Ostbörsen im Fokus (siehe auch www.eaststock.de)

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Interview- und Termin-Hinweise

Das nächste Ostbörsen-Seminar "Go east - Hochprozentiges aus Osteuropa" wird am 29. November 2017 um 17.00 Uhr gelich nach dem Eigenkaltal-Forum in Frankfurt/M stattfinden.

Andreas Männicke wurde am 17. Oktober 2017 von Börsen Radio Networks über die neuen Chancen in Osteuropa und Russland befragt.

Ab Oktober 2013 können Sie unter Eingabe von "EastStockTV" bei www.youtube.de die aktuellen Kommentare von Andreas Männicke zu den Aussichten an den Welt- und Ostbörsen kostenlos abrufen. Abonnieren Sie einfach den Kanal bei www.youtube.de.

Ab Mai 2014 können mit Herrn Männicke über www.go.guidants.com auch interaktiv in Kontakt treten und Fragen zu den Ostbörsen stellen.

Verpassen Sie die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen Sie jetzt den monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de. Ein Probe-Abo (3 Ausgaben kosten nur 15 €). Die beiden Muster-Depots erzielten seit Februar 2009 eine Performance von über 320% im Muster-Depot 1 (konservativer Osteuropa-Basket) bzw. über 350% im Muster-Depot 2 (spekulativer Osteuropa-Basket, das sind über 40% p.a. seit 2009. In den neuen Muster-Depots ab 2015 wude eine Performance von über 130% bzw über 80% erzielt. Das neue "goldige" Muster-Depot erreichte immerhin ein Plus von 66% ab 2016.

Im neuen monatlich ercheinenden Börsenbrief THE BIG PICTURE werden die globalen Anlagestrategien für Aktien-Indices, Rohstoffe und Währungen besprochen. Auch hier kostet ein Probe-Abo (3 Ausgaben per E-mail) nur 15 €.

Zudem können Sie sich alle bisherigen TV-Inteviews von Andreas Männicke in diesem Jahr runterladen unter den Links der Rubrik "Interviews".

  • „Margin Call“ für Oligarchen und Hedgefonds!

    Sonntag, 19. Oktober 2008 13:53:00

    +++Crash an der Moskauer Börse durch Zwangsverkäufe und Ölpreisverfall+++Rettungsprogramme werfen Fragen auf+++Währungsreform in Sicht?+++Schweiz kommt ins Gerede+++schwere Schieflagen bei UBS und ING++

    Am 16. und 17. Oktober wurde im parlamentarischen Schnellverfahren in 5 Tagen das Rettungsprogramm im Volumen von 500 Mrd. € per Gesetz manifestiert, womit Deutschland schon wesentlich weiter und schneller ist als die USA mit dem 700 Mrd. USD Rettungspaket. In Deutschland handelt es sich allerdings überwiegend um Staatsbürgschaften mit einem Volumen von 400 Mrd. €, während die Amerikaner jetzt Ramschanleihen über den Staat aufkaufen wollen. Im „worst case“ würde der Steuerzahler in Deutschland pro Person mit 6000 € belastet werden.

    Auch andere Länder in Europa und außer von Europa entwickeln jetzt ähnliche Staatsprogramme, um ihr Bankensystem zu retten. Sogar die Schweiz stellet der UBS 3,9 Mrd. € zur Verfügung, damit diese ihren Kreditverpflichtungen nachkommen kann. Jetzt beginnt die spannende Frage, welche Banken in Europa Staatskrediten Anspruch nehmen. Einer der ersten Kandidaten soll die ING Bank, die 20 Mrd. € von der niederländischen Regierung bekommen soll. Alle Banken, die zuvor kreditfinanziert ein „zu großes Rad gedreht“ haben, werden nun Probleme bekommen und wohlmöglich teilverstaatlicht werden.

    Es gibt auch große Sorge, dass nach dem Staatsbankrott von Island auch andere kleine Länder, wo Banken dominieren, den Staatsbankrott anmelden müssen. So kommt jetzt auch die Schweiz ins Gerede, wo bei 7 Mio. Einwohnern ein Bankeinlagenvolumen von 3,5 Billionen SFR aufgebaut werden konnte, wobei das meiste Geld aus dem Ausland kam. In der Schweiz sollen sich angeblich ein Drittel aller Vermögen der Welt befinden. Amerikanische und russische Geheimdienste ermitteln nun, wie sie an diese Pfründe herankommen können, da die Staatsfinanzen im eigenen Land knapp werden. Alleine aus Russland werden über 100 Mrd. € an nicht versteuertem Fluchtkapital, das in der Schweiz und in Liechtenstein geparkt wird, seitens der russischen Regierung vermutet Die Schweiz hat nun die UBS mit einem Notkredit von 6 Mrd. SFr vor dem Kollaps gerettet. Aber auch die Credit Suisse steht auf wackligen Beinen. Bei der Credit Suisse musste schon der Staatsfonds von Katar mit einem 10 Mrd. aushelfen, was wohl aber nicht ausreicht. Andere Schweizer Banken sollen aber gesund sein. Aus der Schweiz und Liechtenstein wurde umgekehrt erhebliche Gelder aus der Ukraine und Russland abgezogen, was den Crash an den Börsen Kiew und Moskau einleitet bzw verstärkte. Daher war die Kursverluste in der Ukraine und Russland in den letzten Monatenn die höchsten auf der Welt. Man darf gespannt sein, wo jetzt das viele Geld hinwandert und wo es wieder reinvestiert wird.

    Der UBS laufen in jedem Fall die Großkunden weg. Alleine im 3. Quartal wurden Gelder im Volumen von 84 Mrd. SFr abgezogen. UBS ist aber immer noch der größte Vermögensverwalter der Welt. Trotz hoher Verluste zahlte die UBS ihren Top-Managern 10 Mrd. Franken an Boni wegen „guter Leistungen“ aus. Ein Skandal – ähnlich wie bei AIG und Lehman Brothers In den USA sollen nach den Angaben der britischen Zeitung „The Guardian“ in diesem Jahr noch fast 70 Mrd. USD an Boni im US-Bankensystem ausgezahlt, obwohl die Banken enorme Verluste machen - davon 11,4 Mrd. USD bei Goldmanns Sachs, 6,5 Mrd. USD bei JP Morgan, 3,5 Mrd. USD bei Merrill Lynch uns selbst für Lehman Brothers wurden 6,1 Mrd. USD für Boni reserviert. Wenn die „Pferde jetzt nicht saufen“, wird ein neues Welt-Finanz-system entstehen und wohlmöglich ein Welt-Konjunktur-Programm zur Vermeidung einer Weltwirtschafts-Rezession folgen. Schon gleich nach der US-Präsidentschaftswahlen sollen neue Welt-Gipfel mit den Schwelleländern im Boot in den USA stattfinden, um eine Weltwirtschafts-Rezession zu verhindern. Die größte Herausforderung für die USA wird die Bewältigung der kommenden Konsumentenkreditkrise werden,.

    Die USA will jetzt auch 250 Mrd. USD für die Teilverstaatlichung von Banken zur Verfügung stellen und damit den britischen Weg einschlagen. In Großbritannien wurde drei Großbanken, darunter auch die Royal Bank of Scotland (RBS) teilverstaatlicht. Der Staat hält dort nun 60% an Vorzugsaktien und die RBS erhielt über 60 Mrd. € als Kapitalspritze. Nun drohen auch einigen deutschen Banken die Teilverstaatlichung und damit mehr staatliche Kontrolle. Dabei waren es Deutschland gerade die unter staatlichem Einfluss stehenden Banken wie die Landesbanken und IKB, die Mrd-Verluste und fast eine Insolvenz hinnehmen mussten. Einer der ersten Kandidaten wird wohl die Hypo Real Estate werden und dann werden sich die deutschen Landesbanken (also der Staat!) an dem Staatskreditprogramm beteiligen. Das waren aber auch schon vorher die Pleitekandidaten, die jetzt künstlich am Leben erhalten werden.

    Ob alles diese Maßnahmen ausreichen, um nun wieder den seit der Insolvenz von Lehman Brothers ausgetrockneten Interbankenmarkt wieder zu beleben wird, bliebt abzuwarten. Auch die Diskussion um Boni zeigt schon Wirkungen. So verrichtete der Deutsche Bank Chef Josef Ackerman in diesem Jahr auf seine Boni, die 80% seines Gehaltes ausmachen. Er will das Geld verdienten Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Ackermann war einer derjenigen „Experten“ (und Berater von Angela Merkel), der die Finanzkrise schon im Frühjahr für beendet erklärte. Ich war schon damals einer ganz anderen Auffassung wie Sie im Newsletter EAST STOCK TRENDS und meinen Kolumnen nachlesen können. Ich hatte rechtzeitig vor einem möglich Crash an den Weltbörsen im September/Oktober schon vor Monaten gewarnt und empfohlen vorsichtshalber auch an den Ostbörsen in Cash zu gehen, was sich im Nachhinein als richtig herausgestellt hatte. Ich glaube nach wie vor, dass die Situation mit dem Rettungsprogrammen noch nicht bereinigt ist und dass die Situation weit schlimmer ist, als die meisten zu erkennen geben. Man denke nur an die Goodwill-Abschreibungen im Volumen von 150 Mrd. € für deutsche Unternehmen, die im nächsten Jahr die Bilanzen belasten werden.

    Nun drohen Bankmanagern, die das Geld vom Staat in Anspruch nehmen, Gehälter von nur noch 500.000 € neben einer verstärkten Staatsaufsicht. Die Verstaatlichungswelle im Bankensektor dürfte damit weltweit weitergehen, wobei die Initiatoren auf den Erfolg des schwedischen Modells in den 90-er Jahre hoffen. Damals kamen der Staat und damit der Steuerzahler mit einer schwarzen Null heraus. Wenn es aber zu einer zu starken Beanspruchung der Steuerzahler kommen sollte und die Weltwirtschaft zu stark in die Rezession gleiten sollte, droht sogar eine Währungsreform. Die Bretton Woods-Experten bereiten schon einen Entwurf vor. So gibt es schon jetzt verschieden Konzepte, die de facto auf eine Währungsreform hinauslaufen. In jedem Fall soll der Währungshüter IWF in Zukunft mehr Macht und Kontrollfunktionen bekommen, An den Weltbörsen wurden in der letzten Woche neben dem Rettungsprogramm auch das Thema Rezession in 2008 eingepreist. Bei sehr hoher Volatilität und Kurseinbrüchen von über 7% am Donnerstag schloss die Wall Street am Freitag mit einem Plus von 4% im Wochenverlauf, obwohl die Kurs am Freitag selbst mit 1,41% ins Minus gerieten. Am vergangen Montag kam es nach dem US- und EU-Rettungsprogramm zu einem Kursanstieg im zweistelligen Prozentbereich. Die Nerven bei den Bankmanagern und Anlegern werden auf eine große Belastungsprobe gestellt, da mit den jetzt beschlossenen Rettungsprogrammen der Super-Gau noch nicht gänzlich vermieden ist.

    Am Freitag fiel der Dow Jones allerdings unter großen Kurschwankungen um 1,41% auf 8852 Indexpunkte während der DAX mit einem Plus von 3,43 % bei 4781 Indexpunkten schloss. Am Vortag brach der Dow Jones über 7% bzw. 700 Indexpunkte ein, was einen Wertverlust von über 1 Billion USD bedeutet. Noch stärker waren die Kursschwankungen in der letzten Woche an der Moskauer Börse, die sich weiterhin im freien Fall befindet. Der RTS-Index brach am 16.Oktober noch einmal um 6,48% auf 667,62 Indexpunkte. Dabei zählte die Moskauer Börse im Mai mit einem Plus von 5% noch zu den Top-Perfomern unter den Weltbörsen. Im Mai befand sich der RTS noch über 2400 Indexpunkte. Seit Mai fielen die Kurse in Moskau um über 70%! Der Wertverlust betrug damit fast 1 Billion USD Dollar, was fast soviel wie das russische BSP ist. An der NYSE betrug der Kursverlust am 15. Oktober sogar über 1 Billion USD an einem Tag.

    Der beiden Hauptgründe für den dramatischen Kursverfall vor allem in den letzten Wochen waren die Halbierung des Ölpreises von über 150 auf nunmehr 72/USD/Barrel und der „Margin Call“ (Nachschusspflicht) für viele Oligarchen und Hedgefonds, die russische Aktien zur Besicherung für Kreditaufnahmen im Mrd-Volumen hergeben haben. Die OPEC will am 24. Oktober nach dem dramatischen Kursverfall des Ölpreises nun um Verminderung der Ölfördermengen um ein Million Barrel pro Tag beraten.

    Noch wichtiger für die russischen Aktien sind aber die Margin Calls bei Hedgfonds und russischen Großaktionären. Nachdem die Kurse von besicherten Blue Chips unter die Beleihungsgrenzen fielen, warfen Banken und Hedegfonds ohne Rücksicht auf den Kurs ganze Aktienpakete auf den Markt, was nach und nach den Kursdruck erhöhte. Zudem gab es kaum einen, der den Mut hatte, das Material aufgrund der Unsicherheit im Finanzmarkt aufzunehmen. Auf diese Weise verloren russische Oligarchen in der Summe über 230 Mrd. USD. Einige russische Oligaechen wie Oleg Deripaska gerieten in arge Zahlungsnöte, da der Kauf von Anteilen mit durch Aktien besicherten Krediten erworben wurde.

    So erwarb Deripaska bzw. sein Aluminiumkonzern RuSal für einen 25%gen Anteil an Norilsk Nickel einen Kredit in Höhe von 4,6 Mrd. USD. Ebenso benötigte die Alfa Group (Altimo) ein Kredit von 2 Mrd. USD von der Deutschen Bank AG, um den Anteil an dem Mobilfunkunternehmen Vimpel Com auf 44% zu erhöhen. Nun haben die Kreditgeber das Recht, die Aktien über den Markt zu verkaufen, falls die Differenz bis zur Beleihungsgrenze nicht in Cash bezahlt wird. Aber auch Oligarchen haben in der Regel nicht einige Mrd. USD flüssig auf dem Konto. Daher musste Deripaska notgedrungen schon seinen Anteil, an dem Automobilzulieferer Magna verkaufen. Den Anteil Strabag SE soll er aber noch haben.

    Vor einigen Wochen kündigten russische Oligarchen bzw das Management der jeweiligen Untenehmen großangelegte Aktienrückkaufprogramme an, um den Kurssturz aufzuhalten. Nachdem die Aktien aber um weiter 20-30% im Oktober einbrachen, wurden die Aktienrückkaufprogramme aber nach und nach rückgängig gemacht, weil die Aktienkurse jetzt weit tiefer sind als bei Bekanntgabe vor einigen Wochen. So will der Großaktionär Prohkororv auch gegen das Aktienrückkaufprogramm von Norislk Nickel klagen, da bei Durchführung des Aktienrückkaufprogramms im Volumen von 2 Mrd. USD Insolvenzgefahr besteht. Norilsk Nickel hat den Aktionären angeboten, Aktien zum Kurs von 616 Rubel bzw. 17,6 € pro ADR zurückzukaufen, wobei der Aktienkurs zur Zeit bei 5,4 € liegt.

    Der Oligarch Prokhorov beteiligte sich zuvor mit 500 Mio. USD an dem größten russischen Invstmentbank Renaissance Capital. Vor 6 Monaten wurde der Wert dieses 50%-igen Anteils noch auf 5 Mrd. USD geschätzt. Ich vermute, dass nun das große Broker- und Bankensterben in Russland beginnt. Um eine „Bankenrun“ zu vermeiden, wird wohl die Sberbank und die VTB Bank eine Reihe von Banken und Brokern übernehmen, wobei der wahre Gewinner des Verteilungskampfes der Kreml sein wird. Der Staat holt sich damit das sehr günstig zurück, was unter der Jelzin-Zeit unkontrolliert unter Oligarchen aufgeteilt wurde.

    Zudem will der Präsident Medwedew Untersuchungen zur Korruptionsbekämpfung einleiten und dabei feststellen, wie russische Beamte zu Traumvillen in Südfrankreich und Südspanien gekommen sind. Die Säuberungs- und Konsolidierungswelle könnte zwischenzeitlich zu weiteren Irritationen am Aktienmarkt führen, ist mittelfristig aber zu begrüßen. Die meisten der über 1000 Banken sind aufgrund der zu geringen Eigenkapitalausstattung ohnehin nicht nach westlichen Maßstäben überlebensfähig und die Milliarden aus dem Ölsektor versiegen allmählich.

    Schon jetzt gibt es ein ganze Reihe von unterbewerteten russischen Aktien, die aber erst dann wieder nachhaltig steigen werden, wenn die „Margin Calls“ für Oligarchen und Hedgefonds aufhören und zudem die Weltbörsen die wahrscheinliche Rezession in 2009 eingepreist haben und nicht weiter so dramatisch fallen wie in den letzten beiden Monaten. Das Erholungspotential ist bei einem KGV von 3-4 enorm, wobei jetzt KGV nicht mehr die Bedeutung wie zuvor haben. Wichtiger ist der Verschuldungsrad und die Cash Flow-Situation des Unternehmens. Zudem sollte der Analyst und Anleger jetzt darauf achten, welche Aktienpakte von Großaktionären zu welchen Konditionen besichert sind. Die Transparenz ist darüber sehr gering. Daher handelt es sich auch bei Aktienkäufen im Moment noch um eine unkalkulierbare „Black Box“. Auch ist noch nicht klar, welche Folgewirkungen die Finanzkrise auf die Realwirtschaft haben wird. Hierauf sollten Anleger und Analysten jetzt den Blick werfen, um nicht wieder auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Wer zu früh versucht, dass fallende Messer aufzufangen, schneidet sich in den Finger. Wenn der Dow Jones unter 8500 Index fallen sollte, werden auch die anderen Weltbörsen die Talfahrt fortsetzten. Bei unter 8000 Indexpunkten droht sogar eine weitere Tsunami-Welle. Beim DAX muss zunächst die 4500-er Marke halten. Unter 4300 Indexpunkte dürfte es auch beim DAX eine weitere Tsunami-Welle geben. Es ist also noch unklar, ob das schon die letzte Kapitulationsphase war oder ob wir diese noch vor uns haben. Es wird jetzt zunächst alles davon abhängen, ob und wann die „Pferde saufen“ wollen. Daher bleibt Cash King!

    Mutige Anleger gehen dennoch mit 10-20% des Geldes schon jetzt im Trading-Bereich auf „Schnäppchenjagd“ und daher mit gestaffelten Abstauberlimits in den Markt und eifern Warren Buffet nach, dessen Leitspruch ist: „Verkaufe, wenn die Gier überwiegt und werde gierig, wenn die Angst überwiegt!“ Daher ist mein Motto auch bei meinem Ostbörsen-Seminar „Go East“ am 12. November 2008 um 17.30 Uhr in Frankfurt M. „In der Krise liegt die Chance“. Bis dahin dürfte aber noch einiges passieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen. Bestellen Sie auch jetzt den kostenlosen Newsletter bei www.andreas-maennicke.de

  • Bitte aufwachen: Margin Call für den Steuerzahler in Sicht!

    Mittwoch, 15. Oktober 2008 19:35:00

    Jetzt geht ins Eingemachte! Es geht um die Kernfragen des Systems. Es geht auch um Lerneffekte bei Politikern, Bankern, Aufsichtsgremien und last not least Anlegern. Nach dem letzten G7 Gipfel kam klar zum Ausdruck, dass es nun eine Verstaatlichungswelle wahrscheinlich nach dem britischen Modell weltweit geben wird, damit der Kredit- und Geldkreislauf wieder in Gang kommt. Die Schwellenländer China, Brasilien und Indien wollen mithelfen, dass sich die Finanzkrise nicht ausweitet. Dies soll dann nur eine Übergangslösung sein, damit die Bankwirtschaft, die im Moment kein Geld hat bzw. kein Geld ausgeben will, wieder eigenständig in Gang kommt.

    Die DAX reagierte heute in den ersten Morgenstunden mit einem Kursfeuerwerk von 518 Indexpunkten bzw. 11,4% auf 5062 Indexpunkte. Ob dies nun auch wieder ein Strohfeuer war, muss abgewartet werden. Die Moskauer Börse war am 13. Oktober aber anfangs nach Eröffnung immer noch unter dem Niveau wie vor der Schließung der Börse am 9. /10. Oktober. Im ADR-Handel stieg Gazprom aber um über 20%, Sugutneftegas um über 20%% und Lukoil um 15% bei Handelseröffnung am Montag. Auch die Wall Street stieg am Monat anfangs um über 6% auf 9000 Indexpunkte. Entscheidend wird es zu Stabilisierung sein, dass die Kurse in dieser Woche nicht wieder brutal einbrechen und auch diese Rettungsaktion der G7-Länder verpufft. Wenn es aber Anschlussorder gibt, gibt es auch hohe Reboundchancen bis Jahresende. Vielleicht haben wir am 9. Oktober „schon“ die Tiefstkurse für dieses Jahr gesehen.

    Es bleibt abzuwarten, ob dies wie in den Vortagen nach bestimmten „Feuerwehraktionen“ des Staates nur ein Strohfeuer ist. Der Anleger sollte aber jetzt einmal in sich gehen und selbst mögliche Szenarien entwickeln. Leider hat der Anleger (und auch der hilflose Bankberater) oft keine Schublade für ein „worst case“ Szenario parat. Ich kann nur immer wieder sagen: vermeiden Sie Kursverluste von über 50% in Ihren Depot, denn die sind schwer aufzuholen. Ich habe rechtzeitig darauf hingewiesen, in Cash zu gehen. Wie geht es jetzt aber weiter und was ist im Detail geplant?

    Es soll nach den Plänen der EU in Paris weiter Liquidität und Kapital zur Verfügung gestellt werden und es sollen Bilanzierungserleichterungen geben. Die USA und der IWF wollen jetzt auch zusammen mit der EU und den Schwellenländern an einem Strang ziehen. Es handelt sich also zum ersten Mal ein Krisenpaket in der Nachkriegsgeschichte, wo die ganze Welt mit im Boot ist. Im Einzelfall soll der Staat auch Aktionär werden. Bis zu 470 Mrd. sollen für Staatsgarantien bzw. Bürgschaften alleine in Deutschland bis Ende 2009 zur Verfügung gestellt werden. Ich kann nur hoffen, dass der Fonds nicht in dem Ausmaß in Anspruch genommen wird, denn dann gibt es eine Pleitewelle bei Gemeinden, Kommunen und Städten; selbst die Kreditwürdigkeit des Staates sinkt dann enorm. Denken Sie daran: nichts ist im realen Stresstest unmöglich, auch nicht ein Staatsbankrott! Ich hoffe aber, dass es nicht dazu kommt und dieser Fonds nur eine weitere psychologische Beruhigungspille ist, denn wie das Ganze im Ernstfall finanzierbar sein soll, bleibt mir ein Rätsel.

    Diesen Finanzmarktstabilisierungsfonds hatte Russland übrigens schon rechtzeitig nach der Russlandkrise 1998 gebildet, was eine Weise Entscheidung war. Der Westen muss also vom Osten (Russland) und deren Krisenmanagement lernen (und nicht umgekehrt), was auch ein Novum ist. Dennoch war der Wertverlust an der Moskauer Börse weit höher als an der Wall Street, weil Ausländer und Hedgefonds aber auch Oligarchen fast wahllos durch den „Margin Call“ Aktienpakete auf den Markt schmeißen mussten Ich frage mich allerdings, warum Putin/Medwedew den Stabilisierungsfonds nicht jetzt massiver einsetzen, um Aktienpakete an der Moskauer Börse zu kaufen.

    Schon heute soll im Deutschen Bundestag über ein Notgesetz der Nachtragshaushalt in Berlin beschlossen werden. Das kann in Zukunft große Finanzierungsprobleme für Städte und Kommunen geben. Die Defizite werden immer höher und auch Stadtpleiten (wie Berlin) sind möglich. Immobilien müssen jetzt zwangsverkauft werden. Auch Städte und Kommunen müssen weiter sparen. In England löschte schon die Feuerwehr mit drei Krediten und Staatsbeteiligungen bei Großbanken, wobei vor allem RBS gerettet werden soll. Der Kurs brach am Montagmorgen erst um fast um 30% ein, erholte sich dann aber wieder von 0,7 auf 1 € auf das Ausgangsniveau. Dabei beteiligt sich der Staat nur über Vorzugsaktien und hat damit kein Stimmrecht. Das ist noch der liberalste Weg. Dabei waren es gerade die RBS-Analysten, die einen Kurseinbruch beim S&P von über 20% vor einigen Wochen vorhersahen, aber nicht Ernst genug genommen wurden. Ähnliches wird zeitgleich in Rom und Paris beschlossen werden. Es wird für alle Beteiligten gemeinsame Regeln zur gegenseitigen Hilfe in der EU für den Notfall geben, nicht mehr aber auch nicht weniger. Am Mitwoch sollen beim EU-Gipfel auch andere europäische Länder mit ins Boot genommen wurden. Der Steuerzahler wird wie in den USA mit die Hauptlast tragen, zunächst virtuell als Bürgschaftsgeber, im Notfall aber auch real. Die Finanzwelt ist nicht mehr wie er zuvor war. Der Turbo-Kapitalismus hat ein Ende gefunden, was nicht zu bedauern ist.

    Damit ist aber auch gesagt, dass viele Großbanken außer den bekannten Adressen schon jetzt aufgrund des „counterpart risk“ faktisch Pleite sind bzw. ohne Staatshilfe nicht existieren können. Selbst Goldman Sachs hätte Pleite gehen können, wenn AIG Pleite gegangen wäre. Das wurde bis jetzt noch knapp vermieden. Goldman Sachs hatte zudem U-Boot-Teams, die Short waren und damit von dem Finanzdebakel profitiert hatten. Nun wollen die G7 mit aller Macht einen Bankenrun verhindern und dafür sorgen, dass der Geldkreislauf der Welt wieder funktioniert. Dafür wurden auch weitere Beruhigungspillen verteilt wie Erhöhung der Einlagensicherung von 20.000 auf 50.000 in Europa. Nur fragt sich nach wie vor, wer das im Ernstfall alles bezahlen soll. Es ist ganz klar, dass auch die EU-Notbeschlüsse am 11. Oktober nur psychologisch wichtige, aber im Ernstfall nicht ausreichende Beruhigspillen sind, die jetzt verteilt werden. Man kuriert nach wie vor an den Symptomen, um ein krankes, von Krebsgeschwüren befallenes System so lange wie möglich am Leben zu erhalten.

    Es ist nicht verwunderlich, dass die Beruhigung des Finanzsystem Thema No. 1 im US-Walkampf geworden ist. Es kann auch gut sein, dass in Deutschland nächstes Jahr dieses Thema das Thema No. 1 sein wird. Es ist wahrscheinlich, dass dabei auch Systemfragen diskutiert werden und „Die Linke“ unter Oskar Lafontaine ohne eigenes Dazutun von dieser Situation profitieren wird. Der „linke“ Obama profitiert jetzt schon von dem Finanzdebakel, da die Republikaner mehr für den volkswirtschaftlichen Schaden des Laisser-faire-Stils (ohne Kontrolle) verantwortlich gemacht werden. Jetzt kann McCaine wahrscheinlich nur noch ein (konstruierter) Terroranschlag retten, um die Wahl am 4. November zu gewinnen. Es wäre schlecht, wenn die großen Volksparteien in Deutschland nun wie in Bayern völlig im Wahlergebnis einbrechen und wohlmöglich radikale Randgruppen großen Zulauf bekommen. Dies wäre aber nur dann der Fall, wenn die Arbeitslosigkeit dramatisch steigen würde und die Inflation hoch bleiben würde, kurz wenn die Finanzkrise sich nachhaltig auf die Realwirtschaft auswirken würde. Ich glaube aber mehr daran, dass die Börse im Moment übertreibt und das es außer im Banken- und Automobilsektor nicht zu Massenentlassungen kommen wird. Es wird jetzt zu wenig gesehen, dass viele Unternehmen auch in Osteuropa immer noch sehr gut dastehen und auch gut durchfinanziert sind. Das wird die Börse korrigieren (mit Kurssteigerungen), wenn die Zwangverkäufe der Hedgfonds und Banken im Eigenhandel aufhören.

    Wer sind also jetzt also die Experten, die kluge und weitsichtige, aber nicht populistische Antworten auf die drängenden Fragen der Bevölkerung finden? Sicherlich wurden durch die Medien die Probleme in den letzten Wochen nicht verursacht, aber deren Auswirkungen durch entsprechende Sensationsberichterstattung eher verschärft; vor allem aber haben auch die Meiden leider in den letzten Jahren versagt, weil kein Börsenmagazin oder TV-Sendung vorher so richtig recherchiert hat, wohin die Billionen € an Kreditderivaten gewandert sind, wie sie verbucht wurden und welche möglichen Auswirkungen diese „Massenvernichtungswaffen“ haben. Ich habe versucht, diese Probleme durch mein „Radar- und Frühwarnsystem“ immer wieder bei meinen Kolumnen und auch im Strategieteil des EAST STOCK TRENDS zu thematisieren und auch die richtigen Schlüsse für den Anleger zu treffen. Aber ich weiß, dass dies, um Gehör zu finden, eher schädlich ist.

    Auch EON hat sich mit seinem zu hohem Kaufpreis in Russland verspekuliert und muss nun hohe Goodwill-Abschreibungen im Mrd-Volumen in Kauf nehmen. Das Volumen für DAX-Wert beträgt über 150 Mrd. €. Ich kritisiere nach wie vor, dass es so ein Frühwarnsystem für den Finanzsektor und wohl auch nicht im Finanzmanagement von Großkonzernen, die Übernahmen geplant haben, bisher nicht gegeben hat. Hier hat auch der IWF versagt. Auch haben Analysten versagt, die nicht den Leverage-Effekt hinrechenf beachtet haben. Jetzt ist die Analyse der Passivseite wichtiger als die Analyse der Aktivseite und Ertragspotentiale im Wettbewerb. Jetzt können die Unternehmen, die Cash haben, auf „Schnäppchenjagd“ gehen. Es wird auch zu vielen Übernahmen in 2009 kommen. Es gibt aber noch weitere Punkte, die für die Zukunftsgestaltung Beachtung verdienen. Nach wie vor sollte auch das unkalkulierbare und intransparente Treiben der Hedgefonds hinterfragt werden, die jetzt Aktien fast wahllos auf den Markt schießen müssen, um das überleben zu sichern.

    Was wir jetzt verfolgen ist auch Ausdruck einer tiefgreifenden und weitreichenden Globalisierungskrise; denn wenn die freien Marktkräfte unreguliert die Geldkreisläufe auf der ganzen Welt beeinflussen, dann sind nationale Regierungen hilflos diesen globalen Prozessen ausgeliefert. Prozesse die außer Kontrolle geraten, sind immer gefährlich. Ähnliche Probleme könnte es auch im Falle eines Cyber-Krise geben. Weltweite Vernetzung birgt enorme Chancen in sich; wenn diese aber einseitig wohlmöglich kriminell ausgenutzt werden, kann es auch dort zu einer“ Systemkrise im Web“ kommen mit nicht kalkulierbaren Risiken für die Realwirtschaft. Ähnlich ist dies heutzutage in der globalen Welt der Finanzwirtschaft. Es gab und gibt noch immer keine Transparenz über das Volumen der Kreditderivate und Credit Defaults Swaps und es gibt (noch) keine Kontrolle über die globalen Prozessen in der Finanzwirtschaft.

    Immerhin gibt es jetzt zum erstem Mal koordinierte und abgestimmte Aktionen der G7 Länder und der EU, die alle nur dazu führen sollen, dass der internationale (nicht nur nationale) Geldkreislauf wieder funktioniert und das vor allem ein Bankenrun vermieden wird. Kommt es aber zu einem Bankenrun, kann auch der Staat nicht helfen, weil die Bilanzsummen der Banken größer sind als das BSP eines Landes. Die osteuropäischen Länder haben es hier sogar besser, da kaum Subprimekredite in den Büchern sind und zudem die Bedeutung des Finanzsektors in Relation zum BSP oder das Kreditvolumen pro Kopf nicht so hoch ist. Dennoch können auch osteuropäischen Banken jetzt Pleite gehen und wohlmöglich unter staatliche Obhut kommen, wenn sie sich zu stark international refinanziert haben und die Refinanzierung jetzt nicht mehr oder viel zu teuer möglich ist.

    Das Beispiel Island zeigt sehr eindrucksvoll, dass im worst case dann auch Staaten sehr schnell Pleite gehen können, wobei das Beispiel bisher nur bedingt aussagekräftig ist, da Island nut 360.000 Einwohner hat und dort die Banken die Wirtschaft dominieren. Zudem wurde das Wachstum im Bankensektor überwiegend nicht über Einlagen, sondern über ausländische Anleihen finanziert. Früher oder später werden sich aber auch Staaten wie USA und Deutschland die Frage stellen müssen, ob die aufgebaute Billionen-Verschuldung (=Forderungen bei Notenenbanken, Pensionskassen, Banken, Versicherungen und Privatanlegern) wieder korrigiert bzw zurückgeführt werden kann. Meine These ist schon lange: es kann früher oder später auch zu einem Staatsbankrott in Deutschland oder USA kommen. Die Auflösung kommt dann über eine Währungsreform oder Hyper-Inflation. Auch dies ist ein Prozess, der schon in Gang ist, aber wohl erst in einigen Jahren den Problemlösern der Welt gelöst werden muss, was allerdings nicht ohne arabische Länder, China, Japan, Indien und Russland denkbar ist. Ich hoffe, dass dann nicht solche Panikreaktionen wie jetzt notwendig sind, sondern das die Problemlösung „sanft“ und strategisch vorbereitet wird. Ich vermisse aber bei allen Regierungen (Finanzministerien) die Vorbereitung von extremen Maßnahmen einer zu hohen Staatsverschuldung oder gibt es dafür schon geheime Ausschüsse, die darüber kreativ nachdenken. Auch hier werden jetzt Fehler gemacht, da ich nicht den Eindruck habe, dass man für den „worst case“ eine oder besser mehrere Schubladen noch nicht parat hat.

    In der Schweiz kommt es im Moment der Vermögensabbau schon einer Kernschmelze gleich. In der Schweiz sollen angeblich ein Drittel der Vermögen der Welt versammelt sein, wobei die Dunkelziffer groß ist. Wurden die Kunden der Schweiz aber gut beraten? Haben auch die Schweizer Banken geeignet Frühwarnsysteme für den „worst case“? Viele Vermögensverwalter sind jetzt zun 50% in Cash. Wem aber gelang es, Vermögenssubstanz zu erhalten oider gar zu mehren außer einigen wenigen Hedgefonds (bitte bei mir melden)? Seit letztem Jahr sind alleine im Aktienbereich Wertverluste von über 20 Billionen USD weltweit entstanden, wobei 7% beim Dow Jones alleine einen Wert von über 1 Billion USD haben. Das Kernproblem ist nun ein Misstrauen in der Finanzwirtschaft; wenn das Misstrauen auf die Realwirtschaft überschwappen sollte, kommt es zu weniger Konsum, weniger Investitionen und dazu Massenarbeitslosigkeit, höheren Haushaltsbilanzdefiziten und Bankenpleiten, die dann durch den Staat, also uns absorbiert werden. Dann werden eine Reihe von Gemeinden, Kommunen und Städten faktisch Pleite geben. Das reiche Kalifornien ist jetzt schon Pleite, weil ihm 7 Mrd. im Haushalt fehlen.

    Im Moment gibt es eine Flucht ist Staatsanleihen (Bundesschatzbriefe fast ausverkauft) und in Gold als letzten Rettungsanker, wobei für mich Gold keinen ausreichenden Schutz für Verluste im Aktienbereich bieten werden. Anleihen werden aber bei anhaltend hoher Inflation auch real (inflationsbereinigt) keinen Schutz dauerhaft bieten können. Ich bin schon sehr verwundert wie hilflos jetzt Politiker, Wirtschaftswissenschenschaftler auch Nobelpreisträger, Bankberater, Analysten und Anleger sind und wohl auch bleiben werden, wenn es zu einem wirklichen Stresstest nicht nur bei Banken, sondern auch der Staatsfinanzen kommt. Lieber also dafür jetzt schon sorgen, dass kein Feuer ausbricht, bevor die großen Feuerlöscher nur den Brand löschen, aber ein Chaos hinterlassen.

    Warum macht man sich als Politiker nicht jetzt schon Gedanken wie man die Zukunftsprobleme wirklich lösen wird. Die Staatsschulden der Amerikaner befinden sich jetzt in diversen Büchern der US-Pensionskassen, der ausländischen Pensionskassen, der Nationalbanken (Transparenz der Anlagepolitik der Notenbanken), der Araber, Chinesen und Russen (oft Einzelpersonen bzw. deren Finanz-Holddings). Auch hier ist es natürlich die Frage, wie lange vertraut man den USA noch zu, ihre Schulden weltweit bezahlen zu können. Die Amerikaner müssen jetzt einen enormen Sparvorgang in Gang setzen, um mittelfristig nicht die Vertrauenswürdigkeit in die Währung zu verlieren. Dies bedeutet aber auch Konsumverzicht in dies in den USA, was in den USA mit einer Rezession verbunden sein wird. Den nächsten Stresstest in der Realwirtschaft muss die USA schon sehr bald, wahrscheinlich schon in 2 Monaten die US-Automobindustrie bestehen. Die Betriebsstilllegung bei Opel war nur der Anfang eines schwierigen Anpassungsprozesses in einer Finanzwelt, wo das Geld ausgeht. Die Börse ist oft das beste Frühwarnsystem für die Realwirtschaft.

    Passen Sie also genau auf, was in den nächsten Wochen mit GM passieren wird. Wird GM mit Chrysler mergen? Dann treffen sich zwei Blinde mit Krückstock, die beide im Nebel der Konjunkturausblicke und des Verbraucherverhaltens rumstochern, aber sich gegenseitig stützen wollen. Wenn aber GM Chapter 11 anmelden muss, wird für die USA eine weitere Welt untergehen und Träume von „think big“ werden zu Alpträumen (auch an den Weltbörsen!). Dabei wäre auch das ein ganz natürlicher Auslesprozess einer falschen Produktpolitik (zu wenig Hybrid und umweltfreundlich) und einer zu hohen Verschuldung. GM hat schon vor 1 Monat die Kreditlinie mit 4,5 Mrd. USD voll ausgeschöpft. Jetzt kann nichts mehr helfen außer der Staat, der dann auch wieder für Managementfehler gerade stehen muss. Was für Banken gilt, müssen die USA demnächst auch auf große multinationale Konzerne ausweiteten, da sonst die Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit zu groß ist. Das Motto heißt auch hier: too big to fail.

    Was passiert aber, wenn GM trotz aller Rettungsbemühengen des Staates doch Pleite gehen sollte? Das würde sofort eine weitere Tsunamiwelle an den Weltbörsen trotz aller Rettungsversuche auslösen. Dieses Thema wurde schon am letzten Donnerstag an der Wall Street gespielt, die zuvor auch ein paar Mal das Thema Lehman Brothers mit Gerüchten um eine mögliche Pleite durchspielte. George Soros wollte auch nicht an Pleite glauben und wurde bestraft. Aber keiner wollte im Grunde so recht an eine Pleite eines Prime Brokres glauben. Auch hier heißt es für Politiker und Anleger: Last Margin Call bedeutet last wake up call für alle Anleger. Viele begreifen immer noch nicht, welche Prozesse jetzt gerade ablaufen, obwohl sie klar erkennbar sind.

    Nach einer Rezession in 2009 darf aber keine Depression oder eine japanische Krankheit in der Welt werden. Noch ist der Dollar die Weltreservenwährung mit dem Ausspruch „In God we trust“. Auch hier müssen in Zukunft der Yuan und Rubel als Weltreservenwährung mehr Beachtung finden. Insofern gebe ich Medwedew/Putin ganz recht. Dass es zu keiner Depression kommt, können (nur) die Emerging Markets (auch in Eigenregie und nicht unter der Regie des IWF) etwas beitragen. Die Führungsrolle der USA wird abgelöst. Auch das ist wie ein Paradigmawechsel. Die Welt verändert sich im Moment dramatisch. Verändern Sie sich auch und passen sich den Prozessen an. Oder noch besser: Nutzen Sie die Prozesse als Chance aus.

    Der EZB-Chef sagte ebenfalls anbetungsvoll „You can count on us“ und macht eindringliche Appelle, das die Banken jetzt wieder sich gegenseitig trauen sollen und nicht das Geld, dass sie sich bei der EZB ausleihen nur wieder bei de EZB anlegen. Nun, „you can count on us“, war auch die Werbung von Nothern Rock und wer diesem Werbespruch vertraut hatte, war (fast) sein Geld los. Ähnlich denken jetzt wieder Bankmanager, wo keiner dem anderen traut. Ich will es kaum aussprechen oder denken: aber können wir wirklich den Staat vertrauen? Und was passiert, wenn wir dem Staat nicht mehr trauen können? Es kommt dann eine Währungsreform als „ultima ratio“. Aber wie weit sind wir von diesem letzen Schritt entfernt? Wenn alle jetzt mitmachen und die Banken und Wirtschaft, vo allem die Konsumente (also Sie!) wieder Vertrauen bekommen, noch sehr weit. Wenn nicht gibt es ein „1929“-Szenario schneller als uns lieb ist. Bankmanager und Anleger brauchen jetzt einen Psychiater. Also ab auf die Coach! Wenn keiner mitmacht oder es weitere Pleiten mit systemischen Risiken wie bei GM gibt, dann aber kann es schon sehr bald wieder zu einem Crash und Staatsbankrott kommen. Denken Sie mal darüber nach, denn jetzt können sich sehr schnell Verschuldungs-Prozesse entladen, die schon lange in Gange sind.

    Ohne dass es zu einer Systemkrise gekommen war, waren schon eine Reihe von Staaten zuvor Pleite gegangen wie ua. Russland, Mexiko, Argentinien. Nur kann der Staat seinen faktischen Bankrott so lange hinausschieben, bis es genug Personen/Institutionen gibt, die ihm noch Geld geben. Aufgepasst: Amerika wäre ohne Kapital aus China, Japan und Saudi-Arabien längst Pleite, denn diese neuen Kapitalgeber finanzieren das US-Haushaltbilanzdefizit im großen Stil. Sie sind also mit im Boot und können sich einen Staatsbankrott wegen des Counterpart risk nicht erlauben. Jetzt wurde die US-Verschuldungsgrenze auf 11 Billionen erhöht. Und das obwohl die Sparquote minimal ist. Die große Illusion der amerikanischen Altersversorgung war und ist, dass Immobilien und Aktien immer weiter steigen. In den USA ist die Altersversorgung sehr stark auf diesen beiden Beinen Aktien und Immobilien aufgestellt. Nun brechen beide Säulen zum ersten Mal brutal ein. Im Jahr 2001 drohte nach den 11. September auch eine Kernschmelze des US-Finanzsystems: Sie wurde verhindert durch eine historisch einmalige Geldausweitung durch Greespan. Dadurch stiegen sowohl Aktien als auch Immobilien wieder. Dadurch bildete sich eine Reihe von „Bubbles“ im Immobilien- und Rohstoffsektor, die nun massiv korrigiert werden. Zudem gab es eine Exponentialkurve bei Krediten - vor allem Konsumentenkredite und Immobilienkredite. Der Systemkollaps wurde dadurch erst einmal nach hinten verschoben.

    Jetzt aber wurden die Immobilien nicht nur zu 60%, sondern sogar zu 120% besichert und die Kreditpakete in die ganze Welt verkauft. Dieser Bubble löst sich jetzt auf, ebenso wie der Immobilienbubble in den USA, Großbritannien und Spanien. Alleine diese Prozesse führten schon zum Beinahe-System-Kollaps. Eine Teilverstaatlichung ist auch nur eine kosmetische Behandlung des Verschuldungsproblems, um oberflächlich wieder Vertrauen ins System zu bringen.

    Ich sage aber schon lange: das System hat inhärente Systemschwächen, die (immer wieder) zu einem Systemkollaps führen können, was durch die Globalisierung eine neue Dimension bekommen hat. Was global lange Zeit fehlte, war eine Ethikdiskussion in den Vorstandsetagen und bei Aufsichtsräten, war das Problem der ineffizienten Kontrolle (Frühwarnsysteme) durch bisherige Kontrollgremien wie Bafin/SEC, Notenbanken, Regierungen, Aufsichtsräten (Risk-Management), Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Rating-Agenturen. Die gegenwärtigen Diskussionen führen hoffentlich auch zu Lerneffekten bei der Systemverbesserung. Den Turbo- Kapitalismus der alten Form wird und darf es nicht mehr geben, einen totalitären Staatskapitalismus ist aber das Gleiche in Grün (dann würden nur Funktionäre davon profitieren). Das Thema ist sehr komplex. Wie in der Natur gibt es aber immer wieder in der Evolution komplexe Systeme, die durch Rückkopplung sich anpassen oder verschwinden und neue Systeme die eine gute Überlebenschance haben. Ich sage; das alte System hat keine Chance dauerhaft zu überleben. Kommt nach der Konsolidierung in Zukunft das Dinosauriersterben erst in der Finanzwirtschaft und dann in der Industrie? Was passiert tatsächlich mit ihrer Altersversorgung in 10 Jahren?

    Was wir schon lange brauchen ist eine globale Diskussion an Universitäten und von Führungspersonen in der Wirtschaft und Politik, um global bessere, sprich stabilere Systeme zu schaffen, die bestmögliche Entfaltungsmöglichkeiten aber auch ein neues Anreizsystem schaffen. Viele Top-Manager sind vor allen in der Finanzwirtschaft immer noch in deren Anreiz-Beitrags-Systemen fehlgeleitet und fehlgesteuert, da es nur von kurzfristigen Renditegesichtspunkten geleitet ist. Wenn ein Top-Manager (Vorstand) ein Unternehmen in die Pleite führt, hat er zuvor durch Boni so viel Geld verdient, das es ihm egal sein kann, ob das Unternehmen Pleite geht. Diese Boni müssten zurückverlangt werden können aber dazu kann nur der Aufsichtsrat oder die Hauptversammlung der Aktionäre in Zukunft sorgen. Auch in Russland sind Fehlleitungen des staatskapitalistischen Systems ganz deutlich erkennbar ebenso wie in China. Die großen Reichtümer werden in der Schweiz und auf Steueroasen gebunkert und nicht ausreichend in den russischen Wirtschaftskreislauf reinvestiert. Dafür werden die Traumvillen in Südfrankreich im prunkvoller. Auch dies ist erkennbar der falsche Weg und wird sich dann rächen, wenn die Rohstoffeinnahmen deutlich geringer werden. Auch hier dürften die USA die falschen Vorbilder sein. Wenn der Staat kein Geld mehr hat, muss er es sich mit dem Rücken zur Wand irgendwie beschaffen. Dies wird ein Top-Thema für alle Regierungen auf der Welt werden, wo jetzt die Finanzmittel immer knapper werden.

    Was wird also politisch passieren: in einer Rezession haben meisten Linkskräfte wieder Oberwasser, in einer Depression werden aber auch rechte und linke Randgruppen (wie 1929) großen Zulauf bekommen. In einer Depression erhöht sich übrigens auch die Wahrscheinlichkeit eines Weltkrieges bzw Stellverettzerkriegen.. Es ist also sehr wichtig, dass die Wirtschaft im nächsten Jahr wieder Fahrt aufnimmt. Bisher deutet sich nur eine Rezession bei den meisten G7-Ländern an. In einer Rezession kommen die Verschuldungsprobleme wegen Steuerausfällen wieder so richtig zum Vorschein, da es dann überall an Kapital fehlt. Es wird also in 2009 zu weiteren Konjunkturprogrammen kommen müssen, was die Haushaltsbilanzdefizite nur weiter erhöht. Die Haushaltsbilanzdefizite erhöhen sich in dieser Phase also, was Thema No 1 in 2009 neben „Verteilungsdiskussionen“ sein wird. Und dennoch ist der Bedarf an Zukunftsinvestitionen (also Bildung, Familie) enorm. Politiker erhöhen aber gerade in der Zeit die Rüstungsausgaben. So werden die Militärausgaben in USA und Russland sowie China weiter aufgestockt. In anderen Bereichen wird es aber massiv an Geld fehlen- auch an Transferzahlungen und Sozialleistungen. Dies wird zu Unmut bei der Bevölkerung führen und weiderum zu einem Zulauf von politischen Randgruppen.

    Auch für Russland wird das ein wichtiges Thema werden, wenn die Wirtschaft durch den Rohstoffreichtum nicht mehr so wächst wie zuvor. Das Investmentklima hat such schon dramatisch verschlechtert. In Russland werden diejenigen Beamten gejagt und verfolgt werden, die sich ungerechtfertigt durch Korruption bereichert haben. Nach groben Schätzungen gibt es alleine im Beamtensektor über 100.000 Millionäre mit Traumvillen in Südfrankreich und Spanien. Bei den Oligarchien wird untersucht werden, ob die Steuern vernünftig abgeführt werden. Der unglaubliche Reichtum in Russland kommt nicht von ungefähr. Medwedew scheint schon jetzt Ernst zu machen mit seiner Korruptionsbekämpfung. Viele Gouverneure und deren Beamten könnten ausgetauscht werden und neu eingesetzt werden. Ich erwarte diese „Säuberunsgwelle“ im nächsten Jahr. Auch bei einigen Oligarchen, die Reichtümer ohne Wissen des Kremls im Ausland anhäuften, könnte es an den Kragen gehen. Deswegen flieht schon jetzt russisches Kapital ins Ausland. Aber wohin und wie wird es angelegt?

    Die Schweiz hat schon die USA auf der Watch-list. Datenklau scheint in Mode zu kommen und ein neues Eldorado für Wirtschaftskriminalität werden. Auch die Daten in der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg werden in den nächsten Jahren nicht sicher sein und hier geht es um Billionen! Wenn der Staat mit dem Rücken zur Wand dringend Geld braucht, wird er sehr erfinderisch und die jeweiligen Geheimdiesnte auch! In Russland sind die „paradiesischen Zeiten“ jetzt vorbei. Ohne Modernisierungspartnerschaft, Innovationen (eigenen Patenten) und Förderung der eigenen Kreativität wird Russland den Reichtum schnell wieder verlieren. Die neuen Technologiezentren sind gute Ansätze für den Anfang. Eine Oligarchenjagd wäre aber schädlich für den Aktienmarkt. Schon beim „Mechelfall“ glaubte der Markt an einen zweiten Yukos-Fall. Ich hoffe, dass auch hier eine Politik mit Augemaß betreiben wird. Gerade Russland muss dafür sorgen, dass verloren gegangen Vertrauen wieder gewonnen wird. Anders ist die Modernisierungsoffensive und anders sind die Infrastrukturinvestitionen nicht zu finanzieren. Auch Russland hat die Chancen für einen Neustart, bei dem Europa und Asien als strategischen Partner mit ins Boot kommen. Auch wenn es politisch zu großen Spannungen kommen kann, werden weiter die Investoren aus Großbritannien, Kanada und USA zumindest im Öl/Gassektor ein großes Interesse haben, mit Russland ins Geschäft zu kommen. Die Begrenzung des Kapitals für Ausländer auf 25% bei strategisch relevanten Breichen halte ich nach wie vor für einen Fehler, der revidiert werden muss, sonst wird der Kapitalfluss sich schnell umdrehen. Wie lange Russland die großen sozialen Unterschiede geduldig aushält, bleibt abzuwarten. Wenn die Politiker in Russland und China nicht lernfähig sind, wird es eine soziale Revolution geben. Das wird aber noch eine ganz Zeit dauern.

    Die Risikoprämienwaren im letzten Jahr viel zu niedrig, jetzt im Stresstest aber viel zu hoch, auch hier brauchen wir ein neues Maß in der Risikoeinschätzung und bessere Möglichkeiten, die globalen Risiken besser einschätzen zu können. Wann gehen wir endlich dazu über Manager nach langfristige Kriterien zu honorieren, nach nachhaltigen Gewinnen, nach Erhöhung von Marktanteilen, nach der Schaffung von Arbeitsplätzen, nach Ehrlichkeit zu Geschäftspartnern und Anlegern. Auch Aktionäre und Aufsichtsräte sollten im Kern andere Anzeiz-Systeme zur Entlohnung entwickeln als das bisher der Fall war. Was in den Vorstandsetagen bei Lehman Brothers und AIG passiert war, ist sicherlich kein Einzelfall. Gute Leistungen und kreative Ideen sollten belohnt werden; langfristiger Erfolg selbstverständlich auch. Ich wäre zum Beispiel dafür, dass die Boni von Managern nur dann ausgezahlt werden, wenn dieser Mehreinahmen in das eigene Unternehmen wieder reinvestiert werden. Wenn die Führungsenstcheidung nicht nachhaltig für das Unternehmen sich positiv auswirken, sollten Boni auch (zum Teil) im Nachhinein wieder zurückgeführt werden können. Dies erhöht dann automatisch die Bereitschaft der Manager, Risiken richtig einzuschätzen und im Unternehmen ein vernünftiges Risikomanagement zu etablieren. Wenn wir nicht im nächsten Jahr mit den Rücken zur Wand zu grundlegend Änderungen im System kommen, könnte es zu spät zum Einlenken werden.

    Das deutsche Modell die Krisenbewältigung wird uns jetzt vorgestellt werden und die Börse wird dementsprechend reagieren (heute sehr positiv). Im US-Wahlkampf sind Wirtschaft und Finanzthemen jetzt Thema Nummer 1. Auf die jeweiligen Antworten der Politiker und der nächsten Hiobsbotschaften wird die Börse ihrerseits antworten und die Börse ist immer sehr ehrlich, wenn auch manchmal wie jetzt übertrieben ehrlich, was sie von den neuen Vorschlägen hält. Ich rechne zunächst mit einer fortgesetzten Kursstabilisierung, wobei jetzt vor allem die Berichtssaison darüber Aufschluss geben wird, wie die Finanzrisiken bisher in der Realwirtschaft angekommen sind und auch wie hoch die Bankwirtschaft den Abschreibungsbedarf noch sieht. Sicherlich wird es auch Bilanzierungshilfen geben, damit nicht tatsächlich die Staatslast zu groß wird, Es kann gut sein dass sich die Kurse wieder bis Jahresende oder bis Frühjahr 2009 kräftig erholen. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn bis dahin nicht große US-Automobilkonzernen oder Kalifornien Pleite geht. Ich glaube aber, dies wird US-Finanzminister Paulson nicht zulassen (dürfen), so das Geld fließen wird, solange es noch da ist. Damit werden die Probleme ins nächste Jahr verschoben und Obama darf sich dann darum kümmern. Auch wird es spannend, wie sich die Inflationsraten jetzt entwickeln werden. Ich rechne durchaus mit steigenden Kursen und sinkenden Inflationsraten (wegen der gefallen Rohstoffpreisen) kurzfristig, was aber kein neuer Trend ist, sondern nur ein Bärmarktrallye. Wenn die Rettungspakete nicht wirken sollten nicht und auch die Realwirtschaft in eine Krise kommt, sind wir nicht weit von einem Staatsbankrott (und einem 1929) entfernt! Dann kann es also zu einem Margin Call beim Steuerzahler, also bei Ihnen kommen. Sind Sie sich dessen eigentlich bewusst? Und dies hat nichts mit Panikmache zu tun! Ich glaube aber noch nicht so schnell an einen Margin Call für die Steuerzahler und daher glaube ich sogar an die Möglichkeit einer Jahresendrallye, wenn die Berichtssaison jetzt in den Folgetagen keine neuen Hiobsbotschaften bringt.

    Dieses und viele andere Themen werden wir beim nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar besprechen. Bitte aufwachen: wir sind mitten in einem Paradigmawechsel: die Emerging Markets werden die Triebfedern der Wirtschaft und jetzt die Retter der Welt sein. Setzen Sie also weiter auf Emerging Markets, insbesondere auf die Ostbörsen. Daher ist mein Motto auch bei meinem Ostbörsen-Seminar „Go East“ am 12. November 2008 um 17.30 in Frankfurt M. „In der Krise liegt die Chance“. Bis dahin dürfte aber noch einiges passieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

  • Verpufft das US-Rettungsprogramm?

    Samstag, 04. Oktober 2008 13:31:00

    Haben Sie auch Angst um Ihr Geld? Nachdem die Pleitewelle im Bankensektor auch die HYPO Real Estate, also die drittgrößte Hypothekenbank Europas, erreicht hat, fragen sich viele Menschen besorgt in Deutschland, ob ihr Geld bei ihrer Bank überhaupt noch sicher ist. Die Hypo Real Estate wurde zwar mit Mühe und Not im zweiten Anlauf am Freitag gerettet, was schon fast zu einer Kursverdoppelung seit dem Tief von 3,5 € geführt hat; diese Rettungsaktion kam aber nur dadurch in trockene Tücher, weil die Versicherungen in letzter Minute sich an der Rettungsaktion beteiligten.

    Eine Bürgschaft des Staates von 35 Mrd. € hat es in der Nachkriegszeit noch nie in Deutschland gegeben. Auch die EZB pumpte am Freitag noch einmal 50 Mrd. € in den Markt, um für Liquidität zu sorgen. Diese Rettungsaktionen sind jetzt in der ganzen Welt zu beobachten: die russische Regierung gab der VEB Bank (Außenhandelsbank) ebenfalls 50 Mrd. USD in die Hand, damit die russischen Banken ihren Zahlungsverpflichtungen im Ausland nachkommen und einen „Default“ vermeiden können. Es brennt also nach wie vor lichterloh in der Welt und alle Notenbanken der Welt pumpen im Moment Geld in den Markt, um einen weltweiten Finanzkollaps zu vermeiden.

    Die größte Rettungsaktion überhaupt ist aber das von Bush vorgeschlagene 700 Mrd. USD Rettungspaket der amerikanischen Regierung, das am Freitag vom US-Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Es bleiben aber noch viel Fragen offen wie zu welchen Konditionen die amerikanische Regierung die bis dato fast wertlosen bzw. illiquiden „Ramschpapiere“ aufkaufen will. Angeblich sollen Auktionen stattfinden, wo die Banken ihre Ramschpapiere anbieten. Es ist fraglich, ob damit Bankinsolvenzen in Zukunft vermieden werden können. Zudem wäre eine Kapitalspritze im Volumen von 700 Mrd. USD wesentlich wirkungsvoller gewesen, da viele Banken immer noch in Relation zu den risikoreichen Anlagen unterkapitalisiert sind. Es ist nämlich so, dass viele Vorstände und schon gar nicht die Aufsichtsräte einen Überblick über außerbilanzielle Zweckgesellschaften, den off shore-Gesellschaften auf de Bahamas &Co und anderen Steueroasen, haben. Die „Monster“ im Bereich der Finanzderivate sind vielfach zu groß und undurchschaubar geworden. Es schwirren in der Welt Billionen USD von Forderungen umher, wo nicht klar ist, ob es dafür einen Rückzahlungs- bzw. Refinanzierungsmöglichkeiten gibt bzw. ob die Kreditversicherungen ausreichen, um den Schaden zu begrenzen. Es sind in der Tat um mit Bundespräsidenten Köhler und Investmentlegende Buffet zu sprechen „Monster“ und „Massenvernichtungswaffen“ im Finanzderivatebereich entstanden, die keiner außer den Initiatoren mehr versteht und die Dimensionen erreicht haben, die das Welt-Finanzsystem zum Kollaps bringen können. Jetzt ist überall sogar in den USA der Ruf nach mehr Transparenz und Kontrolle groß. Er kommt nur etwas spät, hoffentlich nicht zu spät!

    Es gibt Experten, die ausrechnen, dass mindestens 2,5 Billionen USD, wenn nicht sogar 5 Billionen USD notwendig sind, um wirklich wieder Vertrauen ins Bankensystem weltweit zu bringen und alle großen Schieflagen bei den „Asset Backed Securities“ (ABS) aufzufangen. Das große Problem sind weiterhin die Kreditderivate und gehebelten Produkte und deren Versicherungen. Der Deutsche Bank AG-Chef Josef Ackermann fordert nun, dass sich Europa ein ähnliches Rettungspaket einfallen lässt, was nur zeigt wie dramatisch die Situation immer noch ist. Dabei hielt er die Krise im Frühjahr schon für „abgehakt“. Bankvorständen kann man bei ihren Aussagen wahrlich nicht mehr trauen, wenn es Liquiditätsfragen und Krisenanfälligkeit der eigenen Bank geht. Der französische Präsident Sarkozy hat daher auch vorgeschlagen, dass jeder europäische Staat 3% des BSP für eine Rettungsaktion zur Verfügung stellen soll, um den Mega-Gau, also die Kernschmelze in Finanzsystem zu verhindern. Angela Merkel ist jedoch dagegen und will van Fall zu Fall länderindividuellen Problemlösungen vorschlagen.

    Das große Problem ist das „Counterpart Risk“, also das Risiko der Gegenpartei von Krediten/Anleihen. Wenn eine Großbank Pleite geht, schleppt sie gleich einen ganzen Rattenschwanz von Banken mit sich, die in schwere Liquiditäts-Schieflagen kommen können. Für viele Banken besteht jetzt das Problem der Refinanzierung und Anschlussfinanzierung von Anleihen und Kreditderivaten. Für Unternehmen besteht das Problem einer möglichen Kreditklemme, die die Weltwirtschaft erlahmen lässt. Und dann geht es in „Eingemachte“ wie Konsumentenkredite und Unternehmenskredite.

    Man bedenke, dass alleine die Insolvenz von Lehman Brothers Verbindlichkeiten von 600 Mrd. USD unter Chapter 11 zur Abwicklung bringt. Das ist so als ob Russland im Jahr 1998 ausgelöscht und „abgewickelt“ wird, denn das BSP betrug damals auch nur 600-700 Mrd. USD. Bei der Hypo Real Estate stehen 400 Mrd. € auf dem Spiel. Wenn diese Großbanken in die Insolvenz gehen, kommen viele „Counterparts“, also auch andere Banken und Versicherungen in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten usw..

    Noch schlimmer aber wäre es, wenn der normale Sparbuchkunde und Anleger die Nerven verliert und das Geld von der Bank abziehen will. Wenn dies massenweise aufgrund von Gerüchten über eine Pleitegefahr geschieht, nennt man dies einen „Bankenrun“. Dies geschah im September bei der größten amerikanischen Bausparkasse Washington Mutal in den USA und der East Asia Bank in Asien. Zuvor war Nothern Rock in England Opfer eines Bankenruns und wurde dann vom Staat aufgefangen. Ein Bankenrun in Europa (Deutschland) bei mehreren Banken mit langen Menschenschlangen vor allen Bankfilialen gleichzeitig ist (noch) unvorstellbar und wäre auch fatal, weil dann keine Bürgschaft und auch kein staatliches Rettungsprogramm nützen würde.

    Daher hat die irländische Regierung vorsorglich die Einlagen für alle 6 Großbanken bis 2010 als sicher garantiert, um einen Bankenrun zu verhindern. Dabei scheint es der irländischen Regierung nicht zu stören, das dieses Versprechen das Doppelte des BSP beträgt. In einem solchen Fall wäre der Staat selbst fast Pleite. Auch an diesen Gedanken wird man sich in Zukunft gewöhnen müssen. Auch Staaten können Pleite gehen wie zuvor Argentinien und Russland! Auch Japan ist schon mit 180% des BSP verschuldet. Die USA kommen bald in ähnliche Regionen, wenn sie so weitermachen. Die Verschuldungsgrenze wurde in den USA jetzt von 9,6 auf auf 11 Billionen USD erhöht. Mit dem Rettungsprogramm erhöht sich das Haushaltsbilanzdefizit auf über 1 Billion USD, wobei die Schulden von Fannie Mae und Freddie Mac noch nicht mitgerechnet sind und das sind immerhin 5 Billionen USD. Im Falle eines Bankenruns bei mehreren Großbanken würde der Einlagensicherungsfonds nicht ausreichen, um die Spargelder wieder zurückzahlen zu können. Der Einlagensicherungsfonds ist durch die Lehman Pleite fast leer, wird aber wieder aufgefüllt. Es brennt aber lichterloh im Bankensektor!

    Die Gefahr, die ich sehe ist, dass die Kriegsgefahr zunimmt, wenn die Finanz- und Wirtschaftskrisen überhand nehmen. Schließlich ist auf der Weltwirtschaftskrise 1929 ein Weltkrieg entstanden. Nur haben jetzt viele Weltmächte Atombomben. Diese Gedanken wollen wir lieber nicht weiterspinnen.. Ich halte den NATO-Gipfel in Tiflis für einen Fehler, weil er eine Provokation für Russland darstellt. Ebenso ist das Raketenabwehrsystem auf polnischen und tschechischen Boden eine Provokation in russischen Augen.

    Das nächste brisante Thema wird der Iran werden, wo das Atomkraftwerk im Oktober ans Netz gehen wird. Auch dies ist schon jetzt Bestandteil des US-Wahlkampfes und die Republikaner könnten versuchen, wieder „Kriegsthemen“ wie Irak/Iran in den Vordergrund zu bringen, nachdem McCaine in Wirtschaftsfragen offensichtlich nicht kompetent genug ist und auch sein Mannschaft nicht hinter sich hat. Ein Bombenanschlag wie in Südossetien kommt da ganz gelegen und wie die Iran-Atomfrage geklärt wird, ist auch noch offen Das sind zwei für den Weltfrieden (und die Weltbörsen) gefährliche Trumpfkarten für McCaine, die er noch im Wahlkampf bis 4. November ausspielen könnte …(hoffentlich nicht!).

    Trotz des US-Rettungspakets ging die Wall Street am Freitag in den letzten Handelsstunden wieder in die Knie. Der Dow Jones verlor in wenigen Stunden um fast 500 Punkte von 10.800 auf das neue Jahrestief von 10.325 Indexpunkten, während er vor der Entscheidung noch 300 Punkte im Plus war. Dies ist ein sehr schlechtes Zeichen für die nächste Woche. Wenn der Dow Jones unter 10.300 Indexpunkte fällt bzw. der S&P-Index unter 1100, droht ein weiterer Mini-Crash bzw. Kursverlust von 5-10% in wenigen Tagen. Der DAX wird wohl am Montag wieder mit einem Gap von 160 Punkten nach unten eröffnen, womit der Tagesgewinn von heute wieder verloren ist. Ich nehme aber an, dass der DAX dann wieder das Gap schließen wird, weil der S&P-Future (künstlich?) über Globex nach oben geht. Bei unter 5500 Indexpunkten könnte der DAX schnell bei 5000 Indexpunkten landen.

    Es kann aber gut sein, das das „Plunge Protection Team“ in den USA am Montag wieder auf den Plan tritt und die Wall Street rettet, indem S&P Future im großen Volumen gekauft werden und so ein „Short-Squeeze“ bzw „Short Covering“, also das Eindecken von Short-Positionen auslöst. Achten Sie daher auf die S&P-Future vor und nach Handelseröffnung. Der Nikkei-Index dürfte auf unter 10.800 Indexpunkte einbrechen und damit wieder auch Panikreaktion an der Moskauer Börse auslösen. Die Unsicherheit bei den Anlegern ist wieder sehr groß, so dass wieder Panikverkäufe und Zwangliquidierungen von Hedgefonds möglich sind, die selbst in arger Not sind. Eine weitere Tsunami-Welle könnte also nach dem „Erbeben der internationalen Finanzarchitektur“ folgen.

    An der Moskauer Börse wurde der Handel am Freitag zum dritten Mal in den letzten 4 Wochen ausgesetzt, nachdem die Aktien in wenigen Minuten um 5% einbrachen. Am besten man wird jetzt alle Börsen schnell schließen, um Panikreaktionen zu vermeiden, aber das wird nicht möglich sein. In Südossetien kamen 7 russische Soldaten bei einem Bombenanschlag ums Leben, wobei die russische Regierung den georgischen Geheimdienst dafür verantwortlich macht. Das hört sich nicht gut an (auch für den Weltfrieden!). Verschwörungstheoretiker können auch vermuten, dass US-Geheimdienset dahinter stecken könnten, um McCaine, der nun fast aussichtslos hinter Obama bei den Wahlumfragen zurück liegt, wieder als außenpolitischer Krisenmanager nach vorne zu bringen. Das würde dann aber wieder Krieg in Georgien bedeuten, was in dieser Zeit weitere Panikreaktionen nicht nur in Moskau, sondern an allen Weltbörsen verursachen würde. Dabei sollen jetzt gerade EU-Beobachter nachprüfen, dass alle russischen Truppen bis 10. Oktober abgezogen sind. Wenn sie jetzt aber wegen dieses ganz bewusst herbeigeführten Terroranschlags wieder zurückkehren sollten, wäre dies ein herber Rückschlag – sogar für den Weltfrieden! Auch ein Terroranschlag in Deutschland oder den USA würde ins Bild der Verschwörungstheorie passen und kämen zur Unzeit für die Weltbörsen. Nur die Shortseller würden dann davon profitieren.

    Man kann nur hoffen, dass Medwedew/Putin diesmal besonnen(er) reagieren. Im erneuten Kriegsfall in Georgien würde die Moskauer Börse wieder einbrechen, weil ausländische Investoren ihr Kapital panikartig abziehen werden. Auf der anderen Seite sind russische Aktien jetzt äußerst günstig bewertet, so dass die Kurserholung kräftig ausfallen dürfte, wenn die Ausländer wieder zurückkommen. Im Moment ist daran aber nicht so schnell zu denken, da die Amerikaner und Briten ihre Brandherde im eigenen Land löschen müssen und Kapital weiter abziehen. Unter dem Kapitalabzug bei Fonds leiden vor allem Small und Mid Caps – auch bei anhaltend guten Fundamentaldaten.

    Ich erwarte also weiter turbulente Zeiten und einen heißen Oktober. Es wird trotz des US-Rettungspaketes weitere Banken- und vor allem Hedgefondspleiten geben. Crashtage, die wahrscheinlich kommen werden, sind aber auch an Ostbörsen Kauftage, wenn auch nur für einige Tage. Der Bärmarkt bleibt insgesamt intakt, da die 200 Tageslinien überall bei den großen Weltbörsen fallend sind. Die Aktien an der Wall Street sind bisher erst um 20% gefallen und in Anbetracht der Gewinnverminderungen im Banken- und Automobilsektor immer noch zu teuer. Die Automobilbranche bekommt jetzt in den USA eine 25 Mrd. USD-Kredit, verschuldet sich damit aber immer mehr. Die US-Verschuldung steigt insgesamt dramatisch an. Ich rechne mit vielen Pleiten von Kommunen und Ländern in den USA in 2009. Auch Kalifornien ist schon am Rand der Pleite.

    Die Wall Street ist bisher – man höre und staune! - dennoch von den großen Weltbörsen die am besten performende Börse der Welt, obwohl in den USA die Verschuldungsprobleme am größten sind. Die relativ stabile Wall Street könnte wie erwähnt eine Folge des „Plunge Protection Teams“ sein, das bisher einen Crash wie 1987 erfolgreich verhindern konnte. Die 777 Dow Jones-Indexpunkte am schwarzen Monat im September war „nur“ ein Kursverlust von 8% während der 87-er-Oktober-Crash einen Kursverlust von 19% bei etwas über 500 Indexpunkten zur Folge hatte. Obwohl die Welt-Aktienkapitalisierung schon von 62 auf 42 Billionen um 20 Billionen USD (!) seit Oktober 2007 abnahm, können die Kursverluste noch größer werden. An dem „Schwarzen Montag“ gingen an der Wall Street über 1 Billion USD verloren, die am nächsten Tag dann fast wieder zurückgewinnen wurden. Diese volatilen Kursprüngen werden sich fortsetzten.

    Dies zeigt schon, dass 700 Mrd. USD nicht ausreichen werden, um die Finanzkrise in den USA bzw. gar weltweit beherrschen zu können. Der IWF schätzt alleine die Verluste im Bereich der Subprime-Kredite auf über 1 Billion USD. Ich erwarte dennoch bei einer Bärmarktrallye, die irgendwann zum Jahresende kommen wird, keine Bodenbildung, so dass der Anleger nur mit gestaffelten Abstauberlimits in ausgewählte Blue Chips bei seiner Schnäppchenjagd in den Markt gehen sollte. Das Timing wird beim „Bottom Fishing“ ohne Boden nicht einfach werden. Das wichtigste ist aber, dass wieder Vertrauen in den Bankensektor kommt, was im 4. Quartal gut sein kann, da jetzt wohl alle Restabschreibungen erfolgen. Dann wird der Anleger sehen, dass es auch Gewinner geben wird wie die Bank of America, Goldman Sachs und JP Morgan in den USA oder Sberbank in Russland. Waren Buffet investierte schon einige Milliarden in Goldman Sachs und General Electric. Der kann aber auch lange Warten und vor allem Nachlegen, wenn die Kurse weiter fallen sollten. Können Sie das auch? Es gibt jetzt schon vielerorts „Schnäppchenkurse“, die zum Einstieg locken, wobei das Timing des optimalen Einstiegs sehr schwierig ist. Ich empfehle daher weiterhin, auch in Osteuropa selektiv mit gestaffelten Abstauberlimits in den Markt zu gehen. Cash bleibt King!

    Daher ist mein Motto auch bei meinem Ostbörsen-Seminar „Go East“ am 12. November 2008 um 17.30 in Frankfurt M. „In der Krise liegt die Chance“. Bis dahin dürfte aber noch einiges passieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

  • Wer rettet Amerika?

    Freitag, 26. September 2008 23:58:00

    Sodom und Gomorra im US-Finanzsektor: Just an dem Tag, wo das US-Rettungsprogramm über 700 Mrd. USD vom US-Senat verabschiedet werden sollte, ging die größte amerikanische Bausparkasse Washington Mutal in die Insolvenz. Dies hatte sich allerdings einige Tage schon zuvor angedeutet, da Washington Mutal händeringend nach Kapital bei US-Beteiligungsgesellschaften suchte; aber keiner wollte so richtig helfend anbeißen wie schon zuvor bei Lehman Brothers.

    Seit dem 15. September wurden aber über 16 Mrd. USD abgezogen und es entstanden lange Schlangen von Kunden, die ihr Geld abziehen wollten. Die drittgrößte Bank der USA mit über 2400 Filialen hat Einlagen in Höhe von 188 Mrd. USD und Vermögenswerte von rund 307 Mrd. USD. Da die Bank ihren kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte, schloss die Aufsichtsbehörde OTS die Bank über Nacht am 25. September. Teile des Instituts wurden für 1,9 Mrd. USD in einem Notverkauf an JP Morgan verkauft, die schon Bear Stearns zuvor für „Peanuts“ erwarb.

    Damit wurde nach AIG und Lehman Brothers nun schon die Dritte große Schieflage in den USA in wenigen Tagen in Folge gemeldet. Der nächste Pleitekandidat ist nun die viergrößte US-Bank Wachovia, die jetzt angeblich von der Citibank in einem Notverkauf aufgesaugt werden soll. Der Kurs der Bank Wachovia brach am Freitag schon um 40% ein. Das Bankensterben geht somit wie von mir erwartet und vorausgesagt weiter. Man kann dem deutschen Finanzminister Steinbrück nur zustimmen, dass es sich dabei um ein „Erdbeben in der internationalen Finanzarchitektur“ handelt und dass die „Wall Street nicht mehr das war, was sie einmal war“. Ob das Verbieten von Leerverkäufen das probate Mittel sind, der Krise Herr zu werden, wage ich zu bezweifeln. In China wird übrigens gerade jetzt neu der Leerverkauf erlaubt, um die Börse Shanghai attraktiver zu machen. Auch die leidige Diskussion um Managergehälter trifft nicht den Kern des Problems. Es war sicherlich ein Fehler von US-Finanzminister Paulson, Lehmann Brothers nicht zu retten, denn der Kollateralschaden für die US-Wirtschaft, vor allem für die US-Steuerzahler, und die ganze Welt ist zu groß.

    Auch Bush ist unglaubwürdig, wenn er einen Monat zuvor noch die „Effizienz der Märkte“ lobt und nun warnt, dass die USA unmittelbar vor einer Rezession und Massenarbeitslosigkeit, also vor einem Desaster, steht, wenn sein 700 Mrd. Rettungsplan nicht durchkommt. Das BSP-Wachstum in den USA wurde übrigens für das 2Q08 von 3,3 auf 2,8% nach unten korrigiert. Auf das BSP-Wachstum im 3Q08 – ohne Steuergeschenke und Notkonjunkturprogramm - darf man gespannt sein. Es wird Zeit, dass Bush abtritt, damit er nicht noch schnell einen Grund für einen Iran-Krieg sucht und findet, um von den internen Problemen abzulenken. Ob die Nachfolger den großen finanziellen und wirtschaftlichen Herausforderungen der USA gerecht werden können, wage ich auch zu bezweifeln, wobei Obama sicherlich die bessere Lösung für die USA und Welt wäre. Wirtschaftskompetenz und Krisenmanagement sind aber nicht gerade die Stärken von Obama.

    Möglicherweise steht den USA aber das Schlimmste so oder so noch bevor, nämlich dann, wenn die USA aufgrund von vermehrten Privat-Insolvenzen in eine Konsumenten-Krise in diesem Jahr zu Weinachten oder im nächsten Jahr kommen sollte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bürger und Unternehmen in den USA keine neuen Kreditlinien mehr bekommen. Deswegen hat General Motors auch schnell „vor Toresschluss“ seine Kreditlinie mit 4,5 Mrd. USD voll ausgeschöpft. General Motors hat in den letzten beiden Jahre schon über 40 Mrd. USD versenkt, was eines der größten Verluste in der US-Unternehmensgeschichte ist. Was GM in 2 Jahren schaffte, gelang auch UBS in diesem Jahr. Wenn aber GM Pleite gehen würde, hat die USA ein Problem, vom dem sie sich nicht so schnell erholen könnte, denn das Anleihenvolumen beträgt über 300 Mrd. USD. Die Anleihen befinden sich bereits im Keller auf Fast-Pleite-Niveau wie übrigens es weltweit einen Unternehmensanleihen-Crash letzte Woche gegeben hat. Aber die ganze Welt wird wohl nicht Pleite gehen, oder?

    Es kann aber zu einer Kreditklemme in den USA kommen. Die chinesische Bankenregulierungsbehörde CRBC hat jetzt schon allen chinesischen Kreditinstituten untersagt, amerikanischen Banken Kredite zu geben bzw. Anleihen zu zeichnen. Sieben chinesische Banken sind bei Lehman Brothers mit 721 Mio. USD engagiert, was aber noch gut verkraftbar ist. Auch die Mrd-Kredite des deutschen Genossenschaftssektor und der Landesbanken sind verkraftbar. Auf der anderen Seite kaufen sich Chinesen jetzt günstig in den USA ein und sind auf einmal willkommen Investoren.

    Wenn es nun noch zu einem allgemeinen „Bankenrun“ in den USA kommen sollte wie zuletzt bei Washington Mutual oder der East Asia Bank in Asien, dann ist wahrlich nichts mehr in den USA zu retten. Schon jetzt darf man aber die Frage stellen: wer rettet die USA in Zukunft. In jedem Fall müssen China, Japan und Saudi-Arabien US-Anleihen weiterhin großvolumig aufkaufen, damit die USA nicht Pleite geht. Desweiteren darf ich die provokative Frage stellen? Brauchen wir überhaupt noch Banken? In der arabischen Welt werden in der Regel nur neue Investitionen aus zuvor verdienten Cash finanziert. Sicherlich brauchen Innovationen und Neugründungen Kapital, aber es gibt mittlerweile genug Unternehmen und Privatpersonen, die wie Banken fungieren und potente Geldgeber unter bestimmten Konditionen sind. Man mag sich nur einmal in den Trump Tower in New York begeben, wo der Quadratmeter immer noch 12.000 USD kostet (ebenso wie in zentralen Lagen in Moskau) und wo die Manager mit dem Hubschrauber zum Arbeitsplatz in Manhatten geflogen werden, dann weiß man, dass noch genug Geld auch in den USA vorhanden ist.

    Eines der Kernprobleme von Ländern, Unternehmen und Privatpersonen ist die Tatsache, dass sie über ihre Verhältnisse leben und schon das ausgeben, was sie in Zukunft gar nicht verdienen können. Hier muss es irgendwann zum Knall kommen und dies deutet sich in den USA in vielen Bereichen an. So macht der Börsen-Guru Mark Faber deutlich, dass 700 Mrd. USD nicht ausreichen werden, um die US-Finanzkrise zu verhindern. Er meint sogar, dass 5 Billionen USD notwendig sind, um die USA zu retten. Nach dem Subprime-Problem kommt jetzt das CDO-Problem, das zu bewältigen ist. Auf der anderen Seite gibt es in der Tat Licht am Ende des Tunnels und es nicht der entgegenkommende Zug.

    Die zweite Gewinnwarnung von General Electric um 2 Mrd. USD vor allem aufgrund von Schieflagen im Finanzsektor bestätigt zwar, dass es mit der US-Finanzwirtschaft abwärts geht: es bestätigt aber auch, in Teilbereichen immer noch viel Geld verdient wird - auch bei GE und zwar 20 Mrd. USD!. Zudem will GE ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 15 Mrd. USD demnächst starten, was ein gutes Zeichen ist. Ebenso wie Siemens ist GE einer der größten Banken der Welt schon durch die enorme Liquidität, die vorhanden ist und angelegt wird, demnächst in eigenen Aktien. Der Aktienkurs brach dennoch von 28 auf 24 USD ein, was zeigt wie nervös die Anleger sind. Die USA könnte zwar im nächsten Jahr aufgrund der hohen Verschuldung im Falle einer Rezession in eine noch nie dagewesen Schieflage kommen und die Weltmarktführung als Industrienation schneller verlieren, als ihnen lieb ist; dafür kommen aber immer mehr Emerging Market-Kapitalisten nach vorne, die die Gunst der Stunde nutzen und beherzt zugreifen. Der Dow Jones Industrial Index stieg im Vorgriff auf das US-Rettungsprogramm am Freitag um 121 bzw. 1,1% auf 11.143 Indexpunkte. Auch die Anleger in Russland scheinen im Moment wenig zu differenzieren und verkaufen auch die Aktien von den Unternehmen, die in diesem Jahr neue Rekordgewinne melden werden. Auf diese Weise wird es eine Reihe von Schnäppchenkursen geben. Auch russische Blue Chips kündigen jetzt reihenweise Aktienrückkaufprogramme an.

    Die Deutsche Bahn AG will trotz der Finanzkrise am 27. Oktober an die Börse gehen, was sicherlich sehr mutig ist. Die russische Bahn hat schon angedeutet, dass sie sich mit 5% an der Deutschen Bahn AG beteiligen will. Dabei wächst der Logistiksektor in Russland noch wesentlich dynamischer als in Deutschland wie schon das IPO in diesem Jahr von Globaltrans, dem größten privaten Bahnfrachtunternehmen Russlands mit einem Umsatzwachstum von 30-40% zeigte. Auch der deutsche Maschinenbauwert Gildemeister wird von einem russischen Großinvestor umworben, der angeblich 42 € pro Aktie zahlen will. Des einen Freud, des anderen Leid. Die Reichen aus China, Indien und Russland gehen jetzt auf Schnäppchenjagd. Tun sie es auch, aber bitte nur mit “Abstauberlimits“, denn Russland ist jetzt der preiswerteste Emerging Market der Welt mit einem KGV von 4-6. Aufgrund der hohen „Vola“ bestehen jetzt gute Trading-Chancen auch im Hinblick auf eine mögliche Rallye zum Jahresende. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen wollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

    Hinweis: Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East“ wird am 12. November 2008 um 17.30 Uhr in Frankfurt/M stattfinden. Referenten sind die beiden Ostbörsenexperten Stefan Laxhuber und Andreas Männicke. Melden Sie sich rechtzeitig an bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Fax: 040/6570884, E-Mail: info@eaststock.de

  • Bad Bank = Good news?

    Sonntag, 21. September 2008 16:51:00

    Was war das für eine Woche! Das vom US-Finanzminister Poulsen angekündigte Rettungsprogamm mit einem geschätzten Volumen von 700 Mrd. USD führte am 19. September zu einer in diesen Ausmaß äußerst seltenen Kaufpanik an allen Weltbörsen, insbesondere aber an der Moskauer Börse. Dabei drohte ohne diese geradezu abenteuerlichen Maßnahmen ein Absturz mit dramatischen Folgen für die Finanzwirtschaft weltweit. Was in der letzten Woche passiert war, ist schon einzigartig und in seiner Tragweite nach wie vor bedeutungsvoll.

    Da musste zunächst die fünftgrößte Investmentbank der USA Lehman Brothers Chapter 11 anmelden, was überraschte, da zuvor Bear Stearns von JP Morgan durch flankierende Garantien der Notenbank übernommen wurde. Die off-shore-Verbindlichkeietn, waren mit über 80 Mrd. USD aber so groß und unüberschaubar, dass es die Bank of America und Barclays nicht wagten, Lehmann Brothers aufzukaufen. Jetzt könne sich Barclays und die Bank of America die Filetstücke von Lehman Brothers zu Spottpreisen unter den Nagel reißen. Diese Nachricht war dann die erste Schockwelle für die Weltbörsen, denn es wurde klar, dass auch Großbanken, in diesem Fall Investmentbanken, in die Insolvenz kommen, wenn Kreditlinien gekürzt werden bzw. die Anschlussfinanzierung nicht klappt. Auch englische Hypothekenfinanzierer und Bausparkassen gerieten in Not, zumal sich die Risikoprämien für die Versicherung von Anleihen enorm erhöhten. Fannie Mae und Freddie Mac wurden zuvor verstaatlicht, weil sie 5 Billionen USD an Anleihen in den Bücher haben – too big to fail!. Merrill Lynch wurde von der Bank of America für 50 Mrd. USD geschluckt, was sicherlich ein gutes Geschäft für die Bank of America wird.

    Dann wurde die größte Verscherung der USA AIG in einer Rettungsaktion von der Notenbank übernommen, wobei AIG zudem einen Kredit in Höhe von 85 Mrd. USD gewährt wurden. Auch dies ist in der Nachkriegsgeschichte ein einmaliger Vorgang, der die ganze Dramatik im Finanzsektor aufzeigt. Das wäre genauso als ob die EZB Allianz wegen Insolvenz übernehmen würde. Soddom und Gemorrha in der Finanzwelt! Wo waren zuvor die SEC, wo waren zuvor die Rating-Agenturen (mit katastrophalen Fehleinschätzunegn der Ratings von Kreditderiavten)? Wo waren die Aufsichtsräte von Lehman Brothers & Co? Wo waren die Risikomanager im Unternehmen? Der Ruf nach mehr Transparenz und Risikokontrolle im weltweiten Finanzsystem ist nicht neu, aber jetzt scheint auch die letzte, leichtgläubigen „Liberale“ wohl nicht mehr daran zu zweifeln, zumal das gesamte globale Finanzsystem einem Stresstest unterzogen wird, #der in dieser Form einzigartig in der Nachkriegszeit ist. Ich war wie Sie wissen einer der wenigen, die genau auf diese Gefahren in meinem Kolumnen und auch im Strategieteil des Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS immer wieder hingewiesen habe und ich hatte daher rechtzeitig schon zu Jahresbeginn und dann noch einmal im Juni eindringlich empfohlen in Cash zu gehen, um sich das ganze von der Seite anzuschauen.

    Schließlich gab es am 18. September Gerüchte, dass auch Morgan Stanley trotz guter Quartalsergebnisse mit über 1 Mrd. USD Gewinn in Schwierigkeiten sei. Der Aktienkurs brach angeblich durch Leeverkäufe um über 20% ein und überall auf der Welt machte sich am 18. September Verkaufspanik breit bis das Gerücht im Handelsverlauf auftauchte, dass Poulsen zu einem „Rundumschlag“ ansetzen wird, um den Finanzkollaps zu verhindern. Hier schien etwas schon vorher durchgesickert zu sein, denn am Folgetag kam Bush und der Finanzminister Poulsen tatsächlich mit einem vorher nie dagewesenen Rettungsplan heraus.

    Obwohl das Rettungsprogramm zunächst nicht im Detail bekannt gegbeen wurde, so war die Ausrichtung doch klar: Leerverkäufe (Short Selling) wurde untersagt und fast alle Kreditderivate (CDO etc) für die es im Moment keinen Markt gibt, sollen in einen US-Staatsfonds überführt werden, womit den amerikanischen Großbanken wohl eine mögliche Pleitewelle erspart bleibt. Damit haftet jetzt also der amerikanische Steuerzahler für die Fehler von Bankmanagern. Für die liberalen Marktwirtschaftler bedeutet das einen Dolchstoss in den Rücken: Marktwirschaft adé in den USA oder auch jetzt eher „USSR“ (United States of Socialistic Republic)!

    Schon vorher waren einige Systemfehler erkennbar: wer zu groß ist (wie Fannie Mae, Freddie Mac oder AIG), durfte nicht Pleite gehen, da es sonst sofort zu einem weltweiten Finanzkollaps kommen würde. So kann aber eine Marktbereinigung im marktwirtschaftlichen Sine nicht stattfinden. Da werden einfach kurzer Hand schlechte Kredite „sozialisiert“, um das Bankensystem weltweit zu retten. Flankierend pumpten die Notenbanken 180 Mrd. USD in einer Art konzertierten Aktion in den Markt, damit die Banken weltweit nach etwas mehr Luft schnappen können, was für die Banken von Bedeutung war, denen offensichtlich die Puste ausging. Das Hauptproblem war die Anschlussfinanzierung von Krediten und die Begleichung von kurzfristigen Krediten im Interbankenmarkt, da keine Bank mehr der andern trauen konnte. Zudem wurde einige selbst geschaffene Produkte (wie CDO) quasi wertlos, weil es dafür keinen Markt mehr gab. Auch für hochverschuldete Unternehmen ist die Situation sehr kritisch und sie kann noch kritischer werden wenn die jeweiligen Länder realiter in eine Rezession kommen.

    Auch der russische Finanzminister Kudrin veranlasste eine Liquiditätsspritze von 500 Mrd. Rubel (14 Mrd. €),, um eine Pleitewelle im russischen Bankenmarkt zu verhindern. Zuvor kam es zu Liquiditätsengpässen bei der KIT Finance, die immerhin die zweitgrößte Investmentbank und 30-igst größte Bank Russlands war und nun von Gazprom übernommen wurde. Zuvor wurden große Akteinpakete am 17. und 18. September unlimitiert auf den Markt geschmissen, was zu zu einem Crash an der Moskauer Börse führte. Die Kursverluste betrug bei einzelnen Blue Chip über 30% am Tag wie bei Rostelekom und Evraz Group ohne dass dies fundamentale Gründe hatte. Daher wurde der Handel am 18. September in Moskau ausgesetzt, wobei die ADR in London und an deutschen Börsen weitergehandelt wurden und am 18. September sogar in Plus drehten. Der Handel wurde auch ausgesetzt, damit die Rettungsmaßnahmen der Regierung erst greifen und auch bei den nervösen Börsianern ankommen. Zu den Rettungsmaßnahmen zählte auch drastische Verringerung der Ölexportabgaben, womit die Ölaktien 5,5 Mrd. USD bis Jahresende sparen können.

    Am 19. September wurde der Handel wieder ausgesetzt, diesmal aber wegen der entstandenen Kaufpanik an der Moskauer Börse, denn die Kurse stiegen schon in den ersten Handelstunden um über 20%. Nachdem aber auch die Wall Street eine bemerkenswerte Rallye von etwa 4% am Freitag hinlegte (=S&P-Index +48 Punkte auf 1255 Indexpunkte!) und der DAX sogar um 5,56% auf 6189 Indexpunkte stieg, dürfte sich die Rallye am Montag ein wenig fortsetzen. Dann aber wird sich der Analyst und Anleger fragen, wie nachhaltig diese Rettungsaktionen sind und ob sich dadurch auch das wirtschaftliche Umfeld bessert. Schließlich rechnet man sowohl in de USA als auch ín vielen europäische Ländern mit einem Wirtschaftsabschwung im nächsten Jahr und demzufolge mit einer schlechteren Gewinnentwicklung als in diesem Jahr.

    Zudem dürfte demnächst von Markt die Verschuldung in den USA hinterfragt werden, denn faktisch erhöht sich dieses Jahr das Haushaltbilanzdefizit auf 1 Billion USD, wenn tatsächlich 700 Mrd. an Bankschulden übernommen werden. Sicherlich wird dieser Posten nicht im US-Haushalt erscheinen, sondern als Staatsfonds ausgegliedert werden. Dann macht die US-Regierung aber auch nichts anderes als die kühnen Bankmanager, die Mrd. von Schulden über off-shore Tochtergesellschaften versteckten und in die ganze Welt als CDO weiter verkauften. Poulsen sollte also den amerikanischen Wählern und Steuerzahlen die Augen öffnen und die Wahrheit sagen, nämlich die Tatsache, dass sich der US-Bürger über Nacht mit weiteren 2300 USD verschuldet hat. Die Welt ist also nach dieser Hau-Ruck-Rettungsaktion keineswegs wieder in Ordnung. Die Probleme werden von den Banken auf den Staat verlagert und ich kann nur hoffen, dass die USA den Stresstest in der Zukunft aushält. In der Haut von Obama oder McCaine möchte ich jetzt wahrlich nicht sein, denn einer von beiden muss die US-Schulden der Vergangenheit ab dem 4. November ausbaden, genau wie der US-Staatsbürger selbst.

    Beachten Sie bitte auch, was in Pakistan (Bombenanschlag auf das von Ausländen bewohnen Hotels Marriot) und Jemen (Bombenanschlag# auf die USA-Botschaft) im Moment passiert. Ich kann nur hoffen, dass sich die extremen Dschihad-Islamisten nicht jetzt „warmschiessen“ und bei oder nach der Wahl auch in den USA (oder Deutschland) „vor Ort“ vorstellig werden. Wenn sich diese Szenarien noch einmal in den USA abspielen sollten, weiß ich nicht, ob das „Plunge Protection Team“ dann noch etwas retten kann. Demnächst soll das Kernkraftwerk im Iran eingeschaltet werden. Hoffentlich will Bush nicht durch einen Iran-Krieg von den internen Problemen ablenken, was auch Bestandteil des McCaine-Wahlkampfes werden könnte. Wie gesagt: nichts ist unmöglich!

    Die Frage der Zukunft wird sein, wie solide US-Staatsanleihen in Anbetracht einer solch dramatischen Schuldenanhäufung noch sind. Wenn nun noch die USA in eine Rezession kommen sollte, gibt für die Amerikaner nichts mehr zu verteilen und auch eine Steuerleichterung wird schwer umsetzbar sein, da Kommunen und Gemeinde in den USA reiheweise Pleite gehen könnten. Für mich sind „bad banks“ also keine „good news“ für die Zukunft, obwohl auch die Weltbörsen diese Nachricht zunächst mit großer Erleichterung und Panikkäufen honorierten. Sicherlich war das „schwedische Modell“ ein Erfolg, wo ach Bankschulden sozialisiert wurden. Keiner kann aber sagen, wie sich diese drastischen Verstaatlichungs-Zwangsmaßnahmen auf die USA auswirken, denn die Amerikaner werden durch Lobbyarbeit nicht zulassen, dass 80% der Einnahmen weggesteuert werden. Von effizienten Märkten kann jedenfalls in dem Musterland des Kapitalismus USA im Moment wahrlich keine Rede sein, eher von künstlich manipulieren Märkten - auch daran müssen sich die Anleger erst einmal gewöhnen. Jedenfalls kann man wie am 11. September 2001 nun am 19. September 2008 auch behaupten: Die Wall Street ist nicht mehr das, was sie einmal war: Die Bühne der Traumverwirklichung wird zur Bühne der Alptraumverwirklichung! Auch die KfW zeigte mit der 300 Mio. Überweisung an Lehman Brothers kurz vor Toreschluss, wozu Staatsbehörden bzw Staatsbeamte in der Lage sind, wenn sie nicht richtig kontrolliert werden. Das Gleiche trifft für die deutschen Landesbanken zu, die nun weitere Schieflagen in Mrd-Höhe durch die Lehman Brothers (fast) Pleite hinnehmen müssen.

    Auch erinnern mich die Maßnahmen ein wenig an Japan, wo auch schlechte Kredite von Bankpleitekandidaten vom Staat übernommen wurden. Die Konsequenzen war eine 20 jährige Baisse an den Aktienmärkte mit nur kurzen Aufwärtsbewegungen zwischendurch und Zinsen um 0 bis 0,5%%. Der Nikkei-Index fiel von 40.000 auf 7.000 Indexpunkte von 1990 bis 2003. Auch jetzt brach der Nikkei-Index seit Oktober 2007 bis jetzt von über 17.000 auf unter 12.000 Indexpunkte ein. Wir wollen alle hoffen, dass den USA nicht eine ähnliche Entwicklung bevorsteht. Das Augenmerk der Anleger sollte aber jetzt mehr denn je auf die Verschuldungssituation in den USA gelegt werden. Da die USA keine Exportmacht sind, wird es schwer werden, die Schulden wieder aus eigener Kraft zurückzubezahlen. Und es wird unmöglich werden, wenn die USA in eine schwere Rezession oder zumindest in eine Stagflation in 2009 kommen sollte. Dann wäre der letzte Schritt nur eine Währungsreform, die früher oder später auch kommen muss. Nichts ist jetzt mehr unmöglich.

    Schon was bis jetzt passiert war, sprengt wohl die Vorstellungskraft der leichtgläubigen „Neoliberalen“, aber sie ist jetzt Realität. Die Verschuldungssituation ist in Russland durch die hohen Öleinnahmen übrigens längst nicht so dramatisch wie in den USA, zumal sich dort die Konsumnet auch übermaßen verschuldet haben du nun allmählich entschulden müssen, was einen Sparvorgang voraussetzt.. Das Gespenst eines weltweiten „Credit Crunch“ (Kreditklemme) ist mit der Rettungsaktion am 19. September jedenfalls noch nicht aus der Welt, aber ohne diese Aktion hätte es wohl am 19. September an der Wall Street einen Crash gegeben, der sogar zu einem Systemkollaps hätte führen können. Zum Glück sind wir von einem Bankenrun noch weit entfernt, aber der deutsche Einlagensicherungsfonds muss nun dringend nach der Lehman-Fast-Pleite aufgefüllt werden. Auch Basel II (also verschärfte Eigenkapitalerfordernisse bei Banken) und verschärfte Risikokontrollen dürfte jetzt weltweit mehr denn je ein Thema werden, womit Eigenkapitalrenditen von 25% wie sie Josef Ackermann immer für die Deutsche Bank in Aussicht stellte, schwer zu erreichen sind. Dennoch rechne ich jetzt mit starken Rebounds vor allem bei Banktiteln.

    Der russische Staat ist so gut wie schuldenfrei und hat mit über 500 Mrd. USD Währungsreserven du hohen Haushaltsbilanzüberschüssen jetzt viel mehr Möglichkeiten als die USA, die mit dem Rücken zur Wand stehen. Der Ölpreis hat sich übrigens am 19. September schon wieder auf 100 USD/Barrel erholt, was die russische Finanzkraft insgesamt stärkt. Russland ist aber durch die unzureichenden Modernisierungsinvestitonen und geringen Innovationskraft sehr verwundbar, falls der Ölpreis drastisch (unter 70 USD/Barrel) fallen sollte. Sicherlich haben sich die russischen Banken mit über 100 Mrd. USD und auch einige Staatsbetrieb ein wenig zu hoch in Fremdwährung verschuldet, wobei es auch hier Probleme bei der Anschlussfinanzierung kommen könnte. Ich bin aber überzeugt davon, dass Russland den Stresstest mittelfristig besser überstehen wird als die USA, wo die Selbstheilungskräfte (und Selbstkontrollen) versagten und nun eine Art Zwangsverwaltungswirtschaft (vorübergehend) in den USA entsteht.

    Insofern ist auch wenig begreiflich, dass de Moskauer Börse um 60% eingebrochen ist, während es in den USA noch keinen Crash gab, weil das „Plunge Protection Team“ dies bisher erfolgreich (auch mit dieser drastischen Maßnahme der neuen „bad bank“) verhindern konnte. Es wird aber demnächst neue Bittsteller in den USA geben, zunächst einmal General Motors und Ford mit einem 50 Mrd.-USD-Scheck zur Insolvenzvermeidung. Die Kurse an der Wall Street dürften wohl noch ein wenig weiter haussieren, bis sich jeder die Frage stellt: „Wer soll das (alles) bezahlen, wer hat soviel Geld..?“ Dies hat nichts mit Schwarzmalen zu tun, sondern den Realitäten ins Auge sehen.

    Börse paradox: Dieses Jahr wird für viele russische Unternehmen im Öl/Gas-, Stahl/Kohle-, Konsum, Telekom-, Medien, Internet, Logistik-, Automobilsektor ein neues Rekorderergebnis hervorbringen. Die Bewertungen sind trotz des Kurssprungs am Freitag immer noch sehr günstig mit einem Durchschnitts-KGV von 6. Neben den Maßnahem zur Rettung zur Stabilisierung des russischen Finanz- und Bankensystems müssen nun aber auch Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation kommen, was nicht gut zusammenpasst. Ich bin gespannt, ob Putin diesen Spagat schafft. Durch Judo sind seine Beine aber sehr gelenkig während ich McCaine einen solchen Spagat (pardon, auch altersbedingt) nicht zutraue! Zudem müssen die Spannungen mit der EU und der NATO nach dem Abzug der Truppen aus Georgien abgebaut werden, damit die Kapitalflucht vermindert wird und auch das Ausland weiter Vertrauen in den russischen Kapitalmarkt bekommt. Schließlich sollte das Angebot der EU einer“ Modernisierungspartnerschaft“ mit Russland konstruktiv angegangen werden, weil es enorme Zukunftschancen für beide Länder bedeutet. Falls sich Russland aber auf den Weg der Isolation und Putin nur seine Muskeln spielen lässt begibt, dürfte sich die Kursrallye auch an der Moskauer Börse wiederum als Strohfeuer erweisen. In der Schweiz werden übrigens jetzt verstärkt Steuersünder von deutschen Grenzbeamten durch „Bargeld-Kontrollen“ gesucht. Die EU und die USA werden sich allmählich auf die Schweiz (auch Schweizer Großbanken wie UBS) „einschießen“, weil sie dringend Geld für Steuerausfälle benötigen, was auch das Titelthema der „Wirtschaftswoche“ ist. Wenn hier die einmal die russischen Geheimdienste suchen würden, werden sie über 200 Mrd. USD finden!

    Erst informieren, dann investieren

    Wer sich über die neuen Investmentchancen in Russland näher informieren möchte, kann dies bei dem nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance!“ am 12. November in Franfurt/M. Referent ist neben Andreas Männicke der Ostbörsenexperte Stefan Laxhuber, der bei geplanten neuen Osteuropafonds seine Investmentschwerpunkte in Südosteuropa und in den GUS-Republiken hat, was sicherlich eine interessante Mischung für das „smart money“ ist. Anmeldung und Infos bei der ESI East Stock Informationsdienste GmbH, Jüthornstr. 88, 22,043 Hamburg, Tel: 040/6570883, E-Mail Info@eaststock.de. Regelmäßige Informationen über die Ostmärkte sind auch kostenlos abrufbar unter www.anderas-maenicke de (kostenloser Newsletter) sowie kostenpflichtig bei dem monatlichen Newsletter EAST STOCK TRENDS (www.esi.andreas-maennicke.de). Aktuelle Markteinschätzungen bekommt der Anleger unter der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.). Ein aktuelles Interview über Russland mit Andreas Männicke im DAF ist jetzt bei der Rubrik Q&A Global abrufbar unter www.anleger-fernsehen.de und ein Interview über Russland/Balkan kann angesehen werden unter www.3sat.de/boerse unter Mediathek.

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