Ägypten als Investmentchance?

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Samstag, 05. Februar 2011 13:45:00

„Kaufen, wenn die Kanonen donnern!“ ist eine Börsenweisheit vom verstorbenen Börsenguru André Kostolany“. In Ägypten donnern zwar zum Glück nicht die Kanonen, sondern allenfalls – wie im Mittelalter – „nur“ die Steinschleudern und Stöcker, aber die blutigen Auseinandersetzungen mit bisher 6 Toten haben eine große Symbolkraft für den gesamten arabischen Raum. Ägypten ist volkswirtschaftlich nicht sonderlich bedeutsam. Alleine Apple ist schon doppelt so groß wie die gesamte ägyptische Volkswirtschaft. Es geht jetzt vielmehr um unkalkulierbare Dominoeffekte, also einem Flächenbrand, in der arabischen Welt.

Mubarak hat durch die Abschaltung des Internets und des Mobilfunks einen Bumerang geschaffen. Teile der protestierenden Bevölkerung wurden durch Facebook, Twitter und You Tube selbst zum „Berichterstatter“ mit einer „Millionenauflage“. Es lebe die Pressefreiheit im global village!

Der Drang nach Freiheit und der Wunsch auf einen besseren Lebensstandard sind jetzt in vielen arabischen Ländern deutlich erkennbar. Es rumort nicht nur in Tunesien und in Ägypten, sondern im gesamten arabischen Raum. Die Kombination von hoher Inflation, vor allem stark steigender Arbeitslosigkeit und hoher Jugendarbeitslosigkeit, ist ein explosives Gemisch. Die meisten arabischen Länder haben keine Demokratie, sondern ein von einem Despoten geführten totalitäres System, das von Korruption beherrscht wird. Zudem werden diese Länder von sehr gut entwickelten Geheimdiensten begleitet, die im Auftrag des Präsidenten anonym in Zivil arbeiten. Die Pressefreiheit ist oft sehr eingeschränkt und kaum einer wagte vorher etwas gegen den Präsidenten aus Angst vor Repressionen zu sagen. So kommt der oft vorhandene Rohstoffreichtum in diesen Ländern nicht bei der Bevölkerung, sondern nur einer kleinen Elite an, wobei der Präsident und seine Familie den größten Anteil davon abbekommen.

Ein große Gefahr für die USA wäre es, wenn die Revolution auch in Saudi-Arabien starten würde, denn Saudi-Arabien hat schon über 800 Mrd. USD in den USA investiert und Saudi-Arabien ist auch ein für die USA ein sehr bedeutsamer Öllieferant. Wenn es dort zu einem Umsturz käme, wäre das geopolitische System nicht mehr im Gleichgewicht. Dies würde bedeuten, dass es im Falle eines Umsturzes zu strak steigenden Ölpreisen und zu einer Destabilisierung des gesamten arabischen Raumes kommen könnte. Der arabische Raum könnte sich mittelfristig zum "black swan" entwickeln, was dann auch mittelfristig – nicht aktuell - Auswirkungen auf die Weltbörsen hätte, denn dann werden verlässliche Partner zum unverlässlichen und unkalkulierbaren Partnern. Die Kontinuität geht damit verloren und es entsteht ein eher unstabiles System. Die Arabische Liga sollte jetzt auch öfters tagen. Sie sollte aber auch mehr Demokratie und Pressefreiheit verfassungsrechtlich einführen, da sich ein ineffizientes System, das Menschenrechte mit Füssen tritt, auf Dauer selbst abschafft. Anderseits muss aber auch betont werden, dass das marktwirtschaftliche und kapitalistische System Ungleichgewichte in Entwicklungsländern geradezu provoziert. Auch die expansive Geldpolitik trägt zur Blasenbildung und zur Steigerung der Inflation bei. Greenspan und Bernanke stehen jetzt schon am Pranger. Sie sind aber auch nur Teile eines instabilen Systems. Das richtige System, das für Kontinuität und Stabilität sorgt, ist also weltweit noch nicht gefunden.

So verständlich der Wunsch nach einem bessren Lebensstandard und mehr Demokratie ist, die Frage ist aber, was danach kommt. Es besteht nicht nur in Ägypten die Gefahr von lang andauernden Bürgerkriegen wie in Libanon, wobei Machtinhaber die Macht behalten wollen und andere Gruppen an die Macht drängen. Es wird im arabischen Raum demnächst auch darauf ankommen, wer dort das Sagen hat und auf wen man am meisten hört. Nachdem der Irak als omnipotenter Machtinhaber ausfällt, will nun Iran diese Rolle übernehmen. Es wird im Irak auch fortan zu Grabenkämpfen zwischen rivalisierenden Gruppen kommen. Auch ich bin ein Verfechter von Menschenrechten, von demokratischen Rechten und vor allem von Pressefreiheit in jedem Land der Welt. Es ist aber fraglich, ob es nach einer Revolution friedlich bleibt oder ob sich rivalisierende Gruppen weiterhin bekämpfen. Auch ist es fraglich, ob es mit den neuen Machtinhabern wirklich wirtschaftlich besser vorangeht oder nicht auch hier Enttäuschungen vorprogrammiert sind. Kurz: es ist die große Frage, wer das Machtvakuum ausfällt und welche geopolitischen Konsequenzen dies dann schlussendlich haben wird. Das weiß heute keiner.

Auch hat der Sturz von Mubarak große geopolitische Folgen. Mubarak war zumindest für die USA bei Konflikten auch bezüglich Israels ein verlässlicher Partner. Amerika unterstützt das Militär Ägyptens jedes Jahr mit 2 Mrd USD. Einige begreifen das ägyptische Militär schon als verlängerten Arm der amerikanischen Außenpolitik. Es geht dabei auch Israel und seine arabischen Nachbarländer. Die neuen Machtinhaber könnten nach den hoffentlich freilich stattfinden Wahlen eine andere Haltung gegenüber Israel einnehmen. Der Nah-Ost-Konflikt könnte damit in Zukunft ganz andere Dimensionen annehmen. Man kann nur hoffen, das nicht radikale Ismalisten sich durchsetzen, die auch zu Terror und Krieg bereit sind. Das gleiche Problem wird sich demnächst im Irak, Iran und vielen arabischen Ländern auftun, auch in Pakistan und in Afghanistan. In Afghanistan könnten die Taliban im nächsten Jahr wieder zurückkehren oder zumindest durch fortgesetzte Terroranschläge das Land destabilisieren, im Iran könnten extreme Ismalisten an die Macht kommen, in Pakistan könnte es auch zum einer Revolution kommen, die sehr gefährlich wäre, weil Pakistan auch eine Atommacht ist.

Die Situation ist also viel komplexer und geopolitisch bedeutungsvoller als man jetzt annimmt. Die arabische Welt kann zum also mittelfristig zum „black swan“ werden – auch für die Weltbörsen. Hoffentlich werden jetzt auch die richtigen Wegweisungen und Ratschläge bei der gerade in München laufende Welt-Sicherheitskonferenz gegeben. Es ist die Frage, ob man die richtige Gruppe jetzt unterstützt oder die Unterstützung hernach zum Bumerang wird. Erinnern wir uns an die wechselhafte Unterstützung der Al Quaida durch die USA in Afghanistan. Die Drähte bei der Geheimdiplomatie laufen jetzt heiß, auch in der arabischen Welt! Es wäre schön, wenn dies dann aber auch tatsächlich zum Wohle des Volkes und nicht zur Durchsetzung der eigenen nationalen Interessen geschieht. Hilfe zur Selbsthilfe bleibt jetzt das Gebot der Stunde; es ist fraglich, ob die Aktivitäten der US-Geheimdiplomatie mit der Unterstützung des Militärs in Ägypten ausreicht, denn das ist alles andere als die von Obama öffentlich propagierte „Hilfe zur Selbsthilfe“. Hier wäre Europa jetzt auch gefordert, vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen in den arabischen Raum zu intensivieren, was zu einer win-win-Situation führen könnte. Aber wo ist Europas Sprachrohr bei diesem Konflikt, zumal Europa (noch) keine eigenen Geheimdienste besitzt? Eine Erhöhung der Entwicklungshilfe und wahre „Hilfe zur Selbsthilfe“ könnte hie wahre Wunder bewirken.

Die Weltbörsen haben die Unruhen in Tunesien und jetzt in Ägypten bisher mit großer Gelassenheit aufgenommen. Es wird bisher als non event betrachtet. Die Börse in Ägypten brach zwar um über 20% ein und wurde dann geschlossen, die großen Weltbörsen ließen sich davon aber nicht beunruhigen, sondern erzielten sogar neue Jahreshöchstkurse aufgrund guter US-Konjunkturdaten und guter US-Unternehmensergebnisse. So stieg der Dow Jones Industrial Index am Freitag um 0,25% auf 12.092 und der DAX um 0,31% auf 7216 Indexpunkte. Der Nikkei-Index legte sogar um 1,08% auf 10.543 Indexpunkte zu. Alle Indices befinden sich damit nahe der neuen 3 Jahreshochs. Damit bleiben die Haussetrends seit September 2010 trotz der Unruhen im arabischen Raum voll intakt. Im Gegenteil: Die ganz „Hartgesottenen“ kaufen jetzt sogar auch antizyklisch einen ETF oder ein Indexzertifikat auf ägyptische Aktien.

Russland konnte als größter Ölproduzent der Welt von den hohen Ölpreisen profitieren. Der Brent-Ölpreis stieg zwischenzeitlich auf über 100 USD/Barrel, während der WTI-Ölpreis bei 90 USD/Barrel stagnierte und am Freitag sogar auf 88,7 USD/Barrel fiel. Der Euro gab auch deutlich von über 1,37 auf unter 1,36 EUR/USD nach, da Trichet mittelfristig keine allzu großen Inflationsgefahren sah und damit keine Zinserhöhung andeutete. Der RTS-Index stieg am Freitag um 0,6% auf 1928 Indexpunkte, was nahe dem 3-Jahreshoch ist. Mit einem Plus von knapp 10% führt die Moskauer Börse als bedeutende Börse (Börsenkapitalisierung über 1 Billion USD) schon wieder die Spitzengruppe an den Weltbörsen an. In 2009 stieg der RTS-Index über 120% und im letzten Jahr über 20%. Viele deutsche Privatanleger verpassten diese fulminante Hausse in Russland nach dem Lehman-Schock und rennen jetzt den Kursen hinterher. Mein Motto war damals wie heute aber: „In der Krise liegt die Chance (zum Tenbagger)!“.

Die Outperformance gegenüber DAX und S&P-Index wird damit jetzt immer deutlicher. Vor allem Öl/Gasaktien wie Gazprom LUKoil und Rosneft waren zuletzt stark nachgefragt. Rosneft erzielte im 4. Quartal 2010 einen Rekordgewinn von über 3 Mrd. USD. Die geplante Überkreuzbeteiligung mit BP wird jetzt aber von TNK-BP gerichtlich angefochten. Ich empfehle aber nicht nur auf Öl/Gasaktien zu setzen, sondern die gesamte Branchenvielfalt in Russland zu nutzen, also neben Öl/Gasaktien, auch Metall/Kohle-, Konsum-, Telekom-, IT-, Pharma-, Logistik, Touristik-, Bau- und Bankaktien. Am 14. Februar kommt ein neues Russland- Zertifikat von Goldman Sachs auf den Markt, das der Branchenvielfalt mehr Rechnung trägt als der RTS oder MSCI Russia -Index, die zu über 50% von Öl/Gaswerten dominiert werden. Vor dem Investieren sollten Sie sich aber eingehend informieren!

Bestellen Sie daher jetzt ein Probe-Abo für den monatlich erscheinenden Ostbörsenbrief EAST STOCK TRENDS (EST, siehe www.eaststock.de). Im EST wird auch immer auf das „big picture“ eingegangen, also auf die Hintergründe der gegenwärtigen Gold/Silberhausse und das Pro und Contra an den Weltbörsen, was immer auch Rückwirkungen auf die aufstrebenden Ostbörsen hat.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 249% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 360% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 700% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 2000% (!) zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen. Auch russische Gold/Silberaktien haben noch Potential.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren im Frühjahr in Frankfurt/M haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

Bitte schreiben Sie uns auch, welche Märkte für Sie besonders interessant sind und mit welchen Aktien Sie in 2010 die beste Performance erzielen konnten.

Interview-Hinweise: Andreas Männicke wurde 3. Februar 2011 in NTV/Telebörse über Russland, am 27. Januar von Dr. Bernhard Jünemann im DAF über Osteuropa, am 13. Januar von der Deutsche Welle (Andrey Gorkov, Russlandredaktion, www.dw-world.de) über den Jahresausblick für die Moskauer Börse, am 7. Januar 2011 im Börsen Radio Network über die Chancen in Russland und am 5. Januar 2011 um 12.00 Uhr im DAF (www.anleger-fernsehen.de) von Andreas Gross über die Anlagechancen in Osteuropa in 2011 befragt. Sie können sich die TV- und Radio-Interview, falls Sie sie verpasst haben sollten, jetzt unter www.eaststock.de bei der Rubrik "Interviews" runterladen

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