Ostbörsen im Fokus (siehe auch www.eaststock.de)

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Interview- und Termin-Hinweise

Das nächste Ostbörsen-Seminar "Go east" findetam 23. Mai 2018 in Frankkfurt/M statt.

Andreas Männicke wird am 25. Januar 2018 vom Aktionärs TV über Russland befragt. Er ist auch beim Fondskongress in Mannheim anwesend.

Andreas Männicke wurde am 15. Januar 2108 in Börsen Radio Networks befragt. Dort wurde ein Favoritenwechsel bekanntgegegeben

Ab Oktober 2013 können Sie unter Eingabe von "EastStockTV" bei www.youtube.de die aktuellen Kommentare von Andreas Männicke zu den Aussichten an den Welt- und Ostbörsen kostenlos abrufen. Abonnieren Sie einfach den Kanal bei www.youtube.de.

Ab Mai 2014 können mit Herrn Männicke über www.go.guidants.com auch interaktiv in Kontakt treten und Fragen zu den Ostbörsen stellen.

Verpassen Sie die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen Sie jetzt den monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de. Ein Probe-Abo (3 Ausgaben kosten nur 15 €). Die beiden Muster-Depots erzielten seit Februar 2009 eine Performance von über 320% im Muster-Depot 1 (konservativer Osteuropa-Basket) bzw. über 350% im Muster-Depot 2 (spekulativer Osteuropa-Basket, das sind über 40% p.a. seit 2009. In den neuen Muster-Depots ab 2015 wude eine Performance von über 130% bzw über 80% erzielt. Das neue "goldige" Muster-Depot erreichte immerhin ein Plus von 66% ab 2016.

Im neuen monatlich ercheinenden Börsenbrief THE BIG PICTURE werden die globalen Anlagestrategien für Aktien-Indices, Rohstoffe und Währungen besprochen. Auch hier kostet ein Probe-Abo (3 Ausgaben per E-mail) nur 15 €.

Zudem können Sie sich alle bisherigen TV-Inteviews von Andreas Männicke in diesem Jahr runterladen unter den Links der Rubrik "Interviews".

  • Retten die „G20“ die Welt?

    Samstag, 15. November 2008 15:16:00

    Zum ersten Mal treffen sich die G20-Länder in Washington an diesem Wochenende, um ein neues Welt-Finanzsystem mit neuen Regeln zu beraten, um der globalen Finanzkrise Herr zu werden und um zukünftige globale Finanzkrisen zu vermeiden. Bush machte zwar schon im Vorfeld deutlich, dass er von zu viel staatlicher Regulierung nichts hält; positiv zu bewerten ist aber, dass nun auch die Entwicklungsländer mit im Boot sind, um die Welt zu retten, denn ohne sie geht es nicht. Obama blieb dem Treffen in Washington noch fern, da er erst die offizielle Amtseinführung am 20. Januar abwarten will, bevor er tätig wird. Er wird in den nächsten Tagen die Minister und die Regierung benennen. Obama setzt dabei offensichtlich auf die neue „Frauen-Power“. Ein heißer Kandidat für den Posten des Außenministers ist Hillary Clinton. Wer es auch immer sein wird; es stehen auch außenpolitisch der USA große Herausforderungen bevor wie vor allen das weiter Vorgehen bei der Iranfrage.

    Es gibt Gerüchte, wonach Israel den Iran noch vor der offiziellen Amtseinführung von Obama als US-Präsident den Iran angreifen wird, um Obama vor vollendete Tatsachen zu stellen. Hinter dem Plan stecken Seilschaften des Pentagons und dies ist sicherlich auch ein Ansinnen von dem noch amtierenden „Ruinator“ Bush. Dies würde den Weltbörsen dann den letzten Dolchstoss verpassen. Aber auch die Beziehungen zu Russland müssen verbessert werden. Denn was die Weltbörsen jetzt am wenigsten gebrauchen können, ist eine Aufrüstungsspirale aufgrund eines „Stationierungswettlaufs“ von Raketen unweit der russischen Grenze. Auch hier ist eine Politik mit Augenmass gefragt und kein neuer „kalter Krieg“. Das wichtigste für die Weltbörsen ist immer noch die „Friedensdividende“, die bei einem neuen „kalten Krieg“ gefährdet wäre. Aber auch Terroranschläge oder ein Attentat auf Obama würden die Börsen in einen Schockzustand bringen, wenn sie gelingen sollten.

    Ich empfehle Obama im Übrigen einen Saunabesuch zusammen mit Medwedew in Russland, um auf neue entspannende Gedanken zu kommen. Es ist für den Weltfrieden von großer Bedeutung, dass die Chemie zwischen den beiden Präsidenten der Großmächte stimmt und dass sie sich gegenseitig mit Respekt auf Augenhöhe begegnen. Auch wäre es wünschenswert, wenn Obama den Versuch unternimmt, Russland die strategische Partnerschaft anzubieten nach dem bewährten Motto: „If you can´t beat him join him!“ Die USA werden mit Iran/Irak, Afghanistan und vor allem dem neuen Pulverfass Pakistan (als Atommacht) genug zu tun haben. Eine Konfrontation mit Russland würde ins Leere laufen und verheerende Auswirkungen haben. Die Tage des georgischen Präsidenten Saakaschwilli dürften gezählt sein. In der Ukraine wird am 7. Dezember das Parlament neu gewählt. Ukraine und Georgien wollen schnell in die NATO, was zu zusätzlichen Spannungen mit Russland führen wird. Die USA sollten Russland jetzt die WTO-Mitgliedschaft auch NATO-Mitgliedschaft sowie eine strategische Partnerschaft anbieten. Dann kommen wir viel schneller aus der Krise heraus. Alles andere, insbesondere Protektionismus und die Betonung nationaler Interessen, würden die Krise jedoch verstärken. 1929 lässt grüssen!

    Daher gab es am Freitag einen auch einen neuen EU-Gipfel in Nizza mit Russland im Boot, um nach dem Georgienkrieg wieder den Dialog mit Russland zu eröffnen, was sicherlich der richtige Weg ist. Denn Europa braucht Russland zumindest im Energiesektor genauso stark wie umgekehrt Russland Europa benötigt. Dieser von Sarkozy koordinierte Dialog ist zwar jetzt gerade in der Not unabdingbar; Ich erwarte nicht viel als Ergebnis, da die Umsetzung der neuen Gesprächsbereitschaft erst im nächsten Jahr folgen wird.

    Die Wall Street spielt weiter „Jo-Jo“ und scheint nicht viel von den neuen G20-Treffen zu halten. Der Dow Jones brach am Freitag zunächst intraday von 8800 auf 8500 Indexpunkte ein, um sich dann wieder auf das Ausgangsniveau von 8800 Indexpunkten zu erholen. Zum Schluss gab der Dow Jones aber wieder um 3,8% auf 8497 Indexpunkte aufgrund schwacher Einzelhandelzahlen, die auf eine Rezession hindeuten, nach. Wenn der Dow Jones wieder nachhaltig unter 8000 Indexpunkte fallen sollte, droht ein neuer Absturz. In diesem Fall sollten auch alle Aktien an den Ostbörsen unter Tradinggesichtspunkten verkauft werden. Am Donnerstag konnte dieser Absturz noch einmal knapp vermieden werden. Nach einem kurzen Abtauchen unter die charttechnisch bedeutsame 8000er-Marke stieg der Dow Jones ohne wesentliche Nachrichten um über 6% auf über 8800 Indexpunkte. Hier scheint wieder das „Plunge Protection Team“ ganze Arbeit zu leisten, um die Shortseller in die Schranken zu weisen. Deratige Short-Sueezes (Eindecken von Leerverkäufen) könnten wir in den nächsten Tagen öfters erleben. Bei unter 7900 und erst recht unter 7500 Indexpunkten kommt aber wahrscheinlich eine weitere Kapitulationsphase an der Wall Street (und dann auch an den Emerging Markets), wobei ein Iran-Krieg oder die Insolvenz von General Motors der auslösende Faktor sein könnte.

    Der DAX konnte am Freitag zwar noch um 1,31% auf 4710 Indexpunkte steigen; er dürfte am Montag aber wieder nach der schlechten Wall Street-Vorgabe mit einem Gap nach unten eröffnen. Der DAX brach schon am Freitag nach einem fulminanten Start nach der schwachen Wall Street-Eröffnung von 4800 auf 4700 um 100 Indexpunkte ein. Der Kursanstieg von Continental um über 30% intraday und zum Schluss um 26% erinnert auf den VW-Fall. Der Kurs von VW dürften in den nächsten Tagen auf unter 350 € einbrechen und den DAX nach unten ziehen. Aber auch Shortseller werden im Moment abrasiert. Es bleibt also höchst turbulent an den Weltbörsen und alle Anleger befinden sich ebenso wie die Finanzmärkte in permanenten Stresstest.

    Nach dem Kurssturz um 10% wurde die Moskauer Börse am 12. November schon wieder geschlossen. Der Brent-Ölpreis fiel auf ein neues Jahrestief von 57 USD/Barrel, worunter besonders Ölwerte litten. Der Ölpreis brach schon im Oktober um 40% ein, worunter nun ganz Russland leidet. Gazprom will im nächsten Jahr auch die Gaspreise nach Europa vermindern, was die Inflation nach unten bringen dürfte. Auch LUKoil fiel auf ein neues Jahrestief von 24 €, ist aber mit einem KGV von 3 unterbewertet. Für das 4. Quartal 2008 werden aber erstmals seit Jahren wieder reale Quartalsverluste im Ölsektor erwartet, während das 3. Quartal noch positiv erwartet wird. Das Hauptproblem ist jetzt in ganz Russland – auch bei den Oligarchen – die Refinanzierung und Umstrukturierung der Anleihen. Schon bei einem Ölpreis von 70 USD/Barrel wird der Haushalt in Russland in 2009 defizitär. Zudem schwächte sich der Rubel weiter ab, was zwar die Importe verteuert, aber die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Produkte stärkt. Die staatliche VEB Bank will jetzt neben Banken auch Industrieunternehmen mit Notkrediten stützen. Die Finanzkrise ist jetzt eindeutig mit aller Wucht auch in Russland angekommen.

    Der Kurs von dem Düngemittelhersteller Uralkali fiel am 12. November sogar um 60%, auf unter 4 € nachdem eine Schadenserstaklage wegen der Überflutung einer Mine aus dem letzte Jahr neu aufgerollt wurde. Am 14. November erholte sich der Kurs schon wieder um 15% auf 5,86 € - ein Eldorado für Trader! Die Nerven der Langfrist-Anleger werden im Moment hart strapaziert. Jetzt werden neben den Oligarchen und den Banken auch einige russischen Unternehmen wie die Evraz Group mit staatlichen Krediten der VEB Bank versorgt, damit die Auslandsanleihen bedient werden können und es zu keinem Default kommt. Da nützt es auch wenig, dass die Moskauer Börse mit einem durchschnittlichen KGV von 3 die billigste der Welt.

    Auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt/M. vom 10.-12. November wurde bekanntgegeben, das nun auch erstmals Banken aus Weißrussland ein IPO im nächsten Jahr planen. Vielleicht es das , was wir brauchen: mehr Mut und Zuversicht gerade in die Krise! Mein ESI-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance - war am 12. November so gut besucht wie noch nie, so dass der ESI-Seminar-Indikator ein „strong sell“ anzeigte.

    Man kann nur hoffen, dass auf dem G20-Gipfel der Rahmen geschaffen wird, der trotz offensichtlicher Weltwirtschaftsrezession wieder mehr Vertrauen in den Markt bringt. „Geld muss fliessen“, sonst versiegt die Wirtschaft. Kalifornien gibt im Moment noch die Richtung vor: es brennt überall und die Brandursache ist unklar. Ähnlich sieht es auf den globalen Finanzmärkten aus. Man kann also nur hoffen, dass die G20 der Welt und den Weltbörsen mehr Hoffung geben. Und man kann nur hoffen, dass ich Obama und Medwedew nicht allzu sehr von der Rüstungslobby vereinnahmen lassen wie es die Vorgänger noch taten. Auch hier besteht die Chance für einen Neubeginn einer Abrüstungs- und nicht Aufrüstungsspirale, die sich keine der beiden Großmächte im Moment erlauben kann und die ins Verderben führt. Obama ist die Chance für einen Neuanfang und einem Paradigmawechsel. Die USA sind im Moment sehr verwundbar und müssen aufpassen, dass die Dinge nicht völlig aus dem Ruder laufen. Die harten Realitäten sind unangenehm, aber man muss sich ihnen stellen.

    Obama, sei daher wachsam, was der Bush-Clan jetzt bis zur Amtsübergabe am 20. Januar noch im Schilde führt - auch was die Iranfrage angeht. Und rette jetzt General Motors mit weiteren 25 Mrd. USD, da wir sonst einen zweiten „Lehmann Brothers Fall“ verkraften müssen und weit über 200.000 Arbeitsplätze dann verloren gehen. Dann sind wir schneller in einem 1929-Sezenario als uns lieb ist. In Kalifornien brennt es lichterloh, an den Weltfinanzmärkten und der Realwirtschaft auch!

    Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen. Bestellen Sie auch jetzt den kostenlosen Newsletter bei www.andreas-maennicke.de

    • Hinweise: Am 7. November wurde Andreas Männicke in der 3SATBörse um 21.30 Uhr über die Chancen in Russland nach dem Crash befragt. Das Interview kann jetzt runtergeladen werden unter www.3sat.de/boerse. Das letzte TV-Interview von Andreas Männicke über Russland war am 14. November um 11.15 Uhr in NTV/Telebörse(www.teleboerse.de) anlässlich des EU-Gipfels in Nizza. Das nächste TV-Interview mit Andreas Männicke über Russland wird am Montag, den 17.11.08 um 07.05, 11.19, 12.19, 15.49 und 17.19 Uhr in Bloomberg TV (www.bloomberg.com) ausgestrahlt.

  • Der paradoxe Obama-Effekt

    Sonntag, 09. November 2008 17:24:00

    „Yes we can“ war Obamas vielversprechender Wahlslogan, was zunächst sagen soll: „Ja wir können, den politischen Wechsel („Change“) herbeiführen. Obama muss sich jetzt aber schneller als ihm lieb den Fakten stellen und die Probleme meistern, die ihm der „Ruinator“ Bush hinerlassen hat. Mich erinnert die Obama-Euphorie vor allem bei der ahnungslosen Jugend etwas an die Euphorie in der Ukraine nach der „Orangenen Revolution“. Letztendlich entscheiden aber auch bei Obama in der Zukunft die wirtschaftlichen Fakten. In der Ukraine endeten die Träume einer bessern Zukunft nun im politischen Chaos, einer Inflation von 30% und einem faktischen Staatsbankrott, der nun nur durch den IWF-Kredit vermieden werden konnte. Gibt es hier Parallelen zu den USA? Am 7. Dezember finden in der Ukraine Parlamentswahlen statt. Wer auch immer gewinnen wird, die wirtschaftlichen Herausforderungen sind sehr groß. Die Börse Kiew verlor in diesem Jahr um 80% an Wert., was hoffentlich keine Parallele zur Wall Street sein wird

    Kann Amerika die großen Finanz- und Wirtschafts-Probleme allein lösen? Nein, sie braucht dafür die Weltgemeinschaft. Nur muss der Patient auch erkennen, dass er krank ist. Und die Weltgemeinschaft muss erkennen, dass die Krankheit (der Schuldenmacherei und des bedenkenlosen und unkontrollierte„Laissez faire“) ansteckend ist. Je länger die Krankheit Schuldenmacherei und der mangelhaften Kontrolle (=Intransparenz) nicht erkannt wird, desto schmerzhafter wird der Heilungsprozess für alle Beteiligten werden.

    Wir sitzen also alle in einem Boot und es gibt jetzt so einige „Mr. Dooms“ (=Weltuntergangspropheten) auf der Welt (nicht nur Dr. Mark Faber), die jetzt den Untergang der Titanic (USA) predigen. Dazu gehöre ich nicht. Ich gehöre zu den Realisten, die frühzeitig versuchen, auf offensichtliche Fehlentwicklungen hinzuweisen. So war ich einer der ersten die auf die Folgewirkungen des Immobilien-Bubbles in den USA hingewiesen haben und auch auf die globalen Auswirkungen Auch hielt ich einem Börsencrash für möglich, was jetzt auch Realität geworden ist. Erst jetzt wird der Ruf nach einem Frühwarnsystem des IWF laut, obwohl es dies Forderungen schon immer mach bzw. während die Weltwirtschaftskrisen gestellt werden. Auch wird es zu mehr Finanzmarktkontrollen kommen, was zu begrüßen ist, aber nicht hilft, die jetzige Krise zu meistern.

    Am nächsten Wochenende treffen sich zum ersten Mal die Industriennationen beim Weltwirtschaftsgipfel in Washington, um ein koordiniertes Rettungsprogramm für die Welt zur Vermeidung einer schweren Weltwirtschaftskrise zu besprechen. Es ist ganz klar, dass dann Konjunkturprogramme (auch für Infrastrukturinvestitionen), aber auch gegenseitige Erleichterungen und Hilfen besprochen werden. Wer aber soll das alles finanzieren? Gefordert sind schon jetzt China, Russland und die arabischen Länder in hohem Masse, denn die müssen weiter die US-Anleihen kaufen, da die USA sonst das gleiche Schicksal erleiden wird wie Island, Ungarn , Ukraine und Pakistan, die faktisch Pleite sind und nun auf die IWF-Kredite warten.

    Neben der dringenden Wirtschaftsprobleme wird möglicherweise aber auch die Frage des „Weltfriedens“ (hoffentlich) besprochen, denn die USA führen mit einem Teil der Weltgemeinschaft schon viele zu lange zwei Kriege und zwar im Irak und in Afghanistan, demnächst wohl auch in Pakistan. Denn auf Obama kommen auch hier sehr brisante Probleme und Fragestellungen auf ihm zu. Wie lange wird die USA im Irak bleiben? Wann wird die USA Pakistan bombardieren (müssen), um den einen oder anderen Taliban zu treffen. Auch in Pakistan droht ein gefährlicher Bürgerkrieg, denn Pakistan ist schon eine Atommacht. Was wird Obama mit dem Iran machen ohne China und Russland auf einmal als Gegner zu haben? Wie wird Obamas Außenpolitik zu Russland sein? Kann es zu einem „kalten Krieg“ kommen?

    Russland bzw Medwedew provozierte Obama schon am ersten Tag mit der Ankündigung der Positionierung von Kurzstreckenraketen? Damit will Russland deutlich machen, dass Obama auch von der Stationierung der geplanten Flugabwehrraketen auf polnischen und tschechischen Boden Abstand nehmen soll, was er wohl nicht so schnell machen wird. Hier wird auch auf höchstem Niveau (auf dem Rücken der Weltbevölkerung) gepokert, was nicht ganz ungefährlich für die Welt ist. Eine Aufrüstungswelle Bzw Stationierunsgwelle von Raketen demnächst auch in Venezuela??) kann sich im Moment weder die USA noch Russland finanziell erlauben, da sich beide Länder in einer Finanzkrise befinden. Die Sowjetunion ist letztendlich auch durch die Aufrüstungspolitik zugrunde gerichtet worden, weil der Rüstungswahnsinn irgendwann nicht mehr finanzierbar war. Ich kann nur hoffen, dass sich Obama und Medwedew nicht allzu sehr von der Rüstungslobby vereinnahmen lassen, weil dies für den Weltfrieden äußerst bedeutsam ist, übrigens auch für die Weltbörsen. Der verstorben Altmeister Andre Kostolany wies zu recht auf die große Bedeutung der „Friedensdividende“ als wichtigsten Stimulus für die Weltbörsen hin. Die ist aber gefährdet bzw. kehrt sich ins Gegenteil um, wenn es zu einem Konfrontationskurs USA-Russland/China kommen sollte.

    Beide können nun am nächsten Wochenende dazu beitragen, dass es am nächsten Wochenende auch hier zu „Change“ kommt. Beide Präsidenten der Weltmächte stehen vor großen Herausforderungen und sollte sich jetzt gegenseitig helfen, aus der Krise herauszukommen. Sie können aber auch anders herum zu einer Verschärfung der Krise beitragen, je nachdem welcher Lobby und welchen Berater sie sich jetzt anschließen. Beide, Obama und Medwedew, sind jung und dialogfähig. Hoffentlich sind sie auch anpassungsfähig und vor allem unabhängig von den jeweiligen Interessengruppen, die jetzt beide Präsidenten umlagern. Obama hat aber große Chancen, nicht nur von einer Lobby abhängig zu sein. Die meisten Wahlkampspenden kamen diesmal anonym über das Internet, was schon zeigt, dass Obama zum vernetzten Denken fähig ist. Welcome in the global village!

    Es gibt keine Patentrezepte für die Bewältigung dieser Weltwirtschaftskrise. Klar ist nur, dass die Krise schwerer sein wird als so manche jetzt zu hoffen wagen. Ich befürchte eine Arbeitslosigkeit von über 10% im nächsten Jahr. Im Oktober betrug die US-Arbeitslosenzahl 240.000, womit die Arbeitslosenquote von 6,1 auf 6,6 % steigen. Für September wurde die Arbeitslosenquote von 159.000 auf 284.000 revidiert, was darauf schließen lässt, das die wahre Arbeitslosenzahl für Oktober über 300.000 betragen dürfte. Aufgepasst: Je mehr Personen jetzt arbeitslos werden, desto stärker wird die Kreditkartenkrise in den USA und desto mehr wird der Konsum im nächsten Jahr einbrechen!

    Jetzt will General Motors noch einmal weitere 25 Mrd. USD als Nothilfe“ beantragen, was nichts weiter ist als vom Staat subventionierte Konkursverschleppung wäre, ein Konkurs, der Ausdruck einer falschen Produktpolitik wäre. Erst jetzt will GM mit dem Rücken zur Wand auf umweltfreundlichere Hybrid-Autos umsteigen. Wo war hier das Frühwarnsystem oder hatte GM keins? Wenn General Motors im nächsten Jahr trotz aller Mrd-Kredite die Insolvenz oder Chapter 11 anmelden muss, müssen über 300 Mrd. USD an Schulden abgewickelt werden und es werden dann über 100.000 Beschäftiget mit einem Schlag arbeitslos werden. Falls GM Pleite gehen sollte, werden wir auch eine weitere Tsunami-Welle an den Finanzmärkten erleben. Obama muss sich also auch hier den Realitäten stellen. Aus einem Traum kann auch ein Alptraum werden wie in der Ukraine. Allzu viel Hoffnung sollten sich also die Weltbörsen nicht machen, sonst werden sie im Nachhinein nur auf den Boden der Tatsachen geführt.

    Die Börse hatte auf die Obama-Wahl zunächst mit kräftigen Kursverlusten mit jeweils 5% an 2 Tagen (am 5. und 6.November) reagiert, was aber nur Gewinnmitnahmen der vorherigen Obama-Rally Ende Oktober um über 10% waren. Zudem mag die Wall Street auf den ersten blich nun mal „linke“ Politiker nicht. Am Freitag reagierte die Wall Street wieder positiv auf die erste Pressekonferenz von Obama. Der Dow Jones stieg am Freitag um 2,85% auf 8943 Indexpunkte, was aber auch eine technische Reaktion der Kursverluste um 10% in 2 Tagen nach der Wahl von Obama war. Obama kann durchaus zu einem positiven Effekt an den Weltbörsen führen, wenn die Börsenteilnehmer erkennen, dass er die Probleme klar anspricht und auch praktikable Lösungsvorschläge macht, die zwar nicht zu einer Abwendung der Krise führen können, aber dazu, dass die Auswirkungen nicht zu groß werden. Denn was die Börse zum großen Teil schon eingereist hat, ist eine Depression und nicht eine Rezession!

    Bis Jahresende dürfte die Welt weiter voller Hoffnung auf Obama schauen, wobei er erst im Januar seine Maßnahmen umsetzten kann. Bis daher werden wir präsentiert bekommen, wer mit ihm zusammen die größte Weltwirtschaftskrise in der Nachkriegszeit meistern soll. Wird etwa Waren Buffet Finanzminister werden? Der würde wohl dankend ablehnen, auch wenn man ihm das Angebot unterbreitet. Oder wird es Paulson bleiben, weil er am besten im Thema ist. In jedem Fall, werden viel altgediente Clinton-Regierungsmitglieder jetzt wieder in die Regierung kommen und sei es nur als Berater, wie Clinton auch selbst eine gefragte Frau bleiben wird (der Clinton-Mann steht diesmal im Hintergrund). Und Clinton(-Mann) war damals als „linker“ Präsident gar nichts so schlecht für die Weltbörsen und die Weltgemeinschaft. Nur sind die Wirtschafts- und Finanz-Probleme jetzt um ein Vielfaches größer als damals.

    Leider müssen die Anleger aber auch einen Anschlag von Obama wie auf Kennedy für möglich halten, was die Welt aus den Angeln hebeln dürfte. Man bracht nicht viel Fantasie, sondern nur Realismus, um zu erahnen wie die Weltbörsen reagieren würden, wenn Obama einem Attentat zum Opfer fallen würde. Obama ist jetzt der große Hoffnungsträger der Welt und er kann die Welt als „Global Leader“ in der Tat zu einem (Werte)Wandel („Change) in der Welt führen. Es ist eine große Chance für die Weltgemeinschaft, wenn sie und die USA „mitmachen“ und einem Strang ziehen. Wenn nicht, endet sie im Chaos oder in einem 1929-Szenrio. Und das wollen wir doch alle nicht, oder? Nur darf man insgesamt nicht die Hoffnungen zu hoch schrauben, da dies wiederum realitätsfremd wäre.

    Können wir also auf eine Jahresendrallye hoffen: Yes, we can!“, wenn beim nächsten Weltwirtschaftsgipfel von den USA und der Weltgemeinschaft gemeinsam die richtigen Signale gesetzt werden (und bis dahin GM noch nicht insolvent ist!) Denn die Welt ist ein „Global Village“- ein globales Dorf! Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

    Fazit: Obama ist eine große Chance für einen Neuanfang- auch für die Weltbörsen. „In der Krise liegt die Chance“ ist daher auch das Thema des nächsten ESI-Ostbörsen-Seminars am 12. November um 17.30 Uhr in Frankfurt/M .

    Hinweis: Melden Sie sich jetzt an das Ostbörsen-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance!“ am 12. November 2008 um 17.30 Uhr in Frankfurt M )Infos und Anmeldung unter www.eaststock.de oder Tel:040/6570883). Melden Sie sich jetzt an! Neben einer Risiko-Chancenanalyse für die Weltbörsen werden dort auch die neuen Chancen an den Ostbörsen ausgelotet. Referenten sind Manfred Kastner (Vorstand von Cat Oil AG), Stefan Laxhuber (Ostinvestor) und Andreas Männicke (ESI GmbH). Infos und Anmeldung unter www.eaststock.de .

  • Vorsicht: Staatsbankrott!

    Freitag, 31. Oktober 2008 20:04:00

    Vorsicht: Staatsbankrott!

    von Andreas Männicke (Chefredakteur des EAST STOCK TRENDS, www.andreas-maennicke.de )

    +++Ungarn und Ukraine erhalten IWF- und Weltbank-Kredite+++Wie im Kleinen so im Großen?+++Defaultgefahren bei Unternehmensanleihen+++Währungsturbulenzen nehmen zu+++Weltweiter „Linksrutsch“ macht nachdenklich+++Erholungs-Rallye an der Moskauer Börse nur „Strohfeuer“+++

    Ungarn erhielt in der letzten Woche einen IWF- und Weltbank-Kredit in der Höhe von 25 Mrd. USD und die Ukraine in der Höhe von 16,5 Mrd. USD. Schon das Volumen macht deutlich, wie sehr es im Finanzsektor bei einzelnen Ländern mit hohen Schulden brennt. Auch Pakistan wird nur durch einen IWF-Kredit vor dem sonst zwangsläufigen Staatsbankrott gerettet werden können. Alle Länder, die eine zu hohe Verschuldung und Leistungs- sowie Haushaltsbilanzdefizite aufweisen, kommen jetzt in schwere Schieflagen, wo nur noch der IWF oder die Weltbank retten kann. Auch bei einer Reihe von Unternehmensanleihen in Emerging Marktes und Industrieländern gibt es Defaultgefahren. Der Anleger sollte sich der Gefahren bewusst sein und ihnen offen ins Auge schauen. Wie haben es mit einer anormalen Situation zu tun, die mit Nichts in der Nachkriegeszeit vergleichbar ist. DABEI STEHT UNS DER ULATIMATIVE STRESSTEST NOCH ALLEN BEVOR!

    In Ungarn wird ein Minuswachstum von 1% erwartet. Ungarn legte sich zwar schon in den letzten Jahren einen Sparplan auf, der aber auch die hohe Verschuldung nicht zurückführen konnte. Alle klugen Köpfe der Welt sollten sich rechtzeitig darüber Gedanken machen, was passiert, wenn die USA oder einige europäische Länder überraschend den Staatsbankrott anmelden müssen. Der einzige Ausweg dürfte dann nur eine Währungsreform sein. Jeder weiß schon jetzt, dass die amerikanischen Anleihen (und wohl auch nicht die Konsumentenschulden) nicht zurückbezahlbar sind. Die US-Staatsverschuldung hat sich schon auf 10 Billionen angehäuft und die Schuldenuhr tickt unaufhörlich jeden Tag um 1-2 Mrd. USD – wie eine Zeitbombe! Unter Einbeziehung von Pensionsverpflichtungen und Kosten des Sozialsystems beträgt die Verschuldung in den USA weit über 300% des BSP. Die meisten Analysten, Politiker und Wissenschaftler wissen das genau, halten aber dennoch einen Staatsbankrott von großen Industrienationen für unmöglich – bis die Zeit sie einholt. Was im Kleinen mit Island, Ungarn, Ukraine passieren kann, kann theoretisch auch im Großen passieren. Machen Sie sich mal darüber Gedanken, Herr Steinbrück, Paulson & Co., wer in Zukunft die Staatsfinanzen der USA retten soll?

    So mancher Anleger, Analyst und Journalist hat die Immobiliekrise in den USA zwar kommen gesehen, aber keiner hat sich so recht rechtzeitig Gedanken gemacht, was passiert, wenn die damit verbundenen Risiken (und Folgewirkungen) über den ganzen Globus schlagend werden. Ich hoffe nur, dass de Politiker, Banker, Wirtschaftskapitäne und Wissenschaftler sich rechtzeitig darüber Gedanken machen, wie die Nachfolgegeneration das Problem der weltweit Verschuldung lösen kann ohne eine Panik - wie wir sie jetzt erleben - geradezu zu provozieren. Wenn die USA die Finger heben, ist es zu Spät zum Handeln. Dann sind die Gläubiger (China, Japan, Saudi-Arabien etc) am Zug und können „zwangsvollstrecken“ mit ungeahnten geopolitischen Auswirkungen.

    Jetzt werden in aller Hektik zähneknirschend weltweit Konjunkturprogramme, die eigentlich keiner haben will, geschnürt, um eine Rezession oder gar Depression im eigenen Land zu verhindern. Andere Politiker fordern wiederum Steuersenkungen, um eine Rezession zu verhindern. Aber auch das bedeutet eine Erhöhung der Haushaltsbilanzdefizite in 2009. Die EU überlegt schon die Maastrich-Kriterien vorübergehend außer Kraft zu setzen und ein Haushaltsbilanzdefizit von über 3% des BSP zuzulassen. In Europa könnten demnächst die Staatsverschuldung zum BSP auf 70% und die Konsumentenverschuldung zum BSP auf 80% ansteigen. Alle gegenwärtigen staatlichen Rettungs- und Konjunkturprogramme sind aber Konzepte, die die Staatsverschuldung weiter blitzschnell in die Höhe treiben werden, was die Nachfolgegeneration dann irgendwann (nur wann?) ausbaden muss. Wer soll das alles bezahlen, wer hat so viel Geld?

    Deutschland will 25 Mrd. € für gezieltes Konjunkturprogramme bereitstellen, Japan feilt an einem Konjunkturprogramm von über 51 Mrd. USD (Staatsverschuldung ist hier schon 180% des BSP) und Frankreich will jetzt sogar einen Staatsfonds gründen, um wenigstens die Schlüsselindustrien zu retten. Die USA benötigen jetzt nach Auffassung des US-Ökonomen Nouriel Roubini, der schon lange den Crash vorausgesagt hat und nun einer der gefragtesten Ökonomen in den USA ist, dringend ein Konjunkturprogramm von 300-400 Mrd. USD zusätzlich zu dem 700 Mrd. Rettungsprogramm für die Banken, um einen Kollaps der US-Wirtschaft zu verhindern. Er glaubt daran, dass sonst eine schwere Rezession, die über 2 Jahre anhalten wird, unausweichlich ist. Einige Experten gehen davon aus, dass die Bankenkrise 3 Jahre anhalten wird.

    Am 31. Oktober betrug das Minus beim BSP zwar nur 0,3% und die Arbeitslosenzahlen waren nicht so stark wie erwartet, worauf auch die Wall Street zunächst positiv reagiert hat. In Deutschland gab es erstmals seit Jahre wieder weniger als 3 Mio. Arbeitslose. Die große Abschwächung und der starke Anstieg der Arbeitslosenzahlen beginnt aber in den USA erst im Oktober 2008 und wird sich voraussichtlich bis Jahresende verstärken. Ob die Konjunkturprogramme eine Rezession verhindern können, ist ungewiss. In jedem Fall kosten sie der Bevölkerung, insbesondere der Nachfolgegeneration viel Geld. Wenn das deutsche Rettungsprogramm im Default endet, woran im Moment keiner denken will, kostet das jedem Staatsbürger 6000 €. Das sind wahrlich keine schönen Weihnachtsgeschenke, die jedem Bürger jetzt zu Weihnachten - zunächst nur als theoretische Größe - aufgebürdet werden.

    Neben der Gefahr des Staatsbankrotts – zunächst nur bei einigen Ländern in Emerging Marktes – gibt es das Risiko der Defaultgefahren bei Unternehmensanleihen im Falle einer Rezession und einer restriktiven Kreditvergabe bei Banken, also einer Kreditklemme. Noch ist dieses Prolongations-Risiko nicht schlagend geworden. Jeder Anleger und Analyst muss aber wissen, dass es vorhanden ist und einkalkuliert werden muss. Gefährdet sind die Anleihen von US-Automobilkonzerne und Konsumunternehmen, wenn der Konsum in 2009 einbrechen sollte. Besonders General Motors hängt am seidenen Faden und will nun mit Chrysler zwangsfusionieren. Auch viele Automobilzulieferbetriebe können Konkurs gehen und der Konsum könnte einbrechen. Überall steigt jetzt weltweit die Sparquote, sogar in den USA, was eine Rezession verschärft, weil der Konsum dann abnimmt. Gefährdet sind im Falle einer Rezession wiederum auch Banken, weil Unternehmens-. und Konsumentenkredite ausfallen. Der eigentliche Teufelskreis könnte also erst in 2009 beginnen. Auch Städte, Gemeinden und Kommunen könnten an den Rnad der Pleite kommen.

    Was jetzt weltweit unternehmensseitig passieren muss, ist ein De-Leveraging und eine Re-Kapitalisierung (zur Not künstlich durch Kapitalspritzen des Staates) also die Zunahme von Eigenkapital und die Abnahme von Fremdkapital. Wer jetzt in Cash ist und auch hohe Cash Flows in Zukunft durch sein Geschäftsmodell erzielt, dürfte enorme Wettbewerbsvorteile haben und auch bei Analysten hoch im Kurs stehen. Zwangskapitalerhöhungen werden die Kurse weiter verwässern. Auch werden die ausländischen Staatsfonds jetzt weltweit willkommene Anleger sein, denn jeder, der sich zu hoch verschuldet hat, braucht im Moment Geld.

    Dieser weltweite De-Leveraging-Prozess findet jetzt nicht nur bei vielen Unternehmen (und Oligarchen!), sondern auch bei Hedgefonds statt, die ihre Assets zur Liquiditätsbeschaffung wegen Margin Calls bei kreditfinanzierten Aktienkäufen weltweit zwangsliquidieren müssen. Auch lösen sich weiter „Carry Grades“ im Mrd-Volumen aufgrund des starken Yen auf. Dies führt in Kombination mit dem Kapitalabzug von Institutionellen zwangsläufig zu Kurseinbrüchen ungeahnten Ausmaßes vor allem bei Emerging Markets und Rohstoffen wie ganz dominant in Moskau in den Monaten September/Oktober. Auch gehen jetzt Versicherungen und Pensionskassen fast komplett aus Risiko-Assets - und dazu zählen auch Aktien - heraus und gehen in Staatsanleihen. Hinzu kommen die Währungsturbulenzen durch die starke Dollarerholung vor allem in den letzten beiden Monaten September/Oktober, die viele Länder zur Stützung der eigenen abwertungsbedrohten Währung zu Zinserhöhungen nötigten, was wiederum die Konjunktur abwürgt. So wurden die Zinsen in Ungarn zuletzt von 8 auf 11% angehoben und in der Ukraine gibt so hohe Zinsen wie lange nicht mehr. Der Rubel wurde seit August um 12% zum Dollar abgewertet. Die Flucht in den Dollar ist zwar wenig verständlich, aber sie findet weltweit statt. Vor allem verkaufen die Amerikaner selbst ihre Assets im Portfolio-Bereich im Ausland, um die Löcher im eigenen Land zu stopfen. Dies führt auch zu einem Kapitalabzug an den Börsen, was den Kursdruck erhöht.

    Auch dies muss der Anleger sehen und verstehen: die Zinssenkung der FED um 0,5% auf 1% wird keine nachhaltige Verbesserung für die finanzielle Situation der Unternehmen bringen, wenn nicht die enorm hohen Spreads bei Eurobonds, Junk-Bonds und allen Unternehmensanleihen sich abbauen. Die Zinsen über den Kapitalmarkt werden immer teurer und nicht billiger. Auch kann es demnächst ein Downgrade-Prozess bei Staatsanleihen sogar in Europa geben, was ebenso die Fremdfinanzierungskosten von Unternehmen enorm belasten wird. Hier stellt sich die Frage des „Verwundbarkeits-Managements“. Auch Versicherungen werden in einem solchen Umfeld schwere Zeiten erleben. In den USA steht die private Altersversorgung auf dem Spiel, in Europa irgendwann auch. Die Bilanzierungserleichterungen schaffen zwar mehr Möglichkeiten zur Bilanzkosmetik, was aber nur vorübergehend Erleichterung verschafft. So sind die 400 Mio. € Gewinn bei der Deutsche Bank Makulatur. Vor einem halben Jahr wäre ein Vorstand noch wegen Bilanzfälschung ins Gefängnis gekommen, wenn er den Abschreibungsbedarf nicht richtig angibt. Jetzt wird der „Wahnsinn“ der Bilanzmanipulation und Bilanzintransparenz legalisiert, was nicht gerade zum Vertrauen für Analysten und Anleger beiträgt. Ich bin gespannt wie hoch die Goodwill-Abschreibungen in 2009 tatsächlich sein werden und was davon offengelegt wird…

    Dass wir weltweit in 2009 starke rezessive Tendenzen in der Wirtschaft bekommen, dürfte allen klar sein. Schauen Sie sich nur den Baltic Dry-Index für Frachtraten raten an, der auf einem 10 Jahrestief ist. Der weltweite Schiffstransport kann aufgrund der Deflation in diesem Sektor zusammenbrechen Der Baltic Dry Index gilt als wichtiger Frühwarnindikator für die Weltwirtschaft, da 80% aller Transporte der Welt über das Schiff erfolgen. Auch Reeder werden in Finanzschwierigkeiten kommen. Die Frage ist nur, wie lange die weltweite Rezession anhalten wird. Werden wir japanische Verhältnisse bekommen? Wie Sie wissen hat der Nikkei-Index im Oktober ein neues Jahrestief gebildet und damit einen über 20-jährigen Bärmarkt bestätigt. Oder werden wir die gleichen Rezessionsmuster haben, wie in den vorherigen USA-Konjunktur-Zyklen, also nur 1-2 Jahre? Am Ende der Rezession werden die Kurse dann schon wieder anfangen zu steigen, da die Börse in die Zukunft schaut. Eine spannende Frage wird es auch sein, wie stark die Konjunkturabschwächung in den Emerging Markets in 2009 sein wird. Ich glaube an eine Halbierung der BSP-Wachstums-Zahlen und in einigen Ländern sogar mit einer leichten Rezession. Noch sind die Emerging Markets nicht groß genug, um einen Gegengewicht für die Industrieländer zu bilden. Vor allem werden Emerging Markets, die überwiegend von Rohstoffexporten leben, im nächsten Jahr harte Zeiten durchmachen. Anleger sollten sich jetzt auf alles einstellen und flexibel bleiben.

    Zwischenzeitlich werden wir immer wieder starke Erholungstendenzen in einem fallenden Trend bekommen, was ein Eldorado für Daytrader, aber ein starke Nervenbelastung für Value-Investoren ist. So erholten sich die Kurse an der Moskauer Börse im Gleichklang mit den Weltbörsen bei einigen Blue Chips in der letzten Woche um 50-100%. Die Sberbank erholte sich zum Beispiel von 80 auf 160 € in wenigen Tagen. Am 2. bis 4. November wird an der Börse wegen Feiertage nicht gehandelt. Am 27. Oktober wurde der Handel an der Moskauer Börse wegen zu starker Verkaufspanik am 24. Oktober mit einem Minus von 13% ausgesetzt. Dann begann eine bemerkenswerte Erholungsrallye um 50% beim RTS. Dennoch ist der RTS mit einem Minus von 47% der Top-Verlierer unter allen Weltbörsen. Der Nikkei barch um 20% und der Dow Jones sowie der DAX um jeweils 14%.. Die letzte Oktoberwoche wird aber auch als eine der am besten performenden Wochen in die Börsengeschichte eingehen, was zeigt wie dicht Leid und Glück an der Börse im Moment beieinander liegen. Die hohe „Vola“ wird uns erhalten bleiben.

    Geübte Trader sollten versuchen, diese großen Erholungschancen kurzfristig bei liquiden Aktien zu nutzen und illiquide Aktien im Moment meiden, weil es hier kaum Exitmöglichkeiten zu vernünftigen Bedingungen gibt. Für den Normalanleger bleibt Cash King, da die Risiken immer noch unkalkulierbar sind und jeder Tag eine neue Hiobsbotschaft kommen kann. Ich habe da insbesondere den möglichen Konkurs von General Motors im Auge, der einen weiteren Crash an den Weltbörsen auslösen würde. Wie gesagt: nichts ist unmöglich…!

    Am 4. November wird in den USA ein neuer Präsident gewählt, wobei Obama nach den Wahlumfragen der Favorit ist. Ein Obama-Sieg bedeutet striktere Finanzmarktregulierung was ich begrüße, viele Marktteilnehmer jedoch nicht! Obama wird jetzt ebenso wie alle Politiker der Welt nicht nur aus Not, sondern auch aus Überzeugung einen „Linksrutsch“ einleiten, der auch als Korrektur oder Überwindung einer Systemkrise verstanden werden kann. Hoffen wir, dass die Börsianer und die Wirtschaft wieder mehr Vertrauen bekommen, denn ohne Vertrauen funktioniert Börse und Wirtschaft nun mal nicht. Und ohne Kapital funktioniert sie auch nicht. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen. Bestellen Sie auch jetzt den kostenlosen Newsletter bei www.andreas-maennicke.de

    Hinweise: Melden Sie sich jetzt an das Ostbörsen-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance!“ am 12. November 2008 um 17.30 Uhr in Frankfurt M. Neben einer Risiko-Chancenanalyse für die Weltbörsen werden dort auch die neuen Chancen an den Ostbörsen ausgelotet. Referenten sind Manfred Kastner (Vorstand von Cat Oil AG), Stefan Laxhuber (Ostinvestor) und Andreas Männicke (ESI GmbH). Infos und Anmeldung unter www.eaststock.de . Am 7. November wird Andreas Männicke in der 3SATBörse um 21.30 Uhr über die Chancen in Russland nach dem Crash befragt werden.

  • Panik pur: Blutbad an den Weltbörsen!

    Samstag, 25. Oktober 2008 17:35:00

    „Oh je, schon wieder ein „schwarzer Freitag!“, wird sich so mancher Bankberater und Anleger am Freitag verzweifelt gesagt haben. „Wie viele „schwarze Freitage“ und „schwarze Montage“ werden wir wohl noch bekommen?“ dürfte jetzt die anschließende Kardinalfrage sein. Die Nerven der Broker und Anleger liegen blank und viele sind schon der Hoffnungslosigkeit nahe, denn keiner weiß, ob dies nun endlich der „finale Ausverkauf“ war oder ob er noch kommt. Um dies zu beantworten, muss man die „Glaskugel“ haben und wissen ob und wann die „Pferde saufen“. Ich erwarte trotz aller weltweiten Rettungsversuche eine Reihe von Banken- und Hedgfondspleiten, was weiter die Kurse drücken wird. Auch erwarte ich eine scharfe Auswirkung auf die Realwirtschaft und Insolvenzgefahren auch im amerikanischen Automobilsektor. Auch rechne mit einer Reihe von weiteren Gewinnwarnungen mit verheerenden Folgen für die Kurse der betreffenden Aktien und wohlmöglich den Gesamtmarkt.

    Dennoch kann nach einer Verkaufspanik auch wieder eine Kaufpanik folgen so wie am 13. Oktober nach der Bekanntgabe der koordinierten Rettungsaktionen der G7 Länder. Dies ist eine Eldorado für geschickte „day trader“, die täglich die Seite wechseln. Value-Investoren werden auf eine Geduldsprobe gestellt, da auch Value-Aktien immer weiter im Kurs einbrechen und noch keinen Boden gefunden haben. Das Signal von Warren Buffet mit dem Einstieg bei Goldman Sachs und General Electric findet weltweit zwar viel Beachtung, aber wenig Nachahmer im Moment, denn es überwiegen immer noch die Zwangsverkäufe von Hedgefonds und kreditfinanzierten Aktienpaketen – auch in Russland!

    Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2008 gibt es jetzt weltweit nur „Schnäppchenkurse“. Die große Frage wird sein, wie weit die Gewinne im nächsten Jahr aufgrund einer globalen Konjunkturverlangsamung vermindert werden und was davon der Markt jetzt schon an zukünftigen Hiobsbotschaften eingepreist hat. Eines dürfte klar sein: die Auftragseingänge deuten klar auf eine Rezession hin, die dann auch eine erhöhte Arbeitslosigkeit zur Folge haben wird, zunächst im Banken- und Automobilsektor, dann möglicherweise aber auch mit einem gewissen time lag im Konsum- und Industriesektor. Die Frage ist auch, ob General Motors und deren Zulieferbetriebe die Absatzkrise überleben kann. Bei Opel stehen jedenfalls die Räder für eine ganze Weile still, was durchaus Symbolwirkung hat.

    Es kann aber auch gut sein, dass der Markt jetzt schon vor lauter Angst zur Übertreibung nach unten neigt. Das Gesamtvolumen der Rettungsprogramme hat weltweit jetzt eine Größenordnung von 2 Billionen USD, die aber nicht sofort wirksam werden. Reicht dies aus, um die Schieflagen im Bankensektor zu kompensieren? Viele Regierungen arbeiten jetzt schon an weiteren Konjunkturprogrammen, damit die Wirtschaft im nächsten Jahr nicht vollends einbricht mit der Folge von Massenarbeitslosigkeit und Deflation. Einige Regierungen arbeiten auch an einer neuen Weltfinanz- und wiederum andere auch an einer neuen Weltwirtschaftsordnung, wobei Sarkozy mit seinen staatslastigen Vorschlägen besonders weit geht. Auch ist immer wieder (hinter der Hand) von einer Währungsreform zu hören. Der Euro ist in den letzten Tagen markant auf 1,28 €/USD eingebrochen. Immerhin sollen sich ab dem 15. November nicht nur die G7-Länder, sondern auch die Schwellenländer auf einem neuem Welt-Krisengipfel regelmäßig treffen, um der Krise Herr zu werden. Die Welt wächst allmählich zusammen, nicht nur im Internet. Hoffentlich macht die Not auch erfinderisch und solidarisch. Wir brauchen jetzt einen solidarischen, grenzenlosen Kapitalismus ohne Vorbehalte, um ein 1929, also eine Weltwirtschaftskrise und -depression mit Massenarbeitslosigkeit zu verhindern. Echte Unternehmer können die Krise bewältigen, künstliche Konjunkturprogramme werden jedoch versanden. Übrigens ist auch Krieg ein künstliches Konjunkturprogramm, das verboten werden sollte! Rüstungsunternehmen haben jedenfalls weiterhin Hochkonjunktur. Nachhaltige Investments unter sozialen, ökologischen und ethischen Gesichtspunkten sollte demnächst hoffentlich auch Hochkonjunktur haben, da sich eine Fehlleitung des Kapitals früher oder später rächen wird..

    Am 4. November wird in den USA entschieden, wer der neue Präsident sein wird, wobei Obama nach den Wahlumfragen führt. Hoffentlich fallen nicht wieder die Computer aus im (angeblichen) Musterland der Demokratie aus, was bei einer Pari-Situation von Bedeutung sein könnte. Auch das ist im Grundsatz schon ein „Richtungswahlkampf“ und der „linke“ Obama dürfte wohl nach einem Wahlsieg einen Paradigmawechsel auch in den USA einleiten. Es fragt sich aber, ob er die großen wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft, vor allem die große Staatsverschuldung, so meistern kann, dass die Hoffnung auf eine Trendwende zum Positiven hin eingeleitet wird. Das Thema „Alternative Energien“ dürfte unter ihm eine Renaissance erfahren (also weiter bei Schwäche Solarunternehmen kaufen). Aufgepasst: Die erneuerbaren Energien könnte der neue Motor für die Bauwirtschaft werden.

    Es ist auch die Frage, welche Impulse die Emerging Markets in dieser Situation für die Weltwirtschaft geben können. Gleichsam muss beobachtet werden, wo akute Defaultgefahren im Anleihenbereich vorherrschen. Wenn Unternehmen keine Anschlussfinanzierung bekommen, können auch solide geführte Unternehmen mit guter Auftragslage in die Insolvenz geraten, was Defaultgefahren für die Anleihen bedeutet. Alle Unternehmen, die zu hohe Kredite aufgenommen haben, werden in Schwierigkeiten kommen und das können auch deutsche mittelständische Betriebe mit vollen Auftragsbüchern sein. Auch russische Unternehmen, die zuvor aufgrund der hohen Rohstoffpreise ohne eigenes Dazutun in gerade „paradiesischen Verhältnissen“ gelebt haben, müssen sich bei stark fallenden Rohstoffpreisen auf die neue Situation der „Kreditklemme“ einstellen.

    Der Analyst muss jetzt mehr denn je die Passivseite und hier vor allen die Möglichkeiten der Anschlussfinanzierung ausloten, um eine Aktienbewertung vorzunehmen. Am Freitag kollabierten die Aktienkurse weltweit auch wegen möglicher Defaultgefahren in den BRIC-Ländern. Auch die Ukraine muss wohl einen IWF-Kredit in Anspruch nehmen, um nicht Defaults melden zu müssen. Bei jedem Default wird es zu einem erneuten Kurseinbruch an der Heimatbörse und möglicherweise nach Größe und Tragweite auch an den Weltbörsen kommen. Kaum einer mag sich vorstellen, dass auch irgendwann einmal die US-Anleihen nicht mehr hinreichend von Japan, China und Saudi-Arabien gekauft werden, was faktisch einen „Default“ bedeuten kann. Die USA sind aber mit fast 10 Billionen USD (ausgeschrieben 10.000.000.000.000!) schon verschuldet. Unter Einbeziehung der Sozialverpflichtungen und Pensionskassen sowie der Konsumentenverschuldung beträgt die Verschuldung über 300% des BSP und das ist höher als 1929! Das US-Gesundheitssystem steht in den USA vor dem Kollaps. Viele Kommunen und Städte werden Konkurs anmelden müssen, wenn es keine Anschlussfinanzierung mehr gibt und die Steuereinnahmen einbrechen. Bei einem Zinssatz von 4% beträgt die Zinslast des Staates jedes Jahr 400 Mrd. USD, bei 5% sogar 500 Mrd. USD. Jede Zinserhöhung treibt die USA früher oder später in den Ruin. Die Schuldenuhr tickt unaufhörlich – wie eine Zeitbombe! Aber auch hier gilt aber der Grundsatz aufgrund des „counterpart risks“: too big to fail! Die einzige Alternative ist mittel- bis langfristig eine Währungsreform.

    Am 25. Oktober brachen die Kurse zunächst in Japan aufgrund einer Reihe von Gewinnwarnungen (wie bei Samsung) ein. Der Nikkei Index fiel um 9,6% auf 7649 Indexpunkte. Damit nähert sich der Nikkei-Index mit großen Schritten dem 10 Jahres-Tief aus dem Jahr 2006 von 7000 Indexpunkten. Volvo gab in Schweden einen Einbruch bei den Auftrageingängen bekannt, was die Aktie um 20% einbrechen lies. Die panikartigen Kettenreaktionen gingen wieder mit voller Wucht rund um den Globus.

    Der DAX verlor am 25. Oktober zwischenzeitlich um 11% an Wert, erholte sich dann aber wieder, so dass „nur“ ein Minus von 4,92% bei 4295,67 Indexpunkten heruaskam. Nachdem die 4500-Marke nicht halten konnte, schwinden die Hoffnungen auf eine baldige Bodenbildung. Bei 4000 Indexpunkten gibt es eine Unterstützung auf dem Jahr 2004. Das bedeutet aber auch, dass die Aktien auf das Niveau von 2004 fallen können. Falls der DAX unter 4000 Indexpunkte fallen sollte, gibt es eine weitere Tsunami-Welle und damit auch wahrscheinlich einen weiteren „schwarzen Freitag oder Montag“. Einige Aktien wie Automobil- und Bankaktien befinden sich schon auf dem Niveau von 2002/2003. Wie zu erwarten war, ist die Bayerische Landsbank die bisher erste und einzige Bank, die mit einem 6 Mrd. €-Kredit das Rettungsprogramm der Regierung in Anspruch nahm. Neben Subprime- und Lehman Brothers-Anleihen kamen nun Island-Anleihen im Volumen von 1,6 Mrd. € an „Abschreibungsobjekten“ hinzu. Hier hat auch die staatliche Aufsicht und die Landesregierung versagt, die nun auch das Finanzdebakel ausbaden muss. Auch Sparkassen müssen nun im Fall von Lehman Brothers-Zertifikaten für einen Ausgleich sorgen. Es droht eine neue Klagewelle von Privatinvestoren, die nun mit einem Totalverlust bei Lehman Brothers-Anlage rechnen müssen. Sogar die deutsche Rentenkasse hat sich mit 44 Mio. € mit Lehmann Brothers-Anleihen gründlich verzockt.

    Es gab Gerüchte, dass die Wall Street am Freitag geschlossen wird, was aber dann unterblieb. Es gab auch Gerüchte, dass General Motors doch in diesem Jahr Chapter 11 anmelden muss, was ich für durchaus für realistisch und auch für die beste Lösung für GM halte. Allerdings steckt hinter GM ein Anleihenvolumen von 300 Mrd. USD; zudem würde dann die Arbeitslosigkeit in den USA sprunghaft ansteigen. Mit einer höheren Arbeitslosenquote ist nun weltweit zu rechnen. Die nächsten Frühindikatoren (Auftragseingänge, Einzelhandelsumsätze, Arbeitslosenzahlen, Verbrauchervertrauen etc) werden alle schwach ausfallen. Am Mittwoch wird eine Senkung des US-Zinssatzes furch die FED auf 1% erwartet, womit wir allmählich japanische Verhältnisse bekommen. Japan befindet sich aber seit fast 20 Jahren in einer Baisse, wobei hier das demographische Problem der Überalterung immer schwerer ins Gewicht fällt neben der Staatsverschuldung von 180% des BSP. Wird jetzt die USA in eine ähnliche Situation kommen? Immerhin ist die USA durch Migration wesentlich jünger, dafür aber im Konsumsektor auch um ein Vielfaches höher verschuldet, denn Japan hat im Gegensatz zu den USA eine sehr hohe Sparquote. Zudem kommen am Donnerstag die US-BSP-Zahlen für das 3. Quartal 2008, was ein weiterer Hinweis auf eine US-Rezession werden könnte oder umgekehrt ein Hinweis, dass der Konjunktureinbruch doch nicht so groß ist wie zuvor befürchtet. Je nachdem werden die Weltbörsen sehr volatil nach unten oder oben reagieren.

    Der Dow Jones Industrial Index brach zunächst in den ersten Minuten um 5% ein, fing sich dann aber wieder, so dass das „Minus“ zum Handelsende „nur“ noch 3,53% bzw. betrug. Der Dow Jones schloss mit 317 Indexpunkten im Minus bei 8373 Indexpunkten. Da das Tief im Oktober bei etwa 7600 Indexpunkte lag, hat der Dow Jones anders als der Nikkei und DAX noch kein neues Jahrestief erreicht. Die USA muss aber aufpassen, dass sie nach der Subprimkrise nicht nun eine Konsumentenkreditkrise und Massenarbeitslosigkeit hineingleitet. Es wird jetzt sehr darauf ankommen, wie stark der Wirtschaftsabschwung weltweit sein wird und wie stark sich die Finanzkrise auf die Realwirtschaft auswirkt. Erste Ergebnisse wird es diesbezüglich bei den BSP-Zahlen am kommenden Donnerstag geben. Es fällt jetzt aber schwer, Gewinnschätzungen für das nächste Jahr zu machen. Jeder Analyst tappt im Dunkeln, da auch Vorstände im Moment keine Aussage über zukünftige Ergebnisse machen können. Zu beachten sich auch die hohen Goodwill-Abschreibungen, die im nächsten Jahr zu Buche schlagen – bei DAX-Unternehmen alleine im Volumen von 150 Mrd. €! Es herrscht also weiter lange Zeit Unsicherheit, was bei jeder Bestätigung des fallenden Trends zu weiter fallenden Kursen führen kann.

    Auch Gold bietet in diesem Krisenzeiten keinen hinreichenden Schutz : der Goldpreis fiel am Freitag bis 11.00 Uhr sogar auf 680 USD/Unze, um sich dann in wenigen Stunden um 50 USD/Unze wieder auf 730 USD/Unze intraday zu erholen. Auch dies ist ein Eldorado für day trader, aber unter Investmentgesichtspunkten für Goldanhänger eher enttäuschend. Gold war in diesem Jahr trotz aller denkbarer Krisen nicht besser als ein Sparbuch! Der relativ schwache Goldpreis ist auch eine Folge des starken US-Dollars und der Zwangsliquidierungen bei Hedgefonds. Auch dies hatte ich immer wieder vorher betont. Allerdings befindet sich der Goldpreis in vielen Währungen auf neuem Höchststand wie auf Basis des australischen Dollars und auch des südafrikanischen Rand oder Pfunds. Auch auf €-Basis hat sich der Goldpreis zumindest halten können. Gold ist aber kein ausreichender Hedge, um Aktienkursverluste zu kompensieren. Da muss der Anleger schon den Mut haben, auch mal short zu gehen, um die Performance zu verbessern. Die meisten Anleger, die (gegen meinen Rat) nach dem Motto „Augen zu und durch!“ Aktien „durchgehalten“ haben, haben jetzt Kursverluste von über 50%, in Russland und Ukraine sogar von über 70% im Durchschnitt zu beklagen.

    Alle Aktien befinden sich jetzt weltweit im freien Fall und viele Experten schütteln mit dem Kopf und fragen sich, was dort vorgeht. „Am besten alle Börsen jetzt schließen, damit Ruhe einkehrt“ ist der resignierende und vielsagende Ausspruch eines Brokers, der nicht genannt werden will. Der Hintergrund dieses Vorschlags sind weiterhin neben schlechten Wirtschaftsnachrichten schwere Schieflagen bei Hedgefonds, wo immer mehr Gelder abgezogen werden. In diesem Jahr wurden bei Hedgefonds 230 Mrd. USD schon abgezogen, was ein Minus von 11% der Anlagevolumina bedeutet. Die Hedgefonds sind dann genötigt, unlimitiert zu verkaufen. Das Gleiche trifft für Investmentfonds zu, wo Gelder abgezogen und auf das Sparbuch gebracht werden. Zudem kommen Zwangsliquidierungen durch kreditfinanzierte Aktienkäufe zu Stande. Die Stopp-loss-Order erhöhen zusätzlich nach und nach den Kursdruck.

    Den größten Kursverlust gab es am „schwarzen Freitag“ wieder an der Moskauer Börse. Der RTS1-Index brach um 13,68% auf 549,43 Indexpunkte ein, während der RTS2-Index nur 3,73% an Wert verlor und bei 770 Indexpunkten schloss. Vor allem Öl-, Stahl- und Bankaktien brachen um bis 20% an einem Tag ein, wobei neben Hedgefonds auch Oligarchen ganze Aktienpakte auf den Markt schmeißen, um sich Liquidität zu beschaffen. Es ist unklar, wie lange diese Zwangsexekutionen noch anhalten. Eine Gazprom fiel sogar erstmals in diesem Jahr unter 10 € und befindet sich mit dem Minus von 17% am Freitag wieder auf dem Niveau aus dem Jahr 2004. Dabei werden bei Gazprom auch in diesem Jahr neue Rekordgewinne erwartet. Gleichsam fiel der Öl-Blue Chip Lukoil am Freitag um 20% auf unter 20 €, was fundamental trotz einer Halbierung der Ölpreise nicht gerechtfertigt ist. Auch dies sind irrationale Übertreibungen – diesmal nach unten!

    Es mehren sich jetzt aber auch Gerüchte, das auch Unternehmensanleihen in Russland „default“ gehen könne. Dem Mobilfunkunternehmen Vimpel Com. gelang es mit Mühe und Not, sich einen 600 Mio. USD-Kredit zu beschaffen. Der Konkurrent MTS konnte ein Rubelbond platzieren. AFK Sistema kam auch in Liquiditätsschwierigkeiten und hat weitere M&A-Aktivitäten zurückgestellt. Der Aktienkurs von 2 € ist aber Witz. Viele notwendige Großinvestitionen werden jetzt zurückgestellt. Zudem befindet sich der Ölpreis weiter im freien Fall. Der Brentölpreis fiel am „schwarzen Freitag“ um 5,58% auf 64,76 USD/Barrel. Damit kommen jetzt auch hochverschuldete russische Ölwerte in Schwierigkeiten, da die Öleinahmen weg brechen und die hohen Schulden bleiben.

    Russland befindet sich auch vor einer Bankenkonsolidierung: aus über 1000 Banken sollen nur noch 150 Banken durch Merger werden. Auch dies könnte zu weiteren Verwerfungen und Irritationen führen. Die meisten Aktienrückkaufprogramme von russischen Unternehmen wurden rückgängig gemacht

    Jetzt wird aber weltweit nicht nur einen Weltwirtschaftsrezession, sondern allmählich auch eine Weltwirtschaftsdepression eingepreist. Nachdem ich das ganze Jahr über sehr skeptisch war und im Grunde auch einen Crash im September/Oktober erwartet habe, werde ich jetzt allmählich wieder etwas mutiger. Allerdings sollte der Anleger nie versuchen, das fallende Messer aufzufangen. Immerhin hatte ich schon seit Mai/Juni dieses Jahres im EAST STOCK TRENDS geraten, auch an den Ostbörsen in Cash zu gehen, was sich jetzt auch als richtig herausgestellt hat, denn nur wer Cash hat, ist „King“ und hat nun die „freie Auswahl“. Ich bleibe aber bei der Vorsichtsstrategie, weiterhin nur mit tief gestaffelten Abstauberlimits zu kaufen, um einen guten Durchschnittskurs zu bekommen. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen. Bestellen Sie auch jetzt den kostenlosen Newsletter bei www.andreas-maennicke.de

    Hinweise: Melden Sie sich jetzt an das Ostbörsen-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance!“ am 12. November 2008 um 17.30 Uhr in Frankfurt M. Neben einer Risiko-Chancenanalyse für die Weltbörsen werden dort auch die neuen Chancen an den Ostbörsen ausgelotet. Referenten sind Manfred Kastner (Vorstand von Cat Oil AG), Stefan Laxhuber (Ostinvestor) und Andreas Männicke (ESI GmbH). Infos und Anmeldung unter www.eaststock.de . Am 7. November wird Andreas Männicke in der 3SATBörse um 21.30 Uhr über die Chancen in Russland nach dem Crash befragt werden.

  • „Margin Call“ für Oligarchen und Hedgefonds!

    Sonntag, 19. Oktober 2008 13:53:00

    +++Crash an der Moskauer Börse durch Zwangsverkäufe und Ölpreisverfall+++Rettungsprogramme werfen Fragen auf+++Währungsreform in Sicht?+++Schweiz kommt ins Gerede+++schwere Schieflagen bei UBS und ING++

    Am 16. und 17. Oktober wurde im parlamentarischen Schnellverfahren in 5 Tagen das Rettungsprogramm im Volumen von 500 Mrd. € per Gesetz manifestiert, womit Deutschland schon wesentlich weiter und schneller ist als die USA mit dem 700 Mrd. USD Rettungspaket. In Deutschland handelt es sich allerdings überwiegend um Staatsbürgschaften mit einem Volumen von 400 Mrd. €, während die Amerikaner jetzt Ramschanleihen über den Staat aufkaufen wollen. Im „worst case“ würde der Steuerzahler in Deutschland pro Person mit 6000 € belastet werden.

    Auch andere Länder in Europa und außer von Europa entwickeln jetzt ähnliche Staatsprogramme, um ihr Bankensystem zu retten. Sogar die Schweiz stellet der UBS 3,9 Mrd. € zur Verfügung, damit diese ihren Kreditverpflichtungen nachkommen kann. Jetzt beginnt die spannende Frage, welche Banken in Europa Staatskrediten Anspruch nehmen. Einer der ersten Kandidaten soll die ING Bank, die 20 Mrd. € von der niederländischen Regierung bekommen soll. Alle Banken, die zuvor kreditfinanziert ein „zu großes Rad gedreht“ haben, werden nun Probleme bekommen und wohlmöglich teilverstaatlicht werden.

    Es gibt auch große Sorge, dass nach dem Staatsbankrott von Island auch andere kleine Länder, wo Banken dominieren, den Staatsbankrott anmelden müssen. So kommt jetzt auch die Schweiz ins Gerede, wo bei 7 Mio. Einwohnern ein Bankeinlagenvolumen von 3,5 Billionen SFR aufgebaut werden konnte, wobei das meiste Geld aus dem Ausland kam. In der Schweiz sollen sich angeblich ein Drittel aller Vermögen der Welt befinden. Amerikanische und russische Geheimdienste ermitteln nun, wie sie an diese Pfründe herankommen können, da die Staatsfinanzen im eigenen Land knapp werden. Alleine aus Russland werden über 100 Mrd. € an nicht versteuertem Fluchtkapital, das in der Schweiz und in Liechtenstein geparkt wird, seitens der russischen Regierung vermutet Die Schweiz hat nun die UBS mit einem Notkredit von 6 Mrd. SFr vor dem Kollaps gerettet. Aber auch die Credit Suisse steht auf wackligen Beinen. Bei der Credit Suisse musste schon der Staatsfonds von Katar mit einem 10 Mrd. aushelfen, was wohl aber nicht ausreicht. Andere Schweizer Banken sollen aber gesund sein. Aus der Schweiz und Liechtenstein wurde umgekehrt erhebliche Gelder aus der Ukraine und Russland abgezogen, was den Crash an den Börsen Kiew und Moskau einleitet bzw verstärkte. Daher war die Kursverluste in der Ukraine und Russland in den letzten Monatenn die höchsten auf der Welt. Man darf gespannt sein, wo jetzt das viele Geld hinwandert und wo es wieder reinvestiert wird.

    Der UBS laufen in jedem Fall die Großkunden weg. Alleine im 3. Quartal wurden Gelder im Volumen von 84 Mrd. SFr abgezogen. UBS ist aber immer noch der größte Vermögensverwalter der Welt. Trotz hoher Verluste zahlte die UBS ihren Top-Managern 10 Mrd. Franken an Boni wegen „guter Leistungen“ aus. Ein Skandal – ähnlich wie bei AIG und Lehman Brothers In den USA sollen nach den Angaben der britischen Zeitung „The Guardian“ in diesem Jahr noch fast 70 Mrd. USD an Boni im US-Bankensystem ausgezahlt, obwohl die Banken enorme Verluste machen - davon 11,4 Mrd. USD bei Goldmanns Sachs, 6,5 Mrd. USD bei JP Morgan, 3,5 Mrd. USD bei Merrill Lynch uns selbst für Lehman Brothers wurden 6,1 Mrd. USD für Boni reserviert. Wenn die „Pferde jetzt nicht saufen“, wird ein neues Welt-Finanz-system entstehen und wohlmöglich ein Welt-Konjunktur-Programm zur Vermeidung einer Weltwirtschafts-Rezession folgen. Schon gleich nach der US-Präsidentschaftswahlen sollen neue Welt-Gipfel mit den Schwelleländern im Boot in den USA stattfinden, um eine Weltwirtschafts-Rezession zu verhindern. Die größte Herausforderung für die USA wird die Bewältigung der kommenden Konsumentenkreditkrise werden,.

    Die USA will jetzt auch 250 Mrd. USD für die Teilverstaatlichung von Banken zur Verfügung stellen und damit den britischen Weg einschlagen. In Großbritannien wurde drei Großbanken, darunter auch die Royal Bank of Scotland (RBS) teilverstaatlicht. Der Staat hält dort nun 60% an Vorzugsaktien und die RBS erhielt über 60 Mrd. € als Kapitalspritze. Nun drohen auch einigen deutschen Banken die Teilverstaatlichung und damit mehr staatliche Kontrolle. Dabei waren es Deutschland gerade die unter staatlichem Einfluss stehenden Banken wie die Landesbanken und IKB, die Mrd-Verluste und fast eine Insolvenz hinnehmen mussten. Einer der ersten Kandidaten wird wohl die Hypo Real Estate werden und dann werden sich die deutschen Landesbanken (also der Staat!) an dem Staatskreditprogramm beteiligen. Das waren aber auch schon vorher die Pleitekandidaten, die jetzt künstlich am Leben erhalten werden.

    Ob alles diese Maßnahmen ausreichen, um nun wieder den seit der Insolvenz von Lehman Brothers ausgetrockneten Interbankenmarkt wieder zu beleben wird, bliebt abzuwarten. Auch die Diskussion um Boni zeigt schon Wirkungen. So verrichtete der Deutsche Bank Chef Josef Ackerman in diesem Jahr auf seine Boni, die 80% seines Gehaltes ausmachen. Er will das Geld verdienten Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Ackermann war einer derjenigen „Experten“ (und Berater von Angela Merkel), der die Finanzkrise schon im Frühjahr für beendet erklärte. Ich war schon damals einer ganz anderen Auffassung wie Sie im Newsletter EAST STOCK TRENDS und meinen Kolumnen nachlesen können. Ich hatte rechtzeitig vor einem möglich Crash an den Weltbörsen im September/Oktober schon vor Monaten gewarnt und empfohlen vorsichtshalber auch an den Ostbörsen in Cash zu gehen, was sich im Nachhinein als richtig herausgestellt hatte. Ich glaube nach wie vor, dass die Situation mit dem Rettungsprogrammen noch nicht bereinigt ist und dass die Situation weit schlimmer ist, als die meisten zu erkennen geben. Man denke nur an die Goodwill-Abschreibungen im Volumen von 150 Mrd. € für deutsche Unternehmen, die im nächsten Jahr die Bilanzen belasten werden.

    Nun drohen Bankmanagern, die das Geld vom Staat in Anspruch nehmen, Gehälter von nur noch 500.000 € neben einer verstärkten Staatsaufsicht. Die Verstaatlichungswelle im Bankensektor dürfte damit weltweit weitergehen, wobei die Initiatoren auf den Erfolg des schwedischen Modells in den 90-er Jahre hoffen. Damals kamen der Staat und damit der Steuerzahler mit einer schwarzen Null heraus. Wenn es aber zu einer zu starken Beanspruchung der Steuerzahler kommen sollte und die Weltwirtschaft zu stark in die Rezession gleiten sollte, droht sogar eine Währungsreform. Die Bretton Woods-Experten bereiten schon einen Entwurf vor. So gibt es schon jetzt verschieden Konzepte, die de facto auf eine Währungsreform hinauslaufen. In jedem Fall soll der Währungshüter IWF in Zukunft mehr Macht und Kontrollfunktionen bekommen, An den Weltbörsen wurden in der letzten Woche neben dem Rettungsprogramm auch das Thema Rezession in 2008 eingepreist. Bei sehr hoher Volatilität und Kurseinbrüchen von über 7% am Donnerstag schloss die Wall Street am Freitag mit einem Plus von 4% im Wochenverlauf, obwohl die Kurs am Freitag selbst mit 1,41% ins Minus gerieten. Am vergangen Montag kam es nach dem US- und EU-Rettungsprogramm zu einem Kursanstieg im zweistelligen Prozentbereich. Die Nerven bei den Bankmanagern und Anlegern werden auf eine große Belastungsprobe gestellt, da mit den jetzt beschlossenen Rettungsprogrammen der Super-Gau noch nicht gänzlich vermieden ist.

    Am Freitag fiel der Dow Jones allerdings unter großen Kurschwankungen um 1,41% auf 8852 Indexpunkte während der DAX mit einem Plus von 3,43 % bei 4781 Indexpunkten schloss. Am Vortag brach der Dow Jones über 7% bzw. 700 Indexpunkte ein, was einen Wertverlust von über 1 Billion USD bedeutet. Noch stärker waren die Kursschwankungen in der letzten Woche an der Moskauer Börse, die sich weiterhin im freien Fall befindet. Der RTS-Index brach am 16.Oktober noch einmal um 6,48% auf 667,62 Indexpunkte. Dabei zählte die Moskauer Börse im Mai mit einem Plus von 5% noch zu den Top-Perfomern unter den Weltbörsen. Im Mai befand sich der RTS noch über 2400 Indexpunkte. Seit Mai fielen die Kurse in Moskau um über 70%! Der Wertverlust betrug damit fast 1 Billion USD Dollar, was fast soviel wie das russische BSP ist. An der NYSE betrug der Kursverlust am 15. Oktober sogar über 1 Billion USD an einem Tag.

    Der beiden Hauptgründe für den dramatischen Kursverfall vor allem in den letzten Wochen waren die Halbierung des Ölpreises von über 150 auf nunmehr 72/USD/Barrel und der „Margin Call“ (Nachschusspflicht) für viele Oligarchen und Hedgefonds, die russische Aktien zur Besicherung für Kreditaufnahmen im Mrd-Volumen hergeben haben. Die OPEC will am 24. Oktober nach dem dramatischen Kursverfall des Ölpreises nun um Verminderung der Ölfördermengen um ein Million Barrel pro Tag beraten.

    Noch wichtiger für die russischen Aktien sind aber die Margin Calls bei Hedgfonds und russischen Großaktionären. Nachdem die Kurse von besicherten Blue Chips unter die Beleihungsgrenzen fielen, warfen Banken und Hedegfonds ohne Rücksicht auf den Kurs ganze Aktienpakete auf den Markt, was nach und nach den Kursdruck erhöhte. Zudem gab es kaum einen, der den Mut hatte, das Material aufgrund der Unsicherheit im Finanzmarkt aufzunehmen. Auf diese Weise verloren russische Oligarchen in der Summe über 230 Mrd. USD. Einige russische Oligaechen wie Oleg Deripaska gerieten in arge Zahlungsnöte, da der Kauf von Anteilen mit durch Aktien besicherten Krediten erworben wurde.

    So erwarb Deripaska bzw. sein Aluminiumkonzern RuSal für einen 25%gen Anteil an Norilsk Nickel einen Kredit in Höhe von 4,6 Mrd. USD. Ebenso benötigte die Alfa Group (Altimo) ein Kredit von 2 Mrd. USD von der Deutschen Bank AG, um den Anteil an dem Mobilfunkunternehmen Vimpel Com auf 44% zu erhöhen. Nun haben die Kreditgeber das Recht, die Aktien über den Markt zu verkaufen, falls die Differenz bis zur Beleihungsgrenze nicht in Cash bezahlt wird. Aber auch Oligarchen haben in der Regel nicht einige Mrd. USD flüssig auf dem Konto. Daher musste Deripaska notgedrungen schon seinen Anteil, an dem Automobilzulieferer Magna verkaufen. Den Anteil Strabag SE soll er aber noch haben.

    Vor einigen Wochen kündigten russische Oligarchen bzw das Management der jeweiligen Untenehmen großangelegte Aktienrückkaufprogramme an, um den Kurssturz aufzuhalten. Nachdem die Aktien aber um weiter 20-30% im Oktober einbrachen, wurden die Aktienrückkaufprogramme aber nach und nach rückgängig gemacht, weil die Aktienkurse jetzt weit tiefer sind als bei Bekanntgabe vor einigen Wochen. So will der Großaktionär Prohkororv auch gegen das Aktienrückkaufprogramm von Norislk Nickel klagen, da bei Durchführung des Aktienrückkaufprogramms im Volumen von 2 Mrd. USD Insolvenzgefahr besteht. Norilsk Nickel hat den Aktionären angeboten, Aktien zum Kurs von 616 Rubel bzw. 17,6 € pro ADR zurückzukaufen, wobei der Aktienkurs zur Zeit bei 5,4 € liegt.

    Der Oligarch Prokhorov beteiligte sich zuvor mit 500 Mio. USD an dem größten russischen Invstmentbank Renaissance Capital. Vor 6 Monaten wurde der Wert dieses 50%-igen Anteils noch auf 5 Mrd. USD geschätzt. Ich vermute, dass nun das große Broker- und Bankensterben in Russland beginnt. Um eine „Bankenrun“ zu vermeiden, wird wohl die Sberbank und die VTB Bank eine Reihe von Banken und Brokern übernehmen, wobei der wahre Gewinner des Verteilungskampfes der Kreml sein wird. Der Staat holt sich damit das sehr günstig zurück, was unter der Jelzin-Zeit unkontrolliert unter Oligarchen aufgeteilt wurde.

    Zudem will der Präsident Medwedew Untersuchungen zur Korruptionsbekämpfung einleiten und dabei feststellen, wie russische Beamte zu Traumvillen in Südfrankreich und Südspanien gekommen sind. Die Säuberungs- und Konsolidierungswelle könnte zwischenzeitlich zu weiteren Irritationen am Aktienmarkt führen, ist mittelfristig aber zu begrüßen. Die meisten der über 1000 Banken sind aufgrund der zu geringen Eigenkapitalausstattung ohnehin nicht nach westlichen Maßstäben überlebensfähig und die Milliarden aus dem Ölsektor versiegen allmählich.

    Schon jetzt gibt es ein ganze Reihe von unterbewerteten russischen Aktien, die aber erst dann wieder nachhaltig steigen werden, wenn die „Margin Calls“ für Oligarchen und Hedgefonds aufhören und zudem die Weltbörsen die wahrscheinliche Rezession in 2009 eingepreist haben und nicht weiter so dramatisch fallen wie in den letzten beiden Monaten. Das Erholungspotential ist bei einem KGV von 3-4 enorm, wobei jetzt KGV nicht mehr die Bedeutung wie zuvor haben. Wichtiger ist der Verschuldungsrad und die Cash Flow-Situation des Unternehmens. Zudem sollte der Analyst und Anleger jetzt darauf achten, welche Aktienpakte von Großaktionären zu welchen Konditionen besichert sind. Die Transparenz ist darüber sehr gering. Daher handelt es sich auch bei Aktienkäufen im Moment noch um eine unkalkulierbare „Black Box“. Auch ist noch nicht klar, welche Folgewirkungen die Finanzkrise auf die Realwirtschaft haben wird. Hierauf sollten Anleger und Analysten jetzt den Blick werfen, um nicht wieder auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Wer zu früh versucht, dass fallende Messer aufzufangen, schneidet sich in den Finger. Wenn der Dow Jones unter 8500 Index fallen sollte, werden auch die anderen Weltbörsen die Talfahrt fortsetzten. Bei unter 8000 Indexpunkten droht sogar eine weitere Tsunami-Welle. Beim DAX muss zunächst die 4500-er Marke halten. Unter 4300 Indexpunkte dürfte es auch beim DAX eine weitere Tsunami-Welle geben. Es ist also noch unklar, ob das schon die letzte Kapitulationsphase war oder ob wir diese noch vor uns haben. Es wird jetzt zunächst alles davon abhängen, ob und wann die „Pferde saufen“ wollen. Daher bleibt Cash King!

    Mutige Anleger gehen dennoch mit 10-20% des Geldes schon jetzt im Trading-Bereich auf „Schnäppchenjagd“ und daher mit gestaffelten Abstauberlimits in den Markt und eifern Warren Buffet nach, dessen Leitspruch ist: „Verkaufe, wenn die Gier überwiegt und werde gierig, wenn die Angst überwiegt!“ Daher ist mein Motto auch bei meinem Ostbörsen-Seminar „Go East“ am 12. November 2008 um 17.30 Uhr in Frankfurt M. „In der Krise liegt die Chance“. Bis dahin dürfte aber noch einiges passieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen. Bestellen Sie auch jetzt den kostenlosen Newsletter bei www.andreas-maennicke.de

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