Berichtsaison sorgt für Bewegung – zunächst nach unten!

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Sonntag, 17. Januar 2010 16:47:00

Die Berichtssaison begann Alcoa am 11. Januar mit einem Dämpfer. Die Umstrukturierungskosten des von dem ehemaligen Siemens-Chef geleitetet Rohstoffkonzerns mit 275 Mio USD höher als erwartet. Nach einem Gewinn von 73 Mio. USD im 3. Quartal war der Verlust in Höhe von 266 Mio USD im 4. Quartal weit mehr als erwartet. Auch die Zahlen von JPMorgan konnten nicht überzeugen, obwohl die Zahlen recht solide Gewinne auswiesen. Die Einnahmen waren allerdings geringer als erwartet und JP Morgan musste Rückstellungen in Höhe von 4,2 Mrd. USD bilden, was wiederum Zukunftsängste im Finanzsektor schürte. Zudem belasteten auch Konjunkturzahlen aus den USA.

Die Börsen reagierten verschnupft und gingen am Freitag auf Talfahrt. Der DAX gab um 1,89 Prozent auf 5 875 Punkte nach, was ein Wochenminus von 2,67 Prozent bedeutete. Nach dem schwachen Wochenausklang endete der deutsche Leitindex auf dem tiefsten Stand seit dem 18. Dezember 2009. Der Dow Jones sank um 0,9% auf 10.609 Indexpunkte und der S&P-Index um 1,08% auf 1136 Indexpunkte. Der Ölpreis korrigierte in der letzten Woche nach der Rallye scharf von 83 auf 79 USD. Gold stieg in der letzten Woche auf 1060 USD/Unze, um dann wieder auf 1030 USD/Unze zu konsolidieren. Angeblich will China die restlichen 200 Mio Tonnen Gold vom IWF aufkaufen.

Wie im letzten Jahr werden nun mit Spannung die Quartalsergebnisse des 4. Quartals 2009 und damit meistens verbunden die Aussichten für dieses Jahr erwartet. Das letzte Jahr war bereits bemerkenswert: trotz miserabler Konjunkturdaten starten die Börse ab März durch. Das BSP verminderte sich in Deutschland im letzten Jahr um 5%, In Russland sogar um 8,8%. Bei beiden Ländern wird wie auch bei den meisten Industrieländern wieder ein Wachstum erwartet. Dennoch kann s auch zu Konjunkturenttäuschungen kommen. Das starke Wachstum in China ist kreditfinanziert, was immer die Gefahr eines Rückschlags in sich birgt. Die Exporte von China stiegen im Dezember um 17,7% zum Vorjahr, was der erste Anstieg seit 14 Monaten war. Die Importe stiegen aber um 55,9% an, worauf auch zu dem starke Anstieg der Metalle zurückzuführen war.

Der Jahresauftakt war damit in den ersten beiden Wochen ähnlich wie im letzten Jahr. Die erste Woche war positiv: es wurde an der Wall Street und auch den meisten anderen Weltbörsen neue 12 Monats-Hochs erreicht, die zweite Woche war durch Gewinnmitnahmen geprägt. Daisy schadet vor allem der Bauwirtschaft. In Deutschland wird daher das BSP wahrscheinlich nur um 0,1% anstelle der erwarteten 0,5% wachsen. 80.000 Arbeitslose in den USA im Dezember 2009 zeugen noch nicht von einem Konjunkturaufschwung. In Tschechien gab es 30.000 neue Arbeitslose, was einen Wahlsieg der regierenden ODS bei den nächsten Parlamentswahlen immer unwahrscheinlicher werden lässt. In den USA gingen letzte Woche 3 weitere Banken Pleite, wobei für eine Bank noch kein Aufkäufer gefunden wurde.

Eine Zinserhöhung ist in diesem Umfeld unwahrscheinlich. Ich rechne erst in der zweiten Jahreshälfte mit Zinserhöhungen bei der EZB und der FED. In Tschechien wurde zuletzt sogar der Zinssatz auf 1% gesenkt. Dennoch werden Zinsdiskussionen in diesem Jahr nachhaltig Anlageentscheidungen beeinflussen. Noch ist aber genug Kapital da. Auch M&A werden kursrelevant wie zuletzt die geplante Übernahme des Augenspezialisten Alcon für 28 Mrd. USD. Am 29. Januar wird mit Spannung das IPO des größten Aluminiumkonzerns der Welt RuSal aus Russland an der Hongkonger Börse erwartet. Ein IPO-Erfolg würde sich positiv auf die Moskauer Börse auswirken. Bis jetzt ist das Interesse an RuSal aufgrund der hohen Schulden aber nicht allzu groß.

Im Gegensatz zu den Westbörsen hatten die meisten Ostbörsen in der letzten Woche einen guten Verlauf und schlossen im Plus. Damit konnten die meisten Ostbörsen den DAX wieder einmal outperformen. So stieg der SETX (für Südosteuropa) um 2,2% auf 1.238 Punkte, der tschechische CTX (Tschechien) um 4% auf 1.836 Punkte, der HTX (Ungarn) um 2,2% auf 3.955 Punkte. der PTX Index (Polen) um 1,6% auf 1.332 Punkte , der PFTS Index (Ukraine) um 5,2% auf 622 Punkte und der KASE Index (Kasachstan) um 2,7% auf 1.934 Punkte. Mein Motto bleibt daher „Go East!“ – es muss dabei nicht ganz nach Asien, sondern nach Osteuropa gehen. Besuchen sie jetzt zum Beispiel Prag im Winter (hat auch seine Reize), denn die Hotelpreise sind auch ohne MWST-Reduzierung dort enorm günstig geworden, wie ich mich letzte Woche persönlich davon überzeigen konnte.

Die Moskauer Börse startete am 11. Januar nach den Weihnachtsferien mit einem Plus von 8,3% auf 1663 Indexpunkte beim RTS-Index. Damit zählt die Moskauer Börse wie schon im Vorjahr gleich wieder zu den Spitzenreitern unter den Weltbörsen. Gefragt waren vor allem Metallunternehmen, nachdem Putin nun auch eine Abwrackprämie in Russland einführen will. Der auf 78 USD/Barrel nachgebende Ölpreis belastete jedoch zum Wochenschluss. Am Freitag schloss er RTS-Index mit einem Minus von nur 0,1%% bei 1559 Indexpunkten. Ich rechne in der nächsten Woche mit Korrekturen durch Gewinnmitnahmen, was dann aber auch wieder gute Einstiegskurse bilden könnten. Falls der DAX unter 5800 Indexpunkte fallen sollte, dürfte es auch stärkere Korrekturen in Deutschland geben. Trader sollten knappe Stopp-loss-Marken beachten, zumal dann auch in den nächsten Tagen Trendbrüche an anderen Weltbörsen drohen.

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Radio-Hinweis: Andreas Männicke wird am 22 Januar 2010 in der Deutschen Welle im Radio über die Aussichten der Moskauer Börse befragt, Sie können sich das Interview über podcast runterladen unter www.dw-world.de (auf russisch) runterladen.

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