Ostbörsen im Fokus (siehe auch www.eaststock.de)

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Interview- und Termin-Hinweise

Andreas Männicke wird am am 12. Dezember 2107 und am 15. Januar 2018 von Börsen Radio Networks über die neuen Chancen an den Ostbörsen in 2018 befragt

Andreas Männicke wurde am 17. Oktober 2017 von Börsen Radio Networks über die neuen Chancen in Osteuropa und Russland befragt.

Ab Oktober 2013 können Sie unter Eingabe von "EastStockTV" bei www.youtube.de die aktuellen Kommentare von Andreas Männicke zu den Aussichten an den Welt- und Ostbörsen kostenlos abrufen. Abonnieren Sie einfach den Kanal bei www.youtube.de.

Ab Mai 2014 können mit Herrn Männicke über www.go.guidants.com auch interaktiv in Kontakt treten und Fragen zu den Ostbörsen stellen.

Verpassen Sie die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen Sie jetzt den monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de. Ein Probe-Abo (3 Ausgaben kosten nur 15 €). Die beiden Muster-Depots erzielten seit Februar 2009 eine Performance von über 320% im Muster-Depot 1 (konservativer Osteuropa-Basket) bzw. über 350% im Muster-Depot 2 (spekulativer Osteuropa-Basket, das sind über 40% p.a. seit 2009. In den neuen Muster-Depots ab 2015 wude eine Performance von über 130% bzw über 80% erzielt. Das neue "goldige" Muster-Depot erreichte immerhin ein Plus von 66% ab 2016.

Im neuen monatlich ercheinenden Börsenbrief THE BIG PICTURE werden die globalen Anlagestrategien für Aktien-Indices, Rohstoffe und Währungen besprochen. Auch hier kostet ein Probe-Abo (3 Ausgaben per E-mail) nur 15 €.

Zudem können Sie sich alle bisherigen TV-Inteviews von Andreas Männicke in diesem Jahr runterladen unter den Links der Rubrik "Interviews".

  • Stunde der Wahrheit naht (hoffentlich bald)!

    Samstag, 23. August 2008 19:30:00

    +++Globale Unsicherheiten verängstigen Anleger+++Finanzkrise noch nicht überwunden+++geopolitische Konflikte könnten eskalieren+++große Reboundchancen bei Banken in Osteuropa und Asien+++

    Sind Sie auch in Cash? Die meisten Vermögensverwalter haben im Moment Cash-Positionen in Höhe von 30-50% in der Erwartung, dass es noch zu einem Sell off kommt, um dann wieder einzusteigen. Auch die Fonds sind im Moment nicht voll investiert. Zudem gibt es immer noch sehr hohe Short-Positionen (Leerverkäufe) von Hedgefonds bei US-Aktien und die Märkte sind „überverkauft“. Dies deutet darauf hin, dass es irgendwann zu einer Kursexplosion kommen wird, wenn der Markt der Meinung ist, dass die meisten Mega-Risiken eingepreist sind. Noch aber befinden wir uns in dem gefährlichen Schwebezustand, wo es anderseits in der Tat auch jederzeit noch zu einem Kurseinbruch kommen kann.

    Der US-Finanzsektor wird uns weiter in Atem halten ebenso wie der US-Immobiliensektor. Der halbstaatliche US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae braucht nun angeblich eine Liquiditätsspritze von 225 Mrd. USD, um zu überleben und General Motors von 35 Mrd. USD. Wenn Fannie Mae die Liquiditätsprobleme nicht lösen kann, kommt die Bank unter staatliche Zwangsverwaltung. Aber es gibt schließlich die US-Notenbank, die mit „Helikopter-Ben“ an der Spitze beliebig Geld in Umlauf bringen und auch Großbanken vor dem Konkurs retten kann. Letztendlich muss dann der Steuerzahler die Zeche zahlen wie bei deutschen Landesbanken, von denen heute schon kaum einer mehr spricht. Die IKB wird zu Niedrigstpreisen an einen US-Investor fast verschenkt, womit der Staat die Bürde los ist. Auch der US-Broker Lehman Brothers hängt am seidenen Faden. Nun soll es angeblich eine Bank aus Süd-Korea geben, die an einer Übernahme von Lehman Brothers Interesse zeigt. Dies führte am Freitag zu einer Kursrallye beim Dow Jones von fast 200 Indexpunkten (+1,73%) auf 11.628 Indexpunkte.

    Damit sind die mannigfaltigen Probleme im US-Finanzsektor aber noch nicht gelöst. Am Freitag ging bereits die neunte Bank in diesem Jahr Konkurs, diesmal die Colubian Bank and Trust Company aus Kansas. Ich frage mich, wer die Citibank oder UBS aufkaufen wird, die beide ebenfalls am berühmten seidenen Faden hängen. Wenn nach der Immobilienkrise nun eine Konsumentenkreditkrise hinzukommen sollte, sind viele Banken in den USA akut insolvenzgefährdet. Auch in Deutschland wird sich der Konzentrationsprozess fortsetzen, Wer mergt mit wem und wer schluckt wen in Zukunft? Irgendwann wird es auch Aufkäufer für die Postbank und Dresdner Bank geben, was kurzfristig für Kursfantasien sorgen wird. Ich rechne damit, dass die Commerzbank schon bald ein Übernahme- oder Merger-Angebot der Dresdner Bank unterbreiten wird. Auch die Postbank wird schon bald einen Käufer finden, allerdings zu wesentliche höheren Preisen als der jetzige Kurs. Möglicherweise wird in einigen Jahren sogar ein russischer Staatsfonds als Käufer in Betracht kommen. Noch legt der russische Staatsfonds aber nur in Anleihen an. Mittel sind weltweit genug vorhanden. Das Kapital von notleidenden westlichen Banken wird aber zunehmend von Emerging Market-Banken oder Emerging-Markets-Staatsfonds kommen. Auch hier wird es irgendwann wie bei der IKB-Fast-Pleite heißen: das Geld bzw. die Aktien sind nicht weg; es hat nur ein anderer!

    Der FED-Chef Ben Bernanke sprach am Freitag von einer Verlangsamung der Konjunktur (=Rezession?) in den USA, was aber auch dazu führen wird, dass die Inflation nicht weiter steigen dürfte. So kann man die US-Misere auch schön reden. Damit signalisiert er, dass nun durchaus Zinssenkungsspielraum wieder vorhanden ist, was den Markt zusätzlich stimulierte. Auch der Ölpreis gab am Freitag auf 113 USD/Barrel nach. Die Gemengelage ist aber keinesfalls so, dass der Anleger deswegen schon wieder mit voller Kraft einsteigen könnte. Der IFO Weltwirtschaftsklima-Index ist das vierte Mal in Folge im negativen Bereich, was auf eine Weltkonjunkturverlangsamung hindeutet. Zudem steigt die Welt-Inflationsrate an. Bei einem nachlassenden Konsum in den USA dürfte China als Exportland besonders leiden. Osteuropäischen Exportländer würde durch eine Rezession in Europa in Mitleidenschaft gezogen werden so wie sich im Baltikum schon rezessive Tendenzen andeuten.. Es lauern zudem noch einige Risiken, die die Anleger jederzeit wieder versunsichern können und dazu zählen auch geopolitische Risiken. Der Dollar dürfte als Fluchtwährung dann wieder an Stärke gewinnen. Unabhängig davon deutet sich eine Trendwende beim Dollar an.

    Auch wenn sich die russischen Truppen wie angekündigt am Freitag aus der Kernregion in Georgien zum Großteil zurückgezogen haben, hat sich das Verhältnis Russland/USA und Russland/NATO noch nicht entspannt. Im Gegenteil: es ist zu befürchten, dass beide Supermächte irgendwann frontal aufeinanderstoßen mit ihren nächsten Drohgebärden. So will Russland jetzt Raketen an der polnischen Grenze in Kaliningrad stationieren, wenn die USA den schon mit Polen unterschriebenen Vertrag zur Installation eines Raketenabwehrschirms auf polnischen Boden umsetzen. Russland droht sogar damit, Raketen in Syrien und Kuba zu stationieren, wenn der von den USA eingeleite Konfrontationskurs, so die russische Sicht, fortgesetzt wird. Der ehemalige Präsident Georgiens Schewardnadse hält einen verschärften Konflikt Russland mit Polen für wahrscheinlich, wobei er sogar militärische Aktionen nicht ausschließt.

    Alles dies deutet darauf hin, dass es einen „Kalten Krieg“ zwischen USA und seinen Verbündeten (vor allem Großbritannien) und Russland geben könnte (auch am Schwarzen Meer). Dies wäre insbesondere für Deutschland von großer wirtschaftlicher Bedeutung, weshalb Deutschland mehr eine vermittelnde, konsensschaffende Mittlerrolle einnehmen will und den Dialog mit Russland (auch im Nato-Rat) aufrecht erhalten will. Falls sich die Situation zwischen den USA und Russland verschärfen sollte, hätte dies unmittelbare negative Folgen für die Welt- und Ostbörsen. Es werden schon eine Reihe von Verschwörungstheorien unter der Hand herumgereicht, die besagen, dass die USA ganz bewusst jetzt auf Konfrontationskurs mit Russland (und Iran) gehen, um dem Republikaner John McCaine eine bessere Ausgangsituation im Wahlkampf mit Barack Obama zu geben. Nach dem letzten Wahlumfragen, auf die man sich nicht verlassen sollte, führt jetzt neuerdings der Vietnamkämpfer McCaine vor Obama, weil er angeblich mit Konflikten besser umgehen kann und eine deutlicher Sprache spricht als Obama, der mehr den Konsens statt die Konfrontation (=militärische Auseinandersetzung) sucht.

    Für mich ist es müßig, zu untersuchen wer auch beim Georgien-Konflikt Recht hat und welche (Schein)gefechte hier vor und hinter den Kulissen getätigt werden. Auch ist es müßig, auf Uraschenforschung zu gehen, um zu bestimmen, wer der Schuldige bei dem Georgien-Krieg ist (im Moment ist Russland in der Weltöffentlichkeit der „böse Bube“ und Georgien der Gute bzw. das Opfer; ob das wohl stimmt?). Der Ex-Yukos-Chef Michail Chordokowski kann darüber jetzt ein Buch im Gefängnis schreiben, denn er hat Zeit genug dafür, da sein Begnadigungsgesuch nach 4 Jahren Haft am Freitag abgelehnt wurde, weil er sich angeblich dem „Erziehungsprogramm“ entzogen hat. Wesentlich für den Anleger ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung von Kriegen und die die kann im Ernstfall verheerend sein. Für mich ist es nur immer wieder erstaunlich festzustellen, dass wir nirgendwo auf der Welt gefestigte Demokratien haben, weder in den USA geschweige denn in Russland. Die Machtpolitik, die oft in Kriege mündet, wird von einigen wenigen Machtmenschen und Politikern entschieden und das Volk muss darunter leiden. Zu den Machtzentralen zählen sicherlich neben dem Militär auch die jeweilige Öl- und Rüstungslobby. Es verwundert mich auch sehr, dass einerseits Grenzen in Europa mehr oder weniger verschwinden bzw. an Bedeutung verlieren und in anderen Regionen Unabhängigkeitsbestrebungen zunehmen, wobei diese Unabhängigkeitsbestrebungen auch nicht immer Wunsch des Volkes, sondern einiger Machtmenschen mit seinen „Verbündeten“ ist.

    Auch Pakistan könnte sich zu einem geopolitisch bedeutsamen Pulverfass entwickeln, wenn es dort zu einem Bürgerkrieg kommen sollte. In Pakistan sind die Taliban und El-Kaida (=Bin Laden) sowie der US-Geheimdienst so aktiv wie noch nie. Es ist für den Weltfrieden nicht unerheblich, dass der militante Einfluss des Islams in vielen Regionen der Welt an Bedeutung gewinnt. Der Einfluss der USA könnte durch Aufgabe des ehemaligen Präsidenten und „US-Freundes“ Musharraf schwinden. Korrumpierte Richter, die zuvor entlassen wurden, sollen jetzt wieder eingesetzt werden, damit es überhaupt ein Gerichtswesen gibt. Der Präsident, der jetzt neu gewählt wird, hat auch das Militär unter sich. Pakistan ist eine Atommacht und hat immer wieder Grenzprobleme mit Indien. Auch hier wäre ein Krieg und sei es „nur“ ein Bürgerkrieg wohl kaum in Sinne des Volkes. Die Börse in Pakistan reagierte zunächst mit einem Freudensprung von 5% nach dem Abtritt von Musharraf. Es bleibt aber abzuwarten, ob der nächste Präsident mehr Unfrieden oder Frieden im Lande schaffen kann.

    Ebenso verhält es sich mit dem angeblichen „Schurkenstaat“ Iran, der von einer eigentlich vom Volk nicht gewollten Minderheit, den Mullahs, geführt und gelenkt wird. Nach wie vor besteht die Gefahr, dass der Iran nicht nur verbal, sondern als werdende Atommacht militärisch angegriffen wird, wenn bestimmte Sanktionen, die Folgen werden, nicht die erwünschte Wirkungen erreichen. Auch China wird sich nach den olympischen Spielen wieder weltpolitisch einmischen und möglicherweise gegen die USA eine harte Gangart einschlagen. Damit haben wir drei Krisenherde identifiziert, die die Anleger noch eine ganze Weile beschäftigen werden und die jederzeit eskalieren können. Sowohl der Iran-Konflikt als auch der Russland-Konflikt müssen diplomatisch gelöst werden, damit zu einem der Weltfrieden gesichert ist und sich auch die Weltbösen abgesehen von den wirtschaftlichen Problemen wieder spannungsfrei entfalten können. Nostradamus hat für die Monate August/September angeblich einiges Ungemach angekündigt. Hoffentlich hat er damit „nur“ den Georgien-Konflikt gemeint…

    Zu allem Überfluss kommen einige Länder jetzt aber in eine Rezession wie die USA. Großbritannien, Belgien, Spanien und sogar auch einige Osteuropa-Tiger wie Lettland und Estland, die zuvor weit überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen. Auch dürfte sich die Immobilienkrise in den USA, Großbritannien und Spanien noch verschärfen. Auch rechne ich noch mit einer Pleitewelle im Bankensektor in den USA bei kleineren, kapitalschwachen Banken. Es stehen also noch eine Reihe von Bereinigungsprozessen bevor, übrigens auch in Russland, wo eine Reihe von kleineren Banken aufgrund der erhöhten Eigenkapitalerfordernisse (jetzt 5 Mio. €) nicht überleben werden, was auch gut ist. Dieser Bereinigungsprozess kann die jeweiligen Börsen wiederum stark in Mitleidenschaft ziehen. Ich rechne mit dem Beginn des Bereinigungsprozesses schon in den nächsten Wochen. Zudem geht das Inflationsgespenst weltweit immer noch um, was die Chancen für reale, inflationsbereinigte Gewinne auch im Anleihensektor vermindert.

    Daher naht die „Stunde der Wahrheit“ bei Banken, Unternehmen und Volkswirtschaften. Die Börse wird dementsprechend reagieren. Solange aber die Unsicherheiten noch im Markt sind und der sicherlich schmerzliche Bereinigungsprozess nicht stattfindet, sondern künstlich vor sich hergeschoben wird, kann ich mir keine nachhaltige Rallye, bestenfalls eine erneute Bärmarktrallye, vorstellen. Im Gegenteil: bei neuen Tiefskursen besteht die Gefahr eines Mini-Crashs, wenn der Dow Jones unter 11.400 Indexpunkte geht und sogar die Gefahr eines Crashs, wenn der Dow Jones unter 11.000 Indexpunkte gehen sollte. Dementsprechend wird es beim DAX bearish wenn er unter 6200 gehen sollte und es entsteht die Gefahr eines Crashs, wenn er unter 5900 Indexpunkte gehen sollte. Bisher hatten wir erst einen Salami-Crash mit Kursverlusten von 1-2% am Tag. Ein Mini-Crash wäre für mich ein Kursverlust von 3-5% an einem Tag und ein Crash ein Kursverlust von 5-15% an einem Tag bzw. 10-20% in einer Woche an einer bedeutenden Weltbörse (wie die Wall Street). Das wäre dann der Fall, wenn eine Großbank oder ein großer Automobilkonzern wie General Motors oder Chrysler oder eine Großbank wie die Citibank Chapter 11 anmelden muss.

    Wenn es zu einem Crash kommt, empfehle ich hernach vor allem Banktitel in Osteuropa und in Asien zu kaufen, die schon jetzt Rekordzahlen beim Kreditwachstum und zum Teil sogar beim Gewinn aufweisen und trotzdem fallen. So hat die chinesische ICBC, die mittlerweile die größte Bank der Welt ist, im ersten Halbjahr 2008 den Nettogewinn um 52% auf 6,4 Mrd. € gesteigert. Sie ist mit einer Eigenkapitalrendite von 22,8% im Moment weltweit die profitabelste Großbank. Die von Josef Ackerman in Aussicht gestellte Eigenkapitalrendite von 25% für die Deutsche Bank AG dürfte wohl in diesem Jahr eine gut gemeinte Vision bleiben. Auch die Sberbank wird in diesem Jahr einen weit höheren Gewinn als die Deutsche Bank AG ausweisen. Die beschlossene Kooperation der Sberbank mit der Deutsche Bank AG dürfte sich mittelfristig für beide Banken vorteilhaft erweisen. Auch die anderen osteuropäischen Banken wachsen im Kreditgeschäft weiter dynamisch und haben es nicht nötig, sich auf die Suche nach vordergründig renditestarken Kreditderivaten oder gar Subprimkrediten zu begeben. Dies wird oft vergessen, wenn auch die Kurse von osteuropäischen Banken jetzt abgestraft werden. Es wird also wieder Chancen in Osteuropa geben, aber der Anleger sollte auch hier abwarten, bis die „Stunde der Wahrheit“ da ist. Ich rechne also auch an den Ostbörsen weiter mit hoher Volatilität. Welche Richtung die Börse nimmt und wie Sie dann verhalten sollen, können Sie der täglich aktualisierten „Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Meine wöchentlichen Kolumnen und Analysen können Sie ab sofort unter www.andreas-maennicke.de kostenlos abrufen, wenn Sie sich dort registrieren.

  • Droht ein kalter Krieg und droht Russland die Isolation (wie Iran)?

    Samstag, 16. August 2008 15:18:00

    +++Georgien-Krieg fordert auch an der Börse Opfer+++Weichenstellung steht bevor+++auch Weltbörsen am Scheideweg++markante Trendwechsel in Sicht+++Rohstoffkurse brechen ein+++

    Der russischen Präsident Medwedew hatte sich sicherlich einen anderen Start als neuer russischer Präsident erhofft. Der Georgien-Krieg hat bereits eine sehr schroffe Reaktion des US-Präsidenten Bush ausgelöst, die einen neuen „Kalten-Krieg“ zwischen den USA und Russland befürchten lassen. Bush mahnte an, dass sich Russland „isolieren“ werde, wenn Russland die Militäraktionen in Georgien fortsetzen oder gar einen Okkupationskrieg führen wird. Angela Merkel fand beim dem Staatsbesuch in Sotchi ebenfalls klare Worte – ganz im Sinne des US-Präsidenten. Der französische Präsident Sarkozy versucht zu schlichten und einen Friedensplan durchzusetzen. Nicht nur in Medwedews, sondern auch in Bushs Händen liegt es jetzt, ob sich das Investmentklima – auch an der Moskauer Börse - in Russland zunehmend verschlechtert oder sich wieder normalisiert. Falls es sich wieder normalisiert und ein Waffenstillstand eingehalten wird, bestehen aufgrund der Unterbewertung große Reboundchancen an der Moskauer Börse.

    Hinzukommen die „Fälle“ Mechel und TNK-BP, die in den letzten beiden Wochen unabhängig vom Georgien-Krieg die Moskauer Börse zum Einstürzen brachte. Der RTS-Index verlor seit Jahresbeginn 24% an wert - weit mehr als der Dow Jones Industrial Index mit „nur“ minus 12%! Im Fall von Mechel scheint es nun eine Entspannung zu geben; die Kohlepreise sollen bei Mechel im Inland nach dem Vorschlag der russischen Anti-Monopol-Behörde um 30% im Inland vermindert werden. Wenn dies auch zu Einbussen im Umsatz führen wird, wäre dies für die Moskauer Börse eine akzeptable Lösung. Wie der TNK-BP-Chef Dudley die Probleme mit den russischen Behörden und Oligarchen lösen wird, bleibt anzuwarten.

    Von besonderer Bedeutung für die russische Wirtschaft ist auch die Entwicklung der Rohstoffpreise, wo auch in der letzten Woche markante Trendwechsel und Kurseinbrüche zu verzeichnen waren. So setzt der Ölpreis die Talfahrt auf 114 USD/Barrel fort und Gold brach sogar auf unter 800 USD/Unze ein, was viele Rohstoff-Bullen überrascht hat, zumal die Verbraucherpreise in den USA mit 5,6% so hoch wie schon lange nicht mehr war. Allerdings sorgte die Dollarstärke für einen Trendwechsel bei den Rohstoffen. Der Dollar kann nach dem Chartasubruch bei 1,54 EUR/USD jetzt sogar Richtung 1,45 EUR/USD tendieren, was den Goldpreis weiter unter Druck bringen könnte. Bei 850 USD/Unze unterschritt der Goldpreis eine wichtige Unterstützungslinie, so dass der Kurseinbruch auch aus charttechnischer Sicht verständlich ist. Noch größer war der Kursverlust beim Silberpreis. Aber auch andere Metallpreise gaben in der vergangenen Woche erneut kräftig nach. Ganz offensichtlich wechseln Hedgefonds hier blitzschnell die Position, wenn sich Trendwechsel andeuten. Es ist allerdings noch zu früh von einem generellen, langfristen Trendwechsel im Rohstoffsektor zu sprechen. Ganz offensichtlich wird jetzt aber auch das Thema „Rezession“ gespielt, nachdem die BSP-Zahlen in vielen europäischen Ländern (sogar in Deutschland) im 2. Quartal 2008 im Minus landeten. Ich rechne auch in Japan mit einer Rezession.

    Durch den starken Einbruch beim Ölpreis konnten sich Automobilaktien und Luftfahrtgesellschaften zunächst wieder deutlich im Kurs erholen. Dabei ist die Liquiditätssituation der großen US-Autoproduzenten immer noch sehr angespannt, ebenso wie bei vielen Großbanken, was auch durch die hohen Spreads bei Unternehmensanleihen zum Ausdruck kommt. General Motors bemüht sich gerade um einen 35 Mrd. USD-Kredit beim Staat, vordergründig um Hybridautos herstellen zu können, in Wahrheit aber, um eine Insolvenz zu vermeiden. Es wird einige Zeit dauern, bis die US-Autohersteller ihre Produkte auf Benzinsparende Autos umgestellt haben. Wenn zwischenzeitlich die Banken „dicht“ machen, kann es schnell zum Mega-Gau im Automobilsektor kommen ebenso wie im Bankensektor, wo die Citibank und auch UBS um das Überleben kämpfen. Bei Lehman Brothers ist George Soros aber schon eingestiegen, so dass sich hier keinen Konkurs erwarte.

    Der Georgien/Russland-Konflikt könnte sich sehr schnell in einen USA-Russland-Konflikt verwandeln, wenn sich die Fronten verhärten sollten. Die USA haben in der letzten Woche mit Polen eine Einigung über das Raketenabwehrsystem auf polnischem Boden erzielt, was ein weiter „Dolchstoß“ in den russischen Rücken bedeutet. Schon zuvor kam es mit einer Einigung mit Tschechien, worauf wie aus dem Nichts auf einmal Öl- und Gaslieferungen aus Russland ausblieben. Russland kann seine Muskeln gegenüber Westeuropa spielen, was energiepolitisch zu einer Katastrophe in Europa führen könnte, denn Europa ist von Russland im Energiesektor abhängig. Russland wird weiterhin versuchen, Stärke zu beweisen, sowohl militärisch als auch durch Druck über die „Energieschiene“. Dass dies nicht ganz ungefährlich ist, müsste auch US-Präsident Bush und Bundeskanzlerin Merkel wissen. Der Georgien-Konflikt könnte sich also sehr schnell zu einem „Kalten Krieg“ und damit einer Verhärtung der Fronten verdichten, was weder für die Moskauer Börse noch für die Weltbörsen zur Stimmungsbesserung beitragen würde.

    Die gegenwärtige und zukünftige Situation in Georgien ist daher auch die die Weltbörsen von großer Bedeutung was anscheinend die meisten Börsianer im Moment ignorieren. Im Moment versuchen Merkel und Rice den Konflikt zu entschärften aber sie könnten schon mit der falschen Wortwahl einen nachhaltigen Konfrontationskurs mit Russland einleiten, was sicherlich jetzt die falschen Signale wären. Denn dann wäre es nicht mehr weit, bis Bush Russland auf die Ebene der „Schurkenstatten „ herabwürdigt, was sich Russland nicht gefallen lassen würde. Apropos. Bush sollte sich ohnehin mit seiner Wortwahl im Zaum halten bzw. besser beraten lassen, denn es wird in den nächsten Monaten auch die Rethorik gegenüber dem Iran verschärfen und möglicherweise schon jetzt militärische Aktionen als „ultima ratio“ dort planen. Bush spricht von der Gefahr einer Isolation Russlands und vergisst dabei, dass China zwar nicht einen Schmusekurs mit Russland fährt, aber China im Zweifel mit Russland eine Linie fährt, wenn es um die Iranfrage und auch die Georgienfrage gehen wird. Ich möchte es ganz klar formulieren: wenn Russland Georgien militärischen einnehmen und besetzen würde wie die USA den Irak, besteht die Gefahr eines dritten Weltkriegs zumindest dann, wenn dann US-Truppen Georgien „zur Hilfe“ eilen. Dann würden „US-Friedenstruppe“ und „Russland-Friedenstrupen“ aufeinandertreffen, was ein Fiasko für die Weltbörsen und den Weltfrieden gleichermaßen wären. Medwedew hat angekündigt, dass er sich mit dem angekündigten Truppenabzug Zeit lassen werde, was für uns bedeutet, dass wir die Situation im Kaukasus weiterhin mit Argusaugen beobachten müssen.

    Die USA befinden sich im Moment wirtschaftlich in einer Schwäche-Position, ebenso wie Großbritannien, die die USA immer militärisch 100-prozentig unterstützten; China und auch in Russland befinden sich seit einigen Jahren in einer Stärke-Position, was auch die Erhöhung der Währungsreserven anzeigen (China über 1 Billion USD, Russland über 500 Mrd. USD). Wirtschaftlich angeschlagen Nationen neigen eher zur Kriegsführung, um von den wahren Problemen im Inland abzulenken. Auch dies sollte der Anleger im Hinterkopf haben, zumal jetzt US-Wahlen bevorstehen.. Es gibt Gerüchte und Verschwörungstheorien, die besagen, dass der georgischen Präsident Michal Saakaschwili ein verlängerter Arm (und damit „Sprachrohr“) der US-Geheimdienste sei, die damals im Jahr 2003 auch den Sturz in der Rosen-Revolution des damaligen georgischen Schewardnadse eingeleitet haben sollen. Saakaschwili ist jetzt zumindest auffällig oft in CNN, um gegen Russland Stimmung zu machen. Die USA verlangen den vollständigen Truppenabzug der Russen aus der „Kernregion“, was aber nicht so schnell passieren wird. Russland versteht sich dort als legitimierte „Friedenstruppe“ (welch sarkastischen Wortungetüm!) und wird sich bestenfalls auf die Positionen zurückziehen, wo sie auch schon vorher waren. Es kann also jederzeit zu neuen Feuergefechten – und seien es nur Scharmützel in vereinzelten Dörfern - kommen. Umgekehrt kann Russland von den USA mit Fug und Recht den vollständigen Truppenabzug der Amerikaner aus dem Irak verlangen, wo sch immer noch US-„Friedenstruppen“ ohne völkerrechtliche Legitimation aufhalten.

    Man stelle sich vor: Wenn Georgien jetzt schon in der NATO wäre und dort UN-Truppen als Friedenstruppe hinbeordert wird oder. noch schlimmer amerikanische und britische Kriegschiffe als Hauptbestandteile der UN-Friedenstruppe auf Konfrontationskurs mit russischen Kriegschiffen gehen würde, hätten wir ein ähnliche Situation wie 1987 als russische und amerikanische Kriegsschiffe bedrohlich näherten, was übrigens zusammen mit steigenden Zinsen und steigenden US-Haushaltsbilanzdefiziten in einem Börsen-Crash im Oktober endete. Das US-Haushaltsbilanzdefizit erhöhte sich übrigens im Juli von 26 auf 100 Mrd. USD, was bisher kaum zu Notiz genommen wird. Einen weiteren Kriegsschauplatz kann sich die USA finanziell kaum erlauben, aber darauf wird Bush wohl keine Rücksicht nehmen. Säbelgerassel und Medien-Polemik reichen dann aus, um die Anleger zu Panikverkäufen zu veranlassen. Deswegen warnte Putin schon mit Nachdruck, dass die NATO nicht den Fehler machen sollte, Georgien in die NATO aufzunehmen, was der Wunsch von Saakaschwili nach wie vor ist. Ich bezeichne das Ganze als einen (möglicherweise ganz bewusst initiierten) „Tanz auf dem Vulkan“, der jederzeit ausbrechen kann. Alle beteiligten Politiker sollten jetzt genau wissen, was sie zu tun und zu sagen haben, sonst kann aus einem vordergründig unbedeutenden (Stellvertreter-) Krieg schnell eine Apokalypse werden. Das Beste, was auch den Aktienmärkten und beteiligten Ländern passieren kann, wäre n der Tat ein geordneter beidseitiger Truppenrückzug auch aus allen georgischen Dörfern und die Einhaltung des schriftlich abgeschlossenen Waffenstillstands. Umgekehrt droht eine auch für die Weltbörsen gefährliche Eskalation. Am Montag will Medwedew mit dem Truppenabzug aus der Kernregion beginnen. Hoffen wir, dass der französische „Friedensplan“ (6 Stufenplan) auch eingehalten wird. Stabilität in der Region ist so schnell jedenfalls nicht zu erwarten.

    Aus marktechnischer Sicht bestehen immer noch Chancen, dass sich kurzfristig die kleine Sommerrallye seit dem 14. Juli noch ein wenig fortsetzt, nämlich dann, wenn der Dow Jones über 11.800, der S&P über 1300 und der DAX über 6600 Indexpunkte schließen sollte. Umgekehrt wird die Situation an den Welt- und Ostbörsen sofort weder bearish, wenn der Dow Jones unter 11400, de S&P unter 1260 und der DAX unter 6300 Indexpunkte fällt. Am 16. August war Mondfinsternis und Vollmond, wo es an der Börse jetzt zu einer Beschleunigung des Trends oder zu Trendwechseln kommen kann. Bei einer Bärmarktrallye sind dann kurzfristig beide Richtungen möglich. Es wird in jedem Fall volatil bleiben. Die nächste Woche könnte auch aus markttechnischer Sicht wegweisend werden. Welche Richtung die Börse nimmt und wie Sie dann verhalten sollen, können Sie der täglich aktualisierten „Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

  • Kaufen, wenn die Kanonen donnern?

    Samstag, 09. August 2008 15:10:00

    +++Krieg mit Georgien verursacht weitere Panikverkäufe an der Moskauer Börse+++Börse Tiflis im Crash+++viele Ostbörsen starten zum Rebound+++

    „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ ist die viel zitierte Anlageempfehlung des verstorbenen Börsengurus André Kostolany. Das kommt auch dem Motto: „Buy on bad news“ gleich. Sowohl an der Moskauer Börse als auch an der Börse Tiflis (Georgien) brachen die Kurse an dem „Hoch-Zeitstag“ 08.08.08 ein, als Georgien die Provinzhauptstadt Zchinwali von Süd-Ossetien unter Beschuss nahmen, wo auch Bürger mit russischen Pass leben, und der Kreml mit einer Militäroffensive (Panzer und Flugzeuge) zur „Verteidigung“ der russischen Bürger reagierte. Diese Militäroffensive Russlands sieht Georgiens Präsident Michail Saakaschwili wiederum als völkerrechtlich illegale Gewaltaktion an. Südossetien gehört völkerrechtlich zu Georgien, will sich aber unabhängig machen, ebenso wie zuvor Kosovo, was von Russland als Retourkutsche zum Kosovo-Konflikt auch ganz bewusst unterstützt. Angeblich gab es schon über 1400 Tote bei den kriegerischen Auseinandersetzungen und zwei russische Flugzeuge sollen abgeschossen worden sein. Der georgische Präsident Georgiens Saakaschwili ruft zur Mobilmachung von Zivilisten auf und hofft dabei auch auf die Unterstützung des Westens. Medwedew schickt indessen Panzer in die Region zur Verteidigung der russischen Interessen. Ein zweiter Tschetschenienkrieg steht damit bevor.

    Die Provinz Südossetien hat sich seit 1992 für unabhängig erklärt und strebt den Anschluss an Russland an, während Georgien auf die Unterstützung der USA hofft und mit der NATO-Mitgliedschaft liebäugelt, was wiederum ein Affront gegenüber Russland ist. Daher ist der Konflikt, der jetzt ausgetragen wird, von großer geopolitischer Bedeutung. Georgien ist der östlichste Stützpunkte westlicher Machtinteressen und auch militärisch für die USA von Bedeutung. Angeblich sollten von Georgien auch militärische Aktionen gegen den Iran als Militärstützpunkt geplant sein, ebenso wie Aktionen gegen die Taliban (Afghanistan/Pakistan) und Bin Laden. Damit haben wir nun möglicherweise einen neuen „Nebenkriegsschauplatz“ des „kalten Kriegs“ USA-Russland unmittelbar bevorstehen. Zudem könnte sich der Konflikt zu einem Flächenbrand im Kaukasus entwickeln, mit unüberschaubaren Folgen für die Region. Er sollte daher von allen Anlegern sorgsam beobachtet werden.

    In diesem Zusammenhang kann es in den nächsten Wochen auch zu verschärften Sanktionen gegen den Iran kommen, wobei Russland und China wiederum auf der Seite vom Iran sein werden und sich gegen einen Krieg gegen den Iran aussprechen werden. Der UN-Sicherheitsrat dürfte in den nächsten Wochen einige Nachtschichten einlegen. All dies ist nicht unbedeutsam für die Weltbörsen. Vielleicht werden nicht nur die vielen Hochzeitspaare, sondern auch die Anleger den 08.08.08-ten als einen denkwürdigen Tag in Erinnerung behalten, nicht nur weil an diesem Tag der Beginn der hoffentlich möglichst lange friedlichen olympischen Spiele war, obwohl es dort jederzeit zu Terroranschlägen kommen kann, die schon per Videobotschaften angedroht wurden. Für Mondzyklen-Anhänger: Am 16. August ist Mondfinsternis und hoffentlich wird es dann auch nicht finster an den Weltbörsen. Der Konflikt zwischen Südossetien und Georgien schwelt schon lange und kam erst jetzt, wie immer „zur Unzeit“ für die Anleger.

    Mich hat die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Georgien und Südossetien (=Russland) nicht überrascht; im Gegenteil: ich hatte sie schon früher erwartet. Zur Unzeit für die Anleger kommt sie aber deswegen, weil sich die Aktien an beiden Börsen schon vorher in freien Fall befanden und der Bärmarkttrend durch den Krieg nur verschärft wurde. So brach die Moskauer Börse am 8. August um etwa 5% und die Börse Tiflis sogar um weit über 10% ein. Der marktschwerste Titel Bank of Georgia, der auch an den Westbörsen London und Frankfurt/M gehandelt wird, gab sogar am 8. August um 21% auf 8 € nach. Dabei hatte sich der Kurs schon im Vorfeld der Militäraktion wegen der Auswirkungen der Subprimekrise mehr als halbiert. Im Hoch befand sich die Aktie bei über 30 €,

    Aber auch die Aktien an der Moskauer Börse fanden kein Halten mehr. Blue Chips wie Gazprom, Lukoil und Evraz Group gaben um 4-8% nach. Die Moskauer Börse fiel seit Jahresbeginn um über 20% und damit weit mehr als der Dow Jones, der am gleichen Tag zu einer Kursrallye um über 300 Punkte (+2,65%) aufgrund fallender Ölpreise ansetzte. Die Moskauer Börse wurde schon in den letzten beiden Wochen durch eine Aneinanderreihung von Negativnachrichten unter Druck gebracht. So leitetete Putin zuvor eine Untersuchung beim Stahl/Kohlekonzern Mechel wegen unerlaubter Preisbildung und Steuerhinterziehung ein; fast zeitgleich floh der TNK-BP-Chef Robert Dudley ins Ausland und einige Tage später gab der vorherige „Shootingstar“ Uralkali (zuvor von 15 auf über 50 €) bekannt, dass er die Preise im Inland einfrieren werde, was die Aktie von 45 auf 30 € zum Einbruch brachte. Hinzu kamen die im Juli überraschend stark fallende Rohstoffpreise, die alle Rohstoffunternehmen arg beutelten. Sogar die „Krisenwährung“ Gold brach um über 10% in wenigen Tagen von 975 auf 855 USD/Unze ein, wobei einige Experten meines Erachtens etwas verfrüht von einer Trendwende im Rohstoffsektor sprechen. Aber es gibt jetzt in der Tag eine Reihe von markanten Trendbrüchen auch im Aktienbereich, dessen sich der Anleger bewusst sein muss. Der Dollar stieg sogar an einem Tag um 450 Pics, was nach der langen Seitwärtsbewegung aber neben dem Kommentar vom EZB-Chef Trichet bezüglich möglicher Rezessionsgefahren in Europa (Spanien), auch charttechnisch Gründe hatte, denn unter 1,54 EUR/USD gingen alle Devisenhändler beim Dollar long bzw Euro short. Das war absehbar; dennoch war der Kurssturz beim Euro der Höhe nach überraschend. Jetzt ist aber Platz bis 1,48 EUR/USD. Kaum wahrgenommen wurden aber die Forint, Zloty und CZK-Stärke sogar gegenüber dem Euro schon seit vielen Monaten. So konnte der Anleger mit den von mir im EAST STOCK TRENDS empfohlenen Tschechischen Kronen- und Zloty-Zins-Zertifikaten der ABN AMRO Bank in diesem Jahr schon eine Performance von 28% bzw. 14% auf Euro-Basis erzielen.

    Ich hatte Ihnen unabhängig davon schon lange geraten, mehr in Cash zu gehen, weil die Risiken an den Weltbörsen zu groß sind, was auch an der kleinen Sommerrallye an den Westbörsen nichts ändert. Falls es in Peking wie angedroht tatsächlich zu Terroranschlägen kommt oder das Säbergerassel gegen den Iran bezüglich Verschärfung der Sanktionen wieder größer wird, könnte der seit dem 14. Juli an den Westbörsen etablierte kleine Aufwärtstrend wieder im Keim erstickt werden. Wenn aber nichts in der Hinsicht passiert, rechne ich zunächst beim Überschreiten des Dow Jones bei über 11.800 Indexpunkten (und beim DAX bei über 6000 Indexpunkten) mit einer Fortsetzung der Mini-Rallye an den Westbörsen und eine sehr unterschiedliche Entwicklung an den Ostbörsen. Ebenso wie in der Türkei, wo die Kurse im Juli um 30% (!) anzogen, könnte einige Börsen in Südosteuropa zu einem starken Rebound ansetzen, wenn die Westbörsen auch weiter wie letzte Woche haussieren. Hier brachen die Kurse aber auch schon um 30-45% ein, ebenso wie in Kiew um 45%. Der Handel an den Börsen kam hier fast zum Erliegen. Auch die Chancen in Budapest, Warschau und Prag sind für einen Rebound und eine kleine Rallye vorhanden. Die Budapester Börse konnte schon im Juli um 10% zulegen und die Prager Börse bleibt eine „Oase der Stabilität“, obwohl sich auch hier bereits eine Konjunkturabkühlung andeutet und die tschechische Notenbank deswegen vor kurzem die Zinsen um 0,25 Basispunkte gesenkt hat.

    Ob man nun schon an der Moskauer Börse oder gar der Mini-Exotenbörse Tiflis (über die Bank of Georgia) den Einstieg wagt, ist Geschmacksache. Es kann gut sein, dass der noch regionale Konflikt eskaliert und der ganze Kaukasus entflammt, was auch die Börsen weiter in Mitleidenschaft ziehen würde. Fundamental sind die Aktien schon auf diesem Niveau auch in Russland ein Kauf, aber Kriegsszenarien sind wenig kalkulierbar. Die mutigen, risikogeneigten Anleger sollten, wenn überhaupt, nur mit gestaffelten Abstauberlimits in einige Blue Chips wie LUKoil, Gazprom, Evraz Group gehen, aber noch Pulver trocken halten, um sprichwörtlich „nachschießen“ zu können, falls der Georgien/Südossetien-Krieg länger dauert als erwartet oder in einen generellen Kaukasuskonflikt oder gar USA/Russland-Konflikt mündet. Mein bewährtes Motto: „In der Krise liegt die Chance“ bleibt ebenso richtig wie „Kaufen, wenn die Kanonen donnern!“: Es ist nur die Frage, ob die Krise bald beendet ist oder jetzt gerade erst beginnt. Timing ist alles! Daher cool bleiben und eine „Wait and see-Strategie“ verfolgen. Es wird in jedem Fall weiter volatil bleiben, was auch kurzfristige Trading-Chancen eröffnet. Welche Aktien jetzt ge- oder verkauft werden sollen, können Sie täglich der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

  • Putin verunsichert Anleger: SSV-Preise in Moskau

    Sonntag, 03. August 2008 15:00:00

    +++Mechel-Untersuchung sorgt für Aufregung+++Kaufgelegenheiten bei russischen Rohstoffwerten+++angeschlagene Markttechnik beachten+++

    Man darf wohl nicht mehr in Urlaub fahren. Just zu der Zeit als sich die vermögenden Russen am Strand in der Türkei, Spanien und Frankreich in der Sonne aalten, leitete Putin Ende Juli überraschend eine Untersuchung bei den Stahl/Kohle-Konzern Mechel wegen unerlaubter Preisbildung bei Export- und Binnenmarktpreisen und Steuerhintererziehung ein, was zu Panikverkäufen an der Moskauer Börse führte. Der Kurs von Mechel brach von 30 auf 13 € im Juli brutal ein. Dabei wollt Mechel gerade die Kohlesparte, die jetzt so viel Sorgen bereitet, im Herbst separat an die Börse bringen, was zuvor den Kurs nach oben trieb. Mechel zählte bis Mai noch zu der Top-Performern der Moskauer Börse. Im letzte Jahr verdreifachte die der Kurs von 8 auf 24 € und in dies Jahr stieg der Kurs bis Mai nochmals um über 50% von 24 auf 37 € an, um nun auf 13 € zusammenzubrechen.

    Aber auch andere russische Werte wurden in Mitleidenschaft gezogen, so dass der RTS-Index markant unter die magische 2000-er Marke rutschte, was ein Minus von 14 Prozent seit Jahresbeginn bedeutete. Sogar die Blue Chips Gazprom und Lukoil mussten herbe Kursverluste von 20% im Juli hinnehmen, obwohl sich bei diesen Aktien fundamental nichts geändert hat. Noch stärker war der Kursverlust beim Düngemittelhersteller Uralkali, wobei auch der Kursverlust in dieser Höhe fundamental unbegründet ist. Vor dem Mechel-Fall war die Moskauer Börse noch eine der wenigen Börse, die sich in einem negativen Weltbörsenumfeld relativ gut behaupten konnte. Die ohnehin nervösen Anleger wurden sofort an den Yukos-Fall erinnert, der damals im Totalverlust für die Aktionäre endete. Auch die fortgesetzten Querelen der russischen Oligarchen Michael Fridman und Viktor Wechselberg mit dem TNK-Chef Robert Dudley trübten das Stimmungsbild zusätzlich ein.

    Der Fortgang beider für das Sentiment sehr bedeutsamen Fälle ist nun genau zu beobachten. Wenn sich die Wogen wieder glätten sollten, wären das jetzt gute Einstiegschancen vor allem bei den Werten, die aufgrund der Panikverkäufe in Mitleidenschaft gezogen wurden. Allerdings muss der Anleger unabhängig davon auch noch einiges Ungemach an den Weltbörsen ins Kalkül ziehen, was auch die Kurse an den Emerging Markest nach unten ziehen könnte. So wurden in den USA die Insolvenz von zwei kleineren Banken gemeldet, die US-Arbeitslosenzahlen waren am Freitag wieder sehr schlecht, General Motors meldete einen neuen Rekordverlust von 15 Mrd. USD und kündigte weitere Arbeitsstreichungen an. Mittlerweile gibt es einige Ökonomen, die nicht nur eine Rezession in den USA vorhersagen, sondern auch in einigen Ländern in Europa große Probleme sehen wie in Großbritannien, Spanien, Belgien, Irland und Italien. Auch in Deutschland dürfte sich das Wachstum weiter verlangsamen. Davon wäre nun auch wieder der Export osteuropäischer Länder negativ beeinflusst. Von daher ist wie zuletzt bei der Münchener Rück, BMW und einigen anderen (ehemals) soliden Standardwerten mit Gewinnwarnungen zu rechnen. Geradezu fatal für die Weltbörsen wäre es, wenn sich die USA in den nächsten Monaten einen Iran-Krieg leisten würden, was den zuletzt auf 122 USD/Barrel gefallenen Ölpreis sofort wieder nach oben katapultieren würde. Ansonsten rechne ich eher mit fallenden Ölpreisnotierungen Richtung 100 USD/Barrel, was wiederum den Weltbörsen Auftrieb verleihen könnte. Der Goldpreis korrigierte zuletzt stark aufgrund der außergewöhnlichen starken Goldverkäufe der EZB im Volumen von 570 Mio. €. Wenn der Dollar über 1,54 EUR/USD steigen sollte, dürfte der Dollar nachhaltig steigen und damit der Goldpreis weiter fallen. Mittel- bis langfristig sind aber steigende Goldpreise wegen der starken Geldmengenausweitung und negativen Realzinsen wahrscheinlich.

    Der fragwürdige 6 Mrd-USD-Waffen-Deal der USA mit dem Irak macht deutlich, dass die USA anscheinend nur noch mit Waffengeschäften Geld in die leeren Kassen bekommt. Die US-Rüstungsindustrie wäre auch der einzige Profiteur im Falle eines Iran-Kriegs. Ein Schelm, wer böses bei der Bush-Regierung denkt…! Aber auch Obama will offensichtlich mehr militärische Präsenz von Deutschen in Afghanistan. Hat er etwa vor dem Deutschland-Besuch mit der US-Rüstungs-Lobby „Strategie-Gespräche“ geführt?

    Zu beachten ist in den nächsten Wochen auch die angeschlagen Markttechnik. Bei einen Dow Jones-Index von nachhaltig unter 11.000, einem S&P –Index von unter 1200 und einen DAX unter 6000 Indexpunkten seiht es sehr düster an den Weltbörsen aus. Unter diesen wichtigen Chartmarken könnten fortgesetzte Panikverkäufe sogar einen Crash auslösen. Die Monate August und September sind ohnehin recht volatil. Umgekehrt wird es kurzfristig zu einem Short-Squeeze und damit steigenden Kurse kommen, wenn der Dow Jones über 11600 der S&P über 1300 und der DAX über 6500 Indexpunkte gehen sollte. Dazwischen findet die Entscheidungschlacht zwischen den Bären und den letzten Bullen. Dabei befinden wir uns seit Jahresbeginn in intakten Bärmärkten, so dass es sich im Falle der Überschreiten der Indexmarken wiederum wie schon im März bis Mai um eine Bärmarktrallye bzw einem markttechnischen Pull back, aber keine Trendwende handeln wird. Von daher ist eine defensive Anlagestrategie (mit viel Cash) weiterhin angebracht, wobei sich gute Trading-Möglichkeiten vor allem beim unterbewerteten russischen Aktienmarkt ergeben. Welche Aktien jetzt ge- oder verkauft werden sollen, können Sie der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

  • Notenbank-Harakiri: wer kontrolliert die Notenbanken?

    Samstag, 19. Juli 2008 00:25:00

    +++Notenbanken zocken bei Fannie Mae und Freddie Mac+++Milliarden-Verlust bei Citibank wird an der Börse als Erfolg gefeiert+++Kurserholung möglich+++Trendwende noch nicht erkennbar+++Moskauer Börse bricht ein+++Ostbörsen mit guten Reboundchancen+++

    In der vergangen Handelswoche standen die Banken wieder einmal im Mittelpunkt der Börsengeschehens. Die Halbierung des Gewinns bei JP Morgan und die 2,5 Mrd. Verlust bei der Citibank wurden bereits als Erfolg gefeiert. Der Verlust von 4,5 Mrd. USD bei Merrill Lynch war erwartet worden. Daher schloss sowohl der DAX im mit einem beachtlichen Plus von 1,78% bei 6382 Indexpunkten und der Dow Jones mit einem Plus von 0,44% bei 11.496 Indexpunkten, während die NASDAQ aufgrund schlechter Zahlen von Google und Microsoft im Minus landete. Auch in der nächsten Woche dürften die Quartalsergbnisse der US-Banken nachhaltig wie Weltbörsen beeinflussen. In der nächsten Woche werden die Zahlen der Bank of America und American Express die Weltbörsen in Atem halten, wobei bei besseren Ergebnisses als erwartet eine Fortsetzung des Short Covering wahrscheinlich ist.

    Während die Schieflage der Banken auch in den nächsten Wochen im Mittelpunkt des Anlegerinteresse stehen, wird die fragwürdige Anlagepolitik der Notenbanken bisher wenig hinterfragt. Dabei haben sich auch die Notebanken bei US-Hypothekenbanken verzockt. So legte die russische Notebank über 100 Mrd. USD ei US-Hypothekenbanken an, dabei 43 Mrd. USD bei Fannie Mae und Freddie Mac. Andere Notenbanken wie vor allem die Notenbank aus China und Japan habe sich sogar Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mai im Volumen von 1 Billionen USD ins Depot genommen. Dabei stellt sich die Frage, wer eigentlich die Anlagepolitik der Notenbanken kontrolliert und was passiert, wenn Notenbanken Pleite gehen. Schon die recht fragwürdige Garantieübernahme der FED bei der Übernahme von Bear Stearns durch JP Morgan wirft viele fragen auf. So wird es auch verständlich, dass de US-Notenbank Fannie Mae und Freddie Mac eine um 300 Mrd. USD erweiterte Kreditlinie gewähren, während andere Hypothekenbanken wie die zahlungsunfähige IndyMac unter US-Zwangsverwaltung kommen.

    Nachdem die russischen Notenbank zur Inflationsbekämpfung den Refinanzierungszins auf 11% erhöhte, brachen die Kurse an der Moskauer Börse am Freitag ein. So verlor der Düngemittelhersteller Uralkali durch Gewinnmitnahmen sogar um 12% auf 38 € an Wert. Zuvor verdreifachte sich der Kurs aber seit dem IPO ende 2007.m Aber auch russische Ölwerte wie Lukoil und Rosenft gaben im Kurs um über 4% erheblich nach, nachdem sich der Ölpreis wieder auf 129 USD/Barrel verringert. Des einen Freud ist des anderen Leid: Fallende Ölpreise sind zwar schlecht für russische Ölwerte, beflügeln aber die Weltbörsen. Ich halte nach wie vor eine defensive Anlagestrategie für sinnvoll.

    Falls der DAX aber über 6400 und der S&P über 1300 Indexpunkte geht, könnten sich die Short-Eindeckungen fortsetzen und die Indices nach oben treiben. Bei einem DAX unter 6000 und ein S&P unter 1200 wird sich aber der Salami-Crash fortsetzen und spätestens dann sollte Sie mehr in Liquidität gehen, um die guten Trading-Chancen in der Zukunft nutzen zu können. Welche Aktien jetzt ge- oder verkauft werden sollen, können Sie der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

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