Ostbörsen im Fokus (siehe auch www.eaststock.de)

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Interview- und Termin-Hinweise

Das nächste Ostbörsen-Seminar "Go east" findetam 23. Mai 2018 in Frankkfurt/M statt.

Andreas Männicke wurde am 19. März 2018 um 13.15 Uhr live in NTV/Telebörse über die Chancen in Russland nach der Präsidentchaftswahl befragt.

Andreas Männicke wurde am 25. Januar 2018 vom Aktionärs TV über Russland befragt. Er war auch beim Fondskongress in Mannheim anwesend.

Andreas Männicke wurde am 15. Januar 2108 in Börsen Radio Networks befragt. Dort wurde ein Favoritenwechsel bekanntgegegeben

Ab Oktober 2013 können Sie unter Eingabe von "EastStockTV" bei www.youtube.de die aktuellen Kommentare von Andreas Männicke zu den Aussichten an den Welt- und Ostbörsen kostenlos abrufen. Abonnieren Sie einfach den Kanal bei www.youtube.de.

Ab Mai 2014 können mit Herrn Männicke über www.go.guidants.com auch interaktiv in Kontakt treten und Fragen zu den Ostbörsen stellen.

Verpassen Sie die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen Sie jetzt den monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de. Ein Probe-Abo (3 Ausgaben kosten nur 15 €). Die beiden Muster-Depots erzielten seit Februar 2009 eine Performance von über 320% im Muster-Depot 1 (konservativer Osteuropa-Basket) bzw. über 350% im Muster-Depot 2 (spekulativer Osteuropa-Basket, das sind über 40% p.a. seit 2009. In den neuen Muster-Depots ab 2015 wude eine Performance von über 130% bzw über 80% erzielt. Das neue "goldige" Muster-Depot erreichte immerhin ein Plus von 66% ab 2016.

Im neuen monatlich ercheinenden Börsenbrief THE BIG PICTURE werden die globalen Anlagestrategien für Aktien-Indices, Rohstoffe und Währungen besprochen. Auch hier kostet ein Probe-Abo (3 Ausgaben per E-mail) nur 15 €.

Zudem können Sie sich alle bisherigen TV-Inteviews von Andreas Männicke in diesem Jahr runterladen unter den Links der Rubrik "Interviews".

  • Noch eine Null mehr ist kein „Black Swan“!

    Samstag, 20. Dezember 2008 21:08:00

    Die FED hat sich in der vergangenen Wochen zu dem größten Zinsschritt in der Nachkriegeszeit genötigt gefühlt, was per se schon ein Ausdruck von Panik und Hilflosigkeit ist. Auch die fragwürdige Refinanzierung der FED über Anleihen wirft Fragen auf. Ebenso wie die EZB wurden die Zinsen in einem Schritt um 0,75 Basispunkte auf 0-0,25% gesenkt, womit die USA jetzt endgültig auf japanischem Niveau gelandet sind, die übrigens den Zins von 0,2 auf 0,1 % gesenkt haben. Wie wenig wirkungslos die Geldpolitik in so dominant rezessiven Phasen ist, lässt sich auch an der Entwicklung der japanischen Konjunktur in den letzten 10-15 Jahren ablesen. Einige Experten erwarten jetzt schon japanische Verhältnisse auch für die USA, also eine Rezession die nicht wie sonst üblich innerhalb von 2 Jahren zu bewältigen ist.

    Während die Notenbanken aus Japan und der USA der Nullzinspolitik entgegenstreben und damit vollkommen handlungsunfähig werden, nehmen die Nullen bei der Verschuldung der Länder und Kommunen immer mehr zu. Jetzt entschließt sich Angela Merkel doch zu einem erweiterten Konjunkturprogramm, nachdem die USA, Großbritannien und Frankreich schon vorgeprescht sind. Die Neuverschuldung kann im nächsten Jahr in Deutschland je nach Wirtschaftslage auf 30 bis 50 Md Euro ansteigen und in den USA sogar auf 1 Billion USD. Damit wird die nächste Generation erheblich belastet. Um die Tragweite der jetzigen Panik-Entscheidungen von Politkern zu erahnen, lohnt auch ein Blick auf die fällig werdenden, auslaufenden Anleihen und das neue Anleihenvolumen, das gekauft werden muss, damit der Staat nicht Pleite geht. Deutschland muss jetzt über 323 Mrd. Euro an Anleihenvolumen auf dem Markt bringen, die USA schätzungsweise über 1 Billion USD. Davon soll in Deutschland alleine 60 Mrd. Euro zur Bewältigung der Finanzkrise aufgewendet werden. Es werden also viel mehr „Schildkröten“ (=lang laufende Staatsanleihen mit niedriger Verzinsung) im nächsten Jahr rumlaufen als uns lieb ist. Wird es etwa nach der „Heuschrecken- jetzt eine Schildkrötenplage“ geben? Man kann nur hoffen, dass alle „Schildkröten“ auch gekauft werden, auch in den USA, sonst müssen die Zinsen auch bei fallenden Inflationsraten wieder ansteigen. Immerhin wird es in 2009 auch wieder inflationsindexierte Anleihen im Volumen von 6-10 Mrd. € geben. Das neue Zauberwort gegen die Krise heißt „Infrastrukturinvestitionen“; deswegen empfehle ich weiterhin Bauwerte, die davon profitieren werden wie Hochtief, Bilfinger&Berger, aber auch Strabag SE, auf die Watch-list zu nehmen

    Im Moment gibt es aufgrund der Angst vor der Zukunft eine Flucht in Staatsanleihen, was auch zu einer Blase bei den Kursen der kurzfristig laufenden Staatspapieren (T-Bonds, Bund-Future) geführt hat. Diese wird sich früher oder später wieder auflösen; dann wird die Refinanzierung für den Staat wesentlich teurer. So oder so wird die Zinslast des Staates jedes Jahr mit der Neuverschuldung höher. Wenn jetzt die Zinsen stark steigen sollte, hat der Staat ein echtes Haushaltsproblem – so wie jetzt schon Kalifornien, das praktisch Pleite ist.

    Wenn die Mega-Konjunkturprogramme wirklich der letzte Ausweg aus der Krise sein sollten, dann kann man das Modell der Marktwirtschaft ad acta legen und die Experten sollten sich etwas Neues überlegen. Fast alle Experten, auch der neue Nobelpreisträger Krugman und der US-Ökonom Roubini, sehen in staatlichen Konjunkturprogrammen im Rekordvolumen den letzten Ausweg aus der Krise, um ein „1929“ zu verhindern. Wissen sie aber auch, was wir damit der Nachfolgegeneration antun oder auch uns selbst, wenn dadurch eine Währungsreform schneller realer Diskussionsstoff wird als uns allen lieb ist. Eine Währungsreform in den nächsten Jahren wäre für mich kein „Black Swan“, also nach dem (unbedingt lesenwerten) Buch von Nassim Nicholas Talib eine unvorhersehbare Überraschung, mit der man nicht rechnet, die aber ein Volkswirtschaft dominiert und starke Auswirkungen hat. Für die meisten Anleger und wohl auch für die meisten Politiker und deren Berater wäre aber eine Währunsgreform ein „Black Swan“. Ein Black Swan wäre es sicherlich, wenn es einen Terroranschlag wie am 11. September in den USA geben würde oder auf Obama einem Attentat ausgeübt wird, denn darauf wäre die Welt nicht vorbereitet. Obama soll der Retter der USA und damit der Welt werden, was ohnehin eine Herkulesaufgabe sein wird.

    Auch an Obama und sein Team muss ich bei Amstanstritt die Frage stellen. „America, don´t you care about your sons and daughters?” Wer soll das alles später bitte bezahlen, wenn es in den USA zu einer längeren Konjunktur- und Konsumflaute kommen sollte? Wird der einzige Ausweg dann eine Währungsreform sein? Den Grundstein der Währungsreform wird jetzt gelegt, nämlich mit einer neuen weltweiten Hyper-Verschuldung. Ich bin in Sorge wie arglos jetzt mit Nullen umgegangen wird, was die Verschuldung angeht. Auch frage ich mich, wie die Banken schonungslos in 2009 die Milliarden, pardon 3 Billionen an Kreditderivaten (CDO und ABS) aus den Büchern bekommen ohne Pleite zu gehen. In den USA sind bisher aufgrund der beispiellosen Rettungsprogramme des Staates und der Notenbanken „erst“ 25 Banken Pleite gegangen. Im nächsten Jahr werden viele Banken aber die kommende Kreditkartenkrise und auch so manche Unternehmenspleite hart treffen. Dabei sind die Risikopuffer schon in diesem Jahr aufgebraucht. Es bleibt also ein „Tanz auf dem Vulkan“. Wichtig wäre es aber schon für die Realwirtschaft, dass die Kredit- und Geldkreislaufe wieder in Gang kommen und sich die Spreads bei Unternehmensanleihen wieder zurückbilden, sonst wird sich die Krise trotz aller Rettungsprogramme enorm verschärfen.

    Mit großer Sorge betrachte ich auch die zunehmenden Defaults, also Zahlungsunfähigkeit von kleineren Schwellenländern. Zuletzt stellte Ecuador die Zahlung für die Bedienung der Staatsanleihen ein. In der Ukraine und in Ungarn wäre das Gleiche passiert, wenn nicht der IWF zur Hilfe gekommen wäre. Nun, der USA kann diesbezüglich keiner helfen, aber kann uns auch die USA einen Default in Zukunft melden, so wie dies Kalifornien jetzt schon macht? Um es klar zu sagen: ein Default von den USA wird es so schnell nicht geben; der Ausweg wäre ein Hyperinflation oder eben eine wie auch immer geartete Währungsreform, die den Staat schützen, aber den Anleger in den Ruin treiben kann. Gold sehe ich ohnedies daher tendenziell steigend, gehe aber auch hier „mit dem Markt“. Durch Hedgfondspleiten kann auch Gold noch einmal kurzfristig kräftig fallen. Es wird im nächsten Jahr ein ganze Reihe von Hedgefondspleiten geben, die den Stresstest nicht bestehen werden..

    Ich bezweifele, dass auch die USA sich mit der Null-Zinspolitik einen Gefallen tut, zumal der Bumerang nach der Deflation eine Inflation werden könnte. Bisher gibt es „nur“ einen „Bubble“ bei kurzfristigen Staatsanleihen, während die Spreads bei Unternehmensanleihen noch enorm hoch ist. Ich empfehle daher jetzt eher ein Potfolio von Unternehmensanleihen von Unternehmen zu bilden, bei denen man nicht annimmt, dass in den nächsten Jahren eine akute Konkursgefahr bestehen könnte. Dazu zähle ich ausdrücklich nicht Anleihen von westlichen Banken oder Automobilproduzenten, schon gar nicht von General Motors oder Ford. Auch bei Telekomaktien und Versorgern in Emerging Markets lassen sich jetzt Renditen von weit über 10% erzielen und das bei einer relativ niedrigen und zudem abnehmenden Inflationsrate. Junk Bonds werden schon gar nicht mehr gehandelt; diese sollte man ohnehin den Spekulanten überlassen.

    Durch die Zinssenkung sprang der Euro sehr schnell von 1,33 auf 1,42 EUR/USD um 10 Cents, was ich erwartet hatte. Ich schrieb im EAST STOCK TRENDS am 8. Dezember wörtlich: Wenn der Euro wieder auf über 1,33 steigt, dürfte sich der Dollar deutlich auf über 1,40 abschwächen“, was nun auch passiert ist. Die plötzliche Dollarstärke ist also kein Black Swan. Ebenso weinig ist es eine Überraschung für mich, dass sich der Ölpreis selbst nach der OPEC-Ankündigung der Fördermengenreduzierung um 2,4 Mio. Barrel auf 42 USD/Barrel abschwächte. Dass sich der Ölpreis aber in diesem Jahr erst von 100 auf 150 und dann von 150 auf 38 USD/Barrel verändert hat, kann man als „Black Swan“ bezeichnen. Auf die Immobilienblase in den USA und die Folgewirkungen der Immobiliekrise habe ich rechtzeitig schon im letzten Jahr hingewiesen. Ein „Black Swan“ ist aber sicherlich die Schnelligkeit und Dynamik der Kurseinbrüche und der Einbruch der Auftragseingänge im 4. Quartal 2008. Letztendlich führte auch der Kollaps einiger Großbanken zu einem systemischen Risiko, mit dem ich in diesen Jahr in dieser Form nicht gerechnet hatte. Sie trifft auch die ganze Heerschar der Experten weltweit unvorbereitet. Auch der Einbruch der Rohstoffpreise in den Monaten September/Oktober 2008 traf die meisten unvorbereitet und brachte (nicht nur) so manchen Hedgefonds an den Rand der Pleite.

    Durch den starken Ölpreisverfall kamen russische Ölgesellschaften erneut unter Druck, die sich seit Anfang Dezember im Kurs deutlich um 20% erholen konnten. Zudem senkte S&P das Rating der russischen Anleihen von BBB auf BBB- wegen des hohen Verlustes der Währungsreserven, der anhaltenden Kapitalflucht, und nicht erfolgten Reformen – auch im Bankensektor. Der Rubel verlor schon um 15%. Auch im nächsten Jahr wird ein Währungsverlust beim Rubel von 10-20% erwartet. Die Notenbank tendiert aber im Moment nur zu einer seichten Abwertung in 1%-Schritten. Die Währungsreserven wurde schon um 161 Mrd. USD verringert. Der RTS gab am Freitag um 5,1% auf 634 Indexpunkte nach.

    Wie erwartet hatte die Moskauer Börse damit ihre Jahrendrallye vorgezogen, denn einige Standardwerte stiegen schon um über 20% im Dezember, um nun wieder kräftig zu korrigieren. Bis Weihnachten ist eher mit nachgebenden Kursen zu rechnen. Dann fahren die russischen Broker, die noch übrig geblieben sind – viele sind schon entlassen!- in Urlaub und sie kommen erst in der zweiten Janaurwoche wieder. Die Richtung im ADR-Markt wird dann wieder die Wall Street vorgeben ohne Mitwirkung der russischen Broker, die ohnehin mehr auf die Wall Street als auf die eigenen Unternehmen als Richtungsvorgabe schielen. Der russische Nebenwertemarkt ist fast völlig zusammengebrochen und die Spreads zwischen Geld und Briefkurs liegen zum Teil über 100% auseinander. Daher brach auch der Kurs der deutschen Beteiligungsgesellschaft KREMLIN AG jetzt auf 0,9 € unter ihren Nominalwert ein. Bei einigen russischen Werten kann es aber zu starken Rebounds in wenigen Tagen kommen. So stieg der Pleitekandidat Urals Energy in wenigen Tagen um 200% von 0,07 auf 0,21 €, nachdem Übernahmengerüchte von Sinopec auftauchten. Wichtiger für das Überleben der Firma ist aber die Verlängern des 600 Mio USD-Kredites von der Sberbank. Im Dezember gab es einige Auf und Abs bzw. Tops und Flops bei Öl-Juniors.

    So brach erst der Kurs des Öl-Juniors Sibir Energy von 1,4 auf 0,5 € ein, um dann wieder auf 1,4 € anzusteigen und sodann durch Gewinnmitnahmen auf 1,2 € zu konsolidieren. Kursprünge von 20% nach unten und oben sind keine Seltenheit. In diesem Fall kam der Kursprung auf 1,4 € zustande, weil die geplante Beteiligung an Immobilienprojektes des Großaktionärs Tchigirinsky für 340 Mio. USD auf der letzten HV verschoben wurde. Sibir Energy produziert jetzt schon 80.000 Barrel am Tag, was neuer Produktionsrekord ist. Damit ist Sibir Energy auch ein attraktiver Übernahmenkandidat. Mit einem KGV08 von 1-2 ist Sibir Energy wie alle russische Ölwert jetzt zwar extrem niedrig bewertet. Bei Ölpreisen von unter 40 USD/Barrel wird aber aus einem Gewinn ein Verlust, so dass Kurs-Gewinn-Verhältnisse für 2008 jetzt keine Aussagekraft haben bzw. mit Vorsicht zu genießen sind. Wichtiger ist, ob der letzte OPEC-Beschluss in 2009 Wirkung zeigt oder ob die rezessiven Tendenzen den Ölpreis auf das Kursziel von Merrill Lynch mit 25 USD/Barrel bringen. Dennoch gibt es jetzt immer wieder gute Trading-Chancen – je nach Ölpreisentwicklung. Der sinkende Ölpreis dürfte viele Länder der Welt weit mehr entlasten als die Konjunkturprogramme, was im Moment noch nicht eingepreist wird.

    Das Jo-Jo-Spiel an den Weltbörsen geht also weiter. Die Zinssenkung verhielt zwar dem Dow Jones am Mittwoch zu einem Kursanstieg um 4% auf 8842 Indexpunkte; am Donnerstag fielen die Kurse aber schon wieder um 2,49% auf 8604 Indexpunkte. Und schlos am Freitag mit minus 25 Punkten bei 8579 Indexpunkten. Belastend wirkten die Milliardenverluste bei Morgan Stanley und Goldman Sachs im 3. Quartal 2008. Auch muss noch der Schock über den 50 Mrd. US Verlust bei dem Hedgefonds vom Ex-NASDAQ-Chef Madoff verkraftet werden, von dem auch deutsche und schweizer Banken betroffen waren. Auch die Verluste der Deutsche Bank AG in den USA machen nachdenklch. Börsenexperte Egbert Proir senkt das Kursziel der Deutsche Bank AG schon auf 1 €! Die Citibank senkte die Kursziele von deutschen Banken ebenfalls drastisch, wobei sie selbst im nächsten Jahr die größten Probleme haben dürfte, zu überleben. . Mit andern Worten: die Bankenkrise ist noch nicht vorbei. Wir werden in 2009 nolens volens weitere Bankpleiten erleben. Auch das wäre kein Black Swan. Es wäre für mich auch kein Black Swan, wenn General Motors im nächsten Jahr Chapter 11 anmelden müsste, auch wenn dies die US-Wirtschaft noch schneller nach unten ziehen würde. Die Nachricht über die Höhe der Kredithilfen für die 3 großen US-Automobilkonzerne werden die Kurse in den nächsten Tagen und Wochen nachhaltig beeinflusst werden.

    Über die möglichen „Black Swans“ in 2009 kann sich jeder über Weihnachten Gedanken machen. Wer noch kein Weihmachtsgeschenk hat, sollte das lesenswerte Buch „Black Swans“ von Nassim Nicholas Talib kaufen, damit es (auch für Sie und Ihrem Lebensgefährten) in 2009 keine bösen Überraschungen gibt. Wer auf das unvorhersehbare Risiko gut vorbereitet ist, wird die Krise gut überstehen oder sogar die Krise als Chance betrachten können. Wer sich zu arglos verhält, wird aus der Krise notgedrungen noch mehr lernen als ihm lieb ist. Schauen Sie sich am besten schon jetzt selbst in den Spiegel und fragen sich, warum Sie in diesem Jahr nicht schon früher - wie von mir empfohlen - in Liquidität gegangen sind.

    Beachten Sie auch in den nächsten Tagen die Markttechnik. Bei einem Dow Jones von unter 8500 Indexpunkten oder einem DAX von unter 4400 wird anstelle der erhofften Jahresendrallye eher ein Testen der Jahrestiefstkurse. Immerhin nimmt die „Vola“ im Vergleich zu den Horrormonaten September/Oktober jetzt etwas ab. Bullish wird das Jahresend-/Jahresanfangs-Sennario erst, wenn der Dow Jones nachhaltig über 9000 Indexpunkte bzw. der DAX über 4800 Indexpunkte steigt. Weitere Zinssenkungen der FED wird es so schnell nicht mehr geben. Dafür erwarte ich weiterhin ein gutes Weihmachtsgeschäft – zumindest in Deutschland.

    Für das nächste Jahr werden schon wieder Kursziele beim DAX von 6000 und Dow Jones von 10000 von Bankenexperten gesehen, während andere einen DAX von 3000 und ein Dow Jones von 6000 für realistisch halten. Nicht gerade ein Black Swan, aber eine Überraschung wäre es sicherlich, wenn der Dow Jones auf 6000 fällt und der DAX auf 6000 Indexpunkte steigt, aber selbst das wäre nicht unmöglich. Vergessen Sie alle diese Prognosen, die jetzt rumgereicht werden und gehen Sie mit dem Markt. Eine Trendwende wird es erst dann geben, wenn die 200-Tageslinien nach oben drehen. Vorher handelt es sich nur um „Bärmarktrallyes“, die für Trader aber kurzfristig hohe Tradinggewinne bringen können. Entscheidend für das nächste Jahr sind wieder die ersten 7 Tage an der Wall Street. Wenn Sie sich nach diesem relativ treffsicheren „Frühwarn-Indikator“ gerichtet hätten, hätten Sie nach dem Horror-Januar 2008 jetzt nicht so hohe Kursverluste in Ihrem Depot zu beklagen. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

  • Neue Horrornachrichten – und dann noch Vollmond!

    Samstag, 13. Dezember 2008 16:47:00

    Am Freitag wurde das schon von US-Senat zugesagte 14 Mrd. Kreditprogramm vom US-Repräsentantenhaus abgelehnt, was die Gefahr erhöht, dass die die US-Automobilkonzerne Ford, Chrysler und General Motors noch in diesem Jahr oder Anfang nächsten Jahres Chapter 11 anmelden müssen. Dies würde dann zu einer dramatischen Erhöhung der US-Arbeitslosenzahlen führen, was wiederum mittelfristig den Konsum – die Hauptsäule der US-Wirtschaft - beinträchtigen würde. Bisher ist der US-Konsum noch erstaunlich robust. Auch rechne ich mit einem relativ guten Weihnachtsgeschäft – zumindest in Deutschland.

    Es bleibt zudem die Hoffnung, dass das US-Repräsentantenhaus über das Wochenende oder in den nächsten Tagen noch eine Lösung für die angeschlagene US-Automobilindustrie findet. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, sind 3-5 Millionen Arbeitsplätze in den USA vor allem bei den Zulieferbetrieben in Gefahr. Machen wir uns nichts vor: im Grunde ist General Motors schon Pleite und kann ohne den Staat (=Steuergelder) nicht überleben. General Motors muss in jedem Fall einige Automarken im Ausland verkaufen, um überleben zu können und er muss Mitarbeiter entlassen. Aber wer kauft jetzt schon Automarken (außer Porsche)? Es gibt eine ganze Reihe von sogar konservativ eingestellten Vermögensverwaltern und anderen Anlegen, die Anleihen von General Motors noch in den Büchern haben, was sehr gefährlich ist. Das ist Kamikaze pur! Das Hauptproblem für den Kapitalmarkt sind nicht die Aktien – die sind jetzt ohnehin nur noch nach dem Minus von 10,4 % am Freitag 1,7 Mrd. € wert -, sondern die Anleihen und Verbindlichkeiten im Volumen von 600 Mrd. USD. Ein Chapter 11 von GM könnte eine weitere Schockwelle an den internationalen Aktienmärkten auslösen, aber auch die Unternehmensanleihen weltweit weiter unter Druck bringen. Die Spreads bei den Anleihen sind immer noch außergewöhnlich hoch, was die ganze Dramatik gut aufzeigt. Da nützen auch die Zinssenkungen der Notenbanken wenig. Die US-Automobilkonzerne werden die internationalen Börsen auch in den nächsten Wochen nachhaltig beeinflussen.

    So oder so wird es aber in diesem Sektor zu einer Entlassungswelle kommen müssen, ebenso wie im US-Bankensektor. Die Bank of America hat die Entlassung von weiteren 30.000 Mitarbeitern schon angekündigt. Auch die Citibank wird weitere Mitarbeiter entlassen müssen. Am letzten Freitag wurde erstmals US-Horror-Arbeitsloszahlen von über 500.000 gemeldet, was ein klares Zeichen für eine tiefe Rezession ist. Zudem wurde bekanntgegeben, dass sich die USA schon in einer Rezession befindet, also zwei Quartale schon im Minus waren, nachdem zuvor noch ein Plus gemeldet wurde. Die US-BSP-Zahlen und auch Arbeitslosen zahlen sind zunächst immer geschönt und werden dann im Nachhinein nach unten korrigiert. Auch gibt es jetzt Horrorschätzungen für das BSP in Deutschland für das nächste Jahr. Während einige Volkswirte mit einem Minus von 2% rechnen, hält der Chefvolkswirt der Deutsche Bank AG Walter sogar ein Minus von 4% für möglich. Die Kardinalfrage ist also nicht, ob wir in eine Rezession schlittern, sondern wie tief die Rezession sein wird und vor allem wie lange sie anhalten wird. Hier streiten sich die Experten. Dies ist aber bedeutsam für die Frage, wie viel die Börsen jetzt an negativen Nachrichten schon eingepreist haben. So werden jetzt DAX-Ziele von 2000 bis 6000 für 2009 herumgereicht. In jedem Fall wird das 1Q09 auf eine tiefe Rezession hindeuten.

    Dennoch will Angel Merkel den Bogen mit immer wieder neuen Konjunkturprogrammen nicht überspannen, was ich für ganz vernünftig halte. Dagegen hat Obama ein Mega-Konjunkturprogramm angekündigt, wobei insbesondere der Gesundheitssektor und Alternative Energie sowie der Bausektor davon profitieren sollte. Daher stieg auch schon der Kurs von Hochtief mit aussichtsreichen Geschäften in den USA an. Auch Frankreich und Großbritannien sind für größer angelegte Konjunkturprogramme (zu Lasten der Nachfolgegenerationen!). Der neue Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman tadelt öffentlich nicht nur Bush als schlechtesten US-Präsidenten aller Zeiten (dies zu Recht). sondern jetzt auch den deutschen Finanzminister Steinbrück für sein vorsichtiges Taktieren bei den Konjunkturprogrammen. Krugman ist aber auch der Meinung, dass die 3 US-Autoriesen Chapter 11 anmelden sollten und dass ihnen keine weiteren Steuergelder hinterher geschmissen werden sollen. Dieser Ansicht sind übrigens auch 61% der Amerikaner. Ob dabei die Amerikaner und Experten die psychologische Wirkung von Dominoeffekten in der Wirtschaft richtig verstehen? Seitdem Lehman Brothers Chapter 11 anmelden musste, gibt es praktisch weltweit keinen Interbankenmarkt mehr. Dies hat erst zu den dramatischen Kursverlusten im Oktober/November weltweitgeführt bzw. diese verstärkt. Nobelpreisträger lagen schon oft falsch mit ihre Expeterratschlägen und erst recht falsch mit ihren Anlagen (siehe Beispiel Long Term Capital Management im Jahr 1998, wo zwei renommierte Nobelpreisträger 3 Mrd. USD in den Sand setzten). a

    Zudem will die US-Notenbank erstmals selbst Anleihen herausgeben, um sich refinanzieren zu können. Ist etwa die US-Notenbank jetzt schon Pleite? So etwas wie Notenbank-Anleihen gab noch nie. Der nächste Schritt wären US-Zwanganleihen des Staates für Vermögende. Ich nenne das die Quadratur der Verschuldung und die Notwendigkeit der Zwangs-Umverteilung. Wo soll das alles hinführen? Etwa in eine jetzt schon von langer Hand geplante Währungsreform? Können dann etwa auch Notenbanken Pleite gehen? Bloomberg hat die US-Notenbank schon verklagt, weil sie nicht sagt, wem sie bisher wie viel Geld gegeben hat. Bloomberg schätzt das Volumen schon auf über 8 Billionen USD. Zudem gab es erstmals 0%-Anleihen in den USA. Es lebe der neue Carry-Trade USD-Euro! Bekommen wir jetzt etwa japanische Verhältnisse in den USA, also ein lange Zeit der Rezession mit 0%-Zinsen und Deflation? Oder ist das Tal der Tränen aufgrund der Mega-Konjunkturprogramme, die erst im nächsten Jahr gestartet werden und erst später greifen werden, „schon“ in der zweiten Hälfte 2009 durchschritten? Es lebe die „Black Box“, wo jeder Analyst und Experte jetzt im Dunkeln tappt. Daher hat die gegenwärtig niedrige Bewertung nach dem KGV (in Osteuropa bei 6, in Russaldn bei 3!) kaum eine Aussagekraft, denn in 2009 kann aus einem Gewinn in vielen Branchen ein Verlust werden. Wie sagt man so schön: Prognosen sind schwierig, gerade, wenn sie die Zukunft betreffen. Man kann auch sagen: wer die Nerven für „russisch Roulette“ hat, dürfte jetzt wieder mutiger werden.

    In jedem Fall ist auch in 2009 unter Obama mit einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik zu rechnen. Wer aber soll das alles bezahlen, wenn die US-Konjunktur in 2009 nicht in Gang kommt und der Konsum abflaut? Ich rechne zudem mit weiteren Schieflagen von Hedgefonds. So scheint der ehemalige Chef der NASDAQ Bernard Madoff jetzt 50 Mrd. USD veruntreut zu haben, was wohl nur die Spitze des Eisbergs ist. Der von ihm geleitete US-Hedgefonds war angeblich schon einige Jahre Pleite und hat dies nicht zu erkennen gegeben. Madoff ist jetzt zwar wieder gegen eine hohe Kaution auf freien Fuß; bestätigen sich aber die Vorwürfe, droht ihm eine Haftstrafe von 20 Jahren. Schon jetzt hat dieser Vorfall eine Tragweite von Enron. Es gibt jetzt eine Reihe von unglücklichen Verkettungen, die in die Katastrophe führen können. Letztendlich ist das, was jetzt US-Notenbankchef Bernanke im Kreditsystem jetzt produziert, auch eine Art Schneeballsystem. Wenn die Verschuldungs-Pyramide zusammenbricht, gibt es keine Rettung mehr.

    Trotz dieser Horrornachrichten des Skandals um Madoff und der Verweigerung der Kredite an die (ehemaligen) US-Autogiganten konnte sich die Wall Street nach anfänglichen Schwächetendenzen recht gut behaupten, weil das „Plunge Protection Team“ wie schon letzten Freitag gute Arbeit leistete. Der Dow Jones stieg sogar um 64 Indexpunkte auf 8629 Indexpunkte, was an den letzten Freitag erinnert als der Dow Jones trotz der Horrorarbeitslosenzahlen im Plus landete. Der Dax konnte sich zum Schluss auch kräftig erholen und schloss „nur“ noch mit einem Minus von 2,18% bei 4663 Indexpunkten.

    Dabei erholte sich der Euro kräftig auf 1,33 EUR USD und der WTI-Ölpreis auf 49 USD/Barrel. Gold konnte sich bei 819 USD/Unze behaupten. Der russische RTS-Index fiel am Freitag moderat um 2,7% auf 652 Indexpunkte, nachdem er aber letzte Woche bis Donnerstag um fast 10% zulegen konnte. Einige russische Stahlwerte stiegen sogar um über 20%, nachdem die VEB Bank den Oligarchen mit Krediten helfend zur Seite stand. Allerdings wurden die Staatsanleihen von S&P im Rating herabgestuft. Das Quartalsergebnis von LUKoil lag aber leicht über den Erwatungen. Die Notenbank musste den Rubel aufgrund der anhaltenden Kapitalflucht mit weiteren 17,9 Mrd. USD stützen, so dass die Währungsreserven auf 437 Mrd. USD fielen (von in der Spitze über 600 Mrd. USD im August).

    Zu einem Kursverlust von in der Spitze 50% kam es bei der der deutschen Beteiligungsgesellschaft KREMLIN AG am Freitag, weil laut Ad-hoc-Meldung vom 12. Dezember ein Verlust von Guthaben und Wertpapieren bei einem Broker in Moskau im Volumen von 450.000 USD droht, wobei es sich nicht um Kursverluste, sondern sich um eine kriminelle Handlung des Brokers handeln könnte. Rechtanwälte sind nun um Aufklärung der verschwundenen Gelder bemüht. Diese Nachricht ließ einige Russlandanleger aufhorchen, da im Moment viele russische Broker Liquiditätsprobleme haben und sich nur durch Massenentlassungen über Wasser halten können. Es gibt aber auch schon einige Hinweise, dass einige russische Broker die Finanzkrise im nächsten Jahr nicht überleben werden. Da das Wertberichtigungspotential im aktuellen Fall bei der KREMLIN AG aber „nur“ 0,17 € pro Aktie beträgt, ist der Kursverlust von 17% bzw. 0,25 € (in der Spitze intraday sogar fast 50%) übertrieben. In Xetra wurde die Aktie zwischenzeitlich sogar bei 0,9 € gehandelt. Der NAV (Nettovermögenswert) des Wertpapier-Portfolios betrug Ende November noch 1,36 €. Die KREMLIN AG ist aber überwiegend in russischen Nebenwerten engagiert, die im Moment sehr hohe Spreads bei Geld- und Briefkursen aufweisen und nur wenig liquide sind. Im November gab der NAV um 40% nach, weil es im Moment kaum vernünftige Geldkurse bei Nebenwerten in Russland gibt. Deswegen fiel der Kurs seit Juni von 4 auf 1,2 € wie ein Stein. Die Gesellschaft ist offensichtlich nicht rechtzeitig in Cash gegangen.

    Mit hohen Kursausschlägen ist auch in den nächsten Tagen zu rechnen, wobei die Marktechnik weiterhin Beachtung finden sollte. Seit Dezember gibt es einen leichten Aufwärtstrend an den Weltbörsen, so auch in Moskau, Frankfurt/M. und New York. Dabei sind folgende Chartmarken jetzt zu beachten: Fällt de DAX unter 4400 oder noch gewichtiger der Dow Jones unter 8100 Indexpunkte, kann die Jahresendrallye getrost ad acta gelegt werden. Ausschlaggebend dafür dürften die nächsten Konjunkturzahlen und das mögliche Rettungspaket für die US-Automobilindustrie sein. Für die Mondsüchtigen und -gläubigen: Wir hatten am Freitag Vollmond und die Tage nach Vollmond, so sagen die Mondexperten, sind in der Regel eher verlusträchtig. Es kann daher sein, dass die Jahresendrallye erst in den letzten Tagen zwischen den Jahren nach Weihnachten startet.

    Aber selbst in Falle einer Jahresendrallye handelt es sich um eine Bärmarktrally. Anfang des Jahres hatten wir schon einen kräftigen Kurseinbruch zu verkraften was ein guter Indikator für das Gesamtjahr war: nämlich das schlechteste Jahr in der Nachkriegzeit an allen Aktienbörsen der Welt (mit Ausnahmen von Tunesien). Falls der Dow Jones nachhaltig unter 8000 Indexpunkte, sollte der Anleger voll in Cash gehen – auch an den Ostbörsen! Ich empfehle weiterhin eine Cash-Position von 70% und 10-30% nur für kurzfristige Trades mit 50% Chancenpotential in wenigen Tagen – auch an den Ostbörsen. Ich bleibe also wie schon das ganze Jahr über defensiv eingestellt. Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

  • Emotionen kochen hoch – alles verkaufen?

    Sonntag, 07. Dezember 2008 15:20:00

    Der Berliner Börsentag war am 6. Dezember eines der letzten “öffentlichen Stimmungsbarometer“ in Deutschland in diesem Jahr und insofern von Bedeutung. Ich selbst habe dort einen Vortrag über das Thema „Jahrhundertkrise = Jahrhundertchance – auch für Russland?“ gehalten. Der Raum war relativ gut gefüllt, was zeigt, dass das Interesse für die Aktien (auch aus Osteuropa) noch nicht (ganz) gestorben ist. Während ich im Krisenjahr 1998 noch wagemutig ein Ausrufungszeichen hinter das gleiche Thema gemacht habe, also in der Tat damals nach dem Kurseinbruch von 80% eine Jahrhundertchance für Anleger in Russland kommen sah, habe ich diesmal ganz bewusst die Frageform gewählt. Auch habe ich das Auditorium gefragt, wie sie die Börse a) bis Ende des Jahres und b) bis Ende 2009 einschätzten. Es gab sehr viele, die an eine Jahresendrallye glaubten, aber auch viele, die äußerst skeptisch für 2009 waren.

    Ich selbst habe meine skeptische Haltung, die ich übrigens aber auch schon Ende letzten Jahres in diversen Kolumnen und auch im EAST SOTCK TRENDS kundgetan habe, noch nicht aufgegeben, da die globalen Risiken so mannigfaltig und schwerwiegend sind, dass man unmöglich eine seriöse Prognose für das nächste Jahr machen kann. Die Kernfrage für mich ist, ob sich die Finanzmärkte im Laufe nächsten Jahres wieder normalisieren können. Jeder Anleger kann sehr gut an den anormal hohen Spreads im Anleihenbereich erkennen, dass wir es noch mit extrem anormalen Ausnahmesituationen zu tun haben. In Afrika ist ein Großteil der Bevölkerung mit Aids infiziert und der tödliche Virus wandert um den ganzen Globus; Amerika ist auch ein kranker Patient, der die Welt in Windeseile infiziert hat. Wir brauchen dringend Instrumente, die Amerika helfen – ohne Währungsreform – aus der Verschuldungsfalle zu kommen. Aber hier ist guter Rat teuer bzw. gar nicht vorhanden.

    Auf dem Papier sind osteuropäische Aktien mit einem Durchschnitts KGV08 von 6 (in Russland einem KGV von 3!) so preiswert wie noch nie. Allerdings weiß keiner, wie stark die Gewinne in 2009 einbrechen werden. Und keiner weiß, wie die Weltwirtschaft in 2010 aussehen wird. Das ist die „Black Box“. Wenn man die Zahlen vom 3. Quartal 2008 zugrundelegt, so ist eine derartig niedrige Bewertung wie wir sie jetzt vorfinden, fundamental nicht nachvollziehbar. Auch wenn man sich die Situation bei der Bevölkerung in Russland und anderen osteuropäischen Ländern ansieht, so ist dort die Mega-Krise offensichtlich noch nicht erkennbar angekommen, wohl aber bei einigen Oligarchen, die sich zu stark fremdfinanziert haben. Die russischen Oligarchen haben in diesem Jahr 230 Mrd. USD verloren, denn die Moskauer Börse ist über 70% gefallen und die Mehrheit der Aktien gehören dem Oligarchen und dem Staat. Die Bevölkerung ist nur mit 1% an Aktien beteiligt und hat daher den Crash an der Börse gar nicht so richtig mitbekommen. In den russischen Medien wird auch weit weniger über die Finanzkrise berichtet als in hiesigen Medien. Putin hat der Bevölkerung versprochen, dass es keine Rubelkrise wie 1998 geben wird. Er macht die USA für die globale Finanzkrise verantwortlich, gesteht aber erstmals ei, dass sich auch Russland in einer Finanzkrise befindet. Bei einer Normalisierung der Spreads im Anleihenbereich und einer Normalisierung der internationalen Geldkreisläufe, wären osteuropäische Aktien, allen voran russische Aktien, jetzt ein „strong buy“.

    Es gibt aber noch so viel Mega-Risiken im Markt, die noch nicht abgearbeitet und auch noch nicht eingepreist sind und das sind solche Themen, wie Deflation bei Stagnation (ist viel schlimmer als moderate Inflation), solche Themen wie Depression (also Massenarbeitslosigkeit bei Industrieländern), wie Überschuldung des Staates und Misstrauen bei Staatsanleihen (Kalifornien ist schon Pleite, viele Kommunen in den USA werden noch Pleite gehen, wann ist die USA Pleite?), wie Defaultgefahren bei Anleihen von General Motors, wie Währungsturbulenzen bis zur Frage , die man auch hier im TV nicht öffentlich stelle darf: kommt es zu einer Währungsreform? Noch sind das alles diese Horrorszenarien Hirngespinste und nicht Realität.

    Auch haben wir noch keine – und das möchte ich betonen - globale Wirtschaftskrise, auch wenn die Auftrageingänge dramatisch zurückgegangen sind, aber sie kann im nächsten Jahr kommen. Ich erinnere nur an den oft zitierten Index für Frachtraten, der im Keller ist. Es hat den Anschein, dass in vielen Bereichen die Wirtschaft von 100 auf Null in Windeseile zum Stillstand kommt. Aber kommt sie das wirklich? Stehen alle Maschinen schon still? Viele Sektoren habe aufgrund des Wirtschaftsaufschwung Überkapazitäten aufgebaut; diese werden jetzt heruntergefahren, was auch zu Entlassungen führt. Das ist ein normaler Vorgang in unserem System. Auch Pleiten von Unternehmen, die am Markt vorbeiproduzieren (wie die US-Automobilindustrie) und dafür bestraft werden, ist ein normaler Vorgang der Marktwirtschaft. Leidtragenden sind dabei wiederum auch arbeitende Menschen, die nichts dafür können. Dafür hatten wir auch weltweit drei sehr gute Jahre – auch an der Börse - , wo sehr viel Speck angesammelt wurde. Noch jammern wir also alle auf relativ hohem Niveau. Die Zinssenkung der EZB um 75 Basispunkte auf 2,5%, die viel zu spät kommt, und auch die Billionen-Konjunktur-Programme zeigen aber an, dass die Währungsexperten und die maßgeblichen Politiker Angst vor der Zukunft haben.

    Jede dieser Maßnahmen, die jetzt beschlossen wird, hat aber Wirkungen und Nebenwirkungen, die sich erst in der Zukunft zeigen so wie Greenspan jetzt als Prügelknabe für die entstanden Blasen herhalten muss. Dabei sind alle Menschen, die kaufen, an der Blase beteiligt bzw. sie lassen sich auf Prozesse ein, die in Gang gesetzt wurden und dann seien Lauf nimmt. So sind schon lange Prozesse im Gang, die jetzt ihren Lauf nehmen. Die Aufklärung hierüber ist immer noch viel zu gering. Was heute passiert, kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern beruht auf Entscheidungen der Vergangenheit und (allzu) blindem Vertrauen in der Vergangenheit, dass diese Entscheidungen richtig waren und nicht rechtzeitig korrigiert wurden. Es fehlte das korrigierende Feed back bei Ratingen-Agenturen, Wissenschaftlern, „Experten“ (global expert) und bei Medien, weil sich der Mainstream und nicht die Querdenker durchgesetzt haben. Dennoch rate ich schon jetzt zum strategische „What-if-thinking“ im Sinne der Szenario-Technik, um sich auf die Zukunft auch mental besser vorzubereiten. Dazu gehören dann auch verschiedene Lösungsansätzen für das jeweilige Szenario. Daran mangelt es noch weltweit, da es eine globale Krise dieses Ausmaßes noch nie gab.

    Ich selbst befasse mich - wie Sie wissen - sehr intensiv mit diesen brennenden Themen, da sie meine und Ihre Zukunft betreffen. Ich lese u.a. schon lange sehr gern die Analysen von dem US-Ökonom Nouriel Roubini, der den Crash schon lange kommen sah und jetzt vor allem – zu recht – auf die Gefahren einer globalen Deflation – das Schreckgespenst für jeden Volkswirt – hinweist. Was mir fehlt – und ich wundere mich warum das nicht schnellstens zustande kommt, ist, dass jetzt die Finanzmarktexperten der G20 beim nächsten G20 Gipfel zusammenkommen und dann im monatlichen Rhythmus Lösungsvorschläge erarbeiten, wie die Welt gerettet werden kann bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist - erst im Brainstorming, dann aber auch als Lösungskonzept. Solange dies auch im Ansatz nicht vorliegt, haben wir es als Marktbeobachter und Markteilnehmer mit einer „Black Box“ zu tun. Und wohin uns die staatlichen Rettungsprogrammen im Billionenbereich und die Zwangs-Verstaatlichungsaktion, in den nächsten Jahren bringen werden, wissen wir auch nicht.

    Wir haben es jetzt mit einem eigenarteigen Gemisch von post-reaktiven Maunahmen der Notenbanker mit ihren Gelddruckmaschinen und den mehr vorbeugenden Maßnahmen der Politiker mit ihren Konjunkturprogrammen, die dem Steuerzahler viel Geld kosten werden, zu tun und keiner weiß wie sie wirken werden. Auch weiß keiner, welche Nebenwirkungen sie im worst case in Zukunft haben werden. Sind sie etwa die Vorboten einer Währungsreform? Wenn die Politiker weltweit nur auf Konjunkturprogramme setzten, die nicht im Grunde schon jetzt nicht finanzierbar sind, wird der einzige Ausweg früher oder später eine Währungsreform werden. Die Historiker werden diese Zeit in der wir jetzt leben, also historisch bezeichnen und sicherlich auch einige Erklärungsansätze finden. Nur das nützt uns jetzt auch herzlich wenig. Kurzum: die Systemkrise wird uns noch lange beschäftigen und die Ratlosigkeit der Experten, mit dieser Situation richtig umzugehen, dürfte noch eine ganze Zeit andauern.

    Putin verbietet den Medien, zu oft öffentlich auf die Krise hinzuweisen; insofern ist die Krise dort auch noch nicht in den Köpfen angekommen, auch wenn dort jetzt der Konsum allmählich nachlässt. Sicherlich verstärken auch die Medien die Krise, aber sie machen sie auch transparent, wenn auch die Ursachenforschung selbst unter Beteiligung des FBI diesmal auf der Strecke bleibt. Ich frage mich aber, warum die Medien schon nicht im letzten Jahr viele Themen, die jetzt „notgedrungen“ diskutiert werden, zur Sprache gebracht haben. Noch tappen also die meisten Expetern auch auf Vorstandsebene im Dunkeln bzw. stochern im Nebel. Es herrscht eine gewisse Sprach- und Hilflosigkeit über das, was im Moment erst im Finanzsektor und nun in der Realwirtschaft passiert.

    Symptomatisch dafür war auch der Vortag des Öl-Serviceunternehmens C.A.T. Oil AG beim Berliner Börsentag. Es kam klar zum Ausdruck, dass die Gesellschaft sehr gut in Russland und Kasachstan mit hochmotivierten Mitarbeitern aufgestellt ist. Die CA.T. Oil AG hat in diesem Jahr viel in die Zukunft investiert, was das Nettoergebnis belastete. Dies quittierten die Anleger mit Verkäufen. Zudem trennten sich amerikanische und kanadische Hedgefonds schon frühzeitig von Small Caps im Energiesektor, worunter auch alle Öl- und Gold-Juniors in diesem Jahr besonders litten. Der Kurs brach schon im letzten Jahr, in diesem Jahr aber noch dramatischer um über 90% ausgehend vom Hoch von 25 auf unter 2 € ein, obwohl Umsätze und EBITDA ansteigen.

    Nur ist auch ein solches Unternehmen – wie alle auf der Welt, abhängig von Folgeaufträgen. Es ist und bleibt in der Tat beängstigend, wie stark und abrupt sich die Auftrageslage in fast allen Branchen seit Oktober/November 2008 rund um den Globus verschlechtert hat. Die Aufträge im Ölservice-Sektor werden jetzt für das nächste Jahr in Russland ausgeschrieben. C.A.T Oil mit Sitz in Wien steht damit u.a in Konkurrenz zu Schlumberger und ist durchaus konkurrenzfähig, wobei Gazprom vor kurzem eine „strategische Partnerschaft“ mit Schlumberger im Technologiebereich angekündigt hat. Man darf gespannt sein, wie sich die Auftragslage der Öl-Serviceunternehmen jetzt und im nächsten Jahr auch in diesem Sektor bei einem dramatisch fallenden Ölpreis sich gestaltet. Der Ölpreis befindet sich weiterhin im freien Fall. Nach den neuen Analysen von Merrill Lynch könnte der Ölpreis im nächsten Jahr sogar auf 25 USD/Barrel fallen, falls es eine scharfe Rezession gibt. Dann hat Russland sicherlich ein großes Problem, weil dann neu Ölfelder nicht exploriert werden. Auf der anderen Seiet verbessern sich die Handelsbilanzen für viele osteuropäische Länder und auch der USA, wenn der Ölpreis auf 25 USD/Barrel fallen sollte.

    Das Hauptproblem sehe ich aber in den wirtschaftlichen Niedergang in den USA und der zu hohen Verschuldung in den USA. Nachgeliefert wurde, dass sich die USA schon seit einem Jahr in einer Rezession befinden, womit alle Zahlen zuvor (absichtlich?) geschönt waren, was mich nicht überrascht hat. Auch die grottenschlechten Arbeitslosezahlen am Freitag haben mich nicht überrascht. Im Gegenteil: ich erwarte eine Arbeitslosenquote von über 10% in den USA im nächsten Jahr und ich erwarte auch noch eine Kreditkartenkrise. Ich rechne damit, dass Ford, Chrysler und General Motors zunächst 34 Mrd. USD – mit Auflagen versehen – bis Jahresende als Soforthilfe bekommen werden, denn sonst hätten wir sehr schnell den Super-Gau in der Realwirtschaft – und einen Crash an den Weltbösen obendrein. Sie werden aber so oder so Mitarbeiter entlassen müssen.

    Ich meine daher, dass der Anleger aufgrund der hohen Unsicherheiten weiterhin eine hohe Cashquote von 70% behalten sollte, aber mit 10-30% auch selektiv traden sollte, um zum Beispiel die Chancen einer Jahresendrallye mitzunehmen. Auch dies geht aber nicht ohne Stopp-loss-Marken. Ich habe in meinem Vortrag betont und betone das auch hier, dass, wenn der Dow Jones Index nachhaltig unter 8000 (noch schlimmer 7500) Indexpunkte geht, die Anleger dann auch rigoros nicht nur deutsche, sondern auch osteuropäische Aktien verkaufen sollten.

    Ich gehe nicht so wie weit wie der auch durch N-TV bekannte Börsenkommentator Herman Kutzer (Kutzer Corner) , der bei seinem Vortrag beim Berliner Börsentag wie schon zuvor dazu rät, alle Aktien schon jetzt zu verkaufen und das Geld auszugeben, um den Konsum anzukurbeln oder einer Stiftung zu vermachen. Wir brauchen auch in Zukunft Aktionäre, ja wir brauchen sogar spekulativ eingestellte Aktionäre, denn ohne Eigenkapital (auch der Aktionäre) funktioniert keine Wirtschaft der Welt. Im Gegenteil: wenn jetzt der Deleveraging-Prozess erst beginnt, muss es auch wieder einen (Re-) Kapitalisierungsprozess – nicht nur bei Banken - auch über neue Anleger geben, sprich: es muss auch in Zukunft Kapitalerhöhungen, IPOs und eigenfinanziertes Private Equity geben, um auch in Zukunft Innovationen und Zukunfts-Investitionen nicht nur im Infrastrukturbereich finanzieren zu können. Denn sonst wären der Kapitalismus in der Tat am Ende und jegliche Aktienkultur auch!

    Sicherlich sind Ethikdiskussionen – auch um Managementgehälter - sinnvoll und richtig. Sie sind nicht Fehl am Platze, sondern könnte sogar einen Paradigmawechsel in der Finanzwelt einleiten. Was sich die Vorstände von Lehman Brothers und AIG (u.a) geleistet haben, macht Anleger zu Recht wütend. Die von Frank Meyer (NTV) moderierte„ Generaldebatte“ bei der Hauptdiskussionsrunde beim Berliner Börsentag über das Thema „Rezession und Bankenpleiten – wie sicher ist mein Geld“ zeigte aber auch, dass das Thema „Angemessenheit von Managergehältern“ jetzt zu viel Gewicht bekommen. Die Emotionen kochten zum Schluss hoch und es kam zum Teil sogar zu Beleidigungen, wobei diesmal die Diskussionsteilnehmer Klaus Martini (Private Wealth Management, Deutsche Bank AG ) und Michael Schubert (Direktor Capital Markets, Landesbank Berlin) als „Prügelknaben“ in der lebhaft geführten Diskussionsrunde herhalten mussten. Dies ist sicherlich auch Ausdruck der verzweifelten Anleger, die einen so hohen Kursverlust wie in diesem Jahr noch nie zu verkraften hatten - auch nicht in den Baissejahren 2000 bis 2003. Dabei hat es jeder Anleger grundsätzlich wesentlich einfacher als ein Fondsmanager oder Vermögensverwalter, da diese – auch oft aufgrund interner Reglementierungen – ganz selten zu 100% in Cash gehen. Der Privatanleger kann das aber und er kann dass auch für eine ganze Weile bleiben. Dies wäre allerdings bei allzu langer Abstinenz schädlich für die Aktienkultur, die eine sehr zarte Pflanze gerade in Deutschland ist. Das Prinzip der Selbst- und Eigenverantwortung ist bei Aktionären offensichtlich immer noch wenig ausgeprägt.

    Es kann gut sein, dass die Haupotversammlungen im nächsten Jahr auch überwiegend von Emotionen getragen werden und hochdotierte Bankmanager – oder auch alle hochdotierten Manager – an den Pranger kommen. Sicherlich wird Wendelin Wiedeking auch im nächsten Jahr nicht dazu gehören, denn Porsche erzielte im letzten Jahr mit VW einen Gewinn mit VW von 3,7 Mrd. € bei einem operativen Gewinn von 0,7 Mio. €. In diesem Jahr wird das Finanzergebnis durch VW wahrscheinlich auf 6,8 Mrd. € bei einem operativen Gewinn von 1 Mrd. deutlich gesteigert, was aber auch bei Porsche der Kursverfall nicht aufhalten könnte. Dem Porsche Finanz-Vorstand gebührt Anerkennung für den wohl weltweit besten Deal des Jahres mit VW-Optionen nur hat das leider wenig mit dem operativen Geschäft zu tun.. Möglichweise droht dennoch eine Klage der Hedgefonds, die Short waren und Milliarden verloren. Auch das ist Marktwirtschaft: des einen Freud ist des anderen Leid. Die Börse kam mit dieser Situation auch nicht klar, denn VW wurde ein Tag bei 1000 € zum marktschwersten Titel der Welt, was grotesk ist.

    Wiedeking war und bleibt der bestbezahlte deutsche Manager mit einem Jahresgehalt von über 100 Mio. € aufgrund der hohen Optionen – ganz nach dem amerikanischen Vorbild. Wie wir wissen sind das aber ganz normale Gehälter bei den Ex-US-Investmentbanken, die ihr Unternehmen in den Ruin führten. Wenn sich aber jeder Aktionär ehrlich befragt und in den Spiegel schaut, sollte er sich die Frage beantworten, ob er selbst hohe Managergehälter ablehnen würde, wenn sie ihm angeboten werden und sie auch mit hohen Gewinnen der Gesellschaft abhängen. Problematischer wird es schon, wenn bei hohen Verlusten bis zu Konkursgefahren noch hohe Boni ausbezahlt werden. Die sollte demnächst von den Aufsichtsräten unterbunden werden, denn die machen die Verträge mit den Vorständen. Wir werden sicherlich im nächsten Jahr öfters in eine „Systemdiskussion“ kommen, wo neben Zitaten von Karl Marx auch Managergehälter eine Rolle spielen. Dies hat auch seine Berechtigung und ist gerade in dieser Zeit nicht Fehl am Platze, sondern schlichtweg „angesagt“. Nur damit kann man die gegenwärtigen globalen Finanzprobleme auch nicht aus der Welt schaffen. Auch der in Aussicht gestellte „1 USD-.Job“ beim Vorstand von Ford ist nur ein Symbol, das er gerne gegen kann, wenn er vorher 40 Mio. USD verdient hat.

    Wichtiger aber wäre, wie die komplexen Probleme jetzt zu lösen sind, welche Folge- und Nebenwirkungen die gegenwärtigen Maßnahmen haben werden, denn davon hängen Arbeitsplätze und Schicksale von Millionen von Menschen im nächsten Jahr ab. Ganz nachrangig hängen davon auch die Aktiekurse der Zukunft ab. Mehr Solidarität nicht nur in den Managementetagen, sondern auch bei den Aktionären, wäre einen Schritt in die richtige Richtung. Von Experten wird immer verlangt, dass sie entweder die Glaskugel haben oder perfekte Lösungen für die Probleme der Gegenwart und Zukunft habe.

    In meinen 25-jährigen Analysen der Kapitalmärkte nicht nur in Osteuropa habe ich noch nie eine derartige Ratlosigkeit bei Expetern und Top-Manager erlebt. Auch habe ich noch nie erlebt, dass die wirtschaftlichen Beziehungen im In-und Ausland so dramatisch schnell und so global verschlechtert haben. Es kann aber auch gut sein, das das gegenwärtige Stimmungsbild in den Köpfen von Entscheidern gegenwärtig weit schlechter ist, als die tatsächliche wirtschaftliche Entewicklung. Soll heißen, dass auch hier die Psychologie , also die Angst vor der Zukunft, überbetont wird, was erst zu dem Schockzustand, in dem sich die Wirtschaft in einigen Branchen im Moment befindet, herbeiführt bzw. verlängert.

    Ob nun die richtige Antwort darauf ist, jetzt Konsumgutscheine anzubieten oder Steuersenkungen durchzuführen, sei mal dahingestellt. Die Bürger könnten auch ohne Konsumgutscheine mehr konsumieren und ich glaube sogar, daran, dass das Weihnachtsgeschäft gar nicht so schlecht sein wird. In der Sendung „Herz für Kinder“ wurde am Sonnabend im ZDF mit 15 Mio. € - soviel gespendet wie noch nie. Warum sollte dann nicht auch Geld für den Konsum vorhanden sein, zumindest in Deutschland mit den geringsten Arbeitslosenzahlen der letzten 5 Jahre? Obama will nun mit einem Mega-Infrastruktur-Investitionsprogramm vor allem für Schulen und Krankenhäuser die Krise in den Griff bekommen und damit über 2 Mio. Arbeitsplätze schaffen. Auch ob dieses ausreicht, steht in den Sternen. Ich wage es, zu bezweifeln. Das Konjunkturprogramm in Deutschland ist noch sehr zögerlich, aber zu viele staatliche Interventionen bedeutet auch mehr Verschuldung, womit sich die Katze wieder in den Schwanz beist.

    Anleger sollte auch weiter jetzt vor allem die Markttechnik beachten. Am Freitag konnte das Unterschreiten der 8000-er Marke beim Dow Jones trotzt sehr schlechter US-Arbeitslosenzahlen knapp verhindert werden. 553.000 Arbeitslose bedeutet eine Arbeitslosenquote von 6,7%. Aus einem Minus wurde am Freitag überraschend sogar ein Plus von 3,09% beim Dow Jones Der Dow Jones konnte sich damit wieder um 259 auf über 8635 in die Beruhigungszone retten, was ich (auch) auf das „Plunge Protection Team“ zurückführe, das bei neuralgischen Punkten immer über S&P-Future in den Markt eingreift, um einen Crash zu verhindern. Daher haben wir bisher auch „nur“ einen Salami-Crash in den USA. Bei Unterschreiten von 8000 beim Dow Jones und 4000 beim DAX könnte aber eine weitere Tsunami-Welle auf uns zu kommen und dann rette sich, wer kann. Dies wird jetzt ganz davon abhängen on General Motors, Chrysler und Ford in den nächsten Tagen die geforderten 34 Mrd. USD bekommen oder nicht. Im Grunde sind Chrysler und General Motors faktisch schon jetzt Pleite. Nur merkt das der Markt noch nicht. Er merkt es erst, wenn General Motors wie Lehman Brothers Chapter 11 anmelden muss. In diesem Fall würde auch das Obama-Programm wohl nicht viel nützen, denn dann würden die Arbeitslosenzahlen schon jetzt dramatisch ansteigen.

    Hält aber die 8000-er Marke beim Dow und bekommen die maroden US-Automobilkonzerne noch einmal Geld vom Staat (=vom Steuerzahler) nachgeschmissen, kann es zu einer – wenig versöhnlichen - Jahresendrallye innerhalb eines intakten Bärmarktes – auch an den Ostbörsen - kommen. Trader können darauf setzen, sollten die aber nicht ohne Sicherheitsnetz (=Stopp loss-Marken) machen. Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

    Hinweis: Andreas Männicke hat in der aktuellen Ausgabe vom Derivate-Magazins (www.derivate-mag.de) einen langen Artikel (auf S. 38-45) über die möglichen Schnäppchen in Osteuropa verfasst. Die Printausgabe Oktober- Dezember 2008 ist jetzt am Kiosk erhältlich

  • Jahresendrallye trotz Horrorzahlen?

    Samstag, 29. November 2008 19:47:00

    Die vergangene Woche war für Trader ähnlich gewinnträchtig wie die letzte Oktoberwoche. Der Dow Jones stieg am Freitag um 1,17% auf 8.829 Indexpunkte und der DAX behauptete sich bei 4669 Indexpunkten. Damit konnten sich beide Indices von den neuralgischen Zonen (Dow Jone 8000 und DAX 4000 Indexpunkte) wieder deutlich erhöhen. Auch die Terroranschläge in Bombay und die Turbulenzen und Unruhen am Bangkoker Flughafen konnten die Kursrallye nicht aufhalten. Sogar die Pleite von Woolworth hatte am Freitag keine negativen Auswirkungen. Zu einer positiven Stimmung kam es durch das neue US-Rettungsprogramm der FED und der US-Regierung. Zudem werden weitere Zinssenkungen seitens der FED und EZB im Dezember erwartet.

    Besonders stark waren Kursgewinne an der Moskauer Börse seit dem 21. November bis 27. November. Vom 21. bis 25. November explodierten die Kurse an der Moskauer Börse ähnlich stark wir in der Zeit vom 29. Oktober bis 4. November. Der RTS konnte vom 21. November bis 25. November um 23% von 560 auf 690 Indexpunkte zulegen und vom 29. Oktober bis 4. November sogar um 30% von 640 auf 830 Indexpunkte. So gibt es auch in intakten Bärmärkten auch immer wieder sehr gute Tradingchancen, die bei einzelnen Aktien sogar 50-100% in wenigen Tagen ausmachen. So konnte sich der Kurs von Gazprom um 37% von 10 auf 13,7 € in den letzten Tagen verbessern. Die Kurse von dem Düngemittelunternehmen Uralkali und dem Stahlwert Evraz Group konnten sich sogar letzte Woche verdoppeln. Der Kurs des Stahlröhrenherstellers TMK stieg am Freitag um 114 % auf 3,8 €. Allerdings waren die Kursverluste in den Tagen zuvor im November bei diesen Werten auch besonders stark. Die russischen Stahlkonzerne werden die Produktion drastisch vermindern müssen. Zudem kommt es auch zu erheblichen Zahlungsrückständen bei den Hauptkunden im Automobilsektor und der Eisenbahn. Am 28. November konsolidierte der RTS-Index wieder um 2,37% auf 658 Indexpunkte. Nur Konsum- und Telekomwerte konnten sich behaupten.

    In den letzten 3 Monaten flossen fast 150 Mrd. USD aus Russland heraus, was den Rubel stark unter Druck brachte. Die russische Notenbank gab alleine im Oktober etwa 100 Mrd. USD zu Stützungskäufen des Rubels aus, was die Währungsreserven stark auf 480 Mrd. USD verminderten. Damit hat Russland aber immer noch die dritthöchsten Währungsreserven der Welt. Demnächst will die Notenbank aber nicht mehr so stark intervenieren, sondern den Rubel leicht abwerten lassen. Seit dem Hoch im Juni verlor der Rubel schon fast 20% an Wert. Der russische Broker Troika Dialog rechnet auch mit Währungsverlusten von bis zu 25% im nächsten Jahr aufgrund eines schwachen Rubels. Die Rubelschwäche wurde verschärft durch den auf 50 USD/Barrel gefallenen Ölpreis. 50 USD/Barrel dürfte auch die Schmerzgrenze sein, denn sonst wird der Haushalt im nächsten Jahr defizitär.

    Um das Welt-Finanzsystem zu stabilisieren, schlägt der russische Außenminister Sergej Lawrow nun vor, beim nächsten G20 Gipfel am 2. April auch regionale Reservewährungen und neue Verrechnungseinheiten außer den Dollar einzuführen. So will Russland für die Verrechnung des Handels mit Lateinamerika den „Sucre“ einführen, wo auch der Rubel mit einem gewissen Gewicht mitvertreten ist. Mit Weißrussland soll der Rubel als Verrechnungseinheit durchgesetzt werden. Zudem soll ein Einheitlicher Wirtschaftsraum und eine Freihandelzone mit den Ländern Ukraine, Kasachstan, Weißrussland und Russland vereinbart werden. Dieses soll alles helfen, die globale Krise zu vermindern und den Warenverkehr in bestimmten Regionen unabhängig von Dollarschwankungen zu machen. In jedem Fall will Russland jetzt seine Handelsbeziehungen nach Lateinamerika ausweiten. Schon zuvor wuchs der Außenhandel Russlands mit Lateinamerika um 25% im Jahr auf nunmehr 15 Mrd. USD. Einer der Kernländer mit umfangreichen Wirtschaftskooperationen ist dabei Venezuela mit dem sogar ein gemeinsames Manöver und umfangreiche Waffenlieferungen vereinbart wurde.

    Neben der globalen Finanzmarktkrise und des schwachen Rubels verunsicherten die ausländischen Anleger in Moskau auch das Vorgehen des Kremls gegen einige Rohstoffunternehmen wie beim Stahlwert Mechel im Juni und zuletzt beim Düngemittelhersteller Uralkali. Die westlichen Anleger befürchteten schon einen zweiten Yukos-Fall und ließen die Aktien ins Bodenlose fallen. Bei Uralkali sollen hohe Schadensersatzforderungen wegen der Überflutung einer Mine eingeklagt werden, obwohl der Vorfall schon 2 Jahre her ist. Die Aktienkurse beider Gesellschaften brachen um über 50% an einem Tag ein als die Behörden eingriffen und zogen auch den Gesamtmarkt mit nach unten. Mit einem Minus von 47% im Oktober und über 70% seit Jahresbeginn ist die Moskauer Börse einer der Top-Verlierer in einem ohnehin trüben Umfeld. Seit dem Georgienkrieg im August sind russische Aktien aber für westliche Portfolio-Investoren ohnehin „out“. Dabei war bis Mai die Moskauer Börse mit einem Plus von 5% noch einer der Top-Gewinner der Weltbörsen. Aber gerade in den Monaten September/Oktober hat sich die Welt grundlegend verändert, denn seit September gibt es weltweit eine bis dahin unvergleichbare Systemkrise, die nur schwer in den Griff zu bekommen ist. Auch Russland versucht seitens der Notenbanken und der Regeierung mit enormen Liquiditäts- und Finanzspritzen gegenzusteuern, wobei Russland die hohen Währungsreserven und auch der zuvor gebildete Stabilisierungsfonds jetzt zugute kommen.

    Es bestehen gute Chance, dass sich die Kursrallye der letzten Woche trotz weiter schlechter Zahlen und Horrormeldungen im Dezember fortsetzt, so dass die Jahresendrallye vorgezogen wird. Dafür dürfen sch die Terrorgefahren à la Bombay aber nicht in die Nähe der Wall Street ausweiten und es darf keinen Iran-Krieg geben. Bei den Banken erwarte ich weiter Horrorzahlen und Gewinnwarnungen für das 4Q08. In den USA ging schon die 22. Bank Pleite, was zeigt, dass der US-Rettungsschirm nicht alle Banken retten kann. Vom Staat künstlich gestützt werden nur die Großbanken mit systemischen Risiken.

    Die Bayerische Landesbank wird nun mit einem Rettungsprogramm im Volumen von 30 Mrd. € von der Bayerischen Regierung gerettet. Der Staat wird demnächst dort das Sagen haben ebenso wie in den USA bei der Citibank, die mit einer Kapitalspritze des Staates von 20 Mrd. USD und einer Bürgschaft im Volumen von 300 Mrd. USD nur knapp dem Untergang entgegen konnte. Eine Pleite der Citibank hätte einen neuen Crash an den Weltbörsen ausgelöst, da die Citibank eien Bilanzsumme von 1 Billion USD hat und zudem ein Volumen von 37 Billionen USD(!) an Kreditderivaten abzuwickeln hat. Nach der Subprimekrise kommt nun die Kreditkartenkrise, die zu weiteren Abschreibungen in Mrd-Höhe führen wird. Zudem hängt UBS weiterhin am seidenen Faden. General Motors kann angeblich nur durch einen weiteren 25 Mrd. USD-Kredit des Staates von der Pleite gerettet werden. Der amerikanische Kongress lehnte zunächst die Kreditanfrage ab und will nun bis zum 2. Dezember einen Plan von General Motors, Chrysler und Ford vorgelegt haben, der plausibel macht, dass die US-Automobilindustrie eine Zukunft hat. Eine weitere Ablehnung würde die Weltbörsen wieder stark nach unten ziehen. Am Donnerstag stieg der Kurs von General Motors aber um 35%, weil die Anleger wohl diesmal eine Zustimmung des US-Kongresses zum erweiterten Kreditprogramm für die marode US-Automobilindustrie erwarten. Der Kurs von General Motors verdoppelte sich letzte Woche von 2,08 auf 4,1 € und damit die Marktkapitalisierung von 1,2 auf 2,3 Mrd. €.

    Auch eine Pleite von General Motors (GM) würde einen Crash an den Weltbörsen auslösen, denn GM hat Schulden im Volumen von 600 Mrd. USD. Im Jahr 1995 reichten 25 Mrd. USD, aus, um Mexiko vor der Pleite zu retten, was damals die Weltbörsen zum Beben brachte. Jetzt reichen schon 25 Mrd. € nicht mehr aus, um eine deutsche Landesbank vor der Insolvenz zu bewahren. Die Größenordnungen sind gewaltig gestiegen und kaum vorstellbar, aber real. Um die US-Verschuldung zu bändigen, bedarf es radikaler Maßnahmen. Die weltweiten Rettungsprogramme liegen schon bei 3 Billionen €. Amerika will im Ernstfall über 6 Billionen USD mobilisieren, um letztendlich ein „1929“ und auch eine tiefe Rezession zu verhindern. Die Summen sind jetzt so groß, dass, falls die Programme fehlschlagen und die „Pferde nicht saufen“, früher oder später nur eine Währungsreform oder eine Hyper-Inflation den Schuldenberg tilgen kann. Beides wäre ein gewaltiger Schock für den Anleger.

    Es dürfte jedem klar sein, dass fast alle westlichen Industrieländer im 4Q08 und auch im 1Q09 in eine schwere Rezession kommen. Entscheidend wird es dann aber sein, wie lange die Krise anhält. Ludwig Erhard hat damals schon gesagt, dass 40% der Wirtschaft Psychologie ausmacht. Jetzt gehören alle Banker und Industriemanager auf die Psychologencouch und die Anleger können sich gleich dazugesellen. Keiner traut dem anderen mehr. Die Angst vor der schlechten Zukunft führt zu Konsumverzicht, Produktionsstopps, Betriebsstilllegungen, Zahlungsverzögerungen, Zahlungsengpässe und Entlassungen.

    Ich rechne aber damit, dass das Weihnachtsgeschäft zumindest in Deutschland nicht so schlecht sein wird wie befürchtet. Zudem ist dies im Dezember die letzte Chance für deutsche Anleger, Aktien im Hinblick auf die Abgeltungssteuer zu kaufen und nach 1 Jahr steuerfrei zu verkaufen. Dies könnte in der Tat zu einer Jahresendrallye führen. Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

    Hinweis: der Autor wird am 6. Dezember 2008 auf Einladung des Derivate-Magazins um 11.15 Uhr einen Vortrag im „Kleinen Vortragssaal“ in Berlin beim Berliner Börsentag (Fasanenstr. 65, 10623 Berlin) über das Thema „Jahrhundertkrise = Jahrhundertchance auch für Russland?“ halten. In der aktuellen Ausgabe des Derivate Magazins ist auch ein ausführlicher Artikel des Autors über die neuen Chancen in Osteuropa.

  • Das dicke Ende kommt noch

    Sonntag, 23. November 2008 20:07:00

    Die Krise im US-Automobilsektor spitzt sich dramatisch zu. Die angeschlagenen und hochverschuldeten US-Automobilkonzerne General Motors (GM), Ford und Chrysler fordern vom Staat nun weitere 25 Mrd. USD, obwohl wohl auch dies wahrscheinlich nicht ausreichen wird, um ein Chapter 11 im nächsten Jahr bei GM zu vermeiden. Der US-Kongress lehnte zunächst ein weiteres Rettungsprogramm am Donnerstag ab und verlangt nun von den Vorständen bis zum 2. Dezember einen klaren Plan vorzulegen, wie die Konzerne glaubhaft aus der Krise wieder herauskommen. Dies schickte die Wall Street wieder auf Talfahrt mit einem Minus von 6%. Der Dow Jones näherte sich damit wieder dem Oktobertief und die anderen Weltbörsen folgten dem Leithammel Wall Street mal wieder blind bei allerdings dünnen Umsätzen.

    Leidtragende wären im Fall der Insolvenz von GM auch Opel in Deutschland, die nun durch eine 1 Mrd. € Bürgschaft des Staates vor dem Untergang bewahrt werden sollen. Das Angebot von Solarworld, Opel für 1 Mrd. zu kaufen und in ein „grünes Auto“ umzuwandeln, klingt gut, ist aber nicht umsetzbar. Auch BASF hat Produktionstilllegungen bei 80 Betrieben angeordnet. Damit dürfte jedem Anleger jetzt klar sein, dass die globale Finanzkrise in der Realwirtschaft angekommen ist.

    Die nächste Konsequenz eines nachlassenden Konsums und einer erhöhten Arbeitslosigkeit wird eine fulminante Kreditkartenkrise in den USA werden. Unter einem nachlassenden Konsum in den USA würden China und Japan als Exportweltmeister in die USA wiederum am meisten leiden. American Express wurde schnell zur Bank, damit sie nun auch auf die Rettungsprogramme der US-Regierung zurückgreifen können. Ich erwarte einen dramatischen Umsatz- und Produktionseinbruch im 4. Quartal 2008 und damit fortgesetzt schwache Zahlen und vor allem schwache Frühindikatoren, die die Börsen weltweit weiter in Mitleidenschaft ziehen werden.

    Dabei hatte sich die Automobilkrise schon lange angedeutet. Das große Problem ist jetzt der Abbau von Überkapazitäten, auch im Stahlsektor. Was jetzt nur helfen kann wären großangelegte Konjunkturprogramme in Infrastrukturinvestitionen und die neue „grüne Welle“. Genau dies hat der neue US-Präsident Obama auch angekündigt. Ebenso will der englische Primier Brown mit einem Konjunkturprogramm von über 15 Mrd. Pfund die Krise vermeiden. Zudem soll die Mehrwertsteuer gesenkt werden, um den Konsum anzukurbeln. Ähnliche unkonventionelle Entscheidungen empfiehlt auch der Deutsche Bank Chef-Volkswirt Norbert Walter. Die Frage ist aber, wie das bezahlbar sein soll, wenn die Steuerausfälle in 2009 zu groß werden und die Arbeitslosenquote stark ansteigt. Ungelöst ist bisher die Frage der Finanzierbarkeit der weltweiten Konjunkturprogramme. Diese wird sich auch für China stellen, die das größte Konjunkturprogramm mit nunmehr 600 Mrd. USD angekündigt haben. Dafür sollen zunächst Anleihen im Volumen von 110 Mrd. USD emittiert werden. Ebenso muss die USA das Konjunkturprogramm über Anleihen finanzieren. Wer aber wird die Anleihen in dem Volumen außer China, Japan und Saudi-Arabien kaufen?

    Auch hier hofft man, dass vor allem Gelder aus arabischen Ländern die Finanzlücken schließen können. Einige arabische Länder haben sich aber auch übernommen und müssen sich jetzt gegenseitig helfen, auch wenn das größte Feuerwerk der Welt zur Eröffnung der künstlichen „Palmeninsel“ bzw. des Hotels Atlantis in Dubai und das Stell-Dich-Ein der Multimillionäre oberflächlich ein anderes Bild ergab. Zu dem Anlass waren rund 2000 Gäste aus aller Welt geladen, denen vor dem Feuerwerk unter anderen 1,7 Tonnen Hummer, 4000 Austern, 50 Kilogramm Gänseleber, 1000 Wachteleier und 5000 Sushi serviert wurden. Hoffentlich spricht der Name „Atlantis“ nicht auch Bände, denn auch die Stadt Atlantis ging im Meer unter. Ein Ölpreis dauerhaft von unter 50 USD/Barrel wird auch einigen arabischen Ländern zu schaffen machen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben 47 Mrd. USD Schulden und müssen davon 15 Mrd. USD im nächsten Jahr begleichen. Dies sind aber nur 10% des BSP. Das Emirat Abu Dhabi hat 90% der Öleinnahmen und muss nun dem benachbarten Emirat Dubai mit einer Finanzspritze aushelfen. Auch der Bau einiger Wolkenkratzer kommt ins Stocken. Einige reden schon vom Milliardengrab im Immobiliensektor, andere träumen wiederum immer noch von den größten Türmen der Welt, die noch gebaut werden sollen.

    Die Verschuldung ist in allen Industrieländern schon zu stark angewachsen. Im Falle einer Rezession kommen alle Verschuldungsprobleme aber an den Tag und sie werden dramatische Auswirkungen haben. Bundespräsident Köhler fordert ein neues Bretton Woods in dem Sinne, dass die besten Finanzexperten der Welt regelmäßig zusammen kommen und ein neues, stabileres Weltfinanzsystem schmieden. Bretton Woods funktionierte nach einigen Jahren aufgrund nationaler Divergenzen aber auch nicht. Einige spekulieren schon jetzt auf einen neuen Goldstandard. Iran soll angeblich 75 Mrd. USD Gold gekauft haben. Auch im US-Kongress wird diskutiert, ob die FED eine Währungsreform vorbereitet. Auch wird hinterfragt, wer die 2-3 Billionen US-Dollar, die die US-Notenbank angeblich in den Markt gepumpt hat, bekommen hat. Nach einer Phase der Deflation erwarten einige Expetern schon eine Phase der Hyperinflation in den Folgejahren. Der Goldpreis zog bisher aber nur moderat auf 799 USD/Unze an.

    Die Weltfinanz-Probleme wurden lange genug zu sehr verniedlicht. Der Auslöser einer neuen Finanzkrise könnte der Konkurs von GM werden, denn an GM hängt auch sehr viel „Psychologie“ (=Vertrauen in die Zukunft und die Verwirklichung von Träumen). Dabei könnte ein Chapter 11 von General Motors psychologisch eben solche verheerenden Folgen für die Realwirtschaft haben wie Lehman Brothers im Bankensektor, obwohl das Kerngeschäft bei GM dann weiterlaufen würde. Das Vertrauen für Zukunftsinvestitionen würde dann schnell schwinden. Das Anleihenvolumen beträgt bei GM 300 Mrd. USD und bei Ford 150 Mrd. USD. Hinzukommen noch die Pensionsansprüche. Schon jetzt sollten sich einige Versicherungen und Pensionskassen Gedanken machen, was sie mit ihren General Motors-Anleihen machen. Da gab es doch tatsächlich in diesem Jahr Vermögensverwalter und Börsenbriefe, die Harakiri spielen wollten und sich General Motors-Anleihen ins Portfolio nahmen. Sie könnten wertlos werden.

    Wenn General Motors Pleite gehen sollte, dann wäre dies der zweite große Schock für die USA, denn dann könnten 3 Mio. neue Arbeitslose mit den Zulieferbetrieben hinzukommen. Die USA haben schon jetzt über 50 Mio. Personen, die nicht krankenversichert sind. Wenn aber die Arbeitslosenzahlen steigen, nimmt auch der Konsum ab und 75% des BSP macht in den USA der Konsum aus. Ich rechne im nächsten Jahr mit einer Arbeitslosenquote von 10% in den USA und mit einem neuen Rekord-Haushaltsbilanzdefizit, aber mit einer Verbesserung des Handelsbilanzdefizits durch den auf unter 50 USD/Barrel gefallenen Ölpreis. Angela Merkel wird Recht behalten, dass 2009 ein sehr schwieriges Jahr sein wird. Aber das wissen wir schon lange. Schon die US-Geheimdienste haben schon lange angemahnt, das die USA gerade im Begriff sind, die Vormachstellung auf der Welt in vielen Bereichen einzubüssen. Andere behaupten sogar, die USA stehen vor dem Abgrund und es könne noch schlimmer werden als 1929.

    Die Besetzung der Ministerposten machte hingegen am Freitag wieder Hoffnung an der Wall Street. Hillary Clinton soll Außenministerin werden und der gegenwärtige Notenbank-Chef der New Yorker Notenbank Tomothy Geithner soll Finanzminister werden. Dies sorgte am Freitag für eine fulminante Kurserholung um 6,5% auf 8046 Indexpunkte beim Dow Jones Industrial Index, was aber auch nur als technische Reaktion der vorherigen Kursverluste interpretiert werden kann.

    Beide Posten sind für die Zukunft der USA sehr wichtig; aber ich beneide keinen jetzt um den Posten. Clinton könnte schon sehr bald in einen von Israel ausgehenden Iran-Krieg verwickelt werden Geihtner muss den US-Finanzmarkt neu ordnen und ein Rekord-Haushaltsbilanzdefizit in der Höhe von 1 Billion USD finanzieren. Dabei wird es in den nächsten Wochen weitere Hiobbotschaften geben. Mittlerweile ist die 20. Bank in den USA Pleite gegangen. Auch die Citibank hängt am seidenen Faden und sucht nach Partnern oder nach weiteren Käufern von Unternehmensteilen im Ausland. Viele Banken mit einem hohen Kreditkartenvolumen werden nun in Schwierigkeiten kommen. Selbst eine Insolvenz des größten Vermögensverwalters der Welt UBS ist in den nächsten Monaten nicht ausgeschlossen, wenn sich die Finanzkrise ausweiten sollte. Immer mehr Länder in Osteuropa kommen nun in Bedrängnis. Als nächstes Land dürfte nach Ukraine und Ungarn nun Lettland einen IWF-Kredit oder Hilfen der EU anfordern. Die lettische Parex Bank aus Riga, die auch Filialen in Berlin und Hamburg, wurde schon verstaatlicht, wobei die Parex Bank dem Einlagensicherungsfonds angehört.

    Am 22. November wurde John F Kennedy ermordet: es wäre wohl der größte Schock für die Wall Street und die USA, wenn Obama ein ähnliches Schicksal ereilen würde. Während des kostspieligen Wahlkampfes gab es schon zwei Attentat-Versuche von rechten Chaoten, die aber rechtzeitig erkannt wurden. Zudem gibt es immer noch Gerüchte, dass Israel vor Amtseinführung von Obama am 24. Januar den Iran angreift. Der Ölpreis dürfte dann wieder stark ansteigen. Im Moment ist der fallende Ölpreis aber ein Konjunkturprogramm, was von den Börsen noch gar nicht hinreichend honoriert wird. Durch den fallenden Ölpreis kommen aber vor allem russische Ölwerte unter Druck und notieren jetzt nahe den Oktobertiefs.

    Es ist nicht davon auszugehen, dass die weltweiten Mammut-Konjunkturprogramme schnell greifen werden. Erstaunlich ist in der Tat die Schnelligkeit des Konjunktureinbruchs quasi von „100 auf Null“ in vielen Sektoren in den letzten Wochen. Dabei ging es gerade der deutschen Exportwirtschaft bis Mitte 2008 noch blendend und viele mittelständische Betriebe werden Rekordergebnisse trotz Finanzkrise verbuchen können. Unternehmen wie Lufthansa profitieren auch von dem steigenden Dollar und fallendem Ölpreis. Auch Porsche wird mit dem Mega-Deal mit VW einen neuen Rekordgewinn von 7 Mrd. € einfahren, was die Börse auch noch nicht hinreichend honoriert hat. Die Finanzpolster müssten bei den meisten Unternehmen aufgrund der sehr guten letzten 3 Jahre noch recht üppig sein. Die Auftragseingänge sind aber im 4Q08 weltweit so stark gefallen, dass eine Weltwirtschaftskrise in 2009 sehr wahrscheinlich ist. Das 4. Quartal dürfte daher bei vielen Großkonzernen auch Rekordverluste bringen und im 1Q09 dürfte es nicht viel besser aussehen. Entscheidend wird es aber sein, ob dann die Konjunkturprogramme zu greifen beginnen und eine Weltwirtschaftsdepression vermieden wird.

    Nur haben die Weltbörsen auch eine Weltwirtschaftsrezession schon eingepreist, aber noch keine -depression. So kann das Börsenjahr 2009 durchaus recht gut ausfallen, wenn die Krise nicht zu stark ausfallen sollte, wie es die Börsen jetzt einpreisen. Die Durchnschnitts-KGV sind jedenfalls nach den Gewinnschätzungen für 2008 so niedrig wie schon lange nicht mehr. Für das nächste Jahr wir mit Gewinneinbrüchen von 30- 50% im Durchschnitt gerechnet. Unter Berücksichtigung von Goodwill-Abschreibungen könnten per saldo sogar Verluste entstehen wie im Jahr 2002. Noch stehen die Anleger zwischen Hoffnung auf die neuen politischen Kräfte in den USA und Angst vor einer Depression. Die Kardinalfrage ist nun, ob wir in 2009 eine Weltwirtschaftsrezession oder aber eine -depression bekommen. Die zweite Frage ist, wie lange die Krise andauern wird. Auch hier gehen die Meinungen der Experten sehr stark auseinander. Sie reichen von 1 bis 3 Jahren. Im Fall von 3 Jahren würden wir eine ähnliche Entwicklung wie in den Jahren 2000 bis 2003 bekommen, also einen 3-jährigen Bärmarkt. Auch wird es entscheidend sein, ob es zwischenzeitlich neue Kriege von Bedeutung (wie zum Beispiel mit dem Iran) oder einen „kalten Krieg“ geben wird oder nicht, die die globale Wirtschafts- und Finanzkrise wesentlich verstärken und auch in die Länge ziehen würde. Letztendlich werden wie immer die Fakten entscheiden. Die Rüstungsausgaben sind weltweit auf das Rekordniveau von 1,2 Billionen US-Dollar gestiegen. Dafür scheint es also noch genug Geld zu geben, weil die Rüstungslobbys in den USA und auch in Russland sehr stakt sind. Seit 2001 sind die Rüstungsetats wieder weltweit gestiegen, nachdem sie von 1996 bis 2001 gefallen waren.

    Im Dezember könnte sich dennoch durchaus zunächst das Hoffungsprinzip an der Börse kurzfristig durchsetzen, was zu einer Jahresendrallye führen könnte, wobei in Deutschland neben der niedrigen Bewertung die Abgeltungssteuer ein zusätzliches Kaufargument für Aktien sein könnte. Von der Markttechnik her ist es bedeutsam, dass der Dow Jones nicht unter 7600 Indexpunkte fällt, da dann sogar eine weitere Tsunami-Welle an den internationalen Finanzmärkte – und auch den Ostbörsen - droht. Beim DAX ist die magische Marke 4000, die halten muss, da sonst ein weiterer Absturz droht. Der Grund für die Fortsetzung des Salami-Crashs könnte sein, dass General Motors Chapter 11 anmelden muss oder dass Israel den Iran über Nacht angreift. Aber zunächst sollen nur die Sanktionen gegen den Iran verschärft werden. Bleiben wir also wachsam und defensiv eingestellt. Cash bleibt King, solange die 200 Tages-Linien fallen.

    Fazit: Trader werden wieder gute Reboundchancen bis Jahresende bekommen, was aber selbst im Falle einer Jahresendrallye als „Bärmarktrallye“ einzustufen ist. In der Zeit von 29. Oktober bis 4. November führte die Bärmarktrallye immerhin zu Kursverdoppelungen bei einigen Standardwerten an der Moskauer Börse und einen Anstieg des RTS-Index um über 50%. Selbst der DAX konnte in der Zeit um 32% zulegen. Nun sind wir aber schon wieder fast bei den Tiefständen angelangt und einige Blue Chips haben sie sogar schon unterboten. Der Markt ist damit technisch überverkauft. Es bleibt daher ein Eldorado für Trader und ein Vabanquespiel für Value- und Langfrist-Investoren.

    Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

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