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Interview-Hinweise:

Andreas Männicke wird am 23. Mai 2012 von Dr. Bernd Jünemann im DAF über die Anlagechanchen in Osteoropa befragt.

Andreas Männicke wurde am 28. März 2012 von Modern Russia.com über die Aussichten der Moskauer Börse nach der Präsidentschaftswahlen am 4. März 2012 befragt. Sie können sich das Interview (in englisch) jetzt unter www.eaststock.de, dort unter "Interviews" abrufen.

Andreas Männicke wurde bereits am 5. März 2012 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) um 10.30 Uhr, dann im DAF (www.anleger-fernsehen.de) um 13.00 Uhr und schließlich im Börsenradio-Networks (www.brn-ag.de) um 14.00 Uhr und nach den Chancen an der Moskauer Börse nach den Präsidentschaftswahlen befragt.

Andreas Männicke wurde am 13. Februar 2012 im DAF (www.anleger-fernsehen.de) von Brigitte Bauer über die Chancen in Russland vor der Wahl befragt.

Andreas Männicke hat ein Interview am 23. Dezember 2011 über die dt-russichen Wirtschaftsbeziehungen und am 28. Dezember über die Aussichten der Moskauer Börse für die Deutsche Welle (Russland) gegeben. Die Interviews sind auf russisch. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik "Interviews" runterladen,

Andreas Männicke wurde am 21. Dezember 2011 um 13.15 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) von Annette Eimermacher über die Investmentchancen in Russland im nächsten Jahr befragt.

Andreas Männicke wurde am 23. November 2011 im DAF von Dr. Bernhard Jünemann gefragt, ob die Euro-Verschuldungs-Krise auch auf Osteuropa überschwappen könnte. Männicke machte dabei einen überraschenden Lösungsvorschlag: Der Euro sollte mit dem Rubel mergen!

Sie können sich die neuen TV- und Radio-Interview, falls Sie sie verpasst haben sollten, jetzt unter www.eaststock.de bei der Rubrik "Interviews" runterladen.

Verpassen Sie die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen Sie jetzt den Börsenbrief EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de. Ein Probe-Abo (3 Ausgaben kosten nur 15 €). Die beiden Muster-Depots erzielten seit Februar 2009 eine Performance von über 200% (konservativer Osteuropa-Basket) bzw über 200% (spekulativer Osteuropa-Basket).

Die Hot-News gibt es tagesaktuell auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.).

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Zudem können Sie sich alle bisherigen TV-Inteviews von Andreas Männicke in diesem Jahr runterladen unter den Links der Rubrik "Interviews".

  • Ende der Rezession: Die Spielcasinos sind wieder geöffnet!

    Samstag, 15. August 2009 14:06:00

    In der vergangen Woche machten einige Konjunkturzahlen Hoffnung für die Zukunft, was kurzfristig sogar zu neuen Jahreshöchstständen an der Wall Street (Dow Jones über 9300 Indexpunkte), an der Börse Tokio (Nikkei-Index über 10.500 Indexpunkte) und an der Frankurter Börse (DAX über 5400 Indexpunkte) führte, wobei der Freitag schon wieder sehr ernüchternd war. In der Eurozone fiel zwar das BSP um 0,1% im 2. Quartal zum Vorquartal um 0,1% (4,6% zum Vorjahr); Deutschland hat aber im 2. Quartal 2009 ein Wirtschaftswachstum beim BSP von 0,3% erzielt. Deutschland scheint damit als erster unter den großen Industrienationen aus der Krise herauszukommen. Polen hatte schon im 1. Quartal ein Wachstum von 0,8% vorzuweisen. Nun schaffte aber auch Tschechien ein Plus von 0,3% zum Vorquartal (-4,9% zum Vorjahr). Der Chefvolkswirt der Allianz hält nun ein Plus von 3%beim BIP im nächsten Jahr in Deutschland für möglich. Ist damit also die Rezession beendet?

    In Deutschland schob vor allem der robuste Konsum die Konjunktur an. Die Industrieproduktion stieg schon seit Mai und auch die Auftragseingänge nahmen seit Mai wieder deutlich zu. Das Auftrags- und Produktionsniveau ist aber immer noch extrem unter dem Niveau des Vorjahres (20% darunter). Im Mai ging der Auftragseingang für den Maschinenbau um 48% zurück. Der IFO-Geschäftsklima-Index erreichte im Juli ein neues Jahreshoch- ebenso wie der DAX als bester Konjunkturindikator. Der Earlybird-Indikator der Commerzbank steigt viermal in Folge. Auch der Export stieg im Juli zum Vormonat um 7% so hoch wie schon lange nicht mehr. Damit scheint die Talfahrt ein Ende zu haben Von einem neuen Konjunkturaufschwung zu reden, ist es aber noch zu früh, denn keiner weiß, wie nachhaltig die Ergebnisverbesserungen sind.

    Die Börse ist ein Antizipationsmechanismus, also ein Abbild von wirtschaftlichen Zukunftserwartungen. Zuweilen ist aber die Börse auch ein Tollhaus, wenn die Liquidität überschäumt und - oft recht einseitig von den Medien unterstützt oder sogar angetrieben - die Spekulationswellen dominant sind. Der DAX stieg schon im Vorfeld der Bekanntgabe der positiven Konjunkturdaten im 2. Quartal rasant an und verzeichnete Anfang August bei über 5400 Indexpunkten sogar einen neuen Jahreshöchstkurs, um nun am Freitag auf 5300 Indexpunkten aufgrund schwacher US-Konjunkturdaten zu konsolidieren.

    Das Börsenvertrauen der Anleger kehrt allmählich wieder zurück. Erstmals gab es nach einer Umfrage von JP Morgan im August weniger Börsen-Skeptiker als Börsen-Optimisten. Demzufolge stieg der „JP Morgan Asset Management Investor Confidence Index“ deutlich an. Von Börseneuphorie kann aber keine Rede sein. Der Index ist immer noch niedriger als im Herbst 2005 als der DAX auf einem ähnlichem Niveau war. Dennoch nimmt die Investitions- und auch Risikobereitschaft der Anleger wieder allmählich zu.

    Noch besser schnitten aber die „BRIC“-Börsen ab, die sogar ein Plus von über 50% seit Jahresbeginn verzeichneten. Fast alles Geld, was im letzten Jahr abgezogen wurde, wurde in diesem Jahr wieder in „BRIC“Länder (re)=investiert. In der Summe waren dies immerhin etwa 50 Mrd. USD, die in die „BRIC“-Länder gepumpt wurden. Die Moskauer Börse hat mit einem Plus von über 60% seit Jahresbeginn und einer Kursverdoppelung seit März immer noch einem Spitzenplatz bei den Weltbörsen inne. Nun soll die Sberbank zusammen mit Magna Opel übernehmen. Auch das spekulative Muster-Depot des EAST STOCK TRENDS konnte seit März eine Performance von 119% und das konservative Musterdepot von immerhin 83% erzielen. Selbst mit Aktien aus Ungarn, die am Tropf des IWF hängen, konnte man seinem Depot mit ungarischen Paprika die richtige Würze verleihen und ein Performance von über 40% seit Jahresbeginn über 80% seit März erzielen. Insofern haben sich Investments in Osteuropa auch selektiv schon ausgezahlt.

    In China gibt es sogar schon wieder spekulative Überhitzungserscheinungen. Jedes IPO ist mehrfach überzeichnet und bringt starke Kursgewinne so als ob es gar keine Krise mehr geben würde. Verantwortlich dafür ist die überschäumende Liquidität. China ist das erste Land der Welt, das 2 Billionen USD an Währungsreserven vor sich her schiebt und nicht so recht weiß, was sie mit dem vielen Geld machen soll. Die bevorzugte Anlage waren bisher USA-Staatsanleihen. Jetzt befürchten die Chinesen aber zu hohe Währungsverluste. Der Kursaufschwung ist auch an der Börse Shanghai noch intakt, obwohl das KGV mit 35 auf erste Überhitzungserscheinungen hindeutet.

    Freilich hatten nur wenige den Mut, im März schon wieder in Aktien zu investieren. Den Aufschwung an den globalen Kapitalmärkten haben wir aber in erster Linie den guten Vorgaben an der Wall Street zu verdanken, die im 2. Quartal ebenfalls eine bemerkenswerte Rallye hinlegte. Zudem leistet das „Plunge Protection Team“ immer wieder ganze Arbeit: immer dann, wenn die Wall Street droht abzustürzen und damit die globalen Märkte in den Abgrund zu ziehen, kam eine „V-förmige Trendwende zustande. Zuletzt war dies im März dieses Jahres.

    Das Konjunkturbild in den USA ist bisher noch keineswegs so, dass diese Analyse für einen nachhaltige Hausse sein könnte. Vieles ist noch auf keynsianischem Sand gebaut. So lagen die Gewinne – vor allem bei Banken – im 2. Quartal weit über den Erwartungen, bei den meisten Unternehmen nahmen aber die Umsätze wieder ab bzw. befinden sich auf sehr niedrigem Niveau. In den USA gab es im 1. Halbjahr mit 14.000 Insolvenzen jetzt schon doppelt so viele Insolvenzen wie im Vorjahr, darunter auch solche Schwergewichte wie General Motors. In den USA musste schon die 77. Bank Insolvenz anmelden - im letzten Jahr waren es nur 25. Die CIT-Bank mit fast systemischen Risiken hängt weiter am seidenen Faden und muss nun der FED einen neun Sanierungsplan vorlegen.

    Zudem sind die Statistiken in den USA oft so angelegt, dass sie ein (zu) optimistisches Bild geben und oft nachkorrigiert werden. So waren die 247.000 Arbeitslosen nicht das Ergebnis von Arbeitslosenanträgen, sondern wie immer eine Schätzung basierend auf Geburtenzahlen und Sterberaten. So oder so sind für mich 247.000 zusätzliche Arbeitslose keine Zahl, die die Börse bejubeln sollte oder die auf eine Trendwende in der Konjunktur hindeuten. Typisch für die US-Statistiken sind, dass die offizielle Arbeitslosenquote von 9,5 auf 9,4% fiel, obwohl es bekanntlich mehr Arbeitlose gab. Ich habe schon oft genug die wenig aussagekräftigen US-Statistiken kritisiert. So sind die Zahlen der Langzeit-Arbeitslosen in den USA im Juli auf ein Allzeit-Rekordniveau gestiegen, was dem US-Staat viel Geld kostet. So sind die Gelder für Arbeitslose in den ersten 9 Monaten schon von 29 auf 77 Mrd. USD gestiegen und sie werden und bis Jahresende auf 140 Mrd. USD steigen. Damit steigen die Sozial-Kosten von 0,2 auf 1% des BIP (in Deutschland sogar auf 2,4% des BIP). Auch wenn das 3Q09 Wachstum in den USA generieren sollte, ist nicht damit gesagt, dass sich der Arbeitsmarkt bessert. Durch Entlassung entstanden in den USA schon 6 Mio. Arbeitslose. Jetzt damit zu werben, dass 4 Mio. neue Arbeitsstellen in den nächsten Jahren entstehen, halt ich für sehr gewagt, um nicht zu sagen utopisch, Herr Obama und Herr Steinmeier!

    Auch bei der Inflationsrate und BSP wird getrickst. Die Bankbilanzen stimmen aufgrund der Abschreibungserleichterungen ohnehin nicht. Dennoch könnte auch die USA in diesem Quartal wieder Wachstum generieren und sich damit als sehr widerstandsfähig erweisen. Dies ist aber des Ergebnis von einer dramatischen Zunahme der Verschuldung und der Geldexpansion der Notenbanken, die nun wieder das Geld abschöpfen müssen. Dies wird eine der zentralen Zukunftsfragen sein, wie dies gelingen soll ohne die Konjunktur zu beeinträchtigen. Eine Experten gehen schon wieder davon aus, dass die USA den Zinssatz auf 7% wegen steigender Inflation erhöhen muss. Dann können aber viele Staaten aufgrund er zu hohen Zinslast Pleite gehen. Im Moment haben die Banken weltweit eine Überschussliquidität im Volumen von 700 Mrd. USD, die aber nicht an die Kreditkunden weitergebenen wird. Die Notenbanken müssen diese Überschussliquidität wieder abpumpen, was auch durch höher Mindestreservensätze möglich ist.

    In Deutschland werden jetzt die ersten Bad Bank Modell bei der HRE und einigen Landesbanken in die Tat umgesetzt. Dabei geht es um Mrd.-Beträge, die ausgelagert werden - mit ungewissen Ausgang, auch für den Steuerzahler. In Deutschland beginnt jetzt nach den Sommerferien der Wahlkampf, wo sicherlich von allen Parteien einige Wahlgeschenke wie Steuererleichterungen kontrovers diskutiert werden. Im Grund gibt es aber nur etwas zu verteilen, wenn die Wirtschaft wieder wächst.

    Ich glaube daran, dass die Konjunkturdaten im 3. Quartal noch besser ausfallen werden als im 2. Quartal, so dass die Medien dann von eine konjunkturellen Trendwende reden werden. Es gibt zudem sektorale Unterschiede: in Hamburg ging der Container-Umschlag im 1. Halbjahr um ein Drittel zurück. Die Krise im Hamburger Hafen ist also noch voll intakt; auch ging der Baltic Dry-Index (für Frachtraten) schon wieder um 17% zurück. Viele Werften gehen jetzt Pleite. Auch muss ThyssenKrupp Blohm&Voss verkaufen.

    Wie nachhaltig die wirtschaftlichen Besserungen sind, kann aber keiner heute zuverlässig beurteilen, da es sich um einige einmalige Konjunkturexperimente mit immer noch ungewissen Ausgang handelt. Es steht dabei viel auf dem Spiel. Die Frage der Dosierung der geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen ist immer noch die wichtigste Frage. Ein Gift kann durch Gegengift neutralisiert werden. Wenn aber zu viel Gift genommen wird, ist der Patient tot. Der Patient „Volkswirtschaft“ ist jetzt von der Intensivstation auf das Krankenbett gekommen, bekommet aber, falls notwendig, weiter Infusionen, die zur Gesundung notwendig sind. Einige Volkswirtschaften befinden sich schon in der ReHa-Klinik, andere befinden sich am Tropf des IWF.

    Es sind aber weitere Spezialisten notwendig, die in Zukunft die Nebenwirkungen der eingeleiten Maßnahmen mit der richtigen Dosierung bekämpfen, falls man sie überhaupt bekämpfen kann. Das ist zum einen die in diesem Jahr durch die Begebung von Staatsanleihen um 5,5 Billionen USD angestiegene Staatsverschuldung. Hinzukommen dann noch etwa 2 Billionen an Unternehmensanleihen auf den Markt. Insbesondere die Banken müssen wieder rekapitalisiert werden. Die Frage ist, wer das alles kaufen wird. In jedem Fall kann eine derartige Verschuldungswelle nicht auf Dauer durchgehalten werden.

    Die zweite Frage ist, ob durch die Zunahme der Mega-Verschuldung nicht nur Strohfeuer ausgelöst werden. Es ist also die Frage der Nachhaltigkeit der geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen, sprich der Nullzinspolitik in Kombination mit der Mega-Verschuldung. Jede Konjunkturschwäche, die nach diesen massiven Maßnahmen kommt wird sich wesentlich stärker auswirken als zuvor. Es ist wie nach einer schweren Grippe, wobei eine weitere Grippe tödlich verlaufen kann, wenn die Abwehrkräfte des Immunsysteme geschwächt sind. Der nächste Virus – und es muss nicht unbedingt der Schweinegrippe-Virus sein- kann auch für ganze Volkswirtschaften tödlich verlaufen. Diese Gefahr muss sich jeder Anleger jetzt bewusst sein. Das heißt die nächste Rezession ist mit den gleichen Mitteln nicht mehr zu bekämpfen weil dann die Kassen leer sind und Zinsen nicht weiter als auf Null gesenkt werden können. „Saufen also die Pferde“ und werden sie dann auch wieder gesund? Falls Sie nicht saufen sollten, bleibt der Patient auf der Dauer-Intensivstation bzw. wird dort wieder dahin zurückbefördert.

    Was werden wohl die Notenbanken machen, wenn die Konjunktur kurzfristig wieder anspringt und die Inflation steigt? Alle rechnen dann mit steigenden Zinsen. Können bei steigenden Zinsen auch die Börsen wieder steigen? In einem gewissen Zeitraum sicherlich, aber auch hier ist die Dosierung wieder wichtig. Sind die Medikamente nicht genau abgestimmt, kann es sehr schnell zum Kollaps kommen. Ich persönlich rechne mit steigenden Zinsen trotz geringer Inflationsraten in den nächsten Monaten.

    Die Bank of England hat ein Rückkaufprogramm von Staatsanleihen in Höhe von 125 bis 175 Mrd. Pfund angekündigt. Dies sind immerhin 10,3% des britischen BIPs, das als Geld auf den Markt kommt. Hierdurch kann durchaus künstliche Spekulationswellen und damit eine Inflation von Vermögensgütern ausgelöst werden. Das Defizit dürfte in Großbritannien dieses Jahr 225 Mrd. Pfund betragen, wobei ein Großteil zur Rettung der Banken (ähnlich wie in den USA) aufgewendet wird. Dabei wird wiederum ein Großteil künstlich durch Anwerfen der Notenpresse durch die Notenbanken finanziert. Ähnliche Experimente, die in der Nachkriegszeit beispiellos sind, macht die FED in den USA. Dies bedeutet aber auch, dass die Anleinen über den Markt gar nicht platzierbar gewesen wären. Ich halte das für ein sehr gewagtes Experiment mit wiederum ungewissem Ausgang. Ist dies jetzt etwa schon der Beginn einer kommenden Hyper-Inflation, wovon der Börsenguru Marc Faber ausgeht. In jedem Fall wird den Spekulanten neues, frisches Geld zugespielt. Die Spielcasinos sind wieder geöffnet!

    In Italien hat der Jackpot in Höhe von 131 Mio. € schon dem Staat Mehreinnahmen von über 800 Mio. € in die leere Staatskasse gespült. Warum macht Herr Steinbrück nicht auch so eine „Volksverdummungsaktion“ und gibt einen Jackpot im Höhe von über 100 Mio. € heraus. Die Mehreinnahmen würden 1 Mrd. € betragen. Am besten man lässt den Jackpot dann immer weiter laufen und lässt ich auf dem Papier immer größer werden. Damit könnte dann ein Teil seines Defizits in Höhe von 100 Mrd. € refinanzieren. Ein Los kostet in Italien nur 1 €. Mit 1 € reich werden, das ist eine Masche, die Massen (und deutsche Touristen) anzieht.

    Ein Feld der Spekulanten sind auch Rohstoffe. So verdoppelte sich der Ölpreis von 35 auf über 70 USD; der Kupferpreis von 3000 auf über 6000 USD/Tonne und der Nickelpreis von 10.000 auf 20.000 USD. Kupfer ist normalerweise ein guter Frühindikator für die Entwicklung der Industrie, nicht aber in diesem Fall, denn diesmal wurden von chinesischer Seite vor allem strategische Rohstoffreserven aufgefüllt. Die Halbfertigprodukte mit Kupferanteil stiegen nur um 1,2% in China und nahmen weltweit ab.

    Ein weiteres Feld für Spekulanten sind die Devisenmärkte. Auch hier sind die Dosierung von Auf- und Abwertungen überlebenswichtig für ganze Volkswirtschaften. Normalerweise müsste der Dollar und auch das britische Pfund bei der gegenwärtigen Notenbankpolitik (= Aufkauf von Staatsanleihen in noch nie dagewesen Volumen = Anstellen der Notenpresse) die jeweiligen Währungen erheblich schwächen, woran natürlich die ausländischen Groß-Anleger kein Interesse haben, die in der Währung über Assets long sind. So besitzt China 800 Mrd. USD an amerikanischen Staatsanleihen und kann daher an einem zu schwachen Dollar kein Interesse haben. Bei 2 Billionen USD an Währungsreserven kann China selbst über Notenbankinterventionen den Dollar bestimmen bzw. manipulieren.

    So gibt es schon jetzt eine ganze Reihe von manipulierten Märkten, wozu durch die Existenz des „Plunge Potection Team“ auch die Wall Street, der Goldmarkt und einige Rohstoffmärkte zählen, die nicht durch die freien Marktkräfte, sondern durch künstliche Eingriffe oder Spekulationswellen beherrscht werden.

    Einen gewissen Anhaltspunkt bei den komplexen Vorgängen an den Börsen ist und bleibt die Marktechnik in Kombination der Liquidität und der Risikobereitschaft der Anleger, worauf man sich freilich auch nicht immer verlassen kann. Ich bewerte die Markttechnik immer noch positiv; Liquidität ist nach wie vor mehr als noch genug vorhanden, so dass die Kurse weiter steigen können, solange keine neuen Hiobsbotschaften oder unkalkulierbare Ereignisse (wie Terroranschläge Kriege, Naturkatastrophen etc) kommen. Die institutionellen Großanleger sind in Aktien immer noch unterinvestiert und in Anleihen überinvestiert. Investments in Anleihen werden aber immer unattraktiver bei den geringen Zinssätzen. Da ich in den nächsten Wochen überwiegend eine Fortsetzung bzw. Bestätigung für die Möglichkeit einer Trendwende und Beendigung der Rezession erwarte, ist der Nährboden für weiter steigende Kurse für die nächsten Wochen vorhanden. Im Herbst könnte es dann aber wieder eng werden.

    Die Markttechnik ist zunächst aber positiv zu bewerten, da zuletzt im August bei einigen Börsen neue Jahreshöchstkurse erzielt wurde, weil die Zinsen weiterhin sehr niedrig sind, weil sich die 200-Tagesline abflacht oder sogar (wie in China) schon zu steigen beginnt. Dennoch mahne ich zur Vorsicht und rate weiterhin zu einer Trading-Strategie. In den Jahren 1929 bis 1932 gab es zwischenzeitlich auch einen Anstieg der Weltbörsen um 50%. Die Haussen nach den Bärmärkten/Crashs wurden fast immer über eine Niedrigzins-Politik nach vorheriger Hochzinspolitik ausgelöst. Dieses Instrument fällt bei Null Prozent-Zinsen jetzt weg. Auch ist der Staat bei der gegenwärtigen Verschuldungssituation fast handlungsunfähig. Die nächste Rezession würde ein „Schach-Matt“ für die Weltwirtschaft bedeuten. Was wirklich kommen muss, sind nachhaltig steigende Unternehmensgewinne und ein echter, nachhaltiger globaler Konjunkturaufschwung, sonst landen wir alle in der der Schuldenfalle. Die besten Ansätze dafür gibt es bisher nur in Asien.

    Auch die neuen Zahlen aus den USA sind noch sehr gemischt: Das Verbrauchervertrauen ist abgerutscht, der Arbeitsmarkt ist weiter schwach; die Industrieproduktion nur leicht gestiegen. Dieses Wochenende ist schon die 77. Bank in den USA Pleite gegangen, was dem Einlagensicherungsfonds weitere 2,8 Mrd. USD kostete; weiteren 100 Banken steht die Pleite noch bevor. Geschützt werden von der FED und der Regierung nur systemisch relevante Großbanken, wobei jetzt die Citibank wohl große Probleme bekommen wird. Aber der Aktienmarkt lebt wieder: Es gab letzten Woche 3 Börsengänge mit einem Volumen von 1,2 Mrd. USD in den USA, die gut platziert werden konnten. In der nächsten Woche stehen 4 weitere Börsengänge in den USA, was ein positives Zeichen ist. In China ist jeder Börsengang im Moment mehrfach überzeichnet und führt zu Kursgewinnen.

    Am Freitag gab der DAX um 1,7% auf 5300 Indexpunkte nach. Der S&P-Index verlor aber nur 0,85% und schloss noch über der magischen 1000-er Marke bei 1004 Indexpunkten. Beim DAX wird es unter 5200 Indexpunkten bearish (dann short gehen) und bei über 5450 bullish (dann long gehen). Bei S&P-Index ist alles über 1050 Indexpunkte bullish unter 950 Indexpunkte bearish zu bewerten und dementsprechend zu handeln.

    In der letzten halben Handelsstunde stieg der S&P aber stark von 997 auf 1004 Indexpunkte. Bei einem S&P von unter 950 Indexpunkten sollten Sie unter Trading-Gesichtspunkten auch an den Ostbörsen in Liquidität gehen. Behalten Sie in jedem Fall eine sehr flexible Anlagestrategie bei und ziehen die Stopp-loss-Marken weiter nach oben. Auch beim RTS muss 950 halten. Bei über 1050 Indexpunkten sieht die Markttechnik auch beim RTS aber weiterhin seht positiv aus, so dass dann Positionen aufgestockt werden können. Beim DAX entsteht bei über 5500 Indexpunkten ein Kaufsignal, so dass dann wohl schnell die 6000-er Marke angesteuert wird.

    Denken Sie dabei aber nicht zu langfristig, sondern nur bis Herbst, denn ich erwarte einen heißen Herbst wegen einiger Gefahrenmomente (wie Iran/Israel-Kriegsbedrohung, Hurrikan-Saison, Konsumabschwächung USA, Erhöhung von Kreditausfällen, Downgrade beim Rating, Zinserhöhungen bei Anleihe, Auslaufen der Konjunkturprogrammen, Abwrackprämie läuft aus: Stunde der Wahrheit für die deutsche Automobilindustrie, Wahlkampf in Deutschland= Terrorgefahren, Schweinegrippe etc.). Im Herbst wird es sich auch erst entscheiden, ob wir es fundamental mit einer Trendwende oder nur einem Strohfeuer zu tun haben. Kurzfristig kann die Sommerrallye aber weitergehen. Ich rechne daher mit einer freundlichen Eröffnung beim DAX am Montag in der nächsten Woche aber mit einer volatilern Seitwärtsbewegung. In Kalifornien brennt es schon wieder lichterloh, was viel Symbolkraft hat…!

    Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

    Radio+TV-Hinweis: Der Autor wurde am 1. und 3. Juli 2009 von der Deutsche Welle im Radio über die Aussichten von Kasachstan und Russland befragt. Sie können sich das Interview und den Onlinebeitrag unter www.eaststock.de (dort unter de Rubrik Interviews) per link nach www.dw-world.de runterladen (auf Russisch). Der Autor wurde zudem am 6. Juli anlässlich des Besuchs von Obama in Russland in N24 über die Aussichten des russischen Aktienmarktes befragt. Wer das Interview verpasst haben sollte, kann sich das Interview auch unter www.n24.de im Archiv anschauen, wenn man „EAST STOCK TRENDS bei der Suchfunktion eingibt. Ein aktuelles Interview über den russischen Aktienmarkt mit dem Autor finden Sie bei www.k2kapital.com (in Russisch).

  • Emerging Markets in Sommer-Hausselaune – wie lange noch?

    Sonntag, 02. August 2009 11:11:00

    Die Emerging Markets konnten seit März eine beeindruckende Rallye hinlegen: seit März stieg der MSCI Emerging Market Index um 70%. Dabei war die Kursentwicklung unter den Emerging Markets selbst sehr unterschiedlich. Während einige Emerging Markts noch auf der Stelle stehen (wie Nigeria, Bulgarien u.a.) und kaum westliches Kapital abbekommen, floss in andere Emerging schon wieder viel westliches Kapital seit März. Die am meisten beachteten Emerging Markets sind die „BRIC“-Länder, die im Durchschnitt seit Jahresbeginn um über 50% zulegen konnten. Die Anleger und Vermögensverwalter, die die Emerging Marktes in diesem Jahr untergewichtet oder gar nicht beachtet hatten, haben einen Anlagefehler gemacht und die Reboundchancen nicht erkannt. Nach wie vor tun sich viele Vermögensverwalter immer noch schwer, Emerging Markets gezielt in ihr Portfolio aufzunehmen. Die im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) vorgeschlagenen Aktien haben auch bereits ein Performance von über 70% in diesem Jahr erzielt.

    Sicherlich ist die Volatilität bei Emerging Markets wesentlich höher, weswegen ich auch nach wie vor zu einem Trading-Ansatz neige. Ein Trading-Ansatz funktioniert aber nur mit liquiden Märkten und liquiden Blue Chips oder Emerging Markets ETFs. Bei den, wie ich es nenne, Exotenbörsen und bei den Mid- und Small Cap ist aufgrund der Marktenge und Liquiditätsprobleme oft nur eine „Buy and Hold-Strategie“ machbar, was in Krisenzeiten wenig hilfreich ist, da der Exit dann nur mit hohen Kursabschlägen möglich ist. Aufgrund des Kursanstiegs sind einige Emerging Markets keineswegs mehr preiswert. So ist das durchschnittliche KGV vor allem der asiatischen Börsen mit 18 wahrlich nicht mehr billig. Preiswerte Aktien findet man eher bei Small- und Mid Caps. So liegt das Kurs/Buch-Wertverhältnis bei vielen Exotenbörsen nur unter 1.

    Auch nach dieser Kennziffer sind die Blue Chips relativ teurer, aber dennoch im Moment aufgrund der Liquiditätspräferenz mehr nachgefragt. So haben die Blue-Chips in den Emerging-Markets ein durchschnittliches Kurs-Buchwertverhältnis von 1,8, während das Kurs-Buch-Wertverhältnis bei dem Small- und Mid cap bei 1,2 liegt. In Haussephasen stiegen in der Regel die Small- und Mid caps wesentlich steiler und stärker an als die Blue Chips. So ist der MSCI Emerging Marktes Index im ersten Halbjahr um 36% gestiegen und der MSCI Small Caps Index um 54%. Einige Fonds wie der JP Morgen Emerging Markets Small Caps Index konnten mit einem Zuwachs von 75% wiederum klar den MSCI Emerging Marktes Index outperformen.

    Auch ist das MIDWIG-Indexzertifikat für Small und Mid caps aus Polen ist seit März um 88% von 25 auf 47 € und seit Jahresbeginn um 38% gestiegen während der Blue Chips-Index WIG20 mit den 20 marktschwersten Blue Chips nur ein Plus von 14,5% erreichen konnte. In Bärmärkten verlieren Small- und Mid caps aber überproportional an Wert. Der BUX-Index konnte um über 35% zulegen, wobei die ungarischen Pharmawerte Egis und Richter Gedeon sich im Kurs seit März fast verdoppelten. Am besten schnitten aber trotz der scharfen Juni-Korrektur russischen Aktien mit einem Kursplus von über 50% ab.

    Das chinesische Wachstum ist mit 7% zwar nach wie mit das höchste auf der Welt, dennoch gibt es schon jetzt deutliche Anzeichen einer Blasenbildung an der Börse. So sind die letzten Börsengänge oft nicht 10-fach, sondern 100-fach überzeichnet. Too much is too much! Es ist bezeichnend, dass die beiden größten Banken der Welt jetzt nicht mehr aus den USA, sondern aus China kommen. Der Kurs der China Construction Bank verdoppelt sich in diesem Jahr seit März fast von 0,37 auf 0,57 €, womit die Marktkapitalisierung auf 129 Mrd. €. Die Deutsche Bank AG ist dagegen nur „Peanuts“ mit einer Market Cap von 28 Mrd. €, obwohl sich der Kurs der Deutsche Bank AG immerhin seit März von 15 auf 50 € mehr als verdreifachte. Die Chinanachfrage löste auch eine Rallye bei einigen Industriemetallen wie bei Kupfer (auf über 560 USD/Tonne) und Nickel (auf über 16.000 USDD/Tonne) aus, wobei mehr dabei strategische Reserven angehäuft als Industriemetalle verbraucht wurden.

    Die chinesische Zentralbank ist über die überschäumende Liquidität, die an die Börse und Immobilienmärkte strömt besorgt. Auf der anderen Seite unterstützt die Notenbank auch, dass die Wirtschaft weiter dynamisch wächst, was auch ein politisches Ziel ist. Das Konjunkturprogramm ist mit einem Volumen von 416 Mrd. € nach den USA das zweitgrößte der Welt. China ist auch für viele Konjunkturexperten der Hoffnungsträger der Welt. Etwaige einschränkende Maßnahmen der Zentralbank könnten einen Crash in China und auch einigen anderen Börsen in Asien und der Welt auslösen. Das KGV ist mit 35 schon wieder genauso hoch wie Januar 2008.

    Der Shanghai Composite-Index ist in diesem Jahr schon um 79% gestiegen, womit die Börse jetzt die zweitgrößte der Welkt ist – noch vor Japan. Auch hier zeichnet sich ein Paradigmawechsel ab (China vor Japan, die beide schon lange um die Vormachtstellung in Asien kämpfen). Von der Kennziffer BSP pro Person her liegt China aber noch weit zurück und ist sprichwörtlich ein Emerging Market, der noch viel aufzuholen hat. Damit hat China gleich nach Peru die zweitbeste Performance aller Weltbörsen. Am Freitag war die Börse ein China schon schwach, weil es angeblich höher Eigenkapitalforderungen bei Banken geben soll. Zudem sind die Geldmarktzinsen für Banken schon leicht gestiegen. Goldman Sachs hält ein Wachstum von 15 % in 2010 für China für möglich, aber auch Goldman Sachs kann sich mal irren. Ein Wachstum von 10% ist aber durchaus realistisch. Dennoch muss China aufpassen, dass keine künstliche, kreditfinanzierte „Bubble“-Ökonomie in China entsteht. Der Bumerang trifft dann auch die Weltwirtschaft.

    Gespannt sein, darf man auch, wie sich China in Zukunft bei dem Dollar und den amerikanischen Anleihen verhalten wird und was China mit den 2 Billionen USD an Währungsreserven in Zukunft machen wird. Bisher besitzt China schon amerikanischen Anleihen im Volumen von 800 Mrd. USD. Damit kann China an einer zu starken Abwertung des Dollar nicht gelegen sein. Zuletzt schwächte sich der Dollar auf 1,4255 ab. Über 1,43 dürfte der Dollar deutlich schwächer werden.

    In der Bankenszene erregen weiterhin die hohen Boni für Aufregung; so sollen amerikanische Großbanken im letzten Jahr 33 Mrd. USD an Boni ausgezahlt haben, obwohl sie über 170 Mrd. USD an Staatshilfen erhalten haben und sonst wohlmöglich Pleite gegangen wären. In den USA mussten in diesem Jahr schon 69 Banken Insolvenzantrag stellen und die Pleitewelle ist in den USA noch nicht beendet. Auch Obama stellt ernüchternd fest, dass im Grunde an der Wall Street alles beim Alten geblieben ist. Das spekulative Kapital ist wieder weltweit unterwegs und die nächsten Madoffs sind nur noch ein Frage der Zeit.

    Angeblich wurde jetzt auch der Ölpreis durch Finanzspekulanten manipuliert, was von der britischen Finanzaufsicht jetzt untersucht wird. Zuletzt wurde der Ölpreis durch den Ölhändler PVM mit einem Volumen von 16 Mio. USD auf einen Preis von 73 USD/Barrel getrieben, was den Ölpreis um 2,5 USD in einer Stunde ansteigen ließ. Durch die illegalen Geschäfte entstand ein Verlust von 10 Mio. USD für den Händler. Der Ölpreis stieg zuletzt schon wieder auf 69 USD/Barrel und man darf gespannt sein, welcher Öl-Händler diesmal dahinter steckt. Auch der Goldpreis könnte manipuliert sein. Der Goldpreis stieg am Freitag auf 953 USD/Unze, obwohl der Dollar (noch) relativ stabil blieb. Ich rechne mit höheren Goldpreisnotierungen, aber nicht mit einem Überschreiten der magischen 1000-er Marke.

    Ein Politikum ist auch das Rating von Staatsanleihen, vor allem von amerikanischen Anleihen. Viele Staatsanleihen verdienen nicht mehr das „AAA“ und auch nicht das „AA“. Die Banken müssen je nach Anleihenrating unterschiedliche Eigenkapitalbeträge hinterlegen. Je höher das Rating, desto geringer da das erforderliche Eigenkapital. Eine Herbstufung von Staatsanleihen führt also auch zu eine erheblichen Rekapitalisierungsbedarf bei den Banken. Die Rekapitalisierung der Banken bleibt also ein hochbrisantes Thema. Dieses Thema der möglichen Rating-Herabstufung wird uns sicherlich noch in den nächsten Wochen beschäftigen ebenso wie den Abschreibungsbedarf bei Banken infolge erhöhter Kreditausfälle. In den USA gingen letzte Wochen 5 weitere Banken Pleite, womit sich die Zahl der Bankpleiten auf 69 erhöht. Im letzten Jahr gingen in den USA nur 25 Banken Pleite. Die guten Zahlen bei den US-Großbanken sollten also nicht überbewertet werden. Ich rechne weiter mit steigenden Arbeitslosenzahlen.

    Was uns auch in den nächsten Wochen in Deutschland beschäftigen wird ist neben dem Beginn des Wahlkampfes auch die Schweingrippe. Die Zahl der Schweingrippefälle soll in Europa im Herbst von 24.000 auf 1 Million ansteigen. In Nordrhein-Westfalen wird schon überlegt, die Schulferien zu verlängern. Bisher ist die Schweinegrippe noch kein Börsenthema, was sich in August aber ändern könnte. Dabei betragen die Impfkosten in Deutschland etwa 700 Mio. € . An GlaxoSmithKline wurden schon 410 Mio. € überwiesen. Pharmawerte, die den Impfstoff gegen die Schweingrippe herstellen, sind die Profiteure der Schweingrippe. Unabhängig davon verdienen Pharmawerte wie GlaxoSmithKline, Novartis und Roche weiterhin Beachtung. Ich erwarte also noch so einiges Sommertheater und einen „heißen Herbst“.

    Zuletzt waren in Europa die Zahlen von Telekomgesellschaften und auch von Mastercard recht erfreulich. Deswegen stieg der DAX am Donnertag auf ein neues Jahreshoch von über 5300 Indexpunkten, schwächte sich am Freitag nur leicht um 0,53% auf 5332 Indexpunkte ab. Der S&P-Index stagnierte am Freitag bei 987 Indexpunkte und der Dow Jones bei 9171 Indexpunkten auf Vortragsniveau. Bei einem S&P von nachhaltig über 1000 Indexpunkten wird das Gesamt-Szenario sehr bullish. Auch der RTS-Index kämpft gerade mit der 1000-er Marke. Am Freitag stieg der RTS-Index um 1,61% auf 1017 Indexpunkte. Der Nikkei-Index überwand wieder die magische 10.000er Marke. Die Markttechnik sieht auch dort weiterhin positiv aus.

    Der Juli war für die USA der beste Börsenmonat seit 20 Jahren. Der Juli ist aber statistisch der zweitbeste Börsenmonat im Jahr. Im letzten Jahr war die Welt im Juli auch noch in Ordnung. Der August dürfte wesentlich volatiler werden. Im August könnte sich auch entscheiden, ob das neue Jahreshoch beim DAX und S&P ein Bullenfalle oder der Beginn einer nachhaltigen Trendwende ist. Die 200-Tgaeslinie ist immer noch fallend. Erst bei einem S&P von unter 875 wird es an den Weltbörsen sehr bearish. Noch dürfen die Emerging-Markets- und Ostbörsen aber auf eine Fortsetzung der fulminanten Sommerrallye hoffen, fragt sich nur wie lange noch.

    Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

    Radio+TV-Hinweis: Der Autor wurde am 1. und 3. Juli 2009 von der Deutsche Welle im Radio über die Aussichten von Kasachstan und Russland befragt. Sie können sich das Interview und den Onlinebeitrag unter www.eaststock.de (dort unter de Rubrik Interviews) per link nach www.dw-world.de runterladen (auf Russisch). Der Autor wurde zudem am 6. Juli anlässlich des Besuchs von Obama in Russland in N24 über die Aussichten des russischen Aktienmarktes befragt. Wer das Interview verpasst haben sollte, kann sich das Interview auch unter www.n24.de im Archiv anschauen, wenn man „EAST STOCK TRENDS bei der Suchfunktion eingibt. Ein aktuelles Interview über den russischen Aktienmarkt mit dem Autor finden Sie bei www.k2kapital.com (in Russisch).

  • Ist die „Lehman-Schockstarre“ schon überwunden?

    Samstag, 25. Juli 2009 23:54:00

    Die von mir erwartete Sommerrallye der letzten Woche macht einerseits viele Anleger optimistischer, andere Fragen sich aber, ob sie die Kursrallye nicht jetzt zu Gewinnmitnahmen nutzen sollten. Die Berichtssaison, die in Deutschland erst nächste Woche startet, wird Aufschluss darüber geben, ob die Talsohle schon durchschritten wurde. Dabei handelt es sich aber auch nur um eine Momentaufnahme von sich überlagernden Effekten wie niedrige Verzinsung, Staatseingriffen und tatsächlichen Turn around-Situationen.

    Was ist positiv, was negativ? Der für den DAX recht zuverlässige IFO-Geschäftsklima-Index stieg letzte Woche erneut an, was bedeutet, das die Zuversicht der deutschen Manager über die Zukunftschancen wieder besser wird und sich auch die Auftragslage auf niedrigem Niveau wieder stabilisiert. Jetzt werden die Prognosen bis Jahresende gemacht und jede Prognose, die einen positiven Ausblick hat, wird sofort an der Börse mit steigenden Kursen honoriert (und umgekehrt!). Der Ausblick ist dabei wichtiger als die Geschäftszahlen für das 2. Quartal 2009, die demnächst berichtet werden. Die bisherigen Berichte und auch Ausblicke von den US-Blue Chips machen Hoffnung, dass aus einer Stabilisierungsphase auch wieder eine Wachstumsphase werden könnte.

    Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass die Kapazitätsauslastung immer noch sehr gering ist und fast alle Volkswirtschaften der Welt immer noch dabei sind, Überkapazitäten abzubauen, sprich Mitarbeiter zu entlassen. Dennoch erwarte ich im 2. und erst recht im 3. Quartal erste Wachstumsimpulse, also bessere Quartalszahlen als im Vorquartal, aber schlechter als im Vorjahr. Dabei werden die Arbeitslosenquoten weiter ansteigen, die Unternehmen aber auch wieder schlanker, profitabler und wettbewerbsfähiger. Das wichtigste für die Weltwirtschaft ist aber die Frage, ob es weiterhin eine weltweite Kreditklemme gibt oder nicht.

    Die Schockstarre an den Weltbörsen wurde im letzten Jahr im globalen Welt-Finanzsystem durch die Lehman Brothers-Pleite ausgelöst und sie ist bei den Banken trotz der Überflutung der Notenbanken noch nicht vollends überwunden; aber es gibt Anzeichen einer Normalisierung auf niedrigem Niveau. Die Aktienkurse signalisieren das auch, denn bei vielen Unternehmen sind die Kurse schon wieder auf dem Niveau wie vor der „Lehmanschen Genickstarre“. Ich betone immer wieder, dass eine nachhaltige Trendwende an den Weltbörsen nur gelingen kann, wenn die Banken wieder gesunden und sich auch gegenseitig wieder vertrauen. Weiterhin besteht große Unklarheit über die Werthaltigkeit von Forderungen, sei es bei eigenen Produkten (Kreditderivaten), sei es im „Commercial Banking“. Die Super-Gewinne bei den besten Banken der Welt JP Morgan und Goldman Sachs beruhten auf „Investmentbanking“ und im Eigenhandel. Das große Fragezeichen bleiben die Forderungen im Kreditgeschäft für Privat- und Geschäftskunden, denn hier wurden schon erhebliche Rückstellungen gebildet. Die Frage ist aber, wie hoch die Kreditausfallquote am Ende des Jahres sein wird.

    In den USA sind bisher 57 Banken Pleite gegangen ohne dass dies nachhaltige negative Auswirkungen à la Lehmann hatte. Die CIT Bank, die für die Finanzierung des Mittelstands konnte nur knapp von der Pleite bewahrt werden. Der Chef der Deutsche Bank AG Josef Ackermann ist auch Vorsitzender des „Institute of International Finance“ (IIF) mit 380 Mitgliedern aus 70 Länder. Ackermann ist für einen „geordneten Rückzug“ von Banken, er ist für weitreichende Reformen in der Regulierung der Finanzdienstleistungsindustrie und er ist dafür, dass nicht für alle Großbanken der Grundsatz gelten solle „too big to fail“ (Hört! Hört!), da sonst der Staat, also der Steuerzahler, überfordert wird. Entwickelt sich damit Ackermann etwa vom Saulus zum Paulus? Der nächste Jahresboni dürfte für ihn hoch ausfallen, weil auch die Deutsche Bank im Investmentbanking und Eigenhandel wieder gutes Geld verdient.

    Auch wenn die Deutsche Bank AG bisher das einzige große Kreditinstitut ist dass keine Staatshilfe in Anspruch genommen wurde, so ist dies nur dem Umstand zu verdanken, das wichtige Counterparts wie AIG durch Staatseingriffe nicht Pleite gingen. Die Rettung von angeblich oder tatsächlichen systemisch relevanten Banken kosten dem US-Haushalt im Moment das meiste Geld. Bis jetzt wurden etwa 200-300 Mrd. USD für die Rettung von Banken in den USA ausgegeben und dies ist bei weitem der größte Anteil bei dem 800 Mrd. USD-Konjunkturprogramm. Zudem hat die FED mehrere Billionen in den Markt gepumpt, um das US-Bankensystem zu retten. Die konnte aber auch nicht verhindern, dass Kalifornien so gut wie Pleite ist und dass die Refinanzierung für mittelständische Betriebe nach wie vor sehr schwierig bis unmöglich, zumindest aber sehr teuer ist. Der Gouverneur Arnold Schwarzenegger lässt schon Schuldscheine drucken, um eine Pleitewelle abzuwenden. Überall auf der Welt brechen die Gewerbesteuereinnahmen ein und sorgen für erhebliche Löcher bei Gemeinden und Kommunen. Nach wie vor gibt es aber keine klaren Grenzziehung, was systemische Risiken bzw. Banken mit systemische Risiken sind und was bzw welche Bank nicht.

    Bei aller notwenigen Diskussion um einen wie auch immer ein „geordneten Rückzug“ von insolventen oder nicht mehr wettbewerbsfähigen Banken, sollten sich Anleger bewusst werden, wo im Moment die größten Banken der Welt entstanden sind und das sind die chinesischen Großbanken. So sind von der Börsenbewertung her die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) mit einer Börsenkapitalisierung von 247,4 Mrd. USD und die China Construction Bank mit einer Börsenkapitalisierung von 178 Mrd. USD die mit Abstand größten Banken der Welt vor der HSBC, die auch überwiegend in Asien wächst. Die Bank of China ist wertmäßig mit 151 Mrd. USD sogar noch größer als JP Morgan mit 145 Mrd. USD. Vor einem Jahr führten noch die US-Großbanken CitiGroup und Bank of America die Weltrangliste der größten Banken mit einer Kapitalisierung von 255 bzw 218 Mrd. USD an. Bemerkenswert ist auch, dass der Wert der Industrial Commercial Bank of China jetzt schon höher ist als vor einem Jahr. Die meisten chinesischen Banken sind also schon auf dem Niveau wie vor dem Lehmann-Unfall, die US Banken und erst recht die deutschen Banken jedoch noch lange nicht.

    China hat übrigens jetzt auch schon die zweigrößte Börse der Welt vor Tokio, aber weit hinter der Wall Street. Die Vormachstellung der USA bleibt also erhalten und dies auch in den nächsten Jahren. Allerdings gehen die globalen Wachstumsimpulse eher von asiatischen Tiger-Ländern aus. Wie nachhaltig das Wachstum in China ohne Konjunkturprogramme bleiben wird, bleibt abzuwarten. Spannend bleibt auch, was China mit den 2 Billionen USD Währungsreserven machen wird, die überwiegend in US-Staatsanleihen angelegt wurden, was wiederum das US-Konjunkturprogramm erst möglich machte. Ein fallender Dollar würde hier zu einem erheblichen Wertverlust bei den Chinesen führen. Ich erwate hier demnächst dennoch einen sehr schwachen Dollar, wenn er unter 1,43 EUR/USD fallen sollte. Bei unter 1,37 EUR/USD wird es aber zu einer überraschenden Dollarstärke kommen, wenn die Weltbörsen stark nachgeben sollten, denn dann wird das hot money wieder in den Heimathafen zurückgeführt.

    Während der Wert der CitiGroup mit einer Market Cap von 10 Mrd. € auf „Bedeutungslosigkeit“ gesunken ist, hat sich der Wert der Bank of America immerhin bei 100 Mrd. USD behaupten können. Dabei sind die Bilanzsummen bei der Citibank mit über 2 Billionen USD immer noch so groß, dass sie eindeutig zu den systemischen Banken zu rechnen sind. Gerade, die CitiGroup muss aber aufpassen, dass die Kreditausfallquote im zweiten Halbjahr nicht zu groß wird. Ähnliches trifft für die Commerzbank zu, wobei hier der Staat schon aufpassen wird, dass die 2 Billionen Bilanzsumme nicht ganz wertlos werden. Bei einer Kreditausfallquote von über 10% kann aber jede Bank Pleite gehen!

    Chinesische Großbanken geben also den Ton an und überragen US-Banken im Wert schon um Längen. Ob dies immer so bleibt, hängt auch davon ab, ob sich in China ein Bubble bildet. George Soros hat dies unlängst in seinem neuen Buch angedeutet. Soros ist der Auffassung, dass die globale Finanzkrise nur global zu lösen ist. Aus G8 wird G20 und wenn G20 nicht kooperiert, sondern sich einzelne Länder von Bedeutung (zu) protektionistisch verhalten, gibt es ein Fiasko (oder einen Krieg). Daher deutet sich auch hier ein gewisser Paradigmawechsel an, der allerdings nicht ganz reibungslos verlaufen wird. China und auch Russland geht es darum, die geopolitische Vormachtstellung der USA zu überwinden und China will selbst die No 1 werden. Dabei sollte sich China auch im Wachstumswahn aber nicht übernehmen, sondern sich Zeit lassen, sonst wird es früher oder später auch Opfer eine selbst initiierten „Bubble-Ökononomie“. Noch ist die USA klar der weltwirtschaftlich bedeutsamste Markt.

    Da die Wirtschaft in China im Moment auch aufgrund der Konjunkturprogramme weiterhin mit 7% dynamisch wächst, besteht auch die Hoffnung, dass China seinen Beitrag zur Gesundung der Weltwirtschaft weiterhin beiträgt. Dies hilft im Moment auch den Weltbörsen. Mein Tipp: schauen Sie nicht nur, was in den USA passiert, sondern schauen sie auch, was in China im Moment passiert. Aufgrund der Chinanachfrage steigen auch einige Industriemetalle wieder an. So erreichten in der letzten Woche Kupfer mit 5500 USD und Nickel mit 16.000 USD jeweils neue Jahreshöchstkurse. Kupfer gilt immer als Frühindikator für die Industrie. Auch dies ist also einen Lichtblick, der Beachtung finden sollte. Davon profitierten auch Rohstoffwerte aus Osteuropa wie Norilsk Nickel aus Russland. Kazakhyms aus Kasachstan oder KGHM aus Polen, die im Kurs alle kräftig zulegen konnten und zum Teil sogar neue Jahreshöchstkurse erreichten.

    Auch die russischen Ölwerte stiegen um etwa 20% in den letzten 2 Wochen aufgrund des von 60 auf 68 USD/Barrel gestiegenen Ölpreises. Damit dürften auch die Konjunkturdaten in Russland im Monat Juli erstmals besser ausfallen als im Vormonat. Im ersten Halbjahr zählte Russland mit einem Minus von 10 noch zu den am stärksten eingebrochen großen Volkswirtschaft der Welt: in der zweiten Hälfte dürfte die Einbrüche nicht so groß werden. Der Stahlkonzern Mechel meldete schon positive Zahlen für das 2. Quartal. Die neue Gazprom-Anleihe auf €-Basis im Volumen von 850 Mio. € war 10-fach überzeichnet und stieg gleich von 100 auf 102 im Kurs. Ich empfehle nach wie vor den Kauf von russischen Unternehmensanleihen (mehr dazu im EAST STOCK TRENDS, www.eaststock.de) mit ansehnlichen Renditen.

    Der RTS-Index gelang wieder der Sprung über die magische 1000-er Marke, wobei vor allem Öl- und Gaswerte wie Gazprom und LUKoil, aber auch Metallwerte den Index nach oben zogen. Damit stiegen russische Aktien weite mehr als DAX oder S&P-Index, was deutsche Vermögensverwalter (mehr) beachten sollten. Russische Werte werden vor allem dann weiter steigen, wenn der Ölpreis die 70 USD/Barrel-Marke überschreiten sollte. Aber auch die Blue Chips an den anderen Ostebörsen stiegen in der letzten Woche wieder kräftig an und markierten zum Teil sogar neue Jahreshöchststände wie der Versorger CEZ in Tschechien und KGHM in Polen. Die „BRIC-Länder bieten in diesem Umfeld zumindest sehr gute Trading-Chancen, was die meisten deutschen Vermögensverwalter und Anleger vernachlässigen und damit auch verpassen. Dann dürfen sie sich aber auch nicht wundern, wenn ihre Depots nur unterdurchschnittlich performen. „BRIC“-Länder haben in diesem Jahr eine Performance von weit über 50% erzielt. Ich empfehle aber weiterhin, diese Top-Gewinne mit Stopp-loss-Marken abzusichern.

    Ich bleibe aber dabei: man kann auf eine Trendwende auch an den Weltbörsen spekulieren und dabei auch „BRIC übergewichten. Man sollte aber wider möglich voll in Liquidität gehen oder sich absichern, wenn der S&P nachhaltig 875 unterschreiten sollte. Bedenken Sie bitte, dass es auch 1931-1933 bemerkenswerte Zwischenhaussen gab, im Jahr 1933 aber einen Welt-Krieg. Auf die Kurse von Rüstungsaktien sollten Sie schon jetzt achten. Wir haben jetzt die Gefahren eines Israel/Iran-Kriegs und von Terroranschlägen auch in Deutschland vor den Wahlen. Zwischen Ukraine und Russland könnte es einen neuen Gasstreit geben. In der Ukraine, die nach wie vor mehr denn je am Tropf des IWF hängt, wird im Oktober ein neuer Präsident gewählt, wobei Russland hier seinen Einfluss geltend machen könnte. Es könnte also in mancher Hinsicht ein“ heißer“ Herbst werden.

    Auch ist die Schweinegrippe noch nicht aus der Welt und könnte für Gesprächsstoff oder das übliche „Sommertheater“ sorgen, schon um die Pharmaindustrie zu stützen. Bisher gibt es in Deutschland 2844 Fälle von Schweingrippe. Bisher verliefen aber alle Fälle glimpflich. Jetzt sollen aber bedingt durch die Urlaubszeit täglich 600 neue Fälle hinzukommen, wobei 80% der Schweinegrippe-Fälle durch den Urlaub im Ausland „importiert“ werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet damit, dass jeder Mensch von der Schweingrippe im Laufe der Zeit infiziert werden kann, wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen durch Schutzimpfungen eingeleitet werden. Das Potential liegt nach WHO also bei 6,8 Mrd. Schweigrippenfällen, wobei aber nur Impfstoff für maximal 900 Mio. Menschen bereitgestellt werden könnten. Deutschland hat bereits 50 Mio. Impfdosen vorsorglich bestellt. Es werden wohl im Oktober Zwangsimpfungen vom Gesundheitsministerium beschlossen werden und man darf gespannt sein, wer alles darunter fallen wird. Hoffentlich streben dabei nicht mehr Menschen als durch die Schweinegrippe…

    In Großbritannien wütet der Virus neben den USA bisher am meisten. Die britische Regierung geht im worst case mittelfristig von 65.000 Todesfällen aus. Bisher gab es in Großbritannien aber „erst“ 30 Tote wegen der Schweinegrippe, in Deutschland noch gab keinen. Selbst die Frau von dem Ex-Primier Tony Blair hat es erwischt. Wenn sich der Virus schnell ausbreitet, könnten Großveranstaltungen wie Fußballspiele und Musikkonzerte laut SPD-Bundestagsabgeordneten Gerold Reichenbach abgesagt werden. Gefährlich wird es nach der WHO vor allem, wenn der Virus mutiert bzw. mit anderen tödlichen Viren verbindet.

    Ist das alles nur (wohlmöglich absichtlich in den Raum gestellte) Panikmache der WHO oder fällt das gar in die Rubrik „Sommertheater“? Noch ist der Virus kein Börsenthema; er könnte es aber im Spät-Sommer werden, wenn alle Urlauber zurück sind. Angeblich gibt es das Virus jetzt schon in 160 von 193 Mitgliedsstaaten. Bisher gibt es weltweit aber „erst“ 800 Todesopfer durch die Schweingrippe. Ein Zwangsimpfstoff, der Ende September/Anfang Oktober gegen die Pandemie fertig sein soll, ist ein nicht ganz unumstrittenes Konjunkturprogramm im Volumen von 700 Mio. € für einige Pharmawerte, die den Impfstoff entwickeln und von der „Schweingrippe“ profitieren. Diese Pharmawerte gehören daher weiterhin auf die „Watch-list“ und erst recht die Hersteller von Mundschutz. Tragen Sie auch schon einen?

    Noch haben wir aber die Chance, dass sich die Sommerrallye weiter fortsetzt, wobei der Dow Jones nachhaltig die 9000-er Marke und der S&P die 1000-Marke überschreiten müsste. Hier gibt es aber auch wieder starke Widerstände; werden diese nicht nachhaltig überschritten, dürften die Kursreaktionen durch Gewinnmitnahmen kräftig ausfallen. Ebenso bleibe ich für Gold bullish, glaube aber auf der anderen Seite kurzfristig nicht an das Überschreiten der magischen 1000-Mrake Ich erwarte also weiter hohe „Vola“, was ein Eldorado für geübte Trader ist.

    Ein Überschreiten der magischen 1000er-Marke beim S&P und damit dem Kursniveau wie nach dem Crash Anfang Oktober 2008 würde dann neue Kaufsignale auslösen und den DAX wahrscheinlich in weinigen Tagen auf 6000 katapultieren, wenn der S&P Richtung 1200 marschiert, also dem Niveau vor der Lehmanschen Schockstarre. Denn das Vor-Lehmansche-Niveau befand sich bei 1200 beim S&P-Index, was nach Überschreiten der 1000-Marke auch möglich erscheint. Machen Sie nicht den Denkfehler und denken jetzt zu langfristig; es handelt sich jetzt noch „Spekulationswellen“ über Auslandskäufe- die deutschen Anleger sind ohnehin zu passiv und befinden sich immer noch in der Schockstarre - die auch wieder abebben können. Denn fundamental ist die Kuh noch nicht vom Eis, erst recht nicht im Bankensektor. Ich erwarte aber zunächst gute Zahlen bei der Deutsche Bank AG und Allianz, was dem DAX wider Auftrieb verleihen könnten. Geld ist genug da – weltweit über 20 Billionen USD!-, um die nächste Spekulationswelle anzutreiben. Dabei ist aber noch vieles auf keynsianischen Sand gebaut und dem Staat geht demnächst das Geld aus, wenn die Pferde nicht saufen sollten.

    Es handelt sich also überwiegend um hot money, um money der Plunge Proetction Teams (=Notenbank, Goldman Sachs und JP Morgan) oder um staatliche Hilfe, die zu der fulminanten Zwischen-Hausse führen. Japan will sogar 350 Mrd. USD für Aktienkäufe aufwenden, falls es zu einer neuen Baisse kommt. Das wären dann aber in der Tat staatlich manipulierte Kurse, wenn wir das nicht heute schon haben. Der Kampf zwischen Bulle und Bär ist noch nicht entschieden. Die 200-Tgaeslinie sind noch fallend, obwohl sie sich abflachen, was auch ein Stabilisierungszeichen ist. Noch stufe ich selbst die Rallye der letzten Woche als Bärmarktrallye ein. Bei einem S&P von über 1000 könnte sich aber eine Trendwende abzeichnen und damit eine „echte“ Sommerrallye einleiten. Der Juli ist historisch aber immerhin der zweitbeste Börsenmonat im Jahr. Die Moskauer Börse erreichte im Juli 2008 sogar ein neues Allzeithoch und fiel dann um über 70%. Entscheidend für eine nachhaltige Trendwende ist also das 3. Quartal und nicht das zweite. Bis dahin darf aber kräftig spekuliert, um nicht zu sagen, gezockt werden.

    Wir haben es also mit einer brisanten, chancen-, aber gleichsam auch risikoreichen Situation zu tun. In welche Richtung der Markt laufen wird, wird wiederum von den nächsten US-Konjunkturdaten und Quartalszahlen abhängen. Nach der Sommerrallye könnte einiges Sommertheater ins Haus stehen. VW/Porsche haben das Sommertheater schon hinter sich. Neben Porsche werden auch andere Firmen, die sich finanziell überhoben haben, die Eigenständigkeit verlieren, wenn sie zu hoch pokern wie „Hedgefondsmanager“ Frank Wedekind, der sich mit VW deutlich überhoben, um nicht zu sagen verspekuliert hat. Die Abfindung in Höhe von 50 Mio. € für die Hinterlassenschaft von 14 Mrd. USD Schulden und der Beinahe-Insolvenz von Porsche – oder waren es doch „nur“ 10 Mrd. € - spricht dafür, dass trotz Obama-Gerede „yes, we can (change)“ in Wirklichkeit alles beim Alten bleiben wird. Im Gegenteil: die Boni werden bei Goldman Sachs und JP Morgan höher ausfallen als jemals zuvor, weil sie im Investmentbanking und Eigenhandel viel Geld verdient haben. Mein Fazit lautet: Unternehmensvorstände sollten keine Hedgefondsmanager und Spekulanten werden und Bankmanager auch nicht; dann würde die Welt schon viel besser aussehen.

    Der DAX schloss am Freitag mit einem Minus von 0,34% bei 5229 Indexpunkten, wobei intraday ein neues Jahreshoch von 5300 Indexpunkten erreicht wurde. Dann setzten kräftige Gewinnmitnahmen ein. Das kann auch nächste Woche passieren, wenn keine neuen Höchststände markiert werden können. Kurse bei über 5300 sind aber als „bullish“ zu interpretieren. Der S&P Index schloss an Freitag mit einem Plus von 0,3% bei 979 Indexpunkten und der Dow Jones mit einem Plus von 0,26% bei 9029 Indexpunkten. Falls der S&P nächste Woche über 1000, der Dow Jones nachhaltig über 9100 gehen sollte, werden DAX und RTS noch stärker steigen, weil sie viel volatiler sind und im Grunde die Märkte von US-Kapital „gemacht“ werden. Wird Kapital abgezogen, sind die Märkte in freien Fall, wird wieder mehr investiert, steigen sie dynamisch an. JP Morgan setzt übrigens wieder auf die Deutschland-Karte. Abschließend noch mal mein Tipp and an alle Anleger und Vermögensberater: vergessen Sie bei Ihren Anlageentscheidungen „BRIC“ nicht, bevor es zu spät ist, denn wer zu spät kommt, den betraft die Börse!

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    Radio+TV-Hinweise: Der Autor wurde am 1. und 3. Juli 2009 von der Deutsche Welle im Radio über die Aussichten von Kasachstan und Russland befragt. Sie können sich das Interview und den Onlinebeitrag unter www.eaststock.de (dort unter de Rubrik Interviews) per link nach www.dw-world.de runterladen (auf Russisch). Der Autor wurde zudem am 6. Juli anlässlich des Besuchs von Obama in Russland in N24 über die Aussichten des russischen Aktienmarktes befragt. Wer das Interview verpasst haben sollte, kann sich das Interview auch unter www.n24.de im Archiv anschauen, wenn man „EAST STOCK TRENDS bei der Suchfunktion eingibt. Ein aktuelles Interview über den russischen Aktienmarkt mit dem Autor finden Sie bei www.k2kapital.com (in Russisch).

  • Kommt jetzt eine Sommerrallye oder das übliche Sommertheater?

    Samstag, 18. Juli 2009 15:23:00

    Der Auftakt für die Berichtssaison hätte nicht besser sein können. Goldman Sachs meldete einen hohen Quartalsgewinn von 2,7 Mrd. USD, was allerdings weniger war als im Vorjahr, und JP Morgan steigerte den Gewinn sogar um 36% zum Vorjahr auf 2,7 Mrd. USD. Am Freitag überraschten dann die Bank of America mit einem Quartalsgewinn von 3,2 Mrd. USD und die CitiGroup (wegen Smith Barney/Pfizer) sogar mit 4,3 Mrd. USD. Die guten Zahlen kommen wieder vom Investmentbanking bzw. von dem Anleihenmarkt und dem Underwirting für Emissionen. Zudem haben sich die Banken sehr günstig über die Notenbank refinanzieren können.

    Dabei erhöhten die Banken sogar die Rückstellungen, was darauf schließen lässt, dass es in der 2 Jahreshälfte vermehrt Kreditausfälle geben wird. Aufgrund der guten Zahlen konnte auch nicht die Nachricht stören, dass einer der größten Mittelstandsfinanzierer CIT in den USA kurz vor dem Bankrott steht. Die guten Zahlen sollten auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass US-Unternehmen sich immer noch in arger Refinanzierungsnot befindet, weil der Markt für Commercial Paper (CP) ausgetrocknet ist. Seit dem 1. April verminderte sich das Volumen der CP um 26% auf 1,1 Billionen USD. Die Börsen werden aber zunächst auf die nächsten Quartalszahlen und Konjunkturdaten bewerten und hier überwogen trotz des schlechten Ausblicks von Nokia zunächst die positiven Nachrichten. Bei den Konjunkturdaten fällt auf, dass die OECD und der IWF vor allem aufgrund der anhaltenden Wachstumsdynamik in China zurückrudern und wesentliche bessere Konjunkturdaten für 2010 prognostizieren. So geht der IWF von einem Welt-BSP-Wachstum von 2,5% aus. Der beste Prognoseindikator für die Wirtschaft ist Börse und die hat sich mit Ausnahme von „BRIC“ noch nicht so recht entschieden, wo sie hin will.

    Auch General Electric erzielte einen Gewinn von 2,7 Mrd. USD, der allerdings zum Vorjahr um die Hälfte sank. Während bei Google die Zahlen nicht überzeugten, überraschte IBM mit einem Gewinnanstieg um 12% auf 3,1 Mrd. USD, obwohl der Umsatz um 13% sank. Damit wurde die operative Gewinnmarge auf 45% verbessert. Sehr viele Unternehmen senken jetzt die Kosten, machen sich schlanker, womit die Rentabilität steigt.

    Die Wall Street reagierte schon nach dem Goldman Sachs und JP Morgan-Zahlen sehr positiv mit Kurssprüngen von 3% am Tag und über 7% in der letzten Woche. Auch die Äußerungen von „Mr. Doom“ Nouriel Roubini, dass die Talsohle erreicht sein könnte, wurden am Donnerstag positiv aufgenommen. Allerdings äußerte sich Roubini sehr viel differenzierter und er bleibt der bei der Meinung, dass der Weg zur Besserung sehr steinig ist. Zudem gab es erstmals positive Zahlen aus dem Immobiliensektor. So erhöhte sich die Zahl der Baubeginne auf erfreuliche 582.000 und auch die Baugenehmigungen stiegen um 8,7%.

    Positive Impulse gab es auch von China, wo das BSP um über 7% wuchs. China bleibt damit auf Wachstumskurs und durch die Rohstoffkäufe ist China auch die Hoffnung für Russland. Die Börse Shanghai ist mittlerweile die zweitgrößte Börse der Welt nach der Wall Street und erstmals vor Japan. Die einzige Börse, die in der letzten Woche ein neues Jahreshoch erreichte war Jakarta aus Indonesien. Nach dem Terroranschlag dürften die Kurse nächste Woche aber konsolidieren. Im Blickpunkt der internationalen Investoren rückt neben Indien auch Brasilien. Anleger können diese Länder mit einem ETF gut abdecken wie den iShare MSCI Brazil ETF. Viele deutsche Anleger und sogar deren Vermögensverwalter machen den Fehler, dass sie „BRIC“ zu stark untergewichten und daher nur unterdurchschnittliche Performanceergebnisse erzielen. Aufgrund der hohen Volatilität rate ich aber insbesondere bei „BRIC"-Investments zu einem aktiven Trading-Ansatz, um so hohe Verluste wie im letzten Jahr von 60-70% zu vermeiden.

    Russland ist zwar unter den „BRIC-Ländern am wenigsten nachgefragt, weil dort die Rezession mit -1o% beim BSP auch besonders scharf ausgefallen war. In Russland vermisse ich immer noch die schon of angekündigte, aber politisch noch nicht umgesetzte Modernisierungsoffensive, die dringend erforderlich ist. Zudem ist Russland immer noch sehr vom Öl abhängig und der Ölpreis fiel erst von 71 auf 60 USD/Barrel, um sich jetzt auf 64 USD/Barrel zu erholen. Aber auch die Moskauer Börse stieg mit über 40% weit mehr als der DAX oder der S&P-Index. Ich habe im letzten EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) auch einige Osteuropa- und Russland-EFT vorgestellt, mit denen Anleger den Markt gut abdecken können. Ich empfehle aber hier weiterhin einen aktiven Trading-Ansatz. So verlor der RDX-Index von der Spitze aus über 30%. Auch beim RTS-Index wurde aus einem Plus von über 80% nur noch ein Plus von über 40%. Der RTS-Index schloss am Freitag um 2,5% auf 925 Indexpunkte. Der Stahlkonzern Mechel überraschte ebenfalls mit positiven Quartalsergebnissen und stieg am Freitag um 7%. Auch die meisten anderen Rohstoffwerte konnten sich in der letzten Woche deutlich um ca. 10% erholen, nachdem sie zuvor durch Gewinnmitnahmen um über 30% eingebrochen waren.

    Bei dem St. Petersburger Dialog-Treffen in München bekräftigen die beiden Staatsoberhäupter Merkel und Medwedew den festen Willen zur strategischen Partnerschaft und Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen gerade in der Krise. So gab es Aufträge für Fraport beim Ausbau des Flughafens St. Petersburg, wovon auch Strabag profitieren wird (Gesamtvolumen 1,4 Mrd. €) und für Siemens beim Bau von Lokomotiven für die russische Staatsbahn RZD in Kooperation mit der russischen TMK. Zudem soll eine neue deutsch-russische Energieagentur gegründet werden, um auch die Energieeffizienz in Russland zu verbessern. Schließlich soll Exportkredit durch die KfW und VEB-Bank im Volumen von 500 Mio. € erleichtert werden. Der große Wurf ist dabei sicherlich nicht gelungen, aber auch dies sind erste Ansätze einer Normalisierung.

    Fast unisono stiegen auch die Kurse an den Ostbörsen in der letzten Woche infolge der guten US-Geschäftszahlen. Auch deutsche Blue Chips schafften das Comeback: Daimler stieg um 19% und VW trotz des Gerangels um die Vorherrschaft bei VW/Porsche um 19%, BASF um 14% und MAN um 13%, der DAX insgesamt um 400 Punkte bzw 8,8% und der Dow Jones um 7%. Dabei konnte beim DAX die magische 5000-er Marke aber noch nicht überwunden werden. Bisher haben erst 11% aller S&P-Unternehmen Quartalszahlen gemeldet. Im der nächsten Woche werden 10 S&P-Unternehmen Quartalszahlen melden, darunter auch Apple und Yahoo, die für den Technologiesektor maßgeblich sein werden. Ich rechne hier mit keinen allzu schlechten Zahlen. Apple ist mittlerweile nicht nur wegen des IPhone das an deutschen Börsen am meisten gehandelte ausländische Unternehmen. Der Kurs erreichte am Freitag sogar ein neues Jahreshoch mit 107 €, damit sieg die Aktie schon in den letzten 6 Monaten um über 75% von 60 auf 107 €. Der Haussetrend ist damit hier noch voll intakt. Dass Allzeithoch lag Ende 2007 bei 139 €.

    Der Ölpreis gab auf 60 USD/Barrel nach, konnte sich nun aber wieder auf 64 USD/Barrel erholen. Hier rechne ich mittelfristig eher mit fallenden Kursen, weil überwiegend auf Lager bzw herumfahrende Tanker gekauft wurde, die nach und nach die Lager füllen. Es gibt einige Experten, die den Ölpreis bis auf 20 USD/Barrel in diesem Jahr fallen sehen; in diesem Fall würden nicht russische Ölwerte, sondern de gesamte russische Aktienmarkt stark unter Druck kommen.

    Der Goldpreis stieg wieder auf 936 USD/Unze, obwohl der Dollar recht stabil um die 1,40 EUR/USD pendelt. Noch gibt es keine erkennbaren Inflationsschübe, weil die Rezession die Preisanpassung nach unten möglich macht. Dennoch gehe ich bei einem Goldpreis von über 940 USD/Unze von weiter steigenden Goldpreisen aus.

    Nach wie vor gibt es aber keine klaren Trends weder an den Rohstoff-, noch an den Kapitalmärkten oder Immobilienmärkten und wenn sind die Trends relativ kurzfristig, also noch nicht nachhaltig. Einen nachhaltigen Trend könnten Solarunternehmen in China werden.

    Die Finanzszene säubert sich gerade und stellt sich neu auf. Ich erwarte weiter Mega-Übernahmen. Arabisches Geld wird ganz gezielt in Industrie und Finanztitel fließen. So hängt das Schicksal von Porsche mit 10 Mrd. € Schulden von dem Einstieg aus Katar ab. Aber auch die Hedgefonds stellen sich neu auf. China wird weiter ganz gezielt Rohstoffunternehmen mit hohen Reserven aufkaufen und dafür auch hohe Aufgelder zum Marktpreis zahlen. Im Mai gab es erstmals wider positive Ergebnisse bei Hedgefonds und auch Mittelzuflüsse im Volumen von 1,5 Mrd. USD. Ein weiterer Trend ist, dass aus Anleihen vermehrt Aktien werden, was das Aktienangebot erhöhen wird. In Russland wird der Staat im Herbst vermehrt Vorzugsaktien gegen Anleihen im Rahmen eines „debt to equity-swaps“ erhalten, was man auch Nationalisierung auf leisen Sohlen nennen kann. Zudem gibt es weltweit vermehrt Wandelanleihen. Auch LBO-Bonds werden in Aktien umgewandelt, was den Markt der Neuemissionen mit einem Volumen von 2 Billionen USD bereichern wird. Zudem wird immer mehr Geld in Rohstoff-, Anleihen und Aktien-ETFs investiert werden, wobei es hier demnächst vermehrt auch gehebelte Produkte geben wird. Bisher war die Transparenz und die niedrigen Transaktionskosten der große Vorteil von ETFs, die zahlen- und volumenmäßig immer mehr zunehmen. Liquidität ist genug vorhanden, weltweit über 20 Billionen USD, die im Moment fast zinslos geparkt wird und demnächst renditewirksamer Anlagemöglichkeiten suchen und finden wird.

    Das Hauptproblem bleiben die toxischen Produkte, einige Banken benötigen keine Staatshilfe mehr wie Goldman Sachs und JP Morgan – hier werden auch die Boni wieder kräftig fließen (es bleibt hier also alles beim Alten) – andere Banken wie die CIT werden Pleite gehen, wobei die Staatseingriffe in Form von direkter Beteiligung und bad banks weiterhin notwendig sind. Hier sind die Mittel aber demnächst begrenzt für Rettungsmaßnahmen. Ich rechne aber in der 2. Hälfte mit der Ankündigung von weiteren Konjunkturprogrammen, da zunächst die meisten Gelder zur Stützungen von Banken mit systemischen Risiken aufgewendet, um nicht zu sagen, verpulvert wurden. Auch wird die Kreditausfallquote bei Banken ansteigen, je nachdem wie lange die Konjunkturschwäche anhält. Die Staatskassen werden immer leere und auch die Arbeitsämter müssen hohe Defizite verkraften.

    Nach dem starken Kursanstieg in der letzten Woche bleibt die Hoffung auf die Fortsetzung der Sommerrallye, wobei dies von den nächsten Quartalszahlen der US-Blue Chips abhängig wird. Ein Positionsaufbau sollte dennoch nicht ohne Stopp-loss-Marken getätigt werden. Ich bleibe dabei: wenn der S&P nachhaltig unter 875 Indexpunkte fallen sollte, weil doch einige bedeutende Untemehmen beim Gewinn oder auch Konjunkturdaten enttäuschen, sollten Sie auch an den Ostbörsen vermehrt (oder vollständig) in Liquidität gehen. Ich rechne mehr mit einer volatilen Seitwärtsbewegung, also einem S&P zwischen 950 und 900 im Trading-Bereich. Vor allem rechne ich mit einem Wechselbad der Gefühle, weil es positive (wie bei Apple?) und schlechte Quartalszahlen (wie bei Yahoo?) geben wird, wobei aber die positiven überwiegen werden. Jeder Unternehmensvorstand, der jetzt eine schlechte oder gar kein Guidance für das zweite Halbjahr abgibt, wird von der Börse abgestraft wie zuletzt Nokia mit einem eher verhaltenen Ausblick. Aufgrund des Basiseffektes werden einige Unternehmen aber auch merklich Gewinnsteigerungen zumindest zum Vorquartal zu vermelden haben, was der Börse wieder Nahrung für eine fortgesetzte Sommerrallye geben wird. Solange aber die 200-Tgaeslinie noch fällt, befinden wir uns in intakten Bärmärkten.

    Der RTS könnte in einem positiven Weltbörsenumfeld das Pull back auf 1000 Indexpunkte schaffen, wobei dann der Ölpreis wie Richtung 70 USD/Barrel tendieren müsste. Wenn der S&P aber den Widerstand bei 950 Indexpunkte knackt, sollten Sie auch schnell wieder den Aktienanteil an den Ostbörsen erhöhen und dabei sogar Russland übergewichten, denn dann kann es ein Sommerrallye bis 1000 Indexpunkte geben. Der DAX wird dann auch die 5000-er Marke (noch besser 5200) knacken und der Dow Jones die 9000-er Marke dann wird kurzfristig eine Rallye ausgelöst. Es kann aber auch sein, dass uns das übliche Sommertheater alle Sommerträume zunichte macht. Die meisten Anleger werden davon aber ohnehin wenig bis gar nichts mitbekommen, da sie sich in Urlaub befinden. Bei einem S&P von nachhaltig über 950 Indexpunkte werde ich bullish und bei unter 875 bearish – auch an den Ostbörsen.

    Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

    Radio+TV-Hinweis: Der Autor wurde am 1. und 3. Juli 2009 von der Deutsche Welle im Radio über die Aussichten von Kasachstan und Russland befragt. Sie können sich das Interview und den Onlinebeitrag unter www.eaststock.de (dort unter de Rubrik Interviews) per link nach www.dw-world.de runterladen (auf Russisch). Der Autor wurde zudem am 6. Juli anlässlich des Besuchs von Obama in Russland in N24 über die Aussichten des russischen Aktienmarktes befragt. Wer das Interview verpasst haben sollte, kann sich das Interview auch unter www.n24.de im Archiv anschauen. Ein aktuelles Interview über den russischen Aktienmarkt mit dem Autor finden Sie bei www.k2kapital.com (in Russisch).

  • Tickende Zeitbomben und viel „heiße Luft“

    Samstag, 11. Juli 2009 14:56:00

    Der G8-Gifpel in Italien zeigte deutlich auf, wie schwierig die Konsensfindung schon bei den 8 größten Industrienationen ist. In der Schlussresolution konnte man sich bei den drängenden Klimafragen nur auf eine Absichtserklärung einigen. Die Lufttemperatur soll in Zukunft nicht mehr als 2% in Durchschnitt ansteigen dürfen. Wie aber will man das konkret verhindern? Und was passiert, wenn sie es doch tut? Bisher wurde in Italien nur „heiße Luft“ versprüht. Die Regierungschefs sollten sich auch hier der Verantwortung für die Nachfolgegeneration bewusst sein. Immerhin ist jetzt zum ersten Mal Amerika bei den Absichtserklärungen mit im Boot. Es dürfte aber klar sein, dass zwar ohne die aktive Mitwirkung von Amerika kein globalen Klimaziele erreicht werden können, mindestens ebenso wichtig sind aber auch die Emerging Markets und hier insbesondere die BRIC-Länder. Hier geht es nicht nur um die Einhaltung der Ziele im Kyoto-Protokoll, sondern wirklich um globale Anstrengungen, die Erwärmung der Luft zu verhindern. Die Verminderung des weltweiten CO2-Ausstosses ist hier nur ein Mosaik im komplexen Klima-Puzzle, was eingehalten muss.

    Dabei sind die Fakten zwar bekannt, was aber fehlt, ist ein global anerkannter Schiedsrichter. Wir alle wissen welche verheerenden volkswirtschaftlichen Kosten in der Summe Natur- und Umweltkatastrophen haben werden. Ich nenne das den CO2-Killer, der auch aufgrund der hohen Kosten auch für die Weltbörsen von großer Bedeutung ist. Man muss dabei nur die allseits bekannten Berichte von großen Rückversicherungen wie von der Münchener Rück durchlesen und dabei geht es sicherlich nicht um unnötige Panikmache, um die Versicherungsprämie hochzutreiben. Die steigen schon wegen der zunehmenden Schadenssummen seien es Waldbrände nicht nur in Kalifornien), Erbeben in Entwicklungsländern, Überflutungen (zuletzt wieder in Tschechien) oder Sturmschäden. Ich fordere hier schon lange eine globale Evidenzzentrale und auch Kontrollmechanismen, die global wirken, denn Klimaveränderungen haben nun mal global Auswirkungen, die an keiner Grenze halt machen. Bisher verhielt sich die USA sehr restriktiv und wenig kooperativ, was die Verfolgung von Klimazielen angeht. Unter Obama könnte das anders werden. Aber der CO2-Killer wird ein erheblicher Kostenfaktor für den Energiesektor werden. Dies wird alle Versorger langfristig vor große Herausforderungen stellen.

    Klimaveränderungen und Umwelt- bzw Naturkatastrophen sind schleichende Zeitbomben, die schon lange tickt, bei denen man aber nicht weiß, wie weit die Lunte sich schon in Richtung des Sprengkopfes bewegt hat. Sie wird nicht in allen Ländern gleichzeitig losgehen aber einige Länder sind besonders gefährdet und andere Länder könnten sogar von der Klimaveränderung profitieren. Klimaveränderung ist auch ein Investmentthema an der Börse, nicht nur weil Green Energy“ immer mehr nachgefragt wird. Demgegenüber steht auch die Finanzierungsmöglichkeit von alternativen Energien, die zuletzt ins Stocken geraten ist und so manches Solarunternehmen an den Rand des Ruins gebracht hat. Es ist auch immer die Frage, wie weit die Alternative Energieunternehmen subventioniert werden und wo die Förderung wegfällt. Der Ausstieg aus der Atomenergie, der durch den Vattenfall-Fall jetzt wieder ein Wahlkampfthema wird, ist auch eine Kosten- und Finanzierungsfrage. Vielen Solarunternehmen wird jetzt in der Finanzkrise der Geldhahn abgedreht.

    Am besten werden wohl noch chinesische Solarunternehmen mit der Subventionierung der chinesischen Regierung abschneiden, die ich daher nach einer Korrektur auch langfristig weiterhin zum Kauf empfehle. Der Kurs der meisten chinesischen Solarunternehmen explodierte seit März um über 200%, während andere wiederum um die Existenz bangen. Die Schweizer Vermögensverwaltung Jud&Partner (Zürich, www.jpv.ch) hat sich auf dieses Thema spezialisiert und damit zuletzt auch überdurchschnittliche Anlageerfolge erzielt. Das Thema Klimawandel wird wohl nach langfristig ein spannendes und durchaus ertragreiches Investmentthema bleiben, das aber noch nicht von allen Ländern als Chance wahrgenommen wird. Das deutsche 300 Mrd. € Kooperations-Projekt in der Wüste ist noch sehr visionär, zeigt aber den Weg auf, was in Zukunft möglich sein wird.

    Bezeichnenderweise hat Russland kein einziges börsenotiertes Solarunternehmen und verpasst damit große Chancen. In Energiefrage ist Russland noch rückständig, da es sich zu sehr auf die großen Öl- und Gasvorkommen stützt. Russland setzt vor allem auf veraltete Kernkraftwerke, was wiederum auch eine Zeitbombe ist. Immerhin hat Russland im Gegensatz zu den USA das Kyoto-Protokoll unterschrieben. Der durchaus einnahmeträchtige CO2-Zertfifikatehandel soll durch die Sberbank in Zukunft abgewickelt werden.

    Es ist auch bezeichnend, dass am 6. Juli mit RusHydro das zweitgrößte Wasserkraftwerk ein IPO an der Londoner Börse wagte und keiner Notiz davon nimmt. Auch dies fällt in den Bereich der Green Energy. Leser des EAST STOCK TRENDS wurde rechtzeitig informiert und konnten vorbörslich an der MICEX in Moskau schon 100% als Pre-GDR machen. RusHydro wurde am 7. März schon in den MICEX10-Index eingeführt und an der Moskauer Börse handelbar gemacht. Der Kurs verdoppelte im Vorfeld des Listings an der Londoner Börse schon von 0,02 auf 0,04 USD. 1 GDR entsprechen 100 Stammaktien. Die Aktie wurde am 6. Juli zum Eröffnungskurs von 3,75 USD in London als GDR handelbar gemacht. Nun soll das GDR wiederum auf Antrag der Gesellschaft in ADR umgewechselt werden, da ein ADR-Programm angekündigt wurde. Am 8. Juli machte RusHydro eine zusätzliche Kapitalerhöhung, die gerade läuft, wobei der russische Staat Mehrheitsaktionär du Hauptzeichner der Aktien bleibt. Am 10 Juli wurde von RusHydro ein Delisting der GDR beantragt, um hernach die ADR einführen zu können. Der GDR/ADR-Wechsel soll am 8. August erfolgen.

    Alle anderen Medien beachteten dies in inmitten der Krise bemerkenswerte IPO kaum. Auch hier verkauft sich Russland nicht gut genug. Ich musste schon dafür persönlich sorgen, das RusHydro auch an deutschen handelbar gemacht wird, was mir schließlich auch gelang. RusHydro ist jetzt unter der WKN A0Q473 auch an deutschen Börsen ahndelbar. Am 10. Juli fiel der Kurs um 8,85% auf 3,4 USD. Das Interesse der Medien und Anleger in Deutschland ist aber erstaunlicherweise gleich Null. Hier werden Chancen seitens der Gesellschaft verpasst, neue Investorengruppen global zu erschließen, die man aber braucht, um den Wettkampf mit der Zeit zu gewinnen.

    Russland ist, was Energieeffizienz und auch Alternative Energie angeht, leider sehr rückständig und verpasst mögliche Zukunftschancen. In den USA wird es aber unter Obama einen Wandel geben und es wird mit China zusammen in einen Wettkampf treten, die Herausforderungen der zeit anzunehmen. Dies ist im Grund auch für Deutschland eine große Chance, sich zu etablieren und die Marktführerschaft zum Beispiel bei Windenergie zu behaupten.

    Klimawandel ist eine Zeitbombe mit enormen wirtschaftlichen Auswirkungen. So könnte auch Wasser ein knappes gut werden, um nur eine der vielen bedeutsamen Faktoren anzusprechen. Auch viel RusHydro wird der jeweiligen Wasserpegel von großer Bedeutung sein.

    Die zweite Zeitbombe ist die internationale Verschuldung, die ebenfalls ungeheurer Spreng- und Zerstörungskraft hat. Dadurch, dass die Zinslast immer höher wird, wird auch der Raum für Entwicklungshilfeprojekte und soziale Zecke immer geringer. Neben Kapital ist aber auch selbstlose Hilfe zur Selbsthilfe bei der Übertragung von Know how ein wesentlicher Aspekt, der vielfach (auch beim G8-Gipel) zu kurz kommt. Klimawandel ist ein Kostenfaktor und die Zahllast des Staates ist auch zweiter Kostenfaktor. Beides sind Exponentialkurven, die irgendwann implodieren, wenn das Fass übergelaufen ist. Keiner weiß aber genau, wann das Fass überlaufen wird. Ich weiß nur eins; wenn die Zinsen stark steigen sollten wird die Gefahr eines Staatsbankrotts schneller da sein als es den jeweiligen Finanzminister lieb ist. Ich fordere schon lange eine globale Evidenzzentrale für internationale Verschuldungsprozesse und das festlegen von Verschuldungsgrenzen, denn eine global Währungsreform wird ein sehr schmerzhafter Prozess werden, der entweder gut vorbereit sein will oder am besten vermieden wird.

    So stiegen in Deutschland, das noch relativ gering verschuldet ist, in diesem Jahr die Zinszahlungen von 40,9 auf 43,9 Mrd. €, wobei die Haushaltsausgaben von 283 a8f 303 Mrd. € ansteigen. Bis zum Jahr 2009 sollen die Staatsausgabe 303 Mrd. € betragen, die Zinszahlungen steigen dabei auf 54 Mrd. €. Es bleibt dabei also immer weniger für andere Etats wie Arbeit und Soziale und Gesundheit zur Verfügung. Auch der Kostenfaktor im Gesundheitswesen, der immer mehr zunimmt, ist aufgrund der demographischen Entwicklung übrigen ein Zeitbombe ebenso wie die nicht einlösbaren Pensionsverpflichtungen und Renten. Das große Fragezeichen für den Staat sind dabei auch, ob die Steuereinahmen von gegenwärtig 239 Mrd. € mittelfristig stabil bleiben können oder wegbrechen. Im nächsten Jahr wird ein Rekorddefizit in Höhe von 90 Mrd. € eingeplant. Auch das ist ein Sprengkopf, die im Auge behalten werden muss bevor der Staat sagt: Rien ne va plus! Im Wahlkampf werden jetzt einige Wahllügen erzählt. Bitte nicht darauf hören. Das Wahlergebnis wird allerdings eine nachhaltige Wirkung auf die deutsche Börse haben. Dazu später mehr.

    Die dritte Zeitbombe sind die Kreditderivate, die immer noch in den Banken schlummern im Gesamtvolumen von über 800 Billionen USD, wobei es nach dem IWF noch ein Abschreibungsbedarf von 4 Billionen USD weltweit gibt. Ob die nun allmählich in Mode kommenden bad banks ein volkswirtschaftlich sinnvoller Ausweg sind, wird sich zeigen. Die volkswirtschaftlichen Sanierungskosten sind enorm, denn die Haushaltsbilanzdefizite werden immer größer. Das meiste Geld der „Konjunkturprogramme“ ist Hilfe zum Überleben von insolventen Banken, was wohl notwendig ist, um der Super-Finanzgau zu verhindern, was aber volkswirtschaftlich sonst keinen Nutzen hat, also kein Wachstum bringt. Josef Ackermann hat jetzt immerhin erstmals zugegeben, dass mit der Pleite der Hypo Real Estate AG alle deutschen Banken drohten in die Insolvenz zu gehen inklusive der Deutsche Bank AG, die bisher noch keine Staatsgelder in Anspruch genommen hat. Die US-Regierung rudert bezüglich des Bad Banks-Konzeptes schon wieder zurück, anstelle von zuvor geplanten 1 Billion USD will US-Finanzminister Geithner jetzt nur noch 40 Mrd. USD für das Bad Bank-Konzept für toxische Wertpapiere zur Verfügung stellen. Die US-Banken haben bisher bereist 700 Mrd. USD von Staat zu bekommen und es gibt in der Tat erste Stabilisierungstendenzen. Allerdings sind es jetzt nicht nur die für Außenstehende undurchschaubaren Kreditderivate, sondern auch die realen Kredite, die immer mehr ausfallen. Nach S&P ist die Kreditausfallquote schon auf über 10% gestiegen Bis ende des Jahres wird eine Kreditausfallquote von 11-14% global erwartet. Dies wider viele Banken Ende des Jahres in die Insolvenz treiben. Bisher haben schon 48 Banken in den USA Insolvenz angemeldet so viel wie im gesamten Jahr 2008. Mein Eindruck ist aber: Die Lunte ist gezündet, schwelt weiter und noch nicht gelöscht.

    Die vierte Zeitbombe ist die Geldmenge, die 10-mal größer ist als das BSP. Fast alle Notenbanken, zuletzt auch wieder die EZB, pumpen immer noch Mrd. in den Geldkreislauf, wobei die Banken das Geld immer noch bei der EZB oder FED bunkern, d.h. das Geld kommt in der Realwirtschaft nicht hinreichend an. Wer wird wann das Geld abpumpen und welche folgen wird das für die Volkswirtschaften haben. Wann wird aus der Deflation eine Inflation? Immer dann, wenn Geldmengen stark eingeschränkt werden, gibt es schwache Börsen bis zu Börsencrashs und starke Wertminderungen bei Assets (auch Immobilien), die zuvor durch die Geldmengen aufgebläht waren. Nach wie vor geht das Geld im Moment mehr in Staatsanleihen. So sind der Bund Future und auch der japanische Anleihen-Future zuletzt stark gestiegen, was auch schon ein erstes Warnsignal für den Aktienmarkt ist. Es beginnt schon wieder die Flucht in Anleihen, sobald die Rohstoffpreise fallen.

    Eine fünfte Zeitbombe sind Währungen, dessen Tage gezählt sind, wobei auch der Dollar in (ferner) Zukunft an Gewicht verlieren wird. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, weil man auch hier auf Zeit spielen wird, aber es wird zum einen sowohl der Dollar die Vormachstellung verlieren als auch Kunstwährungen wie der Euro wird in dauerhaften Krisenszenarien Gefahr laufen auseinanderzubrechen. Neue Kunstwährungen werden dann ins Spiel kommen ebenso wie der Yuan auch von russischer Seite als neue Welthandelswährung ins Spiel gebracht wird. Wie schnell dies geht, ist nur eine Frage der Zeit und der Manipulationsversuche von Währungshütern und Regierungen, die oft unter einer Decke stecken. Die Anleger sollten aber schon jetzt darauf achten zum einen in welche Richtung der Dollar und zum anderen in welche Richtung die Schwachwährungen von Emerging Markets in Relation zum Dollar und Euro gehen werden. Fallen Die Schwachwährungen wieder in ein Loch, gibt es auch wieder neue Emerging Markte Krisen. In Gefahr sind baltische Währungen, die ukrainische, und russische Währung, aber der mexikanische Peso. Ich erwarte jedenfalls im Herbst neue Währungsturbulenzen.

    Die sechste Zeitbombe ist die Wirtschaft selbst, also die Frage Rezession oder Depression oder Konjunkturaufschwung in 2010. Wie schön zu höhern, dass der IWF glaubt, dass wir im nächsten Jahr wieder ein globales Wachstum von 2,5% haben werden. Es gibt aber Prognosen die von einer langjährigen Rezession ausgehen. Von vielen Ökonomen werden jetzt neu Konjunkturprogramme gefordert, was die Verschuldung weiter erhöhen und die Nachfolgegeneration weiter belasten wird, wenn wir nicht schon in einigen Jahren die globale Überschuldung zu am eigenen Lieb zu spüren bekommen. Vor allem die westlichen Industrieländer brauchen überdurchschnittliche Wachstumsraten, die höher sind als die Zinsen, um die Schulden abzubauen; wie aber soll das geschehen?

    Die große Hoffung bleiben die Emerging Markets mit ihren überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Es gibt viele, die Parallelen der jetzigen Periode mit den Jahren 1929 bis 1933 sehen, die den Grundstein für einen Weltkrieg bedeuten. Auch jetzt ist die Gefahr eines nuklearen Weltkrieges noch nicht beseitigt. Die Abrüstungsvorschläge von Obama an Russaldn sind zwar gut gemeint; die Gefahr geht aber von Terroristen mit nuklearen Sprengköpfen und solchen zukünftigen und gegenwärtigen Atommächten wie Nordkorea, Pakistan und in Zukunft Iran aus. Der Rüstungsetat ist in den USA um 10% selbst in der Krise gestiegen. Wozu? Auch hier tickt eine Zeitbombe und keiner weiß, wer die Lunte zünden kann und wo sich die Lunte befindet.

    Ich habe den Eindruck, die G 8-Treffen sind nicht mehr zweitgemäß und sie bringen uns auch nicht weiter, da immer wieder auf Zeit gespielt wird. Eindeutige Impulse für die Weltwirtschaft sind jedenfalls nicht zu erkennen. Auch wurde leider die Chance verpasst, ein globales Risikofrüherkennungs- und -überwachungssystem zu entwickeln. G20 ist schon ein fortschritt, aber die G20 müssen einen Global-Chef und einen Global Supervisor wählen, der die Gesundungsprozesse überwacht. Wir leben in der Welt des Internet und damit der Vernetzung. Protektionismus oder auf Rufe wie Buy China, USA bringen uns als Weltgemeinschaft nicht weiter, Die Stunde der Wahrheit schlägt dann schneller als einem lieb ist. Die Börse haben recht gute Sensoren für zukünftige Entwicklungen. Das G8-Treffen war leider wieder einmal ein Non Event für die Börse. Das nächste G20 treffen im Herbst wird da schon spannender. Es wird notgedrungen zu neuen Konjunkturprogammen kommen, was die Verschuldung noch mehr ausweiten und die Zinslast noch mehr erhöhen wird. Die Zeitbombe ticken indessen (fast unbemerkt) weiter. Wo aber ist die globale Feuerwehr und wie weit ist die Lunte schon vor dem Sprengkopf angekommen? Obama & Co: es ist fünf vor zwölf. Bitte aufwachen!

    Die Börse hat indessen die Korrektur fortgesetzt und befindet sich charttechnisch in einer brisanten Ausgangssituation. Alle Welt blickt jetzt auf die Wall Street: Wenn der S&P nachhaltig unter 870 fallen sollte, ist die Gesamtkonstellation sehr bearish. Zu einem deutet sich beim S&P und auch bei Dow Jones eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation an, zum anderen werden bei neuen Tiefs Stopp-loss Order ausgeführt. Auch sie sollte bei einem S&P bei unter 870 Indexpunkten an den Ostbörsen in Cash gehen, zumindest bei den liquiden Titeln. Ich hatte Ihnen schon vor zwei Wichen geraten in Cash zu gehen, was sich auch schon als richtig herausgestellt hat. Viele erwarten erst für den Herbst starke Korrekturen nach unten; sie könne aber Aus dem Nichts (Bzw aus dem Sommerloch) heraus sehr viel früher kommen, wenn dies die Markttechnik anzeigt. Zum anderen gibt es (zum Glück) auch immer wieder Bärenfallen, so dass Short-Position mit Stopp-loss etwa über dem Einstiegskurs abzusichern ist. Jetzt beginnt die Berichtssaison, wobei der Staat von Alcoa mit einem Verlust von 400 Mio. USD zwar etwa besser ausfiel als erwartet, aber auch keine Trendwende erkennen lässt. Wir bleiben also in intakten Bärmärkten.

    Am Freitag schloss der DAX mit einem Minus von 1,16% bei 4576 Indexpunkten, wobei das Unterschreiten von 4500 Indexpunkten ein weiteres Verkaufssignal auslöst. Der S&P-Index gab am Freitag hingegen nur um 0,4% auf 879 Indexpunkte nach. Sie wissen bereits, dass die eine sehr kritische und brisante Marke ist. möglicherweise verhilft das „Plunge Protection Team“ nächste Woche zu einer Zwischenhausse, indem Future-Kontrakte auf den S&P gekauft werden und ein Short-Squeeze auslösen. Die Zahl der Leerverkäufe ist in den USA schon wieder stark gestiegen ebenso wie kreditfinanzierte Käufe. Dennoch wird es unter 870 Indexpunkte sehr bearish. Dementsprechend muss beim Dow Jones nächste Woche die 8000-er Marke halten sonst geht es steil abwärts. Was bleibt ist die Flucht in die Anleihen, so dass Bund-Future und auch der japanische Anleihen-Future weiter freundlich tendieren sollten.

    Der Ölpreis war letzt Woche schon kräftig von 71 auf 61 USD/Barrel gefallen, was charttechnisch auch ablesbar war. Damit hat der Ölpreis seien Bullenmarkt seit Anfang des Jahres von 40 auf über 70 USDD/Barrel verlassen. Bei unter 58 USD/Barrel ist sogar eine fortgesetzte Korrektur bis auf 52 USD/Barrel wieder möglich und dann wird es auch für russische Ölwerte wieder kritisch. Ich hatte schon zuvor zu Positionsglattstellungen im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) geraten. Cash ist daher wieder King. Der RTS fiel am Freitag um 5,62% auf 835 Indexpunkte, was nach dem Unterschreiten von 950 Indexpunkten charttechnisch vorhersehbar war. Damit schrumpfte auch das Plus von über 80% auf unter 40%. Die von mir EAST STOCK TRENDS empfohlenen RTS-Mini-Short-Zertifikate der RBS liefen schon kräftig in den Gewinn.

    Ebenso könnte Gold demnächst trotz Mega-Krise weiter nach unten korrigieren, wenn er unter 900 USD/Unze fallen sollte. Den Bullenmarkt seit Oktober letzten Jahre (von 720 auf 950) hat er bereits verlassen. Der größte Aufkäufer von Gold waren zuletzt die Schweiz und ETFs, während die Nachfrage in Indien nachlässt. Indien hat nun auch eine Importsteuer auf Gold erhoben. Auch andere Rohstoffe korrigierten in diesem Umfeld. Der Dollar konnte sich indes bei 1,39 EUR/USD in der Seitwärtsbewegung behaupten. Er befindet sich damit in der Trading-Range 1,38 bis 1,42. Über 1,42 sollten Sie bei Euro long gehen und bei unter 1,37 beim Dollar long gehen. Wenn der Dollar wieder stärker wird, werden die Rohstoffe weiter korrigieren. Auffallend fest ist weiterhin der Bund-Future bei 122,23, was nur ein Zeichen von Flucht in die Anleihen ist

    Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

    Radio+TV-Hinweis: Der Autor wurde am 1. und 3. Juli 2009 von der Deutsche Welle im Radio über die Aussichten von Kasachstan und Russland befragt. Sie können sich das Interview und den Onlinebeitrag unter www.eaststock.de (dort unter de Rubrik Interviews) per link nach www.dw-world.de runterladen (auf russisch). Der Autor wird zudem am 6. Juli anlässlich des Besuchs von Obama in Russland um 18.15 Uhr live in N24 über die Aussichten des russischen Aktienmarktes befragt. Wer das Interview verpassen sollte, kann sich das Interview auch unter www.n24.de anschauen.

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