„Alles in Maßen“ oder auch „Das Faß ist voll!“

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Sonntag, 28. Dezember 2008 16:52:00

„Haben Sie auch zu Weihnachten wieder einmal zu viel gegessen?“ Der Magen und Darm würden es Ihnen danken, wenn Sie zwar genussvoll, aber in Massen gegessen hätten. Auch Füllerei ist eine Art „Blasenbildung“. Die Weihnachtszeit war hoffentlich auch bei Ihnen eine besinnliche Zeit und auch eine Zeit zum Nachdenken und Reflektieren, ob sie im letzten Jahr mit Bedacht und Augemaß investiert hatten. Es ist aber auch die Zeit, um sich Gedanken für das nächste Jahr zu machen.

Auch in der Wirtschaft scheinen viele das Maß verloren haben, sei es zuvor in den obersten Banketagen, sei es nun bei vielen Politikern und sogar Wirtschaftswissenschaftlern, die nun bei dem Umfang der Konjunkturprogramme und damit der Staatsverschuldung das richtige Maß aus den Augen verlieren. Für mich ist das Fass bei 10 Billionen Staatsverschuldung in den USA schon voll, aber es wird wohl nächstes Jahr eine weitere Billion USD hinzukommen. Dabei muss der Staat nur das ausbügeln, was der „maßlose Kapitalismus“ zuvor angerichtet hat. So vewundert es nicht, dass das neue Buch vom Erzbischof Reinhard Marx „Das Kapital“ über Neid und Gier von Bankmagern nun zu den Bestsellern zählt. In der Not werden einige Hauptakteure zum Schluss dann noch kriminell wie das Beispiel Hypo Real Estate zeigt.

Die ausufernden Schuldenmacherei sind genauso kurzsichtig wie die jetzt vielfach zu Recht beklagte Profitgier einiger Investmemtbanker. Der letzte Boss von Lehmann Brother Richard Fuld dürften zum Symbol einer ausufernden, maßlosen Profitgier geworden sein und die AIG-Manager ebenfalls. Jetzt müssen wir uns fragen, ob nicht auch die Politiker in ihren maßlosen Schuldenmacherei einen Verschuldungs-Prozess in Gang setzen bzw. beschleunigen, der im Chaos oder in einer Währungsreform endet. Zumindest belastet er die Zukunft der nächsten Generation erheblich. Der von der Bush-Administration gewährte Kredit für General Motors und Chrysler in Höhe von 17,4 Mrd. USD wird wohl nur für einige Monate reichen. 13,4 Mrd. sind schon im Dezember geflossen, weiter 4 Mrd. USD sollen im Februar folgen. Gespeist wird das Gel aus dem 700 Mrd. USD-Programm, das für die Rettung der US-Banken vorgesehen war. Damit wird aber vom Staat eine Branche einseitig bevorteilt, was wettbewerbsrechtlich problematisch ist. Da hilft es auch nicht viel, dass die Vorstände nicht mehr mit dem Privatjet fliegen dürfen. Was aber passiert, wenn den 3 großen US-Automobilkonzerne schon im Frühjahr 2009 wieder das Geld ausgeht? Wird Obama dann „nachschießen“. Schon jetzt gibt es wieder Zeltstädte im Süden der USA. Über 70.000 Obdachlose, die ihr Haus verloren haben oder die Miete nicht mehr bezahlen konnten, leben notdürftig in Zelten, was auch Vorboten einer kommenden Massenarbeitslosigkeit in den USA sind. In jedem Fall steht GM vor schweren Verhandlungen mit den Gewerkschaften bei dem nun anstehenden Restrukturierungsprogramm.

Ich möchte bei den massiven Konjunkturprogrammen (nun auch in Japan mit 35 Mrd. € ) an die Erfahrungen von Finnland in den Jahren 1991 bis 1993 erinnern, in denen die Verschuldung von 10 auf 65% des BIPs nach oben katapultiert wurde. Trotz massiver Konjunkturprogramme fiel das BIP in den drei Jahren um 11%. In Schweden betrug der Wachstumsrückgang in diesem Zeitraum 6 Prozent trotz massiver Infrastrukturprogramme. In Finnland mussten in der Rezession sogar die Steuern erhöht werden, weil wegen der explodierenden Schulden niemand mehr die Staatsanleihen kaufen wollte. Ähnliches könnte in den nächsten Jahren einigen Europäischen Ländern wie Italien/Belgien oder sogar den USA drohen. Es würde mich auch nicht wundern, wenn Italien früher oder später aus dem Euro rausgeht und der Euro ins Wanken gerät. Auch kommt eine Zwangsanleihe für Vermögende in Betracht zu niedrigen Zinsen von maximal 2,5%. Wir müssen uns in jedem Fall auf ungewöhnliche und unkonventionelle Regierungsentscheidungen einstellen, die auch die Börsen betreffen werden.

Das Rezept „Konjunkturprogramme“ ist also nicht neu. Auch ein jetzt immer wieder diskutierte „Bad Bank“ ist zwar eine Variante, die den betroffenen Banken kurzfristig helfen könnte ,aber die dafür die Staatsverschuldung nach oben treibt, da man später keinen fairen Preis mehr für die bis dato uneinbringlichen bzw. wertlosen Forderungen mehr erzielen kann. Der Staat ist als Bankmanager auch überfordert und ungeeignet. Die Zeche müssen wir dann alle als Steuerzahler früher oder später selbst zahlen. Bisher sind trotz aller Rettungsprogramme die Geld- und Kreditkreisläufe noch nicht wieder in Gang gekommen. Dies ist aber die Voraussetzung dafür, um eine große Krise abzuwenden.

Zudem drohen jetzt auch geopolitische Gefahren. Nachdenklich macht zum Beispiel die maßlose Vergeltungspolitik des israelischen Militärs mit über 200 Toten durch Raketen in der Gaza Stadt, nachdem zuvor die Hamas Raketen auf israelischen Siedlungen geschossen hatten. Der Nahe Osten ist weiterhin ein Pulverfass. Auch hier wird Obama bzw. Clinton viel zu tun haben, um eine Eskalation zu vermeiden. Eine Eskalation könnte auf einen neuen Krieg hinauslaufen. Nachdenklich machen auch die anhaltenden Provokationen Pakistans gegenüber Indien. Pakistan selbst ist ebenfalls ein Pulverfass mit Atombomben an „Bord“. Auch hier haben viele Meinungsführer offensichtlich das Maß verloren. Gespannt sein darf man, ob Obama die richtigen Antworten beim Iran-Konflikt finden wird, wenn der „Ruinator“ Bush am 24. Januar abtritt. Alle diese möglichen Konfliktherde müssen auch die Börsianer zu Jahresbeginn einkalkulieren – ebenso wie Terrorgefahren.

Immerhin war das Weihnachtsgeschäft gemäß meinen Erwartungen – zumindest in Deutschland - recht erfreulich. Insofern kommt durchaus eine kleine Jahresendrallye beim DAX in Betracht, zumal in Deutschland auch die Abgeltungssteuer für einige zusätzliche „Last minute“-Käufe bei dünnen Umsatz erwirken sollte. Der DAX schloss zuletzt mit einem Minus von 9 bei 4629 Indexpunkten und der Dow Jones mit einem Plus von 47 bei 8515 Indexpunkten. Damit bewegen sich beide Indices seitwärts und zwar der DAX in der Trading-Range zwischen 4600 und 4800 und der Dow Jones zwischen 8400 und 9000 Indexpunkten. Unter 4600 beim DAX bzw. unter 8400 Indexpunkten beim Dow Jones wird das Szenario bearish und über 4800 beim DAX bzw. 9000 Indexpunkten bei Dow Jones die Markttechnik bullish. Falls der DAX aber unter 4000 oder der Dow Jones unter 8000 Indexpunkte fällt, sollte Sie auch an den Ostbörsen wieder vermehrt in Liquidität gehen. Ich glaube, dass das Jahr 2009 trotz der Rezession aber einige gute Trading-Chancen bieten wird mit einem Chancenpotential von 30%. Bis Jahresende dürften die Kurse nur leicht ansteigen. Gute Chancen sehe ich weiterhin für Gold, das schon auf 866 USD/Unze gestiegen ist.

Der russische Aktienmarkt wird weiterhin nachhaltig von Ölpreis beeinflusst werden, der zuletzt auf ein neues Jahrestief von 38 USD/Barrel (WTI) fiel Der RTS-Index fiel am 26. Dezember um 1,74% auf 644 Indexpunkte. In Moskau wird vom 1. bis 10. Januar kein Handel stattfinden. In dieser Zeit wird als der Handel vom ADR-Markt an westlichen Börsen dominiert. Auch wenn es die russische Regeierung nicht wahrhaben will, so ist die Finanzkrise nun mit voller wucht auch in Russland angekommen. Die russische Zeitschrift „Kommersant“ druckte in der Samstagausgabe anstelle von journalistischen Beiträgen 36 Bankrotterklärungen von russischen Unternehmen, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Finanzkrise in Russland nicht von Medien „gemacht bzw. herbeigeredet“, sondern faktisch vorhanden ist. Es bleibt nun abzuwarten, ob Putin auch bei einem Ölpreis von unter 40 USD/Barrel der richtige Krisenmanager ist.

Putin hat schon angekündigt, dass die Zeit der niedrigen Gaspreise vorbei sei, da schon die Förderkosten enorm gestiegen sein. Sein Ziel ist eine Art Gas-OPEC schon im nächsten Jahr. Er wird wohl auch der Ulkraine am 1. Januar mit der „Gaskeule“ drohen, wenn bis dahin die 2,4 Mrd. USD Schulden von der Ukrainer nicht beglichen werden. Es kann also gut sein, dass der Ukraine wieder der Gashahn am 1. Januar abgedreht wird. Deswegen werden wir aber noch nicht gleich im Kalten sitzen müssen, wenn uns auch die sibirische Kälte in de nächsten Tagen beglücken dürfte.

Ausblick: Die ersten 7 Tage an der Wall Street könnten wieder maßgeblich für das Gesamtjahr werden. Am 1. Januar wird die Slowakei den Euro einführen, was viel zu wenig beachtet wird. Nicht nur deswegen zählt die Börse Bratislava zu meinen Favoriten für 2009. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

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