Back to the roots!

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Samstag, 17. September 2011 18:09:00

„Wo gibt es noch funktionierende Marktwirtschaften, geschweige denn funktionierende soziale Marktwirtschaften?“ Im Banken- und Finanzsektor sicherlich nicht. Die jeweiligen Regierungen haben es zugelassen, dass nicht mehr beherrschbare Großbanken entstehen, die durch ihre systemischen Risiken im Pleitefall ganze Volkswirtschaften ruinieren können. Wir brauchen wieder eine funktionierende Marktwirtschaft und nicht eine sozialisierende Enteignungswirtschaft oder gar Zentralverwaltungswirtschaft. Der gangbare Weg heißt ganz klar: back to the roots!

Wir haben nach dem Lehman- Schock aber die falschen Schlüsse gezogen, nämlich dass systemische Banken nicht Pleite gehen dürfen. Dies ist zumindest die Meinung der G20, die sich im Spätherbst wieder treffen wird. Dies ist zum einem ein Widerspruch zum Gleichbehandlungsgrundsatz, also eine klare Bevorteilung der systemischen Großbanken, was wettbewerbsrechtlich und verfassungsrechtlich bedenklich ist, und zum anderen einen falsches Verständnis der Marktwirtschaft.

Ich fordere daher eine umfassende Bankenstrukturreform, die hilft, Großbanken zu entflechten, mehr Banken zu fördern und zu schützen, die die Kreditfunktion vor allem lokal und regional für den Mittelstand wahrnehmen, mehr Eigenkapital bei Banken aufzubauen, effizientere interne und externe Kontrollmechanismen sowie Frühwarnsysteme zu entwickeln, die auch ein rechtzeitiges Eingreifen der Aufsichtsräte ermöglichen. Wir brauchen auch mehr Transparenz im Derivatebereich bei den Banken und auch dies muss intern und extern besser kontrollierbar sein.

Durch den Konzentrationsprozess im Bankensektor entstanden Großbanken, die nicht mehr beherrschbar sind. Es sind wahre Monster geworden. Durch die globale Vernetzung entstehen dann Systemrisiken nicht nur für ein Land, sondern die ganze Welt, zumindest wenn es Großbanken von den großen Industrienationen betrifft. Die japanischen Banken haben sich schon umstrukturiert, nun müssen es auch die westlichen Großbanken machen. Auch hier forder ich schon lange: back to the roots (zurück zu den Wuzeln)!

Dabei fordere ich klar höhere Eigenkapitalvorschriften, die insbesondre auch für die Banken gelten sollten, die hochverzinsliche Staatsanleihen im Portfolio haben. Es kann nicht angehen, dass diese immer noch als risikolose Wertpapiere eingestuft werden und auch so in der Bilanz bewertet werden. Basel III muss also klar verschärft und ergänzt werden. Wer griechische Anleihen zu 100% ohne Abschreibungen bilanziert, manipuliert die eigene Bilanz und täuscht damit fahrlässig auch seine Aktionäre! Das grenzt an Betrug.

Nun wurden die zwei französischen Banken Société Generale und Credit Agricole von Moodys zu Recht in der Kreditwürdigkeit herabgestuft und die BNP Paribas ist noch auf der Watchlist, was zu Anfang der Woche noch zu starken Kursverlusten führte. Dann kam aber das Gerücht, dass nun China italienische Anleihen kaufen und auch mehr in Italien direkt investieren will, was den Euro stütze und auch Bankaktien wieder sprunghaft ab der Wochenmitte nach oben brachte. Kursteigerungen von über 7% am Tag bei Großbanken wie bei der Deutsche Bank und Commerzbank waren keine Ausnahme, nachdem die gleiche Großbanken zuvor noch zu den großen Verlierern im DAX zählten.

Die französischen Großbanken werden nun zum Lackmustest für alle europäischen Banken und wenn man so will auch für die Rettung des Euros. Die SG will mit 4 Mrd. € freigesetzten Kapital die Verluste bei Griechenlandbonds decken. Die Frage ist, ob jetzt der hochverschuldete farnzössiche Staat mit Zusatzgarantien helfen muss oder ob die Banken selbst die Kapitallücke, die durch Aschreibungen bei PIGS-Bonds entstehen, durch Kapitalerhöhungen decken kann.

Beide farnzössiche Banken zählen zu den systemisch relevanten Banken in Europa und sind damit auch Dreh- und Angelpunkt von möglichen Dominoeffekten. Die Summe des fehlenden Kapitals wird bei den 3 französische Großbanken auf mindestens 20 Mrd € geschätzt. Wer soll die jetzt aufbringen? Wenn es den ESM schon gäbe, konnten diese Banken dann auch unter den Rettungsschirm vorübergehend schlüpfen. Die EZB könnte, da sie ohnehin schon Vertragsbrüche gemacht hat, jetzt auch Bankaktien oder Anleihen aufkaufen, um die Eigenkapitallücken ersatzweise zu schließen. Wenn Griechenland Pleite geht, können auch die drei französischen Großbanken Pleite oder zu Mega-Kapitalerhöhungen gezwungen werden, die zu Verwässerungen führen. Banken sollten wieder das werden, was sie einmal waren, nämliche sprichwörtlich Kreditinstitute, wobei credere auf lateinisch „glauben“ oder „vertrauen“ heißt. Aber welcher Analyst kann schon den Bankzahlen vertrauen und welcher Anleger glaubt noch an seine Bank? Auch hier heißt es „back to the roots“!

Eine Griechenlandpleite würde große Löcher in die Bankbilanzen von französischen Banken verursachen. Deswegen ist der Widerstand von Sarkozy auch so groß gegen eine Pleite Griechenlands und auch die Bereitschaft zu „helfen“. Sarkozy will auch bereitwillig in Libyen „helfen“ sprich Großaufträge für Total und andere Öl/Gasfirmen bekommen. Mit den Petrodollar aus Libyen können dann wieder französischen Banken gerettet werden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass in den nächsten Wochen und Monaten schon einige chinesische Adressen oder auch ein Waren Buffet Interesse bekunden, Aktienpakte auf diesem niedrigen Niveau in Deutschland, wohlmöglich sogar in Frankreich aufzukaufen. Wenn eine Deutsche Bank 10 Mrd € verdienen kann, ist sie für manchen Investoren trotz aller Euro-Risiken attraktiv bewertet, ebenso wie die Commerzbank. Die Deutsche Bank notiert jetzt schon wieder fast auf dem Tiefstniveau von Anfang 2009 also wie nach dem Lehman-Crash. Es ist ganz klar, das auf diesem Niveau auch die Deutsche Bank und die Commerzbank ebenso wie die französischen Großbanken zum lukrativen Übernahmekandidaten werden für den, der viel Cash hat. Die Deutsche Bank wird aber zur Abwehr aller Großinvestoren aus dem Ausland wohl ein Aktienrückkaufprogramm starten. Wesentlich solider ist übrigens die Sberbank in Russland, die für 1 Mrd € schon eine strategische Beteiligung von über 15% bei der Co-bank erwerben könnte. Sie zieht es aber vor, sich zunächst bei der Volksbank International in Österreich für 700 Mio. € einzukaufen.

Die Chinesen haben auch genug Kapital für Übernahmen. Dabei sind die Risiken nicht beseitigt, sondern es ist möglicherweise nur ein neuer Großgläubiger gefunden worden, der die Euro-Krise in der Tat retten könnte, nämlich China mit über 3 Billionen USD an Währungsreserven. Europa bemüht sich jedenfalls die strukturellen Verschuldungsprobleme vor allem bei den südeuropäischen Ländern in den Griff zu bekommen, was man von den USA nicht gerade behaupten kann. Von daher wäre es konsequent, wenn China in Zukunft mehr (süd)europäische Staatsanleihen als amerikanische Staatsanleihen kauft, wobei für China Europa als Absatzmarkt genauso wichtig ist wie die USA. Aber selbst wenn China es jetzt schaffen sollte, für ein gewisse „Marktberuhigung“ zu sorgen, wird auch dann nur auf Zeit gespielt ebenso wie bei möglichen Eurobonds, die jetzt gedanklich vorbereitet werden.

Auch muss China selbst aufpassen, dass es nicht schon bald in eine eigene Schuldenfalle gerät. Zwar ist die Auslandsverschuldung noch relativ gering, aber die Banken haben so viel Kredite gegeben wie noch nie, was noch das Wachstum anheizt. Wenn das Wachstum in China aber aufgrund einer globalen Konjunkturverlangsamung stark nachlassen sollte, werden die wachstumsstarken Banken interne Probleme bekommen. So gibt es schon jetzt einen gefährlichen Immobilienbubble in einigen Großstädten wie Shanghai. China sollte von den Fehlern der USA im Immobiliensektor lernen und hier die Kreditvergabe nicht übertreiben. Da die chinesischen Banken mittlerweile zu den größten Banken der Welt zählen, wäre ein Bankpleite oder eine Schieflage einer chinesischen Großbank durch die Vernetzung auch von globaler Bedeutung. Dies wird meines Erachtens im Moment viel zu wenig thematisiert. Noch sind die chinesischen Banken mit neuen Rekordgewinnen aber „auf dem Papier“ gut im Geschäft. Sie könnten jetzt auch gut in Europa auf Einkaufstour gehen, was sie wohl auch demnächst machen werden.

Banken und Länder/Volkswirtschaften sitzen in einem Boot, denn die Großbanken haben auch großvolumig Staatsanleihen aufgekauft. Von daher sind Großbanken bei Staatspleiten auch verwundbar, es fragt sich nur, ob die Risikovorsorge dann auch ausreicht. Dies sollte unbedingt ein globaler Bankenstresstest ergeben. In dem Stresstestest müssten auch die Risiken und Nebenwirkungen von Staatspleiten aufgezeigt und transparent werden.

Selbstverständlich besteht nicht nur für Griechenland, sondern für viele Länder die Gefahr des Staatsbankrotts, wenn sie dauerhaft über ihre Verhältnisse leben und dann nicht mehr in der Lage sind, die Schulden zu beschränken und die Defizite zurückzufahren.

Wenn dann durch höhere Zinsen eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt nicht mehr möglich ist, ist ein Land faktisch bankrott sowie wie jetzt Griechenland, aber eben nicht nur Griechenland. Ob nun die FDP lauthals als die Möglichkeit einer „geordnete Insolvenz“ verkündet oder nicht; es gilt in der Marktwirtschaft die Macht des Faktischen. Die FDP müsste einmal genau sagen, was sie unter einer „geordneten Insolvenz ohne Ansteckungsgefahr“ verstehen und wie sie selbst dort die Gefahr von Dominoeffekten einstufen. Ganz geordnet wird es im Fall einer Insolvenz von Griechenland wohl kaum ablaufen, da es wie bei Lehman keine Erfahrungen mit so etwas gibt, zumal es die erste Staatspleite im Euroraum wäre. Es wäre also Neuland für den Euroraum und den Euro.

Zudem muss dann Rösner & Co auch sagen, dass es keine Denkblockade bei der keinesfalls geordneten, sondern chaotischen Insolvenz von systemischen Banken in Europa geben kann. Es wird dann als Vorstufe von Bankenpleiten zunächst Merger von schwachen Banken geben. Ich nehme an, dass vor allem chinesische Banken sich demnächst recht preiswert in Europa einkaufen werden. Was wir alle nicht wollen ist ein Scherbenhaufen oder eine globale Insolvenz in Europa. Was wir aber alle wollen ist Marktwirtschaft in Europa, auch im Banken- und Finanzsektor. Wo also liegt die Lösung? Stellen Sie sich als Leser schon einmal darauf ein, dass es Bankenpleiten und Pleiten von Versicherungen, die auch überwiegend Staatsanleihen im Portfolio haben, in den Jahren 2012 -15 geben kann und geben wird. Ist das schon in Ihren Köpfen drin?

Auch im Bankensektor sollte es in Zukunft keine Denkblockaden geben. Auch die „alternative Geldszene“, die sich Gedanken über virtuelle und tatsächliche Geldschöpfungsprozesse der Banken, das Schaffen von Geld aus dem Nichts durch Kredit, die notwendigen Folgen von Zinsen und Zinseszinsrechnungen, das Schaffen von Armut und Vermögensunterschieden und realen Enteignungsprozessen macht, sollten – auch bei Ihnen - diskutiert werden.

Anfangen können die Banken und Versicherungen aber schon jetzt, in dem sie alle PIGSIF-Anleihen schon einmal auf das erforderliche Maß abschreiben nämlich zumindest in Höhe der Spreads und CDS-Prämien zu den Bundesanleihen. Sie dürfen sich nicht weiter zu 1% Geld bei der EZB leihen und sie dann für über 20% an Griechenland oder über 5 % an Italien weiterleihen und dies auch noch durch den Rettungssschirm garantiert. Wer Risikokanleihen ins Portfolio nimmt, muss auch damit rechnen, dass diese nicht zu 100, sondern später zu 90 oder 80 oder 70 ausgezahlt werden. Dies ist auch mein Vorschlag zur Rettung es Euros. Führt endlich Staatsanleihen mit variablen Zinssatz und variabler Auszahlung ein; diese müssten diese Banken dann aber auch als Risikopapieren in den Bilanzen so bewerten wie es der Markt bewertet. Staatsanleihen sind damit keine risikolosen Wertpapiere mehr, was ein Novum wäre. Also liebe Finanzpolitiker, die ihr euch jetzt in Polen versammelt; wagt einmal was, wagt vor allem den Grundsatz: „back to the roots“, sonst werden wir schon bald keine Marktwirtschaft mehr haben, an die die meisten immer noch glauben.

Die mehr oder weniger gut gemeinten Vorschläge der USA von Geithner und Obama zur Beilegung der Euro-Krise sind im Moment wenig hilfreich. Die USA sollten sich im eigenen Land umschauen und dort auch feststellen, dass es keine Marktwirtschaft geschweige denn eine soziale Marktwirtschaft mehr gibt und dass so einiges im eigenen Land aus den Fugen gerät. Die Zahl derjenige, die in den USA unterhalb der Armutsgrenze liegen – das ist in den USA immerhin ein Familieneinkommen von 22.000 USD bzw. 16.000 € (!), hat sich von 43 auf 46 Millionen erhöht und damit ebenso die Zahlen derjenigen, die Lebensmittelkarten beziehen. Trotz der Reform des Gesundheitssektors gibt es immer noch über 50 Mio. Amerikaner, die ohne Krankenversicherung auskommen müssen. Auch nimmt die Zahl der Dauerarbeitslosen in den USA zu, weniger der registrierten, aber der tatsächlichen Dauerarbeitslosen. In den USA fällt man als Arbeitsloser in ein soziales Loch und damit auch die ganze Familie. Auch das 450 Mrd. USD Konjunkturprogramm soll zwar aus dem Haushalt finanzierbar sein, wird aber sich mittelfristig die Schulden erhöhen. Auch solche Maßnahmen dienen sicherlich nicht dazu, als Schuldenbremse zu wirken. Sie werden wohl auch kaum vom US-Kongress genehmigt werden.

Möglicherweise wird nun auch die Bank of America zum kostspieligen Sanierungsfall. Durch die Übernahme der Hypothekenbank Countrywide entstanden in den letzten 4 Quartalen durch nicht einbringen Hypothekenkredite an Privatpersonen Verluste von über 22 Mrd. USD. Auch bei Fannie Mae und Freddie Mac gibt es weitere Schieflagen. Zuvor wurden diese Banken nur durch eine Kapitalspritze des Staates im Volumen von 160 Mrd. USD gerettet. Jetzt schlagen die Hypothekenbanken zurück und behaupten, dass die Großbanken wie Bank of America und Deutsche Bank, damals die Bonität der Kunden zu hoch eingestuft hatte. Das Klagevolumen der FHFA, also der US-Regierung, beläuft sich auf 200 Mrd USD für 17 Großbanken. Die Hypo Real Estate ist als reine „bad bank“ auch noch nicht aus dem Gröbsten raus. Die Finanzlöcher erhöhten sich auf über 50 Mrd €, was letztendlich der Steuerzahler zahlen muss. Auch hier heißt es dringend: „back to the roots!“ Viele Bankvorstände müssen noch einmal eine Banklehre machen und so etwas wie die goldene Bilanzregel lernen.

2 Jahre nach dem Lehman-Schock wurden die Risiko- und Frühwarnsysteme bei einigen Großbanken ausgeschaltet wie jetzt bei der Schweizer Traditionsbank UBS, die durch einen „verdienten“ Mitarbeiter einen Verlust von etwa 2 Mrd USD hinnehmen musste. Der 31-Jährige Kweku Adoboli aus Ghana verdiente bei der UBS Ltd in London als Händler 360.000 € im Jahr und lebte augenscheinlich auf großen Fuß. Und wieder betrifft es den offensichtlich unkontrollierten Eigenhandel, der auch Großbanken in den Ruin treiben kann. Auch hier scheint man seit Lehman nichts gelernt zu haben, da das Risikomanagement zumindest bei der UBS offensichtlich nicht funktionierte. Im Gegenteil: Adoboli hatte wohl eher Kerviel von der SG als Vorbild und sein Vorgesetzter auch. Die UBS wird daher im 3. Quartal wohl rote Zahlen schreiben. Der Aktienkurs der UBS brach erst um über 10% ein, konnte am Freitag aber wieder um 5% zulegen. Nach dem Spekulationsskandal werden auch die Rufe nach dem Rücktritt von Vorstandschef Grübel lauter, der erst vor 2 Jahren als Retter in der Not verpflichtet wurde. Auch hier sollten die Anleger der UBS fordern: back to the roots! Solche Schieflagen kommen bei solchen Crashs wie im August zwar nicht überraschend, aber warum musste es ausgerechnet wieder einmal eine Schweizer Großbank treffen?

Wir brauchen jetzt bei allen EWU-Ländern neben einer Schuldenbremse auch eine Schildrückrührungspflicht in guten Zeiten, sonst wird immer wieder das Alibi-Argument ein drohenden Rezession benutzt, um die Staatsschulden zu erhöhen. Auch brauchen wir klare Sanktionsmechanismen in der EWU für Dauersünder und auch Austrittsmöglichkeiten aus der EWU. Es ist ein Unding, dass dies der Lissabon-Vertrag nicht von Vornherein vorsah. Jetzt muss aber dringend nachgebessert werden. Auch hier heißt es schnellstmöglich: back to roots, also die „Resettaste“ drücken oder wieder neu anfangen mit einem wahren europäischen Stabilitätspakt.

Wenn dann die FED zum Vorbild der EZB und Schrottanleihen im Volumen von 2 Billionen USD aufkauft, dann sollte Europa eher der USA den Ratschlage geben, dass zu unterlassen. Wenn dies aber nicht gemacht worden wäre, hätten wir jetzt sicherlich eine noch viel größere Bankkrise. Das Gleiche gilt für die EZB: wenn die EZB nicht PIGS-Anleihen im Volumen von 125 Mrd € aufgekauft hätte, hätten wir sehr schnell auch bei Italien und Spanien-Anleihen Zinnsätze von über 10% gehabt. So wurde dies noch einmal vermieden und damit der Euro gerettet. Paradoxerweise flüchten sich jetzt viele Anleger nicht nur in Bundesanleihen mit Rekord-Niedrigst-Renditen von 1,8%, sondern auch in US-Staatsanleihen, obwohl auch das US-Defizit mit über 10% des BSP nach wie vor viel zu hoch ist. Dass die FED übrigens wie angekündigt die Zinsen trotz steigender Inflation bei 0-1% über 2 Jahre künstlich niedrig behalten wird, ist auch ein Verstoß gegen die Marktwirtschaft oder eine Marktmanipulation. Auch die EZB sollte demnächst auch die Inflation mehr achten, denn dies ist ihre Aufgabe und nicht Staaten zu retten. Auch hier fordere ich. Back to the roots!

Bis Mitte der Woche, also bis zum 13. September, befanden sich die Weltbörsen noch im Panik-Modus. Die Börsen reagierten ab Wochenmitte positiv auf die Geheim-Telefondiplomatie zwischen Merkel und Sarkozy und auf das Gerücht, dass China italienische Anleihen aufkauft und auf die Anstrengungen, die jetzt von Griechenland selbst mit deutscher Beratungshilfe erfolgen. Bei dem Finanzministertreffen in Polen sind keine weltbewegenden Beschlüsse, aber intensive Beratungen zu erwarten. Sie sollten auch beraten, wie sie verfahren wollen, wenn die Troika IWF, EZB und EU Griechenland nicht mehr die Wettbewerbsfähigkeit bescheinigt und kein weiteren Tranchen mehr auszahlt. Spätestens dann ist Griechenland faktisch Pleite und dann muss man sich auch darüber Gedanken machen, wie Griechenland „geordnet“ (??) aus dem Euro austreten kann. Wenn aber wieder Beruhigungspillen verabreicht werden, werden die Börsen zu einem fortgesetzten Rebound ansetzen, der aber nicht nachhaltig sein wird. Andernfalls können sie aber auch sehr schnell wieder in den Panikmodus verfallen. Ich gebe daher noch keine Entwarnung.

Ich rechne damit, dass schon bald Fitsch auch spanische Anleihen herunterstufen wird und dann werden manch den französischen Banken auch spanische Banken auf der Watchlist stehen, denn dort ist die Immobilienkrise noch nicht gelöst und die Jugendarbeitslosigkeit beträgt dort 40%. In Spanien wird es auch die nächste Streiks und möglicherweise eine Rezession geben. Das könnte dann die nächste Panik-Welle einläuten. Auch die nächste Tranche des IWF an die Ukraine ist nicht gesichert. Die Banken müssen sich weltweit auf eine Konsolidierung einstellen. Die Bank of America will global 30.000 Stellen kürzen die Deutschen Bank AG nur 2000. Weitere Banken werden folgen, auch die UBS.

Bei der Konzeption des Euros war man nicht offensichtlich davon ausgegangen, dass später durch Staaten systemisch relevante Banken gerettet werden müsse. Das Defizit Irlands betrug vor der der Lehman-Pleite und der nachfolgenden Bankenrettung nur 30% des BSP. Auch Griechenland ist in erster Linie durch die Bankenrettung in eine hoffnungslose Verschuldungssituation geraten, obwohl auch die 11-jährigeParty mit fremden Geldern auch zur Überschuldung beigetragen hat. Dies kann wiederum das griechische Volk nicht verstehen und darum gehen die unverstandenen und perspektivlosen Bürger auf die Straße und streiken, was verständlich ist. Dabei wurde die 15 Mrd. € aus dem EU-Strukturfonds noch nicht einmal abgerufen, was jetzt mit westlicher Hilfe aber geschehen soll, um Infrastrukturinvestitionen zu beginnen, die schon längst hätten gemacht werden können. Auch das ist der südeuropäische Schlendrian.

Am 23. September muss der Deutsche Bundestag über einen erweiterten Rettungsschirm ESM abstimmen, der im Ernstfall Deutschland mit 250 Mrd € belasten würde. Viele FDP-Politiker werden dagegen stimmen und auch einige CDU-Politiker. Auch wollen die Slowakei und Finnland gegen den ESM stimmen. Sie verlangen mehr Kreditsicherheiten und mehr Disziplin – zu Recht. Es ist ohnehin fraglich, ob die dadurch gewonnene Zeit wirklich sinnvoll genutzt wird. Was in 11 Jahre an Schuldenabbau versäumt wurde, kann unmöglich nun schnell nicht wieder abgebaut werden. Die nächste Euro-Krise ist damit schon vorprogrammiert. Sie würden sich verschärfen, wenn einige EWU-Länder wie Portugal, Spanien, Italien oder Frankreich in eine Rezession geraten würden.

Ein Staatsbankrott Griechenlands hätte für die Börse möglicherweise sogar eine befreiende positive Wirkung, da dann tabula rasa gemacht werden kann. Einige französische Banken müssen dann zwar notgedrungen vom Staat gerettet werden, aber dann wären endlich vollendet Tatsachen geschaffen worden, die der Markt ohnehin erwartet. Das Haushaltsbilanzdefizit Griechenlands hat sich um 25% zum Vorjahr erhöht, weil die Rezession mit minus 5% höher ausgefallen war als geplant. Das war aber vorhersehbar.

Was die Börse aber endlos beängstigt, ist die Angst vor einem Staatsbankrott. Schon ein Schuldenschnitt um 20-30% würde eine Menge bringen, auch im positiven Sinne für die Weltbörsen. Was die Börse aber nicht mag, ist die Ungewissheit und das angewiesenen von unfähigen Politikern. Das bestraft die Börse mit den Füssen.

Ich werde im Oktober mit meiner Familie nach Griechenland fliegen, um Urlaub zu machen und damit meinen Solidarbeitrag zu leisten. Ob das ausreichen wird, um den Staatsbankrott Griechenlands abzuwehren, muss abgewartet werden. Nachahmung wird jedenfalls empfohlen. Ich sehne mich als Urlauber aber nach einem Griechenland wie vor 12 Jahren als man dort noch preiswert Urlaub machen konnte. Jetzt haben die Russen – ebenso wie in der Türkei – das Zepter in der Hand und sorgen für einen gewissen Solidarbeitrag für den griechischen Tourismus. Geld scheint in Russland für Reisen in die Türkei und nach Griechenland noch genug vorhanden zu sein. Wenn Griechenland freiwillig aus der EWU austritt und die Drachme wieder einführt, würden sie sich wahrscheinlich sogar ein Gefallen tun, wenn Sie das Ganze als Lernprozess verstehen. Die Griechen können bei der neuen Drachme dann viel Silber verwenden, dann ist die Drachme später einmal mehr wert, was auf dem Geldstück draufsteht. Auch für Griechenland wäre das dann „back to the roots“ – und das wäre gut so.

Die Weltbörsen bleiben zunächst verunsichert. Bitte bedenken Sie aber, dass es an der Wall Street bisher noch keinen Crash, sondern nur eine Korrektur von 6-8% gegeben hat. Die Wall Street schloss am Freitag mit einem Plus von 0,6% bei 11489 Indexpunkten, wobei der Index bei 11.800 nach unten ausgebrochen war. Dagegen betrugen die Kursverluste beim DAX seit der Spitzte über 30% und auch in Russland über 20%. Der EuroStoxx fiel schon über 40% von 3000 auf unter 2000 Indexpunkte. Jetzt wurden sogar wieder neue Tiefstkurse im September erreicht, wobei der Tiefpunkt wie schon im August bei Vollmond am 12/13. September erreicht wurde, was auch auffällt. Der DAX fiel damals am 12. und 13. September zur Vollmond-Zeit intraday sogar unter die magische 5000-er-marke, erholte sich aber wieder auf über 5500, was immerhin 10% im Trading-Bereich sind der DAX schloss am Freitag sogar mit einem Plus von 1,18% bei 5573 Indexpunkten.

Am 27. September ist Neumond und dann kommt wieder ein kleiner Rebound im intakten Bärmarkt. Wurde die Übertreibung in Europa im Vergleich zu den USA etwa auch von amerikanischer oder angelsächsischer Seite ganz bewusst imitiert? Auch George Soros und alle Allen Greenspan hacken jetzt mit klugen Ratschlägen und provokativen Anmerkungen auffällig oft auf Europa und den Euro ein. Nach ihrer Meinung steht der Euro kurz vor dem Zusammenbruch und Deutschland hat dies durch das zögerliche Verhalten bei der Griechenland-Rettung mit zu verschulden. Will da Amerika etwa ganz bewusst Europa schwächen? In die gleiche Richtung gehen die gut gemeinten (?) Ratschläge von Obama und Geithner, die eher nachdenklich stimmen.

In die Bresche springt jetzt China und man wird sehen wie das Ganze hinter den Kulissen ausgeht. Mein Tipp: Die Wall Street wird wohl als erste Börse das alte Niveau vielleicht sogar noch bis Jahresende trotz anhaltend schwacher Konjunkturdaten erreichen. Das Plunge Protection Team hat in den USA Schlimmeres verhindert. Es gibt aber zu denken, dass Deutschland als drittwichtigste Industrienation der Welt bei allen wichtigen Gremien der Welt wie IWF oder EZB keine Rolle spielt und offensichtlich kein Gehör findet. Mit der alten Bundesbank-Stabilitätspolitik hat die EZB-Politik unter Trichet in der Tat wenig gemeinsam und eine französische Führung beim IWF ist auch nicht gerade stabilitätsfördernd. Jetzt fehlt nur noch, dass ein Grieche, Italiener oder Spanier Nachfolger von Trichet wird.

Angela Merkel wird allmählich zur Marionette von Josef Ackermann, der im Hintergrund bei der Rettung des Euros und Europas die Fäden ganz im Sinne seiner Bank die Fäden in der Hand hält. Kann Angela Merkel nicht auch eine eigenständige Politik machen? Sicherlich ist sie auf gute Berater angewiesen, aber muss nicht unbedingt nur die Deutsche Bank als Ratgeber sein.

Es ist doch ganz klar, dass Griechenland ohne Abwertung (also Austritt aus dem Euro) dauerhaft und nachhaltig nicht wettbewerbsfähig sein kann und daher dauerhaft mehr Schulden macht, selbst bei einem effizientem Steuereintreibungssystem (vor allem bei den 200 Mrd €, die in der Schweiz brach liegen). Möglich wäre auch eine interne Abwertung durch geringere Löhne vor allem bei Staatsbediensteten, längeren Rentenalter und billigeren Preisen auch im Tourismus. Aber diesen Weg ist Griechenland politisch wohl nicht in der Lage zu gehen. Die gegenwärtige Rosskur, die jetzt vorgeschlagen wird, kann mittelfristig dennoch für die Zukunft hilfreich und heilsam sein, denn auch nach ein Schuldenschnitt wird Griechenland neues Geld aus dem Ausland benötigen, wenn auch nicht mehr so viel wie zuvor.

Griechenland sollte sich – so der so - ein Beispiel an Estland nehmen, wo jetzt durch Selbstdisziplin wieder Wachstumsraten von über 5% möglich sind und das bei einem fast ausgeglichen Haushalt und einer niedrigen Staatsverschuldung. Es geht also doch! Das wäre sogar in Griechenland möglich. Unternehmen und Staatsfonds sollten jetzt in Griechenland investieren, anstelle zu lamentieren. Es wäre allerdings von Vorteil, wenn die Griechen auch eine Quittung und Bilanzen kennen. Aber dafür können sie jetzt in Estland auf die Schulbank gehen. Wenn es in Deutschland demnächst die Rente mit 69 oder 70 gibt, dann sollte das auch Griechenland oder gleich ganz Europa einführen. Es gibt viel zu tun. Packen wir es gemeinsam an und fordern alle. Back to the roots, liebe Finanz- und Geldpolitiker. Das heißt aber auch das Übel an der Wurzel zu packen.

Strategisch interessant sind jetzt Länder die wenig verschuldet sind und Börsen, die unverschuldet in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sicherlich gehört diesbezüglich Russland und damit die die Moskauer Börse gerade jetzt weiter auf die Watchlist: Auch Russland ist nur mit 10% des BSP verschuldet und hatte im ersten Halbjahr sogar eine Haushaltsbilanzüberschuss, was viel zu wenig gewürdigt wurde, denn auch russische Aktien verloren bis jetzt grundlos über 20% an Wert, nur weil Risikoinvestoren ihre Portfolios räumten bzw. räumen mussten.

Der RTS gab an Freitag wieder um 1,7% auf 1575 Indexpunkte nach und bleibt damit im Panik-Modus, obwohl der WTI-Ölpreis bei 89 USD/Barrel recht stabil blieb. Es kann gut sein, das einige Hedgefonds jetzt schief liegen und daher auch russische Aktien verkaufen müssen. Zudem gab es erhebliche Kapitalabflüsse bei einigen Hedgefonds, die dann auch zu Zwangsverkäufen führen, was die illiquiden Märkten wiederum unter Druck bringt. Sogar der Hedgefonds von Goldman Sachs Global Alpha (Computerhandel) musste geschlossen werden, dessen Fondsvolumen von 12 auf 1,6 Mrd USD schmolz. Nächste Woche könnten die Kurse noch weiter fallen. Russland bleibt einer dennoch einer der am niedrigsten bewerteten Emerging Markets der Welt und bleibt damit auch chancenreich, wenn es nicht eine globale Rezession und damit stark fallende Rohstoffpreise in 2012 geben sollte.

Ich rate daher im Trading-Bereich weiter zu gestaffelten Abstauberlimits zu kaufen, wobei Sie liquide Vehikel und Aktien bevorzugen sollten. Auch hier müssen Sie Ihr Depot aktiv managen und nicht passiv zuschauen, was passiert. Welche Aktien jetzt interessant sind, können Sie im neuen EAST STOCK TRENDS nachlesen, der am 9. September erschienen ist. Bestellen Sie jetzt ein Probe-Abo des ESR (3 Ausgaben per e-mail nur für 15 €, siehe www.eaststock.de ).

Wenn Sie sich aktuell informieren wollen, wie Sie sich jetzt verhalten sollen, dann hören Sie jetzt mal in die Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) rein.

Hinweis: Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar "Go East!" wird am 22. November 2011 um 17.30 Uhr in Frankfurt/M gleich nach dem EK-Forum stattfinden (Dauer 3-4 Stunden). Dort wird dann auch diskutier, wie es mit dem Euro und der globalen Verschuldung weitergeht, wobei die Ostbörsen im Mittelpunkt stehen. Melden Sie sich jetzt an mit einem Frühbucherrabatt von 80 € anstelle von 100 € unter www.eaststock.de oder direkt bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel 040/6570883, E-mail: info@eaststock.de.

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