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Interview-Hinweise:

Andreas Männicke hat ein Interview am 23. Dezember 2011 über die dt-russichen Wirtschaftsbeziehungen und am 28. Dezember über die Aussichten der Moskauer Börse für die Deutsche Welle (Russland) gegeben. Die Interviews sind auf russisch. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik "Interviews" runterladen,

Andreas Männicke wurde am 21. Dezember 2011 um 13.15 in NTV/Telebörse(www.teleboerse.de) von Annette Eimermacher über die Investmentchancen in Russland im nächsten Jahr befragt. Sie können das Interview jetzt unter www.eaststock.de, dort unter "Interview" abrufen.

Andreas Männicke wurde am 23. November 2011 im DAF von Dr. Bernhard Jünemann gefragt, ob die Euro-Verschuldungs-Krise auch auf Osteuropa überschwappen könnte. Männicke machte dabei einen überraschenden Lösungsvorschlag: Der Euro sollte mit dem Rubel mergen!

Andreas Männicke wurde am 1. November 2011 vom Börsen Radio Network über den Einfluss der Europa-Politik auf die osteuropäischen Aktienmärkte befragt. Im Teil 2 des Interviews analysiert er die osteuropäishcen Märkte differenziert vor den Hintergrund der aktuellen EU-Entscheidungen.

Andreas Männicke wurde am 29. September 2011 von Brigitte Bauer im DAF (www.anleger-fernsehen.de) über die Chancen des russischen Aktienmarktes nach den Panikverkäufen im August/September befragt. Dabei wurden auch einige chancenreiche russische Aktien besprochen.

Andreas Männicke wurde am 27. September 2011 von der Deutschen Welle über die Auswirkungen der neuen Kandidatur von Putin als Präsidenten für die Börse und Wirtschaft befragt (auf russisch).

Andreas Männicke wurde am 26. September 2011 auch von der Deutsche Welle über die Hintergründe der starken Rubelabwertung im September 2011 befragt und auch wie es mit dem Rubel weitergehen wird (auf russisch).

Andreas Männicke wurde in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) am 26. September über die Rochade Putin/Medwedew befragt.

Andreas Männicke wurde am 26. September 2011 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) über die russische Rochade Putin/Medwedew und die Aussichten der Moskauer Börse nach den Panikverkäufen befragt.

Die neuen Interviews sind jetzt abrufbar unter www.eaststock.de, dort unter Interviews.

Sie können sich die TV- und Radio-Interview, falls Sie sie verpasst haben sollten, jetzt unter www.eaststock.de bei der Rubrik "Interviews" runterladen.

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IZudem können Sie sich alle bisherigen TV-Inteviews von Andreas Männicke in diesem Jahr runterladen unter den Links der Rubrik "Interviews".

  • Jetzt hilft nur noch beten!

    Samstag, 24. September 2011 12:46:00

    „Halleluja, was war das wieder für eine Panik-Woche!“. Der Papst sprach zum ersten Mal im Bundestag – wohlgemerkt als Vertreter des Vatikanstaates, nicht als Kirchenoberhaupt. Kann man das überhaupt trennen? Welche Botschaft ist jetzt – nicht nur im Bundestag - zeitgemäß? Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat im Bundestag über Recht, Vernunft und Ökologie gesprochen. Sicherlich wäre es einmal angebracht, sinnvolle und zeitgemäße Werte zu vermitteln, insbesondre im Finanzsektor. Der Papst nahm leider nicht Stellung zu Problemen wie Krieg und Frieden, wie Reichtum und Armut. Er darf also gerne noch einmal kommen.

    Dabei sind Dogmen – auch kirchlich-religiöse Dogmen - nicht zeitgemäß, wohl aber humanitäre und die Menschlichkeit hervorhebende Werte. Auch das Spannungsfeld zwischen christlicher Tradition und Modernen/Fortschritt wäre einige Worte im Bundestag wert gewesen. Der Papst als Institution und als Mensch kann wertvolle Werte und Ethik vermitteln, die man in der Politik und in der Wirtschaft vermisst. Die deutschen Abgeordneten müssen in Zukunft beten, dass es zu keinen Bankenzusammenbrüchen in Europa geben wird und dass es zu keinen Staatspleiten bei südeuropäischen Ländern kommen wird. Die Abgeordneten sollten sich auch Gedanken machen über „Schuld und Sühne“, denn Politiker haben diese enorme Staatsverschuldung zu verantworten. 100 Abgeordnete von den Grünen und Linken waren demonstrativ nicht erschienen, sondern machten bei der Gegen-Demo in Berlin mit.

    Es wurden in der Rede vom Papst die ethischen Grundlagen eines freiheitlichen Rechtsstaates in einem freiheitlichen Europa dargelegt. Kann aber ein Politiker wirklich immer das Gute vom Bösen unterschieden. Konnte dies George Bush beim „heiligen Krieg“ im Irak etwa auch? Offensichtlich nicht. Der Papst sagt zu Recht: Erfolg kann auch Verführung sein. Materieller Erfolg und Machtsterben sollten nicht die Leitlinie eines Politikers sein, sondern Gerechtigkeit. Da hat der Papst recht.

    Auch im Finanzsektor kann man nicht sofort a priori „Gutes vom Bösen“ unterschieden. Es können aber eine wenige Übeltäter, der Papst nennt sie „Räuberbanden“, ganze Volkswirtschaften und damit auch den Grundlagen eines menschenwürdigen Lebens zerstören. Politiker müssen einen Ordnungsrahmen vorgeben, dass es solchen „Räuberbanden“ erschwert, erfolgreich zu sein. Das Gegenteil ist aber im Moment der Fall, da dieser Ordnungsrahmen in Finanz- und Bankensektor fehlt.

    Es fehlen auch die ethischen Grundlagen in der Finanzwirtschaft und in der Politik. Vielleicht ist das die Ursache des Grundübels, in dem wir uns im Moment befinden. Wenn hier der Papst den Abgeordneten ins Gewissen redet, hat das seine Berechtigung, wobei die Worte des „Professoren-Papst“ mit hoch-philosophischen Abhandlungen zu abstrakt und für die Allgemeinheit auch zu wenig verständlich waren. Das Nachdenken in der Politik und erst recht das Querdenkern werden jetzt aber wichtiger denn je, wenn wir einen friedvollen, demokratischen Rechtstaat retten wollen.

    In der katholischen Kirche mangelt es zuweilen an interner Kritikfähigkeit und internen Reformen. Zuweilen fehlt auch dem Heiligen Vater und seinen Schäfchen im Vatikan die göttliche Gabe, das Gute vom Bösen zu unterscheiden bzw. rechtzeitig zu merken, wenn etwas „unten“ schiefläuft. Dies betrifft nicht nur einige sexbesessene Priester, sondern auch den Finanzbereich. Sicherlich ist dies nicht prototypisch für die katholische Kirche, aber es kommt zuweilen der Verdacht der Scheinheiligkeit und Verlogenheit auf, was bedauerlich ist. Genauso wie die Banken muss auch die Kirche verloreneres Vertrauen wiedergewinnen, was nicht leicht sein wird.

    Der Vatikan ist nicht nur ein Glaubensstaat, sondern eine vermögende Institution mit sehr viel Geld und Grundvermögen. Die Vatikanbank namens Bank IOR finanzierte nach Angaben einiger Autoren nicht nur Gutes, sondern verdiente angeblich an der Finanzierung von Kriegen und verwerflichen Geschäften. Auch hier konnte offensichtlich zumindest in der nicht gerade sehr glorreichen Vergangenheit der Vatikanbank IOR nicht immer das Gute vom Bösen unterschieden werden oder es wurde sogar zuweilen wissentlich ein Pakt mit dem Teufel gemacht. Das vom Papst über die Vatikanbank verwalte Vermögen beläuft sich auf etwa 5 Mrd €. Dabei schrieb die Bank IOR in 2009 auch rote Zahlen, was sicherlich nicht verwerflich ist, sondern allzu menschlich ist.

    Der Papst Benedikt XVI hat sich schon vor den G20 politisch geäußert, wo es auch um eine neue, soziale Weltordnung ging. Nach Ansicht des Papstes soll eine moralische Sozialordnung, wie sie schon in den Statuten der Vereinten Nationen gefordert werde, endlich verwirklicht werden und die Weltgemeinschaft sollte auch für so eine soziale Grundordnung eintreten. Im Mittelpunkt des Fortschritts müssten stets der Mensch und seine ganzheitliche Entwicklung stehen. Doch im Falle von Rezessionen und erst recht in Falle von Kriegen werden Menschrechte insbesondere von sozial schwachen Gruppen oft mit Füssen getreten, sobald das Kapital die Welt regiert. So eine Rede im Bundestag wäre ein Chance gewesen, Werte zu vermitteln und Solidarität und Frieden einzufordern. Die Chance wurde verpasst.

    In der Rede wurde nicht gesagt, wie man sich immun macht gegen Begehrlichkeiten und wie man sich für die Menschenwürde von Arbeitslosen konkret einsetzt. Die Würde des Menschen ist eben nicht immer und auch nicht überall unantastbar. Viele Menschen suchen jetzt nach Halt und Orientierungen, nach gemeinsamem Werten und Überzeugungen insbesondere im Banken- und Finanzsektor. Aber auch die Kirchen müssen sich reformieren und anfangen neu und zeitgemäß zu denken, ebenso wie die Banken. Vor allem müssen diese Institutionen lernen, mit Kritik richtig umzugehen. Auch die Kirchen befinden sich im ständigen Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt.

    Sicherlich soll man nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt. Nun ist es nicht ganz unbekannt, dass die Vatikanbank IOR schön öfters in dubiose Geldwäschegeschäfte verwickelt war. So sollten im letzten Jahr 20 Mio. € an JP Morgan nach Frankfurt/M überwiesen werden ohne die Herkunft des Geldes zu bestimmen. Von der Behörde wurden 2010 23 Mio. € wegen des Verdachts der Geldwäsche beschlagnahmt.

    Es gibt eine ganze Reihe von Finanztransaktionen insbesondere auch im lateinamerikanischen Raum (über Panama), wo angeblich auch Diktatoren mit Schmiergeldern unterstützt wurden. Ob diese Geschäfte den Segen des Papstes hatten, sei einmal dahingestellt. Die Vatikanbank war in den 1980er Jahren in den Skandal um den Zusammenbruch der Banco Ambrosiano verwickelt. Angeblich führte die Vatikanbank auch geheime Konten für die Mafia. Sicherlich mangelte es aber auch hier an wirkungsvollen, internen Kontrollmechanismen.

    Wo sind jetzt die ganzen Mafiagelder versteckt und welches Volumen haben Sie? Vielleicht kann Berlusconi bei der Suche in der Schweiz oder in anderen Offshore-Zentren ein wenig behilflich sein. Es gibt über 5000 Dokumente aus den 90-er Jahren mit hoher Brisanz. Darunter gibt es Dokumente über korrupte Politiker, die Mafia, Kardinäle, das Opus Dei und mindestens 275 Millionen Euro an Mafia- und Schmiergeldern, die in den 1990er-Jahren durch Nummernkonten der Vatikanbank geschleust wurden. Offiziell waren diese Konten auf wohltätige Stiftungen gemeldet, die aber zweckentfremdet für Geldwäsche und Schmiergeldaktionen wurden. Zusätzlich entstand im Vatikan in den 1990er-Jahren eine parallele Offshore-Finanzstruktur, über die Schmiergelder, Steuerhinterziehung und Mafiazahlungen abgewickelt wurden. Allein in den Jahren 1991 bis 1993 liefen über die geheimen Konten, die auf Nummerncodes, Decknamen und wohltätige Stiftungen lauteten, 276 Millionen Euro. Dies war das Werk der sogenannten Weißen Finanz.

    Monsignore Renato Dardozzi, Mitglied des innersten Kreises der vatikanischen Hochfinanz, hatte ein geheimes Archiv von fast 5.000 Dokumenten angelegt und in die Schweiz geschmuggelt, deren Veröffentlichung ein Bestseller Roman ergeben hätte, nur dass es sich um keinen Roman, sondern tatsächliche Geldgeschäfte der Vatikanbank und damit des Vatikans gehandelt hat. Die Vatikanbank erwarb sich vor allem in den 90-er Jahren einen „guten Ruf“ als Hafen für schmutziges Geld: Sie gehört dem Papst, unterliegt keinen Regulierungen, die Einlagen sind steuerfrei. Der Vatikan hat auch nie ein Geldwäscheabkommen unterzeichnet

    Es handelt sich im Grundsatz bei der katholischen Kirche um das gleichen Phänomen wie im Bankensektor: es geht um Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Redlichkeit, Transparenz und last not least Vertrauen. Alle diese Attribute können nur durch Taten und nicht durch Reden erlangt werden. Die katholische Kirche hat das Vertrauen durch die Sexskandale bei Minderjährigen verloren und muss diese nun durch Aufklärung und Taten wiedergewinnen. Das Gleiche sollte bei der Vatikanbank passieren und ebenso sind jetzt die Großbanken aufgefordert, durch Transparenz und konkludentes Handeln wieder Vertrauen in den Finanzmarkt zu bringen. Sonst hilft wahrlich nur noch das Beten.

    Auch die Währung ist letztendlich eine Glaubens- und Vertrauensfrage, nämlich das Vertrauen, das das was auf dem Schein steht auch den entsprechenden Wert hat. Alle Bürger sind insofern eine Glaubensgemeinschaft. die ihre Währung noch vertrauen. Nur sind das – ohne dass das jemand merkt – ungedeckte Wechsel, die wir in der Hand halten - seien es nun Dollar- oder Euronoten. Oder glaubt von Ihnen jemand, dass die Schulden jemals wieder zurückbezahlt werden können, die jetzt aufgetürmt wurden und immer größer werden? Da die Schulden nicht zurückbezahlt, sondern nur durch neue, immer höhere Kredite/Anleihen refinanziert werden handelt es sich um ein Schneeballsystem, dass dann zusammenbricht, wenn die Refinanzierung über den Kapitalmarkt nicht mehr klappt so wie jetzt im Fall von Griechenland.

    Wir haben jetzt also schon eine Währungskrise ohne dies zu merken, weil verschiedene Schwachwährungen wie Yen, Pfund, Dollar und Euro miteinander konkurrieren. Diese wichtigen Glaubensfragen hätte der Papst einmal im Bundestag thematisieren können, zumindest solche menschlichen Werte wie Ehrlichkeit, Unbestechlichkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen, dann bräuchte er auch nicht beklagen, dass immer mehr Leute aus der katholischen Kirche austreten, gerade in Deutschland.

    Der Heilige Vater kommt aus Rom, aber gerade dort droht jetzt finanzpolitisch und im Bankensektor ein „Sodom und Gomorra“, also zwei biblische Städte, die mit „brennend“ und „überschwemmt“ übersetzt werden können. Die Städte sind Gegenstand einer Erzählung im Alten Testament, wonach sie durch Gott einem Regen aus Feuer und Schwefel begraben wurden, weil sie zuvor in gesündigt hatten. Auch die Brände ein Kalifornien und die Überschwemmungen in Japan und Pakistan sind wohlmöglich „biblische Symbole“ für die Finanzwirtschaft und den Bankensektor ebenso wie die Rede Papstes im Bundestag. Man kann jetzt auch sprichwörtlich den Glauben an die soziale Marktwirtschaft, an die Aktie und funktionierende, nicht manipulierte Kapitalmärkte verlieren, wenn das so weitergeht. Auch hier hilft wohl demnächst nur noch beten.

    Der italienische Staat ist jetzt nicht nur durch die Rating-Agenturen in Bedrängnis gekommen. Wenn der Staat für die Rückführung der Mafia-Gelder still und heimlich sorgen würde, würden dem Staates schon erhebliche Mittel zufließen können. Ähnlich könnte Griechenland verfahren, die auch offensichtlich Schwierigkeiten mit der Steuereintreibung von Geldern haben, die sich in der Schweiz befinden.

    Deutschland hat jetzt mit Schweiz auch ein Abkommen getroffen, das allerdings nicht ganz unumstritten ist. In Zukunft müssen Gelder aus Deutschland, die in der Schweiz angelegt werden, auch mit einer Abgeltungsteuer von 26% belegt werden. Vorherige Fälle, wo es sich um Steuerhinterzieher gehandelt hat, müssen mit einer Abgeltungsteuer von 19-34% nachträglich bestraft werden, allerdings in der Summe und ohne die Namen bekanntzugeben. Dieses neue Abkommen muss allerdings noch vom Bundestag verabschiedet werden und einige Politiker werden wohl dagegen stimmen.

    Durch diesen Deal bleibt das Schweizer Bankgeheimnis formell gewahrt, aber es fließen auch einige Milliarden € in den leeren Staatssäckel. Ein ähnliches Abkommen könnten auch die Italiener mit der Schweiz machen und auch die Griechen mit der Schweiz. Obama will jetzt auch durch das Schließen von Steueroasen einige Milliarden in den leeren Staatshaushalt bekommen.

    Das Hauptthema für die Börse bleibt im Moment Griechenland. Die Griechen bangen um die nächste Tranche der Troika EU, EWU und des IWF. Die griechische Regierung beschloss neue Sparbeschlüsse. Es sollen jetzt doch 30.000 Mitarbeiter im Staatsbetrieben freigesetzt werden und unrentable Staatsbetriebe aufgelöst oder verkauft werden. Die Privatisierung kommt aber nur schleppend voran. Die neue Immobiliensteuer soll über die Stromtarife eingezogen werden und bis 2014 aufrechterhalten bleiben. Renten über 1200 € sollen um 20% gekürzt werden. Diese Sparbeschlüsse hätte Griechenland aber schon vor einigen Jahren machen müssen. Jetzt könnte es zu spät sein. Die logischen Folgen sind zunächst Generalstreiks, die auch den Verkehr in Athen außer Kraft setzen, Für die Griechen und auch die involvierten Banken helfen jetzt offensichtlich nur noch beten. Vielleicht kann der Papst auch noch seinen Segen zum griechischen Sparprogramm geben.

    Alle diese Maßnahmen wird vielleicht die Troika für eine gewisse Zeit zufriedenstellen, sie werden aber die wirtschaftliche Situation Griechenland noch weiter verschlechtern. Es werden wieder neue Generalstreiks der Gewerkschaften folgen, die die Wirtschaft lahm legen wird. Wenn aber die 8 Mrd € nicht im Oktober kommen, ist Griechenland faktisch Pleite und dann ist das worst case-Szenario von möglichen Dominoeffekten im Bankensektor schon sehr nah. Im gleichen Atemzug sind dann die meisten griechischen Banken pleite; gefährdet wären dann auch einige französischen Großbanken. Im Fall einer Staatspleite würde auch Portugal in Schwierigkeiten kommen, da Portugal im nächsten Jahr wesentlich mehr an Kreditvolumen zurückzahlen bzw. refinanzieren muss. Portugal muss dann 50 Mrd € refinanzieren, auch Irland muss 41 Mrd € refinanzieren, Italien sogar 509 Mrd € und Frankreich 539 Mrd €. Ich muss dabei betonen, dass Italien und Frankreich jetzt auch zu den Problemländern gehören, wo die Kreditwürdigkeit schon heruntergestuft wurde.

    Ich kann jetzt schon sagen, dass das nächste Jahr das Jahr der Refinanzierungsprobleme darstellen wird. Zudem wird in den USA und in Russland ein neuer Präsident gewählt. Russland und Brasilien wollen jetzt den EU-Ländern helfen, was auch Beachtung verdient, denn zuvor waren Brasilien und Russland selbst Pleitekandidaten. So schnell verändert sich die Welt.

    Es wird dann in 2012 ganz darauf ankommen, ob sich die Lage bis dahin verschlechtert oder verbessert. Für einige Länder und Großbanken hilft im nächsten Jahr auch nur noch beten. denn die Situation jetzt erinnert schon wieder sehr an die Situation nach dem Lehman-Crash: Moodys und S&P haben nicht nur das Rating von italienischen und französischen Großbanken deutlich heruntergestuft, sondern auch von amerikanischen wie bei der Bank of America von „A2 auf nur noch „Baaa1“ ebenso aber auch bei Wells Fargo und bei der Citibank. Es fehlt jetzt ganz einfach der Glaube, dass der Staat hier im Notfall noch einmal helfen kann. Auch bei amerikanischen Banken hilft jetzt nur noch das Beten.

    Der Interbankenmarkt funktioniert nicht mehr wie zuvor, alles läuft über die EZB, die bisher hinreichend Liquidität zur Verfügung gestellten und gefährdete „PIGS-Anleihen aufgekauft hat. Bei farnzössiche Banken werden Gelder abgezogen und nun auch von chinesischen Banken keine Swap-Geschäfte mehr gemacht. Die europäischen Banken sind zu stark kurzfristig finanziert, was sie jetzt besonders verwundbar macht du was die Banken und Aktionäre sehr teuer wird. Auch die Spreads von Unternehmensanleihen sind schon wieder im September merklich in die Höhe geschossen und folglich die Kurse um über 20% in den Crash-Monaten August/September eingebrochen.

    Die Rendite einer Hapag-Lloyd Anleihe bringt jetzt 15%. Viele Unternehmensanleihen haben eine Rendite von über 10% und das bei Inflationsraten von etwas über 2%, was nicht normal ist. Wir leben jetzt also nicht in normalen Zeiten. Das große Problem der Zukunft ist also die Refinanzierung von Staatsanleihen, Bankanleihen und von gefährdeten Unternehmensanleihen für die Unternehmen, die über wenig Eigenkapital verfügen. Am 20. September liehen sich die europäischen Banken bei der EZB in einem Siebentage-Refinanzierungsgeschäft 201 Mrd €, was der größte Betrag seit Februar war. Die Notenbanken der G20 beteuerten nach dem Mini-Crash am 22. September, dass sie dem Markt genügend Liquidität zur Verfügung stellen werden. Aber werden die scheinheiligen Beteuerungen ausreichen?

    Die BRD muss in 2012 auf 439 Mrd € refinanzieren, was aber bei einem Zinssatz von gegenwärtig 1,8% kein Problem sein dürfte. Problematisch dürfte aber der Zinssatz für Portugal, Spanien und auch Italien werden. Italien hat jetzt schon Schulden in Höhe von 1,9 Billionen €. Bei dem neuen Rettungssschirm ESM, der den alten Euro-Rettungsschirm ab 2013 ablösen soll, hat Deutschland einen Anteil von 27%, Frankreich von 17,9%, Spanien von 11,9%, Niederlande von 5,7%, Belgien von 3,5%, Österreich von 2,8%, Griechenland von 2,8%, Finnland von 1,5% und Irland von 1,6%. Für Italien könnte das schon ein Problem darstellen. Bisher sind dies nur Garantien, die eigentlich dazu beitragen sollten, Beruhigung in die internationalen Finanzmärkte zu bringen.

    Dieses Ziel ist eindeutig nicht erreicht wurde und wenn Staaten Pleite gehen, müssen auch die Gelder aufgebracht werden. Wie soll aber Griechenland 1,8% beisteuern können, wenn es selbst pleite ist?? Der ESFM hat jetzt ein Volumen von 750 Mrd. €. Dies Volumen soll dauerhaft beibehalten werden, was schon mal ein Wortbruch zu den Äußerungen von Angela Merker in 2009 und 2010 darstellt, denn der Rettungssschirm sollte ursprünglich keine Dauereinrichtung werden, sondern bis 2013 begrenzt sein. Dies zeigt schon, dass wir uns weiterhin im Ausnahmezustand befinden. Als Instrumente stehen Garantien, Kredite und Ankauf von Anleihen zur Verfügung. Da hilft wohl auch nur noch beten, dass nicht alle PIGS-Länder unter den Rettungssschirm müssen, denn dafür reicht er nicht aus. Was jetzt die EZB macht, soll später der Rettungssschirm ESM machen, was letztendlich auch eine europäische Bankenrettung darstellen soll. Nach einem IFW-Bericht brauchen europäische Banken dringend eine Kapitalspritze im Volumen von 300 Mrd USD, um die drohende Verluste auffangen und abfedern zu können. Die europäischen Bankenchefs beschwichtigen immer wieder, dass sie genug Eigenkapital und auch Liquidität hätten, aber das hatte so manche Bank vor Lehman auch behauptet. Kann man den Bankenchefs – der Papst würde im Bundestag bildhaft sagen „Räuber-Bandenchefs“ – jetzt noch (ver)trauen?

    Es müssen wahrscheinlich also weiter Mega-Kapitalerhöhungen kommen, um die eine Pleitewelle zu vermeiden. Dies ist in diesem Umfeld aber nur schwer möglich und wenn dann nur zu sehr niedrigen Kursen, was auch zu Verwässerungen führen wird. Auch wird es weiteren Zwangs-Merger geben. Der PIMCO-Chef Mohamed El-Erian warnte schon vor einem möglichen Bankenrun bei französischen Großbanken von institutionellen Anlegern. Ähnliches könnten bald auch Portugal und Italien drohen. Wenn dann noch das Volk folgen würde, wäre die Pleite perfekt. Im Falle eines Bankenruns wird der Rettungsschirm aber obsolet. Der Herr sei mit Euch! Auch dort hilft dann nur noch beten!

    Die FED erwies den Weltbörsen mit ihrem Twist, also dem Kauf von langfristigen Anleihen im Volumen von 400 Mrd USD und im Gegenzug der Verkauf von kurzfristigen Anleihen, einen Bärendienst, da die pessimistischen Konjunkturaussichten auf die Stimmung drückten. Durch die starken Kursverluste gab es auch wieder zu Margin-Calls, was den Kursverfall am 22. September beschleunigte.

    Der Papstbesuch brachte dem DAX am 22. September also kein Glück und wohl auch keinen Segen. Der Pessimismus der FED hat die Stimmung erneut deutlich eingetrübt und auch die Rating-Keule der Rating-Agenturen führte zu weiter Panikverkäufen, was ich aber auch erwartet und unlängst angekündigt hatte. Die globalen Aktienmärkte reagierten wieder sehr verunsichert mit hohen Kursverlusten wegen der schwelenden Finanzkrise bei Ländern und Banken sowie den düsteren Konjunkturaussichten, die durch Ben Bernanke mit seinem 400 Mrd USD-Twist-Programm nur bestätigt wurden. Der Euro verlor zum Dollar um 0,7% auf unter 1,35 EUR/USD.

    In einem solchen Umfeld können auch die Rohstoffmärkte nicht performen. Metalle wie Palladium und Kupferpreis brachen sogar um 8% ein, was auch fast alle Rohstoffaktien zum Einbruch brachte. Auch hier wird jetzt offensichtlich eine global kräftige Konjunkturverlangsamung oder sogar eine Rezession eingepreist. Der DAX brach am 22. September um fast 5% auf 5146 Indexpunkte ein und der Dow Jones um 3,38% auf 10.755 Indexpunkte. Am 23. September tauchte der DAX schon wieder intraday unter die 5000er Marke, erholte sich dann aber wieder auf über 5100 Indexpunkte. Der WTI Ölpreis gab um 4% auf 80 USD und der Brentölpreis auf 105 USD/Barrel nach. Der Goldpreis verlor am 22. September um 2,4% auf 1741 USD/Unze und der Silberpreis sogar fast um 10% auf 35 USD/Unze, was zeigt dass auch Gold/Silber in solchen Bärmärkten trotz aller Schreckensmeldungen nicht performen können. Am 23. September kam es bei Gold und Silber sogar zu Panikverkäufen. Der Goldpreis brach um 5,87% auf 1636 USD/Unze und der Silberpreis sogar um 14,3% (!) auf unter 30,4 USD/Unze ein. Dies erinnert schon wieder an den Silber-Crash im Mai dieses Jahres. Auch hier gab es wohl Schieflagen bei Hedgefonds und es wurden zuvor die Einschuss-Margen erhöht. Eigenartig und unverständlich war auch der Kurseinbruch in Indonesien um 6% ohne dass es dort irgendwelche Krisenphänomene gab. Es verloren diesmal also fast alle Märkte.

    Sogar die zuvor so starke die norwegische Krone gab in Relation zum Euro auffällig nach, nachdem zuvor der Schweizer Franken kein sicherer Hafen mehr ist. Der Euro stieg hier um 1% auf 122 EUR/CHF. Auffallend schwach waren die arabischen Währungen nach dem Einbruch des Ölpreises. Nur der Bund-Future als einer der wenigen sicheren Häfen (im Moment) stieg um 0,6% auf 138,7, was nahe dem Allzeit-Hoch war. Kurioserweise fallen nach dem FED-Twist aber auch die 30.jähriehn US-Staatsanleihen auf unter 3%. Ich würde das aber nicht als „sicheren Hafen“, sondern als trügerischen Hafen bezeichnen. Der RTS-Index brach am 22. September sogar um 8,61% (!) auf 1367 Indexpunkte ein. Am 23. September kam es zu Margin Calls, was den RTS erneut um über 6% auf 1300 einbrechen ließ.

    Dies erinnerte schon wieder an die Crash-Monate im September/Oktober 2008. Einige russische Blue Chips wie Gazprom, LUKoil und Severstal gaben ohne negative Unternehmensnews sogar im zweistelligen Prozentbereich nach, was man schon Crash nennen kann. Ich nehme an, dass hier auch Hedgefonds erhebliche Kapitalabflüsse zu beklagen ahben, die nun zwangsweise das Kapital aus diesen Regionen abziehen müssen, was bei ausgetrockneten Märkten zu starken Kursverlusten führt. Es hat im Moment keiner so richtig Mut, „gegenzuhalten“. Der Ölpreis gab zwar auch kräftig nach, aber hier handelt es sich auch um Übertreibungen. Auch an den Aktien und Rohstoffmärkten kann man den Eindruck gewinnen: jetzt hilft nur noch beten!

    Aber wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Nach den erneuten Panikverkäufen am Donnerstag wird es auch wieder Chancen für Value Investoren zum Schnäppchenpreisen geben, auch in Osteuropa. Ich habe in der letzten Woche aufgrund der globalen Finanzrisiken und Konjunkturängsten mit weiter fallenden Kursen gerechnet. Ich rechne mit weiter fallenden Kursen in der nächsten Woche und damit eine Fortsetzung des Salami-Crashs. Ich bleibe aber bei meinem Rat, mit tief gestaffelten Abstauberlimits im mehreren Tranchen gerade jetzt in Osteuropa vor allem bei ertrags- und dividendenstarken Werten auf Einkaufstour zu gehen. Der Pessimismus ist jetzt so stark ausgeprägt, dass es auch wieder Gegenbewegungen im Rahmen einer Bärmarktrallye geben wird, die man im Trading-Bereich ausnutzen sollte. Cash bleibt im Grundsatz dabei King, so dass man das Pulver nicht gleich am Anfang verschießen sollte!

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    Wenn Sie sich aktuell informieren wollen, wie Sie sich jetzt verhalten sollen, dann hören Sie jetzt mal in die Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) rein.

    Hinweis: Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar "Go East!" wird am 22. November 2011 um 17.30 Uhr in Frankfurt/M gleich nach dem EK-Forum stattfinden (Dauer 3-4 Stunden). Dort wird dann auch diskutiert, wie es mit dem Euro und der globalen Verschuldung weitergeht, wobei die Ostbörsen im Mittelpunkt stehen. Melden Sie sich jetzt an mit einem Frühbucherrabatt von 80 € anstelle von 100 € unter www.eaststock.de oder direkt bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel 040/6570883, E-mail: info@eaststock.de.

  • Back to the roots!

    Samstag, 17. September 2011 18:09:00

    „Wo gibt es noch funktionierende Marktwirtschaften, geschweige denn funktionierende soziale Marktwirtschaften?“ Im Banken- und Finanzsektor sicherlich nicht. Die jeweiligen Regierungen haben es zugelassen, dass nicht mehr beherrschbare Großbanken entstehen, die durch ihre systemischen Risiken im Pleitefall ganze Volkswirtschaften ruinieren können. Wir brauchen wieder eine funktionierende Marktwirtschaft und nicht eine sozialisierende Enteignungswirtschaft oder gar Zentralverwaltungswirtschaft. Der gangbare Weg heißt ganz klar: back to the roots!

    Wir haben nach dem Lehman- Schock aber die falschen Schlüsse gezogen, nämlich dass systemische Banken nicht Pleite gehen dürfen. Dies ist zumindest die Meinung der G20, die sich im Spätherbst wieder treffen wird. Dies ist zum einem ein Widerspruch zum Gleichbehandlungsgrundsatz, also eine klare Bevorteilung der systemischen Großbanken, was wettbewerbsrechtlich und verfassungsrechtlich bedenklich ist, und zum anderen einen falsches Verständnis der Marktwirtschaft.

    Ich fordere daher eine umfassende Bankenstrukturreform, die hilft, Großbanken zu entflechten, mehr Banken zu fördern und zu schützen, die die Kreditfunktion vor allem lokal und regional für den Mittelstand wahrnehmen, mehr Eigenkapital bei Banken aufzubauen, effizientere interne und externe Kontrollmechanismen sowie Frühwarnsysteme zu entwickeln, die auch ein rechtzeitiges Eingreifen der Aufsichtsräte ermöglichen. Wir brauchen auch mehr Transparenz im Derivatebereich bei den Banken und auch dies muss intern und extern besser kontrollierbar sein.

    Durch den Konzentrationsprozess im Bankensektor entstanden Großbanken, die nicht mehr beherrschbar sind. Es sind wahre Monster geworden. Durch die globale Vernetzung entstehen dann Systemrisiken nicht nur für ein Land, sondern die ganze Welt, zumindest wenn es Großbanken von den großen Industrienationen betrifft. Die japanischen Banken haben sich schon umstrukturiert, nun müssen es auch die westlichen Großbanken machen. Auch hier forder ich schon lange: back to the roots (zurück zu den Wuzeln)!

    Dabei fordere ich klar höhere Eigenkapitalvorschriften, die insbesondre auch für die Banken gelten sollten, die hochverzinsliche Staatsanleihen im Portfolio haben. Es kann nicht angehen, dass diese immer noch als risikolose Wertpapiere eingestuft werden und auch so in der Bilanz bewertet werden. Basel III muss also klar verschärft und ergänzt werden. Wer griechische Anleihen zu 100% ohne Abschreibungen bilanziert, manipuliert die eigene Bilanz und täuscht damit fahrlässig auch seine Aktionäre! Das grenzt an Betrug.

    Nun wurden die zwei französischen Banken Société Generale und Credit Agricole von Moodys zu Recht in der Kreditwürdigkeit herabgestuft und die BNP Paribas ist noch auf der Watchlist, was zu Anfang der Woche noch zu starken Kursverlusten führte. Dann kam aber das Gerücht, dass nun China italienische Anleihen kaufen und auch mehr in Italien direkt investieren will, was den Euro stütze und auch Bankaktien wieder sprunghaft ab der Wochenmitte nach oben brachte. Kursteigerungen von über 7% am Tag bei Großbanken wie bei der Deutsche Bank und Commerzbank waren keine Ausnahme, nachdem die gleiche Großbanken zuvor noch zu den großen Verlierern im DAX zählten.

    Die französischen Großbanken werden nun zum Lackmustest für alle europäischen Banken und wenn man so will auch für die Rettung des Euros. Die SG will mit 4 Mrd. € freigesetzten Kapital die Verluste bei Griechenlandbonds decken. Die Frage ist, ob jetzt der hochverschuldete farnzössiche Staat mit Zusatzgarantien helfen muss oder ob die Banken selbst die Kapitallücke, die durch Aschreibungen bei PIGS-Bonds entstehen, durch Kapitalerhöhungen decken kann.

    Beide farnzössiche Banken zählen zu den systemisch relevanten Banken in Europa und sind damit auch Dreh- und Angelpunkt von möglichen Dominoeffekten. Die Summe des fehlenden Kapitals wird bei den 3 französische Großbanken auf mindestens 20 Mrd € geschätzt. Wer soll die jetzt aufbringen? Wenn es den ESM schon gäbe, konnten diese Banken dann auch unter den Rettungsschirm vorübergehend schlüpfen. Die EZB könnte, da sie ohnehin schon Vertragsbrüche gemacht hat, jetzt auch Bankaktien oder Anleihen aufkaufen, um die Eigenkapitallücken ersatzweise zu schließen. Wenn Griechenland Pleite geht, können auch die drei französischen Großbanken Pleite oder zu Mega-Kapitalerhöhungen gezwungen werden, die zu Verwässerungen führen. Banken sollten wieder das werden, was sie einmal waren, nämliche sprichwörtlich Kreditinstitute, wobei credere auf lateinisch „glauben“ oder „vertrauen“ heißt. Aber welcher Analyst kann schon den Bankzahlen vertrauen und welcher Anleger glaubt noch an seine Bank? Auch hier heißt es „back to the roots“!

    Eine Griechenlandpleite würde große Löcher in die Bankbilanzen von französischen Banken verursachen. Deswegen ist der Widerstand von Sarkozy auch so groß gegen eine Pleite Griechenlands und auch die Bereitschaft zu „helfen“. Sarkozy will auch bereitwillig in Libyen „helfen“ sprich Großaufträge für Total und andere Öl/Gasfirmen bekommen. Mit den Petrodollar aus Libyen können dann wieder französischen Banken gerettet werden.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass in den nächsten Wochen und Monaten schon einige chinesische Adressen oder auch ein Waren Buffet Interesse bekunden, Aktienpakte auf diesem niedrigen Niveau in Deutschland, wohlmöglich sogar in Frankreich aufzukaufen. Wenn eine Deutsche Bank 10 Mrd € verdienen kann, ist sie für manchen Investoren trotz aller Euro-Risiken attraktiv bewertet, ebenso wie die Commerzbank. Die Deutsche Bank notiert jetzt schon wieder fast auf dem Tiefstniveau von Anfang 2009 also wie nach dem Lehman-Crash. Es ist ganz klar, das auf diesem Niveau auch die Deutsche Bank und die Commerzbank ebenso wie die französischen Großbanken zum lukrativen Übernahmekandidaten werden für den, der viel Cash hat. Die Deutsche Bank wird aber zur Abwehr aller Großinvestoren aus dem Ausland wohl ein Aktienrückkaufprogramm starten. Wesentlich solider ist übrigens die Sberbank in Russland, die für 1 Mrd € schon eine strategische Beteiligung von über 15% bei der Co-bank erwerben könnte. Sie zieht es aber vor, sich zunächst bei der Volksbank International in Österreich für 700 Mio. € einzukaufen.

    Die Chinesen haben auch genug Kapital für Übernahmen. Dabei sind die Risiken nicht beseitigt, sondern es ist möglicherweise nur ein neuer Großgläubiger gefunden worden, der die Euro-Krise in der Tat retten könnte, nämlich China mit über 3 Billionen USD an Währungsreserven. Europa bemüht sich jedenfalls die strukturellen Verschuldungsprobleme vor allem bei den südeuropäischen Ländern in den Griff zu bekommen, was man von den USA nicht gerade behaupten kann. Von daher wäre es konsequent, wenn China in Zukunft mehr (süd)europäische Staatsanleihen als amerikanische Staatsanleihen kauft, wobei für China Europa als Absatzmarkt genauso wichtig ist wie die USA. Aber selbst wenn China es jetzt schaffen sollte, für ein gewisse „Marktberuhigung“ zu sorgen, wird auch dann nur auf Zeit gespielt ebenso wie bei möglichen Eurobonds, die jetzt gedanklich vorbereitet werden.

    Auch muss China selbst aufpassen, dass es nicht schon bald in eine eigene Schuldenfalle gerät. Zwar ist die Auslandsverschuldung noch relativ gering, aber die Banken haben so viel Kredite gegeben wie noch nie, was noch das Wachstum anheizt. Wenn das Wachstum in China aber aufgrund einer globalen Konjunkturverlangsamung stark nachlassen sollte, werden die wachstumsstarken Banken interne Probleme bekommen. So gibt es schon jetzt einen gefährlichen Immobilienbubble in einigen Großstädten wie Shanghai. China sollte von den Fehlern der USA im Immobiliensektor lernen und hier die Kreditvergabe nicht übertreiben. Da die chinesischen Banken mittlerweile zu den größten Banken der Welt zählen, wäre ein Bankpleite oder eine Schieflage einer chinesischen Großbank durch die Vernetzung auch von globaler Bedeutung. Dies wird meines Erachtens im Moment viel zu wenig thematisiert. Noch sind die chinesischen Banken mit neuen Rekordgewinnen aber „auf dem Papier“ gut im Geschäft. Sie könnten jetzt auch gut in Europa auf Einkaufstour gehen, was sie wohl auch demnächst machen werden.

    Banken und Länder/Volkswirtschaften sitzen in einem Boot, denn die Großbanken haben auch großvolumig Staatsanleihen aufgekauft. Von daher sind Großbanken bei Staatspleiten auch verwundbar, es fragt sich nur, ob die Risikovorsorge dann auch ausreicht. Dies sollte unbedingt ein globaler Bankenstresstest ergeben. In dem Stresstestest müssten auch die Risiken und Nebenwirkungen von Staatspleiten aufgezeigt und transparent werden.

    Selbstverständlich besteht nicht nur für Griechenland, sondern für viele Länder die Gefahr des Staatsbankrotts, wenn sie dauerhaft über ihre Verhältnisse leben und dann nicht mehr in der Lage sind, die Schulden zu beschränken und die Defizite zurückzufahren.

    Wenn dann durch höhere Zinsen eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt nicht mehr möglich ist, ist ein Land faktisch bankrott sowie wie jetzt Griechenland, aber eben nicht nur Griechenland. Ob nun die FDP lauthals als die Möglichkeit einer „geordnete Insolvenz“ verkündet oder nicht; es gilt in der Marktwirtschaft die Macht des Faktischen. Die FDP müsste einmal genau sagen, was sie unter einer „geordneten Insolvenz ohne Ansteckungsgefahr“ verstehen und wie sie selbst dort die Gefahr von Dominoeffekten einstufen. Ganz geordnet wird es im Fall einer Insolvenz von Griechenland wohl kaum ablaufen, da es wie bei Lehman keine Erfahrungen mit so etwas gibt, zumal es die erste Staatspleite im Euroraum wäre. Es wäre also Neuland für den Euroraum und den Euro.

    Zudem muss dann Rösner & Co auch sagen, dass es keine Denkblockade bei der keinesfalls geordneten, sondern chaotischen Insolvenz von systemischen Banken in Europa geben kann. Es wird dann als Vorstufe von Bankenpleiten zunächst Merger von schwachen Banken geben. Ich nehme an, dass vor allem chinesische Banken sich demnächst recht preiswert in Europa einkaufen werden. Was wir alle nicht wollen ist ein Scherbenhaufen oder eine globale Insolvenz in Europa. Was wir aber alle wollen ist Marktwirtschaft in Europa, auch im Banken- und Finanzsektor. Wo also liegt die Lösung? Stellen Sie sich als Leser schon einmal darauf ein, dass es Bankenpleiten und Pleiten von Versicherungen, die auch überwiegend Staatsanleihen im Portfolio haben, in den Jahren 2012 -15 geben kann und geben wird. Ist das schon in Ihren Köpfen drin?

    Auch im Bankensektor sollte es in Zukunft keine Denkblockaden geben. Auch die „alternative Geldszene“, die sich Gedanken über virtuelle und tatsächliche Geldschöpfungsprozesse der Banken, das Schaffen von Geld aus dem Nichts durch Kredit, die notwendigen Folgen von Zinsen und Zinseszinsrechnungen, das Schaffen von Armut und Vermögensunterschieden und realen Enteignungsprozessen macht, sollten – auch bei Ihnen - diskutiert werden.

    Anfangen können die Banken und Versicherungen aber schon jetzt, in dem sie alle PIGSIF-Anleihen schon einmal auf das erforderliche Maß abschreiben nämlich zumindest in Höhe der Spreads und CDS-Prämien zu den Bundesanleihen. Sie dürfen sich nicht weiter zu 1% Geld bei der EZB leihen und sie dann für über 20% an Griechenland oder über 5 % an Italien weiterleihen und dies auch noch durch den Rettungssschirm garantiert. Wer Risikokanleihen ins Portfolio nimmt, muss auch damit rechnen, dass diese nicht zu 100, sondern später zu 90 oder 80 oder 70 ausgezahlt werden. Dies ist auch mein Vorschlag zur Rettung es Euros. Führt endlich Staatsanleihen mit variablen Zinssatz und variabler Auszahlung ein; diese müssten diese Banken dann aber auch als Risikopapieren in den Bilanzen so bewerten wie es der Markt bewertet. Staatsanleihen sind damit keine risikolosen Wertpapiere mehr, was ein Novum wäre. Also liebe Finanzpolitiker, die ihr euch jetzt in Polen versammelt; wagt einmal was, wagt vor allem den Grundsatz: „back to the roots“, sonst werden wir schon bald keine Marktwirtschaft mehr haben, an die die meisten immer noch glauben.

    Die mehr oder weniger gut gemeinten Vorschläge der USA von Geithner und Obama zur Beilegung der Euro-Krise sind im Moment wenig hilfreich. Die USA sollten sich im eigenen Land umschauen und dort auch feststellen, dass es keine Marktwirtschaft geschweige denn eine soziale Marktwirtschaft mehr gibt und dass so einiges im eigenen Land aus den Fugen gerät. Die Zahl derjenige, die in den USA unterhalb der Armutsgrenze liegen – das ist in den USA immerhin ein Familieneinkommen von 22.000 USD bzw. 16.000 € (!), hat sich von 43 auf 46 Millionen erhöht und damit ebenso die Zahlen derjenigen, die Lebensmittelkarten beziehen. Trotz der Reform des Gesundheitssektors gibt es immer noch über 50 Mio. Amerikaner, die ohne Krankenversicherung auskommen müssen. Auch nimmt die Zahl der Dauerarbeitslosen in den USA zu, weniger der registrierten, aber der tatsächlichen Dauerarbeitslosen. In den USA fällt man als Arbeitsloser in ein soziales Loch und damit auch die ganze Familie. Auch das 450 Mrd. USD Konjunkturprogramm soll zwar aus dem Haushalt finanzierbar sein, wird aber sich mittelfristig die Schulden erhöhen. Auch solche Maßnahmen dienen sicherlich nicht dazu, als Schuldenbremse zu wirken. Sie werden wohl auch kaum vom US-Kongress genehmigt werden.

    Möglicherweise wird nun auch die Bank of America zum kostspieligen Sanierungsfall. Durch die Übernahme der Hypothekenbank Countrywide entstanden in den letzten 4 Quartalen durch nicht einbringen Hypothekenkredite an Privatpersonen Verluste von über 22 Mrd. USD. Auch bei Fannie Mae und Freddie Mac gibt es weitere Schieflagen. Zuvor wurden diese Banken nur durch eine Kapitalspritze des Staates im Volumen von 160 Mrd. USD gerettet. Jetzt schlagen die Hypothekenbanken zurück und behaupten, dass die Großbanken wie Bank of America und Deutsche Bank, damals die Bonität der Kunden zu hoch eingestuft hatte. Das Klagevolumen der FHFA, also der US-Regierung, beläuft sich auf 200 Mrd USD für 17 Großbanken. Die Hypo Real Estate ist als reine „bad bank“ auch noch nicht aus dem Gröbsten raus. Die Finanzlöcher erhöhten sich auf über 50 Mrd €, was letztendlich der Steuerzahler zahlen muss. Auch hier heißt es dringend: „back to the roots!“ Viele Bankvorstände müssen noch einmal eine Banklehre machen und so etwas wie die goldene Bilanzregel lernen.

    2 Jahre nach dem Lehman-Schock wurden die Risiko- und Frühwarnsysteme bei einigen Großbanken ausgeschaltet wie jetzt bei der Schweizer Traditionsbank UBS, die durch einen „verdienten“ Mitarbeiter einen Verlust von etwa 2 Mrd USD hinnehmen musste. Der 31-Jährige Kweku Adoboli aus Ghana verdiente bei der UBS Ltd in London als Händler 360.000 € im Jahr und lebte augenscheinlich auf großen Fuß. Und wieder betrifft es den offensichtlich unkontrollierten Eigenhandel, der auch Großbanken in den Ruin treiben kann. Auch hier scheint man seit Lehman nichts gelernt zu haben, da das Risikomanagement zumindest bei der UBS offensichtlich nicht funktionierte. Im Gegenteil: Adoboli hatte wohl eher Kerviel von der SG als Vorbild und sein Vorgesetzter auch. Die UBS wird daher im 3. Quartal wohl rote Zahlen schreiben. Der Aktienkurs der UBS brach erst um über 10% ein, konnte am Freitag aber wieder um 5% zulegen. Nach dem Spekulationsskandal werden auch die Rufe nach dem Rücktritt von Vorstandschef Grübel lauter, der erst vor 2 Jahren als Retter in der Not verpflichtet wurde. Auch hier sollten die Anleger der UBS fordern: back to the roots! Solche Schieflagen kommen bei solchen Crashs wie im August zwar nicht überraschend, aber warum musste es ausgerechnet wieder einmal eine Schweizer Großbank treffen?

    Wir brauchen jetzt bei allen EWU-Ländern neben einer Schuldenbremse auch eine Schildrückrührungspflicht in guten Zeiten, sonst wird immer wieder das Alibi-Argument ein drohenden Rezession benutzt, um die Staatsschulden zu erhöhen. Auch brauchen wir klare Sanktionsmechanismen in der EWU für Dauersünder und auch Austrittsmöglichkeiten aus der EWU. Es ist ein Unding, dass dies der Lissabon-Vertrag nicht von Vornherein vorsah. Jetzt muss aber dringend nachgebessert werden. Auch hier heißt es schnellstmöglich: back to roots, also die „Resettaste“ drücken oder wieder neu anfangen mit einem wahren europäischen Stabilitätspakt.

    Wenn dann die FED zum Vorbild der EZB und Schrottanleihen im Volumen von 2 Billionen USD aufkauft, dann sollte Europa eher der USA den Ratschlage geben, dass zu unterlassen. Wenn dies aber nicht gemacht worden wäre, hätten wir jetzt sicherlich eine noch viel größere Bankkrise. Das Gleiche gilt für die EZB: wenn die EZB nicht PIGS-Anleihen im Volumen von 125 Mrd € aufgekauft hätte, hätten wir sehr schnell auch bei Italien und Spanien-Anleihen Zinnsätze von über 10% gehabt. So wurde dies noch einmal vermieden und damit der Euro gerettet. Paradoxerweise flüchten sich jetzt viele Anleger nicht nur in Bundesanleihen mit Rekord-Niedrigst-Renditen von 1,8%, sondern auch in US-Staatsanleihen, obwohl auch das US-Defizit mit über 10% des BSP nach wie vor viel zu hoch ist. Dass die FED übrigens wie angekündigt die Zinsen trotz steigender Inflation bei 0-1% über 2 Jahre künstlich niedrig behalten wird, ist auch ein Verstoß gegen die Marktwirtschaft oder eine Marktmanipulation. Auch die EZB sollte demnächst auch die Inflation mehr achten, denn dies ist ihre Aufgabe und nicht Staaten zu retten. Auch hier fordere ich. Back to the roots!

    Bis Mitte der Woche, also bis zum 13. September, befanden sich die Weltbörsen noch im Panik-Modus. Die Börsen reagierten ab Wochenmitte positiv auf die Geheim-Telefondiplomatie zwischen Merkel und Sarkozy und auf das Gerücht, dass China italienische Anleihen aufkauft und auf die Anstrengungen, die jetzt von Griechenland selbst mit deutscher Beratungshilfe erfolgen. Bei dem Finanzministertreffen in Polen sind keine weltbewegenden Beschlüsse, aber intensive Beratungen zu erwarten. Sie sollten auch beraten, wie sie verfahren wollen, wenn die Troika IWF, EZB und EU Griechenland nicht mehr die Wettbewerbsfähigkeit bescheinigt und kein weiteren Tranchen mehr auszahlt. Spätestens dann ist Griechenland faktisch Pleite und dann muss man sich auch darüber Gedanken machen, wie Griechenland „geordnet“ (??) aus dem Euro austreten kann. Wenn aber wieder Beruhigungspillen verabreicht werden, werden die Börsen zu einem fortgesetzten Rebound ansetzen, der aber nicht nachhaltig sein wird. Andernfalls können sie aber auch sehr schnell wieder in den Panikmodus verfallen. Ich gebe daher noch keine Entwarnung.

    Ich rechne damit, dass schon bald Fitsch auch spanische Anleihen herunterstufen wird und dann werden manch den französischen Banken auch spanische Banken auf der Watchlist stehen, denn dort ist die Immobilienkrise noch nicht gelöst und die Jugendarbeitslosigkeit beträgt dort 40%. In Spanien wird es auch die nächste Streiks und möglicherweise eine Rezession geben. Das könnte dann die nächste Panik-Welle einläuten. Auch die nächste Tranche des IWF an die Ukraine ist nicht gesichert. Die Banken müssen sich weltweit auf eine Konsolidierung einstellen. Die Bank of America will global 30.000 Stellen kürzen die Deutschen Bank AG nur 2000. Weitere Banken werden folgen, auch die UBS.

    Bei der Konzeption des Euros war man nicht offensichtlich davon ausgegangen, dass später durch Staaten systemisch relevante Banken gerettet werden müsse. Das Defizit Irlands betrug vor der der Lehman-Pleite und der nachfolgenden Bankenrettung nur 30% des BSP. Auch Griechenland ist in erster Linie durch die Bankenrettung in eine hoffnungslose Verschuldungssituation geraten, obwohl auch die 11-jährigeParty mit fremden Geldern auch zur Überschuldung beigetragen hat. Dies kann wiederum das griechische Volk nicht verstehen und darum gehen die unverstandenen und perspektivlosen Bürger auf die Straße und streiken, was verständlich ist. Dabei wurde die 15 Mrd. € aus dem EU-Strukturfonds noch nicht einmal abgerufen, was jetzt mit westlicher Hilfe aber geschehen soll, um Infrastrukturinvestitionen zu beginnen, die schon längst hätten gemacht werden können. Auch das ist der südeuropäische Schlendrian.

    Am 23. September muss der Deutsche Bundestag über einen erweiterten Rettungsschirm ESM abstimmen, der im Ernstfall Deutschland mit 250 Mrd € belasten würde. Viele FDP-Politiker werden dagegen stimmen und auch einige CDU-Politiker. Auch wollen die Slowakei und Finnland gegen den ESM stimmen. Sie verlangen mehr Kreditsicherheiten und mehr Disziplin – zu Recht. Es ist ohnehin fraglich, ob die dadurch gewonnene Zeit wirklich sinnvoll genutzt wird. Was in 11 Jahre an Schuldenabbau versäumt wurde, kann unmöglich nun schnell nicht wieder abgebaut werden. Die nächste Euro-Krise ist damit schon vorprogrammiert. Sie würden sich verschärfen, wenn einige EWU-Länder wie Portugal, Spanien, Italien oder Frankreich in eine Rezession geraten würden.

    Ein Staatsbankrott Griechenlands hätte für die Börse möglicherweise sogar eine befreiende positive Wirkung, da dann tabula rasa gemacht werden kann. Einige französische Banken müssen dann zwar notgedrungen vom Staat gerettet werden, aber dann wären endlich vollendet Tatsachen geschaffen worden, die der Markt ohnehin erwartet. Das Haushaltsbilanzdefizit Griechenlands hat sich um 25% zum Vorjahr erhöht, weil die Rezession mit minus 5% höher ausgefallen war als geplant. Das war aber vorhersehbar.

    Was die Börse aber endlos beängstigt, ist die Angst vor einem Staatsbankrott. Schon ein Schuldenschnitt um 20-30% würde eine Menge bringen, auch im positiven Sinne für die Weltbörsen. Was die Börse aber nicht mag, ist die Ungewissheit und das angewiesenen von unfähigen Politikern. Das bestraft die Börse mit den Füssen.

    Ich werde im Oktober mit meiner Familie nach Griechenland fliegen, um Urlaub zu machen und damit meinen Solidarbeitrag zu leisten. Ob das ausreichen wird, um den Staatsbankrott Griechenlands abzuwehren, muss abgewartet werden. Nachahmung wird jedenfalls empfohlen. Ich sehne mich als Urlauber aber nach einem Griechenland wie vor 12 Jahren als man dort noch preiswert Urlaub machen konnte. Jetzt haben die Russen – ebenso wie in der Türkei – das Zepter in der Hand und sorgen für einen gewissen Solidarbeitrag für den griechischen Tourismus. Geld scheint in Russland für Reisen in die Türkei und nach Griechenland noch genug vorhanden zu sein. Wenn Griechenland freiwillig aus der EWU austritt und die Drachme wieder einführt, würden sie sich wahrscheinlich sogar ein Gefallen tun, wenn Sie das Ganze als Lernprozess verstehen. Die Griechen können bei der neuen Drachme dann viel Silber verwenden, dann ist die Drachme später einmal mehr wert, was auf dem Geldstück draufsteht. Auch für Griechenland wäre das dann „back to the roots“ – und das wäre gut so.

    Die Weltbörsen bleiben zunächst verunsichert. Bitte bedenken Sie aber, dass es an der Wall Street bisher noch keinen Crash, sondern nur eine Korrektur von 6-8% gegeben hat. Die Wall Street schloss am Freitag mit einem Plus von 0,6% bei 11489 Indexpunkten, wobei der Index bei 11.800 nach unten ausgebrochen war. Dagegen betrugen die Kursverluste beim DAX seit der Spitzte über 30% und auch in Russland über 20%. Der EuroStoxx fiel schon über 40% von 3000 auf unter 2000 Indexpunkte. Jetzt wurden sogar wieder neue Tiefstkurse im September erreicht, wobei der Tiefpunkt wie schon im August bei Vollmond am 12/13. September erreicht wurde, was auch auffällt. Der DAX fiel damals am 12. und 13. September zur Vollmond-Zeit intraday sogar unter die magische 5000-er-marke, erholte sich aber wieder auf über 5500, was immerhin 10% im Trading-Bereich sind der DAX schloss am Freitag sogar mit einem Plus von 1,18% bei 5573 Indexpunkten.

    Am 27. September ist Neumond und dann kommt wieder ein kleiner Rebound im intakten Bärmarkt. Wurde die Übertreibung in Europa im Vergleich zu den USA etwa auch von amerikanischer oder angelsächsischer Seite ganz bewusst imitiert? Auch George Soros und alle Allen Greenspan hacken jetzt mit klugen Ratschlägen und provokativen Anmerkungen auffällig oft auf Europa und den Euro ein. Nach ihrer Meinung steht der Euro kurz vor dem Zusammenbruch und Deutschland hat dies durch das zögerliche Verhalten bei der Griechenland-Rettung mit zu verschulden. Will da Amerika etwa ganz bewusst Europa schwächen? In die gleiche Richtung gehen die gut gemeinten (?) Ratschläge von Obama und Geithner, die eher nachdenklich stimmen.

    In die Bresche springt jetzt China und man wird sehen wie das Ganze hinter den Kulissen ausgeht. Mein Tipp: Die Wall Street wird wohl als erste Börse das alte Niveau vielleicht sogar noch bis Jahresende trotz anhaltend schwacher Konjunkturdaten erreichen. Das Plunge Protection Team hat in den USA Schlimmeres verhindert. Es gibt aber zu denken, dass Deutschland als drittwichtigste Industrienation der Welt bei allen wichtigen Gremien der Welt wie IWF oder EZB keine Rolle spielt und offensichtlich kein Gehör findet. Mit der alten Bundesbank-Stabilitätspolitik hat die EZB-Politik unter Trichet in der Tat wenig gemeinsam und eine französische Führung beim IWF ist auch nicht gerade stabilitätsfördernd. Jetzt fehlt nur noch, dass ein Grieche, Italiener oder Spanier Nachfolger von Trichet wird.

    Angela Merkel wird allmählich zur Marionette von Josef Ackermann, der im Hintergrund bei der Rettung des Euros und Europas die Fäden ganz im Sinne seiner Bank die Fäden in der Hand hält. Kann Angela Merkel nicht auch eine eigenständige Politik machen? Sicherlich ist sie auf gute Berater angewiesen, aber muss nicht unbedingt nur die Deutsche Bank als Ratgeber sein.

    Es ist doch ganz klar, dass Griechenland ohne Abwertung (also Austritt aus dem Euro) dauerhaft und nachhaltig nicht wettbewerbsfähig sein kann und daher dauerhaft mehr Schulden macht, selbst bei einem effizientem Steuereintreibungssystem (vor allem bei den 200 Mrd €, die in der Schweiz brach liegen). Möglich wäre auch eine interne Abwertung durch geringere Löhne vor allem bei Staatsbediensteten, längeren Rentenalter und billigeren Preisen auch im Tourismus. Aber diesen Weg ist Griechenland politisch wohl nicht in der Lage zu gehen. Die gegenwärtige Rosskur, die jetzt vorgeschlagen wird, kann mittelfristig dennoch für die Zukunft hilfreich und heilsam sein, denn auch nach ein Schuldenschnitt wird Griechenland neues Geld aus dem Ausland benötigen, wenn auch nicht mehr so viel wie zuvor.

    Griechenland sollte sich – so der so - ein Beispiel an Estland nehmen, wo jetzt durch Selbstdisziplin wieder Wachstumsraten von über 5% möglich sind und das bei einem fast ausgeglichen Haushalt und einer niedrigen Staatsverschuldung. Es geht also doch! Das wäre sogar in Griechenland möglich. Unternehmen und Staatsfonds sollten jetzt in Griechenland investieren, anstelle zu lamentieren. Es wäre allerdings von Vorteil, wenn die Griechen auch eine Quittung und Bilanzen kennen. Aber dafür können sie jetzt in Estland auf die Schulbank gehen. Wenn es in Deutschland demnächst die Rente mit 69 oder 70 gibt, dann sollte das auch Griechenland oder gleich ganz Europa einführen. Es gibt viel zu tun. Packen wir es gemeinsam an und fordern alle. Back to the roots, liebe Finanz- und Geldpolitiker. Das heißt aber auch das Übel an der Wurzel zu packen.

    Strategisch interessant sind jetzt Länder die wenig verschuldet sind und Börsen, die unverschuldet in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sicherlich gehört diesbezüglich Russland und damit die die Moskauer Börse gerade jetzt weiter auf die Watchlist: Auch Russland ist nur mit 10% des BSP verschuldet und hatte im ersten Halbjahr sogar eine Haushaltsbilanzüberschuss, was viel zu wenig gewürdigt wurde, denn auch russische Aktien verloren bis jetzt grundlos über 20% an Wert, nur weil Risikoinvestoren ihre Portfolios räumten bzw. räumen mussten.

    Der RTS gab an Freitag wieder um 1,7% auf 1575 Indexpunkte nach und bleibt damit im Panik-Modus, obwohl der WTI-Ölpreis bei 89 USD/Barrel recht stabil blieb. Es kann gut sein, das einige Hedgefonds jetzt schief liegen und daher auch russische Aktien verkaufen müssen. Zudem gab es erhebliche Kapitalabflüsse bei einigen Hedgefonds, die dann auch zu Zwangsverkäufen führen, was die illiquiden Märkten wiederum unter Druck bringt. Sogar der Hedgefonds von Goldman Sachs Global Alpha (Computerhandel) musste geschlossen werden, dessen Fondsvolumen von 12 auf 1,6 Mrd USD schmolz. Nächste Woche könnten die Kurse noch weiter fallen. Russland bleibt einer dennoch einer der am niedrigsten bewerteten Emerging Markets der Welt und bleibt damit auch chancenreich, wenn es nicht eine globale Rezession und damit stark fallende Rohstoffpreise in 2012 geben sollte.

    Ich rate daher im Trading-Bereich weiter zu gestaffelten Abstauberlimits zu kaufen, wobei Sie liquide Vehikel und Aktien bevorzugen sollten. Auch hier müssen Sie Ihr Depot aktiv managen und nicht passiv zuschauen, was passiert. Welche Aktien jetzt interessant sind, können Sie im neuen EAST STOCK TRENDS nachlesen, der am 9. September erschienen ist. Bestellen Sie jetzt ein Probe-Abo des ESR (3 Ausgaben per e-mail nur für 15 €, siehe www.eaststock.de ).

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    Hinweis: Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar "Go East!" wird am 22. November 2011 um 17.30 Uhr in Frankfurt/M gleich nach dem EK-Forum stattfinden (Dauer 3-4 Stunden). Dort wird dann auch diskutier, wie es mit dem Euro und der globalen Verschuldung weitergeht, wobei die Ostbörsen im Mittelpunkt stehen. Melden Sie sich jetzt an mit einem Frühbucherrabatt von 80 € anstelle von 100 € unter www.eaststock.de oder direkt bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel 040/6570883, E-mail: info@eaststock.de.

  • Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende?

    Sonntag, 11. September 2011 11:44:00

    „Haben Sie Angst um Ihr Geld? Haben sie also Angst vor einem Lehman II im Quadrat?“Dann gehören Sie zu den 90%, die im Moment ein ungutes „Bauchgefühl“ haben und nicht mehr so recht wissen, was „ da oben“ eigentlich gespielt wird und wie es weitergehen soll. Was ist der Plan B und gibt es überhaupt einen bei der Rettung von Griechenland, des Euros, der Banken und des Welt-Finanzsystems? Die Börsen befinden sich nach wie vor im Panik-Modus und reagieren auf jede „bad news“ mit großen Kursabschlägen gen Süden. Damit signalisieren aber nur, dass es im Moment eine großen Vertrauensverlust in die Gestaltung der Politik gibt. Dies verwundert nicht, da von Politikeren ständig Verträge und Zusagen gebrochen wurden und im Moment versucht wird nur auf Zeit zu spielen, aber die eigentlichen Probleme nicht bei der Wurzel packt. Die EZB wird zunehmend von der Politik instrumentalisiert und verliert damit ihre Unabhängigkeit. Dabei tickt die Zeitbombe.

    Wenn schon ein Josef Ackermann bei seinen letzten Reden anmahnt, dass eine Reihe von europäischen Banken Pleite gehen würden, wenn sie die „PIGS“-Anleihen auf das erforderlichen Maß abschreiben würden, natürlich ohne Namen zu nennen, dann kann man den letzten Bankenstresstest getrost in die Tonne werfen. Ein „too big to fail“ darf es meiner Meinung nach in einer funktionierende Marktwirtschaft nicht geben. Sicherlich muss dafür Sorge getragen werden, dass wenn eine Großbank Pleite gehrt, nicht auch alle anderen Banken der Welt durch die vernetzten Systeme Pleite gehen. Es muss also einen regionalen und eine globalen Rettungsfonds geben, wo aber nur die Banken abgefedert werden, die durch eine Bank, die Pleite geht, nicht allzu sehr stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Der globale Rettungsfonds ist im Moment der IWF auch dem werden die Gelder bald ausgehen, wenn es o weiter geht. Zudem müssen die Eigenkapitalquoten auf mindestens 10% festgelegt werden. Wer so etwas wie PIGS Anleihen oder intransparent Derivate im Depot hat, Betracht ein Eigenkapital von mindestens 25%.

    Es muss auch Banken geben, die nur die Wirtschaft mit Krediten versorgen wie es die Genossenschaftsbanken und Sparkasse auch recht solide machen, damit es zu keiner Kreditklemme kommen kann, wenn systemische Banken ausfallen. Angeblich gibt es in Europa 20 systemische Banken, die nicht Pleite gehen dürfe, da sonst unüberschaubare Kettenreaktionen entstehen. Die Genossenschaftsbanken haben schon lange einen Feuerwehrfonds und sind damit relativ gut in Krisen aufgestellt. Warum haben dies nicht längst alle Banken übernommen? Bei den Sparkassen gibt es die Gewährträgerhaftung, die bei Landesbanken aber zu einem unverantwortlichen Risikoverhalten animiert hat. Auch hier muss adjustiert und gegensteuert, aber nicht auf Zeit gespielt werden. sonst heißt es irgendwann: game over!

    Ich fordere die EU aber nochmals auf, endlich einen Bankenstresst zu fordern, wo genau diese Pleite-Szenarien von Großbanken und Ländern simuliert werden. Welche Bank hat dann noch genug Risikopolster und Eigenkapitel oder lösen sich die Bilanzgewinne dann ganz schnell in Luft auf? Josef Ackermann ist davon überzeugt, dass die Deutsche Bank AG in diesem Jahr 10 Mrd € netto verdienen kann. Wenn dem so tatsächlich sein sollte, sollte keine Dividende ausgeschüttet werden, sondern alles Geld in den globalen Rettungsfonds und den eigenen Rettungsfonds investiert werden, der in Zukunft dringend notwendig sein wird, um bei den zukünftigen Turbulenzen überleben zu können. Zudem sollte Josef Ackermann genau beziffern, welche Risiken noch bei den anhängigen Klagen und im Investmentbanking schlummern, die die Deutsche Bank AG so groß gemacht hat. Es bedarf einer ähnlichen Umstrukturierung, wie es japanische Banken zuvor gemacht haben.

    Ich fordere auch die Politiker auf, die Banken im Derivate-Bereich transparenter zu machen. Es darf nur noch börsennotierte Derivate gegen und dies müssen dann auch gemäß ihrem Börsenwert bewerte werden. Zudem sollten Leerverkäufe nicht mehr nackt, sondern nur noch zum Hedgen von bestehenden Positionen erlaubt werden. Der Computerhandel und Hochfrequenzhandel sollte untersagt werden, wenn die „Vola“ zu hoch wird. Finanztransaktionen mit Derivaten und Futures sollte höher besteuert und besser reguliert werden. Außerdem muss der Computerhandel im großen Volumen angemeldet und auch höher besteuert werden. Dies ist besser als eine Bankentransaktionssteuer, die auch den Kleinanleger trifft. Auf der anderen Seite muss dafür Sorge getragen werden, dass genug Liquidität vorhanden ist, denn Finanzmärkte funktionieren nur mit Liquidität.

    Wir müssen aber nicht nur die außer Rand und Band geratenen Banken besser überwachen, sondern auch die außer Rand und Band geratenen Politiker, die verantwortungslos immer wieder die Schulden erhöhen. Außer einer Schuldenbremse brauchen wir auch wieder verbindliche Schuldenrückführungsmechanismen, wenn im Notfall die Schulden „vorübergehend“ erhöht wurden. Die bisherige Schuldenbremse hat dies leider nicht berücksichtigt. Auch sind die Sanktionsmechanismen noch nicht geklärt. So ist es wenig verständlich, das Schäuble trotz angeblichen Aufschwung XXL jetzt wieder eine Neuverschuldung von 27 Mrd € einplant. Kann er nicht auch einmal einen ausgeglichenen Haushalt einplanen? Zudem ist es notwendig, dass alle EWU-Länder eine Schuldenbremse in die Verfassung bringen und sich auch daran halten.

    Wir müssen auch den Lissabon-Vertrag und andere EU-Verträge abändern, denn es muss dort unbedingt EWU-Austrittsmechanismus neu eingeführt werden und es müssen auch klare Sanktionsmechanismen festgelegt werden für Länder, die den Stabilitätspakt dauerhaft nicht einhalten. Dies muss zum Stimmenentzug bis zum zwangsweisen Austritt gehen, sowie dies auch im Vereinsrecht möglich ist. Selbstverständlich brauchen wir auch einen neuen Geist der von EU-Präsident Barroso so vehement geforderten „Solidarität und Eigenverantwortung“ in Europa. Dies aber nicht als Worthülse, sondern als klare Regel und praktizierte Übung.

    Der Euro hatte viele Geburtsfehler, aber gibt es denn keine Ärzte, die das nachträglich heilen können? Wo bitte ist die Wissenschaft mit konkreten, praktikablen Alternativen? Ich erwarte demnächst radikale, aber verbindliche und heilende Regeln, sonst wird alles den Bach runtergehen. Es gibt nicht wenige Experten, die jetzt schon das Horten von Bargeld, Konserven, und von Gold/Silber als Allheilmittel empfehlen. Gibt es noch andere Ärzte irgendwo auf der Welt? Dann bitte melden!

    Jetzt haben auch die Medien eine besondere Verantwortung. Sie sollten nicht polemisieren und unnötig auf Panik machen, um die Quoten oder Auflagen zu erhöhen, sondern kontroverse Diskussionen fördern und mögliche Szenarien, aber auch Lösungsmöglichkeiten andenken bzw. kommentieren. Es gibt jetzt viel zu wenige sachlich geführte Pro- und Contra-Diskussionen. Es bedarf dringend neuer Lösungskonzepte auch aus der Wissenschaftler, die aufzeigen, wie man eine zu hohe Staatsverschuldung wieder geordnet herunter führen kann ohne die Konjunktur abzuwürgen.

    Es muss klar sein, dass die die EU eine Transferunion für lange Zeit bleiben wird, so wie auch Westdeutschland für Ostdeutschland eine Transferunion war. So wie es hier einen Länderfinanzausgleich gibt, muss es auch einen Länderfinanzausgleich in Europa geben können Aber wer einen Kredit aufnimmt, übernimmt auch Verantwortung, nämlich die Verantwortung, den Kredit auch wieder termingerecht zurückzuführen und dies aber nicht durch Neukredite, sondern durch Eigenfinanzierung, also Steuereinnahmen und dann Rücklagen für die Kreditzurückführung. Es ist seit Jahrzehnten eine Unart von (Finanz-) Politikern, zu dulden und mitzumachen oder sogar zu fördern, dass Kredite nur durch neue Kredite getilgt werden. Damit wird aber die Verschuldung nicht zugeführt, sondern auf Zeit gespielt.

    Auch ein wie auch immer gearteter Eurobond gehört in eine solche Gedankenkategorie. Wenn dann irgendwann der Kapitalmarkt wie jetzt im Fall von Griechenland streikt, dürfen sich die Politiker nicht wundern, wenn auf den Straßen Chaos entsteht. Griechenland hat jetzt ein Minus von 5% beim BSP und sich damit totgespart. Who ´s next? Ich erwarte in den nächsten Jahren, wenn sich nichts gravierend bessert, bürgerkriegsähnliche Situationen in Südeuropa, Frankreich und in Großbritannien, worunter auch Deutschland leiden wird. Auch werden die Spannungen nach den Revolutionen im arabischen Raum zunehmen, vor allem die Konflikte mit Israel.

    Wenn Sie aber alle an den Stabilitäts- und Sanktionsmechanismen halten oder besser die Kredite termingerecht zurückführen, dann wäre dies ein Friedensbeitrag für Europa. Andersfalls kann Europa auseinanderbrechen, sei es mit oder ohne Euro.

    Wenn Politiker dauerhaft die Stabilitätskriterien nicht beachten, müssen sie bestraft, also ausgetauscht werden oder Geldstrafen bekommen. Warum gehen eigentlich so wenige Bürger wegen der zu hohen Verschuldung auf die Straße, wenn Politiker dauerhaft gegen ihre eigenen Interessen verstoßen und sich übermäßig verschulden? Sie gehen nur auf die Straße, wenn gespart wird wie jetzt in Italien. Generalstreik wie in Italien und in Griechenland machen zwar auf die falsche Umverteilung aufmerksam, sie können ein Land aber auch in den Ruin treiben, weil dann eine Rezession noch schärfer wird wie in Griechenland und demnächst wohl auch in Italien.

    Diejenigen, die sich jetzt die DM herbeisehnen oder einen Nord-Euro haben wollen, seien an das aktuelle Beispiel Schweiz erinnert, die jetzt den Schweizer Franken aufgrund der zu hohen Aufwertung an den Euro bindet. Sonst würde die eigene Exportindustrie kaputt gehen, denn es gibt auch bei Qualitätsprodukten Prohibitivpreise, die kein Konsument mehr duldet und in billiger Produkte ausweicht, es sei denn man befindet sich im Luxus-Segment, wo auch Mondpreise möglich sind. Eine DM oder ein Nord-Euro hätte jetzt ähnliche Probleme wie die Schweiz. Es stimmt auch nicht, das Deutschland nur Zahlmeister der Transferunion ist. Deutschland profitierte wie kein anderes Land durch den künstlich stabilen Euro. Sonst hätten nicht nur Griechenland, sondern auch Italien, Spanien, ja sogar Frankreich um 30 bis 70% abwerten müssen.

    Zudem muss die WTO den Freihandel nicht nur fördern, sondern dort, wo es zu große Ungleichgewichte gibt, auch einschreiten, bevor der die Länder selbst zu protektionistischen Maßnahmen greifen oder ein Währungskrieg anfangen. Es gibt große Ungleichgewichte zwischen China, Europa und den USA, die, wenn sie dauerhaft fortbestehen ein explosives Gemisch darstellen. Immerhin wurde der Renmimbi moderat aufgewertet. Ich glaube daran, dass der Renmimbi nach dem Währungs-Crash, der früher oder später kommen wird, eine bedeutsame(re) Rolle spielen wird ebenso wie der Rubel. Eine große Chance für Deutschland die kommende Krise abzumildern, ist übrigens eine intensive Zusammenarbeit mit Russland. Aber das scheinen viele Politiker noch nicht so recht zu begreifen.

    Wir werden es in den nächsten drei Jahren mit einigeren Zerwürfnissen am Kapitalmarkt zu tun haben, auf das Sie sich mental vorbereiten sollten. Der Zustand der FED und der EZB, die beide von einer unabhängigen Notenbank zu einer abhängigen „bad bank“ mit Schrottanleihen mutierten, ist bereits alarmierend. So verwundert es überhaupt nicht, dass der Chef-Volkswirt der EZB Stark nicht mehr bei dem bösen Spiel mitmachen will und das Handtuch wirft. Auch Ex-Bundesbankchef Weber ist gegen die gegenwärtige Trichet-Politik, die dadurch den Aufkauf von „PIGS-Anleihen im Volumen von 125 Mrd. € nur auf Zeit spielt. Was wäre die Alternative gewesen? Eine Staatspleite von Griechenland und die Pleite von einigen Banken. Durch den Eingriff der EZB haben wir keine Marktwirtschaft mehr, sondern eine Art gelpolitischen Zentralverwaltungswirtschaft, also dass, was wir im Systemkampf immer abgelehnt und bekämpft haben. Wenn wir nun einen europäischen Finanzminister hätten, was Ex-Bundeskanzler Schröder jetzt so vehement fordert, würde sich der Trend zur europäischen Zentralverwaltung(miß)Wirtschaft nur verstärken. Aber wäre dann die angehäuften Europaschulden von 10 Billionen € verschwunden?

    Man kann gut verstehen, dass da Finnland und die Slowakei nicht mitmachen werden. In Deutschland haben wir 2 Billionen € Staatsschulden, aber private Vermögen von 6 Billionen € netto, also abzüglich der privaten Schulden, wobei 10% der Bevölkerung 60% des Vermögens besitzen. Dies sind 88.000 € Vermögen pro Person im Durchschnitt. Über 50% besitzen aber nur 15.000 € im Durchschnitt. 27% der Erwachsenen habe in Deutschland kein Vermögen oder sind verschuldet. Ein Prozent der Bevölkerung besitzt 27% des Vermögens bzw. im Durchschnitt 817.000 €. In den USA ist es nicht anders. 10% der Vermögenden besitzen dort sogar 90% des Vermögens.

    Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Wozu das führt, sieht man jetzt in Griechenland und demnächst in Italien. Es kann zu bürgerkriegsähnlichen Situationen demnächst in Südeuropa kommen. Man sieht es aber auch im arabischen Raum. Es ist absehbar, dass es in Zukunft zu zunehmenden Verteilungskonflikten kommen wird. Viele Staaten werden demnächst an der Schweiz anklagen und nach den dort vorhandenen Vermögen frage, nicht nur die USA. Auch wird zu einer Vermögenssteuer und eine Änderung der Erbschaftssteuer in Deutschland kommen.

    Auch ein ESM, der am 23. September vom Deutschen Bundestag beschlossen werden soll, ist nur ein Spiel auf Zeit. Aber die Zeitbombe tickt dann auch weiter und zwar immer schneller. Die Bürgschaftssumme erhöht sich dann für Deutschland auf 210 bzw. 250 Mrd €, was zwei Drittel des deutschen Bundeshalts sind. Damit wird jetzt von „oben“ über unsere zukünftige Verschuldungssituation entschieden, ob wir es wollen oder nicht. Der Bürger wird damit entmachtet. Ich fordere eine Volksabstimmung für den ESM und auch für den Fortbestand des Euros in allen EWU-Ländern, denn wir sind das Volk, leider nicht in der Finanzpolitik. Auch der IWF wird demnächst an die Grenzen der Belastbarkeit kommen. Da sind wir, wenn es so weitergeht alle nur die Opfer. Aus dieser Opferrolle sollten wir alle herauskommen und auf die Straße gehen und offen zeigen, was wir von der gegenwärtigen Europa-Politik und der Finanz-Politik halten.

    Der Zustand der „PIGSIF“-Länder, GB und der USA ist jetzt schon so dramatisch, dass auch ohne Double Dip schwerwiegende Refinanzierungsprobleme auf die Länder und damit auch auf die Banken zukommen werden. Die notwendigen Maßnahmen zur Beseitigung dieses Ausnahmezustandes werden dramatisch sein. Die aufgespannten Mega-Rettungsschirme werden nicht halten, wenn es zu einer globalen Rezession kommen sollte. Was die Länder nur retten kann, ist eine überraschend hohes Wachstum und die drastische Rückführung von Schulden. Ich spreche dabei Rückführung von Schulden und nicht eine Verminderung der Neuverschuldung. Das wird nicht ausreichen. Es wird außerdem das Gegenteil 2012-15 passieren: nicht mehr Wachstum, sondern deutlich weniger Wachstum zumindest in den USA und in Europa. Die einzige Hoffnung bleiben die wenig verschuldeten Emerging Marktes.

    Kann mir einmal erklären, wer die Billionen € an neuen Anleihen in Zukunft überhaupt kaufen kann, die nur dazu auf dem Markt kommen, um alle (Neu)schulden zurückzahlen zu können? Soll alles demnächst die FED und EZB aufkaufen, was Selbstbetrug wäre? In den letzten Jahren hat sich die Welt-Verschuldung enorm erhöht. Ist das jetzt der Kulminationspunkt, also der Peak erreicht? Dies ist ein Schneeballsystem, das irgendwann alle auf uns einbrechen wird. Wer dass alles ausbaden muss, sind entweder wir oder die Nachfolgegeneration. Vielen Dank, liebe Finanzpolitiker der letzten 60 Jahre!

    Obama will jetzt durch ein 450 Mrd USD Konjunkturprogramm die Arbeitslosenquote von gegenwärtig 9,1% zu mindern. Bei Amtsantritt waren es nur 7,8%. Wo sind jetzt die Visionen von Mr. „Yes, wen can“. Keiner glaubt ihm mehr und er wird einen schweren Stand bei der Wiederwahl im nächsten Jahr haben. Obama wollte 4 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Die 450 Mrd USD für Infrastrukturinvestitionen sollen angeblich ohne zusätzliche Neuverschuldung geschehen, also durch Umverteilung im Haushalt. Beim Verteidigungsetat wäre sicherlich noch Spielraum aber wo noch? Die Tea Party und die Republikaner werden jetzt die Chance nutzen und Obamas Programm an die Wand fahren, um selbst an die Macht zu kommen. Aber dann wird es auch nicht besser.

    Überall auf der Welt ist der Sozialetat der größte Haushaltsposten. Der zweitgrößte Haushaltsposten noch vor dem Verteidigungsetat ist die Zinslast des Staates. in Deutschland sind dies 40 Mrd €, dies aber auch nur bei so niedrigen Zinsen wie jetzt. Bei der Eiführung von Eurobonds und einen wohl doppelt so hohe Zinsniveau wären es schon bald 50-60 Mrd. € an Zinslast.

    Der Rede von Obama war leidenschaftlich ebenso wie die Rede von Angela Merkel im Bundestag für den Euro. Kann es wirklich kein Europa ohne Euro geben. Warten wir es ab. Vielleicht waren beide Reden im Ansatz richtig, nur zur falschen Zeit. Hat Obama die Chance, ein soziales Amerika aufzubauen, was eine Innovation wäre? Die USA wollen keinen Sozialismus und das wird Obama im nächsten Jahr zu spüren bekommen. Hat Angela Merkel die Chance, Stabilität in den Euroraum zu bekommen? Irgendwann wohl ja, aber nicht jetzt. Ich glaube, beide werden scheitern und in 2012/13 abgewählt werden. Aber die Opposition bringt auch keine tragfähigen Lösungskonzepte, die nachhaltig für Stabilität und Solidarität sorgen. Alle machen nur Kosmetik und gehen die Probleme nicht radikal an den Wurzeln an, was aber notwendig ist. Es bedarf demnächst radikaler Lösungen für einen Neuaufbau.

    Die Reden von Obama und Merkel haben an den Börsen auch nichts bewirkt. Mehr Gehör fanden schon die warnenden Worte von Josef Ackermann, der vor weiteren Systemrisiken warnt, und von EZB-Chef Trichet, der für den Euroraum eine deutliche Wachstumsabschwächung erwarte. Auch dass der EZB-Chefvolkswirt zurücktrat, hatte Wirkung gehabt. Das kam nicht gut an Die Analysten befinden sich jetzt alle in einer black box, wo alle Prognosen schon durch die nächste bad news über den Haufen geworfen werden kann. Die Anleger reagieren jetzt sehr nervös. Vile haben Angst um ihr Geld und flüchten sich weiter in Gold/Silber, Barliquidität oder Bundesanleihen, nachdem der Schweizer Franken aufgehört hat, der „sicherer Hafen zu sein. Der Dax brach am Freitag auf ein neues Tief von 5189 um 4% und der Dow Jonas um 2,69% auf 10.992 Indexunkte ein. Auch der RTS- gab um 2,69% auf 1625 Indexpunkte nach. Die Anleger bleiben also vorerst nervös und der Salami-Crash setzt sich wie von mir erwartet und angekündigt zunächst fort. Der Euro brach auf unter 1,37 EUR/USD ein und befindet sich jetzt in einer charttechnischen brisanten Situation (mehr dazu im aktuellen EAST STOCK TRENDS, der gerade erscheinen ist, jetzt bei www.eaststock.de bestellen).

    Die Börsen schauen in die Zukunft und sie sprechen im Moment eine sehr deutliche Sprache. Die Politiker sollten endlich aufwachen und die Warnsignale richtig deuten. Die Börsen und Devisenmärkte bleiben damit im Panik-Modus. Nicht nur Josef Ackermann fühlt sich an die Lehman-Krise zurückerinnert, nur dass die jetzt zu bewältigenden Probleme (Staatsschuldenkrise, Bankenkrise, Euro-Krise, Ohnmacht der Politiker, Demokratieschwund, Systemrisiken, Generationsprobleme. Inflationsgefahren der Zukunft) noch großer sind als nach dem Lehman-Crash. Es kann also ein Lehman-Crash im Quadrat werden. Alles dies sind deutliche Warnsignale für das Finanz-Chaos in dem wir uns im Moment befinden.

    Die Folgen werden notwendige Steuererhöhungen, höhere Sozialabgaben, schleichende Enteignungen (auch über höhere Sozialbeiträge und höher Inflation), und Machtwechsel in der Politik sein. Was wir aber vermeiden müssen ist ein 1929, also eine Konzeptlosigkeit, die zum Bankensterben und zur Massenarbeitslosigkeit und zur großen Depression oder zu Kriegen führt. Aber wie?

    Was wir jetzt ganz und gar nicht brauchen können, um die Verschuldung abzubauen und zu sparen, sind weitere Stellvertreter-Kriege als Ablenkungsmanöver. Schon durch den unnötigen Irak-Krieg haben sich die USA ein kostspieliges Eigentor geschossen. Unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung hat die USA geheime Gefängnisse und Folter benutzt. Die USA haben also ganz bewusst Menschenrechte nicht nur in Guantánamo verletzt, fordern aber international überall Menschenrechte und Freiheit ein. Was ist das nur für eine Demokratie und was für ein Selbstverständnis? Auch der CIA spielt immer wieder eine perfide und zwielichtige Rolle. In Afghanistan werden die Talliban früher oder später zurückschlagen. Al Kaida ist weiter im Irak aktiv. Jedes Wochenende müssen dort Unschuldige streben. Wozu? Wie viele Zivilisten sind im Irak und in Afghanistan gestorben und was hat das gebracht? 53 deutsche Soldaten sind in Afghanistan gestorben bei einer mission impossible und die betroffen Familien fragen sich zu Recht warum?

    Nun bombardiert die NATO in Libyen, aber warum nicht in Syrien und warum nicht in Saudi-Arabien oder Bahrain? Geht es dabei immer nur um Öl? Es ist ohnedies eine Illusion, dort von heute auf morgen westliche Demokratien nach westlichem Vorbild einführen zu können. Jederzeit sind jetzt weitere Terroranschläge möglich, die die Weltbörsen weiter beunruhigen und aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Am 9/11 wird es aber nicht passieren, das wäre zu einfach.

    Nicht ganz unproblematisch sind jetzt auch die zunehmenden Spannungen zwischen der Türkei und Israel sowie Ägypten und Israel. Die Botschaft von Israel in Kairo wurde schon angegriffen. Der gesamte Nahe Osten ist jetzt ein Pulverfass, da keiner weiß, wie in Zukunft das Machtvakuum dort gefüllt wird - auch in Libyen nicht. Genau wie im Irak gibt es keinen Plan, was nach den blutigen arabischen Revolutionen passieren wird, aber es gibt eine Reihe von gut klingenden Worthülsen. Was auch kommen wird, ist irgendwann ein Cyberkrieg, was die nächste Generation des Terrorismus sein wird.

    Geld regiert die Welt? In der Finanzpolitik scheint dies so zu sein. Was ist denn nun besser: ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende? Wir haben es selbst in der Hand, denn wir Menschen aktiv gestalten (oder passiv dulden) unsere Zukunft. Für die Börse sicherlich ein Schrecken mit Ende, auch wenn dies einen Börsen-Crash bedeuten würde. Aber danach geht es weiter. Was brauchen wir also? Eine Währungsreform? Wenn ja, welche Art der Währungsreform? Machen Sie mit: Gestalten Sie die Welt nach ihren Wünschen und lassen die nicht von der Welt gestalten! Management heißt sich aktiv kümmern. Kümmern Sie sich und seien nicht nur bekümmert. Machen Sie mit bei der Ideenfindung der nächsten kommendem Finanzproblemen die uns alle mehr beschäftigen werden als uns lieb ist.

    Seien Sie also ein aktiver Leser und nicht ein passiver, anonymer Leser. Was sind Ihre Vorschläge zur Verbesserung der globalen Finanzwelt und zur Vermeidung des Super-Gaus und der Kernschmelze? Bitte schreiben Sie es mir. Welche sinnvollen und praktikablen Alternativen gibt es zur gegenwärtigen Geld- und Finanzpolitik? Was würden Sie machen, wenn Sie Bundeskanzler oder Obama wären? Oder ist der Super-Gau und die Kernschmelze notwendig- nach dem Maya-Kalender haben wir Zeit bis zum 21. Dezember 2012, dann gibt es keine Maya-Kalender mehr.

    Bitte vormerken: die Jahre 2012 -2015 werden die Jahre des dramatischen Wandels werden mit sich zuspitzende Problemen und radikalen Veränderungen sein. Stellen Sie sich schon einmal darauf ein. Es ist dann wie nach 9/11. Danach ist nichts mehr so wie es früher einmal war. Wir befinden uns schon jetzt im Ausnahmenzustand. Berlusconi will sein „Scheißland“- so wird es selbst zitiert - verlassen, wenn es so weitergeht. Das ist die falsche Flucht der Verursacher des gegenwärtigen Zustands. Nehmen wie die Herausforderungen als Gestalter und nicht als Opfer an. Sie können selbst dazu einen Beitrag leisten. Wir leben im Moment wahrlich nicht in normalen Zeiten, sondern im Ausnahmezustand. Jede Krise birgt auch eine Chance in sich, die Chance der Veränderung. Die G20 hat bisher viele gute Chancen verpasst, denn es hat sich seit der Lehman-Pleite im Finanzsektor nicht viel geändert. Es ist noch etwas Zeit zu verändern oder wollen wir jetzt alle nur Bargeld, Gold/Silber und Konserven zum Überleben sammeln. Ist das alles tatsächlich „alternativlos“? Es gibt viel zu tun. Packen wir es gemeinsam an ohne unser schönes Land zu verlassen! Wir sollten keine weiteren Terroranschläge benötigen, um aufzuwachen. Heute (9/11) ist ein denkwürdiger Gedenktag. Nutzen Sie zum Nachdenken und Querdenken!

    Die Börsen befinden sich zwar im Panik-Modus, wovon auch die Ostbörsen diesmal ohne eigenes Verschulden in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dies eröffnet aber auch gute Rebound-Chancen in Trading-Bereich.

    Ich rate daher im Trading-Bereich weiter zu gestaffelten Abstauberlimits zu kaufen, wobei Sie liquide Vehikel und Aktien bevorzugen sollten. Auch hier müssen Sie Ihr Depot aktiv managen und nicht passiv zuschauen, was passiert. Welche Aktien jetzt interessant sind sind, können Sie im neuen EAST STOCK TRENDS nachlesen, der am 9. September erschienen ist. Bestellen Sie jetzt ein Probe-Abo des ESR (3 Ausgaben per e-mail nur für 15 €, siehe www.eaststock.de ).

    Wenn Sie sich aktuell informieren wollen, wie Sie sich jetzt verhalten sollen, dann hören Sie jetzt mal in die Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) rein.

  • Der IWF schlägt Alarm - und die Börse auch!

    Sonntag, 04. September 2011 00:01:00

    Der IWF stellt fest, dass die europäischen Banken mit 200 Mrd € unterkapitalisiert sind, wenn es in Südosteuropa zu Staatsbankroten kommen sollte. Auch der Weltbank-Chef Zoellick sieht neue Gefahren für die Euro-Zone im Herbst voraus, womit er recht haben sollte Dies steht im Widerspruch zu dem letzten europäischen Bankenstresstest, bei dem nur 8 Bänken durchfielen.

    Freilich wurden dort noch nicht die Pleiten von Ländern im EWU-Raum simuliert. Ich fordere schon lange, dass dies die EU jetzt endlich in einem neuen Stresstest machen sollte. Die neuen Zahlen aus Griechenland mit weit höheren Defiziten als geplant zeigen deutlich, dass Griechenland sich so „tot spart“ und so nicht zu retten ist. Es bedarf dringend flankierender Investitionen und es bedarf endlich einem Cut bei den Anleihen. Selbst griechische Anleihen, die noch unter den Rettungsschirm bringen eine Rendite von 25%. Der Cut müsst also mindestens 20-30% betragen.

    Es besteht nach wie vor die Gefahr eines Flächenbrands, wenn auch Portugal, Italien und Spanien in Gefahr kommen, ihre auslaufenden Staatsanleihen nicht mehr zu vernünftigen Zinskonditionen refinanzieren zu können. Präsident Berlusconi rudert schon wieder zurück und nimmt die Reichensteuer und auch die starken Sparpläne bei den Kommunen zurück. Wie er 45 Mrd € sparen will, weiß er wohl selber nicht. EZB-Bank Trichet äußert sich besorgt wegen des zu laschen und wenig konsequenten Vorgehens der italienischen Regierung. Auch in Italien gibt es kaum Wachstum und zu wenige wirtschaftliche Impulse. Im Fall von Italien wären die EZB und auch der EU-Rettungssschirm überfordert, effektiv helfen zu können. Die Schulden Italiens sind mit 1,9 Billionen € einfach zu groß. Es ist aber dringend geboten, dass alle südosteuropäischen Länder wieder die Maastricht-Kriterien beachten und bei Nicht-Beachtung ihr Stimmrecht im europäischen Parlament verlieren. Warum hat man diesen Sanktionsmechanismus nicht schon längst eingeführt?

    Ob der nun am 23. September im Bundestag zu beschließende erweiterte Rettungssschirm in Form des Europäischen Stabilitätsgesetzes (ESM) Europa weiter bringt ist fraglich. Zum einen nütz es wenig, wenn dies nur Deutschland beschließt, zum anderen müssen auch hier die Sanktionsmechanismen transparenter und einfacher durchführbar gemacht werden. Es nützt zudem wenig, wenn Finnland und die Slowakei dagegen stimmen. Was die EU und auch die Parlament von EWU-Ländern beschließen müssen, ist zudem einen ein obligatorischer Banken-Rettungsfonds und zum anderen höhere Eigenkapitalquoten bei Banken. Warum geschieht das nicht? Einer zu befürchtende Kreditklemme könnte die EZB durch hinreichend Liquidität entgegenwirken. Aber schon jetzt wird viel zu viel Bankenliquidität bei der EZB geparkt und nicht in Form von Krediten an di Wirtschaft weitergegeben.

    Wenn die Deutsche Bank AG angeblich mit einer Kernkapitalquote von 2% auskommt, dann wird dort viel zu hoch mit fremdem Geld gehebelt. Banken sind da nicht anders als Derivate mit hoher Hebelwirkung und folglich hohen Risiken. Zudem haben Banken immer noch riskante Derivate in ihren Büchern und wissen nicht so recht wie sie sie rausbekommen. Sie sollten eine „bad bank“ für Derivate als Tochter gründen und dort aber auch alles transparent machen, was einbringlich ist und was nur auf dem Papier steht. Bisher sehen die Bankbilanzen nur durch Bilanzierungstricks relativ gut aus, das wahre Bild dürfte viel schlechter sein. Daher gerieten Banktitel vergangene Woche auch wieder unter Druck. Zudem erwies sich Griechenland mit den neuen Zahlen einmal wieder als Fass ohne Boden. Die IWF-Auflagen wurden nicht erfüllt und es ist fraglich, ob die nächsten IWF und EU-Kredite ausgezahlt werden.

    Die Banken sollten wissen, dass auch Staatsanleihen jetzt nicht mehr sicher sind und daher von sich aus entweder weniger hoch rentierliche, aber zweifelhafte Staatsanleihen kaufen oder freiwillig das Eigenkapital auf über 10% erhöhen. Basel III ist im Falle von Staatspleiten zu wenig. Zumindest von den systemischen Banken muss eine höhere Eigenkapitalbasis gefordert oder noch besser obligatorisch auferlegt werden. Die europäischen Banken sollten gleich damit anfangen, freiwillig ihr Eigenkapital auf mindestens 10% zu erhöhen und auch bei zweifelhaften Staatsanleihen entsprechende Abschreibungen vornehmen, so wie dies in der Schweiz schon zur Pflicht gehört. Ich rechne spätesten im nächsten Jahr mit dringend erforderliche Mega-Kapitalerhöhungen und Fusionen.

    In Griechenland kam es schon zu Zwangsfusionen von Großbanken, was den griechischen Aktienmarkt zwischenzeitlich sogar um über 20% steigen ließ, nachdem er zuvor im freien Fall war. An den Weltbörsen dominieren aber immer noch Rezessionsängste, die von den USA auf Europa herüber schwappen könnten. Obama hat die BSP-Wachstumsprognose von 2,7 auf 1,7% drastisch gesenkt und die Arbeitsmarktdaten waren am Freitag auch schwach.

    Dagegen konnte der deutsche Finanzminister Schäuble mit erhobener Brust ein Defizit des Bundeshaushalts von nur 0,6% des BSP im ersten Halbjahr vermelden. Bis Jahresende wird nur ein Defizit von 1,5% erwartet. Daran sollte sich die USA und Großbritannien einmal ein Beispiel nehmen. Das Sparen und Wachstum kein Widerspruch sein muss, zeigt auch Estland mit ein Defizit von nur 1,5% und ein Wachstum von 3%. Es geht also, nur wohl nicht in den USA du Großbritannien, erst recht nicht in Griechenland, die schon lange durch zu viel Pump alle weit über ihre Verhältnisse leben.

    Die Weltbörsen reagierten ab der Mitte letzte Wochen wieder sehr negativ auf die schwachen US-Konjunkturdaten und -prognosen. Es konnten kaum neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wobei ein Zuwachs von 68.000 Stellen für August erwartet worden war. Der Stellenzuwachs im Vormonat war zudem mit 85.000 geringer ausgefallen als zunächst gemeldet (117.000). Auch der Immobiliensektor ist in den USA noch schwach, ganz im Gegensatz zu Deutschland. Auf die Stimmung drückten auch pessimistische Aussagen der US-Regierung. Die Regierung erwartet für dieses Jahr eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und ein geringeres Wirtschaftswachstum als zunächst vorhergesagt. Experten rechnen nun damit, dass die US-Notenbank weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur ergreifen wird.

    Banken litten unter einem Bericht der „New York Times“, wonach die US-Regierung ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank AG wegen unlauterer Hypothekengeschäfte auf Schadenersatz in Höhe von 200 Mrd. USD verklagen will. Die falsche Darstellung der Risiken ging 2007/8 zu Lasten der beiden US-Hypothekenbaken Fannee Mae und Freddie Mac. Kurz vor Ertönen der Schlussglocke reichte die Aufsichtsbehörde FHFA tatsächlich entsprechende Klagen ein.

    Die Börsen reagierten am Freitag auf diese Aneinanderreihung von „bad news“ wieder mit Panikverkäufen, nachdem der Donnerstag schon sehr schwach war. Damit wurde auch die leichte Kurserholung der letzten 10 Tage wieder zunichte gemacht. Der DAX brach um 3,36% auf 5538 Indexpunkte und der Dow Jones um 2,2% auf 11.240 Indexpunkte ein. Alle Welt flüchtete sich wieder in den Bund-Future, der mit 136,89 ein neues Allzeit-Hoch erreichte, und in Gold, das am Freitag 3,03% auf 1882 Indexpunkte stieg. Auch Silber konnte deutlich um 3,76% auf 43 USD/Unze zulegen, was ich aber auch erwartet und vorausgesagt hatte. Der WTI-Ölpreis fiel um 2,66% auf 86 USB/Barrel. Hier könnte der Ölpreis weiter fallen, wenn demnächst auch Libyen-Öl wieder auf den Markt kommt. Aufgrund des schwachen Ölpreises fiel auch der RTS-Index um 2,74% auf 1657 Indexpunkte. Auch die nächste Woche dürfte mit schwachen Kursen starten.

    Dabei bleiben die Kursverluste beim DAX und auch beim RTS viel höher als in den USA. Der Dow Jones verlor durch das Plunge Protection Team im August nur 4% an Wert, dafür gab es beim DAX-Future enorme Umsätze auf der Short-Seite und ein Kursverlust von 19%. Ich fordere nach wie vor, dies von EU-Seite zu untersuchen und Ross du Reiter zu nennen. Angeblich soll die unglaubliche Summe von über 100 Mrd. USD in DAX-Future und andere Derivate geflossen sein und einige wenige sind dadurch sehr viel reicher geworden. Die Banker und Politiker sollten unabhängig davon die Warnungen des IWF und der Börse ernst nehmen, sonst kommen wir alle tatsächlich in erhebliche Schieflagen, die nicht mehr zu korrigieren sind.

    Am 11. September werden wir an das schreckliche Ereignis vor 10 Jahren in New York erinnert, das angeblich die Welt veränderte (leider nicht) . Der CIA hat mit Gaddafi bei der "Terrorbekämpfung" offensichtlich gut kooperiert. Man fragt sich auch, warum die NATO nur in Libyen und nicht in Syrien aktiv wird, wo gleiches Unrecht passiert und oppositionelle Menschen täglich sterben. Auch dies schafft nicht Vertrauen ebenso wie der unsinnige Irak-Krieg zuvor. Wenn jetzt noch ein Terroranschlag von großer Tragweite käme, wären die Börsen wohl der Verzweiflung nahe.

    Zudem sollte es auch in Europa so etwas wie ein Plunge Protection Team geben, also eine Finanzgemeinde , die kräftig gegensteuert und den Short-Zockern das Leben schwer macht, wenn es erforderlich ist. Es ist aber umgekehrt: die Angelsachsen machen im Moment eine grausam schlechte Politik, erst recht eine schlechte Sozialpolitik, aber sie beherrschen über Future-Kontrakte und „echten“ Verkäufen den europäischen Markt und auch den DAX via London. Das muss geändert werden, denn die Märkte sind eindeutig manipuliert. Dabei wird auch die Uneinigkeit der EU-Finanzpolitiker brutal ausgenutzt, die mehr oder weniger alle nur ihr eigenes Süppchen kochen, wobei die Suppe schon lange versalzen ist. Ich wage zu bezweifeln, dass es jemals einen EU-Finanzminister oder gar einen Eurobonds geben wird. Die PIGS-Länder würden ohnehin allen gegen einen Eurobonds stimmen, wenn sie dabei die Finanzsouveränität verlieren würden.

    Ich glaube nicht so schnell, dass Europa in der Krise mit einer Stimme spricht und dass es genug Solidarität gibt. Das Gegenteil ist eher der Fall. Es ist eine Illusion, hier die EU mit den USA zu vergleichen. Schon das ESM ist der Versuch, die EU-Länder finanzpolitisch zu entmachten, was wohl nicht gelingen wird. Wie solle aber die EWU jetzt aus der Schuldenkrise herauskommen?

    Belgien hat es immerhin einmal geschafft, die Verschuldung zum BSP von 138 auf 80% zu senken. Dies müssen jetzt dringend alle zu hoch verschuldeten Länder „irgendwie“ schaffen, sonst wird es immer wieder neue Euro-Krisen geben, die sich von Jahr zu Jahr verschlimmern anstelle zu verbessern. Ein ESM nützt auch relativ wenig, wenn nicht alle EU-Länder von sich aus eine Schuldenbremse einbauen und klare Sanktionsmechanismen beachten.

    Über den Fortbestand des Euros und der Euro-Rettungsmaßnahmen sollte es nach Auffassung vom FDP-Politiker Schäffler eine Volksabstimmung geben. Die ist zwar im Grundsatz richtig, allerdings muss das Volk dann wesentlich besser informiert und aufgeklärt werden als es bisher der Fall ist. Die meisten Menschen verstehen nicht mehr, was da „oben“ passiert. Noch schlimmer wäre dann die Entfremdung, wenn alles von einem EU-Finanzminister entschieden wird. Frank Schaeffler und Frau Sylvia Canel von der FDP werden am 23. September im Bundestag gegen den erweiterten EU-Rettungssschirm ESM stimmen. Auch der sehr einflussreiche Wolfgang Bosbach, der Vorsitzenden des Innenausschusses, will dagegen stimmen, weil der EU-Rettungsschirm die Probleme nicht löse, sondern eher fördere, wie die neuen Zahlen aus Griechenland belegen.

    Nach dem alten EU-Rettungsschirm hat Deutschland einen Bürgschaftsanteil von 123 Mrd. €. Nach dem jetzt bestehende Rettungssschirm dürfen die EU-Länder maximal 60 Mrd. € als gemeinschaftliche Kredite in einer Zweckgemeinschaft aufnehmen und an das notleiden Land geben. Bisher sind „nur“ die Länder Griechenland, Irland und Portugal unter dem EU-Rettungsschirm, obwohl dies wenig zur Beruhigung der Finanzmärkte beigetragen hat. Die nächsten Herabstufungen der Rating-Agenturen und damit weitere Kursverluste an der Börse sind nur noch eine Frage der Zeit.

    Der EU-Rettungssschirm sollte im Juni 2013 ursprünglich auslaufen und nicht zu einer Dauereinrichtung werden, was jetzt aber doch geplant ist. Zudem wird der deutsche Bürgschaftsanteil auf 190 Mrd. € bei eine Gesamtbürgschaftssumme von 700 Mrd. € erhöht. Es ist auch noch nicht ganz klar, ob der Bundestag auch in Zukunft über EU-Kredite entscheidet oder dies an einen EU-Verwaltungsrat abgibt.

    Es ist in der Tat eine Farce. Da gibt es seit Jahren schon EWU-Maastricht-Kriterien und keiner hält sich daran. Da überschreitet die EZB ihre Befugnisse und kauft italienische und spanische Anleihen auf. Wie wird sie den Schrott wohl wieder loss werden? Auch die EZB muss wohl demnächst eine Mega-Kapitalerhöhung machen. Wir befinden uns nach wie vor im Ausnahmenzustand. Es werden ständig Vereinbarungen und Gesetze gebrochen sowie Abmachungen und Aussagen von Politikern nicht eingehalten. Soll das etwa Vertrauen (an der Börse) in den Euro und die Europa-Politik schaffen?

    Trotz der erneuten Panikverkäufen letzte Woche, glaube ich an einem kräftigen Rebound noch in diesem Jahr, der wahrscheinlich aber erst nach Bekanntgabe des QE3 der FED erfolgen wird. Ich rate daher im Trading-Bereich weiter zu gestaffelten Abstauberlimits, wobei sie liquide Vehikel und Aktien bevorzugen sollten Welche dies sind, können Sie im neuen EAST STOCK TRENDS nachlesen, der schon nächste Woche erscheint. Bestellen Sie jetzt ein Probe-Abo des ESR (3 Ausgaben per e-mail nur für 15 €, siehe www.eaststock.de ).

    Wenn Sie sich aktuell informieren wollen, wie Sie sich jetzt verhalten sollen, dann hören Sie jetzt mal in die Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) rein.

  • Danke, Christian Wulff – es geht um alles!

    Samstag, 27. August 2011 12:39:00

    Die Rede vom Bundespräsidenten Christan Wulff vor wirtschaftswissenschaftlichen Nobelpreisträgern fand zu recht vergangene Woche viel Beachtung. In ungewohnter Schärfe kritisierte er den Aufkauf der EZB von griechischen, italienischen und spanischen Anleihen, die politisch und rechtlich bedenklich seien. Da muss ich ihm Recht geben. Ich habe immer betont, dass wir uns schon durch die ungewöhnlichen Aktionen der Notenbanken nach wie vor auch 2 Jahre nach dem Lehman-Schock und trotz angeblichem Aufschwung XXL im Ausnahmenzustand befinden. Es kann und darf sich nicht sein, dass die EZB nun in der Not den gleichen Fehler wie die FED begeht und in einer Nebenabteilung zu einer Art „bad bank“ von europäischen Staatsanleihen in Not mutiert.

    Um es ganz klar zu sagen: „bad bank“ heißt, dass der Steuerzahler später am Ende in der Not retten muss (durch Steuererhöhungen), ohne etwas dafür zu können oder dazu beigetragen zu haben. Vor allem versteht der Normalbürger nicht mehr, was sich die Europa-Bürokraten nun alles ausdenken, um den Anschein zu erwecken, dass sie die Dinge im Griff haben. Nein, sie haben es leider nicht, nur darf das keiner merken. Man kann dies dann auch „schleichende Enteignung auf Zeit“ nennen, wobei jetzt nur auf Zeit gespielt wird. Quo vadis, schöne Marktwirtschaft??? Es wird Zeit, dass sich nicht nur das Bundesverfassungsgericht mit dieser komplexen Thematik befasst. Ich befürchte aber auch, dass auch die nicht richtig durchblicken. Es ist aber auch Zeit, dass dieses Verschuldungsthema and Landes- und EU-Ebene auch in Universitäten, Schulen und auf der Straße ausgiebig diskutiert wird und nicht nur von zum Teil inkompetenten Politkeren oder gar EU-Bürokraten „von oben“ entschieden wird. Wie gesagt: es steht jetzt alles auf dem Spiel!

    Ich bin sehr dafür, dass Politiker und Amtsträger in hohen Funktionen Tacheles reden und keinen Blatt vor dem Mund nehmen. Die CDU-Spitze versucht gerade möglichst viele Abgeordnete in der Fraktion auf „EU- und EWU-Kurs“, also auf Euro-Kurs, zu bringen, wobei viele Politiker die Komplexität der Sachverhalte gar nicht verstehen. Es gibt dabei auch schon „Geheimvorschläge“, dass Deutschland aus der EU austreten soll, da die deutschen Bürger später finanziell überfordert werden. Es versteht sich von selbst, dass ein so wichtiges Papier wie der Vorschlag für einen Europäischen Stabilitäts-Mechanismus (kurz) ESM im Bundestag diskutiert und nicht in Geheimschulbladen des Finanzministeriums als „alternativlose“ Notfalllösung präsentiert wird.

    Ich fordere zudem alle Politiker auf, eine offene Diskussion mit der Bevölkerung zu führen, denn es steht jetzt sehr viel auf dem Spiel oder mit den Worten von Helmut Kohl auszudrücken, kann in kurzer Zeit alles das aufs Spiel gesetzt werden, was in über 20 jähriger Aufbauarbeit für Europa (und Deutschland) geleistet wurde. Europa droht wegen der Verschuldungszwänge und Rezessionsgefahren in Südeuropa auseinanderzubrechen und damit der Euro als künstliches Korsett auch, während Nord-Europa recht stabil ist. Soll es deswegen einen Nord-Euro und ein Süd-Euro geben. Letztendlich wird es in Zukunft keinen Königsweg geben, sondern immer nur das bessere Übel, an das wir uns gewöhnen müssen.

    Ich forder auch alle maßgeblich beteiligen Politiker auf, sich dabei für jeden verständlich auszudrücken. Eine Unart der deutschen Europa-Bürokraten ist es zunächst Wortungetüme zu entwickeln, die schon aufgrund der Wortzusammensetzung und Wortlänge kaum ein Normalbürger versteht. Den Normalbürgern wird es aber früher oder später betreffen, denn er muss ob er will oder nicht sich den Schuldenzwängen, die Politiker zu verantworten haben, anpassen müssen. Eine weitere Unart ist es, die Wortungetüme in Kürzel zusammenzufassen, die dann hernach erst recht keiner versteht, die aber in aller Munde sind bzw. sein sollen. Dient das etwa der Aufklärung der Bevölkerung, die ein Recht hat, aufgeklärt zu werden?

    Nun soll also ein sogenannter Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) nach dem Juni 2013, wo der Europa-Rettungssschirm ausläuft, die bisherige Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (kurz EFSF, wie bitte?) und den Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (ESFM) ersetzen. Auch über die Ausweitung des Rettungsschirms im Volumen von 700 Mrd € wird immer wieder diskutiert ohne dadurch die Situation zu verbessern, dass die Börsen hypernervös auf alle bad news jetzt reagieren werden. Es wäre besser gewesen, wenn die Politiker nicht zugelassen hätten, dass die damaligen Stabilitätskriterien á la Maastricht, an die sich heute keine mehr halten will, nicht nachhaltig beachtet, sondern immer wieder gebrochen wurden.

    Dazu zählte auch Deutschland selbst, wobei die Deutschen Einheit sicherlich ein Opfer war, die eine zusätzliche Verschuldung vorübergehend (?) gerechtfertigt hat. Nun ist Europa aber ganz klar eine Transferunion geworden so wie Westdeutschland für Ostdeutschland auch eine Transferunion war und ist. Die EU war aber durch die Strukturhilfen und Kreditvergaben zu Niedrigstzinsen schon immer eine Transferunion. Politiker sollten dies schon beim Namen nennen, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Man hätte nur früher einen „Solidaritäts-Euro“ einführen müssen, um strukturschwachen Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit zu helfen, auf die Beine zu kommen. Kredite mit zeitlich genau terminierten Rückzahlungszwang sind da der falsche Weg gewesen, da diese Forderungen jetzt in den Büchern von Banken stehen und im Fall von Staatsbankrotten nun einen Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems durch Bankenpleiten bewirken können

    Aber vielleicht ist es noch nicht zu spät. Wer an Europa glaubt, sollte auch einen „Soli-Euro“ in den Topf werfen, allen voran die Politiker und Manager, die maßgeblich zur EU beigetragen haben. Wenn jede arbeitende Person 1000 € in den EU-Soli-Topf zahlen würde, kämen schon über 25 Mrd. € im Jahr zusammen. Dies angespart über 20 Jahre anstelle der unsinnige Kredite wären schon 500 Mrd USD, also so fast viel wie jetzt der EU-Rettungsschirm in etwa ausmacht. Das wäre machbar gewesen und ist immer noch machbar. Selbstverständlich muss dann aber auch einen EU-Mittelverwendungskontrolle eingeführt werden, es dürfen also keinen Blankoschecks an alle verteilt werden. Wer bedürftig ist muss einen Antrag stellen und diesen gut begründen. Zudem sollte man jetzt eine Stiftung zur „Rettung Europas“ gründen. Die Summe der Stiftungsgelder und die Summe der Vermögen der Family Offices in Lichtenstein und der Schweiz sind unglaublich hoch. Wenn diese Gelder zum Teil einige „Soli-Euros“ zahlen würden, kämen schon einige Milliarden zusammen. Kredite sollten in Zukunft nur noch an die EU-Länder gegeben werden, die wie Deutschland eine Schuldenbremse in der Verfassung eingeführte haben und die diese verfassungsgemäße Schuldenrückführung effizient überwachen und einhalten. Es müssen jetzt vor allem – ganz schnell und unbürokratisch - solidarische EU-Beiträge geleifert werden, damit die viel zu hohe Jugendarbeitslosigkeit vor allen und südeuropäischen Peripherie Europas vermindert wird, sonst bricht Europa nicht nur an der Peripherie, sondern ganz auseinander. Hinzu muss ein EU-Anti-Inflationsprogram zu Bekämpfung der Inflation von sozial wichtigen Lebensmitteln unverzüglich aufgestellt und umgesetzt werden und sei es durch Preisdiktate bei sozial wichtigen Lebensmitteln.

    Eine Preisexplosion über Finanz-Spekulationsblasen muss bei sozial wichtigen Rohstoffen und Lebensmitteln unbedingt vermieden werden, was wiederum auch ein dringend zu lösendes Thema der G20 ist. Hier muss auch Großbritannien und Amerika auf Linie gebracht werden, bevor wir nur noch brennende Städte wie zuletzt in London und Berlin haben. Ursache und Wirkung müssen beim Namen genannt werden, was auch möglich ist. Das Finanz-Kapital darf nicht Demokratien zerstören. Es muss umgekehrt sein: das Volk muss das Finanzkapital steuern. In einer parlamentarischen Demokratie sind das dann die Volksvertreter, die eigentlich das voll vertreten sollen. Aber tun die das auch kompetent und mit Weitblick?

    Ich fordere zudem (schon lange) zudem eine Volksabstimmung in jedem EWU-Land über die Einführung und Kontrolle der Schuldengrenzen, über die EU-Subventionsabkommen und auch über den „Soli-Euro“. Wir brauchen eine breite Diskussion in den Medien und auch bei den Stammtischen, um das Verschuldungsthema mit allen Konsequenzen transparent zu machen. Dann brauchen wir noch kompetente Politiker, denen wir vertrauen können und die vom Fach sind. Wo sind sie, bitte? Politiker, bitte aufwachen, es ist fünf vor zwölf!!

    Die von Deutschland eingeführte Schuldenbremse mit Verfassungsrang, die Anfang 2009 auf dem Höhepunkt der Lehman-Krise von der Föderalismuskommission beschlossen und dann im Sommer 2009 auch vom Parlament und Bundesrat verabschiedet wurde, wird erst ab 2016 eingeführt. Demnach darf die strukturelle, also nicht konjunkturbedingte Neuverschuldung in Form der Nettokreditaufnahmen nur noch maximal 0,35% beim Bund betragen. Länder dürfen gar keine Nettokreditaufnahmen tätigen. Aber auch hier gibt es Ausnahmenregelungen wie bei großen Rezessionen und Naturkatastrophen. Dies ist zwar im Grundsatz der richtige Weg, Es wird aber nicht viel nützen, wenn diese Schuldenbremse nicht bei allen EWU-Ländern eingeführt ist. Die neuen Regelungen mit Verfassungsrang haben seit 2011 Empfehlungscharakter und müssen ab 2016 zwingend umgesetzt werden. Ich hoffe, dass es dann nicht schon zu spät ist. auch hier vermisse ich aber die Sanktionsmechanismus. Keiner weiß, was passiert, wenn die Vorgaben nicht eingehalten werden. Ebenso sind die Verschuldungsgrenzen in den USA ein Witz, wenn sie durch Kongressbeschluss immer wieder nach oben adjustiert werden können, was auch immer wieder Gefahr der Zahlungsunfähigkeit heraufbeschwört, falls die Grenzen nicht angehoben werden.

    Seit der Finanzkrise in 2008 ist außer einem Basel III nicht viel zu passiert. Die G20 haben im durch Mega-Konjunkturprogramme künstlich herbeigeführte Aufschwung viel Zeit verloren und die Bundesregierung auch. Wo sind die von mir so oft geforderte Sanktionsmechanismen bei zu hoher Verschuldung? Es ist das Gegenteil passiert. Der Aufkauf von Ramschanleihender EZB ist ganz klar ein Gesetzesbruch, der nicht hinnehmbar ist. Der Weg geht nur über einem konsistenten Sparprogramm in Kombination mit einem Investitionsprogramm, also ein Spagat, der nur schwer möglich ist. Leider fehlen beide Programmteile bei vielen Ländern außer bloßen Absichtserklärungen in ferner Zukunft. Auch Frankreich und Italien sind chronische Sündenböcke, die an den Pranger gehören. Die herabstufen der Rating-Agenturen sind gerechtfertigt.

    Nicht die Rating-Agenturen machen dann Länder kaputt, sondern die Politiker, die zuvor mit erforderlichem Druck auf die Rückführung von Schulden gedrängt haben. Wer immer mehr Schulden aufbaut, versündigt sich an der Nachfolgegenration. Politiker, dies sich nicht daran halten, sollten man das Gehalt kürzen. Wenn sich kein Land damit beschäftigt wie man Schulden abbauen kann, anstelle die Neuverschuldung abzubauen, läuft etwas falsch im System der prolongierten Blankoschecks. Damit ist keinem geholfen, erst recht nicht der Börse, die nun den Politkern den ersten Denkzettel verpasst hat.

    Viele Vorschläge wurden schon gemacht und neue werden zur Rettung des Euros auf den Tisch kommen. Die CDU/CSU/FDP-Fraktion ist sich nicht einig. Viele Politiker müssen sich erst jetzt mühsam in die Thematik einarbeiten, die wegweisend für Europa und damit auch für Deutschland sein soll. Viele Politiker sind aber dazu schon aufgrund der Zeitnot und Ausbildung gar nicht in der Lage, über die komplexen Sachverhalte abzustimmen. Sie müssen sich Rat von außen holen, um überhaupt mitreden zu können. Viele Politiker kommen jetzt aus dem Urlaub zurück und hören aus ihrem Wahlkreis nur die besorgten Stimmen der Bevölkerung, die zunimmt.

    Damit gerät jetzt auch Angela Merkel erheblich unter Druck, erst die Partei und dann die Fraktion auf Linie zu bringen. Wenn aber die Fraktion nicht auf Linie gebracht werden kann, wird die Börse darüber mit den Füßen abstimmen, also sie wird wieder einbrechen und erneut in Panik verfallen. Die Börse ist immer ein Spiegel von Wirtschaft und Politik, die dabei in die Gestaltbarkeit der Zukunft schaut. Wenn Politiker den Eindruck vermitteln, dass sie nicht mehr Herr der Situation sind und keine praktikablen Lösungsvorschläge vorbringen können, die Hoffnung machen, werden sie nicht nur nicht mehr gewählt, sondern die Börse wird vorher die Stimme abgeben. Genau das ist jetzt gerade der Fall.

    Was können wir Bürger tun, um Europa zu retten, aber auch Deutschland dabei nicht zu als chronischer Zahlmeister für Europa zu überfordern? Es ist ganz klar: Kredite und Finanzen schaffen Fakten, den sich ein jeder nolens volens stellen muss. Wulff hat zwar eine berechtigte Kritik zur EZB geäußert, er hat aber keine Lösungsvorschläge oder Alternativen gebracht, was sicherlich auch nicht seine Aufgabe ist. Seine Aufgabe ist es aber, Stimmen der Bevölkerung herauszuhören und als Sprachrohr voller Besorgnis zu äußern, was weniger eine Kritik an Angela Merkel ist, sondern dem Umstand der Sachzwänge geschuldet ist. Es war als Ministerpräsident selbst für den Niedersächsischen Haushalt verantwortlich. Es ist kein Geheimnis, dass vielen Kommunen und Städten das Geld fehlt und dass sie hoffnungslos überschuldet sind. Brauchen wir also Steuererhöhungen, um die Finanzen zu sanieren oder brauchen wir geringere Steuern, um den Wachstumszwängen gerecht zu werden? Das Schlimme ist: beide Ansätze sind im Grundsatz richtig, beide Ansätze führen aber auch ins Verderben.

    So wird bald keine Zeit mehr da sein, um auf Zeit zu spielen. Was die Notenbanken und viele Politiker jetzt machen, ist doch nur auf Zeit zu spielen, was unverantwortlich gegenüber der Nachfolgegeneration, die ohne eigenes dazutun dann den Schuldenberg erbt. So ist es aber schon seit einigen Generationen gewesen. Das sich anhäufende Vermögen wird immer ungleicher verteilt. Zwischenzeitlich steigt zwar auf dem Papier der Wohlstand aller, aber es steigen auch die Schulden. Was sollen wir jetzt machen? Sollten wir uns alle auf einen Schuldenschnitt vorbereiten? Welche Banken müssen dann gerettet werden und welche fallen dann runter? Wenn Staaten Pleite gehen, werden auch Banken Pleite gehen und zwar nicht nur die Banken „vor Ort“. Dies versuchen die Börsen gerade neben den Rezessionsängsten einzupreisen.

    Es ist doch ganz klar, dass die Schuldenprobleme umso dominanter und größer werden, wenn wir in eine neue globale Rezession bekommen sollten. Den Unternehmen geht es zwar gut, aber dem Staat immer schlechter. Putin ist Verfechter für einen starken und stabilen Staat. Ich bin das weniger, aber wenn der Ordnungsrahmen für Stabilität in einer Marktwirtschaft nicht mehr funktioniert und so einiges aus dem Ruder läuft, muss nicht nur der Bundespräsident Tacheles reden, sondern es müssen von fachkundigen Politikern Lösungsansätze vorgelegt werden, die klar machen, wie man zum einen aus der Schuldenfalle herauskommt und zum anderen Wachstum generiert. Ein Blick in Baltikum mag dabei hilfreich sein, dass sowas geht, aber da gibt es sicherlich auch „Mentalitätsunterschiede“ zwischen den Ländern zu beachten.

    Ich habe schon mehrfach versucht zu formulieren: es geht nur durch mehr Anstrengung (auch ohne von wem auch immer geschaffenen Anreize), mehr Leistungswillen, mehr Ehrgeiz, mehr Vorwärtssterben, aber auch mehr Solidarität für Notbedürftige, mehr Kontrolle über Parasiten, also Vermögensverzicht und ganz bewusste Unterstützung – und sei es in einer von allen mitgetragenen Transferunion, von den früher oder später alle profitieren können. Wenn aber das Verschuldungsproblem, das wie ein Krebsgeschwür –oft unmerklich – wächst, nur nach oben zu den „Europa-Bürokraten“ verschoben wird und der Bürger nicht mehr versteht, was „da oben“ gespielt oder durch Wortungetüme verunstaltet wird, dann kann ich gut verstehen, dass keiner diese Europa-Politik mehr will und alles im Chaos endet. So wird dann auch kein Eurobond zu erhofften Erfolg führen können, der jetzt rechtlich gar nicht möglich ist.

    Am Freitag lauschte die ganze Welt den Worten vom FED-Chef Ben Bernanke bei dem Treffen der Notenbank-Chefs in Jackson Hole, der zwar immer wieder beruhigende Worte findet, aber auch nicht klar sagt, dass sich die FED seit 2008 (und auch schon früher) im Ausnahmezustand befindet. Die Ankündigung des QE2 führte genau vor einem Jahr zu einem zu einem Aufschwung an den Börsen, aber nicht zu dem erhoffen Aufschwung in den USA. Es wurden zu wenige neue Arbeitsplätze geschaffen und der Konsum kam auch nicht voran. Auch konnte sich nicht der Immobilienmarkt erholen. Ben Bernanke sieht im Moment noch keine Wachstumsgefahren für das 3Q11 und er will daher keine weiteren Stützungsmaßnahmen vorerst machen. „Jesus“ Bernanke wird das QE3 aber im Koffer behalten und im September aus dem Koffer holen, wenn die Zahlen im September auf eine Rezession hindeuten sollten.

    Die Stimmung der US-Verbraucher hat sich im August 2011 gegenüber dem Vormonat nach der Untersuchung der Universität Michigan deutlich eingetrübt. So sank der Gesamtindex auf revidiert 55,7 Punkte (vorläufig: 54,9 Punkte), nachdem im Vormonat noch ein Stand von 63,7 Punkten ausgewiesen worden war. Volkswirte waren zuvor von einem Wert von 55,8 Punkten ausgegangen. Der private Verbrauch macht etwa zwei Drittel der US-Wirtschafts-Leistung aus. Auch dies deutet auf eine Konjunkturverlangsamung hin.

    Der DAX machte in der letzten Woche einen Verlust von 8%, weil der IFO-Geschäftsklima-Index und auch der der ZEW-Indikator wieder sehr schwach ausfielen und die Angst der Anleger immer noch sehr groß ist. Der Dow Jones fiel intraday am 26. August sogar unter die 10.950 Marke und der DAX unter 5500 Indexpunkte, wobei der Dow Jones nach der Bernanke-Rede über 300 Dow-Punkte aufholte und bei über 11.284 Indexpunkten mit einem Plus von 1,21% schloss. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass bei einem Indexstand von 110000 das Plunge Protection Team in den USA aktiv wird und „gegensteuert“, wie am Freitag. Alles stürzte sich in Bundesanleihen (Bund-Future stieg auf über 135,3!). Der Dow fiel auch lange nicht so stark wie der DAX, auf dem via London immer wieder durch Short-Seller geprügelt wird..

    Die Bund-Rendite fiel auf das Rekord-Tief von 1,94%. Gold und der Schweizer Franken blieben in der letzten Woche aber nicht mehr der „sichere Hafen“. Gold verlor um 10% an Wert und der Schweizer Franken auch. Auch der angebliche „sicherere Hafen“ Bundesanaleihen wird im Jahresverlauf noch unter Druck kommen, trotz Null-Zinspolitik der FED.

    Dass es in den USA – nicht aber unbedingt in Europa - eine Niedrigzinspolitik geben wird in den nächsten 2 Jahren, hat die Börse noch nicht sonderlich beruhigt, da dann nur in den Japan-Modus gewechselt wird. Auch Japan muss aber irgendwann mal an das Schuldenproblem ran und dort Lösungsansätze vorlegen. 200% Staatsverschuldung zum BSP sind eindeutig zu viel. Too much is too much, auch in den USA und in vielen Industrieländern der Welt! Japan bildet jetzt in 5 Jahren schon die sechste Regierung, was nicht gerade für Vertrauen in die Politik spricht. Jetzt muss eine neue Regierung ab September versuchen, die hohen Schulden in den Griff zu bekommen.

    Am Wochenende droht in New York ein Wirbelsturm, der ebenso wie das Erdbeben zuvor als Frühindikator Symbolkraft hat. Angela Merkel ist nach Forbes die machtvollste Frau der Welt, aber ihre Macht und Führungsqualität schwindet. Vielleicht wird sie in 2013 auch nicht wieder gewählt und dann ist sie ganz machtlos. Es wird ab 2012/13 viele Politikerwechsel und dramatische Veränderungen von Bedeutung geben; darauf sollten wir uns schon jetzt einstellen, auch an der Börse. “Jesus“ Bernanke hat wohl nicht mehr die Macht, die Märkte zu „drehen“ wie im September vergangen Jahres, oder doch? Gegen ein QE3 sind zu viele andere Notenbanker im FED-Team; er wird dafür keine Mehrheit bekommen, nur im äußersten Notfall. Aber auch ein QE3 wäre nur ein weiterer Sündenfall, dem hoffentlich die EZB nicht folgen wird.

    Ob nun ein QE3 später folgen wird, was die Börsen temporär nach oben bringen würde, bleibt abzuwarten Am Donnerstag waren die Börsen sehr schwach, weil es die Meldung gab, dass Waren Buffet bei der Bank of America großvolumig mit 5 Mrd USD eingestiegen ist. Für diesen Betrag hätte er schon die Aktienmehrheit bei der zweitgrößten deutschen Bank, der Commerzbank AG, bekommen können, die immer noch unter 2 € steht und schon 65% (!) ausgehend vom Hoch gefallen ist. Es wird in den nächsten Monaten eine rege M&A-Aktivität zu registrieren sein, denn die Kassen der Unternehmen sind prall gefüllt und die Aktien sind so billig wie schon lang nicht mehr. Der Kurs der Bank of America sprang zwar in die Höhe, es verhärtete sich aber auch Gerücht, dass sich die BoA in Liquiditätsschwierigkeiten befindet, was dem DAX sofort einbrechen ließ. Also das gleiche Spiel wie bei der Société General, was den DAX gleich um 200 Punkte nach unten und den Short-Sellern intraday viel Geld brachte. Das zeigt nur, wie hypernervös und verunsichert jetzt die institutionellen Anleger immer noch sind. Ich fordere auch hier auf, einen EU-Untersuchungsausschuss zum Aufdecken von Marktmanipulationen einzurichten (siehe vorletzte Kolumne).

    Die letzte Woche hatte es wieder in sich: Dienstag gab es schlechte Immobiliendaten in den USA. Auch US-Arbeitsmarkdaten waren enttäuschend, und auch Verbraucherdaten sind nicht berauschend. Das BSP-Wachstum wurde für das 2Q11 auf 1% anstelle von 1,3% vermindert.

    In den letzten drei Wochen gingen im August 3 Billionen USD an Börsenkapitalsierung verloren, was schon an den Lehman-Crash in 2008 erinnert. Auch dies ist ein klares Ausrufungszeichen an die Politiker, den Ernst der Lage zu erkennen und jetzt besonnen mit Augenmaß zu handeln, anstelle endlos zu debattieren bzw. ohne Lösung von Krisensitzung zu Krisensitzung zu eilen. Die Lage ist (noch) wesentlich besser als die Börsen jetzt zum Ausdruck bringen. Aber am 29. August ist Neumond und dann könnte es mit der Börse wieder aufwärts gehen.

    Die Frage ist aber: Was hat jetzt noch in Zukunft „Value“? Gold fiel in der letzten Woche zwischenzeitlich auch über 10% von 1900 auf unter 1800 USD/Unze, was an den Silber-Crash im Mai erinnerte. Dies ist aber auch nur eine Korrektur von überzogen Spekulationen, dass die Währungsreform kurz bevorsteht. Daran glaube ich nicht. Je unentschlossener aber die Politiker sind, desto mehr wird Gold weiter steigen. Der Silberpreis ist nach dem Silber-Crash auch wieder von 35 auf über 40 USD/Unze gestiegen. Wie es bei Gold/Silber, den Welt- und Ostbörsen weitergeht, können Sie im Börsenbrief EAST STOCK TRENDS (Probe-Abo für 3 Ausgaben für nur 15 weiche Euro, siehe www.eaststock.de) nachlesen. Dort wird Ihnen auch dargelegt, wie sie sich jetzt verhalten sollen und bei welchen „Schnäppchenkursen“ Sie gestaffelt kaufen sollten.

    Wenn Sie sich aktuell informieren wollen, wie Sie sich jetzt verhalten sollen, dann hören Sie jetzt mal in die Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) rein.

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