Angst vor Dominoeffekten und der „Atommacht“ Iran

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Samstag, 13. Februar 2010 15:51:00

Die Sorge um den möglichen Staatsbankrott von Griechenland war auch in der vergangenen Woche das beherrschende Börsenthema. Die Angst vor möglichen Dominoeffekten sorgte dann für die Kompromiss-Erklärung, dass die EU – sprich Deutschland und Frankreich - in der Not Griechenland zur Seite stehen wird, wenn das Land nicht mehr in der Lage sein sollte, seinen internationalen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Bis dahin muss aber Griechenland unter der Kontrolle der EU seine Hausaufgaben machen und einen umsetzbaren Sparplan vorlegen. Wie in Ungarn kann dies zu Streiks und gewaltsamen Straßendemonstrationen bis zum Sturz der Regierung führen.

Griechenland kann nicht pleite gehen, wenn es genug Zeichner für die nächsten Staatsanleihen gibt. Hier könnte im Notfall die KfW sogar einspringen und die Anleihen zeichnen. Es geht dabei in diesem Jahr um einen überschaubaren Betrag von etwa 50 Mrd. €, bei der die griechische Regierung eine „Anschlussfinanzierung“ finden muss. Der letzten Emission von Staatsanleihen im Volumen von 8 Mrd. € war sehr erfolgreich und 25-fach überzeichnet, weil der Kupon immerhin fast das Dreifache wie bei bundesdeutschen Staatsanleihen einbrachte. Auch hat sich die Situation am Bondmarkt schon entspannt. Die Zinsen der 10 jährigen Staatsanleihen aus Griechenland fiel von 6,8% am 12. Oktober 2009 auf nunmehr nur noch 5,9%. Insofern ist die Aufregung nicht ganz verständlich. Auch in den nächsten Wochen rechne ich mit keinen weiteren Spreadausweitungen und damit auch wieder mit steigenden Kursen - sogar in Griechenland an der Börse.

Im Grundsatz ist aber Griechenland mit seinen ausufernden Staatsdefiziten ein Symbol für fast alle Länder auf der Welt, die sich übermaßen verschuldet haben. Am meisten Sorge muss sich die USA machen mit einem angekündigten Haushaltbilanzdefizit von 1,6 Billionen USD. Da sind die Schulden von Griechenland und selbst der „PIGS“ betragsmäßig „Peanuts“. Wenn in den USA die Anschlussfinanzierung nicht mehr klappt, sprich: wenn China oder Japan de amerikanischen Anleihen nicht mehr kaufen, dann hat die ganze Welt ein Problem. Die Konsequenz wären dann steigende Zinsen und eine Herbstufung der Anleihen. Davor zittert schon jetzt die gesamte Finanzwelt. Auch die USA mogeln übrigens oft gerne mit ihren statistisch geschönten Zahlen – ebenso wie Griechenland sich in die EU und EWU gemogelt hat. Der nächste EU-Kandidat ist übrigens Kroatien, wo die Börse jetzt übrigens deutlich im Plus liegt.

Die Haushaltskonsolidierung und damit auch das Auslaufen der Konjunkturprogrammen bergen wiederum die Gefahr in sich, dass die Konjunktur dann abgewürgt wird und es zu Insolvenzen kommt. Dann wäre Deflation möglich. Einige Analysten vergleichen die Börsensituationen von heute mit der von 2004. Das mag von der Markttechnik und auch der Stimmung her richtig sein. Nur hat sch die Welt global seit 2004 die Welt durch die staatlichen „Anti-Krisen-Programme“ enorm verschuldet. Zudem wird jetzt vielen Analysten auch klar, dass die Exponentialkurve bei der Verschuldung zu einem unlösbaren Problem führt, nämlich die Verschuldung abzubauen. Der Wachstumsdruck erhöht sich von Jahr zu Jahr, denn ohne Wachstum gibt es keine erhöhten Steuereinahmen, es sei denn der Kuchen wird zu Lasten der Vermögenden umverteilt. Die „Linke“ kommt jetzt mit einem Spitzensteuersatz von 60% für die Meistverdiener, die FDP hält an Steuersenkungen fest, die nur dann finanzierbar sind, wenn die Wirtschaft wieder wächst. Auch die Umverteilungsdiskussion wird in Zukunft kommen, was man dann auch schleichende „Sozialisierung“ bezeichnet. Im Grunde hat Deutschland das gleiche Problem wie Griechenland. 100 Mrd. € Rekorddefizit dürfen kein Dauerzustand sein und sind nicht hinnehmbar.

Mit Griechenland besteht nun auch eine Belastungsprobe für den Euro, der droht auseinanderzubrechen. Schon jetzt werden auch Ausstiegsklauseln aus dem Euro diskutiert. Sicherlich schwächen die „PIGS“-Länder den Euro, aber die Finanzsituation in den USA sieht nicht besser aus. Der Euro fiel zuletzt wieder auf 1,36 EUR/USD. Dabei konnte sich Gold bei 1092 USD/Unze noch gut behaupten. Selbst wenn Gold auf 1030 USD/Unze fallen sollte, ist der Haussetrend seit März 2009 noch intakt, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Rohstoffen, wo der Haussetrend seit März verlassen wurde. Der Ölpreis fiel wieder auf 74 USD/Barrel wegen der hohen Lagerbestände in den USA. Lediglich der harte Winter lässt den Ölpreis stabil. Der harte Winter sorgte in den USA für große Schäden. Auch die Obstpreise dürften wegen der Kältewelle wieder anziehen.

Gold ist aber auch eine Art „Krisen- und Angst-Währung“. Die zweite große Gefahr neben einem Staatsbankrot von kleinen und großen Ländern ist die Möglichkeit einer Militäraktion der USA im Iran, nachdem der Iran nun Uran im eigenen Land anreichern will –angeblich für medizinische Zwecke. Zum 31. Jahrestag zu Islamischen Revolution gab der iranische Präsident Muhmad Ahmadinedschad in der letzten Woche feierlich bekannt, dass der Iran nunmehr in der Lage sei Uran bis zu 80% im eigenen Lande anzureichen. Diese „frohe Botschaft“ hat Ahmadinedschad der Weltgemeinschaft aber auch schon öfters gemacht. Erstmals sind jetzt aber angeblich bis zu 20% im eigenen Land angereichertes Uran zu Forschungszwecken (?) an die eigenen Wissenschaftler überreicht worden, was wie eine Ohrfeige gegen die USA und erst recht gegen Israel anmutet. Nun will Obama eine neue UNO-Resolution in Washington vorbereiten, die die Namen von Unternehmen der Islamaischen Revolutionsgarde öffentlich machen sollen.
Sicherlich besteht hinter Ahmadinedschads Ankündigungen auch das Bestreben, eine islamische Großmacht zu werden und die Führungsrolle in der zuletzt führungslosen islamischen Welt zu übernehmen. Iran sei nun nach Ahmadinedschad eine "Supermacht im Nahen Osten und am Persischen Golf". Sein Land habe das Potenzial, in allen internationalen Belangen eine größere Rolle zu spielen. Diese Großmachtsgelüste, die auch der Irak hatte, sind aber gefährlich – auch für den Weltfrieden. Diesen Anspruch hatte Saddam Hussein zuvor auch, wobei früher die USA sogar Irak beim Krieg gegen den Iran unterstützte, ebenso wie ein Bin Laden ehemals ein Verbündeter der USA war. Nun werden die Russen zu Verbündeten der USA, was die mögliche Atommacht Iran angeht. China hält sich noch bedeckt und ist möglicherweise der lachende Dritte beim geopolitischen „Russisch Roulette-Spiel“.
Ein Militärschlag der USA gegen den Iran ist wegen der möglichen Dominoeffekte in der islamischen Welt sehr gefährlich für die Welt. Es würde auch die schon jetzt fast aussichtslose Befriedung von Afghanistan gefährden. Terroranschläge könnten die Antwort der islamischen Welt auf einen Iran-Krieg werden, denn El Kaida–Zirkel und „Schläfer“ gibt es mittlerweile überall auf der Welt-. Auf der anderen Seite wird es Ahmadinedschad im eigenen Land schwer haben, die Opposition mit Gewalt dauerhaft in Schach zu halten. Man darf in jedem Fall gespannt sein, wie die verschärften Sanktionen gegen die „Atommacht“ Iran in Zukunft aussehen sollen. Für die Weltbörsen käme ein Militärschlag der USA jetzt zur Unzeit. Er könnte auch die konjunkturelle Erholung in Frage stellen und dann rückt das Verschuldungsproblem noch schneller in den Vordergrund.
Ein drittes Thema, das auch die Börse beschäftigte, ist der Datenklau in der Schweiz zum einen und das Nein der EU zur Weitergabe der SWIFT-Daten an die USA zur Vorbeugung von Terrorangriffen und zum Aufdecken der islamischen Finanzzirkeln. Dies belastet jetzt auch die transatlantischen Beziehungen, wobei die EU und USA bezüglich Iran und Terrorabwehr an einem Strang ziehen sollte. Da sich der deutsche Staat zum Hehler macht und dabei auch schon durch die Ankündigung des Hehler-Deals einige Millionen eingenommen hat, dürfte klar sein, dass die Privatsphäre nicht mehr geschützt wird. Die Abwägung von Datenschutz einerseits und Aufdeckung von Verbrechen – auch Steuervergehen - anderseits über Datenklau wird uns noch weiter beschäftigen. Auch die Frage der erhöhten Börsenumsatzsteuer wird ein Thema bleiben. Zu den dominanten Themen gesellen sich immer wieder Konjunkturdaten und Quartalszahlen aus den USA, die die Weltbörsen auch in den nächsten Wochen dominieren werden.

So war es nicht verwunderlich, dass die Börsen in der letzten Woche trotz guter Unternehmensdaten noch nicht durchstarten konnten. Die Credit Suisse erzielte im letzten Jahr einen Gewinn von 6,7 Mrd. Franken (4,6 Mrd. €) - davon im 4. Quartal einen Gewinn von 793 Mio Franken nach einem Verlust von 6 Mrd. Franken im Vorjahr, was das drittbeste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte „auf dem Papier“ ist. Dabei war auch ebenso wie bei dem Gewinn von 5 Mrd. € bei der Deutschen Bank AG das Investment-Banking der größte Gewinnbringer. Immerhin betrug die Eigenkapitalrendite der CS schon wieder stolze 35%, wobei unklar ist, wie viele toxische Produkte die CS noch in den Büchern hat und wie sie bewertet wurden. Auch Coca Cola meldete recht gute Ergebnisse, so dass die Berichtssaison bisher wenig Anlass zur Sorge gibt. Wenn Kurse aber aus Angst vor einem Ereignis fallen und nicht aufgrund schlechter Fundamentaldaten, ist dies oft ein guter Nährboden für steigende Kurse in der Zukunft. Allerdings sind die angesprochen Themen so gewichtig, dss man weiterhin von einem „Tanz auf dem Vulkan“ sprechen kann. In solchen Zeiten dürfte vor allem defensive Titel und Dividendentitel, also ertragsstarke Unternehmen mit niedrigen Bewertungen gefragt sein.

Die meisten Weltbörsen konnten sich letzten Woche von den Jahrestiefstständen leicht um 1-3% erholen. Von der Marktechnik her sind für den DAX die 5500–Marke und für den Dow Jones die 10.000-er Marke weiterhin nicht nur psychologisch bedeutsam. Der DAX stagnierte am Freitag bei 5500 Indexpunkten und der Dow Jones schloss mit einem Minus von 0,44% bei 10.092 Indexpunkten. Bei Kursen unter 10.000 drohen schärfere Korrekturen – beim Dow bis 9500 und beim DAX bis 5200 Indexpunkte.

Der Name „Dow Jones“ und damit auch der Index Dow Jones gehört jetzt übrigens nicht mehr dem legendären Dow Jones Verlag, sondern durch einen 600 Mio. USD-Deal der Chicagoer Derivatebörse CME, was wohl auch Symbolcharakter hat. Der Dow Jones soll dennoch unverändert als Name als Leitindex bestehen bleiben. Insbesondere wenn der Dow Jones neue Tiefs von unter 9850 unterschreiten sollte, wird die Gesamtkonstellation – auch für die Ostbörsen - bearish. Beim RTS muss die 1300-Marke in Zukunft halten. Der RTS-Index fiel am Freitag um 2% auf 1363 Indexpunkte. Eine volatile Seitwärtsbewegung und abwartende Haltung der Investoren ist in diesem Umfeld durchaus wahrscheinlich.

Unabhängig von den von Nervosität gekennzeichneten etablierten Weltbörsen kam es zu Jahresbeginn bis jetzt zu steigenden Börsenkursen an einigen osteuropäischen Börsen wie in Kroatien als nächste EU-Kandidat, Ukraine, Kasachstan und Georgien. Die Börsenindices dieser Exotenbörsen erscheinen aber nie in den Weltranglisten der Weltbörsen, weil die Börsen zu klein und illiquide sind. Schon im letzten Jahr konnten sich die Kurse nicht nur in Russland (+124%), sondern auch in der Ukraine und Kasachstan mehr als verdoppeln.

In der Ukraine war zuletzt der Wahlsieg des Sozialisten Janukovic das bestimmende Thema, das aber nicht nachteilig für die Börse war, da sich nun die Beziehungen zu Russland auf präsidialer Ebene verbessern dürften. Bei den Exotenbörsen aus Osteuropa kann es in der Tat auch in Zukunft zu Entkoppelungseffekten, neudeutsch „Decoupling“, kommen. Die Hintergründe für die positiven Börsenentwicklungen können Sie nachlesen im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS. In jedem Fall dürfte es sich auch lohnen, die Frontier Markets aus Osteuropa als Portfolio-Beimischung in Betracht zu ziehen. Möglich ist dies über Fonds, Zertifikate und an deutschen Börsen gelisteten Aktien, wobei die Umsätze noch zu Wünschen übrig lassen.

Nach der Korrekturphase, bestehen wieder gute Einstiegschancen. Verpassen Sie dabei die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de. Im neuen EAST STOCK TRENDS können Sie auch mehr über das IPO des weltgrößten Aluminium-Konzerns RuSal am 27. Januar an der Hongkonger und Pariser Börse nachlesen und warum meine „Aktie des Monats“ Tallink im Kurs um über 50% seit Dezember 2009 anstieg. Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

TV-Hinweise: Andreas Männicke wird am 15. Februar 2010 um 11.30 Uhr im DAF über die Ostbörsen Ukraine, Kasachstan und Georgien befragt. Die letzten TV-Interviews über die Ukraine und Russland von 2. und 8 Februar in N-TV/Telebörse können Sie sich jetzt bei dem Link unter www.eaststock.de in der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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