April-Scherze mit Wahrheitsgehalt

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Sonntag, 03. April 2011 12:24:00

In der letzten Kolumne musste Obama wieder einmal - auch bei mir - für einen April-Scherz herhalten. Auch ich habe diese "April-Nachricht" in meiner letzten Kolumne einmal absichtlich übernommen, um eine Diskussion auszulösen, was auch gelang. Obama wird sich wohl kaum öffentlich gegen die FED stellen. Dennoch wird gerade die FED-Geldpolitik mit Sicherheit in den nächsten Monaten und Jahren an den Pranger kommen. Wir haben jetzt schon eine Asset-Inflation durch die enorme Ausweitung der Geldmengen. auch diesem Jahr hat die FED den Bestand an Treasury Notes von 800 Mio. USD auf 1,3 Mrd. USD aufgestockt. Damit schafft die FED in der Tat Geld aus Luft durch Gelddrucken. Es war kein April-Scherz, dass PIMCO alle seine US-Staatsanleihen verkauft hat und vorerst keine mehr kaufen will.

Die Inflation steigt damit zwar weltweit an, aber da die Löhne vor allem in den USA noch nicht nachhaltig ansteigen, entsteht noch kein Inflationsdruck, der die FED zu einer Zinsanhebung veranlassen wird. Ich erwarte zunächst eine Zinsanhebung der EZB. Deswegen stieg jetzt auch schon der Euro im Vorfeld der Zinsdiskussion. Ich erwarte zudem eine Stagnation in Japan und eine Rezession bei vielen „PIGS“-Ländern. Da wird nicht überall Inflation aufkommen können. Mit einer höhere Inflation ist aber vor allem in den Emerging Markets zu rechne und dort auch mit steigenden Zinsen. Dies war auch der Grund, warum schon Kapital in Volumen von 8 Mrd USD aus den Emerging Markets – mit Ausnahme von Russland – abgeflossen sind und zum Teil in den USA wieder angelegt wurden. Dies treibt den Dow Jones trotz Japan und Libyen-Krise nach oben und die FED hilft dabei mit.

Steht etwa ein Währungs-Crash bevor? Nur wer crasht dann gegen wen, da es außer starken "Rohstoffwährungen" nur noch fragwürdige Schwachwährungen wie Euro, Pfund, Yen, US-Dollarmit vielen, komplexen hausgemachten Problemen gib?. Der sichere Hafen könnte der Schweizer Frankenoder die Norwegische Krone bleiben. Aber auch Yuan und Rubel kommen früher oder später Weltreservenwährung in Betracht. Der Dollar könnte seine Vormachtstellung verlieren, was aber noch Jahre dauern wird.

Ein akutes Problem bleibt aber: Wer aber kauft die zwangsläufig notwendigen Neuemission von US-Staatspapieren in Zukunft, wenn das QE2 der FED am 30. Juni endet. Werden dann auch die Kurse bei Rohstoffen und an den Weltbörsen einbrechen, weil die durch das gelddrucken der FED herbeigeführte künstliche Asset-Inflation dann beendet ist? Und was macht die FED später mit den "Schrottpapieren"?

Die öffentliche Hand der USA und die FED zusammen besitzen jetzt 4,634 Billionen USD an US-Staatspapieren. China besitzt bis jetzt 1,16 billionen USD, Japan 882 Mrd USD, Großbritannien 272 Mrd USD, die OPEC (hier vor allem Saudi-Arabien) 211 Mrd. USD, Brasilien 186 Mrd. USD, Karibische Finanzzentren 168 Mrd. USD, Taiwan 155 Mrd USD, Russland 151 Mrd USD und Hongkong 134 Mrd USD.

Während sich private Investoren wie PIMCO, DWS, Blackrock und Buffet immer mehr aus US-Staatsanleihen zurückziehen, absorbieren fragwürdige FED-Käufe und staatlichen Investoren bis jetzt die Lücke. Aufgefallen ist mir dabei die Position "Karibische Finanzzentren" (also Bahamas, Bermuda, Cayman Inseln, Niederländische Antillen und Panama) mit Volumen von 168 Mrd USD. Wer steckt hinter diesen "Karibischen Finanzzentren" und warum kaufen diese Karibik-Investoren weiterhin US-Staatsanleihen mit einer mageren Rendite ohne Inflationsschutz? Ich kann mir gut vorstellen, dass in Zukunft der FED-Posten und auch der Posten "Karibischen Finanzzentren" in Zukunft zunehmen wird, da Japan wohl aus Aufkäufer von US-Staatsanleihen ausfällt und sich auch China Gedanken machen wird, ob die Anlage in US-Bonds sinnvoll ist. Der Aufkauf von US-Staatspapieren durch "Karibische Finanzzentren" könnte einmal ein Fall für eine US-Untersuchungsausschuss sein oder für den nächsten April-Scherz mit leider hohem Wahrheitsgehalt. Schreiben Sie mir, was ihre Meinung dazu ist und wie sich die ganze Sache auflösen wird. Wird es bald einen Schuldenerlass bzw. ein Cut für US-Staatspapiere geben, was der IWF jetzt für Griechenland fordert? Das wäre ein black swan, denn dies würde einen Finanz-Tsunami auslösen! Oder will sich Amerika durch (Asset)-Inflation „retten“. Es bleibt - auch ohne Japan- und Libyen-News - ein Tanz auf dem Vulkan.

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