„Bärmarktrallye“ oder Trendwende bei Aktien und Rohstoffen?

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Sonntag, 14. Juni 2009 20:33:00

Während die von mir favorisierten „BRIC-Börsen“ jetzt schon alle über 50% in diesem Jahr zulegen konnten, war die Performance von den großen Weltbörsen wie New York, London oder eher ernüchternd, denn selbst nach der Rallye blieb nur ein kleines Plus seit Jahresbeginn übrig. Nach der fulminanten Frühjahrsrallye, die immerhin sowohl den deutschen als auch dem amerikanischen Aktienmarkt im Durchschnitt um über 30% seit März anstiegen ließ, fragen sich die Marktteilnehmen immer noch, ob dies nun eine Bärmarktrallye oder schon der Beginn einer Trendwende war. Die Beantwortung dieser Kardinalfrage hängt davon ab, wie man zu einen die fundamentalen Daten, die Frühindikatoren und die Markttechnik interpretiert. Dabei kann man die gleiche Kardinalfrage an einigen Rohstoffmärkten stellen wie zum Beispiel den Ölpreis. Auch der Ölpreis verdoppelte sich seit dem Tief im Februar von 35 auf über 72 USD/Barrel. Ist dies nun auch beim Ölpreis de Beginn einer Trendwende oder nur einer Zwischenrallye mit abschließendem Absturz? Zuletzt stieg der Ölpreis auf 73 USD/Barrel ohne erkennbare Gründe wieder auf 73 USD/Barrel, wovon vor allem Ölwerte profitierten. Der Ölpreis stieg auch im letzten Jahr bis zum Sommer auf 150 USD/Barrel rasant an.

Um es vorwegzunehmen: es gibt für beide Richtungen immer noch genügend Pro und Contra-Argumente, so dass eine Prognose immer noch schwerfällt. Für de Beginn einer Trendwende am Aktienmarkt (und auch bei den Rohstoffmärkten) sprechen eine ganze Reihe von Stimmungsindikatoren und Frühindikatoren, die sich entweder auf niedrigem Niveau stabilisieren oder auch schon nach oben drehen. Apropos „niedriges Niveau“: auch dieses sollte der Anleger relativieren, da es sich meistens um ein Absturz auf das das Niveau 2002 bis 2004 handelt, was zwar ein Post-Krisenszenario nach dem Horrorjahr 2001 war, aber es gab auch schon viel tiefere Notierungen. So war der Ölpreis bei der Asienkrise 1998 bei 10 USD/Barrel im Tief, so dass ein Ölpreis von 50 USD/Barrel noch eine Verfünffachung bedeutet. Auch hier sollte der Anleger die Peak Oil-Theorie berücksichtigen die mittelfristig zu steigende Preisen führen könnte, nämlich dann wenn die Produktion weiter rückläufig und die China/Indiennachfrage allmählich anzieht bleibt. Der Kupferpreis gilt als Frühindikator für die Industrie.

Er hat sich von 3000 auf über 5000 USD (exakt 5222 USD/Tonne) erholt, wovon auch osteuropäische Kupferwerte wie Kazakhyms aus Kasachstan und KGHM aus Polen mit starken Kursteigerungen profitierten (Kazakhyms hat sich schon vervierfacht seit März). China fragte wieder mehr Kupfer nach, während die Nachfrage nach Stahl auf niedrigem Niveau stagniert. Die Chinanachfrage wird auch in Zukunft maßgeblich für die Rohstoffpreise sein, da die USA als großer Impulsgeber ausfällt.

Der Goldpreis, der fälschlicherweise immer als Frühwarnindikator für eine kommende Krise zitiert wird, pendelt zwischen 900 und 1000 USD/Barrel seit über 1 Jahr. Zuletzt fiel er auf 937 USD/Unze, obwohl sich der Dollar bei 1,40 EUR/USD stabilisierte, nachdem der Dollar zuvor sehr schwach war. Gold ist also auch nicht der „große Krisengewinner“ und schon gar nicht ein geeigneter Hedge, um Aktienkursverluste auszugleichen. Erst bei über 1000 USD/Unze dürfte er kräftig ansteigen. Der Goldpreis stieg ohne Krise in den Jahren 2002 bis 2008 wesentlich stärker an. Er vervierfachte sich von 250 auf 1000 USD/Unze. Jetzt bewegt er sich seit 1 Jahr bei der größten Krise der Nachkriegzeit seitwärts. Das besagt im Grunde schon alles.

Viel Beachtung findet jetzt der Baltic Dry Index für Charterraten, der sich zuletzt von 1800 auf 3809 Punkte mehr als verdoppelt hat und seit dem Tief Ende 2008 mehr als verdreifacht hat. Die Charterraten ziehen also wieder an, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend. Anfang letzten Jahres befand sich der Baltic Dry Index nach bei über 12000 Punkten. Ein sehr wichtiger Indikator ist (für mich) die Veränderung der Auftragsbestände und -eingänge. So wird auch immer der kumulierte Auftragseingang der deutschen Industrie veröffentlicht. Der Index fiel von 130 auf unter 80 und scheint sich nun bei unter 80 zu stabilisieren, was ein gutes Zeichen ist. Dabei verkürzte sich aber die Zeit, die die Produktion durch den Auftragsbeatstand decken kann von 1 Jahr 6-7 Monaten. Der Index kommt umgekehrt von einem Rekordniveau in 2008 und fiel dann in der 2. Hälfte 2008 wie ein Stein von 120 auf 80. Parallel dazu fiel der DAX von 8000 auf unter 4000 Indexpunkte, um sich nun wieder auf 500 Indexpunkte zu erholen. Zuletzt stieg der vielbeachtete Index der Auftrageingänge wieder auf 81,5 was das Niveau von 2002 bis 2004 war. Gleichzeitig brachen die Exporte im 1. Quartal um ein Drittel ein, so stark wie schon lange nicht mehr. Insofern sollte man auch zwischen Auftragseingängen aus dem Ausland und im Inland unterscheiden. Bei beidem Indikatoren gab es aber ähnliche Entwicklungen (erst stark fallend, jetzt Stabilisierung auf niedrigem Niveau). Eine richtige Erholung der Auftrageingänge startete übrigens erst im Jahr 2007, wobei 2008 die Zunahmen der Auftrageingänge besonders markant waren. Die Börse fing aber schon im Jahr 2003 an zusteigen, was damals eine Trendwende bedeutete. Ich glaube jetzt auch erst einmal an eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau um die 80-er Marke. Ein guter und für Aktienkäufe wesentlicher Frühindikator ist der IFO-Geschäftsklimaindex. Auch hier kann man an eine Stabilisierung auf niedrigem, Niveau, aber noch keine Trendwende ablesen.

Eine entscheidende Größe ist auch der Konsum, wobei das BSP in den USA sogar zu 70% vom Konsum abhängt. Das US-Konsumentenvertrauen war zuletzt erstaunlich stabil und auch in Deutschland ist von einem Konsumeinbruch aufgrund der intakten Sozialsysteme, die aber den Steuerzahler viel Geld kosten, noch nicht zu spüren. Auch das macht Hoffnung, die aber trügerisch sein kann. Durch die Mega-Konjunkturprogramme, die erst jetzt allmählich zu greifen beginnen, werden viele Arbeitsplätze künstlich erhalten. Durch zusätzliche staatliche Anreize wie „Abwrackprämien“ wird kurzfristig der Konsum in einigen Sektoren stabilisiert. Dies ist jedoch nicht nachhaltig. Die meisten Indikatoren reagieren auf Veränderungen von anderen Indikatoren immer mit einer gewissen Zeitverschiebung. So wirkt sich eine Erhöhung der Arbeitslosenquote nicht immer gleich negativ auf den Konsum aus. In den USA stieg die Arbeitslosenquote zuletzt auf 9,4%, wobei sich der Konsum noch recht gut hält. Vor allem Discounter profitieren jetzt nach der erhöhten Nachfrage nach Billigprodukten. So will Wal Mart jetzt sogar 20.0000 Leute einstellen, während andere Konsumunternehmen Mitarbeiter entlassen oder in die Insolvenz gehen wie zuletzt Woolworth und Arcandor.

Zudem gilt es zu beachten, dass die meisten Zahlen und Indikatoren in den Medien zu undifferenziert dargestellt und kommentiert werden. So sind die meisten Zahlen, die aus den USA kommen „geschönte“ Zahlen bzw. mit den Zahlen, die hier berichtet werden, nicht vergleichbar, seien es Arbeitslosenzahlen (in den USA Schätzgrößen anhand von fragwürdigen Geburten-/Sterbetabellen), Inflationszahlen (die Anpassung des Warenkorbes ist entscheidend und oft nicht vergleichbar) oder BSP-Zahlen (in den USA anualisiert „hochgerechnet“ und zudem oft nachkorrigiert, also auch hier nur zunächst Schätzgrößen). Oft genug zitieren auch Politiker Statistiken aus anderen Länder-Zahlen ohne hinreichende Differenzierung vorzunehmen. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Lange Zeit wurde auch die Zinsentwicklung und die Notenbankpolitik als wesentlicher Einflussfaktor für Wirtschaft und Börse betrachtet und jeder Kommentar von „Helikopter-Ben“ mehr Bedeutung zugemessen als der Zinsentscheidung selbst. Möglicherweise ist die US-Notenbank ein Teil eines ausgeklügelten „Plunge Protection Teams“ von Goldman Sachs, JP Morgan & Co, das versucht, eine große Krise in den USA mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abzuwenden. Dabei übt die US-Notenbank selbst Druck auf Entscheidungsträger aus, wie in dem Statement des Ex-Chefs der Bank of America vor dem US-Kongress zum Ausdruck kam. Angeblich machte die Notenbank auch Druck auf die Bank of America, um Merrill Lynch zu übernehmen und damit zu der kritischen Zeit eine Mega-Krise abzuwenden.

Was sich seit Oktober 2008 hinter den Kulissen des US-Finanzmarktes alles abgespielt hat, wird vielleicht in dem einem oder anderen Besteller in Zukunft von einem Insider aufgedeckt werden. Der Wirtschaftskrimi geht aber weiter; er ist noch nicht zu Ende geschrieben. Bloomberg versucht bisher vergeblich, ein wenig Licht in das Dunkel der US-Notenbankpolitik zu bekommen. Ich kann vor allem bis heute nicht verstehen, dass es bis jetzt noch keiner geschafft hat, genau zu beziffern, wie hoch das Volumen des „Giftmülls“ ist, was noch in den Bankbilanzen weltweit lagert. Der IWF ging zuletzt von 4 Billionen USDS aus. Der Vorschlag der Bundesregierung, diesen Banken-Giftmüll 20 Jahre irgendwo auszulagern, ist auch nur eine Übergangslösung ähnlich wie bei dem Giftmüll von Atomkraftwerken. Das Problem soll möglichst zeitlich nach hinten verschoben werden, um Zeit zu gewinnen; es ist damit aber nicht beseitigt. Die Banken müssen wieder rekapitalisiert werden, nur in welchen Umfang konnte auch der gut gemeinte, aber schlecht ausgeführte US-Stresstest nicht aufzeigen. Auch weiß keiner bisher, ob und was der Giftmüll bzw. Finanz-Schrott nun eigentlich wert ist. Wenn er gar nichts mehr wert sein sollte, haben die Banken wiederum nicht genug Eigenkapital, um Kredite vergeben zu können. Die Bankbilanzen schrumpfen dann und daran kann auch keiner gelegen sein, denn nichts ist schädlicher für die Wirtschaft als ein weltweiter "Credit Crunch" (Kreditklemme).

Die Diskussion einer Bad Bank wird uns wohl noch lange beschäftigen, auch wenn einige US-Banken jetzt die Staatshilfen schon wieder zurückgeben wollen. In jedem Fall funktionieren die Geld- und Kreditkreisläufe noch nicht. Man kann weiter von einer Situation „vor Lehman“ und „nach Lehman“ sprechen, die sich gewaltig verändert hat. Einige Aktien sind jetzt zwar schon wieder auf dem Niveau wie vor Lehman (vor allem in China, zum Teil auch in Russland). Die Situation ist aber immer noch als kritisch zu bezeichnen. Ich weiß nur eins: Nach Lehman stimmt keine Bankbilanz mehr, da es keinen „fair value“ für Banken aufgrund der geänderten Abschreibungsmöglichkeiten mehr gibt. Auf der anderen Seite wird es ohne eine Gesundung des Bankenmarktes keine Normalisierung bei Bewertung von Aktienanlagen geben können.

Da die Zinsen nun in den USA, Japan und Europa nahe der Nullgrenze angelangt ist, ist der Handlungsspielraum der Notenbank erschöpft. Der Staat hat ohnehin keinen Handlungsspielraum mehr außer zu sparen, um die Mega-Verschuldung abzubauen. Diese Situation des Prinzips der Hoffnung ist nicht ganz ungefährlich. Ich rechne in den nächsten Monaten/Jahren wieder mit steigenden Zinsen am langen und kurzen Ende wegen steigender Inflationsgefahren. Die Zinsen der US-Staatsanleihen haben sich schon von 2 auf 4% verdoppelt. Der Bund-Future ist auf unter 119 gefallen. Da sind schon erste Warnhinweise für einen möglichen Anleihen-Crash. Wie wird darauf wohl die Börse reagieren? Die EZB denkt (wie immer zur Unzeit) auch schon wieder über Zinserhöhungen nach, sobald sich der Konjunkturhimmel wieder etwas aufhellt. Da die US-Notenbank aber erfinderisch ist, kauft sie nun US-Staatsanleihen auf. Die Risiken und Nebenwirkungen von dem, was jetzt die Notenbanken veranstalten werden, werden erst in einigen Jahren sicht- und fühlbar werden, So war di Geldmengeausweitung durch Greenspan nach dem 11. September 2001 schon eine der Gründe, warum wir in den Jahren 2003-2008 einen Immobilien-, Rohstoff- und last not least Aktienmarktbubble gleichzeitig hatten. Aber immer dann, wenn sich die Finanzwelt allzu stark von der realen Wirtschaft abhebt, wird es scharfe Korrekturen und „Crashs“ geben. Das ist wie ein Naturgesetz. Insofern lohnt sich auch das „Bubble-Trading“, also das Spekulieren auf Blasenbildungen und noch mehr das Spekulieren auf das Platzen der Blase, das oft erst mit einigen Zeitverzögerungen durch künstliche Rettungsmaßnahmen erfolgt.

Was aber wir mit der Geldmengenausweitung passieren, die jetzt Bernanke in seiner akuten Not betreibt. Werden wir in einigen Jahren eine Hyperinflation erleben? Was werden die nächsten "Bubbles" (Blasen) werden, die dann auch wieder irgendwann platzen müssen? Haben wir es jetzt schon mit einem Anleihen-Bubble zu tun? Problematisch ist, dass wir es bei vielen Parametern jetzt um eine „Black box“ handelt. So wurde bei dem US-Bankenstresstest wieder ein Wachstum des BSP von 0,5% im nächsten Jahr ausgegangen. Die anderen beiden wichtigen Parameter des US-Bankenstresstests sind Arbeitslosenquote und die Immobilienpreise, die sich zeitlich verzögert dann auch den Konsum auswirken werden. Auch hier gehen die Meinungen aber weit auseinander.

10 US-Banken wollen jetzt die beanspruchten Staatsgelder schon wieder zurückgeben, darunter auch Goldman Sachs, JP Morgan und Bank of America. Sie wollen sich mit aller Macht wieder aus den Fesseln des Staates befreien, auch um wieder höhere Boni als Manager zu verdienen. Dagegen wird die Citibank wohl noch lange unter dem Staatsschutz bleiben. Falls die US Banken die Gelder zurückzahlen können, wird dies sicherlich kurzfristig eine positive Wirkung auf die Aktienkurse haben, vor allem auf die Spreads bei den Unternehmensanleihen, die immer noch außergewöhnlich hoch sind. In diesem Zusammenhang sollten Anleger auch immer einen Blick auf den ITRAX-Index werfen, der die Spreads, also Risikoprämien, von Unternehmensanleihen aufzeigt. Auch hier war der Index zuletzt deutlich rückläufig (unter 900), was auch die Superfrühjahrsrallye begünstigte.

„Fundis bis Fundamentalisten“, also Analysten, die die Fundamentalanalyse zur Grundlage ihre Entscheidungen machen, haben im Moment einen schweren Stand, da die Gewinne durch Staatseinflüsse und Abschreibungsmethoden verzerrt und zudem schwer prognostizierbar sind. Niedrige KGV aus dem Jahr 2008 sind nur ein grober Hinweis, was das Unternehmen unter normalen ist Umständen (maximal) leisten könnte. Wichtiger und aussagekräftiger als der Buchgewinn ist ohnehin der operative Cash Flow. Welcher Cash Flow aber in der Krise erzielt werden kann, ist schwer bis gar nicht prognostizierbar. Auch die zuletzt wieder stark gestiegenen Rohstoffpreise sind ein zweischneidiges Schwert. Was ist die Kehrseite von steigende Rohstoffpreisen?: Inflationsgefahren und steigende Kosten für Unternehmen, wobei im Moment die Deflationsgefahren immer noch höher einzustufen sind als Inflationsgefahren. Apropos „Fundis und (wahre) Fundamentalisten: Im Iran ist der alte Machthaber, der Hardliner Ahmadinedschad, auch wieder der neue Machthaber und Nordkorea geht auf Konfrontationskurs mit den USA. Nordkorea droht mit Militärgewalt und will neu Atombombe bauen, falls das Waffenembargo gegen Nordkorea weiter Bestand haben sollte. Immerhin haben sich auch Russland und China der UN-Resolution angeschlossen. Pakistan bleibt weiterhin ein Pulverfass und wohl leider auch der Ausgangspunkt weiterer Terroranschläge, die schon jetzt – nicht nur in Pakistan - geplant werden. Achten Sie weiterhin auf mögliche „Black Swans“, also unkalkulierbare Ereignisse, die aber irgendwie in der Luft liegen. So wird im Moment die sich weiter ausweitende Schweinegrippe von der Börse nicht Ernst genommen, obwohl es schon weltweit über 20.000 Infizierte gibt. Die Weltgesundheitsorganisation will die höchste Alarmstufe 6 aussprechen. Bis die Bösre darauf reagiert, wird es lange dauern.

Ich gehe aufgrund der latenten Unsicherheiten aber nach wie vor von einem Trading- und noch nicht von einem Investmentmarkt aus. In Litauen gibt es schon wieder Zahlungsschwierigkeiten bei der Rückzahlung der Anleihen, so dass der IWF erneut aushelfen muss. In Lettland wird eine weitere IWF-Tranche von den Sanierung des Haushalts abhängig gemacht und das zu einer Zeit, wo selbst der US-Haushalt aus den Fugen gerät. Kommt die nächste IWF-Tranche nicht, droht eine Abwertung der Währung. In der Ukraine gibt es große politische Probleme. Im Oktober sind Präsidentschaftswahlen, auch hier hängt die Ukraine weiterhin am Tropf des IWF. Der IWF und auch die EBRD versuchen zu helfen so gut sie können. Wenn es aber jetzt irgendwo zu einem Default kommen sollte, werden die Spreads bei Unternehmensanleihen wieder ausweiten. Dennoch empfehle ich weiter einen Basket von Unternehmensanleihen zu bilden, denn hier sind die Renditen nach wie vor außergewöhnlich hoch. Insbesondere ein Basket von russischen Unternehmensanleihen mit Renditen im zweistelligen Prozentbereich ist vielversprechend. Infos dazu gibt es bei der ESI GmbH (www.eaststock.de).

Eines sollte der Anleger aber in diesem Zusammenhang beachten: die Refinanzierung von Anleihen für Unternehmen ist nach wie vor außergewöhnlich hoch bis unmöglich. In Russland sind die Kreditzinsen jetzt immer noch bei über 20%. Ähnlich verhält es sich in vielen Länden der Welt. Der Ruf nach dem Staat als letzten Rettungsanker wird bei vielen Untenehmen immer lauter. GM und Arcandor sind schon in die Insolvenz gegangen; beide wollen aber aus der Insolvenz als gesunde Unternehmen dann wieder den Markt betreten Dies gelingt nur mit Teilverkäufen, Mitarbeiterentlassungen und mit der Zerschlagung des Konzerns, wobei die gesunden Teile übrig bleiben sollen. Die Gläubiger (und Aktionäre) haben dann meistens das Nachsehen (schlecht für die Halter von Unternehmensanleihen und Aktien in solchen Fällen).

Insgesamt kann man fundamental noch von keiner Trendwende reden. Die BSP-Zahlen und auch die Industrieproduktion sowie der Export sind noch, wo man auch hinschaut, negativ. Immerhin gelang es Polen n och ein Wachstum von 0,8% im 1. Quartal 2008 zu erreichen und auch China wächst weiterhin recht dynamisch. Die Produktionsschätzungen für dieses Jahr und auch für nächstes Jahr werden ständig korrigiert und liegen weit auseinander. Das 1. Quartal 2009 lieferte weltweit mit Ausnahme von China und einigen anderen Ländern (wie Polen) Horror-BSP-Zahlen. In Russland fiel das BSP um 9,5% und die Índustrieproduktion brach im April sogar um 16% ein. Dies konnte aber auch nicht verhindern, dass die Moskauer Börse um über 80% seit Jahresbeginn und um über 100% seit März anstieg. Freilich fielen die Aktien auch im letzten Jahr um über 70%.

Bei allen Erholungstendenzen muss de Anleger aber beachten, von welchem Niveau sie herkommen. Dies gilt auch für BSP–Zahlen. Da es sich in diesem Jahr um in der Nachkriegszeit einmalige Konjunkturexperimente mit einer Mega.-Staatsverschuldung handelt, warne ich davor, allzu schnell wieder auch bei der Aktienprognose – und auswahl zur Normalität zurückkehren zu wollen. Sie sollten aber mit dem Markt gehen und sich nicht gegen ihn stellen Haben Sie keine vorgefasste Meinung zum Markt; dann fällt es Ihnen auch leichter, wenn es angebracht ist, in Liquidität zu gehen. Positiv ist, dass die großen institutionellen Anleger immer noch eine hohe Cashquote und geringe bis gar keine Aktienquote haben. Auch ist der Pessimismus noch stark ausgeprägt, womit es keinen Crash geben kann. Die sollte den Markt weiter stützen. Auf der anderen Seite rechne ich mit steigenden Zinsen vor allem bei Staatsanleihen, was den Aktienmarkt früher oder später wiederum belasten wird.

Die meisten Vermögensverwalter haben sich erst im Mai wieder engagiert und laufen daher von der Performance her dem Markt hinterher. Kaum einer der Vermögensverwalter schaffte seit März ein Plus von über 30%, es sei denn er hatte die BRIC-Länder schwergewichtig mit ins Boot genommen, was ich auch empfehle. Die BRIC-Börsen sind mit einem Plus von jeweils über 50% die am besten performende Börsen der Welt, dabei Moskau sogar plus 80%. Auf den BRIC-Ländern beruhen auch die Hoffungen der Zukunft.

Lassen Sie sich auch in den nächsten Wochen weiterhin auch von der Markttechnik leiten. Die meisten Akteinindices haben die 200-Tageslinlne zwar von unten nach oben durchschritten, aber sie ist immer noch fallend bzw. hat noch nicht nachhaltig nach oben gedreht. Zudem haben die meisten Indices mit Ausnahme von China die langfristigen Trendlinie nach oben noch nicht durchbrochen. Dies verläuft zum Beispiel beim DAX bei 5200 Indexpunkten. Bären und Bullen werden also auch in den nächsten Wochen um die Führerschaft kämpfen und der Kampf ist noch nicht entschieden, auch wenn die Bullen in den letzten 3 Monaten an Kraft und Zuversicht gewonnen haben. Es kann gut sein, das die Aktienmärkte weltweit wie schon in der vergangenen Woche auch in der nächsten Woche seitwärts tendieren. Irgendwann wird es aber eine Kapitulationsphase auf der Long oder Shortseite geben und dann sollten Sie mit dem Markt gehen und sich nicht gegen ihn stellen - welche vorgefasste Meinung sie auch vorher immer hatten.

Kurz und gut: es ist noch nicht entschieden, ob es sich in den drei Monaten um eine Bärmarkrtrallye oder den Beginn einer Trendwende handelte. Rein charttechnisch rate ich weiterhin dazu, investiert zu bleiben, aber in Liquidität zu gehen, wenn der S&P unter 880 Indexpunkte, der DAX unter 4970 Indexpunkte und/oder der RTS-Index unter 1000 Indexpunkte gehen sollte. Der DAX schloss am 12. Juni mit einem Minus von 38 Punkten bei 5069 Indexpunkten und konnte damit die 5000-er Marke knapp behaupten. Der S&P-Index schloss in etwa auf Vortagsniveau bei 946 Indexpunkten. Der RTS-Index konnte such mit einem Plus von 0,48% bei 1127 Indexpunkten ebenfalls gut behaupten. Damit haben sich die meisten Indices in der letzte Woche kaum verändert.

Auch hier kann der Anleger bei Unterschreiten der angegeben kritischen Marken zwischen Teilpositionsglattstellungen und vollständigen Rückzug entscheiden, wobei hier sicherlich auch steuerliche Überlegungen zu berücksichtigen sind. Die Aktienkurse verlieren jetzt deutlich an „Momentum“, haben also nicht mehr den Schwung wie in den Monaten März bis Ende Mai. Ich rechne in den Sommermonaten auf der anderen Seite aber mit keinem Crash an den Weltbörsen. In den Sommermonaten könnte es sich aber entscheiden, ob wir vor einer Trendwende stehen oder sich der Bärmarkt seit Mitte 2008 fortsetzt. Ich habe Ihnen im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) aber auch aufgezeigt, wie profitabel „Rebounds“ bzw. Bärmarktrallyes sein können. Das konservative Portfolio erreichte ein Plus von 93% und das spekulative Portfolio von 120%. Wer das auch nur annähernd erreicht hatte, sollte keine Problem haben, dann auch wieder in Liquidität zu gehen, was aber nur mit liquiden Blue (und Red) Chips oder ETF machbar ist.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

Ich empfehle zudem ach wie vor einen Mix aus „Managed Futures Accounts (+36% seit Jahresbeginn), kapitalgeschätzten Anlagen, Private Equity Fonds (China/Indien Infrastruktur), eine Mischung aus Unternehmensanleihen und Aktien aus Osteuropa und ausgewählte Emerging Market Fonds sowie ETF im Trading-Bereich. Wichtig dabei ist für Sie das Timing und die Liquiditätssteuerung, um auch in der Krise positive Renditen nach dem Absolute Return-Ansatz erzielen zu können.

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