2 Jahre nach der Lehman-Pleite: zwischen Baum und Borke!

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Samstag, 18. September 2010 14:20:00

Der 17. September war der „Zertifikateopfer-Gedenktag“: 2 Jahre nach der Lehman-Pleite ziehen jetzt viele Medien Bilanz und fragen sich, was daraus gelernt wurde und wie es weitergehen wird. Das fragen sich Anleger jetzt auch. Die meisten Anleger sitzen immer noch auf hohen Liquiditätsbeständen und hoffen, den richtigen Einstiegspunkt diesmal ausmachen zu können, nachdem die Reboundchancen in 2009 vielfach ungenutzt blieben.

Die meisten Anleger flüchten sich bisher weiterhin in Festgeld/Tagesgeld oder, was ich nicht nachvollziehen kann in Anleihen mit einer Rendite von 2% oder darunter. Nur ein kleiner Prozentsatz der Anleger (<1%) ging auch in Gold/Silber, was aber ausreichte, um den Goldpreis auf neue Rekordmarken zu bringen. Bei den meisten Anlegern herrscht aber noch Ratlosigkeit und Unentschlossenheit, was 2 Jahre nach der Lehmann verständlich ist.

Die Börsen haben sich in diesem Jahr noch nicht entschieden, wohin die Reise hingehen wird, denn die meisten Börsen tendieren weiter seitwärts. Hinter dieser fast stabil anmutenden Börsenphase liegen aber gewichtige Argumente, die diametral auseinanderliegen. Die Bullen sehen die gegenwärtige Seitwärtsbewegung für den Beginn einer nachhaltigen Hausse in 2011, die Bären sehen eine weitere Katastrophe für Anleger voraus, die den Crash von 2008 noch übertreffen wird. Es lohnt sich also gedanklich mit beiden Polen auseinanderzusetzen.

Aufgrund der niedrigen Zinsen waren die Risikoprämien selten so hoch wie jetzt. Die höchste Beachtung finden bei dem meisten Analysen und Prognosen die US-Konjunkturdaten, die jede Woche (m. E. zu sehr) auf die Waagschale gelegt werden und die Weltbörsen in die eine oder andere Richtung bringen. Während die Unternehmensdaten im ersten Halbjahr überwiegend positiv ausfielen und über den Erwartungen lagen, kommt nun die bange Frage, ob es ein „Double Dip“ in den USA geben wird oder nur eine Konjunkturabschwächung. Obama und auch die FED werden alles unternehmen, um ein Double Dip zu vermeiden, weil sie genau wissen, was das für dramatische Folgen für die USA und mithin die ganze Welt hätte. Um dies zu erreichen, werden die Zinsen niedrig bleiben. Ich muss immer wieder betonen, dass ein Double Dip in diesem oder im nächsten Jahr verheerende Folgen für die globalen Finanzmärkte hätte.

In den USA ging schon die 125. Bank Pleite, 829 sind nach Angaben der FIDC gefährdet. Im letzten Jahr gingen „nur“ 140 Banken Pleite (von über 8000 insgesamt). Der US-Einlagensicherungsfonds ist an der Grenze angelangt. Ihm fehlen jetzt schon 15,2 Mrd. USD, die zusätzlich umgelegt werden müssen. Aber auch die 40 Mrd €-Bürgschaft für die Hypo Real Estate macht nachdenklich und wirft Fragen auf, ob einige Problem-Banken ein Fass ohne Boden bleiben. Das gleiche gilt für AIG in den USA und auch für die Hypothekenbanken Fannee Mae und Freddie Mac. Ich fordere schon lange zumindest für die Problembanken einen regelmäßig quartalsweisen Stresstest und eine ehrliche Auskunft der Politiker und Kontrolleinrichtungen (auch der Aufsichtsräte). In den USA leben jetzt 14,3% der Bevölkerung, also über 43 Mio. Menschen (!), unterhalb der Armutsgrenze, was der höchste Stand seit 1965 ist. Armes, reiches Amerika!

Boeing will dennoch hoch hinaus und ab 2015 Touristen in Weltall bringen. Auch Obama hat kühne Visionen. Die US-Gesundheitsreform hatte nicht die gravierenden Folgen wie befürchtet und auch nicht die US-Finanzmarktreform, womit sich die Kurse der US-Pharmawerte und US-Finanztitel stabilisierten. Es gibt aber nach wie vor hohe Risiken für Finanztitel wegen möglicher Staatsbankrotte bzw. der Herabstufung von Staatsanleihen. Im Moment bereiten irische Banken und Staatsanleihen wieder einiges Kopfzerbrechen. Auch Basel III wird eine Herausforderung für die Banken. Die europäischen Banken benötigen demnach einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 100 Mrd € in den nächsten beiden Jahren, wobei Basel III erst in Stufen eingeführt werden soll. Die EU verständigt sich gerade auf Einzelmaßnahmen wie das Verbieten von nackten Leerverkäufen und die Zuordnung von Aufsichts- und Kontrolleinrichtungen, was aber auch nicht der große Wurf ist.

Falls es zu Staatsbankrotten bzw. Umstrukturierungen bei Staatsschulden kommen sollte, ist der Abschreibungsbedarf bei Banken groß und dann brauchen die Banken noch mehr Kapital. Die Deutsche Bank AG machte den Anfang mit einer Kapitalerhöhung zur Übernahme der Postbank. Durch die Übernahme der Postbank will die Deutsche Bank AG 1,7 Mrd € einsparen und im nächte Jahr einen Vorsteuergewinn von 10 Mrd € erzielen. Probleme werden auch Versicherungen bei den niedrigen Zinsen bekommen. In Deutschland stehen 23 Krankenkassen von 160 kurz vor der Pleite. Die EZB hatte mit dem Aufkauf von Anleihen und dem Rettungsschirm in der Not die Maastricht-Kriterien selbst aufgegeben, was ich für einen Fehler halte. Wir leben also nach 2 Jahren nach der Lehmann-Pleite immer noch in einer „Welt der Not-Programme“ und keinesfalls in einer „normalen Welt“, wie es einige Anlageberater behaupten und die Börsenkurse auch suggerieren.

Die große Hoffnung für die Welt sind aber nicht die USA, sondern die Emerging Markets, allen voran aus Asien, wo die Konjunktur nach wie vor sehr robust ist. Indien, China und Indonesien wachsen sehr dynamisch mit Wachstumsraten von jeweils über 6%. Ein Geheimtipp von mir bleibt Indonesien als Investment, wo sie über diverse Zertifikate einsteigen können. So hat die RBS in Kooperation mit dem „Ideengeber“ Jud & Partner Strukturierte Produkte AG aus der Schweiz am 16. September zu 99 USD pro Zertifikat einen neuen, sehr interessanten Indonesien-Basket zur Zeichnung herausgegeben. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 24. September. Ab dem 5. Oktober soll das Zertifikat. öffentlich handelbar sein. Der Basket umfasst 20 ausgesuchte, (mit jeweils 5%) gleichgewichtete Werte mit überdurchschnittlichem Wertsteigerungspotential. Darunter sind auch die von der Marktkapitalisierung 10 größten Werte der Börse Jakarta, die sonst von Automobil(handel), Telekom-, Banken – und Konsumaktien dominiert wird. Mit einem Durchschnitts-KGV von 17 für 2010 und 14 für 2011 ist der Wachstumsmarkt zwar nicht zu teuer, aber auch kein „Schnäppchen“. Ich stufe den Basket aber als chancenreich ein. Auch Immobilen sind in Indonesien ein lohnendes Investment.

Indonesien hatte auch in 2008/9 keine Rezession durchleiden müssen, sondern wuchs beständig weiter (ebenso wie Polen). In den nächsten beiden Jahren wird ein BSP-Wachstum von 6% erwartet. Die Kerninflationsrate beträgt nur 4,5% und ist damit nicht so hoch wie in Indien. Die Staatsverschuldung beträgt in Indonesien nur 29% des BIP. Indonesien ist 240 Mio. Personen das viertbevölkerungsreichste Land der Welt. Allein 18,6 Mio. Einwohner leben in der boomenden Hauptstadt Jakarta, wobei es sich im Gegensatz zu Japan um eine im Durchschnitt junge Bevölkerung handelt. 140 Mrd. USD sollen bis 2014 in die Infrastruktur investiert werden. Indonesien ist ein sehr rohstoffreiches Land. Die 410 Unternehmen im JCI-Index der Börse Jakarta hat eine Marktkapitalisierung von 287 Mrd USD. Der JCI-Index ist in diesem Jahr mit einem Plus von über 20% einer der am besten performenden Aktienmärkte der Welt. Ich empfehle Ihnen, Indonesien schon jetzt zu den „BRIC-Ländern“ zumindest auf Ihre Watch-list zu nehmen.

Die Frage ist aber auch bei Ländern wie China, wie stark die Eigendynamik nach dem Auslaufen der Mega-Konjunkturprogramme sein wird. Die Frage bleibt auch, wann die Regierungen der großen Industrienationen wieder zu einer soliden Haushaltspolitik zurückkehren können. Die Regierungskoalition hat für den Bundeshaushalt im nächsten Jahr schon wieder ein Defizit von 50 Mrd € nach noch 80 Mrd € in diesem Jahr eingeplant. In den USA wird auch im nächsten Jahr ein Defizit von über 1 Billion USD eingeplant. Es dürfte jedem klar sein, dass im Falle eines Double Dips die Defizite noch größer werden. Es handelt sich also weiterhin 2 Jahre nach der Lehmann-Pleite auf einem „Tanz auf dem Vulkan“.

Während viele Unternehmen schon wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht oder sogar übertroffen haben, werden die Belastungen bei Staat und den Kommunen immer größer. Im Falle eines globalen „Double Dips“ wird es eine Deflation und damit eine weltweite Abwertung aller Asset Klassen geben. Dies muss also in jedem Fall vermieden werden, aber dies wissen auch die G20 Länder – hoffentlich! Protektionistische Maßnahmen durch die Hintertür (Erhöhung von Zöllen) wären der falsche Weg.

Ich befürchte aber dennoch einen harten Konfrontationskurs der USA mit China im Herbst, der zudem von den US-Kongresssälen überschattet wird. Auch befürchte ich, dass die USA versuchen werden, über den Devisenkurs die Wettbewerbsposition zu erhöhen. Daher werden sie darauf drängen, das China die eigene Währung aufwerten wird, sonst drohen die USA mit der Einführung von höheren Importzöllen für chinesische Produkte (=Handelskrieg). Beim Wahlkampf wird wiederum die Opposition, also die Republikaner, hart gegen Obama Front machen. Demnächst werden auch verschärfte Iran/Nordkorea-Sanktionen wieder ein Thema sein. In New York gab es am Freitag einen Orkan, der Symbolkraft hat.

Auch die Japaner lenkten zuletzt ein und sorgten für eine Abschwächung des Yen. Der Euro fiel in diesem Jahr zum Yen von 130 auf 106 EUR/Yen, konnte sich im September durch die Intervention der japanischen Notenbank wieder kräftig von 106 auf 111 erhöhen. Im Grundsatz ist ein schwacher Yen gut für die japanische Börse und umgekehrt. Folgerichtig war der TopVerlierer Nikkei-Index in der letzten Woche einer der Top-Gewinner unter den Weltbörsen. Der Nikkei-Index stieg von unter 9000 auf über 9600 Indexpunkte. Trotz der Aufholjagd ist der Nikkei-Index immer noch einer der Top-Verlierer unter den Weltbörsen seit Jahresbeginn mit einem Minus von 9%, wobei chinesische Aktien noch schlechter abschnitten. Chinesische Solaraktien brachen trotz hoher Wachstumszahlen sogar um bis zu 50% in diesem Jahr ein.

Es gab zuletzt drei positive Wochen hintereinander. Die Nachrichtenlage bei Technologiekonzernen ist weiter positiv und der NASDAQ konnte folgerichtig letzte Woche um über 3% zulegen, während der S&P-Index nur um 1% anstieg. Der DAX stieg auch erst auf 6300 Indexpunkte, um dann am Freitag wieder um 0,69% auf 6209 Indexpunkte aufgrund schwacher US-Konjunkturdaten zu korrigieren. Sorgen machen weiterhin die irischen Finanzwerte und auch die US-Arbeitsmarktdaten. Nächste Woche dürften die FED-Sitzung am Dienstag und die US-Immobilienpreise die Kurse bewegen. Bisher ist der Angst-Monat September aber sehr positiv verlaufen, was auch für die Zukunft hoffen lässt.

Da der Angst-Monat September bisher positiv ausgefallen ist, sollten einige Anfangspositionen schon eingegangen werden, wobei die Stopp-loss Marken zu beachten sind, falls der Dow Jonas wieder unter 10.000 Indexpunkte fallen sollte. Auf der anderen Seite entstehen Kaufsignale, wenn der Dow Jones über 10.640 steigen sollte; bei unter 10420 entsteht aber im kurzfristigen Trading-Bereich ein erstes Verkaufssignal. Der Anleger sollte flexibel bleiben. Maßgeblich wird weiter der Dollar zum € sein, der sich am Freitag sich bei 1,3048 stabilisierte. Bei einem EUR/USD von über 1,31 dürften Rohstoff- und Aktienmärkte weiter steigen, bei unter 1,29 EUR/USD aber fallen. Den Einbruch beim Bund-Future von 133 auf 129,50 habe ich kommen sehen. „Sichere Häfen“ scheinen jetzt nur noch die „Angst-Währungen“ wie Gold/Silber zu sein. Gold stieg auf 1274 USD/Unze und Silber auf 20,79 USD/Unze.

Der RTS-Index stabilisierte sich bei 1464 indexpunkte nach noch 1487 Indexpunkte in der Vorwoche. Mit einem Plus von 2,8% konnte der russische Aktienmarkt seit Jahresbeginn den Dow Jones mit einem Plus von 1,72% (Vorwoche +1,39%), den S&P mit +0,94% (Vorwoche +1,45%), den NASDAQ mit +2,05% (Vorwoche +3,26%) und auch den DAX mit einem Plus von 1% outperformen. Noch besser schnitten die zentralosteuropäischen Börsen ab. Russische Aktien bleiben preiswert und unterbewertet, wobei besonders Metallaktien gute Performancechancen haben. Viel Aufmerksamkeit wird das geplante IPO von Mail.ru, der Google von Russland, mit einer Marktkapitalisierung von über 5 Mrd. USD im Oktober bekommen.

Verpassen Sie daher die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS (EST) unter www.eaststock.de.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 170% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 225% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 800% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Beispiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East!“ wird am 24. November 2010 um 17.00 Uhr gleich nach dem Eigenkapital Forum in Frankfurt/M stattfinden (siehe www.eaststock.de). Dort wird sich auch der neue Russlandfonds von Danske Capital vorstellen. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

Fazit: Nach 2 Jahren Lehman-Pleite gibt es eine Reihe von positiven Entwicklungen. So haben sich die Banken und Automobilwerte wieder erholt und hoffentlich auch aus den gemachten Fehlern gelernt. Der teure Preis für die Erholung war aber auch eine nicht zu verantwortbare und auch nicht mehr lange hinnehmbare Staatsverschuldung, die einige Länder sehr schnell im Krisenfall in Zahlungsschwierigkeiten bringen wird. Daher sind die Börsen und Anleger weiterhin „zwischen Baum und Borke“. Falls es an der Börse nicht so läuft, gehen Sie zum 200. (genauer 177.) Oktoberfest, wo das Maß Bier allerdings 8,9 €, also 30 Cents mehr kostet – von Deflation keine Spur! Na, denn Prost!

Interview-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 6. September 2010 um 10.15 Uhr in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) über die Investmentchancen im Baltikum, insbesondere in Litauen, befragt. Sie können sich das Interview jetzt unter www.eaststock.de runterladen ebenso wie das letzte Interview von Andreas Männicke in der FAZ vom 26. August 2010 über Osteuropa.

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