in sich. Wieso kann ein Finanzminister nicht endlich einmal einen ausgeglichen Haushalt einplanen und hernach lieber Überschüsse erzielen als umgekehrt. Damit versündigt sich jeder Finanzminister an der Nachfolgegenration und die Bevölkerung geht beim fortgesetzten Schuldenmachen nicht auf die Straße, sondern lässt sich gerne das Weihnachtsmärchen vom Sparen und wachsen und späteren zurückzahlen noch einmal erzählen. Insofern sind wir alle noch ahnungslose Kinder, die nichts begreifen (wollen), sondern lieber an den Weihnachachsmann und die heile Welt des perpetuum mobile bei der Verschuldung glauben. Ein Eurobond würde die Verschuldung auch noch mehr erhöhen, was die falsche Maßnahme wäre.

Ich glaube nicht an diese Weihnachtsmärchen, denn es wär zu schön, um wahr zu sein. Stattdessen werden in den nächsten beiden Jahren harte Realitäten aufgetischt, mit denen wir dann alle irgendwie klar kommen müssen. Die harten Realitäten heißem erst Deflation (auch diverser Assetklassen) und dann Inflation. Zumindest ist das ein mögliches Szenario, da die unendliche Geschichte der Schuldenmacherei, die übrigens so alt ist, solange es Menschen gibt, ans Tageslicht kommt. Der Mensch hat leider in 2000 Jahren nichts dazugelernt, denn schon vor Christus gab es von Schulden zerrüttete Staaten, wobei damals Kriege die Staatskassen oft auffraßen. Heute sind es die Sozialausgaben und Rüstungsetats sowei die Zinsen für Schulden. Auch Rom ging wegen Überschuldung schon einmal unter und jetzt sieht es in Italien ähnlich schlecht aus.

Allen Bürgern werden demnächst mehr Realitätssinn abverlangt und den Börsianern auch. Auch Banken und Börsen befinden sich in einer hausgemachten Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise. „Occupy Wall Street“ ist eine erste Stufe der Reaktion darauf. Weitere Stufen werden folgen. Die systemischen Banken brauchen mehr Eigenkapital und sollen nicht mehr in fremden Gewässern fischen. Im nächsten Jahr besteht die große Gefahr einer Kreditklemme; deswegen wird die EZB weiter stand by sein, um mit Niedrigstzinsen und Liquidität die systemischen Banken zu stützen. Die Rating-Keule wird bei den Banken dennoch weiter geschwungen, zuletzt von Fitch auch bei der Deutsche Bank AG. Insgesamt wurden diesen Wochen weitere 16 europäische Banken heruntergestuft, wobei besonders spanischen Banken gefährdet sind. Den Stresstest haben nur wenige Banken bestanden. Die Banken brauchen mehr Kapital.

Das Hauptproblem im nächsten Jahr wird die Refinanzierung von europäischen Hochzinsanleihen und Bankanleihen werden. Der Commerzbank fehlen 5 Mrd € und ist selbst nur etwas über 5 Mrd € wert. Wer glaubt noch an die Co-Bank? Es wird demnächst wohl mehr bad banks als Banken geben. Die EZB mutiert jetzt selbst zur bad bank. Auch die Banken trauen sich nicht mehr untereinander. Aber sie glauben alle noch an den Weihnachtsmann. EZB, der Geldgeschenke ohne Gegenleistung verteilt.

Oder werden jetzt die „Bankster“ selbst zu Gutmenschen, also zu Weihnachtsmännern? 9% Eigenkapital ist auch wieder so eine Zahl, die aus der Luft gegriffen ist und an die zunächst mal glauben sollen, dass dann alles gut wird. Es gibt Tricks, wie man dann trotzdem hebeln kann. Das lernen die Politiker beim EFSF jetzt auch gerade. Ich habe hier an dieser Stelle schon viele Vorschläge gemacht, wie man hier Besserungen im Finanzsektor herbeiführen kann. Eine Finanzmarkttransaktionssteuer wird nicht viel erbringen.

Aber nackte Optionen und Futuregeschäfte sollten/könnten im Gewinnfall höher besteuert werden, ebenso der Hochfrequenzhandel und ungedeckte Leerverkäufe. Auch bei den Boni der Investmentbanker kann man höhere Steuern rechtfertigen ebenso wie bei den Gewinnen von Investmentbanken, wenn sie keine Arbeitsplätze schaffen. Die Banken müssen in der Tat mehr beteiligt werden bei den notwendigen Abschreibungen, denn sie haben eine Mitverantwortung als Kreditgeber. Es ist auch ein Unding, das Kreditversicherungen (CDS) gehandelt werden können, ohne diese zu besitzen. Hier heißt es back to the roots, sonst verlieren die Banken nicht nur ihre „guten“ Ruf, sondern auch das Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Die südeuropäischen Länder müssen aber auch Strukturreform durchbringen, was nicht einfach sein wird. Die Kredite werden nur noch sehr zögerlich, wenn überhaupt, von Banken vergeben, um dadurch das Eigenkapital zu erhöhen. Das nennt man dann Gesundschrumpfen.

Aber Vorsicht: es darf die Daumenschraube nicht zu stark angezogen werden und es darf keine Kreditklemme geben, denn dann gibt es keine Investitionen und ohne Investitionen gibt es eine Rezession oder sogar Depression. Achtung: bei der nächsten Rezession klappt die Schuldenfalle zu und dann sind wir nicht weit vor einer Währungsreform.

Auch die westlichen Demokratien, insbesondre die angeblichen Musterschüler einer Demokratie, befinden sich in einer handfesten Vertrauen- und Glaubwürdigkeitskrise. Wenn junge Leute keine Berufsperspektive trotz guter Ausbildung haben, stimmt nicht was mit dem System. Wenn alte Leute überhaupt keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, stimmt erst recht nicht etwas mit dem System. Wie soll dann aber eine Rente mit 69 durchgesetzt werden, wenn es immer weniger Arbeitsplätze für Alte gibt? Wir brauchen endliche eine aktive Arbeitsvermittlung für Senioren, die demnächst die Mehrheit bilden werden. Da es das nicht flächendeckend gibt, wird es später noch mehr alle Arbeitslose Pre-Rentner geben, die dann vielleicht mit den jungen auf die Straße gehen, um ihre Rechte auf Arbeit einzufordern,

Ich vermisse hier in der Schule und an der Uni das Fach Wirtschafts-Ethik als Pflichtfach. In der Schule wird der Konkurrenzkampf erprobt, nicht aber das Erleben einer Solidargemeinschaft. Wie soll das dann später bei Politkern im Euroraum funktionieren, also bei den erwachsenen Kindern? Das kann gar nicht funktionieren, weil wir es gar nicht gelernt haben, zu geben, sondern nur zu nehmen, wie die kleinen Kinder vom Weihnachtsmann, denen man das aber noch gerne zubilligt.

Zudem werden die jungen Leute heute mehr zu unpolitischen Cyber-Menschen (ausgebildet), was nicht gerade förderlich für eine lebendige Demokratie ist. Wenn man auch in Russland „so früh“ keine Demokratie erwarten kann, so kann es gut sein, dass die Demokratie in den nächsten Jahren mehr auf den Straßen - und das nicht immer gewaltlos - und/oder im Internet als den Wahlurnen stattfinden wird. Auch den einen oder anderen Rechtsrutsch werden wir erleben und durchleiden müssen, ebenso wie Terrorattacken von außen, die keine Demokratie gelernt haben.

Ob die demokratischen Bewegungen im arabischen Raum, sprich der „arabische Frühling, zu einer funktionierenden Demokratie hinführen und wer dort letztendlich das islamische Machtvakuum füllen wird, muss abgewartet werden. Auch in arabischen Ländern dürfte es bald zu der ernüchternden Erkenntnis kommen, dass alleine der Gang zur Wahlurne keinen zusätzlichen Wohlstand bringt. Sprich: auch dort sollte am nicht an den Weihnachtmann glauben. Die harten Fakten wie Jugendarbeitslosigkeit und -perspektivlosigkeit kommen schnell genug auch auf die neuen Regierungen welcher Couleur auch immer zu. Auch hier brauchen wir eine solidarische Marktwirtschaft, aber die gibt es noch nicht. Vielleicht gibt es sie notgedrungen nach dem nächsten heftigen Crash und/oder einer Währungsreform. Vorher aber nicht. Der Geist muss sich ändern, sonst ändert sich nichts. Es kann zu notgedrungenen Paradigmawechsel und neuen radikalen Einsichten kommen, was für manche sehr schmerzhaft sein wird.

Auch der Euro befindet sich in einer hausgemachten Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise. Damals dachte man noch, dass man mit dem Appell an die Einhaltung von Stabilitätskriterien wie die Maastricht-Kriterien einen stabilen Euro erreichen könnte. Man glaubte also an den Weihnachtsmann. Da die raue Wirklichkeit von der Wirtschaftskraft stark divergierender Länder ganz anders aussah, gibt es nun endlich unter dem Druck der „PIGS-Krise neue Einsichten, nur in England (noch) nicht. Wenn keiner tatsächlich mit der Rute beim Sündigen (=zu starken verschulden) bestraft wird, kann man weiter munter sündigen und sich zu Lasten der Solidargemeinschaft lustig verschulden bis der Punkt kommt, wo alle erkennen, dass dies auf Dauer nicht funktionieren kann. Jetzt versuchen „Markozy“ (Merkel +Srakozy“) die Geburtsfehler des Euros nachzubessern - warum eigentlich nicht schon früher, sondern immer nur unter Druck? -, wobei nur 17-6 mitmachen und einige schon ausscheren. Auch ein harmonisches oder gar solidarisch vereintes Europa in Krisenzeiten ist so eine Weihnachtsgeschichte, an die man als naives Kind gerne glauben soll, aber als Erwachsener auch?

Die diametralen Kräfte in Europa nehmen jetzt zu und die zentrifugalen Kräfte schwinden zunehmend in dem Euroraum. England ist faktisch schon ausgeschert; es werden weitere folgen (müssen), es sei denn, sie glauben an den Weihnachtsmann. Der Weihnachtsengel „Angel“ Merkel will jetzt also mit Sarkozy die Geburtsfehler des Euros vertraglich beseitigen und ein Europäischer Gerichtshof soll demnächst den Weihnachtsmann mit der Rute spielen. Auch das sind aber nur Absichtserklärungen, die zwar gut gedacht sind und zumindest in die richtige Richtung gehen, aber zum einen zu spät kommen und zum anderen später wahrscheinlich ohnehin nicht eingehalten werden; es bleibt also eine Weihnachtsgeschichte, deren bittere Wahrheit früher an den Tagen kommen wird als es den Politkern lieb ist.

Kann man der FED und der EZB noch vertrauen, wenn sie permanent Geld drucken und notgedrungen Schrottanleihen aufkaufen. Die Geldmengen steigen enorm. Die EZB darf keine Fiskalpolitik betreiben, macht es aber. Die Unabhängigkeit der EZB ist in Gefahr. Auch hier sind also Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrisen schon deutlich erkennbar.

Alt-Präsident Chirac ist überraschend zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er in seiner Amtszeit als Pariser Bürgermeister an Freunde Posten vergeben hatte, die es gar nicht gab. Korruption ist also auch in Frankreich kein Fremdwort, das wissen auch Total und die ostdeutschen Raffinerien. Auch mangelte es also an Vertrauen und Glaubwürdigkeit schon lange. Auch Frankreich könnte durch den hohen Anteil an islamischen Mitbürgern zum Pulverfass werden. London brannte schon in diesem Jahr; Paris könnte folgen. Zunächst könnet Sarkozy im nächsten Jahr abgewählt werden und dann ist auch das – halbwegs - eingespielte Tandem „Markozy“ beendet. Aber was kommt dann? Es entsteht gerade ein neuer Thriller „the day after.“

Noch ist der Euro relativ stabil. Wenn aber keiner mehr an die eigene Währung glaubt – noch ist es gottlos noch nicht soweit - dann gibt es entweder einen Bankenrun wie unlängst im Lettland, wo ein Twittergerüchte, die Swedbank sei Pleite, zu einem Sturm auf die Bankautomaten führte, oder es gibt eine Hyper-Inflation. Beides ist ab dem Jahr 2013 (oder später) möglich. Im nächsten Jahr noch nicht, da wir dann alle noch an den Weihnachtsmann glauben und durch Politiker-Schönreden und gemeinsame Verabredungen auch mit dem Medien eine Illusion aufrecht erhalten bleibt. So durfte im Jahr 2009 das Wort Währungsreform nicht gedruckt werden, da es sonst Panik auslösen würde. Insofern ist es besser, dass wir erwachsene Börsianer noch eine Zeitlang an den Weihnachtsmann glauben, damit es noch einen geordneten Rückzug (wohin?) geben kann. Auch in Griechenland spielt man auf Zeit, glaubt noch an den Weihnachtsmann und damit an eine geordnete Insolvenz – nur wie? Italien geht es ähnlich.

Den Rating-Agenturen kommt dann die unangenehme Aufgabe zu, der Bevölkerung und auch den Politikern zu erklären, dass es gar keinen Weihnachtsmann gibt. Sie sind aber nicht schuld daran, da es keinen Weihnachtsmann gibt. Allerdings erhalten sie in den USA und in Großbritannien aus Eigeninteressen den Schein aufrecht, dass es einen Weihnachtsmann doch gibt, schließlich hat ihn der allgegenwärtige „Gott“ Coca Cola auch erfunden. Den Weihnachtsmann hätte aber auch Politiker erfunden haben können

Wenn dann alle erkennen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, ist man zunächst als erwachsenes Kind ratlos, Aber auch dann geht das Leben weiter und vielleicht sogar besser als zuvor.

Fazit: Wir brauchen wieder mehr vertrauens- und glaubwürdige, ehrenhafte verantwortungsbewusste Politiker, Banker und Manager mit glaubhaften und vertrauenswürdigen Konzepten, also echte ehrenhafte Hamburger Kaufleute, und wir brauchen mehr gelebte Solidarität unter den Bürgern – nicht nur zur Weihnachtszeit ! -, sonst wird es mit der Börse, der Marktwirtschaft und der Demokratie weiter bergab gehen. Wir stehen heute schon vor dem Abgrund, aber morgen sind wir schon einen Schritt weiter…!

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Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Eine sonst fast obligatorische Jahresend- oder anfangsrallye ist nicht sicher. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV+Radio-Hinweise. Beim letzten TV-Interview am 23. November 2011 im DAF (www.anleger-fernsehen.de) wurde im Börsentalk mit Dr. Jünemann von Männicke auch ein neuer Vorschlag zur Rettung des Euros unterbreitet. Die letzten TV- und Radio-Interviews von Andreas Männicke im September 2011 im DAF, NTV/Telebörse und Deutsche Welle (auf Russisch) können Sie jetzt unter www.eastsstock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

Mein letzter Tipp: Schenken Sie zur Weihnachtszeit das kostbarste, was es auf der Welt gibt: Ihre Zeit und üben Sie schon einmal im engsten Familienkreis so etwas wie Solidarität und Harmonie. Wenn das jedem gelingt, wäre die Welt reichlich beschenkt. Dann gibt es vielleicht doch den Weihnachtsmann!

Was sind Ihre Wünsche und guten Vorsätze für das nächste Jahr und wie sehen Sie das nächste Jahr? Werden Sie wieder aktiver (nicht nur an der Börse) und interaktiver und schreiben Sie mir Ihre Weihnachtsgeschichte.

I´m dreaming of a white Christmas and a better world in 2012. In diesem Sinne frohe, besinnliche, harmonische, stressfreie und friedvolle Weihnachten Ihr Andreas Männicke

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